Kolumne Nr. 188 vom 02.04.2012

Hans-Ulrich Grimmdaumen_rauf

Vom Verzehr wird abgeraten

Hans-Ulrich Grimm war wieder als Nahrungsagent aktiv und hat sich auf die Spur des Functional Food begeben. Von der Margarine bis zum Joghurt, von der Vitaminpille bis zum Bio-Hype, Grimm berichtet, wie die in der Industrie ungern gehörten Wahrheiten aussehen, was den Konsumenten blühen kann. Versicherungen rechnen schon mit steigenden Krankheitskosten sowie Produkthaftungsfällen und stufen die angeblichen Gesund-Produkte aus dem Supermarkt als Risiko ein. Grimm zeigt, wie die Geschäftsstrategien der Industrie unsere Gesundheit aufs Spiel setzen. Er leuchtet die Wirklichkeit hinter der Werbefassade aus und untersucht die Methoden der Irreführung.

Ein Buch, das einschlägt wie eine Bombe! Bei den Verbrauchern und bei den Herstellern der hippen Gesundheitsnahrung. Das Buch liegt so schwer im Magen, wie ein LKW voller probiotischem Joghurt. Hans-Ulrich Grimm schafft es, den Verbrauchern die Augen zu öffnen und der Industrie Kopfschmerzen zu bereiten. Es wird zwar „Vom Verzehr abgeraten“, aber auf keinen Fall von der Lektüre. Ernährungs- und Nahrungskenner Hans-Ulrich Grimm schlüsselt in diesem Buch vieles auf. So erfährt man, dass „Actimel“ & Co. große Werbelügen sind, und dass sie durchaus dick und krank machen können; dass der Cholesterin senkende Stoff in Margarinnen nicht mehr nur in Ausnahmefällen zu einer Verkalkung der Blutgefässe führen kann und dadurch Herzinfarkt und Schlaganfall beschleunigen kann; dass die Menschen die Schönheit einfordern von den Ärzten, und diese sie ihnen gerne geben und dafür reichlich Geld nehmen, auch wenn es oft gar nichts hilft; das es eine Vitamin-Mafia gibt, die mit ihren künstlichen Vitaminpräparaten  das Leben der Menschen durchaus gefährden, zu diesem Ergebnis kommt auch ein Rückversicherer; wie der Verbraucher mit vielen Bio-Produkten an der Nase herumgeführt wird; wie Anwälte die Geheimnisse und Lügen der Hersteller der künstlich hergestellten „Gesundheitsnahrung“ bewahren; wie die Politik versagt, der Verbraucher es ausbaden bzw. ausessen darf, und wie die Politik mit der Großindustrie eine Hand in die Hand arbeitet; die Gefahren der Entfettung des täglichen Speiseplans, die Wichtigkeit von echten Omega-3-Fetten; wie die Menschen es besser machen können und noch vieles mehr. Schlau ist die Lebensweise von einem Professor-Guru, der den Ärzten predigt, wie toll Anti-Aging & Co. ist. Er will von diesem ganzen Lügen-Zeug natürlich nichts wissen, er hält sich frisch und jung mit viel grünem Tee, Ruhe und Sport. Tja, es wäre so einfach und so billig.

Droemer, 319 Seiten; 18,00 Euro

Carsten Maschmeyerdaumen_runter

Selfmade

Carsten Maschmeyer, der Mann, der mit dem Finanzdienstleister AWD in die erste Liga der deutschen Upperclass aufstieg. Er wollte Erfolg im Leben, egal was es kostet, diesen Erfolg und viele Millionen Euro hat er sich erfüllt. Mit diesem Buch will er die Menschen teilhaben lassen an seinem Erfolg. Er erklärt schrittweise, wie man den großen Erfolg für sich verwirklichen kann, oder auch nicht. Wünsche haben, Ziele setzten, sich positiv geben, Kommunikativ sein, die Körpersprache der anderen lesen lernen, sich selbst zurücknehmen, nie aufgeben. Wenn man alles beherzigt und dann noch sein Geld, wenn man genügend davon hat, richtig anlegt, dann hat man im Rentenalter gut ausgesorgt und den Erfolg, den Herr Maschmeyer hat, oder auch nicht.

Wenn man Bücher schreibt, die den Lesern zumindest einen gewissen Mehrwert vermitteln wollen, muss man von sich überzeugt sein. Das ist okay. Carsten Maschmeyer ist aber sehr von sich überzeugt, und bei dem was er schreibt, zu Unrecht. So viele leere und hohle Phrasen über das, was man aus seinem Leben machen kann, wie man reich wird, wie man sich alle Wünsche erfüllen kann, die man hat, wie man das Glück findet, das man sucht, findet man auch in den vielen wertlosen Erfolgsratgebern, die Herr Maschmeyer in seinem Buch anprangert. Ein paar positive Lichtblicke im Erfolgsbuchdschungel hat dieses Buch dann doch. Vor allem die richtige Zielsetzung im Leben ist wichtig und das ist dann auch das beste Kapitel in diesem Buch. In den vielen anderen Kapiteln merkt man aber, wer dieses Buch geschrieben hat. Ein Mann, der oft von oben herab spricht, und der mit nicht immer seriösen Mitteln sehr reich geworden ist. Er traf u. a. Thomas Gottschalk, Franz Beckenbauer, Uli Hoeness, Gerhard Schröder, Christian Wulff, Kofi Annan und natürlich seine Lebenspartnerin Veronica Ferres. Wenn Sie dieses Buch aufmerksam lesen, werden Sie zumindest nicht mehr von einem Finanzvertreter über den Tisch gezogen, denn Sie wissen jetzt, mit welchen unscheinbaren Tricks er arbeitet. Und es ist erschreckend zu sehen, wie man sich als Chef eines Finanzdienstleisters so in Politik, Wirtschaft und Show hineinfressen kann. Man denkt tatsächlich, Herr Maschmeyer müsste das Rad neu erfunden haben, um dieses Ansehen zu genießen. Oder war es dann doch etwas anderes?

Ariston, 380 Seiten; 19,99 Euro

Arne Dahldaumen_rauf

Gier

London. Ein Chinese flüstert einem Beobachter von Europol noch etwas ins Ohr bevor er stirbt. Kurz darauf wird in einem Waldstück nahe der Stadt eine schrecklich zugerichtete Frauenleiche gefunden, mit Kleber an einem Baum befestigt. Hängen diese beiden Fälle zusammen? Ein Fall für Europol, ein neu zusammengestelltes Team aus Ermittlern aus mehreren europäischen Ländern. Die ersten Spuren führen zur italienischen Mafia und zu einer schwedischen Sitzmöbelfirma. Die einzelnen Mitglieder des Teams ermitteln in Europa und in Amerika. Es beginnen sich erste lose Fäden zusammen zu spinnen. Was hinter den Verbrechen stecken könnte, beunruhigt die Ermittler zusehends. Doch ihr Wissen bleibt nicht unbemerkt, und sie begeben sich damit in Todesgefahr.

