April 2017

Kolumne vom 24.04.2017 - Nr. 453


Cory Taylor

daumen rauf

Sterben – Eine Erfahrung

Sterben Eine Erfahrung

2015 erfährt die australische Schriftstellerin Cory Taylor, dass sie nicht mehr lange zu leben hat. In nur wenigen Wochen verfasste sie dieses Buch, das kurz vor ihrem Tod 2016 erschien. Auf bemerkenswerte Weise reflektiert sie über den Sinn der Zeit, die ihr noch bleibt. Sie lässt uns teilhaben an ihrer Erfahrung, was das Sterben sie gelehrt hat. Der universellen Frage über ein Leben nach dem Tod begegnet sie als nichtreligiöser Mensch in einer sie selbst überraschenden spirituellen Form. Sie erfasst die transformative Kraft des Prozesses, in dem sie sich befindet, und es gelingt ihr, sich diesem kreativ und ehrlich zu stellen. Cory Taylor hat uns allen mit diesem Buch etwas wertvolles geschenkt. Klug, schlicht und zutiefst weise sind ihre Gedanken über das Sterben, die zugleich eine Hymne an das Leben sind.

Von der ersten Seite an leidet man mit, ist traurig, gerührt, und trotzdem kämpferisch, auch wenn man weiß, dass der Kampf verloren gehen wird. Die Australierin Cory Taylor lässt einem an einem Tabuthema, wie Taylor feststellen muss, teilhaben, dem Sterben. Was denkt man, was fühlt man, was tut man, was sind die Wünsche, wenn man weiß, dass man bald sterben wird. „Sterben“ ist auch ein reinigendes Buch. Beim Lesen bekommt das unweigerliche immer mehr ein Gesicht und man denkt immer mehr darüber nach, dass es einem auch selbst so ergehen wird. Das kann reinigende Kräfte entwickeln. Lebe, so lange du kannst, und nimm jeden Tag als großes Geschenk an. Nichts ist selbstverständlich.

Allegria, 172 Seiten; 18,00 Euro


Neil Gaiman

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Nordische Mythen und Sagen

Nordische Mythen und SagenNeil Gaiman nimmt uns mit auf eine Reise nach Asgard, erzählt die nordische Mythologie neu. Wir treffen den mächtigen Odin, reisen mit Thor und seinem Hammer durch die neun nordischen Welten, erleben die Liebenswürdigkeit und die Grausamkeit der Götter, wir fürchten die Ragnarök, die letzten Tage. Doch sind es wirklich die letzten? Neil Gaiman erzählt aus einer lange vergangenen Zeit, aus einer weit entfernten Welt.

Man nehme einen Bestsellerautor, dessen Name auf dem Buchcover automatisch Bücher verkauft, ein Thema, das zwar interessant ist, aber keinesfalls eine durchgehend spannende Lektüre hergibt, ein Thema, das es ohne Neil Gaiman auf dem Cover niemals zu einem Hardcover gebracht hätte, sondern nur zu einem schmalen Taschenbuch. Und dieses schmale Taschenbuch hätte sich dann vielleicht ein paar hundert Mal verlauft. Doch nun gibt es Neil Gaiman und dieses Hardcover, und das bedeutete viele verkaufte Stückzahlen. Plagt den großartigen Bestsellerautor eine Ideenblockade, da er so ein Werk auf den Markt bringen muss? Einen Gefallen hat er sich damit nicht getan. Das Buch hätte auch jeder gute Sachbuchautor schreiben können, das Talent eines Neil Gaiman ist hier total verschwendet.

Eichborn, 253 Seiten; 22,00 Euro


Stefanie Giesselbach

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Meine abgeschminkten Jahre

Meine abgeschminkten Jahre Die junge Hamburger Geschäftsfrau Stefanie Giesselbach ist keine 30, als sie in Chicago verhaftet wird. Nach und nach begreift sie, dass sie für die dubiosen Zollgeschäfte ihres Arbeitgebers büßen soll. Sie verliert ihren Job, ihr Einkommen und nach und nach auch ihren Partner. Sie durchlebt vier Jahre Zwangsaufenthalt in den USA, schließlich muss sie für zehn Monate ins Gefängnis. Im Frauenknast erlebt sie Denunziation, Gewalt und Drogengeschäfte – aber auch Fürsorge und Zusammenhalt. Sie trainiert Hunde für Behinderte und eröffnet ihre eigene Eisdiele. Als sie endlich nach Hamburg zurückkehrt, hat sie fünfeinhalb Jahre verloren – aber eine Stärke gewonnen.

Das ganze Buch über begleitet einen ein beklemmendes Gefühl. Unweigerlich denkt man daran, was, wenn man selbst unschuldig in den Strudel der US-Justiz kommen würde? Dabei absolut ohnmächtig ist und nur alles über sich ergehen lassen muss. Und dabei hat Stefanie Giesselbach keine Drogen, Waffen oder illegale Substanzen verkauft, sondern einfach nur Honig im Auftrag ihres Chefs. Doch das reichte, damit ihr die US-Justiz so viel Lebenszeit hat stehlen können. Das ganze liest sich wie ein Hollywood-Film. Ein schrecklich realer Film für Stefanie Giesselbach. Spannend aufgebaut, abwechslungsreich erzählt. Man bekommt einen Einblick in das US-Justizsystem und über das, was in einem Frauengefängnis täglich so passiert.

