Kolumne Nr. 14 vom 01.12.2008

Stephen Kingdaumen_rauf

Sunset

Emily wird von einem Killer entführt, gefesselt, gefoltert und muss selbst sehen, ob sie entkommen kann. Richard wird der eigene Hometrainer zum Verhängnis. Anne bekommt einen Anruf von ihrem Mann – auf dessen Totenfeier.
Curtis wird von seinem rachsüchtigen Nachbarn lebendig begraben – in einem Plastikkabinenklo. Das ist nur ein kleiner Geschichtenauszug aus „Sunset“.

Der Meister der schlaflosen Nächte jagt einem wieder kalten Schauer über den Rücken – mit „Sunset“, einem Band mit 13 Kurzgeschichten. Mit dieser Art des Erzählens nahm die Karriere des Stephen King seinen Anfang, wie er auch im Vorwort erwähnt. Und Stephen Kings Kurzgeschichten sind, jede für sich gesehen, ein kleiner Literaturkosmos, den es zu entdecken gilt und bei dem man Nägel kauend schnell zur nächsten Seite blättert.

 

Heyne, 480 Seiten; 19,95 Euro

Wladimir Kaminerdaumen_runter

Salve Papa!

Kinder ticken anders. Sie klettern auf dem Bügelbrett durch die Wohnung, aber Schwimmübungen im flachen Wasser lehnen sie ab. Sie lernen dank mehrsprachiger DVDs nebenbei Finnisch, aber im Lateinunterricht ist nach dem ersten „Salve“ schon wieder Schluss. Ein paar Auszüge aus Kaminers täglichen Erlebnissen.

Kaminers neuem Werk kann man nur das Prädikat „nett“ verleihen – mehr nicht. Papa Kaminer schreibt auf, was er mit seinen Kids so alles erlebt und wie er die Welt von heute sieht. Das lässt einen hin und wieder schmunzeln und mit dem Kopf nicken, aber man denkt auch immer, warum musste er das aufschreiben und zu einem Buch drucken lassen. Das hätte er auch beim nächsten Kindergeburtstag erzählen können und damit sicher Zuhörer gefunden, aber als Buch, nein, das muss nicht sein.

 

Manhattan, 224 Seiten; 17,95 Euro

Michael Marshalldaumen_rauf

Blutsbruder

In einer Kleinstadt in Virginia werden mehrere Männer brutal ermordet. Ein gewöhnliches Verbrechen? Nein. Ein Alptraum für die Special Agents Nina Baynam und Ward Hopkins. Die Morde tragen die Handschrift von Wards psychopathischem Zwillingsbruder, des „zweiten Schöpfers“. Nach wie vor schreckt er vor keiner Grausamkeit zurück, um die Welt aus den Angeln zu heben.

Michael Marshall hat sich mit seiner „Straw Men Trilogie“ einen dicken Stern auf dem Thrillerboulevard verdient! Er hat sich ständig gesteigert. „Der zweite Schöpfer“ war der Anfang“, „Engel des Todes“ folgte und es endet nun in „Blutsbruder“. Ein Thriller der besonderen Art, der den Leser förmlich einsaugt ins Geschehen. Marshall legt viele Fährten und führt sie ganz nervenzerreißend langsam zusammen.

 

Droemer, 511 Seiten; 16,95 Euro

Patrick Grahamdaumen_rauf

Das Evangelium nach Satan

Die FBI-Profilerin Maria Parks verfügt über eine außergewöhnliche Gabe: In quälenden Visionen erlebt sie die letzten Minuten von Mordopfern mit. Doch dann bringt sie eine übermächtige, uralte Sekte gegen sich auf. Nun geht es um alles – die Welt.
Wuchtiger Thriller mit biblischer Spannung!

 

Blanvalet, 652 Seiten; 9,95 Euro

Adam Daviesdaumen_rauf

Goodbye Lemon

Jack hat drei Gründe, nie wieder nach Hause zurückzukehren – Mutter, Vater und großer Bruder. Aber er macht sich auf und erlebt verrücktes, trauriges, komisches – und das ist noch lange nicht alles.
Nach Adam Davies hinreißendem komödiantischem Liebesdebüt „Froschkönig“ folgt eine Dramödie auf höchstem Niveau – „Goodbye Lemon“. Die Figuren prägen sich ein und bleiben.

