Kolumne Nr. 184 vom 05.03.2012

Sharon Bolton

Dunkle Gebete

DC Lacey Flint ist eine junge Londoner Polizistin, ihre liebste historische Figur ist der Serienkiller Jack the Ripper. Mit einem echten Mord hatte sie nichts zu tun, bis eine aus zahlreichen Stichwunden blutende Frau an der Tür von Laceys Wagen lehnt und in ihren Armen stirbt. Lacey wird zunächst nur als Zeugin vernommen, doch nach einem blutigen Bekennerbrief erkennt Lacey die Handschrift des Killers. Es sind die Taten von Jack the Ripper. Als ein weiterer bestialischer Mord geschieht, ist klar, dass jemand die Morde des Killers kopiert. Lacey wird mit ihren Kenntnissen um Jack the Ripper in die Ermittlungen eingebunden. Können die Ermittler den neuen Jack the Ripper stoppen, bevor er die komplette Mordserie nachempfunden hat? Und welcher Zusammenhang besteht zwischen den Opfern?

Sharon Bolton gehört zu den vielseitigsten britischen Thriller-Autorinnen! So was wie ihre drei ersten Thriller „Todesopfer“, „Schlangenhaus“ und „Bluternte“ hatte man bisher nicht gelesen. Diese Einzigartigkeit im Thriller-Genre setzt sie nun fort. „Dunkle Gebete“ zeigt einerseits die akribische Polizeiarbeit in London und anderseits verlässt es nie die Tempospur, die dramatischen Spannungsmomente und die Twists kommen immer, wenn man sie nicht erwartet. „Dunkle Gebete“ ist Gänsehaut pur und nichts für schwache Nerven! Wollen Sie den Jack the Ripper der Neuzeit lesen? Dann lesen Sie „Dunkle Gebete“. Sharon Bolton widmet sich mit diesem Thriller ausführlich dem Serienkiller Jack the Ripper, der mittlerweile zu englischem Kulturgut geworden ist, man soll es kaum glauben. Mit diesem Buch erfährt man viel über den einstigen Killer, seine Opfer, sein Vorgehen. Bolton verwebt die Vergangenheit mit der Gegenwart und hat mit ihrer undurchsichtigen Heldin Lacey Flint eine faszinierende Figur erschaffen. Eine Figur, die, wenn man denkt man kennt sie, sich gründlich geirrt hat.

Manhattan, 508 Seiten; 14,99 Euro

Nicholson Baker

Haus der Löcher

Shandee trifft einen Arm, Bobs Arm. Mit ihm hat sie dann erotische Erlebnisse. Ned wird in ein Golfloch gesogen und erlebt dort, im Loch, erotische Abenteuer. Jackie brütet ein Ei aus. Es dauert, bis es kommt, dann legt sie es in den Schoss von Cardell. Es ist ein Silberei, in dem ein winziger Silbermann und eine winzige Silberfrau Sex haben. Zilka wird auf dem Flughafen von St. Louis darauf hingewiesen, das ihre Klitoris nicht ins Handgepäck gehört. Ihre Klitoris stellt eine Bedrohung für die Sicherheit dar und muss ihr daher entfernt werden. Nur einige von den Geschichten, die Sie im Haus der Löcher erwarten.

Nicholson Baker hat u. a. mit „Vox“ einen erotischen Kunstroman geschrieben. Das versucht er auch jetzt wieder. „Haus der Löcher“ wird in der gedruckten Presse als große und gute moderne Pornographie gefeiert. Bei dieser Feier bin ich nicht Gast. „Haus der Löcher“ ist durchaus auch als Kunst zu bezeichnen, aber eher als das „Haus der Lacher“. Das Buch hat auf jeder Seite unfreiwillige, komische Momente. Die Worte Sex, Schwanz, Penis, Möse etc. werden reichlich verwendet, aber die lahmen Geschichten, die mit diesen Wörtern gefüllt werden, sind nicht mehr als skurril zu bezeichnen, sondern als pornographische Fantasy. Das Buch ist weder erregend, noch anregend, es ist das Gegenteil, es zerreist die erotischen Gedanken in der Luft und macht daraus eine pornographische Kunstmüllhalde.

Rowohlt, 317 Seiten; 19,99 Euro

Silvia Roth

Hitzschlag

Wiesbaden. Das Ermittlerteam Winnie Heller und Hendrik Verhoeven hat es mit einem Serievergewaltiger zu tun. Vier Frauen sind ihm bereits zum Opfer gefallen. Von der Presse wurde dem Täter der Name „Artist“ gegeben. Er hat unglaubliche Fähigkeiten, die Frauen auszuspionieren und unbemerkt in ihre Wohnungen einzudringen. Das fünfte Opfer und der Tathergang weißt dann Ungereimtheiten auf. Der Ehemann des Opfers Irina Portner wurde erschossen, während Irina bewusstlos war. Wie konnte es passieren, dass sich der akribische Planer von Ehemann Jan überraschen ließ? Fragen, die sich nicht nur die Ermittler stellen. Auch der Artist selbst ist auf der Jagd, denn irgendjemand versucht, ihm einen Mord anzuhängen, den er gar nicht begangen hat.

