Kolumne Nr. 153 vom 01.08.2011

Reginald Hilldaumen_rauf

Der Tod und der Dicke

Weil er wieder mal auf seine große Klappe und die Überzeugungskraft seiner gut zwei Zentner Lebendgewicht vertraut, fliegt Detective Superintendent Andy Dalziel eine Bombe um die Ohren. Schwer verletzt liegt der Dicke nun im Koma, dem Tode näher als dem Leben. Chief Inspector Peter Pascoe begibt sich auf die Suche nach den Schuldigen. Das ist gar nicht so einfach, da eine Anti-Terror-Einheit die Ermittlungen übernehmen will. Aber Pascoe setzt sich durch und kommt ins Team. Bei seinen Nachforschungen kommt er vermeintlichen Islamisten und einen merkwürdigen und eiskalten Tempelritter-Orden auf die Spur. Doch er denkt auch immer wieder an seinen Partner Andy Dalziel.

Reginald Hill ist ein Phänomen der Kriminalliteratur! Seine beiden Ermittler Andy Daziel und Peter Pascoe sind seit fast 40 Jahren aktiv. Das macht Reginald Hill kein anderer noch lebender Krimiautor nach. Reginald Hill schreibt feingeistige, kniffelige, amüsante und dem Leben immer sehr nahe Krimis. „Der Tod und der Dicke“ ist für die vielen Fans der Serie ein Schock. Andy Daziel liegt im Koma und seine Chancen stehen ausgesprochen schlecht. Schafft er es? Seinen Partner Daziel dagegen halten die Ermittlungen in Atem. Hill beweist erneut, dass er weiter Krimis schreibt, die am Puls der Zeit sind. Was wird, wenn islamistischer Terror mit gleicher Münze beantwortet wird? Dazu lässt die Spannung nie nach. Entweder entsteht diese aus dem Konflikt der Figuren oder durch das Vorantreiben des Falls. Die Krimi-Reihe um Andy Daziel und Peter Pascoe gehört zu den Klassikern der Kriminalliteratur!


Droemer, 554 Seiten; 22,99 Euro

Ruth Rendelldaumen_runter

Der vergessene Tote

Der Hund eines Trüffelsuchers findet eine abgehackte Hand. Die Polizei exhumiert das Skelett eines Mannes, dessen Identität man nicht mehr bestimmen kann und der vor mindestens zehn Jahren begraben wurde. Als dann in einem verlassenen Cottage ganz in der Nähe die Leiche eines weiteren vor Jahren ermordeten Mannes entdeckt wird, gehen Chief Inspector Wexford und sein Team von einer Verbindung zwischen den beiden Fällen aus. Sie suchen nach längst verwischten Spuren. Und als die Wahrheit ans Licht kommt, erlebt selbst der erfahrene Wexford eine Überraschung.

Die literarische Ermittler-Kultfigur Chief Inspector Wexford kommt in die Jahre. Nicht dass die Figur langweilig wäre, nein, aber Ruth Rendell hat es in den letzten Jahren einfach nicht mehr geschafft Spannung auf hohem Niveau zu erzeugen. Das führt „Der vergessene Tote“ fort. Es ist ein müder Krimi einer Serie, die ihren Höhepunkt schon vor einigen Jahren erreicht hat. Die Nebenfiguren haben wenig Charakter, bei ihnen bleibt der Leser nicht hängen. Die Ermittlungsarbeit läuft sachlich und ohne große Überraschungen ab. Für eingefleischte Wexford-Fans sicher ein Buch, dass sie ihrer Sammlung hinzufügen, aber für Leser atmosphärischer und spannungsgeladener Krimis ein Buch auf das man verzichten kann.

Blanvalet, 348 Seiten; 19,99 Euro


Chufo Llorénsdaumen_rauf

Catalina

Catalina, einst als Baby in einem Kloster abgegeben, wächst zum widerspenstigen Mädchen heran. Das Wirken der Nonnen ist für Catalina unerträglich, die Klostermauern werden zum Gefängnis. Als sich die Ereignisse zuspitzen, wagt sie die Flucht aus dem Kloster. Sie verkleidet sich als Junge und beginnt ein neues Leben. Sie wird von Straßendieben ausgeraubt, aber von Don Benito de Cárdenas auf seinen Landsitz mitgenommen, wo sie sich in dessen Sohn Diego verliebt, dem sie dann auf abenteuerlichen Wegen nach Madrid folgt. Diegos Erziehung zum Edelmann am königlichen Hof, die drastischen Vorgänge im Kloster San Benito und die Verfolgung Catalinas durch die Inquisition treiben die Geschichte im Spanien des 17. Jahrhunderts an.

Ein berauschender historischer Roman allererster Güte! Der spanische Altmeister Chufo Lloréns beherrscht das Genre ausgezeichnet. Schon mit seinem Bestseller „Der Vermächtnis des Marti Barbany“ sorgt er in Deutschland für Aufsehen. Nun bringt C. Bertelsmann „Catalina“ heraus, den Lloréns im Jahr 2001 schrieb. Ein Buch, das man liest, ohne sich von der Geschichte lösen zu können. Süffig, kraftvoll, leidenschaftlich. Man merkt Chufo Lloréns die Lust am erzählen an. Starke Figuren, eine heroische und zugleich von der Liebe geprägten Geschichte, ein Stil, der verführt – „Catalina“ überzeugt von Anfang bis Ende. Man erfährt auch viel über die Kultur und das Land Spanien der damaligen Zeit. Man begibt sich auf Entdeckungstour durch ein Land voller Schönheit, Gefahren und Unwägbarkeiten.