Ein internationaler Thriller, der eine Schockwelle hinterlässt! Schwedens-Thriller-As  Arne Dahl präsentiert nach seiner sehr erfolgreichen Reihe um das Stockholmer A-Team, nun mit „Gier“ den Beginn einer neuen Thriller-Reihe, rund um ein geheimes Ermittlungsteam der Europol. Man trifft auch alte Bekannte aus dem A-Team wieder. „Gier“ ist eine Glanzleistung, ein moderner und komplexer Thriller, der durch seine aktuelle und versierte Story und durch seine vielschichtigen Charaktere ausnahmslos überzeugt. Er reicht von Europa über Amerika nach China, er durchleuchtet wie die Gier der Finanzwelt auf die Gier der Unterwelt trifft. Ein diabolisches Duo! Arne Dahl stellt in diesem Buch eine Art europäisches FBI vor, ein Europa, eine übergeordnete Polizeibehörde, für mehr Ermittlungserfolge. „Gier“ hat gewaltige Sprengkraft, da die Geschichte sich tatsächlich so abspielen könnte. Die Verlierer wären wir alle und die Umwelt.

Piper, 506 Seiten; 16,99 Euro

Jeffery Deaverdaumen_rauf

Carte Blanche

James Bon hat einen neuen Auftrag. Ein Anschlag wird angekündigt, britische Sicherheitsinteressen sind betroffen und es wird mit Tausenden von Todesopfern gerechnet. Allein James Bond kann dieses Schreckensszenario verhindern. Seine Vorgesetzten sollen ihm „Carte Blanche“ erteilen, damit 007 an keine Regeln mehr gebunden ist.
Ein weltklasse Thriller-Autor + ein weltklasse Spion = ein weltklasse Action-Thriller. Mit Jeffery Deaver und „Carte Blanche“ kommt man zu diesem Ergebnis. Keiner setzt die 007-Reihe literarisch so gut fort wie Jeffery Deaver. Er lässt nicht nur den Bond leben, den Fleming erschaffen hat, sondern auch den, den man aus dem Kino kennt. „Carte Blanche“ ist wie eine brennende Stange Dynamit!

Auch als Hörbuch erhältlich bei Random House Audio. Meisterhaft gelesen von 007 selbst, der deutschen Stimme von Daniel Craig Dietmar Wunder. 100 % Bond! 19,99 Euro.

Blanvalet, 544 Seiten; 14,99 Euro

Tom McCarthydaumen_rauf

K

England. Serge Karrefax kommt Ende des 19. Jahrhunderts zur Welt. Serge wächst heran, er begeistert sich Funktechnologie, dann wird er zum Militär eingezogen, um im 1. Weltkrieg als Funker zu agieren, in den Zwanzigern in London erlebt er Séancen, Sex und Paranoia, bis es ihn nach Ägypten verschlägt, zu Zeiten eines Howard Carter. Serges Leben nimmt eine Wendung, als er in die altägyptische Grabkammer hinabsteigt …
Ein Roman, der in einem intelligenten Ton erzählt ist und einem viele interessante und ideenreiche Errungenschaften der erfindungsreichen Spezies Mensch vermittelt. Tom McCarthy hat mit „K“ einen Roman geschrieben, der berauscht durch seine Sprache und bildet mit seiner Geschichte. „K“ = Kollosaal!

DVA, 474 Seiten; 24,99 Euro

Hörbuch der Woche

Jörg Maurerdaumen_rauf

Oberwasser

Ein alpenländischer Kurort. Finstere Gestalten schleppen nachts eine leblose Person zur Höllentalklamm. Kurz darauf erhält Kommissar Jennerwein einen heiklen Auftrag. Er muss einen verschwundenen BKA-Ermittler finden, doch niemand darf von der Suche wissen. Da ersinnen Jennerwein und sein Team einen ausgefallen Plan. Während sie offiziell einen Wilderer suchen, forscht Jennerwein in Gumpen und Schluchten nach dem Vermissten. Derweil erzählen die Einheimischen düstere Legenden von Flößern, die einst das Wildwasser in eine Höhle sog, während ein neugieriger Numismatiker kryptische Zeichen auf einer alten Goldmünze entdeckt und ein Scharfschütze am Bergbach lauert. Kommissar Jennerwein muss an vielen Fronten seinen Mann stehen. Vorbei ist’s mit der Ruhe.

„Oberwasser“ beweist endgültig: Jörg Maurer spielt in der gleichen Liga wie das Autorenduo Volker Klüpfel/Michael Kobr und Rita Falk. Jörg Maurers Bücher überzeugen mit viel Krimi und einem schelmischen Humor, den kann man auf jeder Seite wieder finden kann. Bei Jörg Maurer steht stimmungsvolle bayerische Krimikomödien-Action auf dem Programm! Wer schon „Fönlage“, „Hochsaison“ und „Niedertracht“ gut fand wird auch den neuen Krimi vollauf gut finden. In „Oberwasser“ erfahren wir u. a. endlich, dass eine Leberkässemmel ein Luxusartikel ist, und auch so besteuert werde muss, und Maurer interpretiert ein klassisches Musikstück neu und urwüchsig. „Oberwasser“ überzeugt mit einem Showdown, der sich mit allen Wildbachwassern gewaschen hat. Der Bücher schreibende Komiker hat’s drauf, seine Zuhörer zu unterhalten. Zünftige Krimikost, zünftig und rauschend wie ein Wildbach gelesen von Jörg Maurer selbst. Jörg Maurer ist der König der bayerischen Dialekte!

Auch als Taschenbuch erhältlich bei Fischer, 9,99 Euro.

Argon Hörbuch, 5 CDs, 392 Minuten; 19,95 Euro

Kolumne Nr. 189 vom 09.04.2012

Tess Gerritsen

Grabesstille

Boston. Dr. Maura Isles sagt beruflich vor Gericht aus und bringt sich damit in Schwierigkeiten. Jane Rizzoli wird mit ihrem Partner zu einer Ermittlung gerufen. Eine abgetrennte Hand wurde in Chinatown entdeckt, kurz darauf finden die Ermittler auch die passende Frau dazu. Der wunderschönen Toten wurde die Luftröhre durchtrennt. Rizzoli zieht Maura Isles zu den Ermittlungen hinzu. Eine erste Spur führt Rizzoli zu Iris Fang, Leiterin einer Kampfsportschule, eine zweite, zu Lou Ingersoll, einem pensionierte Polizisten. Ingersoll hatte vor seiner Pensionierung fast 20 Jahre einen Amoklauf in Chinatown untersucht. Zu den Opfern gehörte auch der Ehemann von Iris Fang. Wie hängen diese Fälle zusammen?

In „Grabesstille“ fesselt Tess Gerritsen wieder mit psychologischem Feingespür und  einem Plot mit doppeltem Boden. Ein Fall, bei dem nur akribische Ermittlerarbeit hilft, um dem Geheimnis des Amoklaufs auf die Spur zu kommen. Es warten nicht wenige Überraschungen auf den Leser mit schockierenden Enthüllungen. Tess Gerritsen erweckt Bostons Chinatown zum Leben. Die ganz eigenen Menschen dort, mit ihren Bräuchen und Ansichten, die chinesische Mythologie. Tess Gerritsen lässt den Leser in ihre Wurzeln blicken. Sie entwickelt auch ihr Bestseller-Duo Jane Rizzoli und Maura Isles konsequent weiter. Vor allem auf Mauras Seite tut sich einiges, nach den dramatischen Ereignissen im Vorgängerroman „Totengrund“. Tess Gerritsen gehört zu den Meisterinnen des Thriller-Fachs! „Grabesstile“ stellt das erneut unter Beweis.