 

Diogenes, 345 Seiten; 21,90 Euro

Hörbuch der Woche

Ken Buren und Jason Starrdaumen_rauf

Flop

Max Fishers Frau ist im Weg, ein Auftragskiller muss her. Max’ Geliebte Angela hat Verbindungen und macht ihn mit dem Killer Popeye bekannt – doch dann gerät alles außer Kontrolle und niemand weiß mehr, wem er noch trauen kann.

Der Rotbuch Verlag bringt mit der Reihe Hard Case Crime mit das coolste heraus, was es an Krimis zu lesen gibt. Und Argon Hörbuch verbreitet den gleich Krimigenuss – nur zum hören. „Flop“ ist ein Hit! Gelesen von Schauspieler und Synchronsprecher Reiner Schöne, der mit seiner tiefen, rauchigen Stimme die Optimalbesetzung ist.

Auch als Taschenbuch erhältlich bei Rotbuch, 9,90 Euro.

Argon Hörbuch, 4 CDs, 275 Minuten; 16,95 Euro

Kolumne Nr. 15 vom 08.12.2008

Ruth Newmandaumen_rauf

Manisch

Olivia Corscadden hat den Täter gesehen, davon ist Psychologe Matthew Denison überzeugt. Sie ist die einzige Zeugin, den unfassbar brutalen Serienkiller, den „Schlächter von Cambridge, zu fassen, der im ehrwürdigen Ariel College Todesangst verbreitet. Doch Olivia, die man starr vor Entsetzen neben der Leiche ihrer Freundin fand, spricht kein einziges Wort.

„Manisch“ steht für zwanghaft. Und genau so verhält sich der Leser dieses Thrillers. Zwanghaft hält er das Buch in den Händen und kann einfach nicht mehr aufhören zu lesen, auch wenn er es wollte, unmöglich, der Thriller ist stärker. „Manisch“ nimmt einen vollkommen ein und endet in einem fiesen Finale. Das Debüt der jungen Engländerin Ruth Newman lässt auf eine große Thrillerkarriere hoffen.

 

Goldmann, 413 Seiten; 8,95 Euro

Rita Mae Browndaumen_runter

Fette Beute

Zwei ungeklärte Todesfälle zur Jahreswende beunruhigen Jane Arnold, die Jagdherrin und Vorsitzende des Jefferson-Jagdvereins. Für Sister Jane liegt Mord in der Luft, doch wer hätte Veranlassung, zwei arme alte Außenseiter zu töten? Zusammen mit schlauen Hunden und Füchsen will sie den Mörder zur Strecke bringen.

„Fette Beute“ – garantiert nicht für den Leser! Die Tiere kommen wieder viel zu kurz, den Menschen fehlt jegliche Anziehungskraft und den Krimi kann man im Wald suchen. Von Buch zu Buch wundere ich mich, warum man der einst witzigen, charmanten und pfiffigen Bestsellerautorin ihre Tastatur nicht wegnimmt, damit der Leser nicht mit diesen extrem hoch dosierten Schlaftabletten konfrontiert wird.

 

Ullstein, 382 Seiten; 19,90 Euro

John Sandforddaumen_rauf

Mordlust

Lucas Davenport, Sonderermittler der Polizei von Minneapolis, recherchiert in einer brisanten Angelegenheit: Der Staatssenator Burt Kline soll eine Sexaffäre mit einer 15jährigen unterhalten. Noch während Davenport ermittelt, überträgt man ihm einen weiteren Fall: Constance Bucher, eine ältere wohl situierte Dame, wurde in ihrer Villa ermordet. Ihr wurde auch ein teueres Gemälde gestohlen. Hängen beide Fälle zusammen?