Die Reihe um Winnie Heller und Hendrik Verhoeven gehört zu den absoluten Highlights auf dem deutschen Krimi-Markt! Außergewöhnliche Fälle, unkonventionelle Charaktere und spektakuläre Spannungsmomente, das macht die Serie aus. Nach „Der Beutegänger“, „Querschläger“ und „Schattenriss“ ist „Hitzschlag“ der vierte Fall für das Ermittlerduo. Auch hier kommen diese Eigenschaften zum tragen. Silvia Roth legt viele Spuren, lässt den Leser rätseln, hält ihn immer bei der Stange, und führt ihn zu einem überraschenden Ende. Zwischendurch entwickelt sie ihre lebensnahen Hauptfiguren Winnie Heller und Hendrik Verhoeven klug weiter.

Hoffmann und Campe, 429 Seiten; 19,99 Euro

Paul Harding

Tinkers

Am Ende seines Lebens beginnt George Washington Crosby zu halluzinieren. Gleichzeitig versucht er, sein Leben an sich vorüberziehen zu lassen. Bestimmt von seiner Leidenschaft für Uhren, seiner ärmlichen, aber abenteuerlichen Kindheit, den geheimnisvollen Landschaften im Norden von Maine und seiner Eltern, die mit harten Schlägen zu kämpfen hatten.
„Tinkers“ ist ausgezeichnet mit dem Pulitzerpreis 2010. Ein Buch, das einen aufwühlt und den Geist Purzelbäume schlagen lässt. „Tinkers“ ist Literatur in seiner schönsten Form. „Tinkers“ ist aber auch durchweg anspruchsvoll und bedarf jede Sekunde die Aufmerksamkeit des Lesers. „Tinkers“ ist ein literarischer Countdown in den Tod. Ein letzte Reise, die man nicht mehr vergisst.

Luchterhand, 189 Seiten; 19,99 Euro

Courtney Allison Moulton

Angelfire – Meine Seele gehört dir

Ellie ist ein normales Mädchen, das bald ihren 17. Geburtstag feiert. Aber sie wird immer mehr von grausigen Alpträumen geplagt. Dann lernt sie Will kennen, einen Jungen, der ihr Unglaubliches offenbart: Sie ist ein besonderes Wesen mit magischen Kräften. Und ihre Alpträume sind keine Träume, sondern Erinnerungen an echte Ereignisse. Für Ellie beginnt nun ein Kampf gegen Kreaturen, die es auf die Seelen der Menschen abgesehen haben.
Eine gewaltig frische Brise im romantisch-mystischen Fantasy-Genre! „Angelfire“ bietet coole Figuren, die außerhalb der fantastischen Ereignisse sehr lebensnah sind, und eine Story, die einem so richtig Feuer unterm Hintern macht. „Angelfire“ ist der erste Band einer Trilogie. Schnell nachlegen!

Page & Turner, 411 Seiten; 17,99 Euro

Hörbuch der Woche

Kathy Reichs

Die ersten drei Fälle der Knochenjägerin

In „Tote lügen nicht“ untersucht Tempe eine verstümmelte Leiche, die sie an eine grausam zugerichtete junge Frau erinnert, die sie ein Jahr zuvor untersucht hat. Bald werden weitere Opfer gefunden, Tempe ist auf der Spur eines Serienmörders. In „Knochenarbeit“ findet man sieben Leichen in einem niedergebrannten Haus. War es eine Familietragödie? Ein Ritualmord? Die Spuren führen Tempe zu einer Sekte und zur Exhumierung einer Ordensschwester zwecks posthumer Heiligsprechung. Tempe gerät in Gefahr und plötzlich ist ihre Schwester Harry spurlos verschwunden. In „Lasst Knochen sprechen“ wird ein ermordetes Mädchen, die Überreste zweier Motorradfahrer nach einem Bombenanschlag und der ausgegrabene Schädel einer jungen Frau gefunden. Der Beginn der Ermittlungen in einem Krieg verfeindeter Motorradgangs um die Kontrolle des Drogenhandels in Montreal. Tempe kommt der Sache auf die Spur, das bringt nicht nur sie in Schwierigkeiten. 

Kathy Reichs Thriller sind zeitlos! Auch aus diesem Grund lässt Random House Audio die ersten drei Fälle der weltberühmten forensischen Anthropologin Dr. Tempe Brennan als Hörbuch aufleben, mit Ranja Bonalana, der Stimme aus der megaerfolgreichen Fernsehserie „Bones“. Ranja Bonalana liest lebendig, frech und lässt einen immer mitfiebern. Ihre Stimme bringt den unkonventionellen Charakter der Tempe Brennan perfekt rüber. Bisher waren diese Bücher nicht als Hörbücher erhältlich. Bei den erhältlichen Hörbüchern war zumeist Hansi Jochmann (deutsche Stimme von Jodie Foster) die Hörbuchstimme von Kathy Reichs Büchern, die das sehr gut machte. Es folgten aber auch weniger passende Stimmen bekannter Schauspielerinnen, bis Ranja Bonalana das Ruder übernahm. Es wäre zu wünschen, dass alle Bücher, die noch nicht mit ihrer Stimme erhältlich sind, neu eingelesen werden.

Auch als Taschenbücher erhältlich bei Heyne und Blanvalet.

