Kolumne Nr. 97 vom 05.07.2010

Laura Brodiedaumen_rauf

Ich weiß, du bist hier

Sarahs Mann David ist beim Kajakfahren umgekommen. Seine Ausrüstung wird gefunden, er nicht. Eines Tages sieht Sarah David beim Einkaufen im Supermarkt, später im Flur ihres Hauses und draußen vor dem Küchenfenster. Sah sie das alles wirklich? Dann klopft es an ihre Tür, und ihr Mann steht davor. Sie lässt ihn herein und hört eine unglaubliche Geschichte. Ist es möglich, dass er tatsächlich noch am Leben ist? Immer mehr seltsame Dinge geschehen, die sie an ihrem Verstand zweifeln lassen …

Ein Buch, das einen den Schmerz und das Leid des Todes eines geliebten Menschen ganz nah spüren lässt. Mit ungeheuerer Intensität und Spannung erzählt Laura Brodie von der Aufarbeitung eines Verlustes. Oder ist am Ende alles anders? Ein Strudel an Gefühlen und Emotionen erwartet Sie. Garantiert! Sie werden hin- und her gerissen sein von Wahrheit, Hoffnung und Glaube. Dieses Buch ist ein Liebesroman, ein großes Drama, ein Krimi – ein Puzzelspiel der Genres. Vergessen Sie gleich, dass sie dieses Buch wieder zur Seite legen können, bevor Sie nicht das letzte Wort gelesen haben. Das Ende hat dann den Knalleffekt parat.

Auch als Hörbuch erhältlich bei der Hörverlag, 19,95 Euro.

dtv, 336 Seiten; 14,90 Euro

 


Stephenie Meyerdaumen_runter

Biss zum ersten Sonnenstrahl

An ihr früheres Leben kann sich Bree Tanner kaum noch erinnern. Jetzt hat sie übermenschliche Kräfte, übernatürlich scharfe Sinne und giert nach Blut – sie ist ein Vampir. Das Leben von Vampiren wird durch wenige Regeln bestimmt. Vor allem Wachsamkeit und kehre vor dem ersten Sonnenstrahl wieder zurück ins Dunkel. Doch Bree muss erkennen, dass sie nur eine Schachfigur in einem Spiel ist. Einem Spiel, dessen Dimensionen sie nicht mal ahnen kann. Ist alles, was sie bisher über Vampire wusste, eine große Lüge?

Die „Twilight“-Saga ist einfach nur wunderbar! Die vier Romane sind das „Vom Winde verweht“ des neuen Jahrtausends. Stephenie Meyer hat sich damit unsterblich gemacht. Aber wie das so ist mit der Unsterblichkeit, mit der will man natürlich auch zu Lebzeiten noch ordentlich Geld machen. „Biss zum ersten Sonnenstrahl“ ist diese Gelddruckmaschine, für die Frau Meyer nicht lange arbeiten musste, wie sie in der Einleitung schreibt. Es war ein Ordner auf ihrem Computer, den sie etwas ausgebaut hat, fertig ist der Bestseller. Sie beleuchtet darin das Leben eines Vampirs, das von Bree Tanner, die in „Biss zum Abendrot“ einen Kleinauftritt hatte. Plötzlich spürt Frau Meyer wie es sich anfühlt ein Vampir zu sein „eine Jägerin, ein Monster“. Na aber hallo, über was hat sie mehrere Tausend Seiten lang geschrieben? Die Geschichte ist für meyerische Verhältnisse Megakurz, und daher hat dieser Band auch nichts von der Genialität der eigentlichen „Biss“-Saga. Man lernt Bree kennen, findet auch einen Zugang zu ihr, aber trotzdem ist das Buch ohne große Emotionen. Wenn Stephenie Meyer ihre „Biss“-Saga erweitern möchte, gerne, dann aber bitte mit der Fülle und der Qualität der Originalsaga. Aber es geht natürlich auch anders: Wenn Stephenie Meyer Klopapier beschreiben würde, würde das auch auf Platz 1 der Bestsellerliste landen.


