Kolumne Nr. 253 vom 01.07.2013

Carla Federicodaumen rauf

Die Rosen von Montevideo

DieRosenvonMontevideoUruguay, Montevideo, 1843. Der Frankfurter Bankierssohn Albert Gothmann kommt ins Land um Geschäftbeziehungen zu knüpfen und verliebt sich dabei in die lebenslustige Rosa de la Vegas, Tochter einer der ältesten spanischen Familien des Landes. Da Rosa einen viel älteren Mann heiraten müsste, zieht sie eine Ehe mit Albert vor. Sie verspricht sich davon ein schönes Leben. Als sie mit Albert nach Frankfurt zieht, kehrt bei Rosa aber Einsamkeit ein. Albert ist oft geschäftlich unterwegs, sie weiß ihre Zeit noch nicht auszufüllen. Rosas Verzicht auf ihre Heimat ist ein Schicksal, das fortan alle Nachfahrinnen ihrer Familien teilen. Sind die Frauen stark genug, um für ihre Leidenschaft zu kämpfen?

Die deutsch-österreichische Autorin Carla Federico hat mit ihrer Chile-Trilogie rund um „Im Land der Feuerblume“ die Leser begeistert. Nun legt sie eindrucksvoll nach mit „Die Rosen von Montevideo“. Ein Roman wie ein stürmisches und zugleich wunderschönes Meer. Eine Brise fegt immer wieder über einen hinweg, aber dann ist es auch blumig, farbenfroh, intensiv und voller Dramatik und Spannung. Carla Federico hat Figuren erschaffen, die nur so vor Leben sprühen. Die Geschichte erstreckt sich über mehrere Generationen vom Jahr 1829 bis ins Jahr 1889, und ist nicht nur gefüllt mit vielen Liebeswirren, sondern auch mit lateinamerikanischer, europäischer und deutscher Geschichts- und Wirtschaftskunde der damaligen Zeit. Carla Federico, die deutsche Meisterin der großen literarischen internationalen Familiesaga!

Knaur, 774 Seiten; 9,99 Euro


Sara Stridsbergdaumen runter

Darling River

DarlingRiverLolita ist die berühmte Verführerin des Romans aus dem 20. Jahrhundert. Die Autorin hat eine neue Lolita geschaffen. Lo, das Kind, das sich tagsüber mit älteren Männern am Darling River im Schlamm wälzt und sich nachts mit dem Vater auf ziellose Autofahrten begibt. Lolita, die Mutter und Künstlerin, die ihr Kind um ihrer Freiheit willen verlässt und zu spät merkt, dass sie auf diesem Weg ihr Leben zerstört. Und die Autorin erzählt auch von der echten, der Nabokov’schen Lolita, die sich vom Vater befreit, um sich in die Hände Richard Schillers zu begeben, der zärtlich und gewalttätig zugleich ist.

Die Schwedin Sara Stridsberg hatte mit „Darling River“ Großes vor, leider ist ihr das nicht gelungen. Man verspricht sich als Leser eine ganz andere Geschichte und ist dann von dem großen Durcheinander enttäuscht. Die Schwedin bringt literarisch aber durchaus etwas auf die Beine. Sie schreibt fordernde und geschmeidige, wilde und zügellose Sätze. Das sind die Highlights dieses Romans. Sara Stridsberg hat einige schöne Sätze komponiert, die aus der wüsten und wenig stringenten Geschichte herausragen; „… ich liebte es, wenn Fremde die Nähte und Öffnungen meines Körpers erkunden …“; „Sie wünschte, sie könnte sich in seine Armbeuge einnähen lassen …“; „Der Glanz der ersten tastenden Flammen, die Hitze und die Glut, die sich in den Augen des Zerstörers spiegeln, und schließlich der Wahnsinn des Feuers, das alles um sich herum vernichtet“.

S. Fischer, 331 Seiten; 18,95 Euro


Damien Echolsdaumen rauf

Mein Leben nach der Todeszelle

MeinLebennachderTodeszelleIm Jahr 1993 wurde Damien Echols und zwei andere unter dem Namen „The West Memphis Three“ bekannt. Sie wurden festgenommen und für schuldig befunden, drei 8-jährige Jungen ermordet zu haben. Echols wurde zum Tode verurteilt, die anderen zu lebenslangen Haftstrafen. In den folgenden Jahren wurden die „WM3“ weltweit zum Symbol für die Verfehlungen des amerikanischen Justizsystems und erhielten breite Unterstützung in der Öffentlichkeit. In einer Wende der Situation und aufgrund neuerlicher DANN-Tests wurden alle drei Männer im August 2011 entlassen. Nun schildert Damien Echols, der stets seine Unschuld beteuerte, was es bedeutet 18 Jahre lang in der Todeszelle zu sitzen.

Ein Buch, das Sie schockieren wird! Die Ungerechtigkeit, die Menschen im Namen der Justiz angetan wird, zeigt hier sein grausames Bild. Hätte Damien Echols nicht seinen eigenen Weg gefunden, mit dem Leben im Gefängnis zu Recht zu kommen, ihn hätte nicht die Giftspritze hingerichtet, sondern das Leben im Gefängnis selbst. In seinen Erinnerungen schreibt er von seiner nicht einfachen Kindheit und Jugend und den schwierigen Familienverhältnissen. Er geht ausführlich auf seinen Fall und seine Zeit im Gefängnis ein. Ein Bericht, dem man jede Sekunde mit wachen Augen folgt. Mit „Mein Leben nach der Todeszelle“ gehen Sie durch die literarische Hölle!