C. Bertelsmann, 707 Seiten; 22,99 Euro

Carla Buckleydaumen_rauf

Die Luft, die du atmest

Ann und Peter Brooks waren ein glückliches Ehepaar, doch dann trennten sie sich. Sie funktionierten nicht mehr. Dann entsteht ein Vogelgrippevirus, das sich von Mensch zu Mensch überträgt. Jeder zweite stirbt daran. Quarantäne wird verhängt. Peter muss wieder zu Ann. Und dann legt noch ein Schneesturm alles Leben lahm.
Ein Roman, der einen tatsächlich den Atem raubt! Carla Buckley verbindet eingehendes Familiendrama mit einem weltweiten Worst-Case-Szenario, das so tatsächlich möglich ist. Ein Buch, das einen schockiert und ängstlich zurücklässt.

Auch als Hörbuch erhältlich Argon Hörbuch, 19,95 Euro.

Wunderlich, 487 Seiten; 19,95 Euro

Richard Dübelldaumen_rauf

Die Pforten der Ewigkeit

1250. Friedrich II. ist tot, das Reich in Aufruhr. Nur der Katharer Rogers de Bezers kennt das letzte Geheimnis des Kaisers. Er begibt sich auf die Spur des Geheimnisses. Zur gleichen Zeit will Zisterzienserin Elsbeth im Steigerwald ein neues Kloster bauen. Doch reiche Mönche stellen sich gegen Elsbeths Pläne.
Richard Dübell ist der deutsche Ken Follett! Seine Vita ist voll von ausgezeichneten historischen Romanen. Seit Jahren schreibt er auf höchstem Niveau. „Die Pforten der Ewigkeit“ ist Richard Dübells Opus Magnum.

Lübbe, 861 Seiten; 19,99 Euro

Hörbuch der Woche

Anonymusdaumen_rauf

Das Buch ohne Gnade

Ein Hotel irgendwo in der Wüste. Etwas Großes steht bevor: Abgehalfterte Barkeeper, schizophrene Musiker und eine Handvoll Zombies machen sich auf den Weg zu dem Rock-Festival, das unter dem Motto "Zurück von den Toten" steht. Die Teilnehmer könnten unterschiedlicher nicht sein, aber jeder will den Sieg. Doch eine Frau will den Sieg nur, damit sie ihre kranke Mutter mit dem Geld pflegen kann. Nur ist der Hauptpreis kein Ticket aufs große Geld, sondern ein Ticket in die Hölle. So treten sie ans Mikro und imitieren längst verstorbene Stars. Aber ein weiteres Problem wartet auf die angehenden Künstler, der wahnsinnige Killer namens Bourbon Kid. Er hat den Auftrag, das Teilnehmerfeld schon zuvor auszudünnen.

Eine abgefahrene Mischung aus „DSDS“ bzw. „American Idol“, „Scream“ und „From Dask Till Dawn“. „Das Buch ohne Gnade” ist nach „Das Buch ohne Namen” und „Das Buch ohne Staben” der dritte Teil der genial-verrückten Reihe um den Killer Bourbon Kid. Hier gibt es schräge Figuren, heiße Action, feurige Rhythmen und literweise Blut. Ein Buch, das keine Gnade kennt. Wie immer kann die Bourbon-Kid-Story nur einer lesen: Stefan Kaminski. Das Ein-Mann-Theaterensemble bringt wieder sein ganzes Können auf die Hörerbühne. Auch Stefan Kaminski kennt keine Gnade, und zwar mit den Lachmuskeln seiner Hörer, denn wie er die Figuren spricht, da bleibt kein Auge trocken.

Auch als Hardcover erhältlich bei Lübbe, 16,99 Euro.


Lübbe Audio, 4 CDs, 285 Minuten; 19,99 Euro

 

Kolumne Nr. 154 vom 08.08.2011

Paul Hoffmandaumen_rauf

Die letzten Gerechten

Cale ist die linke Hand Gottes, der Engel des Todes. Er ist dazu bestimmt, jeden zu vernichten, der nicht des wahren Glaubens ist. Die Erlösermönche, allen voran sein ehemaliger Mentor Bosco, glauben der Prophezeiung, die besagt, dass Cale Gottes Gesandter ist. Erst wenn er seinen Auftrag vollbracht hat, wird Gott eine neue Welt erschaffen können mit den letzten gerechten Menschen dieser Welt. Aber Cale will nicht mehr von seinen ehemaligen Unterdrückern für ihre Zwecke benutzt werden und lässt die Mönche erst einmal in dem Glauben, dass er für sie arbeitet. In Wirklichkeit hat er längst einen ganz anderen Plan, der vieles verändern wird.

Paul Hoffmann legt nach seinem Bestseller „Die linke Hand Gottes“ mit „Die letzten Gerechten“ nun den zweiten Teil seiner Fantasy-Trilogie vor, die außergewöhnlich, spektakulär und faszinierend begann. Die gute Nachricht, auch der zweite Teil hält diese hohe Qualität. Man merkt Paul Hoffmans Stil die Erfahrung als angesehener Drehbuchschreiber an. „Die letzten Gerechten“ ist bombastisch, perfekt für Hollywood geschrieben! Hieraus könnte man ein ganz großes Film-Highlight erschaffen. Hoffmann setzt aber noch eins drauf, denn seine Figuren haben eine ungewöhnliche Tiefe, die in diesem Stil selten anzufinden sind. Paul Hoffmans Fantasy-Trilogie sticht aus den vielen Neuerscheinungen in diesem Genre deutlich heraus. Die Themen des Buches – politische Machtverhältnisse, religiöser Wahn, die gesellschaftliche Unterdrückung von Frauen, kriegerischer Auseinandersetzungen – sind auch in der Realität zu finden. Fesselnde Lektüre für fesselnde Stunden!

