Kolumne vom 30.01.2017 - Nr. 441


Jean-Christophe Grangé

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Purpurne Rache

Purpurne Rache

Grégoire Morvan, graue Eminenz des französischen Innenministeriums, war in den Siebzigerjahren mit lukrativen Geschäften im Kongo erfolgreich. Und er hat dort den berüchtigten Killer Homme-Clou gefasst, der seinerzeit einem bestialischen Ritual folgend neun Menschen ermordet hat. Als an einer bretonischen Militärschule ein Toter gefunden wird, dessen grausame Entstellung dem Modus operandi des Homme-Clou ähnelt, und Morvans Familie akut bedroht wird, muss er sich mit allen Mitteln den Schatten einer Vergangenheit stellen, die niemals aufgehört hat, nach Blut zu dürsten ...

„Purpurne Rache“ ist weit mehr als ein spannender Thriller im XL-Format, es ist ein intensiver Roman über eine Familie, deren Mitglieder alle ganz eigene dunkle Geheimnisse hüten. Jean-Christophe Grangé beschreibt die Figuren und deren Leben anschaulich und prägend. Von allen hat man eine ganz klare Vorstellung. „Purpurne Rache“ weicht weit vom bekannten Thriller-Mainstream ab. Man kann sich nie sicher sein, was als nächstes passiert. Jean-Christoph Grangè hat zahlreiche Erzählstränge, die es alle in sich haben. Bei jedem möchte man sofort wissen, wie es weitergeht. Frankreichs Thriller-Superstar Jean-Christophe Grangé ist mit „Purpurne Rache“ ein echtes Meisterstück gelungen!

Auch als Hörbuch erhältlich bei Lübbe Audio. Reiner Schöne bringt Thrill und Drama perfekt rüber. 19,99 Euro.

Lübbe, 766 Seiten; 26,00 Euro


Gustaaf Peek

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Göttin und Held

Göttin und HeldDies ist die Geschichte von Tessa und Marius. Sie kennen sich ein ganzes Leben lang, manchmal sind sie zusammen, manchmal nicht; über Jahre hinweg treffen sie sich heimlich in Hotelzimmern. Ihre Beziehung hat viele Namen: Romanze, Affäre, Obsession. Göttin und Held erzählt ihre Liebe unverhüllt, vom Ende zurück zum Anfang – von der letzten Berührung zum ersten Treffen, vom letzten Wort zum ersten Blick.


Auf diesen Roman war ich sehr gespannt. Ein moderner und spannender Liebesroman, der mit einem besonderen Kniff aufwartet – er wird rückwärts erzählt, von Kapitel 50 zu Kapitel 0. Um das von Kapitel zu Kapitel nachvollziehbar hinzubekommen, muss man ein sehr guter Autor sein. Der Niederländer Gustaaf Peek beweist mit „Göttin und Held“, dass er das nicht ist. Eigentlich müsste man sagen, der Roman ist fürchterlich misslungen! Wenn man es autorenfreundlich ausdrückt, dann könnte man auch sagen, der Autor hatte eine fantastische Idee, er hat sich bemüht, aber das Endergebnis ist sehr ernüchternd. Was zudem noch fehlt, ist die zu Anfang erhoffte Spannung. Der Roman wird schnell langweilig. Die Figuren bleiben blass, es bleibt nur noch übrig, dass es ein moderner Roman ist, der in den Niederlanden zum Bestseller wurde. Das ist eigentlich damit nur zu erklären, dass auch hier bei den Lesern Hoffnung auf etwas ganz Großes bestand.

DVA, 333 Seiten; 19,99 Euro


T. S. Orgel

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Die Blausteinkriege 2 – Sturm aus dem Süden

Die Blausteinkriege 2  Sturm aus dem Süden Das Kaiserreich Berun ist in seinen Grundfesten erschüttert. Am Hof regieren Intriganten, der Kaiser ist schwach, und im Süden probt das Protektorat Macouban den Aufstand. In diesen Wirren schlägt die Stunde ungewöhnlicher Helden. Der Schwertmann Marten, die Spionin Sara und der in Ungnade gefallene Danil machen eine Entdeckung, die ihr Schicksal und das von Berun ins Ungewisse stürzen wird. Denn ihr wahrer Feind gibt sich jetzt zu erkennen. Zwei dunkle Schiffe kreuzen vor den Küsten des Südens …

Hinter dem Pseudonym T. S. Orgel stehen die Brüder Tom und Stephan Orgel, und die Brüder haben schon mit ihrer „Orks-vs.-Zwerge“-Saga für Aufsehen gesorgt. Mit „Die Blausteinkriege“ starten sie nun ein neues Fantasy-Epos. Der erste Teil hat schon sehr viel Lust darauf gemacht, mehr vom Kaiserreich Berun und seinen Schurken und Helden zu erfahren. Nun liegt mit „Sturm aus dem Süden“ der zweite Teil der „Blausteinkriege“ vor. Und es geht genauso spannend und vielfältig weiter wie im ersten Teil. „Die Blausteinkriege“ hat Anleihen von den Fantasy-Bestsellerautoren George R. R. Martin, Richard Schwartz und Trudi Canavan.