John Sandford schreibt hochkarätige Psychothriller und hat zudem einen Kultermittler der Literatur erschaffen – Lucas Davenport. In „Mordlust“ ist er wieder im Einsatz. Subtil, lässig, mit der nötigen Brise Humor, aber immer unter Hochspannung, so schreibt John Sandford, so lebt und ermittelt Lucas Davenport. Auf das er noch ganz lange ermittelt, denn er ist ein Typ, den man einfach nicht mehr missen möchte.

 

Page & Turner, 448 Seiten; 17,95 Euro

Oliver Uschmanndaumen_rauf

Murp! – Hartmut und ich verzetteln sich

Hartmut und seine Mitbewohner sind unterwegs auf der Autobahn. Während Caterinas Kunstausstellung das Volk auf den Rasthöfen erobert, führt Hartmut einen Feldzug gegen alle, die in unser Leben eingreifen. Vom Finanzamt bis zur GEZ.
Hartmut und ich legen sich wieder voll ins Zeug und der Leser genießt den Alltag der kauzigen Typen wie ein Festbankett. Im Buch steht der Satz: „Solange die Betttücher immer glatt sind, fehlt etwas im Leben“ – solange Uschmann schreibt, ist das literarisch komische Leben noch in Ordnung.

 

Scherz, 445 Seiten; 13,90 Euro

Silvana De Maridaumen_rauf

Der letzte Elf

Der junge Elf Yorsch muss erfahren, dass er Teil einer mächtigen alten Prophezeiung ist. Und das er es ist, dem die Aufgabe zufällt, zusammen mit dem letzten Drachen, Glück Freunde und das Licht der Fantasie zurück in die Welt zu tragen.
Ein die Seele wärmendes Buch, erfüllend, heiter, weise. Ein Fantasybuch zum Wohlfühlen, das man als kleinen Literaturtraum bezeichnen kann. Wohl als Kinderbuch ab 11 Jahren empfohlen, aber das müssen alle Generationen lesen.

 

cbj, 366 Seiten; 16,95 Euro

Hörbuch der Woche

Lewis Carrolldaumen_rauf

Die kleine Alice

Eines Tages begegnet Alice einem weißen Kaninchen, das eine Uhr aus seiner Westentasche zieht und jammert. Sie folgt ihm ins Kaninchenloch und landet in einer traumartigen Welt voller Wunder.

„Alice im Wunderland“ – ein Klassiker der Literatur. „Die kleine Alice“ hat Autor Carroll nach eigenen Worten so konzipiert, das es nun seine Leser zwischen Null und Fünf Jahren anspricht. Tut es. Roger Willemsen spielt, ähm, spricht kindlich schön den Märchenonkel. Man hört ihm sehr gerne zu. Wenn Eltern mal keine Zeit zum Vorlesen haben für ihre Kinder, dann einfach „Die kleine Alice“ einlegen und Roger Willemsen spricht die Kleinen in den Schlaf.

Auch als Hardcover erhältlich bei Diogenes, 12,90 Euro.

Diogenes Hörbuch, 1 CD, 46 Minuten; 14,90 Euro

Kolumne Nr. 16 vom 15.12.2008

Leif Davidsendaumen_rauf

Der Russe aus Nizza

Marcus Hoffmann, erfolgreicher dänischer Geschäftsmann, hat sein Leben im Griff. Zumindest glaubt er das. Als seine russische Frau Nathalie auf einer Wolga-Kreuzfahrt von Moskau nach St. Petersburg spurlos verschwindet, ist Marcus entsetzt. In einem Land, dessen Sprache er nicht versteht, das unterwandert ist von der Mafia und gezeichnet vom Tschetschenien-Krieg, macht Marcus sich auf die Suche nach der Verschollenen.

