Kolumne Nr. 180 vom 06.02.2012

Jussi Adler-Olsen

Das Alphabethaus

1944. Nach einem Flugzeugabsturz über deutschem Territorium retten sich die beiden britischen Soldaten Bryan und James in einen Lazarettzug der verletzte deutsche Soldaten von der Ostfront nach Hause bringt. Sie nehmen die Identität von deutschen Offizieren, nur James hatte in Cambridge Deutsch studiert, Bryan versteht nichts. Sie landen als Patienten im Alphabethaus, einem Krankenhaus in der Nähe von Freiburg. Bryans und James’ einzige Chance, dort zu überleben, besteht darin, sich selbst als psychisch krank auszugeben. Können Sie es schaffen, nicht entdeckt zu werden? 1972. Freiburg. Viele Jahre sind vergangen, aber die Ereignisse von damals werden durch eine Entscheidung wieder ans Tageslicht geholt, mit ungeahnten Folgen.

Jussi Adler-Olsen beherrscht mit seinen Thrillern um Carl Mørck die deutsche Bestsellerliste nach belieben. Doch Adler-Olsen hat schon vor dieser Thriller-Reihe schriftstellerisch Großartiges vollbracht – „Das Alphabethaus“. Endlich gibt es dieses Literatur-Juwel auf Deutsch! Das Buch ist erstmals 1997 in Dänemark veröffentlicht worden. Jussi Adler-Olsen ist ein Autor von Weltformat! Mit „Das Alphabethaus“ stellt er das eindrucksvoll unter Beweis. Ein Buch über Freundschaft, Liebe und Rache, die Leiden des Krieges, dem was der Krieg aus Menschen macht, den unbedingten Willen zu überleben und über das, was man nie vergessen kann. Das Buch ist an Spannung nicht zu überbieten. Atemlos verfolgt man die Geschichte. Jussi Adler-Olsens eingängiger Stil und sein großes Können als Geschichtenerzähler machen seine Bücher zu Lesemagneten. „Das Alphabethaus“ ist ein dramatischer Thriller, der sich liest wie eine spektakuläre Hollywood-Verfilmung auf „Oscar“-Niveau. Absolut sensationell!

dtv, 589 Seiten; 15,90 Euro

Massimo Carlotto

Banditenliebe

2004. Im rechtsmedizinischen Institut der Stadt Padua verschwinden 44 Kilo Heroin. Das führt zu großer Unruhe sowohl bei der Polizei als auch bei der Mafia. Marco Buratti, Privatdetektiv ohne Lizenz, soll in dem Fall ermitteln. Gemeinsam mit seinen Partnern, dem Schmuggler und Hobby-Killer Beniamino Rossi, und dem übergewichtigen Ex-Aktivisten Max la Memoria versuchen sie, den Fall zu lösen. Zwei Jahre später wird Rossis Freundin, die Bauchtänzerin Sylvie, entführt. Buratti und seine Freunde erfahren bald, dass die Entführung im Zusammenhang mit dem Drogenraub steht. Als sie Sylvie befreien können, stellen Sie fest, dass sie über Monate brutal vergewaltigt wurde und dass die berüchtigte kosovarische Mafia hinter der Entführung steckt.

Massimo Carlotto wurde in den 1970ern zu Unrecht wegen Mordes verurteilt, nach fünfjähriger Flucht und einer Gefängnisstrafe von sechs Jahren wurde er 1993 begnadigt. Keine normale Vita für einen Autor. Mittlerweile ist Carlotto einer der erfolgreichsten Schriftsteller Italiens. Mit „Banditenliebe“ feuert er wie mit einer Maschinenpistole die Geschichte auf seine Leser ab. Diesen bleibt kaum Zeit sich zu sortieren, schon hat die Geschichte wieder einen Haken geschlagen, der ihr aber keineswegs gut tut. Der Roman springt vom Jahr 2006 ins Jahr 2004, um dann flugs von 2006 auf 2008 ins Jahr 2009. Diese Zeitsprünge sind okay, wenn der Roman 500 Seiten und mehr hat, aber nicht bei 187 Seiten. Ein ordentlicher Geschichtsfluss kommt hier nie zustande, der Roman ist total zerrissen. Auch die Figuren bleiben merklich flach, außer den Namen erfährt man nicht sehr viel. Massimo Carlotto hat eine flotte Schreibe, allerdings setzt er diese nicht dafür ein, eine Geschichte zu schreiben, die einen fesselt.

Tropen, 187 Seiten; 17,95 Euro

Arno Strobel

Das Skript

Studentin Nina Hartmann bekommt per Post einen Rahmen geschickt, auf dem menschliche Haut aufgespannt wurde. Auf der Haut steht ein Text. Die Hamburger Polizei geht derweil dem Verschwinden der Verlegertochter Heike Kleenkamp nach, schon bald erkennen sie den Zusammenhang mit der menschlichen Haut. Stammt diese von Heike? Die ermittelnden Kommissare  verdächtigen den früheren Bestsellerautor Christoph Jahn: In dessen Roman „Das Skript“ schneidet ein Serienkiller jungen Frauen die Haut vom Körper, um darauf den Anfang seines Romans, der von allen Verlagen abgelehnt worden ist, auf grausige Weise neu zu schreiben. So erhofft er sich die Aufmerksamkeit für sein Werk, die es seiner Meinung nach verdient hat. Jahn ist entsetzt, was erneut aus seinen Krimis gemacht wird. Denn vor Jahren hat ein geisteskranker Fan in Köln bereits Morde so begangen, wie Jahn es in einem seiner anderen Romane geschrieben hat. Der Täter wurde nie gefasst. Ist dieser nun erneut am Werk, um Jahn Beachtung in den Medien zu verschaffen?