Heyne, 634 Seiten; 14,99 Euro


Peter Frankopan

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Licht aus dem Osten

Licht aus dem Osten

Im Nahen und Mittleren Osten entstanden die ersten Hochkulturen und alle drei monotheistischen Weltreligionen; ein Reichtum an Gütern, Kultur und Wissen, der das Alte Europa seit jeher sehnsüchtig nach Osten blicken ließ. Der Autor erzählt von Alexander dem Großen, der Babylon zur Hauptstadt seines neuen Weltreichs machen wollte; von Seide, Porzellan und Techniken wie der Papierherstellung, die über die Handelswege der Region Verbreitung fanden; vom Sklavenhandel mit der islamischen Welt, der Venedig im Mittelalter zum Aufstieg verhalf; von islamischen Gelehrten, die das antike Kulturerbe pflegten, lange bevor Europa die Renaissance erlebte; von der Erschließung der Rohstoffe im 19. Jahrhundert bis hin zum Nahostkonflikt.

Ein beachtliches Werk, das einem Geschichten und Fakten vor Augen führt, die überraschen und spannend erzählt sind. Der Nahe und Mittlere Osten war einst der Mittelpunkt der Welt, hier wurde Großes entdeckt und geschaffen. „Licht aus dem Osten“ ist eine Lektüre, die auch denen in Europa empfohlen ist, die sich heute als Mittelpunkt der Welt ansehen. Alles kann sich verändern, wenn man sich nicht weiterentwickelt. Großartig!

Rowohlt, 941 Seiten; 39,95 Euro


Sayed Kashua

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Eingeboren

Eingeboren

Es sind kleine Szenen, die Sayed Kashua einfängt, um eine zutiefst gespaltene Gesellschaft zu beschreiben und die absurde Situation auszuloten, in der Israelis heute leben. Etwa wenn der arabische Kolumnist der Tageszeitung Haaretz sich zum doppelten Preis beim Juden das Haar schneiden lässt, einen dezenten Citroën anschafft und das Auto von innen und außen wäscht, um Sicherheitskontrollen unbehelligt zu passieren. Oder wenn die kleine Tochter sich versehentlich auf Arabisch bedankt und der Wachmann im Einkaufscenter sofort auf Hebräisch den Ausweis verlangt. Der Autor erzählt vom Fremdsein im eigenen Land.

Sayed Kashua, Jahrgang 1975, wuchs im Grenzgebiet zum Westjordanland auf und lebt lange in einem jüdischen Viertel Jerusalems. 2014 emigrierte er in die USA, da die Hoffnung nicht mehr ausreichte, um das Zusammenleben von Juden und Arabern durch Schreiben zu verändern. Sayed Kashua verließ den verflucht geliebten Ort, über den er zuvor so viele interessante, geistreiche und aus dem Leben gegriffene Geschichten erzählte. Die Geschichten, also die Kolumnen, erschienen in den Jahren 2006 bis 2014 in der Tageszeitung „Haaretz“. Man lernt Israel und seine Menschen kennen, das schwierige Zusammenleben, an dem Sayed Kashua am Ende verzweifelte.

Berlin Verlag, 349 Seiten; 22,00 Euro


Hörbuch der Woche

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Tony Parsons

Wer Furcht sät

Wer Furcht sätIn London macht eine Bürgerwehr, der Club der Henker, Jagd auf böse Menschen - auf Pädophile, Mörder, Hassprediger - und erhängt sie. Mit diesen Fällen von Lynchjustiz beginnen für Detective Max Wolfe seine bisher schwierigsten Ermittlungen. Denn wie fängt man Mörder, die von der Öffentlichkeit als Helden gefeiert werden? Seine Spurensuche führt ihn tief unter die Stadt, in den Untergrund Londons mit seinen vielen stillgelegten Tunneln und Geisterstationen. Doch ehe Max den Club der Henker stellen kann, muss er am eigenen Leib erfahren, wie schmal der Grat zwischen Gut und Böse, Schuld und Unschuld ist.

Nach „Dein finsteres Herz“ und „Mit Zorn sie zu strafen“ ist „Wer Furcht sät“ der dritte Fall für Detective Max Wolfe. Spannend von Anfang an! Mit hoher Geschwindigkeit erzählt Tony Parsons auch den dritten Fall für den straighten Detective Max Wolfe. Das Thema der Selbstjustiz, weil der Staat zwar Recht aber nicht Gerechtigkeit hat walten lassen, ist nicht neu, aber eben sehr spannend dargereicht. Viele Täter von richtig schweren Straftaten kommen mit viel zu geringen Strafen davon, das sehen wohl viele von uns so, daher ist der Thriller auch sehr emotional. Doch Selbstjustiz ist natürlich auch keine Lösung, sondern härtere Gesetzte und Verurteilungen. Dietmar Wunder, die deutsche Stimme von 007 Daniel Craig, liest gewohnt ausdrucksstark und hebt die soundso schon sehr gute Story auf ein noch höheres Level.

Auch als Paperback erhältlich bei Lübbe, 15,00 Euro.

Lübbe Audio, 4 CDs, 295 Minuten; 14,99 Euro


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