Aktuelle Kolumne vom 27.02.2017 - Nr. 445


Klaus-Peter Wolf

daumen rauf

Ostfriesentod

Ostfriesentod

Schlimmer hätte es nicht kommen können: Ann Kathrin Klaasens Twingo war geblitzt worden, aber zu einer Zeit und an einem Ort, an dem sie nicht gewesen sein konnte. Weiter wird Ann Kathrin beschuldigt das Notebook einer jungen Frau ohne Grund beschlagnahmt zu haben. Was auch nicht sein kann. Und dann der große Schock: Sie soll eine Frau erschossen haben. Mit ihrer eigenen Dienstwaffe. Es gibt nun eine ganze Beweiskette gegen Ann Kathrin. Wie soll sie ihre Unschuld beweisen? Denn jemand hat sich ihrer Identität bemächtigt. Jemand verübt in ihrem Namen Straftaten. Jemand will sie vernichten.

Bestsellerautor Klaus-Peter Wolf – wunderschönes Ostfriesland – spannender Kriminalroman – eine literarische Kult-Ermittlerin. Diese vier Dinge gehören zusammen wie Ebbe und Flut. Auch auf den 11. Fall von Ann Kathrin Klaasen trifft das zu. Wobei hier diesmal die Kommissarin selbst im Mittelpunkt eines Täters steht. Ich war gefesselt, von dem nicht nervenaufreibenden, sondern eher unaufgeregten und nachdenklich machenden Kriminalroman. Wer Ann Kathrin Klaasen und ihre Truppe nicht kennt oder schätzt, dem kann manch Passage im Roman als langweilig erscheinen. Doch wer alle Bände gelesen hat, folgt der Entwicklung der Figuren mit Spannung.

Fischer, 541 Seiten; 10,99 Euro


Alexandra Oliva

daumen runter

Survive

SurviveTief in einem felsigen Waldgebiet beginnt die Fernseh-Show: mit zwölf Frauen und Männern, die sorgfältig gecastet wurden, um den Zuschauern etwas zu bieten. Schon bei den ersten Gruppenaufgaben geraten einige Teilnehmer an ihre Grenzen – Orientierungsläufe, Lager bauen, Nahrung finden. Allianzen werden geschmiedet, Konflikte brechen auf, die Prüfungen werden härter und perfider. Und bald muss sich jeder Kandidat ganz allein zu seiner großen Einzel-Challenge aufmachen. Doch keiner ahnt, welch tödliche Gefahr bereits in das Überlebens-Spiel eingebrochen ist.

Ich war sehr gespannt auf diesen Thriller! Ich hatte mir schon ausgemalt, wie er geschrieben, wie gut er geschrieben sein wird. Leider traf meine Vorfreude weder auf die Umsetzung der guten Idee zu, noch wie der Roman aufgebaut war. Auch konnte ich mich für die Charaktere nie richtig erwärmen. Es gibt spannende Momente in „Survive“, manchmal sogar richtig viele hintereinander, aber dann passiert wieder lange nichts annähernd nur Spannendes. Das liegt eben auch daran, wie der Roman aufgebaut ist und an den unzureichenden Figurenbeschreibungen. Die Rechte des Thrillers wurden in über 25 Länder verkauft. Da fragt man sich schon, was die Einkäufer an diesem Thriller gut fanden. Wahrscheinlich nur die Idee, denn die ist ja gut, aber gelesen haben sie das Buch wohl nur ansatzweise.

Scherz, 409 Seiten; 14,99 Euro


Philippe Georget

daumen rauf

Rabenschwarzer Winter

Rabenschwarzer Winter Inspecteur Gilles Sebag kommt gerade in Weihnachtsstimmung, als er entdeckt, dass seine Frau Claire ihn betrügt. Seine Welt bricht zusammen. Kann er ihr das jemals verzeihen? Zusätzlich beschäftigt ihn auch sein nächster Fall. Eine erschlagene Frau, ein Mann, der sich aus dem Fenster stürzt, ein weiterer, der droht, sich in die Luft zu jagen ... Gilles findet schnell heraus, dass die Morde zusammenhängen: Es handelt sich bei allen um Eifersuchtsdramen. Wer ist der Psychopath, der hier die Fäden in der Hand zu halten scheint? Woher hat er sein Wissen über die untreuen Partner? Gilles muss das beschauliche Perpignan vor einem moralischen Rachefeldzug bewahren - und gleichzeitig seine Ehe retten.

Nach den begeisternden Kriminalromanen „Dreimal Schwarzer Kater“ und „Wetterleuchen im Roussillon“ folgt mit „Rabenschwarzer Winter“ nun der dritte Fall für Inspecteur Sebag. Gilles Sebag muss bei diesem Fall mehr mit seinen eigenen Gefühlen kämpfen, als gegen einen Verbrecher. Philippe Georget lässt den Kriminalfall doch etwas links liegen und kümmert sich sehr um seine Protagonisten und ihre Probleme. Doch langweilig wird der Roman nicht, denn Philippe Georget überträgt das Frankreich-Flair auf seine Figuren und auch auf seine literarische Umgebung. Er schafft es, dass man auch die weniger spannenden Momente mit großem Genuss liest. Philippe Georget ist eine sichere Bank, wenn es um gute Frankreich-Krimis geht!