Arno Strobel ist der deutsche Harlan Coben! Die Storys von Strobel haben viel von denen des amerikanischen Weltbestseller-Autors. Präzise, ausgefeilte und verflucht spannende Thriller-Literatur! „Das Skript“ ist nach „Der Trakt“ und „Das Wesen“ sein dritter Psychothriller, und er steht den innovativen Vorgängern in nichts nach. „Das Skript“ ist eine höllische gemeine Story, die aus dem Literaturbetrieb eine höchst blutige Angelegenheit macht. Aber zu Strobels fein ausgetüftelten Geschichten kommen immer auch noch Charaktere hinzu, die sehr lebensnah dargestellt sind. Das macht seine Psychothriller noch glaubwürdiger und noch beängstigender. In „Das Skript“ stechen da  vor allem das Kommissar-Team Andrea Matthiesen und Stephan Erdmann heraus.

Auch als Hörbuch erhältlich bei Argon Hörbuch. Sascha Rotermund verleiht mit seiner Thriller-Stimme der Geschichte den passenden Ton. 19,95 Euro.

Fischer, 382 Seiten; 8,99 Euro

Giles Blunt

Eismord

Enthauptete Leichen lassen Detective Cardinal seine Probleme verdrängen. Seine Ermittlungen ergeben, dass es sich um US-Bürger mit russischer Herkunft handelt, die im Pelzgeschäft waren und regelmäßig zur großen Auktion nach Algonquin Bay kamen. Ein Geschäft, das nicht ganz sauber ist …
Der Kanadier Giles Blunt gehört zu den eiskaltesten Thriller-Autoren weltweit! Das liegt nicht nur an seinen Stoffen, sondern auch daran, wo seine Thriller spielen – im schneereichen Kanada. „Eismord“ ist der fünfte Thriller um Detective John Cardinal, ein zur Umgebung passender Charakter. Der Fall ist intelligent, interessant und voller Fallen. „Eismord“ – eisig gute Thriller-Kost!

Auch als Hörbuch erhältlich bei Lübbe Audio. Präzise gelesen von Blunt-Stammleser Olaf Pessler. 19,95 Euro.

Droemer, 412 Seiten; 19,95 Euro

Brent Weeks

Schwarzes Prisma

Gavin Gauile ist der Hohe Lord Prisma, der mächtigste Mann der Welt. Ein Mann, der dank seiner Macht, seiner Intelligenz und seines Charmes der Garant für Frieden ist. Aber Gavin hat nur noch fünf Jahre zu leben. In dieser Zeit muss er seine fast unmöglichen Pläne umsetzen. Da erfährt er, dass ihm weit entfernt einst ein Sohn geboren wurde. Der Junge ist in Gefahr. Für Gavin steht nun eine schwere Entscheidung an, der das Reich zerreißen kann.
Brent Weeks hat mit seiner „Schatten“-Trilogie das Fantasy-Genre bereits mächtig bereichert. Nun liegt der erste Teil seiner „Licht“-Trilogie vor, „Schwarzes Prisma“. Hochkarätige Fantasy mit fesselnden Figuren, einer frischen Story, packender Action und vielen Überraschungen.

Blanvalet, 797 Seiten; 15,00 Euro

Hörbuch der Woche

Lynn Raven

Blutbraut

Lucinda Moreira hat nur ein Ziel, die Flucht vor Joaquín de Alvaro. Denn Lucinda ist eine „Blutbraut", und nur sie kann den mächtigen Magier davor bewahren, zum Nosferatu zu werden. Dazu müsste sie ihm ihr Blut geben und sich auf ewig an Joaquín de Alvaro binden, der für sie die Verkörperung alles Bösen scheint. Doch dann tritt genau das ein, wovor sie sich fürchtet: Gerade als Lucinda sich erstmals verliebt hat, und zwar in den charmanten Cris, wird sie entführt und auf das Anwesen Joaquíns gebracht. Lucinda ist in eine Falle gelaufen, denn Cris ist kein anderer als Joaquín de Alvaros Bruder, und auch er sucht eine Blutbraut. Damit nicht genug, begehren noch weitere Lucindas Blut, und sie gerät in höchste Gefahr.

Das Romantic-Mystery-Genre und Dark-Fantasy-Genre hat mit Lynn Raven eine neue Autorin hinzubekommen, vor der man noch sehr viel lesen wird! Seit einigen Jahren ist sie in diesen Genres nun beheimatet und hat jetzt mit „Blutbraut“ einen Bestseller gelandet, der die Leserinnen und Leser zu Begeisterungsstürmen hinreißt. „Blutbraut“ ist leidenschaftlich, fesselnd, ungemein anziehend und verhext spannend. Lucinda ist eine Figur, der man von Anfang an folgt und ihr Schicksal teilt. Marie Bierstedt, die deutsche Stimme von Kirsten Stewart (Bella aus „Twilight“) liest verführerisch und hingebungsvoll. So leidenschaftlich wie Lynn Raven die Figur der Lucinda angelegt hat, so leidenschaftlich liest Marie Bierstedt diese auch. Sie geht vollkommen in der Figur auf. Begleitet wird Bierstedt von den Sprechern Adam Nümm und Gerald Paradies.

Auch als Hardcover erhältlich bei cbt, 14,99 Euro.