Goldmann, 410 Seiten; 19,99 Euro


Arne Dahldaumen rauf

Bußestunde

BussestundePaul Hjelm, Chef der A-Gruppe, soll den verschwundenen Geheimdienstboss wieder finden. Seine Ermittler stoßen derweil auf eine Serie sadistischer Mordfälle. Auch Hjelms Tochter Tora gerät ins Visier des Täters. Das ganze Können der A-Gruppe ist gefragt.
Arne Dahl lässt die A-Gruppe, die ihn zum gefeierten Bestseller-Autor gemacht hat, ein zehntes und letztes Mal ermitteln. Arne Dahl zeigt noch einmal, wer in Schweden zu den besten Krimi-Autoren gehört. Story, Figuren, Stil, Spannung – es stimmt wieder alles.

Auch als Hörbuch erhältlich bei Osterwold Audio. Achim Buch gibt dem Krimi von Arne Dahl den besonderen Kick. Seine Sprecherleistung ist auch A-Klasse. 19,99 Euro.

Piper, 461 Seiten; 19,99 Euro


Linn Ullmanndaumen rauf

Das Verschwiegene

DasVerschwiegeneDie Geschichte erzählt von einer scheinbar glücklichen Familie. Jeder hat seine Geheimnisse, aber alle leben mehr oder weniger gut damit. Bis in einer Julinacht eine junge Frau verschwindet und nach und nach alles Versteckte und Verschwiegene an die Oberfläche dringt.
Die Norwegerin Linn Ullmann steht für Literatur, die voller Geheimnisse und Leben und dessen Unwägbarkeiten steckt. „Das Verschwiegene“ ist eine fesselnde Lektüre in einer klaren Sprache. Es zeigt, dass keiner so ist, wie er sich gibt. Jeder trägt sein inneres dunkles Verlies mit sich herum.

Luchterhand, 351 Seiten; 19,99 Euro


Hörbuch der Woche

Sophie McKenziedaumen rauf

Seit du tot bist

SeitdutotbistGenivers Tochter kam vor acht Jahren tot zur Welt. Sie war damals verzweifelt, hat sich aber mit dem Schicksal abgefunden. Doch nun steht eine fremde Frau vor ihrer Tür und behauptet, dass ihre Tochter lebt. Dass alle bei der Geburt Anwesenden gekauft waren, damit jemand Gen ihr Baby wegnehmen konnte. Zunächst hält Gen das für einen geschmacklosen Scherz. Aber etwas in ihr sagt ihr, dass die Frau die Wahrheit sagt, und eine trügerische Hoffnung keimt in ihr auf. Aber wer sollte so etwas tun, falls es tatsächlich wahr ist? Es kann nur jemand aus ihrem engsten Umfeld gewesen sein. Die Suche nach der Wahrheit beginnt.

Die vielseitige englische Autorin Sophie McKenzie hat mit „Seit du tot bist“ einen Krimi geschrieben, der einen langsam in den psychologischen Abgrund führt. Die Geschichte beginnt demnach auch nicht im Eiltempo, sondern lässt sich Zeit. Was bei anderen Krimis oft langweilig wirkt, hält einen hier trotzdem, weil die Figuren sehr gut ausgearbeitet sind. Und dann bekommt die Geschichte richtig Fahrt und birgt auch die ein oder andere Überraschung. Britta Steffenhagen, Theaterschauspielerin und Synchronsprecherin, gibt jeder Figur die gewisse Nuance, die sie zu etwas Besonderem macht.

Auch als Taschenbuch erhältlich bei Heyne, 9,99 Euro.

Random House Audio, 6 CDs, 439 Minuten; 19,99 Euro

Kolumne Nr. 254 vom 08.07.2013

Marion von Adlersteindaumen rauf

Die Martini-Affären

DieMartinieAffaerenSydney, 1962. In der renommierten Werbeagentur Bofinger Adams Rawson & Keane herrscht Pionierstimmung. Textchefin Beas Kampagnen sind erfolgreich, sie wird von den Mitarbeitern geschätzt, aber ihre Beziehung ist gescheitert, und sie als über 30-jährige damit ein hoffnungsloser Fall. Fernsehproduzentin Desi erntet neidische Blicke, will aber einen Mann heiraten, für den sie nichts empfindet. Sekretärin Stella möchte genau so werden wie Desi und Bea: schön, beliebt und erfolgreich. Doch sie ist nicht kreativ. Diesen Makel macht sie aber mit Intrigen, Anbiederung und Ideenklau weg. Und diese Talente führen sie tatsächlich immer weiter nach oben.

„Die Martini-Affären“ sind das australische „Mad Men“! Nur hier spielen die Frauen die Hauptrolle. Jede Seite ist ein Genuss. Man wünscht sich in die 1960er zurück um diese einzigartige Zeit selbst miterleben zu können. Und die Autorin hat, dank ihres Alters, diese Zeit selbst voll miterlebt. Sie weiß den Spirit und den Charme dieser Zeit wunderbar einzufangen. Wer die Serie „Mad Men“ kennt, findet in diesem Buch manche Figuren wieder, die es so ähnlich in der amerikanischen Fernsehserie, die weltweit so für Aufsehen sorgt, auch gibt. Genau das ist das schöne daran. Endlich ein Roman, der diese erstklassige Serie ähnlich in Literatur umformt. Extraklasse! „Die Martini-Affären“ ist auch ein Roman über starke Frauen, in einer Zeit, in der Frauen nicht stark sein sollten, sondern nur schöne Heimarbeiter. Marion von Adlerstein lässt es mit 80 Jahren so richtig krachen. „Die Martini-Affären“ ist ihr erster Roman. Hoffentlich lässt sie noch ein paar Romane dieser Art folgen.