Auch als Hörbuch erhältlich bei Random House Audio. „Tatort“-Star Mechthild Großmann ist mit ihrer herben und rauchigen Stimme eine Idealbesetzung für die spannungsgeladenen Thriller von Tess Gerritsen. 19,99 Euro.

Limes, 443 Seiten; 19,99 Euro

Andrea Maria Schenkel

Finsterau

Ein kleines Dorf im Bayerischen Wald, 1944: Schwanger kehrt die junge Afra zurück in die Enge ihres Elternhauses, das sie Jahre zuvor verlassen hat. Als Albert geboren wird, nehmen die Auseinandersetzungen zu. Johann Zauner, dem strenggläubigen Vater, ist das Kind im Wege. Afra nimmt ihr einfaches Leben hin, kümmert sich liebevoll um ihren Sohn Albert. Eines Tages passiert dann Schreckliches, Afra ist tot, ihr Kopf eingeschlagen und blutüberströmt liegt sie neben ihrem schwerverletzten Sohn in der Wohnstube. Albert stirbt kurz darauf im Hospital. Wer ist für die Tat verantwortlich? Alles spricht für Vater Johann. Er hatte ein Motiv und er wird mit einem blutigen Lumpen unweit des Tatorts gefunden.

Andrea Maria Schenkel hat 2006 mit „Tannöd“ für eine Krimi-Sensation gesorgt. Ihre Markenzeichen sehr prägnant alte bayerische Kriminalgeschichten zu erzählen. Sie hatte den minimalistischen Kriminalroman auf die Bestsellerliste gebracht. Es folgten „Kalteis“, der an das erfolgreiche Debüt anknüpfen konnte. Ihr drittes Werk „Bunker“ war zum verbuddeln. Auch um ihren neuen Krimi „Finsterau“ sieht es finster aus. Die Figuren haben so viel Leben wie ein Streichholz, die Kriminalgeschichte so viel Neues wie ein Baum im Wald. Schenkel pflegt wieder ihren minimalistischen Stil, der wenig vermittelt, was einem am lesen begeistert. Hart und kalt ist die Geschichte erzählt. Die karge Zeit nach dem Krieg in der Oberpfalz ist zu erahnen, aber mehr auch nicht. Dieser eher dokumentarische Kriminalroman ist schnell gelesen und schnell vergessen.

Hoffmann und Campe, 125 Seiten; 16,99 Euro

Dirk Laabs

Der deutsche Goldrausch – Die wahre Geschichte der Treuhand

Die Treuhand ist eines der Symbole für eine in Teilen misslungene Wiedervereinigung. Nach der Abwicklung bekam sie folgenden Namen: Größtes Schlachthaus Europas. Niemals zuvor in der Geschichte hat es einen derart großen Konzern gegeben. Die Treuhand war für 10 000 Betriebe und vier Millionen Angestellte zuständig. Im Osten herrschte 1989 Aufbruchseuphorie, im Westen Goldgräberstimmung. Wie das Rennen ausging, ist bekannt. Wie es dazu kam, erfährt man in diesem Buch. Der Autor bringt darin erstmals Insiderinformationen an die Öffentlichkeit. Aber er schafft noch viel mehr. Was? Lesen Sie und staunen Sie.

DER politische Krimi über das Auflösen der DDR! Dirk Laabs schreibt klar und zügig, er vermittelt dabei maximales Wissen und gibt Einblicke in das politische und wirtschaftliche Wirken der damaligen Zeit. Man trifft auf viele bekannte Namen aus Politik und Wirtschaft aus den letzten 20 Jahren. Einige sind auch heute noch aktiv. Man erfährt u. a., wie um die DDR und ihre Betriebe geschachert wurde; wie betrogen, belogen und getrickst wurde; wie große westdeutsche Konzerne, darunter die Deutsche Bank, Allianz, die Energiemonopolisten, Supermarktketten, Hotelketten, u. a., sich ganz schnell die wenigen wirtschaftlich aussichtsreichen Filetstücke sicherten; wie immer mehr aufkam, das die DDR darüber hinaus nicht viel hatte, mit dem die Treuhand Einnahmen erlösen konnte; welche unglaubliche Summe die BRD damals zur Verfügung stellte, um die DDR bis zur Abwicklung über Wasser zu halten; wie der Treuhand-Chef Detlev Karsten Rohwedder durch die RAF ermordet wurde; und noch so vieles mehr. Und man erfährt auch, dass Helmut Kohl bei einem Essen 12 Stück Kuchen auf einmal gegessen hat. Mahlzeit auf die Wiedervereinigung. „Der deutsche Goldrausch“ wäre perfekt für ein großes TV-Event-Movie! Diese spannende Geschichte aus Deutschlands naher Vergangenheit würde sicher Millionen Zuseher fesseln.

Pantheon, 384 Seiten; 16,99 Euro

Frauke Scheunemann

Welpenalarm!

Caroline lebt mit Tierarzt Marc und seiner Tochter Luisa zusammen. Natürlich auch dabei Dackel Herkules. Doch nun kündigt sich ein Baby an. Bald ahnt Herkules, dass das nichts Gutes für ihn verheißt. Kaum ist das Baby da, geht’s drunter und drüber.
Alarm! Alarm! Bei „Welpenalarm!“ kann man schmunzeln, lachen und sich freuen. Ein purer Wohlfühlroman! Frauke Scheunemann schafft es auch nach ihren Bestsellern „Dackelblick“ und „Katzenjammer“ ihr hohes Unterhaltungsniveau zu halten. Und der knuffige Herkules springt einen förmlich an und schleckt einen zu Boden. Frauke Scheunemann! Alarm! Alarm!

Page & Turner, 283 Seiten; 14,99 Euro

David Monteagudo

Ende

Neun Freundinnen und Freunde treffen sich für ein Wochenende in einer Berghütte wieder, in der sie schon vor vielen Jahren waren und als Clique auseinander gegangen sind. Um Mitternacht fällt der Strom aus, die Autos starten nicht mehr. Was ist passiert? Die Freunde machen sich zu Fuß auf in die Stadt. Aber ein Freund nach dem anderen verschwindet. Ist das das Ende?
„Ende“ hat in Spanien eingeschlagen wie ein Komet! Wenn Sie „Ende“ lesen, ist das der Beginn einer literarischen Reise, die Sie so schnell nicht wieder vergessen werden. Das Buch ist mit inspirierenden, intelligenten und frechen Dialogen gewürzt. „Ende“ geizt mit nichts, was Sie sich vorstellen können.