Der Hörverlag, 6 CDs, 438 Minuten; 19,99 Euro

Kolumne Nr. 181 vom 13.02.2012

Stephen King

Der Anschlag

Lehrer Jake Epping ist ganz zufrieden mit seinem Leben, bis sein Bekannter Al Templeton ihm ein großes Geheimnis enthüllt: Er kennt ein Portal, das ins Jahr 1958 führt. Al kann Jake für eine Mission gewinnen. Jake soll in die Vergangenheit zurückkehren und das Attentat auf John F. Kennedy vereiteln, um den Gang der Geschichte positiv zu korrigieren. Jake probt das Ganze und verhindert so schon einen Amoklauf an einer Familie. Er hat die Geschichte geändert, nun ist er bereit für die große Mission. Jake fühlt sich in den 1950-ern schnell wohl, er liebt das einfache Leben und die freundlichen Menschen. Doch sein Ziel ist Lee Harvey Oswald. Aber Jake verliebt sich in die Bibliothekarin Sadie Dunhill. Eine Liebe, die für Jake alles bedeutet. Je näher Jake seinem Ziel kommt, den Mord an Kennedy zu vereiteln, desto mehr wehrt sich die Vergangenheit dagegen. Jake und Sadie bekommen das gnadenlosen zu spüren.

Ein vielschichtiges Meisterwerk! Genial! Der amerikanische Originaltitel des Buches lautet „11/22/63“. Ein Datum, an dem die Welt den Atem anhielt. Viele sagen, die Welt wäre eine bessere geworden, wäre das Attentat nicht passiert. Der Meister des modernen Horrors gibt darauf seine ganz eigene Antwort. Was Stephen King mit „Der Anschlag“ präsentiert, ist ganz große Erzählkunst. Er vereint das Übernatürliche gekonnt mit gesellschaftlich wichtigen Themen. Es entsteht ein wahnsinnig spannendes Leseerlebnis. Jakes Erlebnis in den 1950-ern und 1960-ern sind skurril, eigenwillig, geschichtlich sehr interessant. Vor allem über Lee Harvey Oswald erfährt man eine Menge. Und Stephen King beweist, dass er ein großer Romantiker ist. Die Lovestory von Sadie und Jake ist einfühlsam, zartbitter und voller Dramatik. Sind 1056 Seiten zu viel? Nicht bei dieser Geschichte. Hier sind es eindeutig zu wenig. Einer von Stephen Kings besten Romanen! Und das will was heißen, bei der Anzahl an unvergesslichen Werken.

Auch als MP3-Hörbuch erhältlich bei Random House Audio. David Nathan und Stephen King sind ein erstklassiges Team! Nathans Stimme passt einfach perfekt zu Kings Geschichten. 29,99 Euro.

Heyne, 1056 Seiten; 26,99 Euro

Andrea Camilleri & Carlo Lucarellidaumen_runter

Das süße Antlitz des Todes

Bologna. Ein Goldfisch steckt in der Kehle der Leiche eines Spediteurs, die in einer Wohnung aufgefunden wird. Der Mann liegt in einer Wasserlache, er wurde mit einem Plastikbeutel erstickt. Polizeihauptinspektorin Grazia Negro weiß nicht weiter, da das Opfer aus Vigàta stammt, der Heimat Commissario Montalbanos, bittet sie ihren sizilianischen Kollegen um Hilfe. Er will zuerst nichts damit zu tun haben, aber als er sich mit dem Fall vertraut macht, ist sein Spürsinn geweckt. Grazia wird kurz darauf von höchster Stelle jedes weitere Eingreifen untersagt, sie ahnt, dass sie und der Commissario es mit einer hochbrisanten Angelegenheit zu tun haben. Und tatsächlich versucht ein mächtiger Gegner mit allen Mitteln, sie von der Wahrheit abzubringen.

Ohne den Namen Andrea Camilleri, hätte dieses Buch nicht mal den Duft einer Druckerpresse geschnuppert, es wäre dem Autor wieder übergeben worden, mit der Bitte, schreiben zu lernen. Warum? Dieses Buch ist kein Krimi, sondern nur eine Aneinaderreihung von Briefen der Hauptfiguren. Lesefluss entsteht hier überhaupt nicht, Spannung kommt kaum auf, da man den Fall ja nur bruchstückhaft dargebracht bekommt. Die Figuren haben natürlich überhaupt kein Leben, das liegt an der Form des Buches und an der außerordentlichen Kürze von 101 Seiten, die noch weniger wären, wenn man die großzügige Setzung miteinrechnen würde. Der in Deutschland sehr beliebte Commissario Montalbano hat eine große Leserschaft, aber mit mehreren solcher Bücher, vergrault er sich diese ganz schnell.

Kindler, 110 Seiten; 16,95 Euro

Bill Brysondaumen_rauf

Eine kurze Geschichte der alltäglichen Dinge

Billy Bryson wohnt in einer alten Pfarrei im britischen Norfolk. Er stellt sich die Frage, warum sein Heim eigentlich so aussieht, wie es aussieht. Und so beginnt seine Reise durch die Geschichte der alltäglichen Dinge. Hinter jeder Tür verbirgt sich eine andere Entdeckung, zu jedem Alltagsgegenstand gibt es eine oft verblüffende Erklärung, und immer wieder ergeben sich neue Fragen, die Billy Bryson natürlich unbedingt beantwortet wissen will. Warum haben wir uns eigentlich irgendwann entschieden, das Haus in verschiedene Zimmer einzuteilen, warum benutzen wir Salz und Pfeffer als Hauptwürzmittel und nicht Chili und Zimt? Und warum heißen Dinge so, wie sie nun einmal heißen? Bill Bryson weiß auf alles eine Antwort.