Random House Audio, 18 CDs, 1.358 Minuten; 24,99 Euro

Kolumne Nr. 185 vom 12.03.2012

Siddhartha Mukherjee

Der König aller Krankheiten

Dieses Buch ist die Biographie des Krebses. Der Krebs gilt als moderne Krankheit, was aber weitgehend daher rührt, dass unsere Gesellschaft immer älter wird. In seiner Perfektion, in seiner Anpassungsfähigkeit und seiner Widerstandskraft nimmt der Krebs beinahe menschliche Züge an. Seine jahrtausend alte Geschichte gleicht einer Biografie. Es ist die Geschichte von Leid, von Forscherdrang, Ideenreichtum und Beharrlichkeit, aber auch von Hochmut, Arroganz und vielen Fehlern im Umgang mit der Krankheit. Siddhartha Mukherjee geht auf all dieses ein und noch vieles mehr, und er wirft einen Blick in die Zukunft der Krebsbehandlung.

„Der König aller Krankheiten“ ist ausgezeichnet mit dem Pulitzerpreis 2011. Ein Buch, das Geschichte schreibt! Ein Buch, das die Menschen beeinflussen wird. Ein Buch, das man liest und weiß, hier wurde Großartiges erschaffen. Ein ungemein spannender Blick auf eine Krankheit, die Medizin und die Menschen, die leiden, heilen, forschen und sterben. Wie Siddhartha Mukherjee oft trockene Geschichten und wissenschaftliche Informationen zu einem literarischen Leseerlebnis macht, das ist schon beeindruckend. Man erfährt, dass der Krebs erstmals 2500 v. Chr. erwähnt wurde, und er setzte seinen traurigen Siegeszug durch die Menschheit fort; Antisepsis und Anästhesie veränderten die Medizin enorm, so wurde dann ab den 1850er Jahren in immer ausweitenden chirurgischen Eingriffen gegen ihn vorgegangen; der 2. Weltkrieg war der Beginn der Chemotherapie, als Forscher Senfgas als Ursprung nahmen, um Jahre später daraus die Chemotherapie zu entwickeln; von einer umtriebigen Unternehmerin, die in den USA in den 1940er Jahren für den Krieg gegen den Krebs aufrief, und diese Kampagne lange fortsetzte und als gute Fee gegen den Krebs angesehen wurde; wie in den 1970er Jahren der amerikanische Staat endlich jährlich viele hundert Millionen Dollar zur Verfügung stellte für den Kampf gegen Krebs; wie die Erkenntnis reifte, dass Krebs sehr durch Außeneinflüsse wie Rauchen verursacht wird; wie die Menschen ihr Verhalten gegenüber der Zigarette änderten; wie spektakuläre Chemo-Methoden dem Vorgehen gegen den Krebs Hoffnung verliehen, diese sich aber als Heilungslüge entpuppten; und noch so vieles mehr über das Erforschen und den Kampf gegen den Krebs. Ein Buch, das einem einerseits Angst macht, wenn man so viel über den Krebs erfährt, anderseits aber auch Mut schenkt, mit seinem Leben richtig umzugehen und allem entgegenzutreten, was einem das Schicksal abverlangt.

DuMont, 670 Seiten; 26,00 Euro

Brooke Morgan

Vertrau mir nicht

Elli hat sich von ihrer Freundin zu einem Internet-Date überreden lassen. Elli ist ganz aufgeregt, auch deshalb, weil sie schon ewig kein Date mehr hatte, denn sie war lange verheiratet mit Charlie, doch der hat sie betrogen. Nun zieht Elli mit ihrem 15-jährigen Sohn Tim von Boston nach Bourne auf Cape Code. Dort will sie in der wunderbaren Landschaft mit Meerblick den Neuanfang wagen. Die ersten Wochen sind vielversprechend. Mit ihrer lebensfrohen Nachbarin Louisa freundet sie sich schnell an. Tim findet sich nach anfänglichen Schwierigkeiten auch zurecht. Und Ellis Internet-Date ist wohl nach London gezogen, schreibt ihr aber fleißig E-Mails. Aber dann wird ihr Haus verwüstet, es folgen anonyme Briefe, Drohungen am Telefon. Wer hat es auf Elli abgesehen?

Der zweite Nicht-Thriller der amerikanischen Autorin Brooke Morgan. Schon mit ihrem ersten Buch „Befleckt“ lud sie zum gepflegten Kaffeekränzchen-Thriller ein. Mit „Vertrau mir nicht“ wiederholt sie dieses Muster nun, setz sogar noch eins oben drauf. Die Charaktere, vor allem Ellie, verdienen den ein oder anderen Sympathiepunkt, aber dass war’s auch schon. Die ersten Spannungsmomente im Buch kommen ab Seiten 214 vor, von 378 Seiten insgesamt! Oder anders geschrieben, das Buch beginnt mit dem Datum 4. Juni und am 13. August kommt etwas Fahrt in die Geschichte. Aber selbst dann bleibt das auf sehr niedrigem Niveau. Zudem ist die Story sehr durchschaubar, was auch jegliches Thriller-Knistern sofort verstummen lässt. Wenn Sie einen Thriller wollen, der Spannung bietet, sollten Sie „Vertrau mir nicht“ nicht vertrauen.

Wunderlich, 378 Seiten; 14,95 Euro

Bernard Minier

Schwarzer Schmetterling

Dezember. Es ist eisig kalt in dem Wasserkraftwerk in 2000 Meter Höhe, das nur durch eine Seilbahn erreicht werden kann. Arbeiter, die für die jährliche Wartung des Betriebs zuständig sind, machen eine grausame Entdeckung. Ein geköpftes Pferd wurde dort grauenvoll inszeniert. Am Tatort werden DNA-Spuren des hochintelligenten Schweizer Serienmörders Julian Hirtmann gefunden. Doch dieser sitzt seit Jahren im Hochsicherheitstrakt einer hermetisch abgeriegelten psychiatrischen Anstalt. Noch während Commandant Servaz und die junge Anstaltspsychologin Diane Berg versuchen, das Rätsel um das geköpfte Pferd zu lösen, wird der kleine französische Ort unterhalb des Wasserkraftwerks von einer kaltblütig inszenierten Mordserie erschüttert, die die Ermittler vor ein großes Rätsel stellen.