Pendo, 438 Seiten; 14,99 Euro


Donna Leondaumen runter

Tierische Profite

TierischeProfiteAls eine aufgedunsene Leiche im Kanal gefunden wird, ist ein eleganter Lederschuh die einzige Spur, die Commissario Brunetti hat. Seinen Stiernacken verdankt der Tote einer seltenen Krankheit. Doch so unschön das Aussehen des Toten, so sanft war seine Seele, wie Vianello und Brunetti bei ihren Nachforschungen entdecken. Ein Fall, der bis in den Bauch von Venedig, nach Mestre, führt. Bis Brunetti aber endlich auf der richtigen Spur ist, vergeht seine Zeit. Die wird mit Familienleben, Spaziergängen und Einkehren in Bars und Cafès gefüllt.

Donna Leon und der Untergang einer Legende. So könnte der Buchtitel auch lauten. „Tierische Profite“ ist der einundzwanzigste Fall vom immer noch beliebten Commissario Brunetti. Aber Brunetti zehrt nur noch von seiner erfolgreichen Vergangenheit, denn die letzten zehn Fälle waren nur Durchschnitt oder gar grandiose Flops! „Tierische Profite“ reiht sich bei den Flops ein. Man fragt sich wieder einmal, wo ist er denn, der Krimi? Brunetti ermittelt ein bisschen, aber ansonsten ist er mit Familie, Kollegen und Venedig an sich beschäftigt. Das Grundthema vom kranken Fleisch und wie man daraus viel Geld macht, ist gut und zeitgemäß, aber Donna Leon macht daraus einen öden Krimi.

Auch als Hörbuch erhältlich bei Diogenes Hörbuch. Das Hörbuch kann bei einer derart schwachen Geschichte auch nicht mehr das Ruder herumreißen. Auch wenn Jochen Striebeck eine solide Sprecherleistung abliefert. 29,90 Euro.

Diogenes, 328 Seiten; 22,90 Euro


Taylor Stevensdaumen rauf

Mission Munroe – Die Sekte

MissionMunroeDieSekteVanessa Michael Munroe hat sich in Tanger einen Fluchtpunkt gesucht. Hier in Marokko kam sie nach ihrem letzen Auftrag etwas zur Ruhe. Doch nun besucht sie ihr Freund Logan und will sie mit nach New York nehmen. Sie ist die einzige Chance für die vor acht Jahren entführte, damals fünfjährige Hannah. Sie befindet sich seitdem in der Gewalt der christlich-fundamentalistischen Sekte der „Erwählten“. Um die Spuren des kleinen Mädchens zu verwischen, reisten die Anhänger des „Propheten“ unaufhörlich von Land zu Land. Doch Hannah ist nicht vergessen. Eine Gruppe, die es geschafft hat auszusteigen, will Munroe engagieren. Doch Munroe weiß, wie gefährlich die Aktion ist.

Taylor Stevens ist eine Mischung aus Ian Fleming, Daniel Silva und Chevy Stevens. Vanessa Michael Munroe ist eine Figur wie sie in der weltweiten Spannungs-Literatur kein zweites Mal zu finden ist. Taylor Stevens hat ihrer Figur so viel Tiefe verliehen, dass diese ihre außergewöhnlichen Handlungen nachvollziehbar wirken lässt und nicht zum bloßen Spionage- und Heldenquatsch macht. „Die Sekte“ ist nach dem fulminanten Debüt „Die Touristin“ der zweite Auftrag für Munroe. Und dieses Buch schlägt genauso ein wie das erste. Taylor Stevens wuchs selbst in einer Sekte auf, bevor ihr mit 20 der Ausbruch gelang. Ihr Insiderwissen verleiht der Geschichte noch mehr Glaubwürdigkeit.

Goldmann, 472 Seiten; 9,99 Euro


William Gaddisdaumen rauf

Die Fälschung der Welt

DieFaelschungderWeltWyatt Gwyon hat zeichnerisches Talent, er landet Ende der vierziger Jahre im New Yorker Greenwich Village. Er wird zu einem genialen Kunstfälscher. Doch er kopiert nicht etwa alte Meister, sondern erfindet neue „Originale“. Um ihn herum gibt es bald ein ganzes Heer an Persönlichkeiten, die sich alle in einem Netz aus Lügen an der Fälschung der Welt beteiligen.
Über 1200 Seiten Literatur die einen umhaut! „Die Fälschung der Welt“ wurde erstmal 1955 veröffentlicht und gilt heute als einer der großen Klassiker der amerikanischen Literatur. William Gaddis (1922-1998) wurde mehrfach für seine Werke ausgezeichnet. Mit diesem Roman beweist er seine Beobachtungsgabe einer Gesellschaft, die sich immerzu selbst betrügt. „Die Fälschung der Welt“ ist kein Roman, sondern ein Ereignis!

DVA, 1222 Seiten; 34,99 Euro


Will Gompertzdaumen rauf

Was gibt’s zu sehen?

WasgibtszusehenWill Gompertz, u. a. langjähriger Media-Direktor der Londoner Tate Gallery, lässt einen in „Was gibt’s zu sehen?“ viel sehen. Von Monets Seerosen zu van Goghs Sonnenblumen, von Warhols Suppendosen zu Hirsts eingelegtem Hai. Hier erwarten sie viele Geschichten hinter den Meiserwerken.
150 Jahre moderne Kunst auf einen Blick verspricht dieses Buch. Und es hält sein Versprechen! Der Autor geht mit dem Leser auf einen Streifzug durch die Kunstgesichte. Es gibt Wundervolles, Überraschendes, Kurioses und viel Interessantes. Ein Buch das Spaß macht und bildet. Was will man mehr?