Bill Bryson ist der Gott unter den Sachbuch-Autoren! Keiner hat weltweit mehr Erfolg als er. Er versteht es, seine Leser immer wieder zu begeistern. Mit großen Augen und offenem Mund verfolgt man seine Geschichten um das Wissen der Welt. Wissen, das Bryson ausgräbt und in schönen kleinen Happen seinen Lesern serviert. Mit „Eine kurze Geschichte der alltäglichen Dinge“ setzt er dieses Können bravourös fort. Dieses Buch ist eine Schatztruhe, gefüllt mit Wissen, das man aufsaugt wie ein Schwamm. Hier erfährt man, wie die Menschen angefangen haben, in Siedlungen zu leben, in Steinbehausungen bis zum heutigen Haus;  was englische Landpfarrer im 19. Jahrhundert alles für unglaubliche Sachen erfunden haben; dass der Mensch schon früh den Mais erfand; wie er zum Brot; wie sich das Haus im laufe der Jahrhunderte verändert hat; wie wichtig die Erfindung von Eis für die wirtschaftliche Weiterentwicklung war; wie Öl entdeckt wurde und welche Köpfe hinter der  Erfindung der Elektrizität stehen, die das Leben der Menschen vereinfachte und verbesserte; wie vor knapp 300 Jahren die ersten schönen Sitzmöbel Einzug in die Häuser hielten; wie Amerika entdeckt wurde; wie der Tee und Kaffee nach Großbritannien kam; und noch so vieles mehr. Sie wollen ein Buch lesen, dass Sie schlau macht? Dann lesen Sie „Eine kurze Geschichte der alttäglichen Dinge“. Mit diesem Wissen können Sie auf jeder Veranstaltung oder Treffen mit Bekannten auftrumpfen.

Goldmann, 638 Seiten; 24,99 Euro

Charlaine Harris

Vampire und andere Kleinigkeiten

Sookie hat in Bon Temps wieder viel um die Ohren. Nach einem Mord an einem Elfendrilling soll Sookie helfen, den Schuldigen zu finden. Eric lädt Sookie ins Fangtasia ein, um dort Draculas Geburtstag zu feiern. Doch ist der dort anzutreffende Dracula wirklich der echte? Nur zwei von fünf Storys in diesem Buch.
Charlaine Harris gehört zu den weltweiten Kult-Autorinnen! Sookie Stackhouse gehört zu DEN literarischen Kultfiguren des neuen Jahrtausends. Kult, wo man nur liest. Aber Harris hat dieses Prädikat absolut verdient. Nicht zuletzt die faszinierende Fernsehserie „True Blood“ machte aus Sookie eine der populärsten Figuren der modernen Fantasy. „Vampire und andere Kleinigkeiten“ vereint fünf Kurzgeschichten, davon bisher drei nicht in Deutschland veröffentlichte. Sex, Blut, Kreaturen, Verrücktheiten wohin man schaut. Ein Horrorschocker? Nein, das humorvolle Universum der Sookie Stackhouse.

dtv, 185 Seiten; 7,95 Euro

Matt Potter

Tödliche Fracht

Russische Piloten mit ihren riesigen Transportflugzeugen sind Teil eines Schmugglerrings. Ehemalige Piloten der Roten Armee fliegen mit ihren Iluschins und Antonows nicht nur Hilfsgüter, sondern auch Waffen und Drogen. Matt Potter verfolgt diese Frachtwege. Seine Recherche reicht aber darüber hinaus, führt von Russland über Ex-Jugoslawien, Afrika, Arabischer Golf, Afghanistan über Zentralamerika.
Der englische BBC-Reporter Matt Potter hat mit diesem Buch sein Leben riskiert, denn was er da machte und bei wem und wo er recherchierte, das ist lebensgefährlich. Umso authentischer, dramatischer und beängstigender liest sich dieses Buch. Man erfährt z. B. auch, das al-Qaida sich u. a. mit dem Verkauf von plagiierten CDs, T-Shirts und DVDs finanziert hat. Das kann jedem zu denken geben. „Tödliche Fracht“ ist eine siedendheiße Lektüre, die ein Bild unserer heutigen Zeit widerspiegelt. Denn wenn es keine Abnehmer gäbe, würde der Schmuggel von alleine aufhören.

Econ, 399 Seiten; 18,00 Euro

Hörbuch der Woche

Paulo Coelho

Aleph

Schriftsteller Paulo will nicht mehr allein sein, das Schreiben hat ihn von der Gesellschaft abgekapselt. So macht er bei der nächsten Buchmesse viele Lesetermine bei den Verlegern ferner Länder, sehr zum Unmut seiner Agentin. Aber dort findet Paulo wieder den Blick auf die Welt. Er erfüllt sich einen Wunsch, eine Reise in der Transsibirischen Eisenbahn. Es begleitet ihn auch eine junge Frau, die ihm etwas aufzeigen will, Paulo fühlt sich oft von ihr genervt. Doch irgendwann erregt sie Paulo. Auf der langen Reise sammelt Paulo nicht nur Eindrücke der kargen Landschaft, sondern findet sich auch hin und wieder in einem Paralleluniversum wider. Er erkennt die Chance, eine alte Schuld zu bewältigen und sein Leben noch einmal neu zu beginnen.

Paulo Coelho öffnet einem wieder den Blick für Neues. Er will einem aus einem psychischen Kerker befreien und sagen, brich auf und sehe die Welt neu, so wirst auch du dich neu sehen. Paulo Coelho lädt einen ein mit ihm die Reise in der Transsibirischen Eisenbahn zu machen und Erfahrungen, Einsichten und Weitsichten von ihm zu erfahren. Jede Sekunde verändert sich das Leben, will man dem folgen, muss man etwas dafür tun. Manchmal schweift Paulo in die höchsten Sphären der Spiritualität ab, was die einen still genießen, ist für die anderen eine Fantasy-Geschichte. Vor allem die Geschichte außerhalb der Spiritualität, Paulos Schriftstellerleben und die Reise in der Transsibirischen Eisenbahn bereiten große Freude sie zu lesen und zu hören. Diesen Erzählungen folgt man sehr gerne. „Aleph“ ist wohl einer der persönlichsten Bücher von Paulo Coelho. Sven Görtz liest Paulo Coelho ruhig und weich, wie wenn kleine Wellen langsam an einem Strand ausrollen. Er hastet nie, so dass man bei der Lesung immer ruhiger wird und in die Welt von Paulo Coelho eintauchen kann.