Carlsen, 206 Seiten; 15,90 Euro

Claudia Graydaumen_rauf

Evernight – Tochter der Dämmerung

Biancas Vampir-Natur wird immer schwerer zu unterdrücken. Trotzdem will sie die Liebe zu dem Vampirjäger Lucas nicht aufgeben. Doch damit bringt sie alle in ihrer Umgebung in Gefahr – schließlich sind alles Vampire. Biancas einziger Freund ist Balthasar. Der Typ Freund, den ihre Eltern sich für sie gewünscht haben. Die beiden versuchen eine Spur von Balthasars verschwundener Schwester zu finden und eines der düstersten Geheimnisse des Evernight-Internats zu enträtseln. Dabei kommen sie sich immer näher. Bianca fragt sich, ob ihre Liebe zu Lucas überhaupt eine Chance hat – und was sie wirklich für Balthasar verbindet …

droht. Ein neues Schuljahr auf Evernight beginnt und Bianca steht wieder vor einer Menge Problemen, mit sich und ihrer Natur und mit der Liebe. In ihr herrscht ein dauerhafter Kampf. Soll sie die Welt der Vampire komplett betreten oder der Liebe zu Lucas folgen und versuchen, die Welt der Vampire noch zu verlassen? Der zweite Band der Saga bietet viele neue Einsichten. Claudia Gray entführt einen in eine ganz neue Vampirwelt, die durch Atmosphäre und einer großen Liebe besticht. Die letzte Seite wartet mit einem Cliffhanger auf, der einen das Warten auf den dritten Band fast unmöglich macht. „Twilight“ ist unsterblich, war aber gestern, heute ist „Evernight“ und das müssen alle „Twilight“-Fans lesen. Claudia Gray – ein neuer Stern am literarischen Vampirhimmel!

 

Penhaligon, 398 Seiten; 17,95 Euro

Oliver Uschmanndaumen_rauf

Feindesland

Hartmut und ich, der Philosph und der Packer aus dem Ruhrpott, gehen dahin, wo es rumort – nach Berlin. Ein Abenteuer nach dem anderen erwartet diese „echten Kerle“ dort. Hartmut & Co. sind wieder im Alltagseinsatz. Diesmal nehmen sie sich die Großstadt vor, mit all ihren Tücken, Fallen und auch Freuden.
Der fünfte Band in der Hartmut-und-Ich-Reihe wird Fans begeistern und Neueinsteiger werden sich fragen, warum sie die vier Vorgängerbände nicht gelesen haben. Willst Du Spaß haben, musst Du Uschmann lesen!

 

Scherz, 381 Seiten; 14,95 Euro

Hofer/Kronzucker/Reevesdaumen_rauf

1000 Ideen, täglich die Welt zu verbessern

Es gibt jede Menge Möglichkeiten, das Leben leichter und die Welt besser zu machen. Und die meisten davon sind ganz einfach zu verwirklichen.
Dieses Buch hat 1000 Beiträge von Berühmten und weniger Berühmten zusammengefasst. Wenn alle auf der Welt nur 500 dieser Ideen täglich in die Tat umsetzen würde, würden wir auf einer Welt leben, die von Frieden, Gleichberechtigung, Zuneigung und Hilfsbereitschaft gekennzeichnet ist. Eine Welt, wie wir sie uns alle wünschen sollten.

 

Rowohlt, 511 Seiten; 22,95 Euro

Hörbuch der Woche

Jessica Grantdaumen_rauf

Die erstaunlichen Talente der Audrey Flowers

Die 26jährige Audrey Flowers hat sich einen kindlichen Blick auf die Welt bewahrt. Der gerät ins Wanken, als ihr Vater bei einem Unfall ums Leben kommt. Audrey kehrt zurück in ihre Heimat Neufundland, wo sie nicht nur den Verlust verarbeiten muss, sondern auch einige Geheimnisse aufdeckt, die ihr Vater hinterlassen hat. Aber das ist noch lange nicht alles …

Verrückt, eigenwillig, liebenswert. Lernen Sie die Welt mit Audrey Flowers Augen kennen. Haben Sie das einmal getan, sind sie ihr vollkommen verfallen. Und nicht nur ihr – auch ihrer Schildkröte Winnifred. „Die erstaunlichen Talente der Audrey Flowers“ ist zum lachen, traurig und glücklich sein. Anna und Katharina Thalbach geben der unkonventionellen Audrey und der weisen Schildkröte ihre ganz eigenen Stimmen. Das geniale Geschwistersprecherpaar ist die perfekte Besetzung für diesen Lebensspaß.