DuMont, 447 Seiten; 24,00 Euro


Hörbuch der Woche

Tania Carverdaumen rauf

Stirb, mein Prinz

StirbmeinPrinzEin altes Haus soll abgerissen werden. Da entdecken die Arbeiter etwas Grauenhaftes im Keller: einen Käfig aus Menschenknochen. Und darin ein verwahrlostes Kind. Wer ist dieser Junge? Wer hat ihm das angetan? Mit ihren Ermittlungen stören Kommissar Phil Brennan und Profilerin Marina Esposito einen kaltblütigen Menschensammler, der seit mehr als dreißig Jahren einem grausamen Ritual folgt. Dieses Ritual hat bisher viele Seele eingefordert. Und der Killer duldet keine Einmischung. Er will den Jungen zurück.

Die Engländerin Tania Carver landet mit ihrem Debüt-Thriller „Entrissen“ gleich einen Bestseller. Auch der zweite Fall der Profilerin Marina Esposito war ein Erfolg. Diese Erfolge kann sie nun mit „Stirb, mein Prinz“ wiederholen. Ein schonungsloser Krimi, der psychologisch präsent ist, der die Polizeiarbeit akribisch darlegt und der mit Ermittlern überzeugen kann, die nicht dem Mainstream entsprechen. Spannend ist „Stirb, mein Prinz“, aber die großen Aha-Momente fehlen. Trotzdem gut gelungen. Achim Buch liest klar und mit Struktur. Er gibt den unterschiedlichen Geschichtsteilen die richtige Stimme und Stimmung.

Auch als Paperback erhältlich bei List, 14,99 Euro.

Hörbuch Hamburg, 6 CDs, 464 Minuten; 19,99 Euro

 

Kolumne Nr. 255 vom 15.07.2013

Douglas Preston / Lincoln Childdaumen rauf

Fear – Grab des Schreckens

FearGrabdesSchreckensZwölf Jahre glaubt Special Agent Aloysius Pendergast, dass seine Frau tot ist. In New York steht Helen nun vor ihr. Doch ihr Wiedersehen ist nur von kurzer Dauer, dann wird seine Frau entführt. Mit unerbittlicher Härte nimmt der FBI Agent die Verfolgung auf. Doch die Täter sind ihm immer einen entscheidenden Schritt voraus. Zur selben Zeit hinterlässt ein Serienkiller an seinen Tatorten persönliche Nachrichten für Pendergast. Sein Freund Lieutenant Vicent D’Agosta jagt den Killer. Trotz seiner persönlichen Tragödie greift Pendergast in die Ermittlungen ein und erkennt, dass sein Wiedersehen mit Helen nur der Auftakt zu einem perfiden Komplott war. Und dass ihm die grausame Wahrheit noch bevorsteht.

Preston & Child treiben es wieder wild! „Fear – Grab des Schreckens“ ist ein High-Speed-Thriller, der keine Atempause kennt! Dieses Buch ist die direkte Fortsetzung von „Revenge – Eiskalte Täuschung“. „Fear“ ist der Abschluss innerhalb der Pendergast-Reihe, in der es um Pendergasts Familiengeheimnisse geht. Eine Krönung der Reihe in der Reihe! Zudem bringt das Autoren-Duo eine spannende Serienkiller-Jagd in die Geschichte mit ein, das birgt zusätzlichen Lesezündstoff. Auch erfährt man wieder Neues von Constance Greene. Pendergast hat auf jeder Thriller-Gästeliste einen der vorderen Plätze. Einfach geniale Thriller-Literatur!

Auch als Hörbuch erhältlich bei Argon Hörbuch. Detlef Bierstedt, die deutsche Stimme von Georg Clooney, liefert mit seinen Preston & Child Besprechungen jedes Mal ein Hör-Highlight ab. 19,99 Euro.

Droemer, 568 Seiten; 19,99 Euro


Elaine Corvidaedaumen runter

Unter Golems

UnterGolemsDie Universität von Giavolo gehört zu den stolzesten Akademien des Landes. An dieser Schule unterrichtet die Zauberin Verbena die magischen Künste und hat sich zusammen mit ihrem Kollegen Malachit einer geheimen Kunst verschrieben: der Erfindung von Golems, halb Mensch, halb Apparatur. Verbenas neueste Kreation ist ein Golem der für kriegerische Einsätze genutzt werden kann. Als die Seher der Universität eine Attacke auf Verbena prophezeien, wird die Magierin fortan von dem Ork-Leibwächter Riyu auf Schritt und Tritt begleitet. Dann erfolgt der Angriff einer bislang unbekannten Golem-Art, dieser hat schwerwiegende Folgen.

Die Amerikanerin Elaine Corvidae hat bereits zahlreiche Fantasy-Romane veröffentlicht. „Unter Golems“ ist ihre neuester. Ein Fantasy-Abenteuer, das nur schwer in die Gänge kommt. Die Helden und die Geschichte packen einen nie so, dass man total mitfiebert und immer wissen möchte, was die Helden denn als nächstes machen. So kommt dann irgendwann Langeweile auf. Und der Titel verspricht mehr, als er hält, denn Golems kommen zwar vor, aber Orks spielen eine viel größere Rolle. Zudem ist das Ork-Bild ein sehr eigenwilliges. So wie man die Orks aus „Herr der Ringe“ kennt, werden sie hier nicht dargestellt.