Auch als Hardcover erhältlich bei Diogenes, 19,90 Euro.

Diogenes Hörbuch, 7 CDs, 514 Minuten; 29,90 Euro

Kolumne Nr. 182 vom 20.02.2012

Ally Condie

Cassia & Ky 2 – Die Flucht

Cassia gelingt mit viel Glück die Flucht in die Äußeren Provinzen, dort will sie nach Ky suchen, ihrer großen Liebe. Für Ky ist das Leben dort hart, er ist als Soldat für die Gesellschaft tätig und er muss immer auf der Hut vor Feinden und deren Angriffen sein. Als Cassia endlich auf eine Spur von Ky stößt, ist er bereits mit Freunden entkommen und auf dem Weg in die wilden Canyons in den Grenzgebieten. Cassia ist verzweifelt, macht sich aber auf den lebensgefährlichen Weg dorthin. Ihr steht Indie bei, die Cassia eine Stütze ist. Was wird sie am Ende der ihr bekannten Welt finden? Zwischen steinigen Schluchten und staubigen Pfaden sucht Cassia nicht nur nach Ky  –  sondern auch nach sich selbst.

Ally Condie hat letztes Jahr mit „Cassia & Ky 1 – Die Auswahl“ einen sensationellen Bestseller gelandet. Die Geschichte einer großen Liebe inmitten einer beängstigenden Zukunftsvision, ist auf mehrere Bücher angelegt, die Fortsetzung liegt nun mit „Cassia & Ky 2 – Die Flucht“ vor. Cassias verzweifelte Suche lässt kein Leserherz kalt. Condie lässt Cassia in einer atmosphärischen Landschaft agieren, bei der sich die Autorin von ihrer Heimat Utah inspirieren ließ. Das Lesen wird zum Erlebnis. Ally Condie weiß mit ihrem klaren Schreibstil zu fesseln und gewinnt einen so schnell für ihre Geschichte. Wer dachte, die Fortsetzung kann mit dem überragenden ersten Teil nicht mithalten, der hat sich geirrt. „Cassia & Ky 2 – Die Flucht“ ist leise, feinfühlig und erweitert den Kosmos um die Figuren enorm. Die Liebesgeschichte um Cassia und Ky, ist eine Liebegeschichte des neuen Jahrtausends. Eine junge und moderne Science-Fiction-Oper, die ihresgleichen sucht!

Auch als MP3-Hörbuch erhältlich bei Argon Hörbuch. Josefine Preuß liest wieder zuckersüß und samtweich die Cassia, den Ky spricht Schauspieler Jacob Weigert. 16,95 Euro.

FJB, 455 Seiten; 16,99 Euro

Gisbert Haefs

Das Labyrinth von Ragusa

Venedig, 1538. Nach bewegten Jahren, in denen Jakob Spengler die Mörder seiner Eltern suchte, ist Ruhe in seinem Leben eingekehrt. In der Lagunenstadt hat er sich mit seiner Frau Laura und den gemeinsamen Kindern ein neues Leben aufgebaut. Doch dann dringt der Admiral des osmanischen Sultans mit einer mächtigen Flotte im westlichen Mittelmeer vor und bringt Venedigs Seehandel zum Erliegen. Ein Schlag für die Venezianer. Sie sind verzweifelt und benötigen unbedingt genaue Informationen über die Vorgänge auf dem Balkan. Da erhält Jakob Spengler den Auftrag, nach Ragusa, dem heutigen Dubrovnik, zu reisen, um dort dem rätselhaften Schicksal einiger verschollener Mittelsmänner auf die Spur zu kommen. Und im Labyrinth der Hafenstadt stößt Spengler auf den Mann, der einst der Drahtzieher für die Ermordung seiner Eltern war. Für Spengler beginnt ein harter Kampf.

Gisbert Haefs hat die Bestseller „Hannibal“, „Alexander“ und „Troja“ geschrieben. Das waren historische Romane zum genießen. Nach „Die Rache des Kaisers“ ist „Das Labyrinth von Ragusa“ nun der zweite Roman mit der Figur Jakob Spengler. In weiten Teilen liest sich der Roman wie ein historisches Sachbuch, die ermüdenden Dialoge passen sich der absolut unspektakulären Geschichte an. Bis der Roman wenigstens etwas an Fahrt gewinnt, hat man bereits 80 Seiten hinter sich. Dann kommt etwas Spannung auf und die Geschichte bekommt einige Turbulenzen. Historisch eintauchen kann man in die Story kaum, da die 348 Seiten zu wenig sind für einen bunten und detailreichen historischen Roman. „Das Labyrinth von Ragusa“ ist nicht mehr als ein kleiner Irrgarten, bei dem einem schnell die Langeweile übermannt.

Page & Turner, 348 Seiten; 19,99 Euro

George R. R. Martin

Zeit der Krähen

Der Krieg hat Verwüstung über Westeros gebracht. Den Starks, den Baratheons, den Lennisters und den Graufreunds wurde viel abverlangt. Die Mutter des Kindkönig Tommen Baratheon, Regentin Cersei Lennisterm ist nach dem Tod ihres Vaters Lord Tywin damit beschäftigt, ihre Macht zu erhalten und sich gegen zahlreiche Rivalen zu verteidigen. In Dorne verlangen die Sandschlangen, die Töchter von Prinz Oberyn Martell, Rache für den Tod des Prinzen. Und Prinzessin Arianne, Fürst Dorans Tochter, verfolgt eigene gefährliche Pläne. Auf den Eiseninseln brachen nach dem Tod von König Balon Graufreund Nachfolgestreitigkeiten aus, während Brienne, die Jungfrau von Tarth, eine Mission verfolgt, die von Beginn an zum Scheitern verurteilt zu sein scheint. Die Zeit der Krähen bricht an. Nur eine starke Hand kann den Untergang des Reiches stoppen.

