Kolumne Nr. 171 vom 05.12.2011

Rita Falk

Schweinskopf al dente

Richter Moratschek verurteilt den psychopathischen Mörder Dr. Küstner, gegen den Hannibal Lector nichts ist, meint der Eberhofer, zu fünfzehn Jahren Gefängnis. Und Dr. Küstner ist dann auch so schlau wie Lector und kommt aus dem Gefängnis frei. Seitdem passieren Moratschek ungewöhnliche Dinge, ein Saukopf auf seinem Bett ist ihm dann zu viel. Er zieht zum Papa vom Eberhofer, das mag der Eberhofer gar nicht, aber Oma sagt, dass das okay ist, dann sagt der Franz das auch, denn Oma hat das letzte Wort. Nun muss Eberhofer Dr. Küstner wieder dingfest machen, damit er Zuhause wieder Ruhe hat vor dem Moratschek. Dann kündigt sich auch noch Bruder Ludwig, die Schleimsau, mit Familie zum Urlaub bei ihnen an. Das ist zu viel für den Eberhofer. Er fährt nach Italien um seine verlorene Liebe Susi wieder nach Hause zu holen, aber nicht alleine, also hinfahren tut er da nicht alleine. Und Dr. Küstner läuft immer noch frei herum …

Wie macht sie das nur, die Rita, die Falk Rita? Haut da einen Krimi nach dem anderen raus, und was soll ich sagen, einer ist besser als der andere. Wenn der Eberhofer das wüsste, dass die heiteren Krimis um ihn so gut sind, er würde sie glatt alle selber lesen. Überdurchschnittlich unkonventionelle Charaktere, herrlich skurrile Momente, enorm erfrischende Geschichten, kriminell und familiär, das sind die Provinzkrimis von Rita Falk. Zudem zünftige und freche Satzkreationen und ein überaus kreatives Dialogfeuerwerk, da wird das Hirn des Leser so richtig rangenommen, und es sendet pausenlos ein Signal: Lachen! Lachen! Lachen! Die Reihe um Franz Eberhofer sollte dringend verfilmt werden, am besten fürs Kino. Die Hauptrolle des Franz Eberhofer kann eigentlich nur Michael Bully Herbig spielen. Liebe Produzenten, lieber Herr Herbig, bitte schnellstens Kontakt mit Rita Falk aufnehmen!

dtv, 240 Seiten; 14,90 Euro

Ricarda Jordan

Das Geheimnis der Pilgerin

Burg Falkenberg, Oberpfalz, 1192. Gerlin von Falkenbergs Herz gehört Ritter Florís, aber auf Wunsch ihres Vaters heiratet sie den erst vierzehn Jahre alten Erben der Grafschaft Lauenstein. Sie ist ihm ehrlich zugetan und schenkt ihm bald einen Sohn. Doch als der junge Graf unerwartet stirbt, wendet sich das Schicksal gegen Gerlin: Ein entfernter Verwandter ihres Mannes sieht seine Zeit gekommen, die Hand auf Lauenstein zu legen. Völlig gesichert wäre sein Machtanspruch, wenn Gerlin und ihr kleiner Sohn zu Tode kämen. Dem muss Gerlin entkommen. Ihre Reise ins Ungewisse führt sie über Kronach, Bamberg, Mainz, Reims nach Paris. Dort erlebt sie dann die rauen Sitten der fremden Stadt.

Ricarda Jordan ist eines der Pseudonyme der sehr erfolgreichen Autorin, ihr anderes Sarah Lark. Als Sarah Lark stürmt sie die Bestsellerlisten, als Ricarda Jordan gelingt ihr das nicht. Nach „Die Pestärztin“ und „Der Eid der Kreuzritterin“ ist „Das Geheimnis der Pilgerin“ ihr dritter historischer Roman, der schlechteste bisher. Er liest sich wie ein historisches Allerlei, wobei Jordan das mittelalterliche Treiben durchaus gelungen ist. Die ersten dreiviertel des Romans munden eher wie eine historische Seifenoper an, erst wenn die – oftmals nervigen – Figuren in Paris angekommen sind, kommt etwas Fahrt in die Geschichte. Dann bringt sie Abwechslung und auch Spannung. Nur reicht das am Ende nicht für einen guten Roman. Als Sarah Lark schreibt die Autorin bedeutend besser.

Bastei Lübbe, 559 Seiten; 8,99 Euro

Walter Isaacson

Steve Jobs

Visionär, Despot, Genie, Stilikone, Guru – Attribute, die Steve Jobs gerne annahm, denn sie trafen zu. Zurückhaltend war Jobs nie. Er machte aus einer Garagenfirma das wertvollste Unternehmen der Welt. Er entwickelte den Apple 2, der den Grundstein für den Weltkonzern legte, den legendären Macintosh, den iMac, iPod, iPhone und iPad. Für ihn gehörte technologischer Fortschritt und Design zusammen. Die unternehmerische Seite von Steve Jobs ist voller so vieler Geschichten, in diesem Buch kann man sie nachlesen. Aber auch seine private Seite und natürlich wie es mit Apple begann und immer weiter ging kommt in diesem Buch ausführlich zum tragen. Steve Jobs war ein immer Suchender, der in der ersten Zeit von Apple zu jedem Geschäftstermin stinkend und barfuss erschien, ein Antreiber, ein Mann, der Schwieriges, gekonnt einfach verkaufen konnte. Er hat viele Höhen und Tiefen durchlaufen, alle zu finden in diesem Buch.