Piper, 398 Seiten; 14,99 Euro


Michael Hjorth & Hans Rosenfeldtdaumen rauf

Die Toten, die niemand vermisst

DieTotendieniemandvermisstIn den Bergen von Jämtland finden zwei Wanderinnen Knochen einer Hand, die aus der Erde ragen. Die Polizei vor Ort birgt sechs Leichen, darunter die zweier Kinder. Alle per Kopfschuss getötet. Stockholm wird um Verstärkung gebeten, und Kommissar Höglund reist mit großem Tross in die Provinz. Doch die Ermittlungen stehen unter keinem guten Stern. Kriminalpsychologe Sebastian Bergman plagen private Probleme, Spannungen belasten das ganze Team. Und auch der Fall entpuppt sich als kompliziert. Die Toten werden von niemandem vermisst. Als Höglund und Bergman endlich auf eine Spur stoßen, schaltet sich der schwedische Geheimdienst ein.

Nach den sensationellen Krimis „Der Mann der kein Mörder war“ und „Die Frauen, die er kannte“ legten das schwedische Bestseller-Duo Hjorth & Rosenfeldt nun ihren dritten Roman aus der Reihe um den Psychologen Sebastian Bergman vor. „Die Toten, die niemand vermisst“ lässt es an nichts vermissen, was einen ausgezeichneten Krimi ausmacht! Ein spannender Aufbau der Story lässt den Leser miträtseln bis zum Ende. Der Roman zeigt, wie der 11.09.2001 die Welt veränderte. Vor allem, wie Regierungen gegenüber ihren Bürgern vorgehen. Demokratie ade. Und wieder zeichnet sich das Autoren-Duo durch die sorgfältige Zeichnung ihrer Figuren und den Konstellationen untereinander aus. Man ist so fasziniert und es ist so spannend geschrieben, dass man den Fall manchmal ganz vergisst. Höchste literarische Krimi-Güteklasse!

Rowohlt Polaris, 620 Seiten; 14,99 Euro


Philippe Bessondaumen rauf

Der Verrat des Thomas Spencer

DerVerratdesThomasSpencerNatchez, Mississippi. Paul und Thomas verbindet eine große Freundschaft. Auch als Paul Claire kennenlernt, ändert sich nichts. Sie genießen die Zeit zu dritt. Dann meldet sich Paul zum Krieg in Vietnam. Er kommt schwer entstellt zurück und bemerkt, dass er verraten wurde.
Der Franzose Philippe Besson gehört zu den großen Magiern der Weltliteratur! Seine Romane brillieren mit Stil, Eleganz, Tragik und Spannung. Mit „Der Verrat des Thomas Spencer“ fügt er seinem Gesamtwerk einen weiteren solchen Roman hinzu. Man leidet mit den Figuren mit, man nimmt Anteil an jeder kleinen Szene, weil sie so fabelhaft geschrieben ist.

dtv, 218 Seiten; 14,90 Euro


Kate Kitchenhamdaumen rauf

Hundeglück

HundeglueckGut versorgt, gut erzogen, beste Freunde – das alles trifft auf den besten Freund des Menschen zu, dem Hund. Wer von Anfang alles richtig macht, dem erwarten mit seinem Tier ungeahnte Freuden.
Kate Kitchenham ist in Deutschland für ihren Hundeverstand bekannt. Mit diesem Buch hat sie einen Ratgeber geschrieben, der leicht und wunderschön (durch die Fotos von Heiner Orth) vermittelt, auf was es ankommt, um mit dem richtigen Hund ein Leben lang glücklich zu sein.

Kosmos, 160 Seiten; 19,99 Euro


Hörbuch der Woche

Marc Raabedaumen rauf

Der Schock

DerSchockJan Floss braucht eine Auszeit. Seine Schwester Katy organisiert einen Trip nach Südfrankreich. Mit von der Partie sind Greg und Laura, Jans heimliche Jungendliebe. Doch plötzlich verschwindet Laura Jan findet nur ihr Handy, mit einem unheimlichen Film im Speicher. Für ihn steht fest: Laura ist etwas zugestoßen. Ihre Spur führt nach Berlin, und je tiefer Jan bei seiner Suche in Lauras Vergangenheit gräbt, desto mehr verstrickt er sich in einen düsteren Albtraum.

Marc Raabe hatte mit seinem Debüt-Thriller „Schnitt“ einen starken Eindruck hinterlassen. Er wurde zum Bestseller, was er nun mit „Der Schock“ wiederholt. Ein Psychothriller der wahrlich schockiert, von Anfang bis Ende! Er erinnert in seiner Außergewöhnlichkeit an den unvergesslichen Bestseller „Totenstarre“ von Mark Nykanen. „Der Schock“ dreht mächtig an der Spannungsschraube. Raabe hört nicht auf, an ihr zu drehen, bis zum ereignisreichen Ende. Sascha Rotermund, die deutsche Stimme von „Mad Men“ Jon Hamm, liest herb, filigran, nuanciert. Er bringt die Spannung auf den Punkt und ins Ohr.

Auch als Taschenbuch erhältlich bei Ullstein, 9,99 Euro.

Hörbuch Hamburg, 6 CDs, 468 Minuten; 19,99 Euro

Kolumne Nr. 256 vom 22.07.2013

Sharon Boltondaumen rauf

Dead End

DeadEndCambridge. Zwanzig Selbstmorde in fünf Jahren. Meist sind es junge Frauen von der Universität, die sich auf höchst ungewöhnliche Art das Leben nehmen. Zuletzt versuchte die 19-jährige Bryony Carter sich zu verbrennen. Die Polizei vermutet, dass da mehr dahinter steckt. Auch die Psychiaterin Evi Oliver ist besorgt. Nun soll sich DC Lacey Flint als verletzlich-depressive Studentin ausgeben und den Lockvogel spielen. Doch je tiefer sie mit Evi Olivers Unterstützung in die Selbstmordserie eintaucht, desto bedrohlicher wird die Situation für beide Frauen. Als Lacey schließlich unter denselben Albträumen leidet, von denen die jungen Frauen in den Tod getrieben wurden, weiß sie: Sie ist die Nächste.