„Zeit der Krähen“ ist der siebte Teil der Fantasy-Saga „Das Lied von Eis und Feuer“. Es gibt mehrere Fantasy-Epen, die einen begeistern und von deren Welt man sich nicht mehr trennen will. Die Saga von „Das Lied von Feuer und Eis“ steht über diesen. George R. R. Martin schreibt seit 1996 an diesem sagenhaften Werk. Wenn man heldenhafte Spannung will, gepaart mit einer Welt, der man sich nicht entziehen kann, und Figuren, die so voller Leben stecken, dann kommt man an diesem Fantasy-Meisterwerk nicht vorbei. „Zeit der Krähen“ überzeugt mit bekannten Tugenden. Martin stellt hier die beiden Figuren Brienne und Cersei in den Mittelpunkt. Sie müssen unterschiedliche Prüfungen und Abenteuer bestehen. Es kommt nie Langeweile auf, Martin gestaltet diesen Band sehr abwechslungsreich. George R. R. Martin packt in jeden Satz höchste Fantasy-Kunst. „Zeit der Krähen“ ist zum ersten Mal im Juni 2006 erschienen und kommt nun als schön ausgestaltete Neuauflage wieder auf den Markt. Der achte Band „Die dunkle Königin“ (erstmals im November 2006) erscheint im April 2012, bevor dann im Mai 2012 mit „Der Sohn des Greifen“ ein neuer Band erscheint. Die Fans zählen schon die Tage. Freuen kann man sich auch auf die meisterhafte Serienverfilmung dieser Saga „Games of Thrones“ mit „Herr-der-Ringe“-Star Sean Bean in der Hauptrolle. Diese erscheint am 30.03.2012 auf DVD und BluRay.

Blanvalet, 574 Seiten; 15,00 Euro

Frederick Taylor

Zwischen Krieg und Frieden

zkufDie Besetzung und Entnazifizierung Deutschlands 1944 bis 1946, davon handelt dieses Buch. Die Kriegsmaschine der Deutschen war besiegt, aber das Land war noch nicht rein von der national-sozialistischen Ideologie. Diese sollte nun schnellstens aus dem Leben der Deutschen verschwinden. Hier gab es für die alliierten Streitkräfte viel zu tun, bis 1946 den Westdeutschen die Wiedererlangung der staatlichen Souveränität in Aussicht gestellt wurde.
Der Engländer Frederick Taylor hat schon mit „Die Mauer 13.08.1961 bis 09.11.1989“ sein Können als Sachbuchautor deutscher Geschichte bewiesen. Mit „Zwischen Krieg und Frieden“ ist ihm ein Schlüsselbuch gelungen, das aufzeigt, wie schwierig es war, nach dem Sieg der Alliierten ein Deutschland zu erschaffen, das bereit war, für ein freies und gerechtes Europa. Ein bemerkenswertes Buch, das in keiner Diskussion um die Zeit nach Kriegsende fehlen darf.

Berlin Verlag, 519 Seiten; 28,00 Euro

Lesley Turney

Die fremde Frau

Sarah trifft in ihrem Urlaub den undurchsichtigen Alexander. Beide tragen noch die Last der vorherigen Beziehungen mit sich herum. Sarah wagt mit Alex in einem Dorf einen Neuanfang. Hier kannte man Alex’ Frau. Sie war wunderschön, nahezu perfekt, und plötzlich war sie verschwunden? Wohin? Hat Alex etwas damit zu tun? Sarah steht an einem Abgrund, in den sie zu stürzen droht.
Hier trifft Daphne Du Maurier auf Kate Morten! „Die fremde Frau“ steckt voller Geheimnissen, unheilvollen Überraschungen und leidenschaftlichen Liebschaften. Die Engländerin Lesley Turney überzeugt mit ihren 74 spannenden Kapiteln.

Pendo, 476 Seiten; 19,99 Euro

Hörbuch der Woche

Bülent Ceylan

Die Box

Bülent Ceylan gehört zu den lustigsten Söhnen Mannheims. Er hat einen umwerfenden Humor und auch musikalisch einiges drauf. Mittlerweile füllt er in ganz Deutschland große Hallen und dort bleibt bei den Zuschauern kein Auge trocken. Bülent Ceylan ist aber nicht nur Bülent Ceylan, sondern er verwandelt sich in ganz unterschiedliche Figuren, jede mit einem anderen Hintergrund. Jede seiner Figuren hat dann auch viel zu erzählen. Diese Box enthält drei seiner Programme, halb getürkt (2006), Kebabbel net (2008) und Ganz schön turbülent (2010).

Bülent Ceylan ist eine Wunderwaffe gegen schlechte Laune! Der türkische Deutsche hat so viele Dialekte und Figuren drauf, man meint, man ist auf einem Comedy-Festival mit vielen Gag-Künstlern. Seine Figuren sind der „Aufpassen“-Checker Hasan, der Supermarkt-Familievater Aslan, die leisen und lauten Harald und Mompfreed und die Pelzverkäuferin und die Nase hoch tragende Anneliese. An den drei Programmen merkt man, wie Bülent Ceylan komisch gewachsen ist an seinen Programmen. Die Gags sind im 2010er Programm mit noch mehr Hintergrund versehen. Besonders gelungen sind praktisch alle Stücke in denen Hasan und Aslan vorkommen, aber auch Anneliese ist eine Starke Nummer. Diese hat ihren besten Auftritt im 2010er Programm.

