Kolumne vom 28.04.2014


Harlan Cobendaumen rauf

Ich finde dich

IchFindeDich

Jake und Natalie, das war die große Liebe. Doch plötzlich hat Natalie Jake einfach so verlassen, und wie aus dem Nichts einen anderen Mann geheiratet. Jake Fischer verstand die Welt nicht mehr. Bei ihrem Abschied auf Natalies Hochzeit musste Jake ihr zudem schwören, sie zu vergessen und nie mehr zu kontaktieren. Jake hielt sich daran – sechs Jahre lang. Dann geschieht etwas Unglaubliches geschieht, Jake bricht sein Versprechen, und macht sich auf die Suche nach Natalie. Eine Suche, die seine eigene gutbürgerliche Existenz für immer zerstört. Und die ihm offenbart, dass die Frau, die er zu lieben glaubte, nie wirklich existiert hat …

Ich habe "Ich finde dich" angefangen zu lesen, und das erste Mal, als ich wieder von dem Buch aufblickte, hatte ich schon die Hälfte gelesen. Zuvor war es draußen hell, jetzt war es dunkel. Nach kurzer Pause ging es weiter. Und dann war auch die zweite Hälfte gelesen, ohne irgendetwas in meiner Umgebung wahrzunehmen. Wenn das ein Autor schafft, solch eine fesselnde Lektüre zu schreiben, dann ist das Harlan Coben. "Ich finde dich" knüpfte an seine großartigsten Werke in Sachen Spannung und Tempo an. Entkommen – unmöglich!

Page & Turner, 415 Seiten; 14,99 Euro


Elly Griffithsdaumen runter

Aller Heiligen Fluch

Aller Heiligen Fluch

Ruth Galloway, forensische Archäologin und alleinerziehende Mutter, will nur bei der feierlichen Öffnung des Sarges des legendären Bischofs Augustin im Museum von King's Lynn dabei sein. Doch dann findet sie neben dem Sarg die Leiche des Museumskurators. Schon steckt Ruth, die eigentlich die Geburtstagsparty für ihre kleine Tochter organisieren muss, mitten in den Ermittlungen. Auch ihre große Liebe DCI Harry Nelson ist auf den Fall angesetzt, den sie nach dem Willen seiner Frau eigentlich gar nicht mehr treffen darf. Bald verstricken sich die beiden in einem undurchdringlichen Geflecht aus Intrigen, Seilschaften und Legenden.

Die Engländerin Elly Griffiths schreibt ausgezeichnete Kriminalromane. Sie hatte in ihrer Reihe um die forensische Archäologin Ruth Galloway und DCI Harry Nelson mit "Totenpfad", "Knochenhaus" und "Gezeitengrab" drei dieser Werke abgeliefert. Wenn man solch hohe Qualität bietet, fällt ein weniger gutes Werk schnell auf. So geschehen bei ihrem aktuellen "Aller Heiligen Fluch". Hier dümpelt die Spannung etwas vor sich hin. Es passiert zu wenig Überraschendes. Elly Griffiths hat mit Ruth Galloway und Harry Nelson auch zwei sehr prägnante Figuren erschaffen, aber auch die können in diesem Werk nicht so überzeugen, wie in den vorherigen. Trotzdem ist "Aller Heiligen Fluch" immer noch besser, als vieles andere auf dem Krimimarkt.

Wunderlich, 346 Seiten; 14,95 Euro


Richard Yatesdaumen rauf

Eine strahlende Zukunft

Eine strahlende Zukunft

Jung, frisch verheiratet und ehrgeizig, versucht Michael Davenport als Schriftsteller sein Auskommen zu finden. Das Millionenvermögen seiner Ehefrau Lucy will er nicht angreifen, aus Angst, es würde ihn als Künstler korrumpieren. Lucy, unsicher, was von ihr erwartet wird, stürzt sich in die Schauspielerei, die Malerei, um ihrem Leben so einen Sinn zu geben. Doch die Jahre vergehen, die Misserfolge häufen sich, und hinter den hochtrabenden Erwartungen lauert ein Leben in Durchschnittlichkeit. und dann setzen die Zweifel aneinander ein …