Auch als Hardcover erhältlich bei Manhattan, 14,95 Euro.

Random House Audio, 4 CDs, 298 Minuten; 19,95 Euro

Kolumne Nr. 98 vom 12.07.2010

Elizabeth Kostovadaumen_rauf

Die Schwanendiebe

Der Psychiater Andrew Marlow bekommt einen besonderen Patienten, den berühmten Maler Robert Oliver. Der Künstler hatte versucht, ein Gemälde in der National Gallery of Art in Washington mit einem Messer zu attackieren. Und nun schweigt er beharrlich. Briefe in französischer Sprache sind das große Gut von Oliver. Marlow lässt die Briefe übersetzen. Sie stammen von einer Béatrice de Clerval, einer jungen Malerin im ausgehenden 19. Jahrhundert in Paris. Was hat das Schicksal dieser Künstlerin mit Olivers zerstörerischer Tat zu tun? Marlow begibt sich auf eine Spurensuche, die ihn quer durch die USA, nach Mexiko und bis nach Paris zu einem mysteriösen Bild führt.

Elizabeth Kostova lässt nach ihrem Sensationsbestseller „Der Historiker“ einen weiteren literarischen Leckerbissen folgen. Geheimnisvoll, überraschend, voller Poesie, Besessenheit, Liebe und Dramatik. Auf außergewöhnliche Weise spannend durch und durch und in einer wunderbaren Sprache erzählt. Die Figur des Andrew Marlow ist Kostova glänzend gelungen. Man folgt sehr gerne seiner Spurensuche und seinen Überlegungen. Der Leser lernt zudem viel über die Intimität des Malens und Schaffens an sich. Was es bedeutet, wie es einen verändert. „Die Schwanendiebe“ ist eine kunstvolle Geschichte, die überaus kunstvoll erzählt ist. Große Kunst eben.

 

Bloomsbury Berlin, 670 Seiten; 24,90 Euro

Gaby Hauptmanndaumen_runter

Ticket ins Paradies

Clara will auf Mallorca bleiben, das steht für sie fest. Ihre kleine Tochter Katie hat schon eine beste Freundin gefunden, und Claras Liebe zu Andrés lässt an ihrer Entscheidung keine Zweifel mehr aufkommen. Andrés ist ein Spanier wie er im Buche steht, leidenschaftlich und aufmerksam, mit ihm will sie sein Restaurant zu neuer Blüte führen. Bis Maria José aufkreuzt, die neue Köchin, die vor sinnlicher Weiblichkeit nur so sprüht. Natürlich erliegt auch Andrés ihren Reizen, glaubt Clara – und sieht sich das nicht lange mit an …

Wollen Sie sich in diesen schönen Sommerwochen zwingend langweiligen, dann müssen Sie „Ticket ins Paradies“ lesen, der neuen Roman von Bestsellerautorin Gaby Hauptmann. Damit schaffen Sie es bestimmt, das Sommer-Feeling ganz schnell zu vertreiben. Nach den letzten katastrophalen Romanen der einst guten Autorin, ist dieser leider wieder kein Ausreißer nach oben, sondern Gaby Hauptmann beweist, dass man auch nach richtig schlechten Romanen einen noch schlechteren schreiben kann. Staubtrocken, ohne jeglichen Esprit und Überraschungsmoment, eine Geschichte wie gemacht für die Papiertonne.

 

Piper, 302 Seiten; 8,95 Euro

Tanja Heitmanndaumen_rauf

Schattenschwingen

Seit Jahren ist die 16jährige Mila von Samuel, dem besten Freund ihres älteren Bruders Rufus, fasziniert. Doch plötzlich wird aus der eher fernen Bewunderung echte Liebe. Und Sam erwidert die Gefühle. Doch dann verschwindet Samuel plötzlich, und Rufus, der in jener Nacht mit seinem Freund zusammen gewesen war, kann sich nur noch schemenhaft erinnern. Alle glauben, Sam ist tot, nur Mila nicht. Und tatsächlich: An ihrem Geburtstag steht er wieder vor ihr – doch er ist ein anderer. Sam ist eine Schattenschwinge geworden, eine engelsgleiches Wesen – und nur aus Liebe zu Mila ist er in die Welt der Menschen zurückgekehrt …