Eine monumentale Biographie über einer der Erfinder-Ikonen der letzten fünfzig Jahre! Sein Antrieb hat das Leben von einer Milliarde und mehr Menschen beeinflusst. Walter Isaacson fängt das Leben des Ausnahmevisionärs gekonnt ein. Er zeichnet ein vielschichtiges Bild des Ausnahmeunternehmers. Als Jungendlicher war er überdurchschnittlich begabt und tanzte vielen auf der Nase herum, aber es war der Beginn seiner Findung als Erfinder. Als Computer-Hero, aber auch Hollywood hat er, in Jobs Worten, richtig in den Arsch getreten. Er erfand mit Pixar zusammen den Animationsfilm und brachte jedes Jahr einen neuen Megakassenschlager heraus. Diese Biographie ist wie eine Insel im tosenden Atlantik. Wenn die Sonne scheint, ist alles wunderbar, aber meist kommt ein Sturm auf und peitscht die Wellen über das Eiland. Steve Jobs ist dieser Sturm, ein sonniges Gemüt hatte er nur in Ausnahmefällen, dafür peitschte seine Antriebskraft ihn, und vor allem alle die mit ihm arbeiteten, an. Ohne diesen Wesenszug hätte es Apple und Pixar nie gegeben. Steve Jobs führte ein energiegeladenes Leben, das viel zu früh ein Ende fand. Er hätte der Welt noch mehr geben können, als er das bisher schon getan tat. Walter Isaacson hat mit „Steve Jobs“ ein wahnsinnig fesselndes Buch geschrieben!

C. Bertelsmann, 701 Seiten; 24,99 Euro

Sabine Thiesler

Nachtprinzessin

Berlin. Eine Mordserie an jungen Männern erschüttert die Stadt. Der Mörder, der sich „Prinzessin“ nennt, erdrosselt seine Opfer beim Liebesspiel. „Prinzessin“ ist charmant und kultiviert und liebt auch Italien. Auch dort kann er seine Triebe nicht eindämmen. Dann verliebt sich „Prinzessin“ in Fremdenführer Gianni. Ist der Sohn des Carabinierie Neri sein nächstes Opfer?
Sabine Thieslers deutsch-italienische Thriller sind einzigartig auf dem Büchermarkt! Sie verleiht der deutsch-italienischen „Freundschaft“ ganz neue Züge. Nach den Bestsellern „Der Kindersammler“, „Hexenkind“, „Die Totengräberin“ und „Der Menschenräuber“ folgt mit „Nachtprinzessin“ der nächste. Es geht um Mutterliebe und die Liebe zum gleichen Geschlecht. Eine Liebe, die bis zum tödlichen Wahnsinn reicht. Thiesler hat die Handlung wieder in beiden Ländern angesiedelt, das bringt Abwechslung und Spannung. Und es tauchen auch alte Bekannte aus den Vorgängerromanen wieder auf. „Nachtprinzessin“ wird Ihre Nachtruhe empfindlich stören!

Auch als Hörbuch erhältlich bei Random House Audio, souverän gelesen von der Autorin selbst, 19,99 Euro.

Heyne, 576 Seiten; 19,99 Euro

Michael Peinkofer

Orks

orksErdwelt scheint dem Untergang geweiht. Orks, Elfen und Menschen sind entzweit, ein uralter Feind wartet auf den richtigen Moment um die Macht über Erdwelt an sich zu reißen. Doch der hat die Rechnung ohne Balbok und Rammar gemacht, die faulsten Orks ihres Stammes. Ausgerechnet sie müssen Erdwelt retten.
Die komplette Saga in einem Band – enthält die Einzelbände „Die Rückkehr der Orks“, „Der Schwur der Orks“ und „Das Gesetz der Orks“. Michael Peinkofer garantiert beste Fantasy-Unterhaltung! Daran hat sich nichts geändert. Die „Orks“-Saga ist wie die „Zwerge“-Saga von Markus Heitz unverzichtbare Lektüre für jeden Leser von hochwertiger Fantasy-Literatur. Die Geschichte um die Orks Balbok und Rammar brachten frischen Wind und eine Menge Spannung in diese Gattung der Fantasy.

Piper, 1592 Seiten; 20,00 Euro

Hörbuch der Woche

Markus Heitz

Die Zwerge-Saga

Wer kennt sie nicht, die Zwerge aus „Herr der Ringe“. Zwerge sind klein, bärtig und die Axt ihr ständiger Begleiter. Doch was macht die Zwerge aus. Dies sind die Geschichten des tapferen Zwergen Tungdil, der sich immerzu den Kampf gegen Orks, Oger und dunkle Elfen stellt. Seine Abenteuer sind so zahlreich, das Markus Heitz auch vier Romane schreiben musste, um diese alle unterzubringen.

Markus Heitz hat mit den Romanen „Die Zwerge“, „Der Krieg der Zwerge“, „Die Rache der Zwerge“ und „Das Schicksal der Zwerge“ Fantasy-Geschichte geschrieben. Millionen Leser sind ihm begeistert gefolgt in die Welt des „Geborgenen Landes“ und dem Treiben von Zwerg Tungdil. Heitz heizt seinen Lesern ein! Das tut er praktisch mit jedem Buch, mit der „Zwerge“-Saga tat er das im Besonderen. J. R. R. Tolkien hätte vor Markus Heitz den Hut gezogen. Große Geschichten müssen von großen Sprechern gelesen werden. Johannes Steck, einer der Hörbuchsprecher-Fantasy-Gurus, liest nicht nur, er spielt die Rollen der einzelnen Figuren. So wird die Saga zu einem großen Hörerlebnis. Ein ideales Weihnachtsgeschenk für alle Fantasy-Fans!