Piper, 352 Seiten; 15,00 Euro


Ian Rankin

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Ein kalter Ort zum Sterben

Ein kalter Ort zum sterben

Bei einem romantischen Dinner im Caledonian Hotel erinnert sich Rebus an einen Mord, der fast vierzig Jahre zuvor dort stattgefunden hat: Eine junge lebenslustige Bankiersgattin wollte in dem Luxushotel einen Liebhaber empfangen – am nächsten Morgen wurde sie tot aufgefunden. Die Verdächtigen kamen aus den besten Kreisen, der Täter wurde nie gefasst. Ein Skandal, der Rebus nicht loslässt. Während er sich in den alten Akten vergräbt, gerät das kriminelle Machtgefüge in Edinburgh gefährlich ins Wanken: Darryl Christie, einer der Hauptakteure, wird überfallen und halb totgeschlagen. Zieht Ex-Gangsterboss Big Cafferty im Hintergrund die Fäden? Die erste Leiche im tödlichen Revierkampf von Schottlands Unterwelt lässt nicht lange auf sich warten.

Zum Glück für die Krimiliteratur kann Ian Rankin seinen Kultermittler John Rebus nicht ruhen lassen! Und genauso vorzüglich ist die Weiterentwicklung der zahlreichen anderen Figuren, die in jedem Buch wieder auftauchen. „Ein kalter Ort zum Sterben“ vereint wieder alles, was einen guten Rankin ausmacht. Reichlich Spannung, Gesellschaftliche Ausleuchtung, starkes Personal – ein Rankin durch und durch.

Goldmann, 475 Seiten; 20,00 Euro


Prof. Dr. Elizabeth Blackburn / Prof. Dr. Elissa Epel

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Die Entschlüsselung des Alterns

Die Entschlüsselung des Alterns

Telomere sind die Schutzkappen unserer Chromosomen und damit direkt mit der Zellalterung sowie dem Entstehen vieler Krankheiten wie Krebs, Diabetes und Herzkreislaufbeschwerden verbunden. Nobelpreisträgerin Dr. Elizabeth Blackburn und ihre Kollegin Dr. Elissa Epel haben in jahrelanger Forschung herausgefunden, woraus unsere Telomere bestehen und wie wir sie erhalten können. Wissenschaftlich fundiert und praktisch erklärt: In diesem Buch finden Sie die Anleitung für einen vitalen Körper.

Lernen Sie den Telomer-Effekt kennen und genießen Sie ein gesundes und langes Leben! Ganz so einfach ist es natürlich auch nicht, man muss schon etwas tun, und sein Leben anpassen, aber wenn man das tut, hat man gute Chancen gesünder zu leben als die, die sorglos mit ihren Zellen umgehen. Dazu gehören ausreichend Sport, gesunde Ernährung, geistige Fitness, ein gesunder Schlaf, emotionales Gleichgewicht. „Die Entschlüsselung des Alterns“ ist wie eine Bibel für Ihre Gesundheit! Wenn Sie es einmal haben, geben Sie es nicht mehr her.

Mosaik, 463 Seiten; 24,00 Euro


Hörbuch der Woche

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David Foenkinos

Das geheime Leben des Monsieur Pick

Das geheime Leben des Monsieur Pick AudioIm bretonischen Finistère gibt es eine ganz besondere Bibliothek. Sie sammelt Manuskripte, die nie erscheinen durften. Eines Tages entdeckt dort eine junge Pariser Lektorin ein Meisterwerk, und der Roman wird zum Bestseller. Der Autor, Henri Pick, war der Pizzabäcker des Ortes. Seine Witwe beteuert, er habe zeit seines Lebens kein einziges Buch gelesen und nie etwas anderes zu Papier gebracht als die Einkaufslisten – ob er ein geheimes Zweitleben führte? Diese verrückte Geschichte spornt viele Menschen an, selbst Neues zu wagen: Paare trennen sich, Liebende finden unerwartet zueinander, und so manche Gewissheit wird auf den Kopf gestellt.

Eine ganz wunderbare Geschichte über das Leben, das Schreiben, das Wunder von Büchern, und die nicht kleineren Wundern in der Liebe und der Ehe. „Das geheime Leben des Monsieur Pick“ ist ein herzerwärmender literarischer Schatz. Heben Sie ihn für sich und tauchen Sie ein. Der französische Bestsellerautor David Foenkinos beweist mit diesem Roman, dass er auch Komödie kann. Hervorragend charmant und eingängig gelesen von Axel Milberg, einem der besten „Tatort“-Kommissare.

Das geheime Leben des Monsieur Pick

Auch als Hardcover erhältlich bei DVA, 19,99 Euro.