 

Goldmann, 480 Seiten; 17,99 Euro

Heleen von Royendaumen_runter

Testkörper

Die 27-jährige Victoria ist ehrgeizig, mehrsprachig und erfolgreich. Und sie sieht sich und ihren Körper als Waffe, die sie einsetzt, um Männer zu verführen. Victoria arbeitet für eine internationale Elite-Klientel. Nüchtern und professionell liefert sie Beweismaterial an ihre Auftraggeber, vorzüglich Frauen, die ihre Männer des Fremdgehens überführen wollen. Und Victoria liefert immer ein Ergebnis. Sie weiß, welche Hebel sie ansetzten muss, um jeden Mann zu verführen. Aber auch Victoria hat Gefühle, ganz verborgen. Kann irgendwer diese Gefühle ansprechen?

Wenn es eine Liste der zehn attraktivsten Autorinnen Europas geben würde, die Niederländerin Heleen von Royen wäre mit Sicherheit dabei. Aber von Royen überzeugt nicht nur mit ihrem Aussehen, sondern auch mit ihren schriftstellerischen Qualitäten. In den Niederlanden war „Testkörper“ ein Bestseller – ein Buch, das Licht und Schatten hat. Sobald Victoria zu ihrem Einsatz schreitet, wird die Geschichte sexy, spritzig und spannend. Aber das tut Victoria leider nicht so oft. Wenn Victoria dann von sich, ihrer Familie und Freunden erzählt, wird es schnell langweilig. Auch arbeitet von Royen mit vielen Zeitsprüngen, zum Spannungsaufbau ist das okay, aber es kommt zu oft vor und hemmt den Lesefluss. „Testkörper“ ist eine dramatisch heiße Lektüre – leider verkommt sie hin und wieder zum Rohrkrepierer.

 

Krüger, 316 Seiten; 14,95 Euro

Gary Shteyngartdaumen_rauf

Super Sad True Love Story

In naher Zukunft steht ein reizüberflutetes, konsumversessenes, analphabetisches Amerika vor dem Zusammenbruch. Der 39-jährigen Lenny Abramov schreibt fleißig Tagebuch und arbeitet in einem Unternehmen, das den Reichen Unsterblichkeit verspricht. Bei ihm kommt der Tod aber langsam näher, denn der Bücher liebende Lenny ist aus einem anderen Jahrhundert. Aber noch mehr als Bücher liebt er Eunice Park, eine süße und abgebrühte 24-jährige koreanischstämmige Frau, die im Hauptfach Images und im Nebenfach Selbstsicherheit studiert hat und ihm in Rom in die Arme läuft. Sie zeigt ihm gleich, dass man vieles anders machen kann im Leben. Unbeirrt will Lenny sie aber davon überzeugen, dass es sich in einer Zeit ohne Normen und Stabilität, in einer Welt, in der die Betuchten womöglich ewig leben, die Armen hingegen zu früh sterben werden, trotzdem lohnt, ein Mensch zu sein.

Gary Shteyngart hat mit seinem fast einem Jahrzehnt zurückliegendem Debüt „Handbuch für den russischen Debütanten“ für Aufsehen gesorgt. Nun hat er wieder einen Roman geschrieben, der für Furore sorgen wird. „Super Sad True Love Story“ ist ein sprachliches Feuerwerk! Shteyngart schreibt Sätze, die vor klugen Einfällen zu bersten drohen. Jeder Satz ist ein intelligentes und verspieltes Abenteuer. Gary Shteyngarts Stil erzeugt Melodien, die klingen wie Wasserfälle der Lust. „Super Sad True Love Story“ ist ein echter, ein ungeschminkter, ein super Roman über die Liebe, über Leidenschaft und Sex und eine unheilvolle Zukunft, die die Menschheit hoffentlich nie erleben muss. Moderne Literatur die süchtig macht!

 

Rowohlt, 462 Seiten; 19,95 Euro

Hugo Hamiltondaumen_rauf

Der irische Freund

Der Serbe Vid Cosic will in seiner neuen Heimat Dublin als Schreiner Fuß fassen. In dem Anwalt Kevin Concannon findet er schnell einen Freund, doch die Freundschaft ist brüchig und durchzogen von einer großen Schuld. Es entwickelt sich ein gefährliches Beziehungsgeflecht.
Ein literarisches Krimidrama um Freundschaft, Zusammenhalt und der Suche nach Heimat und Glück. Hugo Hamilton zeigt dem Leser ein Irland, das er so nicht kennt. Bei Hamilton bekommt der Leser nicht nur eine spannende Geschichte geboten, sondern immer auch einen Blick ins Herz der grünen Insel.

 

Luchterhand, 285 Seiten; 19,99 Euro

Petra Führmann / Nicole Hoefsdaumen_rauf

Erziehungsspiele für Hunde

Abwechslungsreiche Nasen- und Bringspiele und schöne Tricks für Ihren Hund.
In dem Buch sind Tricks erklärt wie die Rolle, sich schämen, Bellen und Zählen, Toter Hund und viele Sprünge, für Hunderassen, die wendig sind. Dazu noch Erziehungsübungen, die man seinem Hund erlernen kann, wenn er schon gut hört. Ein Buch, das viel Freude macht, denn das Üben mit seinem Hund stärkt auch die Bindung zu ihm. Für alle ein großer Gewinn!


Kosmos, 158 Seiten; 12,95 Euro

 


Hörbuch der Woche

Iny Lorentzdaumen_rauf

Juliregen

Berlin 1887. Lore und ihr Mann Fridolin von Trettin genießen das Eheglück mit ihren beiden Kindern und scheinen endlich Ruhe und Frieden in ihrem Leben gefunden zu haben. Zudem soll sich für Lore ein langgehegter Traum erfüllen: Fridolin hat die Möglichkeit, in der Heimat ihrer jungen Freundin Nathalia ein Gut zu übernehmen. Fridolin möchte dort eine nicht fertig gestellte Fleischfabrik zu Ende bauen und damit nach einigen Jahren viel Geld verdienen. Doch in Ostpreußen werden üble Pläne geschmiedet. Es gibt viele Feinde, die Lore und Fridolin das Glück nicht gönnen wollen.