droht. Tanja Heitmann hat mit „Morgenrot“ und „Wintermond“ zwei Bestseller gelandet. Nun wendet sie sich dem Jungendbuch zu, auch wenn hier, wie in vielen anderen Büchern dieser Art, die Unterschiede zum Erwachsenenbuch verwischen. Mit „Schattenschwingen“ betritt Tanja Heitmann die Spuren von Stephenie Meyer, Alyson Noel und einer Claudia Gray. Nur geht es in „Schattenschwingen“ nicht um Vampire oder Unsterbliche sondern um moderne Engel. Sie erweitertet das Genre um eine weitere Art – herrlich. Was für großartige Figuren hat sie erschaffen. Die zurückhaltende Mila und der geheimnisvolle Sam sind die Wucht! „Schattenschwingen“ ist ein spannender Auftakt der Trilogie, der bestimmt wird von großen Gefühlen und unendlicher Liebe. Das Erwachsenwerden, Freundschaft und Loyalität sind die anderen Eckpfeiler dieser Geschichte, die einen keine Sekunde mehr loslässt. Band 2 erscheint im Februar 2011. Das dauert viel zu lange …

 

cbt, 443 Seiten; 16,95 Euro

Janet Evanovichdaumen_rauf

Kuss mit lustig

Stepahnie Plum ist wieder im Einsatz – an unzähligen Fronten. Für den Sohn einer Klientin muss sie den Babysitter spielen, die wird dann gekidnappt. Um so schneller sie diese findet, um so besser. Und Stephanie muss noch so viel mehr bestehen …
Wenn Evanovichs Heldin Stephanie Plum auf den Plan tritt, geht es immer rund. Humor, Liebe, Leben extrem und Spannung reichen sich die Hand. Wenn Sie gut unterhalten werden wollen, einfach Janet Evanovich lesen!


Manhattan, 316 Seiten; 14,95 Euro

Martin Cruz Smithdaumen_rauf

Die goldene Meile

In den Moskauer Drei Bahnhöfen, Umschlagplatz der Unterwelt, wird eine junge Frau tot aufgefunden. Ein neuer Fall für Arkadi Renko. Kult-Ermittler Arkadi Renko (Gorki Park) in seinem neuen Fall.
„Die goldene Meile“ ist ein Spiegelbild des heutigen Russlands. Vor allem die dunklen Seiten des Landes beleuchtet Martin Cruz Smith wieder beängstigend gut.

 

C. Bertelsmann, 256 Seiten; 19,95 Euro

Hörbuch der Woche

Stefan Schwarzdaumen_rauf

Hüftkreisen mit Nancy

Max ist seit zehn Jahren verheiratet, zwei Kinder, und er hat immer öfter das Gefühl, sich in einer Sackgasse zu befinden. Seine Frau ist chronisch unzufrieden mit ihm, seine Kinder nehmen ihn nicht ernst, und sein Chef verordnet ihm eine Auszeit. Plötzlich mit einer Unmenge Zeit und viel zu vielen Gedanken geht Max in ein Fitnessstudio und trifft dort Nancy, die ihm so manches über seinen Körper beibringt. Nancy verhilft ihm zu neuen Gefühlen, sich und anderen gegenüber. Max beginnt seine Zukunft zu überdenken …

„Hüftkreisen mit Nancy“ ist lachen auf hohen Niveau! Mit diesem Buch kommt keine Langeweile auf und Sie werden sich oft selbst erschrecken, weil sie schon wieder laut auflachen müssen. Schwarz gelingt es vorzüglich, ein ganz normales Leben ganz komisch zu erzählen. Man kennt viele Szenen, durchlebt am eigenen Leib und denkt, den kenne ich doch, den er da beschreibt. Vorzüglich schildert er wie die Ehe zwischen Mann und Frau so läuft, oder nicht mehr läuft. Schwarz begeistert mit Sätzen, die man so schnell nicht wieder vergisst, wie: „Sie sind nicht dick, Sie stehen falsch.“ Oliver Kalkofe macht aus „Hüftkreisen mit Nancy“ einen Kinofilm für die Ohren mit dem Prädikat – unbedingt anhören.

Auch als Hardcover erhältlich bei Rowohlt Berlin, 14,95 Euro.