Der Hörverlag, 6 CDs, 434 Minuten; 19,99 Euro


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Kolumne vom 17.04.2017 - Nr. 452


Luo Guanzhong

daumen rauf

Die Drei Reiche Band 1 und Band 2

Luo Guanzhong Die drei reiche Band12

„Die Drei Reiche“ erzählt von der heroischen Epoche Chinas im 2. und 3. Jahrhundert. Das Reich war zerfallen, der Kaiser hilflos. Alle Macht gehörte Generälen, Eunuchen, intriganten Witwen, genialen Strategen und todesmutigen Helden. Erst hundert Jahre später, nach zahllosen Schlachten und Feldzügen von der Mongolei bis nach Vietnam, war das große Reich wieder geeint. Nie zuvor gab es eine vollständige Übersetzung der „Drei Reiche“ ins Deutsche. Eva Schestag schließt endlich diese große Lücke in unserer Kenntnis über das Reich der Mitte – mit einer lebendigen und spannenden Übersetzung in einer umfassend annotierten Ausgabe.

DAS Meisterwerk der chinesischen Literaturgeschichte! Will man Chinas Kultur verstehen, muss man diese beiden Bücher lesen. Der Autor des legendären Werks Luo Guanzhong lebte wohl im 14. Jahrhundert, am Ende der Yuan-Dynastie. Wenn man die Bücher gelesen hat, versteht man, warum auch im heutigen China Monumentalfilme, Fernsehserien und Videospiele den Stoff immer wieder aufgreifen. „Die Drei Reiche“ enthält so viel, man weiß gar nicht, was man alles darüber schreiben soll. Die Geschichte könnte auch im Westen als Vorbild für viele historische Romane und mystische Fantasysagen dienen. Das einzige, was für den westlichen Leser etwas schwer ist, sind die vielen chinesischen Namen. Da muss man mit sich selbst Geduld haben, nach und nach bekommt man ein Gespür dafür. „Die Drei Reiche“ = Sensationell! Sagenhaft! Superklasse!

S. Fischer, 1.740 Seiten; 99,00 Euro


Louisa Thomsen Brits

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Hygge

Hygge Louisa Thomsen BritsDie Dänen sind das glücklichste Volk der Erde – laut Weltglücksbericht der Vereinten Nationen. Ihr Glücksrezept heißt „Hygge“. Dahinter verbirgt sich die gemütliche Art zu leben: sich genug Zeit zu lassen für die wichtigen Dinge, das Leben nicht so schwer zu nehmen, gesellig zu sein und lustvoll zu genießen. Dieses Buch erklärt, wie das den Dänen seit Jahrhunderten gelingt und wie auch wir mit „Hygge“ ein wenig glücklicher werden.

Wenn das Hygge-Buch von Louisa Thomsen Brits das einzige auf dem Markt wäre, würde ich sagen, sofort zugreifen und sich an dem Lebensgefühl Hygge mit diesem Buch erfreuen. Doch dieses Buch ist zu diesem Thema nicht das einzige. Das weiter unten besprochene von Meik Wiking bringt Hygge und alles was es ist, viel besser, schöner und bunter rüber. In dem Buch von Meik Wiking wird das Lebensgefühl schnell vermittelt. Das Buch ist zudem fast doppelt so groß wie dieses hier von Mosaik und kostet im Vergleich dann nur € 20. Das Buch von Louisa Thomsen Brits wirkt gegen das von Meik Wiking trist und karg, und die enthaltenen Fotos vermitteln Hygge jetzt auch nicht wirklich gut. Sie wirken eher wie Bilder auf einer Trauerkarte.

Mosaik, 192 Seiten; 16,00 Euro


Shari Lapena

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The Couple Next Door

The Couple Next Door Deine Nachbarin möchte nicht, dass du dein Baby zur Dinnerparty mitbringst. Dein Ehemann sagt, das sei schon in Ordnung. Ihr wohnt ja gleich nebenan. Außerdem habt ihr ein Babyfon und könnt abwechselnd nach der Kleinen sehen. Deine Tochter schläft, als du das letzte Mal nach ihr siehst. Doch jetzt herrscht Totenstille im Haus. Du rennst ins Kinderzimmer - und dein schlimmster Alptraum wird wahr: Die Wiege ist leer. Es bleibt nur eins: die Polizei zu rufen - doch wer weiß, was sie finden wird ...

„The Couple Next Door“ war in den USA und England ein Megabestseller. Dieser Thriller hat diesen großen Erfolg verdient. Das Thema, ein Kind wird entführt, ist nun wahrlich nicht neu, aber was Shari Lapena daraus macht, hat das gewisse Etwas und hebt sich von ähnlichen Storys sehr ab. In „The Couple Next Door“ wimmelt es geradezu vor Überraschungen. Jeder Charakter hat etwas zu verbergen. Die Schlinge zieht sich von Seite zu Seite mehr zu – für den Leser, denn er weiß nicht mehr, was Wahrheit und was Lüge ist. Shari Lapenas Stil ist begnadet gut! Kurz und knackig, wie einst ein James Patterson zu seinen besten Zeiten.

The Couple Next Door Audio
Auch als Hörbuch erhältlich bei Lübbe Audio. Frederike Kemper liest begnadet gut – passend zu Lapenas Stil. 19,99 Euro.