Iny Lorenz ist mit ihrer „Lore-und-Fridolin“-Trilogie ein „Dallas“ der Preußenzeit gelungen. Nach „Dezembersturm“ und „Aprilgewitter“ geht nun mit „Juliregen“ diese außergewöhnliche Trilogie zu Ende. Es geht um Geld, Gier, Macht, Intrigen, Liebe und Leidenschaft. Man leidet so mit Lore und Fridolin und hofft, dass sie endlich in Frieden leben können. Die Trilogie gehört zum Besten, was das Autorenpaar Iny Lorentz bisher geschrieben haben. Gelesen wird diese Trilogie durchgängig von der erfolgreichen Synchron- und Hörbuchsprecherin Anne Moll. Sie gibt den Figuren ein Bild und verleiht der Geschichte mit ihrer Interpretation zusätzliche Spannung.

Auch als Taschenbuch erhältlich bei Knaur, 9,99 Euro.

Lübbe Audio, 6 CDs, 400 Minuten; 19,99 Euro

Kolumne Nr. 155 vom 15.08.2011

Veronica Stallwooddaumen_rauf

Nebel über Oxford

Der Medizinstudent Sam ist verzweifelt. Irgendjemand terrorisiert ihn und die anderen Mitglieder seiner Forschungsgruppe mit Drohbriefen, Brandsätzen und Briefbomben. Stecken Tierschützer hinter den feigen Attacken? Aber auch die Mitglieder der Forschergruppe sind nicht immer einer Meinung. Die Polizei tappt im Dunkeln. Derweil steckt Schriftstellerin Kate Ivory in einer Schaffenskrise. Sie kocht lieber das Abendessen, um vom unliebsamen Computer wegzukommen. Doch in Oxford gibt es bald die erste Tote, und Sam bittet seine Freundin Kate Ivory um Hilfe. Die bietet Kate gerne an, da auch ihre Beziehung zu Jon in einer Krise steckt.

1993 (englische Erstveröffentlichung) nahm eine Krimi-Reihe ihren Anfang, bei der spannende Wohlfühlatmosphäre vorherrscht. Die Engländerin Veronica Stallwood schreibt die Oxford-Krimis um Schriftstellerin Kate Ivory, die durchaus auf den Spuren von Jessica Fletcher aus „Mord ist ihr Hobby“ wandelt. Der erste Roman der Reihe war „Mord in Oxford“ (1993) und sie setzte sich fort bis „Ruhe sanft in Oxford“ (2005). „Nebel über Oxford“ (2008) ist nun der 13. Band der Reihe. In diesem Band geht es um Tierversuche, um einen Pharmakonzern, um Demonstranten, ums große Geld, und über allem steht das versnobte und doch auch so normale Oxford mit der bezaubernden Kate Ivory. Eine charmante Krimi-Reihe, die Leser von Ann Granger genauso begeistern wird, wie die Fans der sehr erfolgreichen Fernsehserien „Lewis – Der Oxford-Krimi“ und „Inspector Barnaby“.

 

Bastei Lübbe, 332 Seiten; 7,99 Euro

Charlotte Rochedaumen_runter

Schoßgebete

Elizabeth Kiehl ist normal bis schwer gestört, daher sieht sie ihre Psychiaterin sehr oft. Die Therapie ist für sie wie das Herausschneiden eines Krebsgeschwürs. Außerhalb der Therapie ist Elizabeth eine Mutter, Ehefrau und Hure – immer abwechselnd. Mit ihrem Ehemann hat sie immer Säfte triefenden Sex, auch geht sie mit ihm gerne ins Bordell und dort machen sie es dann zu dritt oder er sieht seiner Frau beim Sex mit einer Nute zu. Elizabeth ist aber auch Scheidungskind und hasst ihre Mutter, die sie dann nach einem Unfall pflegen muss. Ein Horror für sie. Doch die Zeit vergeht und es ist wieder Zeit für viel Schmutziges im Hause Kiehl.

Charlotte Roche predigt neue schmutzige „Schoßgebete“. Nach ihrem Megabestseller „Feuchtgebiete“ wird auch dieses Buch die Bestsellerliste beherrschen. Warum? Diese Frage werden sich viele andere Autoren stellen. Frau Roche hat zumindest dazugelernt und ihrer Geschichte etwas mehr Substanz verliehen. Sie bringt Ehe, Familie und Kindererziehung mit ein. „Feuchtgebiete“ hatte außer dem Wort Muschi ja nicht viel zu bieten. Auch in „Schoßgebete“ ragen wieder drei Wörter ganz besonders heraus: Sex mit 168 Nennungen, Schwanz mit 28 und Vagina mit 22. Daraus leitet sich ab, dass es in dem Buch hauptsächlich um Sex geht, was natürlich nicht anders zu erwarten war. Aber auch um mangelnden Hygiene im Hause Kiehl oder doch Roche? Darunter fällt, dass man sich und die Wäsche so wenig wie möglich wäscht. Elizabeth – oder vielleicht doch Charlotte? – ist auf jeden Fall ehrlich, denn sie „wäre nicht gerne mit sich zusammen oder womöglich noch mit sich verheiratet. Horror!“ Sie verrät uns auch, dass sie sexhungrig ist und eigentlich nur zwei Gefühlsschwankungen kennt: depressiv oder aggressiv. Und sie findet, dass ihr Ehemann überhaupt nicht gut aussieht. Eine Frau zum verlieben. Amen.