Auch als Taschenbuch erhältlich bei Piper, je 14,95 Euro.

Hörbuch Hamburg, 43 CDs, 3240 Minuten; 79,99 Euro

 

Kolumne Nr. 172 vom 12.12.2011

Christopher Paolini

Eragon – Das Erbe der Macht

Alagaësia – ein Reich, das nach Frieden strebt, in dem aber Krieg tobt. Die Völker des Reichs haben sich zusammengeschlossen und ziehen in den Kampf gegen Galbatorix, den grausamen Herrscher des Imperiums. Eragon weiß, dass er und Drache Saphira ihm irgendwann gegenüberstehen werden. Er kann sich auf seine treuen Gefährten verlassen, die mit ihm immer wieder in den Kampf ziehen. Allen voran die wunderschöne, kluge Elfe Arya. Doch der finstere König ist nahezu unbesiegbar, denn er besitzt die Macht zahlloser Drachen, deren Seelenhort, den Eldunarí, er an sich gerissen hat. Ein neuer Drache und ein neuer Drachenreiter verändern das Kräfteverhältnis. Wird Eragon Galbatorix besiegen können? Oder muss er sich geschlagen geben? Was wird aus dem Reich Alagaësia?

Die Leser weltweit haben ungeduldig auf dieses Buch gewartet. Nun geht der 4. und letzte Band der Weltbestseller-Reihe „Eragon“ mit 750.000 Exemplaren an den Start. Christopher Paolini beschert seinen Lesern wieder einen unverwechselbaren und fesselnden Fantasy-Genuss. Die „Eragon“-Saga ist ein epochales Fantasy-Großereignis! Eragon und Saphira sind Helden, die man nie wieder vergisst. Als Leser verbündet man sich mit diesen zwei und wird Teil ihrer Gemeinschaft um das Unrecht zu besiegen und dem Guten zum Sieg zu verhelfen. In „Das Erbe der Macht“ müssen die beiden wieder viele Abenteuer bestehen und der Leser lernt viele neue Winkel von Paolinis Welt kennen. 78 Kapitel lang hält er einen in Alagaësia gefangen. Nach „Herr der Ringe“ ist es am Ende wohl das traurigste Ereignis der Fantasy-Literatur, denn: Die 3100 Seiten umfassende „Eragon“-Saga ist zu Ende. Aber die Geschichte wird immer weiterleben. „Eragon“ gehört jetzt schon zu den großen Klassikern der weltweiten Fantasy-Literatur!

Auch als Hörbuch erhältlich bei Random House Audio, genial gelesen von Andreas Fröhlich, 49,99 Euro.

Auch Eragon 1 bis 3 sind als wunderschöne Hörbuch-Sammlerbox erhältlich, voller Inbrunst und sprachlichem Ideenreichtum gelesen, natürlich auch von Sprecher-King Andreas Fröhlich, 79,99 Euro.

cbj, 980 Seiten; 24,99 Euro

Petra Busch

Mein wirst du bleiben

Freiburg. Miriam will ihre Mutter Thea ganz für sich, schon immer, um jeden Preis. Als diese bei einem schweren Unfall das Gedächtnis verliert, geht Miriam ganz in der Pflege auf. Auch wenn Thea von ihrer Tochter nichts mehr weiß. Hauptsache, Thea bleibt immer bei ihr in der Wohnung, dann kann nichts passieren. Dann wird Miriam nicht verlassen. Doch zwei Morde in der Nachbarschaft zerstören das erzwungene Idyll. Dass Hauptkommissar Moritz Ehrlinspiel das Leben der Opfer und Nachbarn durchleuchtet, macht Miriam ganz nervös. Als Thea nicht mehr will, verschwindet sie und irrt durch die Stadt. Sie ahnt nicht, dass sie in großer Gefahr schwebt. Für Kommissar Ehrlinspiel ein schwieriger Fall.

Petra Busch gehört zu den aufstrebenden Talenten des deutschen Kriminalromans! Der erste Fall für Kommissar Moritz Ehrlinspiel „Schweig still, mein Kind“ bekam“ dann auch den Friedrich-Glauser-Preis für das beste Krimidebüt. Nun der zweite Fall für Kommissar Ehrlinspiel „Mein wirst du bleiben“ – ein Kriminalroman, der einen hin und her schwanken lässt. Er hat ganz starke Sequenzen und dann pfeift das Buch wieder aus dem letzten Loch. Man ist gefesselt und dann wieder tödlich gelangweilt. Busch gelingt es vorzüglich, ihre Figuren auszuleuchten. Sie bewegt sich psychologisch auf hohem Niveau. Aber dann übertreibt sie es immer wieder mit dem, was die Figuren so machen. Das ist dann oft zu viel und der Story nicht zuträglich. Auch hängt der Spannungsbogen immer wieder mächtig durch. Von Hauptkommissar Moritz Ehrlinspiel will man auf jeden Fall mehr lesen! „Mein wirst du bleiben“ ist aber nicht uneingeschränkt zu empfehlen.