Ullstein, 476 Seiten; 9,99 Euro


Catherine Simon

daumen rauf

Bitterer Calvados

Bitterer Calvados

Deauville im Frühling. Bereits zum fünften Mal lockt der Ort mit seinem Krimi-Festival „Mord am Meer“ die Besucher an. Und diesmal konnte man auch den berühmten Bestsellerautor Jean-Paul Picard für eine Lesung zu engagieren. Der Autorenabend ist ein voller Erfolg. Doch am nächsten Morgen liegt Picard tot in seiner Hotelsuite. Das Letzte, was er zu sich genommen hatte, war ein Calvados. Picard wurde vergiftet. Bei seinen Ermittlungen trifft Kommissar Leblanc auf missgünstige Autoren, gierige Verleger und weibliche Fans, die es faustdick hinter den Ohren haben.

Ach wie schön mörderisch ist es an der Küste der Normandie! Catherine Simon macht aus ihren Frankreich-Krimis um Kommissar Leblanc, ein Genussmensch auf allen Ebenen, einen Spannungsurlaub für gestresste Seelen. Nach den fantastischen „Kein Tag für Jakobsmuscheln“ und „Wintergäste in Trouville“ darf Kommissar Leblanc auch ins seinem dritten Fall wieder all seine Trümpfe ausspielen. Seine laissez faire Art und sein Geschick, Kriminalfälle zu lösen.

Goldmann, 255 Seiten; 8,99 Euro


Arno Strobel

daumen rauf

Im Kopf des Mörders – Tiefe Narben

Im Kopf des Mörders  Tiefe Narben

Max Bischoff, Oberkommissar, Anfang dreißig, ist der Neue bei der Düsseldorfer Mordkommission. Er ist hoch motiviert und schwört auf moderne Ermittlungsmethoden, was nicht immer auf Gegenliebe bei den Kollegen stößt. Sein erster Fall beim KK11 hat es in sich. Auf dem Polizeipräsidium taucht eines Morgens ein Mann auf, der völlig verstört und von oben bis unten mit Blut besudelt ist. Er weiß weder, was in der Nacht zuvor geschehen ist, noch hat er eine Erklärung für das Blut auf seiner Kleidung. Wie sich bald herausstellt, stammt es nicht von ihm selbst, sondern von einer Frau. Einer Frau, die vor über zwei Jahren spurlos verschwand. Die für tot gehalten wird. War sie all die Zeit über noch am Leben und ist erst vor kurzem getötet worden? Und was hat der Mann mit der Sache zu tun? Ist er Täter oder Opfer? Als kurz darauf eine Leiche am Rheinufer gefunden wird, verstricken Max Bischoff und sein Partner Horst Böhmer sich immer tiefer im Dickicht der Ermittlungen, um einen Fall zu lösen, in dem lange nichts zusammenzupassen scheint …

Wenn Arno Strobel eins sehr gut kann, dann ist es nervenaufreibende Thriller zu schreiben, die einen nur wenig Möglichkeit geben, Luft zu holen. Das trifft auch auf seinen neue Thriller „Im Kopf des Mörders – Tiefe Narben“ zu. Von Seite eins an geht es Schlag auf Schlag. Arno Strobel hält sich nicht mit zu vielen Nebensächlichkeiten auf, sondern kommt schnell auf den Punkt. Dieser Thriller ist der erste einer Trilogie um Oberkommissar Max Bischoff. Da ist eines sicher: Eine Thriller-Trilogie, die es in sich hat!

Fischer, 364 Seiten; 9,99 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Tana French

Gefrorener Schrei

Gefrorener SchreiAislinn Murray ist jung, hübsch und liegt tot in ihrem Haus, der Tisch ist für ein romantisches Abendessen gedeckt. Eindeutig wieder so eine Beziehungstat, denkt die Polizei. Doch bald stoßen die Detectives Antoinette Conway und Stephen Moran auf Ungereimtheiten. Und es wird immer offensichtlicher, dass jemand in der Mordkommission ihre Arbeit behindert. Weil sich Antoinette mit ihrer toughen Art Feinde gemacht hat? In einem Ermittlungskreisel wird nur eines immer deutlicher: Unschuldig ist hier niemand.

Bestsellerautorin Tana French gehört zu den ganz großen Autorinnen der europäischen Krimi-Szene! Ihre Kriminalromane überzeugen immer durch ihre sehr intensive Betrachtung ihrer Figuren und den tiefen Blick in die Seele ihre Protagonisten. So auch in ihren neuen Krimi „Gefrorener Schrei“, der zweite Fall für Conway und Moran nach „Geheimer Ort“. In „Gefrorener Schrei“ steht die Polizeiarbeit sehr im Mittelpunkt, und wie es unter den Kollegen zugeht. Der Fall wird manchmal etwas an den Rand gedrückt. „Gefrorener Schrei“ –spannend und authentisch! Die Krimi- und Thriller-Stimme Nina Petri liest bestechend souverän. Was anders kennt man von ihr auch nicht.

Auch als Paperback erhältlich bei Scherz, 16,99 Euro.

Argon Hörbuch, 2 MP3 CDs, 1.006 Minuten; 19,99 Euro


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