Argon Hörbuch, 4 CDs, 302 Minuten; 19,95 Euro

Kolumne Nr. 99 vom 19.07.2010

Jilliane Hoffmandaumen_rauf

Mädchenfänger

Die 13jährige Lainey lernt den gut aussehenden Zach in einem Chatroom kennen, sie trifft sich mit ihm und verschwindet spurlos. Alle denken Lainey ist abgehauen. FBI-Agent Bobby Dees ist Spezialist für verschwundene Kinder, er soll helfen Licht ins Dunkel zu bringen. Zunächst führen alle Spuren ins Nichts. Bis Bobby ein schreckliches Gemälde zugespielt wird – es zeigt eine gefesselte junge Frau. Anhand des Gemäldes findet Bobby heraus, wo das Mädchen gefangen gehalten wird. Doch er kommt zu spät. Es ist nicht Lainey, doch im Bild finden sich Hinweis auf. Bobby weiß, dass sie es hier mit einem Serienmörder zu tun haben, der es auf junge Mädchen abgesehen hat, von denen alle denken, sie seien weggelaufen …

„Mädchenfänger“ ist erschreckend, beängstigend, emotional. Akribisch zeigt Jilliane Hoffman, wie vorgegangen wird, wenn Kinder und Jungendliche in Amerika verschwinden. Sie gewährt einen intensiven Einblick in alle Psychogramme, von Opfern und Hinterbliebenen, Täter und Ermittlern. Und Jilliane Hoffman zeigt vor allem wie gefährlich das Internet für Kinder und Jungendliche sein kann. Es kann tödlich sein. „Mädchenfänger“ ist nach „Cupido“ Jilliane Hoffmans bester Thriller! Im höchsten Maße spannend und fesselnd. Jilliane Hoffman zieht die Schlinge um den Hals des Lesers immer weiter zu – Luftholen unmöglich. Bis zum spektakulären Ende!


Wunderlich, 459 Seiten; 19,95 Euro

Steffi von Wolffdaumen_runter

Saugfest

Helene, 29, Taxifahrerin, muss sich mit motzenden Fahrgästen herumschlagen und sie ruiniert die Hochzeit ihrer besten Freundin Annkathrin, denn sie heiratet einen echten Blödmann. Annkathrin wirft Helene hochkant raus, und so hat sie Zeit, eine Nachtfahrt in eine abgelegene Dorfdisco zu übernehmen. Dort geht seltsames vor sich: Dunkle Gestalten stehen im Regen, Fahrstühle verschwin-den und Helene erhält ein verlockendes Angebot …

Steffi von Wolff hat ganz starke Comedy-Literatur geschrieben, darunter „Fremd küssen“, „Glitzerbarbie“ und „Aufgetakelt“. Die waren nicht ladylike, aber saukomisch. Aber davon sind weitere Bücher wie auch ihr neues „Saugfest“ weit entfernt. Die Pointen sind fast allesamt Rohrkrepierer. Vor lachen aufschreien tun Sie hier nicht, eher denken Sie, wann hat das Nicht-Lach-Leiden endlich ein Ende. Die Hauptfigur Helene ist so etwas von unsympathisch, dass einem das Buch aufstößt wie saure Gurken. Helene ist konsequent schlechter Laune, die bekommt der Leser auch, beim lesen dieses Buches. Und die Story verspricht auch nicht das, was Cover und Titel aussagen. Die letzten beiden Kapitel sind dann tatsächlich etwas überraschend und schließen den Roman zumindest mit einem kleinen positiven Gedanken ab.

 

Fischer, 255 Seiten; 8,95 Euro

Dennis Lehanedaumen_rauf

Im Aufruhr jener Tage

Boston, 1918. Danny Coughlin hat eine glänzende Karriere beim Police Department vor sich, doch sein Vater, einer der Captians des BPD, knüpft die Beförderung jedoch an eine Bedingung. Danny soll undercover arbeiten und die wachsenden Gewerkschaftsbewegungen beobachten, denn ganz Amerika wird nach dem Ersten Weltkrieg von sozialen und politischen Unruhen erschüttert. Gleichzeitig lernt Danny einen jungen Schwarzen kennen, Luther Laurence, der im Haushalt der Coughlins zu arbeiten beginnt. Sie freunden sich an. Beide haben ihren Weg zu gehen. Danny versucht seinem Vater gerecht zu werden und Laurence möchte nach Tulsa zurückkehren, von wo er wegen einer Auseinandersetzung mit einem Gangsterboss hat fliehen müssen.