Knaur, 441 Seiten; 9,99 Euro

Josh Bazell

Einmal durch die Hölle und zurück

Pietro Brnwa hat Medizin studiert und für die Mafia Leute getötet, bevor er sich absetzte. Aber die Mafia ist weiter hinter ihm her. Von Manhattan aus hat es ihn nun als Schiffsarzt Dr. Lionel Azimuth auf ein Luxus-Kreuzfahrtschiff verschlagen. Doch dann erhält er ein verlockendes Angebot: Für einen mysteriösen Milliardär soll er herausfinden, ob es ein Ungeheuer im White Lake bei Ford, Minnesota gibt. Zusammen mit der heißen Paläontologin Violet Hurst, deren Berufswahl durch „Jurassic Park“ geprägt wurde, macht er sich auf, in den harmlos scheinenden Seen und Wäldern von Minnesota dem Geheimnis des Ungeheuers nachzugehen. Beide landen bald in einem Inferno aus Wahnsinn und Gewalt.

Josh Bazell hat mit seinem Debütkrimi „Schneller als der Tod“ weltweit die Bestsellerlisten gestürmt. Nun lässt er es ein zweites Mal literarisch krachen mit „Einmal durch die Hölle und zurück“. Ein Roman wie eine Stange Dynamit! So cool kann Krimiliteratur sein. Die Story ist so undurchschaubar, jede Seite ist eine neue Überraschung. Die Figuren und die Dialoge sind knackig, sexy und frech. Pietro ist ein „besonderer Fan“ von Republikanerin Sarah Palin. Er sagt von ihr: „… niemand ist so berühmt für seine Unwissenheit wie Sarah Palin.“ Die Politikerin hat dann auch einige saftige Auftritte in dem Buch. Baziell mixt wild Krimi, Horror, Wissenschaft und Politik miteinander durch. Herausgekommen ist „Einmal durch die Hölle und zurück“. Wenn einer schreiben kann wie der Teufel, dann Josh Baziell. Er hat das Zeug dazu, ein Kultautor zu werden.

S. Fischer, 409 Seiten; 18,95 Euro

Tom Rob Smith

Agent 6

Moskau, 1950. Leo Demidow, einer von Stalins Agenten, bekommt die Aufgabe den schwarzen amerikanischen Sänger Jesse Austin, der bekennender Kommunist ist, bei seinem Aufenthalt in Russland zu begleiten. Austin darf auf keinen Fall den wahren Alltag der Menschen zu Gesicht bekommen. 15 Jahre später, langsame Annäherung der Weltmächte. Nun sind Leo und seine Familie und Austin Figuren in einem politischen Komplott, am Ende gibt es mehrere Tote. Nur Agent 6 weiß, was geschah, Leo will ihn finden.

Tom Rob Smith gelingt auch mit seinem dritten Thriller um den russischen Agenten Leo Demidow, das Russland von damals ausgezeichnet zu porträtieren und dazu eine spannende und wendungsreiche Story zu erzählen. „Agent 6“ ist nur empfohlen zu lesen, wenn Sie nichts mehr anders vorhaben, denn es wird Sie nicht wieder loslassen.

Manhattan, 538 Seiten; 21,99 Euro

Paolo Pellegrin und Stefan Pielow

New York

Das facettenreiche New York aus mehreren Blickwinkeln, vor allem aus dem der See-Seite. Aber auch das Innenleben der Stadt bekommt genügend Raum.
Die Fotografen beweisen, dass sie nur mit Bildern eine Geschichte, die zu einem spricht, erzählen können. Mit diesem Fotoband atmen Sie New York und dessen Menschen ein. Hier spürt man den Spirit der Megacity. Ein ideales Weihnachtsgeschenk für alle New-York-Liebhaber!

Mare, 144 Seiten; 58,00 Euro

Hörbuch der Woche

Robert Harris

Angst

Unter den Superreichen ist Alex Hoffmann eine lebende Legende. Zusammen mit seinem Partner hat er eine revolutionäre Form des algorithmischen Aktienhandels entwickelt. Künstliche Intelligenz und das Sammeln von Angstparametern im globalen Internet werden zu einer hochgeheimen Software verknüpft, die mit unheimlicher Präzision die Bewegungen der Finanzmärkte voraussagen kann. Sein Hedgefonds mit Sitz in Genf macht Milliarden. Eines Nachts überwindet ein unheimlicher Einbrecher die ausgeklügelten Sicherheitsanlagen seines Domizils am Genfer See und reißt ihn und seine Frau aus dem Schlaf. Damit beginnt ein Albtraum voller Paranoia und Gewalt. Hoffman versucht demjenigen auf die Spur zu kommen, der sein Leben zerstören will. Als ihm spät ein Licht aufgeht, ist es schon fast zu spät. Die Finanzmärkte sind außer Rand und Band, die Welt droht im Chaos zu versinken, genauso wie sein Leben. Und der Verursacher ist der gleiche.

Ein Thriller, der an Aktualität nicht zu überbieten ist! Robert Harris, der gekonnt aktuelle Themen in einen historischen Spannungsmantel packt, ist mit „Angst“ im hier und jetzt aktiv. Er zeigt auf, was hinter dem politisch geschützten Geldwall alles mit dem Geld braver Anleger passiert, die nicht über die moderne, computergesteuerte Orderprogramme verfügen, sondern nur über einen einfachen Rentenfonds. Einerseits, anderseits zeigt er auf nahezu grausame Weise, dass Computer die Welt regieren können. Hier wird dieser Spruch zur absoluten Wahrheit. Was passiert, wenn Computer selbst lernend sind, Zusammenhänge knüpfen können und damit die Welt in ein Chaos stürzen? „Angst“ gibt eine Antwort darauf, die große Angst macht! Gelesen wird dieser Thriller von Hannes Jaenicke. Hannes Jaenicke, bitte lesen Sie mehr Hörbücher! Sie heben mit Ihrer kräftigen, lebhaften und charismatischen Stimme die Qualität jedes Buches!