Die Charaktere sind perfekt gezeichnet, man ist bei ihnen, was im Fall von Marcus gar nicht schön ist, wenn man das korrupte und eiskalte Russland der Neuzeit kennen lernt, das der dänische Autor Leif Davidsen beschreibt. „Der Russe aus Nizza“ erinnert an einen der modernen Zeit angepassten Alfred-Hitchcock-Stoff. Der Meister würde ihn heute sicher verfilmen wollen. „Der Russe aus Nizza“ schlägt in die Bahn von „Der Mann, der zuviel wusste“ oder auch „Der unsichtbare Dritte“. Ein Krimi wie er sein muss – am Puls der Zeit, mit starken Figuren, spannend erzählt und konstruiert. Ganz große Klasse!

 

Zsolnay, 479 Seiten; 19,90 Euro

 


Ruth Rendelldaumen_runter

Ein Ende mit Tränen

Chief Inspector Wexford untersucht den bizarren Mord an einer jungen Frau. Und je länger er ermittelt, desto tiefer taucht er ein in eine Welt, deren Vorstellung von Moral ihm völlig fremd ist. Er kämpft darum, die schockierende Wahrheit des Falles ans Licht zu bringen.

Ruth Rendell war mal eine Krimiautorin, die als Nachfolgerin von Agatha Christie galt. Lange vorbei. Ihre Krimis sind am Ende, ja, und wahrlich auch mit Tränen verbunden, Tränen darüber, das man die Lesezeit für diese unspannende und öde Geschichte geopfert hat. Der 20. Fall für den einst faszinierenden Chief Inspector Wexford ist hoffentlich sein letzter. Er soll sich zur Ruhe setzen und entspannt Tee trinken.

 

Blanvalet, 382 Seiten; 19,95 Euro

Arnaldur Indriđasondaumen_rauf

Codex Regius

Kopenhagen in den 50er-Jahren. Die Begegnung mit seinem Professor stellt Valdemars bisher beschauliches Leben völlig auf den Kopf. Der junge Isländer war nach Dänemark gereist, um hier über alten Pergamenthandschriften zu forschen. Er kommt dunklen Geheimnissen auf die Spur und macht sich zusammen mit dem Professor auf die Suche nach verloren gegangen Manuskripten. Ihre sehr gefährliche Jagd führt die beiden durch halb Europa.

Der isländische Starautor Arnaldur Indriđason ist bekannt geworden durch seinen eigenwilligen Bestsellerkommissar Erlendur. Mit „Codex Regius“ schlägt er ein neues, ganz anders Kapitel auf. Indriđason hat einen spannenden Thriller über die historischen Zusammenhänge der dänisch-isländischen, auch der europäischen Geschichte geschrieben. Man erfährt viel und lernt dabei. Die Thematik ist angelehnt an den ganz großen der Zunft – Dan Brown.

 

Edition Lübbe, 445 Seiten; 18,00 Euro

Natsuo Kirinodaumen_rauf

Teufelskind

Aiko Matsushima wächst in einem Bordell in Tokio heran, ihr Vater unbekannt, ihre Mutter verschwunden. Sie muss erbittert um ihre Existenz kämpfen. Jahre später kommt der Tag, an dem sie einen hasserfüllten Rachefeldzug startet.
Wie schon bei dem grandiosen Bestsellerdebüt in Deutschland „Die Umarmung des Todes“ bringt uns Natsuo Kirino das heutige Japan, das Leben und vor allem die Frauen des Landes sehr nahe. „Teufelskind“ ist gnadenlos und blutig und eine Reise in das dunkle Japan.

 

Goldmann, 222 Seiten; 17,95 Euro

Maryam Sachsdaumen_rauf

Ohne Abschied

Die 35-jährige Roxanne lebt mit ihrem Mann in Paris. Eines Abends verliebt sie sich Hals über Kopf in einen Fremden. Gibt es die Chance auf eine erfüllte Liebe?
Der Roman umgarnt einen mit seiner Geschichte, mit seiner Sprache wie weiche Wellen im Meer. Ein kunstvoller Debütroman, dem hoffentlich noch viele folgen werden.