Random House Audio, 3 CDs, 210 Minuten; 19,99 Euro

Kolumne Nr. 183 vom 27.02.2012

Nicci French

Blauer Montag

Psychotherapeutin Frieda Klein kommt auf Umwegen zu dem Patienten Alan Dekker. Alan will eigentlich gar keine Therapie, lässt sich dann aber doch auf Frieda ein. Das Patientenverhältnis beginnt. Als der 5-jährige Matthew verschwindet, ist London entsetzt. In den Zeitungen erscheint sein Bild, Frieda kann es kaum glauben: Matthew gleicht bis ins Detail dem Wunschkind ihres verzweifelten kinderlosen Patienten Alan Dekker. Ist dieser Mann ein brutaler Psychopath? Warum hat sie das als Therapeutin nicht schon vorher bemerkt? Zusammen mit Detective Chief Inspector Malcom Karlsson stößt Frieda auf Parallelen zum Verschwinden eines Mädchens vor mehr als zwanzig Jahren. Mit höchst eigenwilligen Mitteln kommt Frieda dem Entführer sehr nahe.

„Blauer Montag“ ist der Auftakt einer 8-teiligen Thriller-Reihe um die Psychotherapeutin Frieda Klein. Nachdem das englische Autorenehepaar Nicci French bisher nur Soloromane geschrieben haben, ist das ihre erste Reihe in diesem Genre. Sehr erfreulich, denn die beiden haben ein feines psychologisches Gespür und ein ausgezeichnetes Timing für den Spannungsaufbau. Mit diesen Mitteln arbeiten sie dann auch bei diesem Thriller. Sie lassen sich viel Zeit, damit der Leser sich mit den Figuren bekannt machen kann, so bekommt er einen intensiven Einblick und macht alles, was geschieht, noch beängstigender. Frieda Klein ist neugierig, intelligent, einfühlsam und sie sammelt mit jeder Seite neue Sympathiepunkte. Von ihr will man unbedingt mehr lesen! Nicci French drehen immer schneller an der Spannungsschraube, sie überraschen immer wieder mit neuen Haken in der Geschichte und als Leser kann man sich nicht mehr entziehen. Und das Ende lässt einen ganz unruhig zurück. Auch ist der Roman ein Roman über London. Nicci French beschreibt die Metropole sehr anschaulich, als ob man gerade durch die Straßen und Gassen der Stadt wandelt. „Blauer Montag“ ist kein Psychothriller von der Stange, sondern einer, der sich tief in das Bewusstsein gräbt. Wer psychologische ausgefeilte Spannung mag, der sollte unbedingt zu Nicci French greifen! Die Reihe wird im Winter 2012 mit „Eisiger Dienstag“ fortgesetzt.

Auch als Hörbuch erhältlich bei der Hörverlag. Schauspiel-Star Andrea Sawatzki verleiht mit ihrer charismatischen Stimme dem Buch den richtigen psychologisch düsteren Unterton. 19,99 Euro.

C. Bertelsmann, 443 Seiten; 14,99 Euro

Antonia Baum

Vollkommen leblos, bestenfalls tot

Die Heldin des Buches kotzt alles an, vor allem ihr Zuhause. Ihre Eltern, Carmen und Götz, haben sich scheiden lassen, es war wie Krieg, eine absolute Katastrophe. Nun ist Götz mit Astrid zusammen, und Astrid und Götz streiten sich auch oft. Für die Heldin ist nichts einfach, natürlich auch nicht die Schule. Sie will ausbrechen, die Provinz hinter sich lassen und in der Stadt ein eigenes Leben führen. Die Hoffnung auf Veränderung ist groß. Sie zieht zu Art Director Patrick, der Anfang dreißig ist, und kommt schnell zu der Erkenntnis, dass es ihr größter Fehler war, bei ihm einzuziehen. Diese Einsicht ändert aber nichts, sie bleibt bei ihm.  Weiter muss sie erkennen, dass sie nicht frei ist: nicht frei vom Unglück ihrer Eltern, nicht frei von der Angst, die sie in Ketten legt, nicht einmal frei in der Liebe, die sich als Farce entpuppt. Und plötzlich versteht sie, wie Götz und Carmen aus ihrem Leben eine solche Katastrophe haben machen können.

Antonia Baum ist jung und hübsch, „Vollkommen leblos, bestenfalls tot“ der erste Roman der Literaturwissenschaftlerin. Das Buch liest sich wie ein langer Satz. Es kommen wohl immer wieder Kommas und hin und wieder auch ein Punkt vor, doch so richtig merken tut man das nicht. Das ist schade, denn in diesem Roman verbirgt sich eine Autorin, die etwas zu sagen hat. Ihre Stimme ist ungeschönt, laut und eigenwillig. Dies blitzt immer wieder durch. Aber bei der Unübersichtlichkeit des Textes und der Art und Weise wie er verfasst ist, macht er das Lesen zu einer großen Anstrengung. Da die Geschichte keine einfach ist, das Ausbrechen aus Konventionen, das Erwachsen werden, das Abstoßen von psychischen Ballast, so sollte doch der Stil einem diese eingängig näher bringen, das ist Antonia Baum leider nicht gelungen.