Spätestens seit den Weltbestsellern „Mystic River“ und „Shutter Island“ und deren megaerfolgreichen Kinoverfilmungen u.a. mit Sean Penn und Leonardo DiCaprio gehört Dennis Lehane zu den weltbesten Spannungsautoren. Aber Lehanes Können ist vielseitig. Mit „Im Aufruhr jener Tage“ lässt er eine Zeit wieder auferstehen, die Amerika in jenen Tagen gewaltig durchgerüttelt hat. Wer amerikanische Geschichte hautnah erleben will, der muss dieses Buch lesen. Was ist eine Freundschaft? Wie setze ich mich im harten Leben durch? Wie schafft man es, sich in schwierigen Zeiten nicht selbst zu verlieren? Dies alles und noch viel mehr enthält diese epochale Geschichte. Auch lernen Sie Boston kennen, Sie können den Schmutz, den Dreck der vergangen Zeit förmlich riechen. Ein weiterer Baustein der Story ist Babe Ruth – der legendäre amerikanische Baseballstar, ein Held der damaligen Zeit. Lehane verwebt seine Geschichte geschickt mit den anderen Elementen des Romans. Dieses Buch ist ein Meilenstein!

 

Ullstein, 760 Seiten; 22,95 Euro

Samantha Pealedaumen_rauf

Die amerikanische Malerin Emma Dial

New York. Die junge Malerin Emma Dial arbeitet als Assistentin für einen weltberühmten Künstler. Für sich selbst hat sie nichts mehr gemalt. Aber sie will sich aus dessen Schatten befreien. Gelingt es ihr?
Ein wahres Gemälde, dieser Roman! Ein Buch über die Kunst, das Finden des eigenen Ichs, alles angesiedelt in einer pulsierenden Metropole. Modern, frisch, literarisch anspruchsvoll.

 

Berlin Verlag, 302 Seiten; 19,95 Euro

James Rollinsdaumen_rauf

Das Messias-Gen

Der mächtige Russe Nicolas Solokow will mithilfe paranormal begabter Kinder die Weltherrschaft antreten. Zuvor will er aber erst die ganze Welt in Brand setzten, um dann als Messias die Menschheit aus der Asche führen. Nur die SIGMA-Force kann diesen Plan noch verhindern.
James Rollins rockt – auf jeder Seite. Eine Action-Achterbahn! Anschnallen und los lesen.

 

Blanvalet, 574 Seiten; 19,95 Euro

Hörbuch der Woche

Elisabeth Herrmanndaumen_rauf

Lilienblut

In einem wunderbaren Sommer sitzen Sabrina und ihre beste Freundin Amelie stundenlang am Rheinufer. Amelie träumt vom Abhauen und der großen Freiheit, Sabrinas Zukunft wurde von ihrer Mutter bestimmt. Sabrina soll einen Weinberg für 30 Jahre besitzen und darauf arbeiten. Da taucht der 19jährige Killian auf, der mit seinem Schiff am geheimnisvollen toten Fluss ankert. Amelie und Sabrina fühlen sie zu ihm hingezogen, aber nur Amelie schleicht sich nachts davon – zu ihm. Am nächsten Morgen wird ihre Leiche gefunden. Sabrina ist entsetzt, die Polizei kommt mit ihren Ermittlungen nicht voran, da versucht Sabrina selbst Hinweise auf den Mörder von Amelie zu finden.

Ein Krimijuwel der Jungendliteratur! Erwachsene werden an „Lilienblut“ nicht weniger Freude habe. Eine besondere Geschichte mit besonderen Figuren. Elisabeth Herrmann versteht es ausgezeichnet, den Leser (Hörer) bei der Stange zu halten. Sie ist in Deutschland bekannt geworden durch die Krimibestseller „Das Kindermädchen“ und „Die siebte Stunde“. Aber das ist ja noch nicht alles, denn Elisabeth Herrmann hat noch ein weiteres Talente, sie liest ihre eigene Geschichte in einem Ton, der ihrer starken Geschichte mehr als gerecht wird. Sie spricht viele unterschiedliche Figuren und vermittelt die unterschiedlichen Gefühle feinfühlig mit ihrer Stimme. Elisabeth Herrmann ist ein Multitalent!

Auch als Hardcover erhältlich bei cbt, 17,95 Euro.