 

Collection Rolf Heyne, 168 Seiten; 16,90 Euro

Hörbuch der Woche

James Ellroydaumen_rauf

Die Schwarze Dahlie

Los Angeles, 1947. Elizabeth Short, gerade 22 Jahre alt, als ihre bestialisch zugerichtete Leiche gefunden wird. Wochenlang beherrscht der Mordfall die Titelseiten sämtlicher Zeitungen. Die Suche nach dem Mörder führt die Polizisten Blanchard und Bleichert tief in die Abgründe der Unterwelt.

„Die Schwarze Dahlie“ erschien 1987 in den USA, 21 Jahre später darf man sagen, dass es sich bereits um einen Klassiker der Kriminalliteratur handelt. James Ellroy schließt vor allem mit „L. A. Confidential“ und „Die Schwarze Dahlie“ zu den amerikanischen Klassikergrößen Chandler, Hammett & Co. auf. Gelesen wird die Geschichte von Ulrich Pleitgen, dessen ausdrucksstarke Stimme das elegante und zugleich schmutzige Amerika der damaligen Zeit brillant vermittelt.

 

Hörbuch Hamburg, 13 CDs, 997 Minuten; 24,95 Euro

Kolumne Nr. 17 vom 22.12.2008

Ian Rankindaumen_rauf

Ein Rest von Schuld

Edinburgh. Der Fall des ermordeten Dichters und Dissidenten Alexander Todorow zieht immer weitere Kreise, doch Detective John Rebus bleibt nicht viel Zeit, um der Wahrheit auf die Spur zu kommen. In wenigen Tagen endet seine Dienstzeit, und er weiß, dass seine Vorgesetzten die Sache am liebsten schnell zu den Akten legen würden. Dann geschieht ein weiterer Mord …

Ein Krimi, bei dem man schon trauert, bevor man die erste Seite gelesen hat, denn es ist der Abschied von Kultdetective John Rebus. Und „Ein Rest von Schuld“ macht es noch schwerer, den Abschied zu akzeptieren, denn es ist ein Krimi auf höchstem Niveau. Der Leser ist Teil der Ermittlungsarbeit, er ist Teil des Falls, und dieser ist mächtig spannend. Ian Rankin übertrifft sich mit dem letzten Band der John-Rebus-Reihe selbst.

 

Manhattan, 541 Seiten; 19,95 Euro

Peter Adolphsendaumen_runter

Das Herz des Urpferds

Ein Sommertag im Jahr 1973 in Austin, Texas. Die Geschichte der Erde wird mit dem Aufeinandertreffen zweier Menschen verknüpft. Zufällig trifft Clarissa auf Jimmy, als sie ihn kurz nach dem Tanken als Anhalter mitnimmt. Die beiden fahren los, dann explodiert im Motor ein Benzintropfen, der sich am nächsten Morgen als Russpartikel in Clarissas Lunge einnistet.

Eine Geschichte, die sich gut anhört. Was denken wir, wie leben wir, was macht unser Organismus, wie geht es weiter mit uns, wenn wir nicht mehr sind, das und einiges mehr behandelt dieser Text. Wenn man das in eine breit gefächerte Geschichte eingebaut hätte, hätte es durchaus seine Wirkung erzielt, hier liest es sich aber großteils wie eine träge philosophische und wissenschaftliche Abhandlung.

 

Nagel & Kimche, 111 Seiten; 12,90 Euro

Anne Enrightdaumen_rauf

Das Familientreffen

Dublin. Der Hegarty-Clan versammelt sich, um Liam, das schwarze Schaf der Familie, zu Grabe zu tragen – doch nur Veronica wagt es, nach den Umständen zu fragen, die ihren Lieblingsbruder in den Tod getrieben haben. Und plötzlich scharren sich die Geister der Vergangenheit um sie …

„Das Familientreffen“ trifft einen voll! Spielerisch bitter, leicht und doch durchdrungen von Schwere, schön wie ein Gemälde, aber doch wieder hart wie ein abstraktes Gekritzel erzählt die Irin Anne Enright diese Geschichte. Die Familie Hegarty ist eine Familie voller Schicksale, Enttäuschungen, aber auch das Pflänzchen Glück und die Liebe leben in ihr. Große Literatur. Anne Enright erhielt dafür 2007 den angesehenen Booker-Preis.