Hoffmann & Campe, 239 Seiten; 19,99 Euro

Stewart O’Nan

Emily, allein

Pittsburgh. Emily Maxwell, Witwe und treue Republikanerin, deren Kinder längst eigene Familien gegründet haben, führt ein ziemlich unspektakuläres Leben, allein mit ihrem Hund Rufus, der ihr ein wichtiger Partner ist. Sie mag einen gut strukturieren Tag, mit Rufus, Kreuzworträtsel, Büchern, guter klassischer Musik und den normalen alltäglichen Dingen. Mit ihrer Schwägerin Arlene führt sie das ein oder andere gute Gespräch oder geht mit ihr zum Essen aus, auch wenn Emily von Arlene hin und wieder genervt ist. Als Arlene dann in einem Restaurant zusammenbricht, verändert sich für Emily einiges. Das wichtigste, sie muss wieder Auto fahren, das hatte bisher Arlene übernommen, sie kauft sich dann sogar ein neues Auto, plant aufwendig den Besuch ihrer Kinder Margaret und Kenneth und ihrer Enkel. Auf einmal sieht sie das Leben voller neuer Möglichkeiten. Emily möchte auch im Alter ein fröhliches Leben leben.

„Emily, allein“ ist ein Buch über das die Würde des Alterns, Freunde und Familie, über das Leben mit seinen Tücken und glücklichen Momenten und über den endgültigen Abschied, den Tod. Ein Buch, das zum nachdenken über das Alter anregt. Wie schön es sein kann zurückzublicken, wie eintönig, wenn man nicht weiß, was man mit dem gesetzten Alter und den eingeschränkten Möglichkeiten anfangen soll, wie traurig, wenn man dauernd an den nahenden Tod denkt. Emily weiß das zu vermeiden, ihr Leben ist bunt und reich an neuen Eindrücken. In „Emily, allein“ beschreibt Stewart O’Nan das ganz normale Alters-Alltags-Leben, aber er verleiht jeder Tat, vom Auto fahren bis zum Wählen, mit seinem Stil literarischen Glanz. Der literarische Künstler Stewart O’Nan schreibt so ausgezeichnet, dass sogar die Umrundung eines Kreisverkehrs zum literarischen Abenteuer wird. 

Rowohlt, 380 Seiten; 19,95 Euro

Patrick Rothfuss

Die Furcht des Weisen 2

Nach seinen Abenteuern mit dem Banditen Eld begegnet Kvothe der betörenden Fae Felurian. Durch ihre märchenhafte Schönheit erlangt sie Macht über seinen Willen und seine Sinne. Nur eine List lässt ihn vor ihr fliehen. Sein Weg führt Kvothe weiter zu den stillen Kriegern der Adem, von denen er die hohe Kunst des Lethani erlernt. Aber sein Weg ist damit noch nicht zu Ende …
„Die Furcht des Weisen“, Tag Zwei der Königsmörder-Chronik, 2. Teil, ist die Fortsetzung des Weltbestsellers „Der Name des Windes“. Patrick Rothfuss wird mit J. R. R. Tolkien verglichen. Zu Recht, er hat eine hohe literarische Qualität ins Fantasy-Genre gebracht. Auch das zweite Buch der weltweiten Fantasy-Sensation hält Spannung und Qualität hoch. Rothfuss erzählt weiter kraftvoll, detailreich und spannend. Und es ist nicht das Ende der Saga, der dritte Teil wird kommen.

Klett-Cotta, 522 Seiten; 22,95 Euro

Anne Holt und Even Holt

Kammerflimmern

Sara Zuckerman ist neue Chefärztin an einer Osloer Klinik. Ihr erster Patient stirbt. Mord oder technisches Versagen? Sara und ihr Assistent Ola untersuchen den Fall. Sind Klinik oder der Hersteller von Defibrillatoren das Ziel? Oder Sara selbst?
Ein spannungsgeladener Thriller, der das Herz rasen lässt! Der norwegischen Krimiautorin tut die Zusammenarbeit mit ihrem Bruder Even gut – herausgekommen ist kein erstklassiger Krimi, sondern ein erstklassiger Thriller. „Kammerflimmern“ zeigt, welch miese Geschäfte in der Medizintechnik gemacht werden, zu Kosten der Patienten. Erst kommt der Profit, dann ein Menschenleben.

Auch als Hörbuch erhältlich bei Osterwold Audio. Stark gelesen von Sandra Borgmann. 19,99 Euro.

Piper, 408 Seiten; 19,99 Euro

Hörbuch der Woche

Robert Ludlum und Eric van Lustbader

Das Bourne Duell

Für Jason Bourne gibt es kein Entkommen aus seiner Vergangenheit. Kaum genesen, gerät er auf die Spur einer Gruppe namens Severus Domna, die im Verborgenen ihre dunklen Ziele verfolgt. Bourne sucht die Basis der Organisation in Marokko auf und trifft dort auf seinen Widersacher Leonid Arkadin, der so wie Jason Bourne einst ein geheimes Ausbildungsprogramm der CIA absolviert hat. Dass Bourne und Arkadin aufeinandertreffen ist gewollt, ein ehemaliger CIA-Agent will das Projekt wiederaufleben lassen und herausfinden, wer von den beiden die perfekte Kampfmaschine ist. Irgendwann stehen sich Bourne und Arkadin gegenüber und müssen die Wahrheit erkennen.

Ein Drama-Action-Thriller von großer Klasse! Eric van Lustbader führt das Vermächtnis des großen Robert Ludlum mit „Das Bourne Duell“ hochkarätig fort. Er bringt in die Geschichte eine neue Ebene ein, macht aus dem Klassiker Bourne eine moderne Thriller-Saga, die in dieser Qualität gerne fortgesetzt werden darf. Wer mehr über Treadstone und Bourne erfahren will, muss dieses Buch lesen bzw. dieses Hörbuch hören. Simon Jäger lässt mit seiner bekannten Filmstimme (die deutsche Stimme von Hollywoodstar Matt Damon) die Bourne-Reihe als Hörkino weiterleben! Bleibt zu hoffen, das Random House Audio auch die anderen Bourne-Bücher mit Simon Jäger einlesen lässt.

Auch als Hardcover erhältlich bei Heyne, 22,99 Euro.

Random House Audio, 6 CDs, 445 Minuten; 19,99 Euro