Lübbe, 349 Seiten; 15,00 Euro


Werner Biermann

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Konrad Adenauer

Konrad Adenauer

Konrad Adenauer hat die Bundesrepublik Deutschland geprägt wie kaum ein Zweiter. Er setzte die soziale Marktwirtschaft durch, söhnte Deutschland mit Frankreich aus und verankerte den Bonner Staat im Westen. Dieses Buch zeichnet Adenauers dramatischen Lebensweg nach: den politischen Aufstieg im Kaiserreich, die steile Karriere als Kölner Oberbürgermeister und prominenter Reichspolitiker in der Weimarer Republik und nicht zuletzt den jähen Absturz während des „Dritten Reiches“ – der ihn beinahe das Leben gekostet hätte, als er 1944 verhaftet wurde. Dabei wird eines klar: Ohne sein in der Literatur bisher vernachlässigtes Vorleben ist der legendäre Kanzler nicht zu begreifen.

Ein informatives Lexikon der Weltfinanzen! Wem gehört was vom Weltkuchen der Finanzen? Dieses Buch klärt darüber ausführlich auf. Hans-Jürgen Jakobs. Ex-Chefredakteur des „Handelsblatts“, ist mit „Wem gehört die Welt?“ ein umfassender Blick in die Welt der Hochfinanzen gelungen. Es zeigt leider auch auf dramatische Weise auf, dass wenige viel haben, und viel wenig haben. Die, die viel haben, haben Verantwortung für die, die wenig bis nichts haben. Einige Reiche der Welt schenken ihr Vermögen zu großen Teilen her, um damit andere zu unterstützen. Leider sind es immer noch viel zu wenige.

Rowohlt Berlin, 613 Seiten; 29,95 Euro


Meik Wiking

daumen rauf

Hygge

Hygge Meik Wiking

Hygge ist ein dänisches Wort mit vielen Bedeutungen, von „Kunst der Innigkeit“ über „Gemütlichkeit der Seele“ und „Abwesenheit jeglicher Störfaktoren“ bis hin zu „Freude an der Gegenwart beruhigender Dinge“, „gemütliches Beisammensein“ oder gar „Kakao bei Kerzenschein“. Hygge ist warmes Licht und ein kuscheliges Sofa, Picknicken im Sommer und Glögg trinken im Winter. Und Hygge ist eine Haltung, die man lernen kann!

Hygge ist ein Heilmittel für die Seele! Setzt man Hygge in seinem Leben um, führt man ein ausgeglichenes Leben, bleibt erdverbunden, freut sich über die kleinen Dinge im Leben, die definitiv nichts mit Geld und Macht zu tun haben. Ja, Hygge ist ein Lebensgefühl, das einfach glücklich macht. Hygge ist Atmosphäre, Gegenwart, Vergnügen, Gleichheit, Dankbarkeit, Harmonie, Bequemlichkeit, Frieden, Zusammensein und Schutz. Würden alle Menschen Hygge ausleben, die Welt wäre ein Paradies. Dieses Buch ist ein Schatz, halten Sie es ganz fest und geben Sie es nicht wieder her!

Lübbe, 288 Seiten; 20,00 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Claire Fuller

Eine englische Ehe

Eine englische Ehe AudioIngrid wollte ein selbstbestimmtes Leben führen, Reisen, vielleicht eine Karriere als Schriftstellerin machen. Doch als sie sich in ihren Literaturprofessor Gil Coleman verliebt und von ihm schwanger wird, wirft sie für ihn all dies über Bord. Gil liebt seine junge Frau, und dennoch betrügt er sie, lässt sie viel zu oft mit den Kindern in dem kleinen Ort an der englischen Küste allein. In ihren schlaflosen Nächten beginnt sie, Gil heimlich Briefe zu schreiben. Statt ihm ihre innersten Gedanken anzuvertrauen, steckt sie ihre Briefe in die Bücher seiner Bibliothek und verschwindet schließlich auf rätselhafte Weise. Zwölf Jahre später glaubt Gil, seine Frau wieder gesehen zu haben - und ihre gemeinsame Tochter Flora, hin und her gerissen zwischen Hoffnung und Verzweiflung, beginnt nach Antworten zu suchen …

„Eine englische Ehe“ zeigt eine wahrhaftige Ehe und lässt alle Auf-Wolke-Sieben-schweben-Aspekte weg. Natürlich kochte auch zwischen Ingrid und Gil das Liebesfeuer zu Anfang ganz heiß, aber zu unterschiedlich ist die Auffassung von Ehe und Liebe zwischen den beiden. Die Engländerin Claire Fuller geht mit viel Gefühl auf die Gefühlswelten von vor allem Ingrid ein. Sie zeigt eine Frau zwischen Liebe, Anerkennung und Abneigung. Und dazu beschäftig natürlich die Frage: Was ist mit Ingrid geschehen? „Eine englische Ehe“ – der etwas andere Ehe-Roman. Gelesen von dem bekannten Schauspieler Heikko Deutschmann und der vielseitig begabten Leslie Malton. Die beiden geben den Hauptfiguren eine starke Stimme!

Eine englische Ehe

 

 

Auch als Hardcover erhältlich bei Piper, 22,00 Euro.