DVA, 346 Seiten; 19,95 Euro

A. J. Jacobsdaumen_rauf

Die Bibel & ich

Stellen Sie sich vor, Sie dürfen ein Jahr lang nicht lügen und fluchen. Und noch so viel mehr – nicht. A. J. Jacobs hat es tatsächlich geschafft, zwölf Monate hindurch die biblischen Gesetze zu befolgen – auch die absurdesten.
Wie schon in seinem Debütbestseller „Britannica & ich“ macht Autor A. J. Jacobs etwas total Verrücktes. Nach der Enzyklopädie folgt nun die Bibel. Zum schreien komische und intelligente Unterhaltung, bei dem einem aber so mancher Schrei im Halse stecken bleibt. Das ist gelebtes Christentum in der Neuzeit.

 

Ullstein, 432 Seiten; 19,90 Euro

Kurt Tepperweindaumen_rauf

Mein persönliches Verjüngungsbuch

Kurt Tepperwein ist einer der bekanntesten Experten für Gesundheitsvorsorge und mentales Training. Dieses Buch vereint 30 Jahre Erfahrung von ihm.
Kurt Tepperwein erzählt im Bonbonformat wie man fit, gesund und geistreich altert. Eine kleine Gesundheitsbibel, die hilft.

Goldmann Arkana, 253 Seiten; 17,95 Euro

Hörbuch der Woche

Daphne du Maurierdaumen_rauf

Rebecca

Ein dunkles Geheimnis liegt über dem alten englischen Herrensitz Manderley. Als Maxim de Winter mit seiner jungen Frau dort eintrifft, ist sie angetan von der Atmosphäre des Gemäuers und geschockt von der subtilen Grausamkeit der Dienstboten. Manderley trägt noch immer den Stempel von Rebecca, Maxims erster Frau, deren Schatten eine große Liebe zu zerstören droht …

„Rebecca“, Daphne du Mauriers Bestseller, wurde 1940 grandios von Alfred Hitchcock verfilmt. Nun gibt es diesen Klassiker der Weltliteratur zum hören. Weich und einfühlsam, spannend, atmosphärisch und voller Nuancen liest Eva Mattes diese Geschichte vom Herrensitz Manderley und der großen, alles überwältigenden Liebe.

 

Argon Hörbuch, 6 CDs, 448 Minuten; 24,95 Euro

Kolumne Nr. 18 vom 29.12.2008

Michael Morleydaumen_rauf

Viper

Neapel. Der schlimm entstellte Leichnam einer Frau wird gefunden. Um sie herum stößt man auf ein ganzes Feld voller vergrabener menschlicher Knochen. Jack King, ehemals bester Profiler beim FBI, schaltet sich in die Suche nach dem Mörder ein. Er muss bald feststellen, dass in der Heimat der Camorra ganze eigene Gesetze gelten.

Nach seinem fulminanten Debüt „Spider“ legt Michael Morley mit „Viper“ großartig nach. In den 111 Kapiteln dieses knallharten Thrillers jagt Morley den Leser vor sich her. Dieser hetzt schockiert und gebannt von einem Kapitel zum nächsten. Man erfährt zudem viel über die Camorra, ihre Taten und ihre große Macht. Und wie Morley manchen Mord beschreibt, das hat schon was von „Saw“. Daher: „Viper“ bitte nur auf nüchternen Magen genießen, ansonsten könnte sich starke Übelkeit einstellen.

 

Heyne, 558 Seiten; 19,95 Euro

Heinrich Steinfestdaumen_runter

Mariaschwarz

Am Anfang steht die perfekte Beziehung zwischen Vinzent Olander, dem Gast, und Job Grong, dem Wirt. Der Alkohol funktioniert dabei wie eine unbefleckte Empfängnis. Doch als Grong seinen Gast vor dem Ertrinken rettet, ist die Idylle dahin. Der See, um den sich nun alles dreht, trägt den Namen Mariaschwarz.