Auch als Hardcover erhältlich bei Heyne, 19,99 Euro.

Random House Audio, 6 CDs, 413 Minuten; 19,99 Euro

 

Kolumne Nr. 173 vom 19.12.2011

Jeff Kinney

Gregs Tagebuch 6 – Keine Panik!

Für Greg kommt es jetzt richtig dick, es ist Ende November, und es sind noch 4 Wochen bis Weihnachten. Eine schreckliche Zeit bis dahin, auch weil seine Eltern ihm einen Spion vom Weihnachtsmann in Form einer Puppe auf den Hals hetzen, der ihn überwacht, damit er bis zur Bescherung keinen Unsinn mehr macht. Wer Greg kennt, weiß, dass das natürlich nicht klappen kann. Er muss Schnee schippen um Geld zu verdienen, dass er seinem virtuellen Haustier den reinsten Luxus bieten kann. Nur klappt das nicht so toll, mit dem Schnee schippen. Dann macht er in der Schule Unfug und hat seitdem große Panik vor der Polizei und dem Gefängnis. Und dann fällt in seinem Haus auch noch der Strom aus und draußen schneit es wie verrückt. Es gibt kein entkommen vor seiner Familie. Greg ist mit seinem Latein am Ende. Fast.

„Gregs Tagebücher“ sind eine weltweite Sensation! Die Comic-Roman-Serie von Jeff Kinney hat sich bereits über 60 Millionen Mal verkauft. Der Autor gehört laut „Time Magazin“ zu den 100 einflussreichsten Menschen der Welt. „Gregs Tagebücher“ sind ein riesengroßer Spaß! Ein Sammelsurium an Einfallsreichtum, Witz und weisen Einsichten. Als Kind hat man es halt nicht einfach. Eine Serie, die 10jährige toll finden, aber auch jung geblieben Erwachsene voll Wehmut und Schrecken an die eigene Kindheit zurückerinnern lässt. Jeff Kinney spricht nicht selten durch Kindermund, was auch im Erwachsenenleben immer wieder zu finden ist. So viele kleine Geschichten in dem Buch haben große Klasse. Eine davon ist: Der verwaiste Schulhofspielplatz. Dort dürfen keine Spielgeräte mehr stehen und nicht mehr gespielt werden, wegen angeblicher dauerhafter Unfallgefahr. Konsequenzen: Es entsteht in der Schule ein Schwarzmarkt für Spielsachen. Greg findet dass nicht okay, dass man am Ende gar nicht mehr rennen darf, denn da kann auch was passieren. Die Kinder dürfen nur noch in Zeitlupe spielen. Die Comic-Roman Serie „Gregs Tagebuch“ ist der Hammer! Man kringelt sich auf jeder Seite von neuem vor lachen. Humorvollere Tagebücher wie diese, finden Sie sonst nirgendwo.

Baumhaus, 217 Seiten; 12,99 Euro

Martha Grimes

Die Nacht des Verfolgers

Andi Oliver war 17, als sie in einem Motelzimmer aufwachte und nicht wusste, wer sie war. Sie wusste nur noch, dass jemand ihr etwas Schreckliches angetan hatte. Andi erfand sich neu und stellte ihren Peiniger. Seitdem wandert sie von einer zur nächsten Stadt. Bis sie schließlich in Kingdom, einem verschlafenen Nest in North Dakota, ankommt. Dort fühlt sich Andi auf Anhieb wohl, findet Anschluss und einen Job als Tierpflegerin. Fast will es scheinen, als könne sie endlich zur Ruhe kommen. Doch dann taucht ein ominöser Fremder auf und will Informationen von ihr, die offenbar mit ihrer Vergangenheit zu tun haben. Weiß er, wer Andi wirklich ist? Andie hat es dann mit den falschen Leuten zu tun und muss um ihr Leben fürchten.

Martha Grimes wurde ganz groß durch ihre Inspector-Jury-Krimis. Dort schrieb sie über ein Jahrzehnt hervorragende Krimikost, bevor nach und nach jedes Buch schlechter wurde. Der zuletzt erschienene „All die schönen Toten“ war zumindest wieder etwas erfreulicher. Martha Grimes schreibt aber auch Romane außerhalb dieser Krimiserie. Die Emma-Graham-Reihe war sehr gut, ihre anderen drei Romane so frisch und saftig wie Knäckebrot. Darunter befindet sich auch „Das Mädchen ohne Namen“, der Vorgänger zu diesem Buch. Mit „Die Nacht des Verfolgers“ fährt sie nun voll auf der Knäckebrot-Schiene weiter. Das Buch hat eine durchaus sympathische Heldin, aber diese agiert in einem überdurchschnittlich langweiligen Roman, in dem die Geschichte einem Rinnsaal in einem ausgetrockneten Flussbett gleichkommt. Spannung sucht macht vergebens. Die Geschehnisse bewegen sich auf niedrigem Soap-Niveau. Zum Ende hin blüht die Story dann etwas auf, aber soweit kommt man als Leser nur mit ganz starken Durchhaltevermögen.