Osterwold Audio, 8 CDs, 596 Minuten; 19,99 Euro


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Kolumne vom 03.04.2017 - Nr. 450


Jussi Adler-Olsen

daumen rauf

Selfies

Selfies

Vizepolizeikommissar Carl Mørck wird zur Aufklärung eines brutalen Todesfalls von der Mordkommission in Kopenhagen hinzugezogen. Wie sich herausstellt, gibt es eine Verbindung zu einem mehrere Jahre zurückliegenden und ausgesprochen brisanten cold case. Ausgerechnet jetzt geht es Carls Assistentin Rose sehr schlecht. Sie wird von grauenhaften Erinnerungen aus ihrer Vergangenheit heimgesucht. Rose kämpft mit aller Macht dagegen an. Welche Rolle spielen die jungen Frauen Michelle, Jasmin und Denise, die sich zu einem starken und hochexplosiven Kleeblatt verbündet haben?

Ein gesellschaftskritischer Kriminalroman, der vor allem die unteren Schichten der Gesellschaft zeigt. Junge Frauen, die zu faul zum Arbeiten sind, nur ihr Aussehen im Kopf haben, aber jeden Monat Geld vom Staat wollen. Diese treffen auf eine Sachbearbeiterin vom Sozialamt, bei der Krebs diagnostiziert wird, und die dann langsam beginnt durchzudrehen. Mit der unscheinbaren Anne-Line Svendsen hat Jussi Adler-Olsen wohl eine der ungewöhnlichsten Serienkillerinnen der Thrillergeschichte erschaffen. Jussi Adler-Olsen lotet die menschlichen Abgründe bis ins kleinste Detail aus. Er geht intensiv auf die Psyche seiner Figuren ein. „Selfies“ – ein bedrückender Thriller, der begeistert und das ganze Können des dänischen Bestsellerautors Jussi Adler-Olsen zeigt.

dtv, 573 Seiten; 23,00 Euro


Val McDermid

daumen runter

Schwarzes Netz

Schwarzes NetzPolizeipsychologe Tony Hill ist mit einer mysteriösen Serie von Selbstmorden konfrontiert. Stets sind es Frauen, die mitten im Leben stehen, mit ihren prononcierten Meinungen jedoch einen Shitstorm von Internet-Trollen hervorgerufen und diesen offenbar nicht verkraftet haben. Merkwürdig nur, dass sie alle den Freitod berühmter Schriftstellerinnen wie Sylvia Plath, Virginia Woolf oder Anne Sexton imitieren und sich deren Werke jeweils in der Nähe der Toten finden. DCI Carol Jordan ist unterdessen zurück in ihrem alten Job bei der Polizei und bekommt ein neues Team, mit dem sie im Norden Englands schwere Fälle aufklären soll. Die rätselhafte Serie von Suiziden wird für sie zur Nagelprobe.

Ich schätze die Britin Val McDermid sehr für ihre großteils außergewöhnlich guten Kriminalromane und Thriller. Dazu gehört auch die Serie um DCI Carol Jordan und Profiler Tony Hilll. Daher war ich sehr gespannt auf den neuen, den neunten Fall der beiden. Leider enttäuscht Val McDermid diesmal großteils. Auch wenn man die beiden Hauptfiguren als Fan sehr mag, so hat es Val McDermid diesmal doch etwas übertrieben mit den Privatgeschichten. Ihre Ausführungen dazu sind ausufernd und langweilig und bringen die eigentlich gute Story nicht voran, die nicht einmal die Hälfte des Romans ausmacht. Ein Roman ja, denn ein Thriller, so wie es auf dem Cover steht, ist dieses Buch garantiert nicht. Trotzdem hoffe ich, dass es mit den beiden Hauptfiguren noch lange weitergeht.

Knaur, 459 Seiten; 9,99 Euro


Stefan Ahnhem

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Minus 18 Grad

Minus 18 Grad In Helsingborg wird ein Auto aus dem Hafenbecken geborgen. Ein Unfall wird angenommen. Doch bei der Obduktion stellt sich heraus, dass der Fahrer schon lange tot war, als das Auto ins Wasser stürzte. Kommissar Fabian Risk und seine Kollegen untersuchen den mysteriösen Todesfall. Jemand glaubt, den Toten erst letzte Woche gesehen zu haben. Wie ist das möglich? Risk hat einen Verdacht, aber der ist so absurd, dass er ihn zunächst selbst nicht glauben will. Doch es wird noch weitere Opfer geben, ein Serienmörder ist am Werk. Nur durch Zufall ist die Polizei jetzt auf seine Spur gekommen. Der Tote im Hafenbecken war nicht das erste Opfer, und noch lange nicht das letzte …

Der Schwede Stefan Ahnhem hat sich schnell zu einem Krimi-Star entwickelt. Sein ausgezeichnetes Debüt „Und morgen du“ war ein Bestseller, genauso wie sein Nachfolger „Herzsammler“. Auch der dritte Fall für Fabian Risk „Minus 18 Grad“ reiht sich hier ein. Der steht seinen Vorgängern in nichts nach. Stefan Ahnhem entwickelt seinen Kommissar Fabian Risk und alle weiteren Figuren aus dem Team mit Bravur weiter. Die ermittelnden Personen und ihre persönlichen Dramen sind schon eine ganz eigene Story in dem Roman. Aber auch der Kriminalfall bietet einige Wendungen und lässt den Leser lange im Dunkeln tappen. Eiskalte Krimiliteratur, die von einem spannenden Moment zum nächsten eilt!