Dieser Möchtegernkrimi, der zwar ab und an mal so was Ähnliches wie Spannung aufkommen lässt, ist leider kaum genießbar. Und witzig soll er ja sein, der Heinrich Steinfest, nur konnte ich das noch in keinem seiner Bücher feststellen. So auch hier nicht. Bei „Mariaschwarz“ kann man nur Schwarz sehen und es am Besten im See „Mariaschwarz“ versenken.

 

Piper, 316 Seiten; 16,90 Euro

Ricardo Adolfodaumen_rauf

Mizé – Die schärfste Braut der Vorstadt

Palha kann sein Glück kaum fassen: Die überaus attraktive Mizé hat sich nicht nur auf eine heiße Nacht mit ihm eingelassen, sie nimmt sogar seinen Heiratsantrag an! Schon träumt er von einem trautem Heim, sie aber von Ruhm und Anerkennung, Glitzer und Glamour. Und Mizé dreht heimlich scharfe Sexfilmchen. Als Palha eines Abends mit seinen Freunden einen davon sieht, steht er vor einem mächtigen Problem.

Das Debüt des portugiesischen Autors Ricardo Adolfo sprüht nur so vor intelligenten Szenen- und Dialogwitzen. Und diesen unerhört guten Drive hält Adolfo tatsächlich das ganze Buch lang durch. Absolut grandios! Somit ist Adolfos Schreibstil noch schärfer als Mizé, was ja kaum möglich ist. Und Palha und Mizé sind zwei Typen zum verlieben. Dieses Buch beweist, das Leben ist eine harte Nummer.

 

Bloomsbury Berlin, 300 Seiten; 19,90 Euro

Amitav Ghoshdaumen_rauf

Das mohnrote Meer

1838. Am Oberlauf des Ganges schuften die Menschen für die britische Opiumindustrie. Eine Gruppe von Flüchtlingen vereinen sich auf dem ehemaligen Sklavenschiff Ibis. Sie ist Hoffnung und Strafe, Zukunft und Endstation zugleich.
Ein dramatischer historischer Roman, der packend erzählt ist.

 

Blessing, 619 Seiten; 21,95 Euro

Melinda Gallagher / Emily Kramerdaumen_rauf

Sex – So machen’s Frauen

Keine Lust mehr auf Sex ohne Orgasmus? Geheime Fantasien, die sie bisher nicht auszuleben wagten? Sex zu dritt? Oder auf der Suche nach dem perfekten Vibrator? Dieses Buch beantwortet dieses Fragen und noch viele mehr.
Ein sehr informativer Sexratgeber, der beiden Geschlechtern einiges lehrt. Zudem bietet er auch noch einigen heißen und hemmungslosen Text. Tauchen Sie ein!

 

Blanvalet, 304 Seiten; 14,95 Euro

Hörbuch der Woche

Richard Dübelldaumen_rauf

Die Wächter der Teufelsbibel

Prag, 1612. Das gefährlichste Buch der Zeit wird aus dem Hradschin gestohlen – die Teufelsbibel. Wenig später ge-schehen unheimliche Dinge: Eine Frau ermordet ihre Fa-milie, ein Mann erdrosselt seine Verlobte. Und alle sagen, der Teufel hätte es ihnen befohlen. Gibt es einen Zusam-menhang mit dem Verschwindend der Teufelsbibel? Zwei Freunde riskieren ihr Leben für die Lösung des Rätsels …

Der außergewöhnlich gute Historienroman „Die Teufelsbibel“ wird nun fortgesetzt mit „Die Wächter der Teufelsbibel“. Richard Dübell, einer der besten deutschen männlichen Autoren von Historischen Romanen, hat erneut eine beeindruckende und detailvolle Geschichte geschrieben. K. Dieter Klebsch, die deutsche Stimme von Kinostar Anthony Hopkins und TV-Star Hugh Laurie, macht aus dieser guten Geschichte eine noch bessere.

Auch als Hardcover erhältlich bei Ehrenwirth, 19,95 Euro.

Lübbe Audio, 6 CDs, 468 Minuten; 19,95 Euro