 

Piper, 283 Seiten; 16,99 Euro

Liv Winterbergdaumen_rauf

Vom anderen Ende der Welt

Plymouth, England, 1775. Von ihrem Vater, einem Arzt und Wissenschaftler, zur Botanikerin ausgebildet, träumt die junge Mary Linley davon, die Welt zu bereisen. Doch als sie nach dem Tod des Vaters verheiratet werden soll, sieht sie nur eine Möglichkeit, ihrer Berufung zu folgen. Sie gibt sich als Mann aus, um an Bord der „Sailing Queen“ im Stab des Botanikers Sir Carl Belham auf Expeditionsfahrt zu gehen. Die Lebensbedingungen auf See hat sie sich einfacher vorgestellt, denn Entbehrungen, Krankheiten und Tod prägen den Alltag. Dennoch glaubt sie, ihr Ziel erreicht zu haben: Sie erkundet fremde, faszinierende Länder. Die Liebe zu ihrem Vorbild Sir Carl Belham verändert aber ihre Sicht.

Die deutsche Debütantin Liv Winterberg hat mit „Vom anderen Ende der Welt“ gleich einen Bestseller gelandet. „Vom anderen Ende der Welt“ ist eine dramatische, spannende und bunte Abenteuergeschichte, und eine Geschichte über eine Frau, die ihren Weg geht, egal was da kommt. Sie zeigt, wie man alle Hindernisse überwinden kann, um das zu verwirklichen, was man sich wünscht. Zudem erfährt der Leser viel über die Botanik und die Gesellschaftssitten des 18. Jahrhunderts. Beste Unterhaltung von einem neuen Stern am belletristischen Autorenhimmel! Liv Winterberg steht in einer Reihe mit Iny Lorentz, Barbara Wood und Sarah Lark, wenn sie so weitermacht, wie sie mit ihrem Debüt begonnen hat.

 

dtv, 443 Seiten; 14,90 Euro

Silvia Rothdaumen_rauf

Blut von deinem Blut

Lauras Vater und Stiefmutter werden auf der Insel Jersey ermordet. Der Täter wurde nie gefasst. War Lauras jüngere Schwester die Mörderin? Fünfzehn Jahre später versucht Laura der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Das Wieder-sehen mit Schwester Mia ist alles andere als herzlich …
Silvia Roth wandelt auf den Spuren von Charlotte Link und Minette Walters. „Blut von deinem Blut“ ist Roths erster Krimi ohne die Serienfiguren Verhoeven und Heller. Auch diese Geschichte überzeugt. Ganz langsam spinnt Roth das Netz um den Leser, bis er nicht mehr entrinnen kann.

 

Hoffmann & Campe, 543 Seiten; 21,95 Euro

 


Jan Wallentindaumen_rauf

Strindbergs Stern

Eine Leiche in einem Minenschacht, daneben ein mysteriöses Kreuz. Dazu gehört ein Stern, doch dieser ist immer noch verschollen. Eine mörderische Jagd beginnt. Ein furioser Abenteuerroman, der so einiges auf den Kopf stellt – am Ende gar den Leser.
„Strindbergs Stern“ ist spektakuläre Spannung mit Stil! Der Roman sorgte bereits vor Erscheinen für großes Aufsehen. Er wurde bisher in 24 Länder verkauft.

 

S. Fischer, 509 Seiten; 19,95 Euro

 


Hörbuch der Woche

John Stephensdaumen_rauf

Emerald – Die Chroniken vom Anbeginn

Die drei Geschwister Kate, Michael und Emma, als Kleinkinder von ihren Eltern getrennt, wandern von einem Waisenhaus ins nächste. Sie fühlen sich nirgendwo heimisch. Dann landen sie im Herrenhaus des geheimnisvollen Dr. Pym. Dort beginnt für sie eine Reise in ein anderes Land. Die besonnene Kate, der kluge Michael und die tollkühne kleine Emma werden in den Kampf um drei magische Bücher voll unermesslicher Macht verstrickt. Sie müssen erfahren, dass es ihre Aufgabe ist, diese zu finden, wollen sie je ihre Eltern wiedersehen. Auf dem Weg dorthin treten sie gegen finstere Gegner an, finden liebenswerte Verbündete, meistern ihre magischen Talente, entdecken unvorstellbare Wesen und beginnen das Geheimnis ihrer Familie zu lüften.

Ein wunderbareres Fantasy-Werk, das voller Überraschungen, frischen Ideen und einzigartigen Figuren steckt. John Stephens hat eine Welt erschaffen, die der Leser nicht mehr verlassen will. Kate, Michael und Emma sind Figuren, deren Weg man einfach gerne mitgeht, da sie vor Lebendigkeit sprühen. Der Beginn der Trilogie „Der Chroniken von Anbeginn“ macht schon jetzt große Lust auf alles, was da noch kommt. Dieser Stoff ist ein Highlight! David Nathan veredelt diese klasse Geschichte. Mit seiner Stimme dreht er mal wieder einen Kinostreifen für die Ohren.

Auch als Hardcover erhältlich bei cbj, 19,99 Euro.

Random House Audio, 6 CDs, 464 Minuten; 19,99 Euro

Kolumne Nr. 156 vom 22.08.2011

Maike Maja Nowakdaumen_rauf

Die mit dem Hund tanzt

Ein Shar-Pei, der Angst vor weißen Treppen hat, eine Frau, die so überhaupt nichts von Hunden versteht und einem Dackelmix das Leben zur Hundehölle macht, dem durch Verwöhnung überforderten Antonio, dem Ehepaar, das seine Hunde gegenseitig ausspielt, dem furchtsamen Alfons von der Kette, der von der mutigen Helen geführt, zurück ins Leben findet. Das sind nur einige der Geschichten, die die deutsche Hundefüsterin Maike Naja Nowak erlebt hat. Forsch, kompetent und mit Einfühlungsvermögen spürt Maike Maja Nowak den Charakteren von Hund und Mensch auf den Grund.