Sharon Bolton hat mit ihren Büchern „Todesopfer“, „Schlangenhaus“, „Bluternte“ und „Dunkle Gebete“ Thriller geschrieben, die alle klug konstruiert, psychologisch ausgefeilt und megaspannend waren. Genau das trifft auf ihren neuen Thriller „Dead End“ auch wieder zu. Ein Thriller, der einem keine ruhige Sekunde schenkt! Ein Old-School-Thriller, der nicht mit Gewalt heischen muss, sondern der mit leisen Zwischentönen einen Spannungsbogen aufbaut, der bis zum Ende durchgezogen wird. Sharon Bolton bleibt ihrem Stil treu! DC Lacey Flint kennt man schon aus „Dunkle Gebete“, wo sie einen neuzeitlichen Jack-the-Ripper-Serienkiller zur Strecke brachte. Keine Ermittlerin von der Stange, von der man gerne noch mehr erfahren möchte.

Manhattan, 430 Seiten; 14,99 Euro


Christian Limmerdaumen runter

Saubär

SaubaerNiedernussdorf, Niederbayern. Mehrere Leichen, aber nur ein Mensch, fünf waren Schweine. Das Dorf rätselt, was ist passiert? Hat eine unheimliche Gestalt, groß wie ein Bär, getötet? Einer Legende nach soll ein Saubär, ein Zwitterwesen, nach Erntedank durch die Lande ziehen und wahllos Tiere und Menschen töten. Die Polizisten Schorsch und Richie aktivieren zu Sicherheit den Stammtisch. Die Dorfgemeinschaft rüstet sich. Der Hauptkommissar spottet über die Provinzler. Er glaubt nicht an Monster oder Saubären. Bis er ihm eines Nachts über den Weg läuft.

Mit seinem ersten Niederbayernkrimi „Unter aller Sau“ landete der in Straubing geborene Christian Limmer 2012 gleich einen Erfolg. Mit seinem Krimi „Sau Nr. 4“ wurde zudem mit dem Bayerischen Fernsehpreis 2011 ausgezeichnet. Nun folgt der zweite Fall für Hauptkommissar Lederer, Markenzeichen Ledermantel, Cowboystiefel und Pornoschnauzer. „Saubär“ fängt noch ganz spannend an, aber dann geht es leider nicht so weiter. Der Roman überzeugt mit viel Lokalkolorit und kauzigen Figuren. Mit was er nicht überzeugt, ist mit einem spannenden Kriminalfall. Das Buch zieht sich so dahin. Man schmunzelt immer wieder mal, aber zu mehr reicht es dann nicht.

Droemer, 303 Seiten; 14,99 Euro


Mia Marchdaumen rauf

Der Sommer der Frauen

DerSommerderFrauenSommer mit Meerblick. In Boothbay Harbor, einem kleinen Fischerörtchen in Maine, führt Lolly ein gemütliches Bed & Breakfast. Die Gäste schätzen die nette Atmosphäre und das gute Essen. Und sie lieben die Kinoabende: Denn jeden Freitag zeigt Lolly einen Film - immer mit Meryl Streep, ihrer Lieblingsschauspielerin. Diesen Sommer sind auch ihre Tochter und die beiden Nichten angereist. Mit Widerwillen. Aber Lolly hat eine Nachricht zu vermelden. Auch die drei bringen ganz eigene Sorgen mit. Als Lolly dann die Nachricht verkündet, sind alle schockiert. Helfen tun die Filme mit Meryl Streep. Hier kann man trotzdem zusammen lachen und muss auch weinen. Aber alles miteinander. Und die Filme geben Antworten auf viele Fragen im Leben. Und das Leben stellt große Fragen in diesem unvergesslichen Sommer.

Ein Roman zum Mitfühlen, Wohlfühlen, träumen, lachen traurig und glücklich sein. Mia March hat mit „Der Sommer der Frauen“ einen Roman geschrieben, der, im Sommer wie im Winter, einem vorzügliche Lesestunden beschert. Isabel, June und Kate sind Frauen, die voller Leben und Eigenheiten stecken. Man geht gerne mit ihnen mit, durch alles was das Leben für sie bereithält. Ein Buch, das zeigt, wie vielschichtig und unwägbar die Liebe und das Leben ist. Mia March lebt an der Küste von Main, wo auch der Roman spielt. Sie schafft es sehr gut, nicht nur das Personal überzeugen zu lassen, sondern auch die Umgebung hinterlässt einen bleibenden Eindruck. „Der Sommer der Frauen“ ist Marchs Debütroman, der sich schon in gut 20 Länder verkauft hat.

Rowohlt, 424 Seiten; 9,99 Euro


Stephen Kingdaumen rauf

Joyland

JoylandSommer 1973. Student Devin Jones arbeitet während der Ferien im Vergnügungspark Joyland. Drei Dinge beschäftigen Devin: Seine große Liebe Wendy gibt im den Laufpass. Nach einem Mord soll es in der Geisterbahn Horror House spuken. Und welches Geheimnis hat die schöne junge Frau mit dem behinderten Sohn?
Ein echter King! Ein echt gruseliges Lesevergnügen! „Joyland“ hat alles, was man vom alten wie neuem Stephen King gewöhnt ist. So spielt die Story auch in dem Jahrzehnt, in dem King die literarische Weltbühne betrat. Fesselnd, ergreifend, stark – „Joyland“.