Ein verstörender Thriller, der mit so lebendigen Details gefüllt ist, dass es einem oft Angst und Bange wird beim lesen. Bernard Minier schreibt so intelligent wie Jean Christophe Grangé. „Schwarzer Schmetterling“ steht in einer Reihe mit „Die purpurnen Flüsse“, dem großen Bestseller von Grangé. „Schwarzer Schmetterling“ ist mehr als ein Thriller, der einen jede Sekunde wach hält, er ist auch ein durchdringender Blick auf unsere Zeit, unsere Gesellschaft und das, was sie aus den Menschen macht. Und er stellt die Frage: Was ist Gerechtigkeit? Miniers Personal ist so vielschichtig wie seine Geschichte. Es gibt nie nur Schwarz und Weiß, sondern unendlich viele Graustufen dazwischen. Sie wollen, dass es Ihnen im warmen Wohnzimmer kalt wird beim lesen, dann greifen Sie zu „Schwarzer Schmetterling“.

Auch als Hörbuch erhältlich bei Argon Hörbuch. Johannes Steck hat das Thriller-Erzähl-Gen! Wie schon bei seinen Simon-Beckett-Lesungen entfaltet er hier sein Talent und lässt einen mitfrieren und –fiebern. 19,95 Euro.

Droemer, 681 Seiten; 14,99 Euro

Linwood Barclay

Weil ich euch liebte

Bauunternehmer Glen ist am Boden zerstört, seine Frau ist tot. Sheila soll volltrunken einen Autounfall verursacht haben und so auch noch zwei Menschen getötet haben. Glen kann es nicht glauben. Dann stirbt auch eine Freundin von Sheila. Und eine weitere Freundin erkundigt sich nach 62.000 Dollar, die sie Sheila gegeben haben will. Was hat Sheila ihm verschwiegen? Glen versucht die Wahrheit herauszufinden.
Linwood Barclay hat mit „Ohne ein Wort“ weltweit die Bestsellerlisten gestürmt. Auch seine weiteren Thriller standen dem in nichts nach. Linwood Barclay ist der Meister des Thrillers, der sich aus dem ganz normalen Alltagsleben heraus entwickelt. Plötzlich sind seine normalen Helden in einer Geschichte gefangen, die für den Leser ein unheimliches und super spannendes Lesevergnügen bedeuten.

Knaur, 526 Seiten; 9,99 Euro

Peter Kraus

Für immer jung

Peter Kraus erzählt von seiner Kindheit, seiner Jungend, seiner Karriere und von seinem Geheimnis, so lange aktiv und jugendlich zu bleiben. Das Buch enthält viele private Fotos und einen bebilderten Übungsplan, wie sich Peter Kraus fit hält.
Peter Kraus ist ein Hero! Nicht nur durch seine Musik, die nun schon seit über 50 Jahren Alt und Jung begeistert, auch durch sein immer positives Auftreten und sein frisches und unverbrauchtes Aussehen. Er ist ein Vorbild für Alt und Jung. Mit diesem Buch setzt er sich selbst ein kleines Denkmal.

Südwest, 176 Seiten; 14,99 Euro

Hörbuch der Woche

Jane Austen

Emma

Die 21-jährige Emma Woodhouse ist wohlhabend, schön und der strahlende Mittelpunkt der Gesellschaft im beschaulichen Highbury. Das angenehme Leben mit ihrem etwas lebensfremden Vater genießt sie in vollen Zügen und denkt nicht daran, ihre Unabhängigkeit für eine Heirat aufzugeben. Im Glauben an ihre vollkommene Menschenkenntnis beschließt sie jedoch, zumindest für Verbindungen unter ihren Freunden zu sorgen, und richtet damit ein Gefühlschaos an, das bald auch ihr eigenes Glück bedroht. Emma macht aus dem beschaulichen Highbury ein kleines Tollhaus.

Wer einmal einen Jane Austen Roman gelesen oder gehört hat, der will alle lesen und hören, vor allem wenn sie von Eva Mattes gelesen werden. Janes Austen ist der Ursprung des groß angelegten Liebesromans und „Emma“ einer ihrer beliebtesten Klassiker. „Tatort“-Kommissarin Eva Mattes verleiht mit ihrer edlen Stimme den Hörbüchern von Jane Austen genau den richtigen Ton. Eva Mattes setzt diese romantischen Klassiker perfekt um. Wenn man ihr lauscht, vergisst man alles drum herum und findet sich in der Welt von Jane Austen wieder. Ein dickes Lob für Argon Hörbuch, die „Emma“ hier in einer 1022 Minuten langen Version auf 14 CDs präsentiert. Bisher war nur eine sehr gekürzte Version mit 6 CDs erhältlich. Für alle Jane-Austen-Fans ein Genuss!