Rowohlt, 349 Seiten; 19,95 Euro

Hörbuch der Woche

Susanne Fröhlich

Lackschaden

Der Alltag ist kein Kinderspiel, schon gar nicht für Andrea Schnidt. Ihr Ehemann ist praktisch nie da, der verbringt seine freie Zeit lieber auf dem Golfplatz als mit ihr, ihre beiden pubertierenden Kinder nervt alles an Mami und Familie was nur geht und nun sitzt Andrea auch noch der frisch verwitwete Schwiegervater im Nacken. Der will alles gut machen und schafft damit natürlich das Gegenteil. Soll es das etwa gewesen sein? Ein Leben als Putzfrau, Köchin, Chauffeurin, Aufräumerin und Trösterin mit Nebenjob in einer Werbeagentur? Andrea Schnidt will ausbrechen, aber das geht gründlich schief. Vielleicht kann ein Urlaub das Eheleben wieder beleben. Auf Andrea wartet vieles, mit dem sie nicht gerechnet hat.

Susanne Fröhlichs Romane stehen für Heiterkeit, Wohlfühlsein und Lachattacken. Fröhlich lesen – fröhlich sein! In „Lackschaden“ ist Serienheldin Andrea Schnidt mal wieder im alltäglichen Wahnsinnseinsatz. Der perfekte Unterhaltungsroman für alle Frauen! Susanne Fröhlich spricht Tacheles über das triste Eheleben und die nervigen Kinder, über die Familie und ihre ureigenen Auswüchse, über Freundinnen, die, die man mag und die, die man hasst, über die Figur, ob schlank, wenn möglich, oder Rundungen, eher wahrscheinlich, über Wünsche und Vorstellungen, auch wenn der Lack schon etwas ab ist. „Lackschaden“, ein lustiges Buch, das aber auch viel deprimierende Wahrheiten anspricht. Susanne Fröhlich gibt Andrea mit ihrer frischen und ehrlichen Stimme das passende Mundwerk. Authentizität = 100%.

Auch als Hardcover erhältlich bei Krüger, 16,99 Euro.

Argon Hörbuch, 4 CDs, 304 Minuten; 19,95 Euro

Kolumne Nr. 190 vom 16.04.2012

Leila Meacham

Die Erben von Somerset

Howbutker, Texas, 1985. Mary Toliver DuMont ist 85 und ändert bei ihrem Anwalt ihr Testament. Nach ihrem Tod wird das viele Fragen aufwerfen. Am Abend denkt Mary nochmals zurück, sie beginnt im Jahre 1916. Die Tolivers und die Warwicks gehören zu den mächtigen Familien, seit Generationen trennen sie ihre Geschäfte voneinander. Doch als die sechzehnjährige Mary, die nach dem Tod des Vaters die Leitung der Baumwollplantage Somerset übernommen hat, in finanzielle Schwierigkeiten gerät, bittet sie den Warwick-Erben Percy um Hilfe. Mary und Percy wollen heiraten, Percy verlangt aber von ihr, die Plantage zugunsten ihrer Ehe aufzugeben. Das kann Mary nicht, Percy setzt sich enttäuscht nach Kanada ab. Mary heiratet daraufhin Ollie DuMont, den Erben eines französischen Handelsimperiums, der schon lange in Mary verliebt ist. Eine folgenschwere Entscheidung …

Alle Leserinnen und Leser von Kate Morton und Lucinda Riley aufgepasst! Sie schätzen diese Autorinnen? Dann werden Sie von Leila Meacham begeistert sein! „Die Erben von Somerset“ ist eine fesselnde Familiesaga, die den alten Charme der Südstaaten aufleben lässt. Die Geschichte steckt so voller Überraschungen, Wendungen, Schicksalsschlägen, Geheimnissen und Unwägbarkeiten des Lebens. „Die Erben von Somerset“ ist besiedelt mit vorzüglichen Figuren, vor allem Mary und Percy sind kämpferische Naturen, sie stehen für das ein, was sie für richtig finden und sie gehen ihren Weg. Ein leidenschaftlicher Wirbelsturm der Gefühle! Eine große Geschichte. Die eine oder andere Träne kann man bei dieser Geschichte nicht verdrücken. Ein Buch, das einem weit über das Ende der Geschichte hinaus bleibende Erinnerungen verschafft.

Page & Turner, 630 Seiten; 14,99 Euro

Tina Rothkamm

Flucht in die Hoffnung

Urlaubsgefühle, Liebesgefühle. So geht es Lehrerin Tina als sie sich in den tunesischen Arzt Farid verliebt. Das ist nun elf Jahre her. Tina ist überglücklich und bald darauf kündigt sich auch Nachwuchs an, Tochter Emira ist unterwegs. Doch die Ehe wird anders, als Tina sich das vorgestellt hat, ihr Traummann hat auch ein anderes Gesicht. Jahre der Angst beginnen, in denen Tina Rothkamm in Tunesien kein Glück verspürt. Als die Demütigungen schlimmer werden, beginnt für die junge Mutter der Kampf um ihre Würde als Frau und für ein freies Leben mit der kleinen Emira. Doch dann wird der Diktator Ben Ali gestürzt, die despotische Männerherrschaft Tunesiens zerbricht, und Tina ergreift ihre letzte Chance: die Flucht in einem Fischerboot über das offene Meer nach Lampedusa.

Es sollte eine Geschichte wie „Nicht ohne meine Tochter“ von Betty Mahmoody werden, doch es ist wohl eine der größten gedruckten Lügengeschichten in diesem Jahr. Die Ereignisse sind dramatisch, die Mutter lebt in Angst vor ihrem Mann, die Angst, dass auch ihr Kind immer mehr leidet, sie will von dem bösen Ehemann und Vater aus Tunesien fliehen. Mit dieser Ausgangsposition schreibt Mutter Tina Rothkamm dieses Buch. Sie erzählt von der wenig glücklichen Ehe, von ihrer Tochter, dem Muttersein und wie sie in Tunesien alles versucht, um mit ihrer Tochter aus dem Land zu kommen. Die Geschichte ist manchmal spannend, meist aber sehr mäßig und sprachlich sehr dürftig. Über die Blauäugigkeit, mit der Frau Rothkamp in die Ehe mit dem Tunesier Farid ging, lässt einen nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Es bleibt auch die ethische Frage, ob man diese Geschichte überhaupt erzählen und somit vor allem das Kind so in die Öffentlichkeit zerren muss? Nun deutet ja vieles darauf hin, dass das Buch in großen Teilen ein Lügengespinst ist. Tina Rothkamm ist in der Fernsehsendung „Stern TV“ über ihre eigenen Lügen gestolpert.

Pendo, 286 Seiten; 14,99 Euro

Liza Marklund

Weißer Tod

Journalistin Annika Bengtzon will eigentlich einem Mord an einer Frau nachgehen, als  plötzlich eine Lawine über sie hereinbricht. Ihr Mann Thomas ist in Kenia entführt worden. Er war zuvor in Nairobi mit einer internationalen politischen EU-Delegation. Die Entführer stellen Forderungen und wollen ein astronomisch hohes Lösegeld. Für Annika wird das Leben in Schweden zur Qual. Ihren Kindern muss sie sagen, dass ihr Vater entführt wurde und sie nicht weiß, was mit ihm wird. Sie selbst erlebt ihre eigene, und die Machtlosigkeit der politischen Führung. In Afrika hat derweil ein anderer Prozess begonnen. Nach und nach exekutieren die Geiselnehmer die Mitglieder der Gruppe. Nach acht Tagen bricht Annika zusammen mit Staatssekretär Jimmy Halenius nach Kenia, um das Lösegeld zu überbringen.