Heyne, 352 Seiten; 19,99 Euro


Emma Donoghuedaumen rauf

Das rote Band

DasroteBandLondon, 1760. Die dreizehnjährige Mary Saunders ist in Armut geboren und landet auf der Straße, aber sie will mehr. Sie erkennt schnell, Kleider machen Leute. Das begabte Mädchen will auch auf die Sonnenseite des Lebens. Sie gibt alles dafür. Doch kann dieses Märchen einen guten Ausgang nehmen?
Ein dramatisch literarischer Historien-Edel-Roman, der einen sofort mit seinen Figuren und dem Stil in seinen Bann zieht! Emma Donoghue hatte bei uns mit dem erschütternden Roman „Raum“ einen Bestseller gelandet. „Das rote Band“ ist ein Frühwerk der Autorin aus dem Jahre 2000.

Piper, 524 Seiten; 19,99 Euro


Hörbuch der Woche

Mark Lowerydaumen rauf

Das peinlichste Jahr meines Lebens

DaspeinlichsteJahrmeinesLebensMichael Swarbricks perverser Freund Paul Beary reißt ihn in die Sache mit der Mädchenumkleide rein, sein idiotischer großer Bruder knutscht mit dem Mädchen seiner Träume rum, und als er früher als geplant nach Hause kommt muss er entdecken, dass seine Eltern heimliche Nudisten sind. Eine Kette von Ereignissen, die er selbst nicht beeinflussen kann, scheint darauf aus zu sein, sein Leben zu ruinieren. Aber stattdessen denken seine Lehrer, dass er Schwierigkeiten hat, mit seinen Gefühlen umzugehen. Er soll zum Psychologen. Und so beginnt Michaels „Geplauder mit Chas“, dem Psycho, was zunächst tatsächlich genauso demütigend und peinlich ist, wie es klingt…

Ein humorvoller und heiterer Roman, der aber auch immer wieder stille Fragen zum Nachdenken aufgibt. Das Erwachsenwerden wird hier so grausam echt geschildert, man denkt unweigerlich zurück an seine eigene Jugend und wie es bei einem selbst war. Ähnliche Figuren wie aus dem Buch, hat wohl jeder in seiner Jugendzeit erlebt. Das macht diesen Roman zum Lesemiterlebnis. „Das peinlichste Jahr meines Lebens“ – das auf- und ab der jungen Hormonachterbahn. Christian Ulmen, einer unserer Top-Kinostars und der zukünftige Weihnachts-Tatort-Kommissar, liest so eingängig, vergnüglich, komisch, dass es nur so eine Freude ist. Ulmen lauschen ist wahrlich ein Fest!

Auch als Paperback erhältlich bei Scherz, 14,99 Euro.

Random House Audio, 4 CDs, 324 Minuten; 19,99 Euro

Kolumne Nr. 257 vom 29.07.2013

Daniel Wolfdaumen rauf

Das Salz der Erde

DasSalzderErdeHerzogtum Oberlothringen, 1187. Nach dem Tod seines Vaters übernimmt der junge Salzhändler Michel de Fleury das Geschäft der Familie. Doch seine Heimatstadt Varennes leidet unter einem korrupten Bischof und einem grausamen Ritter, der die Handelswege kontrolliert. Armut und Willkür sind die schwerwiegenden Folgen. Als Michel beschließt, Varennes nach dem Vorbild Mailands in die Freiheit zu führen, steht ihm ein schwerer Kampf bevor. Seine Feinde lassen nichts unversucht, ihn zu vernichten. Auch die Liebe zur schönen Isabelle gerät in große Gefahr.

Fesselndes historisches Hollywood-Breitband-Kino von einem deutschen Autor. Großartig! Daniel Wolf legt ein Debüt im historischen Roman hin, das ihm so schnell keiner nachmachen wird. Die groß angelegte Geschichte und die zahlreichen Akteure sind wunderbar bis ins Detail  ausgearbeitet. Unweigerlich muss man an die Bücher einer Rebecca Gablè denken. Trotz über 1.100 Seiten wird das Buch nie langweilig. Man hat nach jeden 100 Seiten das Gefühl, das Buch ist am Ende viel zu kurz. Und hat man das Ende erreicht, ist genau das eingetreten. „Das Salz der Erde“ hätte auch 2.000 Seiten lang sein dürfen. Ein historischer Kracher, der einen vom Lesesessel schmeißt!

Auch als Hörbuch erhältlich bei Der Hörverlag. Eine große Geschichte muss auch von einem großen Sprecher gelesen werden. Einer hat sich in der Hörbuch-Landschaft da einen besonderen Namen gemacht: Johannes Steck. Wenn er liest, ist um einen herum Ruhe. 19,99 Euro.

Goldmann, 1148 Seiten; 9,99 Euro


Claudia Brockmanndaumen runter

Warum Menschen töten

Warum MenschenToetenClaudia Brockmann arbeitet seit über 25 Jahren als Polizeipsychologin beim Landeskriminalamt in Hamburg. Sie erstellt Täterprofile, die zur Klärung von Morden beitragen. Sie entwickelt die Gesprächsführung mit Entführern und Erpressern. Und sie betreut die Opferfamilien. Einer von Brockmanns Fällen ist der der kleinen Hilal, die nur einen Kaugummi kaufen gehen wollte und nie wieder zurückkam. Ein anderer handelt von einem Taxifahrer, der erschossen in seinem Wagen gefunden wird. Es deutet auf Raubmord hin, aber es war dann doch alles ganz anders. Und noch drei weitere Fälle.

Die Fälle, die die Polizeipsychologin schildert, sind erschütternd, spannend und zeigen einen Einblick in die Polizeiarbeit. Aber das Buch liest sich wie eine Kurz-Doku im Fernsehen. Es kommt zu wenig Leben rüber, die Fälle werden sehr trocken beschrieben. Eine Psychologin ist keine Autorin, aber es gibt in diesem Genre auch Bücher, die weit mehr Leben rüberbringen, als dieses. Trotzdem muss man natürlich betonen, dass die Autorin ja keinen Krimi geschrieben hat, sondern ein Buch, das auf echten Fällen beruht. Aber es konnte mich nicht so richtig fesseln.