Goldmann, 478 Seiten; 19,99 Euro

Karin Slaughter

Tote Augen

Nach dem Tod ihres Ehemanns Jeffery Tolliever fängt Sara Linton in der Notaufnahme des Grady Hospital an zu arbeiten. Sie will Abstand gewinnen. Doch als eine junge Frau in die Notaufnahme eingeliefert wird, sieht sie gleich, dass die Frau nicht durch einen Unfall so zugerichtet wurde. Sie wurde aufs Schlimmste gefoltert und misshandelt. Ermittler Will Trent, der privat bald zwischen drei Frauen steht, und Kollegin Faith Mitchell, die eine vernichtende Nachricht über ihren Gesundheitszustand bekommt, sind entsetzt über den Zustand der unbekannten Frau. Als Trent eine erste Spur verfolgt, stößt er auf eine Folterkammer tief unter der Erde. Und er findet eindeutige Hinweise von einem zweiten Opfer. Aber das ist erst der Beginn von einer sich immer mehr anbahnenden Schreckenskulisse.

Karin Slaughter führt ihre Thriller-Reihen um Sara Linton und Will Trent zusammen. Das hat sie geschickt eingefädelt, so verleiht sie beiden Serien frischen Wind. Sara Lintons letzter Roman war „Zerstört“ und Will Trents letzter Einsatz „Entsetzen“. „Tote Augen“ ist ein intensiv erzählter Thriller, der nicht mit Schockmomenten geizt! Vor allem aber entwickeln sich Slaughters Figuren sehr lebensnah, daher ist man als Leser an den Ereignissen noch näher dran. Man fühlt und leidet auf jeder Seite mit ihnen. Das Buch hat nicht wenige Schlüsselmomente für alle Leser der Serien von Karin Slaughter. Daher dürfen Fans dieses Buch auf keinen Fall verpassen. Aber auch so: Ein Thriller, wie man ihn sich wünscht! Man möchte keine Sekunde missen. Geschrieben von einer der weltbesten Crime-Ladys, Karin Slaughter.

Auch als Hörbuch erhältlich bei Random House Audio, verstörend gut gelesen von Nina Petri, 24,95 Euro.

Blanvalet, 571 Seiten; 19,95 Euro

Sandra Lüpkes

Taubenkrieg

Staranwalt und Vorsitzender des berüchtigten Motorarradclubs „Devil Doves“ Leo Kellerbach ist tot. Doch es gibt keine Leiche, sondern nur eine große Blutlache. Ermittlerin Wencke Tydmers wird in die Szene eingeschleust, unterstützt von LKA-Kollege Bellhorn und Kommissar Sanders, Wenckes Geliebtem. Die drei finden eine Welt für sich vor, in der die deutschen Gesetzte außer Kraft gesetzt sind. Es geht um Macht und Geld. Wencke bringt sich bei den Ermittlungen in höchste Gefahr …
Sandra Lüpkes präsentiert wieder einen Krimi der aufrüttelt und fesselt. Eine Story mitten aus unserem Land, die einen schwer schlucken lässt. Lüpkes Ermittler haben Charakter und Ecken und Kanten. Sandra Lüpkes hat mit „Taubenkrieg“ einen Krimi geschrieben, der einen auf keiner Seite loslässt!

dtv, 315 Seiten; 14,90 Euro

Steve Sam-Sandberg

Die Elenden von Lódz

Nach dem Einmarsch der Deutschen in Polen wird in der Industriestadt Lódz ein jüdisches Getto errichtet. Dort soll der „Judenrat“ über Leben und Tod, Essen und Hunger entscheiden. Hier geschehen Geschichten, zwischen versuchtem normalen und Kriegsalltag.
„Die Elenden von Lódz“ ist ein schockierendes und mahnendes dokumentarisch fiktionales Werk über den Krieg, den Holocaust und seine Folgen. Steve Sam-Sandberg ist mit diesem Roman ein Klassiker der Zweiten-Weltkrieg-Literatur gelungen!

Klett-Cotta, 649 Seiten; 26,95 Euro

Hörbuch der Woche

Julia Franck

Rücken an Rücken

Ostberlin, Ende der 50er-Jahre: Das Geschwisterpaar Ella und Thomas wachsen auf sich selbst gestellt und ohne Zuwendung bei ihrer Mutter, der sozialistisch entflammten Bildhauerin Käthe auf. Ellas Einsamkeit und Thomas‘ Melancholie nimmt sie nicht wahr. Die beiden erfinden ihre eigene Welt aus Aufmerksamkeit und Liebe, doch gegen die Zugriffe der Älteren bietet das keinen Schutz. Als 1961 die Mauer errichtet wird und Thomas in die unglückliche Liebe zu Marie flieht, kann niemand die Tragödie aufhalten.

Eine zarte und zugleich mitreißende und dramatische Geschichte über ein Geschwisterpaar in den Zeiten der Entstehung der DDR. Wie erleben sie die Neugründung des Staates? Was sollten sie tun, was lassen, vor dem Staat, vor den Erwachsenen? Ella und Thomas sind verschieden und versuchen trotzdem einen gemeinsamen Schutzring zu bilden, vor allem auch vor der strengen Käthe, die die Vorgaben des sozialistischen Staates voll verinnerlicht hat. Ein Buch, das die deutsche Seele von damals gut trifft. Julia Franck liest ihren Roman selbst. Sie verleiht der Geschichte dadurch noch mehr Authentizität. Sie gibt Stimmungen und Klangfarben ihrer Geschichte einprägend wieder. Das Hörbuch ist zudem ungekürzt.