Argon Hörbuch, 14 CDs, 1022 Minuten; 39,95 Euro

Kolumne Nr. 186 vom 19.03.2012

Christos Tsiolkas

Nur eine Ohrfeige

neoEin Vorort von Melbourne. Es treffen sich Freunde, Familie und Bekannte bei Hector und Aisha zum Barbecue. Die langjährigen Freundinnen Aisha, Tierärztin, Anouk, Soap-Drehbuchschreiberin, und Rosie, eine wunderschöne Übermutter, haben unterschiedliche Auffassungen über Lebensgestaltung und Nachwuchs. Rosies Sohn Hugo, der auch mit knapp vier Jahren immer noch von Mamis Brust trinken darf, benimmt sich vollkommen daneben, macht absichtlich Sachen kaputt, wird von Mama Rosie aber immer in Schutz genommen. Nach einem weiteren Ausraster Hugos platzt Hectors Cousin Harry der Kragen und er verpasst Hugo eine Ohrfeige. Ein Vorfall mit weitreichenden Folgen. Rosie und ihr Mann Gary, ein Handwerker und Trinker, zeigen Harry bei der Polizei an. Eine Tat, eine Anzeige mit weitreichenden Folgen.

„Nur eine Ohrfeige“ ist ein oscarreifes Drama! Christos Tsiolkas lotet die Gefühle, Zwischentöne, die Geheimnisse von menschlichen Beziehungen bis in den hintersten Winkel aus. Er seziert mit höchster Präzision die menschlichen Schwächen und Stärken. Ein durchleuchtendes Buch über die Ehe, über Kinder, Familie, Freundschaften und den Glauben. Es lässt tief blicken, über die alltäglichen Taten und Gefühle, die uns so sehr beschäftigen. Als Leser nimmt man nach und nach auch eine Seite ein, auf der man steht und verteidigt dies beim lesen im Kopf. Das Buch rüttelt die eigene Gefühlswelt ganz schön durch. Aber man muss erkennen, umso besser man die Figuren kennen lernt, umso mehr beginnt die eingenommene Seite zu bröckeln. Die Geschichte erzählt von acht unterschiedlichen Personen (Hector, Anouk, Harry, Connie, Rosie, Manolis, Aisha und Richie). Jede Figur sieht die Geschehnisse anders und jede Figur hat darüber hinaus noch Geheimnisse, hieraus entwickelt sich unglaubliche Spannung. „Nur eine Ohrfeige“ ist ein Roman, den man nicht mehr weglegen kann.

Klett-Cotta, 509 Seiten; 24,95 Euro

Tom Sharpe

Henry haut ab

hhaHenry Wilt arbeitet als Berufsschullehrer an Fenland University, es steht gerade die Akademische Mittelverteilung an, das bedeutet immer viel Ärger unter den Kollegen. Zuhause gibt es auch Ärger, mit seiner herrischen Gattin Eva und seinen vier kaum erziehbaren Töchtern, die zurzeit auf einem teuren Internat dem Lehrkörper das Leben schwer machen. Dabei reicht das Geld dafür vorn und hinten nicht. Eva lernt die schwerreiche Lady Gadsley kennen, diese will Henry gerne in den Sommerferien für zwei Monate als Nachhilfelehrer engagieren, um ihren Sohn Edward schulisch Beine zu machen. Eva ist begeistert von der Idee, da Lady Gadsley viele Tausend Pfund dafür zahlt. Dafür kann ihren Töchtern dann weiter das Internat finanziert werden. Henry ist nicht begeistert. Eva handelt auch noch einen Gratis-Aufenthalt für die Familie auf dem herrschaftlichen Anwesen aus. Ein brillanter Plan, nur leider weit davon entfernt, perfekt zu sein, wie sich schon bald herausstellt …

Die großen Komikertage des einstigen britischen Großmeisters der Komik laufen nach und nach ab. Tom Sharpe hat mit „Puppenmord“ einen Klassiker geschrieben, schon in diesem trieb sich Henry Wilt herum. Das Problem an „Henry haut ab“ ist, dass alle Figuren und Ereignisse so nüchtern und akkurat sind, nicht mal ein kleines bisschen einer Überzeichnung vorliegt, dass das aus der Komödie ein Drama mit leichten komödiantischen Zügen macht. Die Briten sind ja heutzutage schwarzhumorig bis zum Anschlag, Tom Sharpe schreibt hier aber britisches Komödien-Understatment. Henry tut einem fast durchgehend leid, wie der arme Kerl das nur Jahr für Jahr aushalten kann mit seiner nervtötenden Ehefrau Eva. Eva schafft es wahrlich nicht mal den kleinsten Sympathiepunkt zu sammeln und Henrys vier Töchter bringen wenigstens etwas Pep in die Geschichte, was Henry natürlich gar nicht gefällt. Und so wartet man auf jeder Seite, dass es lustig wird, aber man wartet immer nur, bis das Buch zu Ende ist.

Goldmann, 316 Seiten; 17,99 Euro

Ursula Potznanski

Fünf

fuenfEine Tote mit eintätowierten Koordinaten auf den Fußsohlen liegt auf einer Kuhweide in der Nähe von Abtenau. Das Salzburger Ermittlerduo Beatrice Kaspary und Florin Wenninger nehmen sich den Fall an und finden schnell heraus, wo die Koordinaten hinführen. Dort erwartet sie in einer Frischebox eine abgetrennte Hand, in Plastikfolie eingeschweißt, und ein Rätsel, dessen Lösung zu einer Box mit einem weiteren abgetrennten Körperteil führt. Der Mörder spielt mit den Ermittlern Geocaching, eine moderne Schnitzeljagd per GPS. Ein Fund folgt dem nächsten. Jeder Zeuge, den sie vernehmen, wird kurz darauf getötet, und die Morde geschehen immer schneller. Sie spielen gegen die Zeit und sie ahnen, dass erst das letzte Puzzleteil die Lösung parat hat.