Ullstein, 202 Seiten; 14,99 Euro


Francisco Goldmandaumen rauf

Sag ihren Namen

SagIhrenNamenAn der mexikanischen Pazifikküste überredet Aura ihren Mann zum Wellenreiten und er läuft mit ihr ins Meer hinein. Das ist der Moment, der sein Leben verändert. Denn Aura wird von der Welle mitgerissen und auf den Grund geschleudert. Zwölf Stunden lang kämpft sie gegen den Tod. Erst kurz vor dem Strandurlaub haben sie geheiratet, sie lieben sich leidenschaftlich, obwohl sie ein ungleiches Paar sind: er, Mitte fünfzig, ein bedächtiger Intellektueller, sie, dreißig, voll quirliger Lebenslust. Francisco schreibt aus der Distanz von drei Jahren über den tödlichen Badeunfall seiner jungen Frau und über ihre gemeinsame Zeit.

Eine Liebesgeschichte nach einer wahren Begebenheit, die einen gefühlsmäßig so richtig durchschüttelt! Man weiß nicht, ob man dauernd Tränen in den Augen haben soll, weil die Geschichte so traurig ist, oder soll man glücklich sein, wie Francisco seine große Liebe zu Aura schildert, wie er jede kleine Geste, jedes Lächeln, jedes Handeln von ihr beschreibt, als ob er ein literarisches Ölgemälde malt. „Sag ihren Namen“ ist ein sehr intensiver Einblick in das Innenleben einer großen Liebe und über den Verlust eines geliebten Menschen. Francisco Goldman zu lesen ist ein großes literarisches Erlebnis! Schon sein letztes Buch „Die Kunst des politische Mordes“, über den Mord an einem Bischof in Guatemala, war eine wahre Geschichte, die schockierte und berührte.

Rowohlt, 461 Seiten; 22,95 Euro


Nils Havemanndaumen rauf

Samstags um halb 4

Samstagsumhalb4Samstags um halb vier schaut Deutschland auf den Fußball. Und das schon seit 50 Jahren. Auf Grundlage bislang unveröffentlichter Quellen kann der Autor ein neues Licht auf die Bundesliga werfen.
Wer das Wirtschafts- und Kulturwunder Fußball Bundesliga verstehen will, der sollte dieses Buch lesen. Es zeigt vor allem die Zeit vor 1989. Wie steinig der Weg war bis aus der Idee Bundesliga das heutige große Geschäft wurde. Ein Buch, das nicht nur Fußballinteressierten viel Neues aufzeigen wird.

Siedler, 672 Seiten; 26,99 Euro


Wiebke Porombkadaumen rauf

Der zwölfte Mann ist eine Frau

DerzwoeflteMannisteineFrauWiebke Porombka wurde Fan, als Völler zu Werder Bremen kam. Als Mädchen damals irgendwie Fehl am Platz, sind heute Millionen Mädels in den Stadien. Aber echte Fans, so zeigt die Autorin in diesem Buch, bleiben allein, auch wenn Tausende um sie herumstehen.
Eine Frau, die ein Buch über Fußball schreibt, das macht schon mal neugierig. Werder-Fan Porombka schreibt mit Humor und Elan. Sie schlägt in ihrem Buch die Brücke von den guten alten 1980ern bis ins heutige Fußballleben. Die Anekdoten, die sie liefert, sind ein kurzweiliges Lesevergnügen.

Berlin Verlag, 189 Seiten; 14,99 Euro


Hörbuch der Woche

Kerstin Gierdaumen rauf

Silber – Das erste Buch der Träume

SilberDasersteBuchderTraeumeLiv Silbers Träume sind in der letzten Zeit ziemlich unheimlich. Besonders einer von ihnen beschäftigt sie sehr. In diesem Traum war sie auf einem Friedhof, bei Nacht, und hat vier Jungs bei einem düsteren magischen Ritual beobachtet. Die Jungs stellen aber eine ganz reale Verbindung zu Livs Leben dar, denn Grayson und seine drei besten Freunde gibt es wirklich. Seit kurzem geht Liv auf dieselbe Schule wie die vier. Wirklich unheimlich ist jedoch, dass die Jungs Dinge über sie wissen, die sie tagsüber nie preisgegeben hat – wohl aber im Traum. Kann das wirklich sein? Wie sie das hinbekommen, ist ihr absolut rätselhaft. Aber Liv liebt gute Rätsel.

„Gossip Girl“ meets kultige Fantasy! Das ist Kerstin Giers neue Trilogie. Das Buch flüstert: Trau deinen Träumen nicht. Kerstin Gier mischt durch, was in ist und herausgekommen ist ihre neue Trilogie. „Silber“ macht dabei den Anfang. Es geht um Liebe, Leid und Frust von heranwachsenden Mädchen, um Freundschaft, Schule und die Missgunst, die überall zu finden ist. Gier weiß, wie sie ihre Leser um den Finger wickeln kann. Ein traumhaftes Buch! Oder soll man gleich schreiben: eine traumhafte Trilogie! Wenn Gier das Niveau des ersten Bandes hält, auf alle Fälle. Simone Pahl liest frisch, frech und aufgeweckt. Mit ihrer stimmlichen Präsenz geht einem kein Satz durch die Lappen. An was sie noch arbeiten muss, ist ihr Bayerisch, dafür hat sie eine schöne Singstimme.

Auch als Hardcover erhältlich bei FJB, 18,99 Euro.

Argon Hörbuch, 8 CDs, 576 Minuten; 16,99 Euro