Einer von Liza Marklunds besten Kriminalromanen. Die Serie um Annika Bengtzon erlebt mit „Weißer Tod“ einen Höhepunkt! Liza Marklund schildert in „Weißer Tod“ die dunklen Seiten des afrikanischen Kontinents. Entführungen und dementsprechende Forderungen gehören hier ja mittlerweile zum Alltag. Liza Marklund legt das Seelenleben ihrer Figuren offen, Annika kämpft an der Familien- und Öffentlichkeitsfront, Thomas kämpft ums nackte Überleben, er versucht sich den Funken Hoffnung immer zu bewahren. Annika bekommt auch zu spüren, wie es ist Ziel der Sensationspresse zu sein, wie es ist plötzlich auf der anderen Seite zu stehen, und von den Journalisten, der eigenen Spezies, belagert zu werden. Marklund zeigt den radikalen Journalismus auf, ob Entführung, Serienkiller-Morde oder Flugzeugabsturz, sie arbeitet gut heraus wie effekthascherisch die Presse versucht, ihren Profit aus diesen traurigen Ereignissen zu ziehen. „Weißer Tod“ ist flott geschrieben und besticht durch seine lebendigen Dialoge. Megaspannend! Dramatisch! Hochaktuell!

Ullstein, 375 Seiten; 19,99 Euro

Sandra Brown

Sündige Gier

Der alternde Millionär und Firmenbesitzer Paul Wheeler wird bei einem Raubüberfall erschossen. Zufall oder Absicht? Creighton Wheeler ist Neffe und Erbe. Hat er etwas mit der Sache zu tun, hat er gar den Mord in Auftrag gegeben? Für Pauls Freundin Julie ist klar, dass es ein Mord war und Creighton für den Drahtzieher hält. Zwischen den beiden steht Strafverteidiger Derek Mitchell, er hält auch Julie für nicht unschuldig.
Sandra Brown zeigt mit „Sündige Gier“ wieder, warum sie zu den weltweit sündigsten Thriller-Autorinnen zählt. „Sündige Gier“ – sündig spannend, sündig sexy und sündig raffiniert. Perfekte Thriller-Unterhaltung!

Auch als Hörbuch erhältlich bei Random House Audio. Die sexy Synchronstimme von Hollywood-Stars wie Sharon Stone Martina Treger haucht den Romanen von Sandra Brown nicht nur prickelnde Leidenschaft ein, sondern auch die nötige Härte eines Thrillers. 19,99 Euro.

Blanvalet, 511 Seiten; 19,99 Euro

Andrew Feinstein

Waffenhandel

Der internationale Waffenhandel findet weitgehend im Verborgenen statt. Rüstungskonzerne aus Großbritannien, den USA, Schweden und aus Deutschland genießen den Schutz der Regierungen. Dieses Buch deckt diese Seilschaften auf und erklärt, wie das funktioniert mit dem Waffenhandel, was damit passiert und was die Waffen anrichten.
Ein Sachbuch-Thriller, der den Skandal um den weltweiten Waffenhandel intensiv beleuchtet, bei dem die Politik wegsieht und die Wirtschaft kräftig verdient. Andrew Feinstein hat ein Buch geschrieben, das einen wütend macht, da man umfangreich erfährt, was Menschen damit anrichten, wenn sie mit Waffen Handel treiben. Ein geordneter Waffenverkauf würde weltweit Millionen Menschen das Leben retten, aber das wollen Wirtschaft und Politik nicht, denn man könnte sich dann nicht mehr im Reichtum suhlen.

Hoffmann und Campe, 847 Seiten; 29,99 Euro

Hörbuch der Woche

Fred Vargas

Die Nacht des Zorns

Paris. Kommissar Adamsberg wird von einer älteren Dame aufsucht. Sie hat ihm beängstigendes zu berichten: Ihre Tochter Lina hat das "Wütende Heer" gesehen - der Legende nach kündigt dieser Geisterzug kommende Todesfälle an. Vier Opfer sah Lina in dem Heer, und als der erste Mann spurlos verschwindet, zögert Adamsberg nicht lange. Ein Fall, der ihn sehr interessiert. Er reist in die Wälder der Normandie, geleitet allein von seiner Intuition. Bevor er die Fährte jedoch aufnehmen kann, ruft man ihn nach Paris zurück. Kaum aber hat er Ordebec verlassen, erfüllt sich Linas Vision erneut. Adamsberg ist sicher: Jemand bedient sich des mittelalterlichen Mythos, um ungestört zu morden. Kommissar Adamsberg lässt nicht mehr locker und will dem Töten ein Ende setzen.

Fred Vargas steht für intelligente Spannung, ein fein gezeichnetes Gesellschaftsbild und der zarten Prise Humor. Fred Vargas schreibt stilvolle Kriminalromane! Mit diesem Stil hat sie Deutschland erobert. Mit jedem neuen Roman stürmt sie die Bestsellerliste. Bei den Romanen von Fred Vargas atmet man auch immer die Luft des heutigen Frankreichs ein. Sie brilliert mit tiefen Einblicken in Land und Leute. Kommissar Adamsberg ist eine Kultfigur des europäischen Kriminalromans! „Die Nacht des Zorns“ wird alle Leserinnen und Leser der Serie begeistern. Volker Lechtenbrink, ein deutsches Schauspiel-As der alten Schule, ist mit seiner herb-charmanten Stimme genau der richtige für die Fälle von Kommissar Adamsberg. Lübbe Audio hat hier einen sehr guten Griff getan.

Auch als Hardcover erhältlich bei Aufbau, 22,99 Euro.

Lübbe Audio, 6 CDs, 445 Minuten; 19,99 Euro

Kolumne Nr. 191 vom 23.04.2012

Cecelia Ahern

Solange du mich siehst

Zwei Geschichten der irischen Bestsellerautorin über Erinnerung, Liebe und Betrug. In „Das Lächeln der Erinnerung“ hat ein Mann eine unglaubliche Maschine erfunden, mit der er die Erinnerungen der Menschen verändern kann. Doch was ist mit seinen eigenen Erinnerungen? Kann er sich auch selbst helfen und einen inneren Frieden finden. „Das Mädchen im Spiegel“ beginnt 1992, als Lila von ihrer Großmutter gesagt bekommt, nicht in die mit schwarzem Tuch verhängten Spiegel zu schauen. 2010 heiratet Lila dann. An ihrem großen Tag will sie zum ersten Mal ungehorsam sein und sich in ihrem Hochzeitskleid in einem großen Spiegel betrachten. Was sie erwartet, damit hätte sie nicht gerechnet.