Die Wienerin Ursula Potznanski, die schnell einen Bestseller landen wollte, um vom Schreiben leben zu können, hat es mit ihrem Debüt-Thriller geschafft, ihr Wunsch ist in Erfüllung gegangen. Der geneigte Thriller-Leser sagt danke, Frau Potznanski, für Ihre Ungeduld und Ihr Können. „Fünf“ ist ein moderner und schauriger Rätsel-Thriller, der die Gehirnzellen mächtig auf Trab bringt! Er birgt einen Plot, der jeden Thriller-Leser schnell knackt. Auf jeder Seite kombiniert man mit, welche grausige Entdeckung nun auf einen wartet, wer der nächste Tote sein wird, welche neue Koordinaten preisgegeben werden. Mit „Fünf“ ist Salzburg zu einem neuen Mekka der Thriller-Killer-Literatur geworden. Das Ermittlerduo Beatrice Kaspary und Florin Wenninger ist sehr lebensnah und es fehlt ihnen nicht an Witz, ihr Privatleben, vor allem Beatrice’ birgt so einige Hindernisse, so ist auch außerhalb der Ermittlungen für Spannung gesorgt.

Auch als Hörbuch erhältlich bei Argon Hörbuch. Nicole Englin gelingt es stimmlich gut, den Rätsel-Thriller spannend umzusetzen. Weghören verboten! Sonst wird man das Rätsel nicht knacken. 19,99 Euro.

Wunderlich, 382 Seiten; 14,95 Euro

Daniel Silva

Die Rembrandt-Affäre

draNach dem blutigen Raubmord eines Rembrandt-Gemäldes führt Gabriel Allon eine erste Spur nach Amsterdam. Doch das ist erst der Anfang von vielen Stationen für Agent und Gemäldeliebhaber Allon. Er bringt sich in große Gefahr, da sich im Inneren des Bildes geheime Informationen befinden. Auf was er stößt, damit hätte er nicht gerechnet.
Eine explosive Story von einem der explosivsten Autoren der weltweiten Spionage-Thriller-Literatur! Daniel Silva nimmt sich in „Die Rembrandt-Affäre“ das aktuelle politische Weltgeschehen vor und zeigt uns erschreckend auf, dass der Iran wohl tatsächlich drauf und dran ist eine Atombombe zu bauen.

Pendo, 469 Seiten; 19,99 Euro

Martin Rütter

Aggression beim Hund

abhIhr Hund gibt sein Spielzeug nicht mehr her, stellt sich Artgenossen knurrend in den Weg, lässt Besucher nicht mehr ins Haus, bringt sie beim Spaziergang zum verzweifeln? Martin Rütter erklärt, wie Sie damit umgehen.
Deutschlands Hundeflüsterer Nr. 1 erläutert in diesem Buch ein sehr wichtiges Thema, wie beuge ich erzieherisch die Aggression bei meinem Hund vor. Hier erfährt jeder etwas über das nicht gewollte Verhalten von Hunden und wie man dagegen vorgeht. Martin Rütter gibt wertvolle Trainingstipps, die jeder umsetzen kann. Wieder ein Rütter-Buch das hilft, das Hund-Mensch-Verhalten besser zu machen.

Kosmos, 156 Seiten; 19,95 Euro

Hörbuch der Woche

Carsten Stroud

Niceville

nicevilleEs ist idyllisch, es ist altmodisch, es ist schön dort, in der Südstaaten-Kleinstadt Niceville. Doch sieht man genauer hin, dann erkennt man, von Idylle keine Spur. Eines Tages verschwindet Rainey Teague. Zehn Tage später wird er gefunden – in einer alten Gruft. Nun liegt er im Koma. Ermittler Nick Kavanaugh steht vor einem Rätsel. Es geht weiter. Merle Zane und Charlie Danziger überfallen eine Bank und machen sich mit zweieinhalb Millionen Dollar aus dem Staub. Nach einem Streit schießen sie aufeinander, sie überleben schwer verletzt. Niceville wird zu einem Ort ohne Gnade. An einem Wochenende überschlagen sich dann die Ereignisse. Liegt ein Fluch über Niceville? Geht er aus von einem mit schwarzem Wasser gefüllten Loch auf dem Felsen über der Stadt? Man sagt, etwas lebt darin. Doch was?

In „Niceville“ ist der Teufel los! Seien Sie vorsichtig, wenn Sie sich auf diesen literarischen Höllenritt begeben, Ihnen wird es das Feuer aus den Ohren pusten. Carsten Stroud hat eine Kulisse erschaffen, wie es ein Team aus Stephen King und Quentin Tarantino nicht besser hätte machen können. „Niceville“ ist ein spannender, doppelbödiger und unvorhersehbarer Horrortrip! Und es ist nur der erste Teil einer Trilogie. Der zweite Teil folgt im nächsten Jahr. Michael Hansonis, Sänger und Schauspieler, passt mit seiner herben und kernigen Stimme perfekt für diese mystisch-harte Thriller-Reihe. Seine Stimme prägt man sich ein und vergisst sie nicht bis zum zweiten Teil von „Niceville – Die Rückkehr“.

Auch als Hardcover erhältlich bei DuMont, 19,99 Euro.