List, 551 Seiten; 16,99 Euro


Hans-Jürgen Jakobs

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Wem gehört die Welt?

Wem gehört die Welt

Sie heißen Larry Fink, Stephen Schwarzman oder Abdullah bin Mohammed bin Saud Al-Thani. Mit ihren Billionen schweren Fonds legen Blackrock, Blackstone oder Qatar Investment mehr Geld an als Deutschland erwirtschaftet. Sie dominieren längst die zentralen Felder der Weltwirtschaft und konzentrieren Geld und Einfluss wie nie zuvor. Doch wer sie wirklich sind und welche Ziele sie verfolgen, wusste bisher niemand. Die 200 mächtigsten Akteure des Weltfinanzwesens, die hier im Porträt vorgestellt werden, versammeln zusammen mehr als 40 Billionen US-Dollar – das sind 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der Welt oder fast das Dreifache der Wirtschaftsleistung der EU.

Ein informatives Lexikon der Weltfinanzen! Wem gehört was vom Weltkuchen der Finanzen? Dieses Buch klärt darüber ausführlich auf. Hans-Jürgen Jakobs. Ex-Chefredakteur des „Handelsblatts“, ist mit „Wem gehört die Welt?“ ein umfassender Blick in die Welt der Hochfinanzen gelungen. Es zeigt leider auch auf dramatische Weise auf, dass wenige viel haben, und viel wenig haben. Die, die viel haben, haben Verantwortung für die, die wenig bis nichts haben. Einige Reiche der Welt schenken ihr Vermögen zu großen Teilen her, um damit andere zu unterstützen. Leider sind es immer noch viel zu wenige.

Knaus, 680 Seiten; 36,00 Euro


Kai Meyer

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Die Krone der Sterne

Die Krone der Sterne

Das galaktische Reich Tiamande wird von der allmächtigen Gottkaiserin und ihrem Hexenorden beherrscht. Regelmäßig werden ihr Mädchen von fernen Planeten als Bräute zugeführt. Niemand weiß, was mit ihnen geschieht. Als die Wahl auf die junge Adelige Iniza fällt, soll sie an Bord einer Raumkathedrale nach Tiamande gebracht werden. Ihr heimlicher Geliebter Glanis, der desillusionierte Kopfgeldjäger Kranit und die Alleshändlerin Shara Bitterstern müssen zusammenarbeiten, um Iniza zu retten. Sie kämpfen um ihre Zukunft – und gegen eine kosmische Bedrohung, die selbst die Sternenmagie der Gottkaiserin in den Schatten stellt.


Kai Meyer ist eine Marke im Fantasy-Genre! Über ein Jahrzehnt hinaus liefert er in diesem Genre einen Bestseller nach dem anderen ab. Und nun vereint er mit „Die Krone der Sterne“ auf spektakuläre Weise die Genres Fantasy und Science Fiction. Tolle Charaktere, jede Menge Spannung und eine ideenreiche Welt. Was will man mehr. Galaktisch gute Unterhaltung! Und die Fans dürfen sich auf mehr freuen – die Geschichte wird fortgesetzt.

TOR, 461 Seiten; 14,99 Euro


Hörbuch der Woche

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Marina Heib

Drei Meter unter Null

Drei Meter unter Null AudioSie beobachtet ihre Opfer. Sie plant ihre Morde. Nichts will sie dem Zufall überlassen. Sie schlägt den Weg der Gewalt jedoch nicht ohne Grund ein. Ihr Leben lang bemühte sie sich um ein normales Leben. Doch die Hülle der Normalität umschloss eine tiefe Verzweiflung, die sie zu verbergen wusste. Bis zu einem nebligen Donnerstag im November. Dem Tag, an dem sie beschließt, eine Mörderin zu werden. Sie will die Dämonen vernichten. Sie will Rache. Sie empfindet kein Mitleid. Sie sollen leiden. Genau wie sie.

„Drei Meter unter Null“ ist ein fantastischer, eindringlicher Thriller, über eine junge Frau, die Rache nimmt! Die Protagonistin will morden, einfach so, das denkt man zumindest zu Anfang. Doch hinter ihren Mordplänen steckt viel mehr. Und so erfährt man, was in ihrer Kindheit geschah, wie aus ihr die wurde, die sie heute ist. Marina Heib schildert das spannend und lässt einen tief in die Seele ihre Protagonistin blicken. Am Anfang versteht man ihren Plan nicht, am Ende umso mehr. Aber zurück bleibt Dunkelheit. Anna Thalbach zuzuhören, ist wie ein klassisches Konzert zu hören. Sie hat die lauten und die leisen Töne gleichermaßen im Repertoire.