Random House Audio, 5 CDs, 368 Minuten; 19,95 Euro

Kolumne Nr. 100 vom 26.07.2010

Antony Beevordaumen_rauf

D-Day – Die Schlacht um die Normandie

Mit der Landung der alliierten Truppen in der von den Deutschen besetzten Normandie am 6. Juni 1944 begann die wichtigste Schlacht des 2. Weltkrieges und die größte Landungsaktion, die jemals durchgeführt wurde – sie endete mit der Befreiung von Paris am 25. August 1944 und kostete über 500.000 Menschen das Leben, darunter mehr als 70.000 Zivilisten. Dieses Buch beleuchtet nahezu alle Seiten, die von dieser Schlacht betroffen waren. Von der Vorbereitung der Invasion bis zum siegreichen Ende.

Antony Beevor ist u. a. bekannt für so überragende Werke wie „Stalingrad“ oder „Der Spanische Bürgerkrieg“. Er ist ein Historiker, der es ausgezeichnet versteht vergangene Themen spannend aufzubereiten. Über den D-Day wurden bereits mehrere Bücher geschrieben. Warum noch mal eins? Weil man es besser machen kann, als die Vorgänger. Und dem Engländer Antony Beevor ist das eindrucksvoll gelungen. „D-Day“ schlägt alles, was bisher in diesem Bereich zu lesen war. Und ich habe viele Bücher über den Einmarsch in die Normandie gelesen. „D-Day“ ist keine Dokumentation mit trockenen Fakten, es ist geschrieben wie ein fesselnder Thriller. Beevor macht die Geschichte zum greifen nahe und vermittelt dabei alle wichtigen Belange, die großen und die kleinen, der wichtigsten Kriegsschlacht des 20. Jahrhunderts. Das alles ist auf den Punkt gebracht, der Leser wird nicht gequält mit Details, mit denen er nichts anfangen kann. Präzision und Akribie zeichnen dieses Buch aus.

 

C. Bertelsmann, 637 Seiten; 28,00 Euro

Daniel Kehlmanndaumen_runter

Lob über Literatur

Daniel Kehlmann ist ein großer Stern am deutschen Literaturhimmel! Aber der Autor des Megabestsellers „Die Vermessung der Welt“ versucht sich auch als Rezensent. Er schreibt über Autoren wie J. M. Coetzee, Stephen King, Max Goldt und einige andere.

Es gibt Bücher, die nur gedruckt werden, um mit dem Autorennamen Geld zu machen. „Lob über Literatur“ von Bestsellerautor Daniel Kehlmann ist dafür ein strahlendes Beispiel. Hier sind Rezensionen und Miniporträts von Autoren abgedruckt, die Kehlmann geschrieben hat, und die zuvor bereits u. a. in der FAZ und der Süddeutschen erschienen sind. Hierfür schon mal ein klares Nein! für dieses Buch. Wenn die Rezensionen noch etwas an Qualität enthalten würden, dann könnte man dem Buch wenigstens ein ganz, ganz kleines Plus abringen, aber man merkt bei jeder Zeile, das Kehlmann wohl Ahnung hat, wie man ein Buch schreibt, aber nicht, wie man eines bespricht. Er schlüsselt Bücher so auf, dass einem die Lust, diese zu lesen, total vergeht. Schlechter kann man kaum über Bücher schreiben, und so was wurde auch noch in so renommierten Zeitungen abgedruckt, ein Armutszeugnis. Es wurde halt gedruckt, weil Kehlmann drunter stand. Und wenn man Stephen King als „Poeten des Horrors“ bezeichnet und dann schreibt, das seine „Prosa absolut platt“ ist, spätestens dann weiß man, Kehlmann hat vom Bücher rezensieren keinen Schimmer.

Rowohlt, 191 Seiten; 18,95 Euro

 


Scott Turowdaumen_rauf

Der letzte Beweis

Vor 20 Jahren hatte Rusty Sabich eine Affäre mit einer Kollegin, die brutal ermordet wurde. Sein Widersacher in der Staatsanwaltschaft von Kindle County, Tommy Molto, hatte unnachgiebig versucht, Rustys Schuld zu beweisen, seine Karriere zu ruinieren und sein Leben zu zerstören. Jetzt findet sich Rusty wieder an der Seite einer toten Frau, seiner Ehefrau Barbara. Die Ursache ihres Todes bleibt unklar. Rusty hat erneut eine Affäre, diesmal mit seiner Referendarin Anna. Ein klares Mordmotiv. Diesmal will Tommy Molto zu Ende bringen, was er damals begonnen hat – Rusty Sabich für immer hinter Gitter bringen.