Random House Audio, 6 CDs, 420 Minuten; 19,99 Euro

Kolumne Nr. 187 vom 26.03.2012

Javier Marias

Die sterblich Verliebten

Luisa und Miguel sind das perfekte Paar, das weiß vor allem Maria. Seit langem beobachtet sie heimlich die Liebenden. Jeden Morgen sitzt sie, bevor sie ihrer Arbeit in einem Verlag nachgeht, in demselben Café. Sie erfreut sich an der Zweisamkeit, dem Verständnis ohne Worte der beiden. Luisa und Miguel sind für sie ein Lebensinhalt geworden. Doch eines Tages taucht Miguel nicht mehr auf. Maria erfährt, dass er mit vielen Messerstichen getötet wurde. Warum Miguel? War es eine tragische Verwechslung? Maria vermisst Miguel, sie traut sich, sich Luisa vorzustellen und von ihrem Beobachtungsritual zu erzählen. Luisa ist nicht überrascht, denn auch sie und Miguel haben Maria beobachtet. Luisa lädt Maria zu sich ein. Ab da gerät Maria in einen Irrgarten aus Ahnungen und Verdächtigungen.

Der Spanier Javier Marias hat so gefeierte Romane geschrieben wie „Mein Herz so weiß“ und die Trilogie „Dein Gesicht morgen“. Mit „Die sterblich Verliebten“ liefert er sein Meisterstück ab! „Die sterblich Verliebten“ ist ein literarisches Bouquet aus Liebesgeschichte, Melodram und Kriminalroman, mit großer Raffinesse komponiert, so klangvoll wie ein klassisches Musikstück mit einem Einhundertmannorchester. Hier wird Sprache zu einem Kunststück, Javier Marias setzt sie filigran und geschickt ein. Er schreibt Sätze, die das Gehirn wie feinste Edelschokolade bereichern, mal zartbitter, mal süß. Marias hat die Gabe, kleinste Beobachtungen in einer literarischen Größe darzustellen. Man ist hingerissen von dieser Sprachgewandtheit. Die Geschichte ist so dramatisch, tragisch, traurig, aufwühlend, glück schenkend, dass es schmerzt. Ein Buch über das Leben und den Tod, die Liebe und die Leidenschaft, das Wissen und das Vergessen, das stille Beobachten, vom Schicksal, dem Abschied nehmen, den Glauben an sich selbst.

Auch als Hörbuch erhältlich bei Argon Hörbuch. Eva Mattes Stimme hüllt einen in eine weiche Wolke ein. Sie verleiht den „sterblich Verliebten“ die Größe, die sie verdienen. 29,95 Euro.

S. Fischer, 430 Seiten; 19,99 Euro

Utz Claassen

Atomblut

Herbst 2011. In Deutschland beginnt die Zeit der Energiewende. Nach den Ereignissen von Fukushima im März 2011 wird sich das Land verändern. Einer der großen Energie-Player im Land ist die RUHRStrom AG. Deren Firmenboss kommt bei einem mysteriösen Autounfall ums Leben. Fabienne Felsenstein tritt die unerwartete Nachfolge als Vorstandsvorsitzende an. Nach dem Atomausstieg muss sie den Konzern nun radikal umbauen. Fabienne merkt schnell, dass es um weit mehr geht als um ökonomischen Erfolg. Bei den richtig großen Deals sind die Grenzen der Legalität bedeutungslos. Bald muss sie feststellen, dass sie selbst in die krummen Deals verwickelt wird. Wird sie ihre Integrität bewahren?

„Atomblut“ ist ein Insiderbericht über die Atomenergiewirtschaft und ihre dreckigen Machenschaften. Ein Buch mit reichlich Zündstoff! Utz Claassen war bei dem Energieriesen EnBW im Vorstand, er weiß, wovon er schreibt. Dieses Buch enthält sicher echte Persönlichkeiten, die Claassen gut zu verschleiern weiß, um späteren Klagen zu entgehen. Der Fehler von Claassen war aber, kein reines Enthüllungssachbuch zu schreiben, sondern einen Krimi. Gut gemeint, weniger gut umgesetzt. Die Charaktere des Buches sind Abziehbildchen aus einem Kinderriegel, aber keine vielschichtigen Figuren mit echten Gefühlen. Daher bekommt der Leser auch keinen Draht zu ihnen. Auch der Stil des Buches gleicht einem Stromausfall, über ihn breitet sich große Dunkelheit, denn er ist nahezu nicht vorhanden. „Atomblut“ hat viel Licht, aber auch viel Schatten.

Econ, 381 Seiten; 18,00 Euro

Volker Perthes

Der Aufstand – Die arabische Revolution und ihre Folgen

Die Revolution der Bürger in den arabischen Staaten führt zu einer Zeitwende in der arabischen Welt. Tunesien macht den Anfang, dann folgte Ägypten und nun in immer mehr Staaten der Region haben die Menschen im Nahen Osten und Nordafrika begonnen, ihr politisches Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. 2011 stürzten die jahrzehntelangen Herrscher der Länder, die Menschen machten den Weg frei für den Aufbau demokratischer Staaten und Gesellschaften. Aber jeder muss erkennen, dass der Sturz der Herrscher die Länder nicht sofort besser machte, der politische Umbruch braucht Zeit und viele Menschen, die an einem Strang ziehen um das Ziel Freiheit und Würde für alle Menschen zu erreichen. Und natürlich das Schaffen von wirtschaftlicher Stabilität und Arbeitsplätzen, die den Menschen die Grundlage für ein sicheres und freies Leben gibt.