Cecelia Ahern schafft es auch mit zwei kleinen Geschichten einem ein wohltuendes Lächeln ins Gesicht zu zaubern! Einen Augenblick festhalten, ihn nie mehr vergessen, ihn immer abrufbar haben. Ein Augenblick, aus dem man Kraft schöpfen kann, der einem hilft, das Leben leichter und besser zu leben. Von diesem Augenblick erzählt „Im Lächeln der Erinnerung“. In „Das Mädchen im Spiegel“ erweitert Cecelia Ahern ihr schriftstellerisches Spektrum und wird zum romantischen Stephen King. Diese Geschichte hätte auch vom Meister des Horrors sein können. Aus dieser Kurzgeschichte könnte man einen großen Roman machen. Am Ende schafft es Cecelia Ahern aber doch, aus etwas Düsterem ein romantisches Märchen zu machen. Cecelia Ahern bleibt sich treu, sie erzählt wunderbare Geschichten, egal welche Länge sie haben. „Solange du mich siehst“ ist ein echter Gefühlshit der zu Herzen geht!

Krüger, 123 Seiten; 9,99 Euro

Cat Clarke

Vergissdeinnicht

Ein weißer Raum. Und nichts darin als ein Tisch, Stapel von Papier und Stifte. Und Grace. Sie weiß nicht, wie sie in diesen Raum gekommen ist, sie weiß nicht, warum sie dort ist. Nur eines ist sicher, der undurchschaubare Ethan hält sie dort fest. Ethan hat sie letzte Nacht davor bewahrt, sich das Leben zu nehmen. Aber warum? Ethan verhält sich sonderbar für einen Entführer: höflich und zurückhaltend. Das Einzige, was er von Grace will, ist, dass sie weiter ihre Gedanken aufschreibt. Und je mehr sie schreibt, desto mehr verschüttete Erinnerungen kommen zutage. Grace spürt: Um sich befreien zu können, muss sie die ganze Wahrheit über sich selbst herausfinden.

Die Ausgangsposition des Romans klingt sehr viel versprechend. Cat Clarkes Heldin wirkt zu Anfang aber total unglaubwürdig. Sie ist ein gut aufgelegtes Entführungsopfer, aber nach und nach relativiert sich das Bild von Grace. Man lernt ihre Geschichte kennen und bekommt erste Ahnungen, wo die Geschichte vielleicht hinführen könnte. Aber Grace’ Erzählungen kommen nicht richtig voran, sie drehen sich im Kreis, die Geschichte schleppt sich so dahin. Sehr schade, denn die letzten zehn Seiten haben es in sich. Das Geheimnis wird gelüftet und da bleibt einem dann die Luft weg. Wenn das ganze Buch so gut gewesen wäre, wie die Auflösung, dann hätte man über dieses Buch kein negatives Wort verlieren können.

Lübbe, 284 Seiten; 12,99 Euro

Michael Crichton & Richard Preston

Micro

Hawaii. In Honolulu finden sich sieben Studenten aus Cambridge, Massachusetts ein. Sie alle haben besondere Fähigkeiten und werden von einem Unternehmen für den Einsatz an der Front der Mikrobiologie rekrutiert. Die streng geheime Arbeit von Nanigen Micro Technologies ist für die Studenten sehr interessant, doch der Tod eines Bruders der Studenten wirft schon unheilvolle Schatten voraus. Als sie dann etwas mit anhören, das nicht für ihre Ohren bestimmt ist, werden sie mit der Technik der Firma zu Eins-Komma-Drei-Zentimeter-große-Menschen geschrumpft. Auf Umwege gelangen sie in den Regenwald und sind nun  einer erbarmungslosen Natur ausgesetzt. Hier werden Ameisen, Wespen und Spinnen zu großen gefräßigen Monstern. Die Gruppe muss schnell lernen, mit dieser Situation umzugehen, ansonsten  werden sie die Wäldern Oahus nicht mehr lebend verlassen.

Michael Crichton gehört zu den prägendsten Autoren der letzten 40 Jahre! Mit ihm hat ein ganz Großer die literarische Bühne verlassen. Der Roman wurde nach dem Tod von Legende Crichton zu Ende geschrieben, von Bestsellerautor Richard Preston. Dass dieser den Roman so perfekt zu Ende führt, dafür kann man ihm nur applaudieren. „Micro“ ist ein aktueller Wissenschaftsthriller, der einen von Anfang bis Ende mit Fakten und Fiktion fesselt. Eine Geschichte, die einen nicht nur durch seinen spannend Plot fesselt, sondern auch durch viel Wissenswertes aus der uns so unbekannten Mikrowelt. Eine Story, die einen wahrlich ins Fleisch schneidet und einen piesackt bis aufs Blut. „Micro“ tritt in die Fußstapfen von Michael Crichtons Weltbestseller „Timeline“. Aus der Zeitreise wird eine Mikroreise. „Micro“ erinnert in moderner Form an den Hollywood-Klassiker „Die unglaubliche Geschichte des Mister C.“. Das Buch schreit nach einer Verfilmung. Es könnte Crichtons letzter Kino-Kracher werden.

Auch als Hörbuch erhältlich bei Random House Audio. Brutal gut gelesen von Gordon Piedesack. 19,99 Euro.

Blessing, 543 Seiten; 22,95 Euro

Mo Hayder

Atem

Lorne Wood, ein schönes 16-jähriges Mädchen, wird tot am Kanal aufgefunden, mit einem Tennisball im Mund. Für Sally Benedict fing damit alles an. Ihre Ehe ist gescheitert, ihr Leben gleitet ihr durch die Hände. Als ihre Tochter immer größere Forderungen stellt, schlägt Sally einen ganz falschen Weg ein. Ihre Schwester Zoë ist Detective Inspector, und sie übernimmt den Fall Lorne Wood. Im Leben der beiden Schwestern geschieht etwas, das sie für immer aneinander binden wird …
Mo Hayders „Atem“ macht einen atemlos! Die Engländerin schleicht sich mit ihrer Geschichte ganz gefährlich leise in die Psyche des Lesers ein. Sie geht dabei mit subtilen Mitteln vor. Umso mehr reißt einen das Leben von Sally und Zoë mit. Man spürt die Gefahr und kann sie nicht aufhalten. „Atem“ ist nicht nur ein subtiler Psychothriller, sondern auch ein erschreckendes Bild unserer heutigen Gesellschaft.

Goldmann, 477 Seiten; 14,99 Euro

Andreas Kieling

Durchs wilde Deutschland

Andreas Kieling und seine Hündin Cleo gehen auf Deutschland-Tour, vom Berchtesgadener Land bis zur Nord- und Ostsee. Dabei entdeckt Kieling viele wunderbare Plätze und Tiere, wie den Steinbock, Feldhamster, Luchs, Wolf, Seeadler, Kranich, Kegelrobbe und wilde Stadttiere.
Nach seinem sensationellen Bestseller „Mein deutscher Wandersommer“ mit dem Andreas Kieling Deutschland zu Fuß und die Herzen der Leser eroberte, begibt er sich mit „Durchs wilde Deutschland“ wieder auf die Spuren des Naturparadieses Deutschland. Das Buch steckt voller tierischer Überraschungen! Kieling erzählt in lockerem Ton, wie er das „wilde Deutschland“ für sich entdeckt hat und nimmt den Leser mit auf seine abenteuerliche Reise.