Drei Meter unter Null

Auch als Hardcover erhältlich bei Heyne, 19,99 Euro

Random House Audio, 5 CDs, 387 Minuten; 19,99 Euro


Denglers-buchkritik.de

Kolumne vom 10.04.2017 - Nr. 451


Carlos Ruiz Zafón

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Das Labyrinth der Lichter

Das Labyrinth der Lichter

Spanien in den bleiernen Tagen des Franco-Regimes: Ein Auftrag der Politischen Polizei führt die eigenwillige Alicia Gris von Madrid zurück in ihre Heimatstadt Barcelona. Sie soll das plötzliche Verschwinden des Ministers Mauricio Valls aufklären, dessen dunkle Vergangenheit als Direktor des Gefängnisses von Montjuïc ihn nun einzuholen scheint. In seinem Besitz befand sich ein geheimnisvolles Buch aus der Serie „Das Labyrinth der Lichter“, das Alicia an ihr eigenes Schicksal erinnert. Es führt sie in die Buchhandlung Sempere & Söhne, tief in Barcelonas Herz. Der Zauber dieses Ortes schlägt sie in seinen Bann, und wie durch einen Nebel steigen Bilder ihrer Kindheit in ihr auf. Doch die Antworten, die Alicia dort findet, bringen nicht nur ihr Leben in allerhöchste Gefahr, sondern auch das der Menschen, die sie am meisten liebt.

Spaniens Kultautor führt seine Weltbestseller „Der Schatten des Windes“, „Das Spiel des Engels“ und „Der Gefangene des Himmels“ mit „Das Labyrinth der Lichter“ einem durchschlagenden Ende zu. Carlos Riuz Zafón zu lesen ist wie ein edles Gemälde zu betrachten. Man kann sich für lange Zeit darin verlieren. „Das Labyrinth der Lichter“ ist eine Geschichte, die so leuchtend hell ist wie Vollmond in der Dunkelheit. Magisch, faszinierend, spannend, dramatisch, bunt, überwältigend. Die Figuren wachsen einem ans Herz. Man lässt sie ungern gehen. Wer große Geschichten mit einer schönen Sprache liebt, der wird auch die knapp 1.000 Seiten von „Das Labyrinth der Lichter“ lieben. Für alle Neueinsteiger: die vier Bücher können unhängig voneinander gelesen werden.

S. Fischer, 944 Seiten; 25,00 Euro


Martin Walser

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Statt etwas oder Der letzte Rank

Statt etwas oder Der letzte Rank„Mit der Unwahrheit ein Glückskunstwerk zu schaffen, das ist die menschliche Fähigkeit überhaupt.“ Wer sagt das? Seine Frau nennt ihn mal Memle, mal Otto, mal Bert, er versucht zu erkennen, wie aus Erfahrungen Gedanken werden. Den Widerstreit von Interessen hat er hinter sich gelassen, Gegner und Feinde auch, sein Wesenswunsch ist, sich herauszuhalten, zu schweigen, zu verstummen. Am liebsten starrt er auf eine leere, musterlose Wand, sie bringt die Unruhe in seinem Kopf zur Ruhe. „Mir geht es ein bisschen zu gut“, sagt er sich dann, "zu träumen genügt“. So wird das Buch angepriesen. Mit dem Zusatz: Ein Musikstück aus Worten, das dem Leser größtmögliche Freiheit bietet, weil es von Freiheit getragen ist: der Freiheit des Denkens, des Schreibens, des Lebens. In anderen Worten: absolut zusammenhanglos.

Und er schreibt und schreibt und schreibt, und hat schon lange vergessen, dass er nur noch für sich selbst schreibt, aber nicht mehr, um den Leser zu unterhalten. Genau das trifft auf die letzten und vor allem auch auf dieses Werk von Bestsellerautor Martin Walser zu. Natürlich muss man den Hut ziehen, vor dem Altmeister (Jahrgang 1927) der deutschen Literatur, dass er immer noch Geschichten zu Papier bringt. Aber man sollte die Bücher bitte nicht mehr veröffentlichen. Das Cover des Buches ist absolut treffend. Dort ist nur ein Rahmen zu sehen, ohne Bild. Genau das ist das Buch, nur noch ein Rahmen, aber ohne wirklich tragende Geschichte, an der man hängen bleibt.

Rowohlt, 171 Seiten; 16,95 Euro


Daniel Cole

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Ragdoll – Dein letzter Tag

Ragdoll Dein letzter Tag Buch Der umstrittene Detective William Oliver Layton-Fawkes, genannt Wolf, ist nach seiner Suspendierung wieder in den Dienst bei der Londoner Polizei zurückgekehrt. Dann wird Wolf zu einem grausigen Tatort gerufen. Sechs Körperteile von sechs Opfern sind zusammengenäht zu einer Art Flickenpuppe, einer „Ragdoll“. Gleichzeitig erhält Wolfs Exfrau, eine Fernsehjournalistin, eine Liste, auf der sechs weitere Morde mit genauem Todeszeitpunkt angekündigt werden. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, doch der Ragdoll-Mörder ist der Polizei immer einen Schritt voraus. Und der letzte Name auf der Liste lautet: Detective William Oliver Layton-Fawkes ...

„Ragdoll“ – ein Thriller-Highlight mit ganz starken Figuren! Man bekommt schnell Zugang zu den Figuren, weil sie von Daniel Cole allesamt spannend beschrieben werden. Und ausbaufähig. Man ist gierig, noch viel mehr von ihnen zu erfahren. So wird der eigentliche Fall zuerst in die zweite Reihe verbannt, der dann aber immer mehr an Gewicht bekommt, und auch hier zeigt der Engländer Daniel Cole, dass er versteht, wie man einen guten Thriller schreibt. Als Leser rätselt man unweigerlich mit und fragt sich, wie kann das möglich sein, was steckt hinter allem. Eine Story, die wie ein Tornado über einen hinwegfegt! So schnell wie möglich will man den nächsten Teil der Reihe lesen!