Der 26-jährige tunesische Gemüsehändler Muhammad Bu Azizi war der Funken, der das Feuer der arabischen Revolution entzündete, die Internetdienste Facebook und YouTube waren vorrangig die Verabredungs- und Verbreitungsmedien und der Fernsehsender al-Jazeera erreichte die, die keinen Internetzugang hatten. Und die hauptsächlich 20- bis 35-Jährigen waren die Hauptgruppe der Revolution. Sie machten es möglich, dass es zu diesem historischen Umschwung kam. Volker Perthes, Kenner der arabischen Region, hat eine bemerkenswerte, anschauliche, aufschlussreiche und sachliche Bestandsaufnahme des arabischen Frühlings geschrieben. „Der Aufstand“ ist ein Buch, das einem in das Herz der arabischen Revolutionen führt. Perthes porträtiert die Länder Tunesien, Ägypten, Libyen, Jemen, Bahrain, Marokko und Syrien und deren regional unterschiedlich politischen Verhältnisse. Er zeigt auf, was bisher geschehen ist und wie es weiter geht in diesen Ländern. Und er widmet sich auch kurz den Ländern Israel, Palästina, Libanon, Jordanien, Saudi-Arabien, Kuwait, Katar, Vereinigte Arabische Emirate, Oman, Irak und Algerien.

Pantheon, 224 Seiten; 12,99 Euro

Péter Nádas

Parallelgeschichten

Das Buch erzählt die Geschichte der Budapester Familie Demén und ihrer Freunde. Es umfasst u. a. die Zeiten der ungarischen Revolution 1956, die Zeit danach, den ungarischen Nationalfeiertag am 15. März 1961 und auch die Deportation der ungarischen Juden 1944/45 und die Vorkriegszeit der dreißiger Jahre in Berlin.
„Parallelgeschichten“ ist nicht nur ein Roman, es ist ein literarisches Großereignis! Ein literarischer Hochkaräter, der mit so viel Geschichte und Geschichten gefüllt ist, dass es für zehn Bücher reichen würde.

Rowohlt, 1726 Seiten; 39,95 Euro

Bärmann / Radtke / Tölle

Die Drei ??? – 30 Jahre Hörspielkult

Mittlerweile gibt es die Drei ??? bereits seit 32 Jahren als Hörspiel. Es ist die erfolgreichste Hörspiel-Reihe weltweit. Die drei Detektive aus Rocky Beach sind in aller Munde, jede neue Folge stürmt die Hörspiel-Bestsellerliste, unzählige Goldene Schallplatten hat die Serie mittlerweile erreicht. Zeit, ein Buch über dieses Phänomen zu schreiben.
2009 feierten die Drei ??? ihr 30-jähriges Jubiläum. Die erste Folge „Die Drei ??? und der Super-Papagei“ erschien am 12.10.1979. Mit diesem Buch stellen die Autoren die Sprecher hinter dem Kult vor – Oliver Rohrbeck, Andreas Fröhlich und Jens Wawrczeck. Sie verraten, wie sie sich den lang anhaltenden Erfolg erklären, wie sie ihre Figuren sehen, wie sie in die Rollen hineingewachsen sind und sie zeigen sich einzeln in einem Porträt, so dass man seine Hörspiel-Helden noch näher kennen lernen kann. Aber das Buch verrät auch, wer alles hinter der Erfolgsreihe steht, allem voran Heikedine Körting, die „Mutter“ der Erfolgsreihe. Dieses Buch ist eine Verneigung vor Deutschlands Hörspiel-Helden!

falkemedia, 164 Seiten; 24,90 Euro

Hörbuch der Woche

Marc Allen Smith

Der Spezialist

Sie kennen Geiger nicht? Das ist eindeutig besser so. Denn Geiger erfährt alles von Ihnen, auch wenn Sie es nicht sagen wollen. Wenn jemand Informationen braucht, egal ob Einzelperson, Verbrecher oder Geheimdienst, Geiger beschafft sie einem. Er holt immer die Wahrheit aus seiner Zielperson heraus. Denn Geiger ist ein Folterspezialist. Seine Methoden sind grausam, aber er will kein Blutvergießen. Aber auch ein Mensch wie Geiger hat einen Kodex, von dem er nicht abweicht. Doch eines Tages bekommt Geiger den Auftrag ein Kind zu foltern. Er lehnt ab und flüchtet mit dem Jungen. Eine für Geiger sehr schmerzvolle Entscheidung. Er wird zum Gejagten und muss herausfinden, was der Junge weiß, denn nur diese Information rettet ihm und dem Kind das Leben.

Ein Thriller, der nichts ist für Menschen mit einem empfindlichen Magen. Debütant Smith hat nicht nur eine tolle Story ersonnen, sondern er geht bei den Folterszenen auch drastisch ins Detail. Das schockt und zerrt an den Nerven. „Der Spezialist“ ist ein geschickter, verstrickter und unkonventioneller Thriller! Bei solch einem Debüt freut man sich schon auf den zweiten Thriller aus der Feder des Autors. David Nathan liest mit seiner Hollywood-Kino-Stimme beängstigend gut! Er gibt der Geschichte ein noch düsteres Gesicht. Ob Killer, Kind oder kranker Held, Nathan gibt jedem den richtigen Ton.

Auch als Hardcover erhältlich bei Lübbe, 14,99 Euro.

Lübbe Audio, 6 CDs, 436 Minuten; 14,99 Euro