Auch als Hardcover erhältlich bei S. Fischer, 19,95 Euro.

der Hörverlag, 9 CDs, 615 Minuten; 29,99 Euro

 

Kolumne Nr. 174 vom 26.12.2011

Mark Seal

Der Mann, der Rockefeller war

2008 sorgte Clark Rockefeller erstmals für Schlagzeilen. Weltweit berichteten die Medien über den spektakulären Fall. Ein Spross des legendären Familienclans hatte seine Tochter entführt und befand sich auf der Flucht. Doch Polizei und FBI standen vor einem Rätsel. Kein Wunder – denn sie suchten nach einem Mann, den es nicht gab. Clark Rockefeller war nur einer der vielen Namen, die sich Christian Karl Gerhartsreiter aus dem oberbayerischen Bergen zugelegt hatte, der als 17jähriger in die USA eingereist war. In jeder neuen Stadt tauchte Gerhartsreiter auch mit einer neuen Identität auf. Er erlangte Zutritt zu den besten Kreisen, gab sich u. a. als Filmstudent, britischer Adeliger und Investmentguru aus. 1995 heiratete er eine vermögende Harvard-Absolventin. 2008 entführte er dann seine Tochter, wurde gefangen und verurteilt. 2013 sollte er entlassen werden, aber am 15.03.2011 wurde er des Mordes an seinem ehemaligen Vermieter angeklagt. Das ist die Geschichte dieses Mannes.

Von Mark Seal ist in diesem Jahr bereits die bewegende Biographie von Joan Root „Ich gab mein Herz für Afrika“ erschienen. Dieses Buch habe ich in meiner Kolumne vom 22.08.2011 besprochen. Nun widmet sich Mark Seal einer ganz anderen „Persönlichkeit“ – dem großen Lügner Christian Karl Gerhartsreiter. „Der Mann, der Rockefeller war“ ist ein packender Kriminalbericht, der unheimlich fesselt und immer wieder überrascht. Es ist eine Geschichte, auf der man auf jeder Seite den Kopf schüttelt und denkt: Wie kann das nur möglich sein? Wie kann man nur mit so viel Schwindel so lange durchkommen? Aber das ist die ungeheure Faszination an diesem Buch, an dem Leben von Christian Karl Gerhartsreiter. Wenn es ein Roman wäre, würde man schreiben, er wäre total übertrieben und unglaubwürdig, aber es ist kein Roman, es ist eine wahre Geschichte. Bei diesem Buch lernt man, wie leicht man die Menschen mit den richtigen Lügen blenden kann. Das Buch erinnert an die ebenfalls wahre Geschichte aus „Catch My If You  Can“, die sehr erfolgreich mit Leonardo DiCaprio und Tom Hanks verfilmt wurde. Auch „Der Mann, der Rockefeller war“ wäre für Hollywood ein optimaler Stoff.

btb, 446 Seiten; 14,99 Euro

Georg Mann

Affinity Bridge

London, 1901. Ein London, das anders ist. Hier regiert Queen Victoria, halb Mensch, halb Maschine. Und der Ermittler der Krone ist: Sir Maurice Newbury. Er wird tatkräftig unterstützt von seiner schönen und forschen Assistentin Veronica Hobbes. Dann wird er zu einem ersten Tatort gerufen, eine Leiche, wie eine weggeworfene Puppe liegt sie da, erwartet ihn. Es ist bereits die siebte offizielle, es sollen aber weitaus mehr sein. Welches Monster treibt da sein Unwesen in Londons Straßen? Doch dieser Fall muss erstmal ruhen, denn im Finsbury Park stürzt das Luftschiff Lady Armitage ab, 50 Tote sind zu beklagen. Menschliches Versagen? Newbury erfährt, dass die Schiffe mechanisch gesteuert werden. Unerhört fortschrittlich in dieser Zeit. Wurde dann die Maschine sabotiert? Was ist der Grund für den Absturz der Lady Armitage?

Der Engländer Georg Mann hat mit dem Newbury und Hobbes ein siedendheißes Ermittlerpaar erschaffen! Auch die Kulisse, in der sie sich bewegen, ist Mann außerordentlich gut gelungen. Aber die Storyline ist nicht „rasend wie ein Schnellzug“, wie der „Guardian“ über das Buch schrieb, sondern die klappert wie ein verrosteter Bummelzug vor sich hin. Die Ermittlung zieht sich, der Roman kommt einfach nicht voran. Die Spannung bleibt da nach und nach auf der Strecke. Was einen am Buch hält, sind Newbury und Hobbes. Die beiden haben es drauf. Aber leider ermitteln sie in einem trägen Roman. Die Welt von Georg Mann ist eine Mischung aus den aktuellen Sherlock-Holmes-Verfilmungen mit Robert Downey jr. und einer Menge fantastischer Elementen. Von dieser Welt und Newbury und Hobbes möchte man auf jeden Fall mehr lesen. Vielleicht ist ihr zweiter Fall „Osiris Ritual“ (erscheint im Februar 2012) ja dann spannend, und nicht nur die Ermittler.

Piper, 446 Seiten; 16,99 Euro

Jeffrey Eugenides

Die Liebeshandlung

Amerika, Anfang der 80iger Jahre. Madeleine Hanna gefällt das Collegeleben, liebt Literatur, vor allem die viktorianischen Romane. Darüber schreibt sie auch eine Arbeit, über die Liebeshandlungen in diesen Geschichten. Aber auch in der Wirklichkeit wird sie mit der Liebe konfrontiert. Mit Leonard Bankhead, Einzelgänger mit viel Elan, verstrickt sich Madeleine in eine erotische und intellektuell aufgeladene Beziehung. Zur selben Zeit taucht ihr alter Freund Mitchell Grammaticus wieder auf. Er denkt, Madeleine sei für ihn bestimmt und er für sie. Nach dem Collegeabschluss ändert sich für die drei einiges. Leonard und Madeleine ziehen nach Cape Code und Mitchell, in Gedanken oft bei Madeleine, reist mit dem Rucksack bis nach Indien. Wie wird es weitergehen mit der Liebe und ihrer ganz eigenen Handlung?