Ragdoll Dein letzter Tag Audio
Auch als Hörbuch erhältlich bei Hörbuch Hamburg. „Tatort“-Kommissar Wolfram Koch bringt den klass Thriller mit starkem Ausdruck rüber. 19,99 Euro.

Ullstein, 476 Seiten; 14,99 Euro


Dieter Borchmeyer

daumen rauf

Was ist deutsch?

Was ist Deutsch

Die Frage „Was ist deutsch?“ ist ihrerseits typisch deutsch – keine andere Nation hat so sehr um die eigene Identität gerungen und tut es bis heute. Wie vielfältig und faszinierend die Antworten auf diese Frage im Lauf der Jahrhunderte ausfielen, das zeigt dieses Buch: Von Goethe über Wagner bis zu Thomas Mann schildert der Autor, wie der Begriff des Deutschen sich wandelte und immer wieder neue Identitäten hervorbrachte. Er erzählt von einem Land zwischen Weltbürgertum und nationaler Überheblichkeit, vom deutschen Judentum, das unsere Auffassung des Deutschen wesentlich mitgeprägt hat, von der Karriere der Nationalhymne und der deutschesten aller Sehnsüchte: der nach dem Süden.

Sie wollen Deutschland und die Deutschen verstehen? Dann lesen Sie „Was ist deutsch?“ Dieter Borchmeyer nimmt einen mit auf eine kulturhistorische Identitätsreise durch ein Land, das man zu kennen glaubte und es plötzlich mit ganz neuen Augen sieht. Deutschland ist so viel mehr! Die Themenbereiche sind so vielfältig und reichen von „Das Deutsche im Spannungsfeld von Provinz, Nation und Welt“ bis „Nationale Identität und deutsche Mythologie“ bis „Das Paradigma der deutschen Musik“ bis hin zu „Die Deutschen seit der Wiedervereinigung“. Doch ist das nur ein kleiner Auszug aus diesem mächtigen Werk.

Rowohlt Berlin, 1.056 Seiten; 39,95 Euro


Johannes Bobrowski

daumen rauf

Gesammelte Gedichte

Johannes Bobrowski - Gesammelte Gedichte

Als im Februar 1961 Johannes Bobrowskis erster Gedichtband „Sarmatische Zeit“ erschien, hatte der Schriftsteller nur noch wenige Jahre zu leben. Doch die knappe Zeit reichte ihm aus, um sich bis zu seinem Tod 1965 als einer der suggestivsten und bildkräftigsten Lyriker der deutschen Nachkriegsjahrzehnte zu etablieren. Obwohl in der DDR lebend, stießen seine Texte in beiden Teilen Deutschlands auf Anerkennung: Man machte in ihnen eine neue Art aus, sich zur Welt zu verhalten; seine Themen und Sprachgesten fanden in Lyrik und Prosa anderer Autoren ein vielfältiges Echo.

Am 9. April 2017 wäre Johannes Bobrowski 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass bringt DVA die „Gesammelten Gedichte“ in einem Band heraus. Man verliert sich in Johannes Bobrowskis Sprache! Ein prächtiger und mächtiger Lyrikband, von dem man lange etwas hat. Gut 600 Seiten voller berauschender, bedrückender, lebensfroher, melancholischer Gedichte. Darin schwingt natürlich auch Johann Bobrowskis Leben mit, der 1949 aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt war.

DVA, 752 Seiten; 34,99 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Helen Callaghan

Dear Amy

Dear Amy hoerbuchDie Lehrerin Margot Lewis ist beunruhigt, als ein 15-jähriges Mädchen aus ihrer Klasse verschwindet. Sie ist überzeugt, dass Katie entführt wurde, auch wenn die Polizei dafür noch keinerlei Beweise hat. Dann erhält Margot, die nebenbei die Ratgeber-Kolumne „Dear Amy“ führt, einen unheimlichen Brief: Darin fleht ein Mädchen um Hilfe, das vor 15 Jahren spurlos verschwand. Ein Graphologe bestätigt die Echtheit des Briefes – und dass er nagelneu ist. Margot, deren Gemütszustand sich verschlechtert, lassen die Fälle nicht mehr los, sie will unbedingt helfen. Doch was verschweigt sie selbst?

„Dear Amy“ ist ein Psychothriller, der flott beginnt, dann aber nur langsam wieder an Fahrt gewinnt. Das letzte Drittel bietet dann aber viele spannende Momente und auch einige Überraschungen. Helen Callaghan hat mit Margot Lewis eine starke Hauptfigur geschaffen, die die Handlung auch sehr dominiert. Wer es weniger blutrünstig und überraschend mag, dem sei der Psychothriller „Dear Amy“ empfohlen! Christiane Marx liest ruhig, wenn es sein muss, und dramatisch, wenn die Geschichte es erfordert.

Dear Amy Paper

Auch als Paperback erhältlich bei Knaur, 14,99 Euro

Argon Hörbuch, 6 CDs, 463 Minuten; 19,99 Euro


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