Ein Buch, das viele Hundehalter begeistern wird! Und zukünftigen Hundebesitzern hilft, Fehler von Anfang an zu vermeiden. Maike Maja Nowak hat schon viele Hunde und ihre Probleme erlebt und sie muss dabei immer wieder feststellen, nicht der Hund ist das Problem, sondern der Mensch, der die Zeichen des Hundes nicht versteht und falsch mit dem Tier umgeht. Sie erzählt viele spannende, interessante und lehrreiche Geschichten aus dem Zusammenleben Hund – Mensch und der missverstanden Kommunikation Mensch – Hund. Die Hundesprache zu verstehen, davon erzählt Maike Maja Nowak. Und sie nimmt kein Blatt vor den Mund, was die Besitzer oft persönlich nehmen. Ein Buch, auch für die, die keinen Hund haben, denn es ist auch ein Ratgeber über das menschliche Verhalten. Der Hund ist das Spiegelbild dazu.

 

Goldmann, 250 Seiten; 17,99 Euro

Caryl Phillipsdaumen_runter

Jener Tag im Winter

Keith Gordons Leben verläuft in einer für ihn ungemütlichen Einbahnstraße: Drei Jahre ist es her, dass der Mittvierziger von seiner Frau wegen eines unbedeutenden Seitensprungs nach zwei Jahrzehnten Ehe vor die Tür gesetzt wurde. Darunter leidet er so sehr, dass, obwohl von vielen Frauen angezogen, ihn keine bisher wirklich fesseln konnte. Yvette, seine rund zwanzig Jahre jüngere Mitarbeiterin, schafft das für einige Zeit, aber Keith erkennt, dass sie einfach zu unterschiedliche Interessen und Ansichten haben. Eine längere Beziehung macht keinen Sinn, das sagt er ihr auch. Yvette will das aber nicht einsehen. Als Keith am nächsten Morgen ins Büro kommt, trifft ihn Yvettes Rache.

Ein Buch, von dem ich mir so viel versprochen hatte, aber leider sehr enttäuscht wurde. Die Geschichte hört sich nach einem hochwertigen literarischen Beziehungsdrama an, aber leider verkommt der Kern des Buches zum Randprodukt. Der in der Karibik geborene und in England aufgewachsene Caryl Phillips versteht es, die Psychogramme seiner Figuren vielfältig darzustellen, aber leider verliert er den roten Faden der Geschichte. Das Beziehungsdrama, das man erwartet, wird durch ellenlange Monologe über dies und das total verdrängt. Zu einem späteren Teil des Buches sind dann selbst Keith und seine Abenteuer und seine Gedanken über die Frauen nicht mehr vorhanden. Da nimmt die Geschichte fast autobiographische Züge an, denn es geht um die Einwanderung nach England.

 

DVA, 362 Seiten; 21,99 Euro

Chris Carterdaumen_rauf

Der Vollstrecker

Los Angeles, kurz vor Weihnachten. Ein katholischer Priester wird bestialisch ermordet. Sein Kopf wurde abgetrennt und vom Täter mitgenommen und durch einen Hundekopf ersetzt. Detective Hunter und sein Partner Garcia finden die Leiche inszeniert in einer kleinen Kirche vor. Kryptische Blutspuren befinden sich auf dem Boden, und auf der Brust des Toten steht, mit Blut geschrieben, die Zahl Drei. Die Tagebuchaufzeichnungen des Priesters beschreiben genau dieses Ritual, die Enthauptung und das Ersetzen des eigenen Kopfes durch einen Hundekopf. Kannte der Täter sein Opfer? Und was bedeut die Zahl Drei? Bald müssen Hunter und Garcia feststellen, das ein Killer unterwegs ist, dessen Blutdurst noch lange nicht gestillt ist.

Chris Carter hat mit seinem Thriller-Debüt „Der Kruzifix-Killer“ schon einen Killer-Thriller in bester Manier geschrieben. „Der Vollstrecker“ ist nun der zweite Fall für das LAPD-Ermittlerduo Robert Hunter und Carlos Garcia. Ein Thriller, der einen in Schockstarre versetzt! Knallhart, ungeheuer spannend und immer wieder überraschend. Chris Carter gehört weltweit zu den besten Thriller-Talenten der letzten Jahre! Wenn er nach diesen zwei fabelhaft spannenden Büchern so weitermacht, wird er nur noch reihenweise Bestseller landen.


Ullstein, 488 Seiten; 9,99 Euro

Lee Vancedaumen_rauf

Spur des Verrats

Ein Bombenanschlag auf die Öl-Pipeline von Russland nach Westeuropa. Mark Wallace, Energie-Analyst eines Hedefonds, versucht seine Klienten zu beruhigen. Nach und nach verstrickt er sich in ein gefährliches Netz von internationaler Politik und den finanziell Mächtigen dieser Welt.
Ein aktueller Thriller, der wichtige Themen anspricht. Packend, schnell, überraschend. Lee Vance legt nach seinem perfekten Thriller-Debüt „Die Entscheidung“ gekonnt nach.

 

Bloomsbury Berlin, 379 Seiten; 19,90 Euro

 


Mark Sealdaumen_rauf

Ich gab mein Herz für Afrika

Ein Leben voller Abenteuer: Joan Root (1936 – 2006) filmte u. a. auch für Grizmeks „Ein Platz für Tiere“. Sie macht Tierfilme, bei dem es einem den Atem raubt. Später setzte sie sich für den Tier- und Umweltschutz in Kenia ein. Dies sollte Jahre später wohl auch ihr Todesurteil bedeuten.
Ein beeindruckendes Buch über eine beeindruckende Frau! Was Joan Root an Ehrgeiz, Mut und Visionen vorantrug, davon können sich viele eine Scheibe abschneiden. Auch ein Buch, das einem Seiten von Afrika zeigt, die man bisher nicht kannte. Hollywood verfilmt das Leben dieser außergewöhnlichen Frau – Hauptrolle Julia Roberts.