Scott Turow ist die Instanz des Justizthrillers! Sein Weltbestseller „Aus Mangel an Beweisen“ (verfilmt mit Harrison Ford) ist schon jetzt ein Klassiker. Er hat das Genre massiv beeinflusst. Mit „Der letzte Beweis“ führt er die beeindruckende Geschichte um Sabich und Molto fort. Spannend und fesselnd von Anfang an. Der Leser darf sich nie sicher sein, zu wissen, was kommt – bis zum Ende. Und Turow verleiht seinen Charakteren wieder viel Leben und Ausdruck. Schade nur, dass der viel beschäftige Anwalt und Autor nicht nur Bücher schreibt, so bekommt man leider nicht jedes Jahr in den Hochgenuss solch ausgezeichneter Lektüre. Wer intelligente und gesellschaftlich hinterfragende Justizthriller lesen will, der muss zu Scott Turow greifen.

 

Blessing, 576 Seiten; 21,95 Euro

Matthew Reillydaumen_rauf

Der fünfte Krieger

Eine zerstörerische Sonne droht alles menschliche Leben zu vernichten. Captian Jack West und sein Team sollen die Katastrophe abwenden. Doch wie sollen sie den Himmelskörper aufhalten?
Das nächste Action-Highlight vom Actionkracher-König der Literatur! Matthew Reilly lässt es auf den Seiten scheppern und jagt den Leser in rasender Geschwindigkeit und mit einem Höchstmass an Spannung durch das Buch. „Der fünfte Krieger“ ist der Abschluss der Trilogie um Jack West.

 

Ullstein, 510 Seiten; 19,95 Euro

Gerhard Matzigdaumen_rauf

Meine Frau will einen Garten

Ein Zeitungsredakteur, der die Stadt liebt, zieht seiner Frau und den Kindern zu liebe in die Vorstadt. Und er baut selbst ein Haus. Das ist seine Geschichte.
Der Beginn des Buches ist etwas holprig, aber dann legt Matzig los mit dem Projekt Haus. Das hat es in sich. Ich habe es schon hinter mir. Wer es noch vor sich hat, sollte dieses Buch lesen, es ist ein kleiner Wegweiser was alles kommen kann, an das man bei den rosaroten Träumen um ein eigenes Haus gar nicht denkt. „Meine Frau will einen Garten“ ist ein witziger Wegweiser durch den Hausbaudschungel.

 

Goldmann, 256 Seiten; 17,95 Euro

Hörbuch der Woche

Zoë Beckdaumen_rauf

Das alte Kind

Als Fiona zu sich kommt, liegt sie in ihrer Badewanne, das Wasser rot von ihrem Blut. Später behauptet sie, jemand hätte versucht, sie umzubringen. Doch niemand glaubt ihr. Wenig später wird die Leiche ihrer Mitbewohnerin gefunden, die Fiona auffällig ähnlich sah. Hat Fiona doch recht und jemand hat es auf sie abgesehen?

Zoë Beck verwirrt den Leser wunderbar. Sie treibt mit ihm ein Spiel, das er nicht so schnell durchschaut. Beck hat den Roman perfekt geplant. Ein Spiel mit Identitäten und unterschiedlichen Zeitebenen. Der Leser muss aufpassen, damit er bei diesem Psychothriller-Puzzle alle Teile an die richtige Stelle setzt. Zoë Beck ist ein großes Psychothrillertalent! Sie hat das Zeug dazu, die weibliche Ausführung von Sebastian Fitzek zu werden. Gelesen wird dieser Thriller von Sandra Schwittau, die deutsche Stimme von den Hollywoodstars Hillary Swank und Eva Mendes. Sie spricht auch die Zeichenfigur Bart Simpson. Ihre herbe und zugleich charmante Stimme gibt jeder Geschichte einen zusätzlichen Kick.

Auch als Taschenbuch erhältlich bei Bastei Lübbe, 7,99 Euro.

Lübbe Audio, 4 CDs, 292 Minuten; 16,99 Euro