Malik, 348 Seiten; 22,99 Euro

Hörbuch der Woche

Zeruya Shalev

Für den Rest des Lebens

Chemda Horovitz blickt mit schwindendem Bewusstsein auf ihr Leben zurück. Sie denkt an ihre Kindheit im Kibbuz, an ihre Ehe und ihre zwei Kinder, von denen sie eines zu sehr und das andere zu wenig liebte. Ihr geliebter Sohn Avner ist zu einem Mann herangewachsen, dessen Erfolg als Anwalt ihn nicht von seiner tiefen Verbitterung erlösen kann. Er verfällt einer geheimnisvollen Frau, die seine Liebe nicht erwidert. Chemdas Tochter schenkt alle Liebe und Aufmerksamkeit ihrer Tochter. Als diese sich immer weiter von ihr entfernt, hat sie nur noch einen Wunsch, sie will unbedingt ein Kind adoptieren und noch einmal von vorne anfangen. Der Widerstand ihrer Familie ärgert sie und es entsteht eine Kluft zwischen ihnen. Sie möchte eine Familie, aber sie zerstört sie zugleich.

Eine Geschichte, die einem lange in Erinnerung bleibt! „Für den Rest des Lebens“ erzählt über die Familie, Ehe, das was Liebe bedeutet und was man dabei alles falsch machen kann, es erzählt auch von der Freiheit, sein Leben richtig leben zu können, verpassten Chancen im Leben, dem Wunsch nach Kindern und Geborgenheit. „Für den Rest des Lebens“ zeigt viele Facetten Israels. Zeruya Shalev ist Israels literarischer Star! Sie erzählt in wunderschöner Sprachvielfalt. Maria Schrader liest zart wie Seide und herausfordernd wie eine Löwin. Sie gibt der Geschichte die Sprachnuancen, die diese Geschichte einfordert.

Auch als Hardcover erhältlich bei Berlin Verlag, 22,90 Euro.

Random House Audio, 6 CDs, 386 Minuten; 19,99 Euro

 

Kolumne Nr. 192 vom 30.04.2012

Rita Falk

Hannes

Uli Vorholzner und Hannes Ellmeier, beide Anfang Zwanzig, sind Freunde seit frühester Kindheit. Bis zu einem Motorradunfall, bei dem Hannes verunglückt. Er fällt ins Koma. Aber Uli glaubt fest daran, dass Hannes wieder aus dem Koma erwacht. Er besucht ihn täglich, obwohl sein Zivildienst in einem Heim für psychisch Kranke ihm einiges abverlangt. Uli lebt aber auch sein Leben, er erzählt Hannes täglich davon, von den Patienten im Heim, vom Sex mit der Heim-Psychologin, von ihren gemeinsamen Freunden, von der Heim-Schwester, von Familie und dem ganz alltäglichen Wahnsinn. Uli gibt immer Acht, ob Hannes die kleinste Regung zeigt, und er ist wütend, dass das nicht passiert. Er will nur eins, dass Hannes wieder aufwacht.

Rita Falk stellt eindrucksvoll unter Beweis, sie kann nicht nur ganz groß lustig sein, sondern auch ganz fein menschliche Gefühle ausloten. „Hannes“ ist eine Geschichte, die tief berührt. Es ist schon ein großer Schritt, vom Spaß-Kommissar Franz Eberhofer zu einem ergreifenden Drama, was wenigen Autoren gelingt, Rita Falk hat es geschafft. „Hannes“ erzählt von einer echten Freundschaft, die in unserer heutigen Zeit kaum mehr zu finden ist, über Leben und Tod, Gesundheit und Krankheit, über den Sinn des Lebens. Rita Falk schafft es aber auch, in diesem menschlichen Drama den leisen Witz gekonnt unterzubringen. Auch die anderen Figuren des Buches sind keine Stereotypen: eine unkonventionelle Nonne, eine gestörte Psychologin, unverzichtbare und verzichtbare Freunde und weinende Familien. Wenn der Roman in Amerika verlegt worden wäre, würde er zahlreiche literarische Preise gewinnen. „Hannes“ ist ein funkelnder Schatz, den jeder für sich entdecken kann.

dtv, 202 Seiten; 17,90 Euro

Ralf Bönt

Das entehrte Geschlecht

Der Feminismus hat unsere Gesellschaft verändert, die Gleichberechtigung der Frauen ist mittlerweile weit vorangekommen. Aber auch der Beitrag des Mannes gehört dazu, und der steckt mittlerweile fest, denkt der Autor. So erzählt er uns in diesem Buch aus den letzten drei Jahrhunderten und darüber hinaus, wie es so war mit dem Denken von Mann und Frau. Wie schwer es die Männer haben in unserer Gesellschaft einen eigenen, nicht vorgezeichneten Weg zu gehen. Wie der Autor Männerfußball zuerst nicht mochte, dann doch spielte und dann doch wieder weniger vom Fußball hielt. Dass der heutige Frauenfußball nicht schön ist, da die Frauen grober werden. Wie schön er es jetzt findet, Vater zu sein. Er erklärt die Sexualität des Mannes und dass der Mann damit eigentlich nichts anfangen kann. Und er erzählt noch von so manch anderen – ganz eigenen – Männeransichten.

Die kurze Einlaufgeschichte zu Anfang macht Eindruck, ein Mann, gut gekleidet, zieht seiner Tochter auf dem Spielplatz die Strumpfhose hoch, andere Mütter holen die Polizei, der Vater muss sich als Vater ausweisen. Mit dieser Geschichte spiegelt Bönt durchaus einen Teil des Bildes des Mannes in unserer heutigen Gesellschaft wider. Aber was danach kommt, da kann man nur noch sagen: Ach, du armer, armer Mann, bist verkommen zum Abreißkalender der Frauen, weil dein Leben ja so schrecklich vorherbestimmt ist. Wie sieht man sich als Mann, wie sehen einen die anderen? Bönt zeichnet das Bild einer Männergruppe, aber nicht ein breitgefächertes Männerbild. Er kommt u. a. zu solch glorreichen Feststellungen: „Der größte Trost des Mannes ist das lässige Knacken der sich abkühlenden Auspuffanlage seines Wagens …“; „Männer sind Werkzeuge, die man am besten in eine Uniform steckt“; „Der Mann hat das Recht auf ein karrierefreies Leben. Der Mann muss auch jenseits einer beruflichen Stellung respektiert werden“; „Frauen haben die Wahl, die Männer haben sie nicht. Sie müssen immer noch etwas werden, etwas sein und etwas darstellen“. Der Mann verkommt im Großteil dieses Buches zur Heulsuse und zum Vollidioten, der seinen eigenen Weg nicht gehen kann, weil er ja genau das machen muss, was die anderen vom ihm verlangen.