 

btb, 354 Seiten; 19,99 Euro

Hörbuch der Woche

Martin Suterdaumen_rauf

Allmen und der rosa Diamant

Ein sehr wertvoller rosa Diamant ist verschwunden, und ebenso ein mysteriöser Russe mit Wohnsitz in der Schweiz, der verdächtigt wird, ihn entwendet zu haben. Neudetektiv Allmen mit seinem verschrobenen Partner Carlos soll ihn ausfindig machen. Zuerst weiß Allmen nicht so Recht, was er machen soll, aber dann führt die Spur von London über Zürich zu einem Grandhotel im deutschen Ostseebad Heiligendamm, und zurück zum Gärtnerhaus der Villa Schwarzacker. Dort wird es für Allmen sehr ungemütlich. Er muss lernen, dass sein Job nicht ohne Schmerzen und Todesdrohungen auskommt und er erfährt, was sich wirklich hinter dem rosa Diamanten verbirgt. Den ersten großen Fall für "Allmen International Inquiries" hätte er sich leichter vorgestellt.

Martin Suter befindet sich mit seiner Detektiv-Reihe um den unkonventionellen Allmen und seinem Partner Carlos immer mehr auf den Spuren der frühen amerikanischen Krimi-Autoren. Es grüßen Chandler, Hammett & Co. Seine Allmen-Reihe ist spannend, frisch und kurzweilig. Ein großes Krimi-Vergnügen! Gerd Heidenreich liest wie immer gekonnt gut. Er verleiht dem Allmen-Charme noch den Heidenreich-Charme, heraus gekommen ist ein überaus charmantes Krimi-Hörbuch.

Auch als Hardcover erhältlich bei Diogenes, 18,90 Euro.


Diogenes Hörbuch, 4 CDs, 277 Minuten; 24,90 Euro

Kolumne Nr. 157 vom 29.08.2011

Max Bentowdaumen_rauf

Der Federmann

Als der Berliner Kommissar Nils Trojan an den Schauplatz eines Mordes gerufen wird, erwartet ihn eine grausame Inszenierung: Der jungen Frau wurden die blonden Haare abgeschnitten, ein zerfetzter Vogel ist auf ihrem Körper platziert. Trojan und sein Team ermitteln in mehrere Richtungen, doch dabei verlaufen sie sich immer wieder in einer Sackgasse. Es ereignet sich ein zweiter Mord – wieder hatte das Opfer lange blonde Haare, wieder hinterlässt der Federmann einen toten Vogel. Trojan hofft, durch die kleine Tochter der Ermordeten einen Hinweis zu bekommen, doch dann verschwindet das Mädchen von einem Tag auf den anderen. Kann sie den Täter identifizieren?

Der erste Fall für den Berliner Kommissar Nils Trojan – und was für einer. Ein Thriller-Debüt von extrem hoher Qualität! Ein Psychothriller, komponiert wie ein klassisches Musikstück. Das Grauen ist verpackt in einem eleganten Erzähltakt. Ungeheuer spannend, psychologisch ausgefeilt und rasend schnell erzählt! Das Leben der Protagonisten schildert der deutsche Debütant Bentow intensiv und gibt so einen tiefen Einblick in die Seelen der Figuren. Ein Thriller, der Ihnen garantiert schlaflose Nächte beschert! Max Bentow ist mit „Der Federmann“ eine Mischung aus „Der Vogelmann“ von Weltbestseller-Autorin Mo Hayder und „Das Schweigen der Lämmer“ von Weltbestseller-Autor Thomas Harris gelungen.

Auch als Hörbuch erhältlich bei Der Hörverlag, 24,95 Euro.

Page & Turner, 383 Seiten; 14,99 Euro

Thor Kunkeldaumen_runter

Subs

Evelyn, Rechtsanwältin, und ihr Mann Claus, Schönheitschirurg, führen ein sorgenfreies Leben in einer Villa in Grunewald. Als ihre Haushaltshilfe spurlos verschwindet sucht Claus per Anzeige Haussklaven. Es melden sich verrückte Gestalten, am Ende entscheiden sie sich für Svetlana aus der Ukraine und Bartos, einen promovierten Altphilologen, die auch liiert sind. Eines Tages regt Bartos den Bau eines Schwimmbads auf dem ungenutzten Rasen vor der Villa an, ein teures Vorhaben, das durch den Einsatz von illegalen Arbeitskräften bewältigt werden soll. Und so rücken eines Nachts weitere Familien an, die seit Jahren ein Leben in selbstgewählter Sklaverei führen. Doch bald kommt es zu ersten Unstimmigkeiten in der „Solidargemeinschaft nach römischem Vorbild“.

Vor Jahren hat der in Frankfurt geborene Thor Kunkel mit dem Nazipornoroman „Endstufe“ für einen Skandal gesorgt. Mit „Subs“ gelingt ihm das nicht, da er nicht in Roche-Manier auf Sex und Ferkeleien eingeht, was die Idee zu dem Roman mehr als hergegeben hätte und so wahrscheinlich eine breite voyeuristisch interessierte Leserschaft gefunden hätte. Kunkel versucht hier eine Satire zu schreiben, die gewaltig schief geht, denn dafür ist sie dann doch zu ernst und ereignislos. Die Hauptaussage des Buches ist, dass in Deutschland ein modernes Sklaventum besser wäre als Hartz IV. Eine harte Aussage, aus der Kunkel aber auch zu wenig macht. Der Roman in schwülstigem Stil ist am Ende so aufwühlend wie ein Zwei-Stunden-Waschmaschinen-Waschprogramm oder ein schweißtreibender Hausputz mit Gummihandschuhen. Evelyn und Claus sind Nervensägen, denen man wünscht, sie wüssten mehr mit ihrem Leben anzufangen. Das Beste am Buch ist das Cover.