Jeffrey Eugenides hatte mit „Die Selbstmord-Schwestern“ und „Middlesex“ große Bestseller geschrieben. Endlich kehrt er mit „Die Liebeshandlung“ auf die literarische Bühne zurück. Eugenides fängt das Collegeleben der 1980er gut ein. Eine Zeit, in der noch vieles einfacher war. Die Liebe war aber in jedem Jahrzehnt gleich kompliziert. Madeleine ist eine komplexe Frauenfigur, mit dem was sie macht und mit dem was sie denkt. Sie fordert den Leser immer wieder aufs Neue heraus. Manchmal ist sie so einfach gestrickt und dann wieder so kompliziert. Auch Leonard und Mitchell sind Eugenides gut gelungen. Er verleiht den Figuren viele geistreiche Dialoge. „Die Liebeshandlung“ bietet Liebe, Lust, Leidenschaft, Leid und Literatur im Überschwang. Eine frische und zugleich nostalgische Geschichte, mit Themen, die den liebenden und leidenden Menschen immer beschäftigen. Hochwertige und fesselnde Unterhaltungsliteratur. Mit „Die Liebeshandlung“ gelingt Jeffery Eugenides ein neuer Höhepunkt seiner Schaffenskunst!

Rowohlt, 621 Seiten; 24,95 Euro

Haruki Murakami

1Q84. Buch 3

Die Geschichte von Aomame und Tengo geht weiter. Kann Tengo die zwischen Leben und Tod schwankende Aomame retten? Unterdessen wird Aomames Spur von einem gefährlichen Agenten verfolgt.
Der Abschluss eines außergewöhnlichen und modernen Roman-Epos! „1Q84. Buch 3“ ist wie Buch 1 und 2 Extraklasse. Und als Leser fragt man sich verzweifelt: Warum ist dieses Epos nun schon zu Ende? Haruki Murakami verzaubert mit seiner Kunst, Geschichten zu erzählen.

DuMont, 571 Seiten; 24,00 Euro

Daniela Krien

Irgendwann werden wir uns alles erzählen

Maria wird bald 17, wohnt mit Johannes auf dem Hof seiner Eltern. Sie ist zart und verträumt. Liest lieber, als in die Schule zu gehen. Dann, ein Blick, eine Berührung von dem 40jährigen Henner, der auf dem Nachbarhof wohnt, und um Maria ist es geschehen. Kann das gut gehen?
Eine Liebesgeschichte, die berührt und einen trägt, in eine andere Zeit. Eine Liebesgeschichte vom Lande, die sich von der Großstadt unterscheidet. „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“ ist in einer eloquenten Sprache erzählt, die treffender nicht sein kann.

Graf, 235 Seiten; 19,99 Euro

Hörbuch der Woche

Patrick Ness und Siobhan Dowd

Sieben Minuten nach Mitternacht

Es fällt immer schwer, einen geliebten Menschen loszulassen. Dem Tod ins Auge zu blicken. Es ist sieben Minuten nach Mitternacht. Wie jede Nacht quält Conor ein Alptraum, seit seine Mutter unheilbar an Krebs erkrankt ist. Doch diese Nacht klopft etwas an sein Fenster und ruft seinen Namen: ein Wesen, das wie niemand sonst Conors Seele und seine geheimsten Ängste kennt. Von da an kommt das Wesen Nacht für Nacht, Conor begreift, dass es der einzige Freund ist, der ihm in den schwersten Stunden seines Lebens zur Seite steht. Denn Conor wird zerrissen von der einen Frage, die er sich nicht zu denken und nicht auszusprechen wagt. Der Frage, ob er seine Mutter, die er über alles liebt, loslassen darf? Ob er sie nicht gar loslassen muss, um selbst nicht verloren zu sein?

Ein Wunder von einem Buch! Es gibt die Kraft wieder, die Geschichten in sich haben. Geschichten können einem die Möglichkeit geben, etwas zu erreichen, das unerreichbar erscheint. Sie können Seelentröster sein. Das Unerreichbare ist hier, Abschied zu nehmen, den Tod eines geliebten Menschen zuzulassen. „Sieben Minuten nach Mitternacht“ ist ein weises Stück Literatur, das voller düsterer, märchenhafter Momente steckt. Es berührt, schüttelt einen durch und am Ende kann man seine Tränen nicht mehr zurückhalten. Die Geschichte der Autoren Patrick Ness und vor allem Siobhan Dowd passen zur Geschichte. Dowd starb 2007 nach einer schweren Krebserkrankung. Patrick Ness macht aus Dowds Idee nun ein Buch, das einem lange in Erinnerung bleibt. Deutschlands beliebteste „Tatort“-Kommissarin Maria Furtwängler bereitet dem Hörer einen seltenes Vergnügen, denn Frau Furtwängler las praktisch bisher keine Hörbücher. Nach „Sieben Minuten nach Mitternacht“ weiß man, sie sollte es öfter tun. Sie verleiht mit ihrer schauspielerischen Klasse der Geschichte viel Ausdruck und gibt den Figuren ein eigenständiges stimmliches Gesicht. 

Auch als Hardcover erhältlich bei Goldmann und cbj, je 16,99 Euro.

der Hörverlag, 4 CDs, 276 Minuten; 19,99 Euro