Pantheon, 157 Seiten; 12,99 Euro

Adam Zamoyski

1812

1812 ist die Geschichte vom mächtigsten Mann der Welt mit der größten Armee aller Zeiten. Es ist die Geschichte des Untergangs von Napoleon und seiner Grande Armée. Napoelons Russland-Feldzug war nicht nur eine militärische Katastrophe, sondern eine unendliche menschliche Tragödie. Bis heute lebt die Erinnerung an diesen Todesfeldzug fort, mit dem Napoleon Bonaparte seine Herrschaft über Europa verspielte. Leo Tolstoy haben die dramatischen Ereignisse dieses Jahres zu einem der berühmtesten Romane der Weltliteratur – „Krieg und Frieden“ – inspiriert. Der in England lebende Historiker Adam Zamoyski nimmt sich in „1812“ diesem großen historischen Ereignis an.

Das Buch ist bereits 2004 in England erschienen und zum 200-jährigen Jahrestag erscheint es endlich auch bei uns. „1812“ ist eine meisterlich erzählte Geschichte! Hier werden historische Fakten zu einer lebendigen Geschichte, eine triste Dokumentation sucht man hier vergebens. Adam Zamoyski schreibt, dass von Napoleons Russland-Feldzug „jeder schon mal etwas gehört hat, aber nur wenige genaue Kenntnisse besitzen“. Dieses Buch schafft zu 100 % Abhilfe. „1812“ werden Sie nicht mehr aus der Hand legen können! Man erfährt von den Umwälzungen in Europa vor dem Jahr 1812; wie viele in Europa das französische Denken und die Lebensweise gut fanden, aber nicht Napoleons Mittel, diese überall in Europa zu installieren; wie sehr Napoleon und Zar Alexander auf ihren Seiten beharrten und so auf einen Krieg zusteuerten; wie unbequem die Armeen ausgestattet waren; wie schwer es war, einen Krieg zu organisieren, Nahrung für Mensch und Pferde durch ganz Europa zu schaffen; dass die Schlacht um Russland schon verloren war, bevor man überhaupt in Moskau ankam – man hatte bereits über ein Drittel aller Soldaten verloren und Zehntausende Pferde waren verendet; dass das Sterben der französischen Armee nicht durch russische Siege zu Stande kam, sondern durch die Widrigkeiten des Marsches und der Natur; der verlustreiche Kampf um Moskau; und danach, das langsame Ende der Grande Armée. Das Buch zeigt, dass es nichts Grausameres gibt, als wenn Menschen Krieg führen. „1812“ ist im Stile eines Ken-Follett-Epos geschrieben. Eine Geschichte, erzählt wie ein großer historischer Roman.

C. H. Beck, 720 Seiten; 29,95 Euro

Eva Almstädt

Ostseefluch

Im Garten eines renovierungsbedürftigen Anwesens wird eine junge Frau tot aufgefunden. Entsetzen auf der Insel Fehmarn. Die Eltern der Toten scheinen etwas zu verschweigen und auf dem Anwesen soll ein Fluch liegen. Kein leichter Fall für Kommissarin Pia Korittki.
Eva Almstädt hat sich in die erste Liga der deutschen Krimi-Autorinnen geschrieben! „Ostseefluch“ ist mittlerweile der achte Band der Krimi-Reihe um Kommissarin Pia Korittki. „Ostseefluch“ gehört zu den besten Büchern der Reihe! Wer die Krimis von Klaus-Peter Wolf gut findet, sollte unbedingt auch zu Eva Almstädt greifen.

Bastei Lübbe, 366 Seiten; 7,99 Euro

Monica Ali

Die gläserne Frau

Lydia hat in Kensington, USA endlich einen Ort der Ruhe gefunden. Lydias Leben war zuvor bestimmt von den täglichen Nachrichten in den internationalen Klatschblättern. Sehr zum Ärger der königlichen Familie, deren Mitglied sie war. In Kensington lebt sie ein normales Leben, hat nette Freundinnen gefunden und einen Mann, den sie lieben kann. Eines Tages taucht aber ein britischer Fotograf in der Kleinstadt auf und der will Lydias neues Leben zerstören.
Was wäre gewesen, wenn? Diese Frage stellt dieses Buch, da für die Figur der Lydia Prinzessin Diana das Vorbild ist. Was wäre gewesen, wenn Diana sich einfach irgendwo auf der Welt versteckt und neu angefangen hätte? Das Buch lebt von den ausgereiften Frauenfiguren, Lydia fällt hier natürlich besonders auf. Eine Frau, die von innerer Zerrissenheit geplagt wird und den unbedingten Wunsch, nicht entdeckt zu werden. Das Buch zeigt die Schattenseiten der von vielen angestrebten Glitzerwelt. „Die gläserne Frau“ ist Monica Alis reifstes Buch. Aufwühlend und spannend!

Droemer, 379 Seiten; 19,99 Euro

Hörbuch der Woche

Joe Bausch

Knast

Als Rechtsmediziner Dr. Joseph Roth beugt er sich im Kölner Tatort mit grünem Kittel mürrisch über Leichen. Nach Drehschluss fährt er zurück in sein richtiges Leben: Seit über 25 Jahren arbeitet Joe Bausch als Gefängnisarzt in Werl, einer der größten deutschen Justizvollzugsanstalten. Die Häftlinge vertrauen ihm. Sie erzählen von den dunklen Seiten des Lebens und lassen ihn tief in die Abgründe ihrer Seele blicken. Täglich erlebt er hautnah Konflikte und Tragödien, einmal sind sie sehr schwerwiegend, dann wieder kleinerer Natur. Er zeigt auf, wie der Knast funktioniert und wie das deutsche Recht den Knast gestaltet hat.

„Knast“ ist keine Kindergarten-Lektüre, sondern ein Report über einen der schlimmsten Orte, an dem ein Mensch sein kann. Wer „Knast“ liest oder hört, befindet sich selbst darin, so anschaulich beschreibt Joe Bausch das Gefängnis und den Alltag dort. Man erfährt, wie viele Stunden die Insassen in der Zelle verbringen, was sie sonst noch machen dürfen, wann Besuch empfangen werden darf, warum Frauen mit Kindern zu Vergewaltigern und Mördern Brieffreundschaften, Treffen und gar Hochzeiten eingehen,  wie Bausch als Arzt von den Häftlinge zu Anfang immer wieder verklagt wurde, wie man Knast-Schwul wird, zu welchen schrecklichen sexuellen Übergriffen es kommt, dass im Knast Arbeitspflicht herrscht und vieles mehr. Das Gefängnis ist ein menschliches Monopoly. Joe Bausch wandelt als Arzt und „Tatort“-Gerichtsmediziner hin und her. Als Schauspieler muss er etwas vorspielen, als Arzt darf er das nicht, damit ihm die Häftlinge vertrauen. Joe Bausch hat eine Knast-Stimme, daher ist er auch die erste Wahl für sein eigenes Buch. Er lässt einen mit seiner kräftigen Stimme spüren, was es heißt, im Knast zu sein.

Auch als Hardcover erhältlich bei Ullstein, 19,99 Euro.

Hörbuch Hamburg, 4 CDs, 302 Minuten; 19,99 Euro