Heyne, 448 Seiten; 19,99 Euro

Juliet Marillierdaumen_rauf

Die Erben von Sevenwaters

Irland im 9. Jahrhundert: Auf der Hochzeit ihrer Schwester begegnet die junge Clodagh zwei Männern, die ihr bisher ruhiges Leben verändern werden. Aidan, charismatischer Fürstensohn, weckt sofort das Interesse von Clodagh, der mysteriöse Cathal schreckt sie mit düsteren Prophezeiungen für die Zukunft von Sevenwaters zunächst ab. Als diese sich bewahrheitet, stellt sich Cathal für Clodagh in neuem Licht dar. Dann wird ihr kleiner Bruder entführt. Aidan und einige Männer nehmen die Verfolgung des vermeintlichen Entführers auf. Clodagh versucht Finbar selbst zu finden, sie ahnt nicht, dass dieser sich in der Gewalt des Feenvolks befindet.

Juliet Marillier ist eine Fantasy-Autorin von Weltformat! Sie hat mit Ihrer „Sevenwaters“-Saga schon Millionen von Lesern begeistert. Die erste Trilogie umfasste „Die Töchter der Wälder“, „Der Sohn der Schatten“ und „Das Kind der Stürme“, nun folgt Band vier „Die Erben von Sevenwaters“, der nur wenige Jahre nach den letzten Ereignissen spielt. Wer alte Mythologie, große Gefühle, rauschende Naturbeschreibungen, lebhafte Dialoge und eingehende Figuren liebt, wird mit „Die Erben von Sevenwaters“ großartige Lesestunden verbringen. Mit diesem Buch feiert Juliet Marillier eine berauschende Rückkehr nach Sevenwaters. Ein Hoch, auf diese fantastische Mischung aus Historie und Fantasy! Und es wird nicht das letzte Buch der Reihe sein.

Knaur, 557 Seiten; 14,99 Euro

Susanne Falkdaumen_rauf

Das Wunder von Treviso

Treviso, ein kleines Dorf in Norditalien, leidet an seiner Bedeutungslosigkeit. Don Antonio will das nicht mehr mit ansehen und entschließt, dass ein „Wunder“ geschehen muss. Er lässt die Madonnenstatue präparieren, sie weint dann rote Tränen und Treviso kann sich vor Pilgern aus der ganzen Welt nicht mehr retten.
„Das Wunder von Treviso“ ist voll italienischem Flair und einem eigenwilligen Don-Camillo-Charme. Ein Buch, das einen fröhlich macht! Susanne Falk hat mit ihrem ersten Roman gleich ein Buch geschrieben, das einem in Erinnerung bleibt.


Kindler, 254 Seiten; 16,95 Euro

Peter Heatherdaumen_rauf

Invasion der Barbaren

Wie entstand im ersten Jahrtausend aus dem hoch entwickelten römischen Süden und dem barbarischen Norden die neue kulturelle Einheit Europas? Dieses Buch liefert Antworten und spinnt die Geschichte ins heute weiter.
Ein historisches Sachbuch, das auch auf das aktuelle Thema der Migration eingeht. Was passierte in den letzten 2000 Jahren in Europa, welche Kulturen, Stämme, Bräuche und Religionen waren prägend. Der Engländer Peter Heather zeigt dem Leser, wie das Damals und das Heute starke Verbindungen aufweisen.

Klett-Cotta, 667 Seiten; 19,95 Euro

Hörbuch der Woche

Lotte und Søren Hammerdaumen_rauf

Schweinehunde

In einem Vorort von Kopenhagen wurden in einer Turnhalle fünf Männer an der Decke aufgehängt. Trotz der Inszenierung finden sich keine Blutspuren auf dem Hallenboden. Kriminalhauptkommissar Konrad Simonsen und sein Team um Nathalie von Rosen verdächtigen Per Clausen, ein gescheitertes Mathegenie und nun Hausmeister der Schule. Aber ein Mann ist für diese Tat zu wenig. Die Identität der Toten scheint der Schlüssel zu den Tätern zu sein. Doch plötzlich wird in den Medien das Gerücht verbreitet, dass es sich bei den Mördern um Missbrauchsopfer handelt, die sich an ihren Peinigern von einst gerächt haben. Immer mehr Menschen aus der Bevölkerung sympathisieren mit dem angeblichen Racheakt. Konrad Simonsen muss schnell das Rätsel lösen.

Der Nr.-1-Bestseller aus dem Jussi-Adler-Olsen-Land! Die Dänen haben Geschmack, „Schweinehunde“ ist ein Krimi mit Schlagkraft. Ein besonderer Kriminalroman, der über das Genre hinausblickt und Einsichten in die dänische Seele gewährt. Der aber auch die Seele jedes zivilisierten Landes widerspiegelt, wenn es um den Schutz der Kinder geht. Pädophilie, ein Thema, dem sich immer mehr Krimi-Autoren zuwenden, was zeigt, dass gute Kriminalromane das aktuelle Gesellschaftsbild oft widerspiegeln. Gelesen wird das Buch von einem stimmlichen Thriller-Fachmann. Johannes Steck ist ein sehr profilierter Hörbuchsprecher. Mit seiner ruhigen Stimme ist er wie gemacht für spannende Krimis mit Tiefgang. Zuletzt überzeugte er bei einem ähnlich verstörenden Hörbuch: „Tiere“ von Simon Beckett.

Auch als Hardcover erhältlich bei Droemer, 16,99 Euro.

Random House Audio, 6 CDs, 409 Minuten; 19,99 Euro