Die DVA erfreut weiter die Leser und setzt die Veröffentlichung von Richard-Yates-Werken (1926 – 1992) fort. "Eine strahlende Zukunft" ist eine Geschichte über die Ehe, erzählt wie ein stürmisches, liebevolles, trauriges, erschütterndes und so ehrliches Gedicht. Michael und Lucy versuchen eine Ehe zu führen, die ohne große Stürme bestehen kann. Das gelingt nur zu Anfang, dann beginnen die unterschiedlichen Ansichten der beiden, die Ehe zu entzweien. Michael will unbedingt selbst ein großes literarisches As werden und man spürt den Neid auf andere, die es künstlerisch geschafft haben, immer durchklingen. Lucy will sich als Schauspielerin und Malerin verwirklichen. Sie fühlt sich dazu berufen, durchaus auch ein Star zu werden. Aber es gelingt nicht. Und so gehen beide ihre Wege, die starke Einschnitte für beide bringen. Richard Yates lesen ist wie einen edlen Wein genießen. Literatur in seiner schönsten Form!

DVA, 492 Seiten; 19,99 Euro


Sasa Stanisicdaumen rauf

Vor dem Fest

Vor dem Fest

Fürstenfelde, Uckermark. Es ist die Nacht vor dem Fest. Das Dorf schläft. Bis auf den Fährmann – der ist tot. Dann ist da noch die nachblinde Malerin Frau Kranz, ein Glöckner und sein Lehrling, eine Füchsin und anderes unangepasstes Personal.

Leipziger Buchpreis. Hymnische Besprechungen. Bestseller. Das Buch "Vor dem Fest" hat schon eine bewegte Geschichte. Aber bewegt auch die Geschichte im Buch? "Vor dem Fest" ist nicht ganz einfach zu lesen. Schöne Sprache wechselt sich mit schöner Langeweile ab. Trotzdem hinterlässt die Geschichte dann doch Eindruck. Stil, Figuren, Umgebung, alles fügt sich schön zusammen.

Auch als Hörbuch erhältlich bei der Hörverlag. Der Autor liest selbst. Und er entführt den Hörer mit seiner eingängigen Stumme, in das Fest vor dem Fest. 19,99 Euro.

Luchterhand, 318 Seiten; 19,99 Euro


Margaret Atwooddaumen rauf

Die Geschichte von Zeb

Die Geschichte von Zeb

Eine Pandemie ist über die Erde hinweggegangen und hat die Menschheit ausgelöscht. Nur wenige Überlebende haben in einem Lehmhaus in einem Park zusammengefunden. Darunter ist Toby und Zeb. Während des Chaos hatten sie sich verloren, nun finden sie hier wieder zusammen.

Margaret Atwood schreibt starke Literatur! Wer sie einmal gelesen hat weiß, wie stark sie mit Worten sein kann. Nach "Oryx und Crake" und "Das Jahr der Flut" beendet sie mit "Die Geschichte von Zeb" diese magisch-fantastische Trilogie. Es fordert einen, einen Atwood zu lesen, aber die Belohnung ist große Literatur!

Berlin Verlag, 475 Seiten; 22,99 Euro

 


Hörbuch der Wochedaumen_rauf

Martin Suter

Almen und die verschwundene Maria

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Eben noch haben sich Allmen und Carlos über die erfolgreiche "Wiederbeschaffung" des wertvollen Dahlienbildes gefreut, dann ist es mit der Freude schon wieder vorbei. Die Gangster haben ihrerseits den Fall keineswegs vergessen und sich neuem zugewandt, sondern sie haben María Moreno entführt. Carlos' große Liebe gegen das Dahlienbild – so lautet ihre Forderung. Doch wo befindet sich das berühmte Gemälde? Und kann es ihnen überhaupt noch dabei helfen, Marías Leben zu retten? Noch wissen sie nicht, was mit dem Dahlienbild geschehen ist …

Martin Suter hat einen charismatischen Helden erschaffen und auch das übrige Personal weiß zu überzeugen. Das ist auch gut so, denn die Geschichte ist schon sehr dünn und die Spannung muss man verzweifelter suchen als Maria Moreno. Die Geschichte läuft gemütlich vor sich hin und endet völlig unspektakulär. Gert Heidenreich macht stimmlich aus der Geschichte aber mehr als drin ist. Und das verdient Anerkennung. Er bringt das kraftvoll und charmant rüber, so amüsiert man sich beim Hörbuch weit mehr, als beim Buch. Schmunzeln musste ich immer wenn er den Restaurator sprach.

Auch als Hardcover erhältlich bei Diogenes, 18,90 Euro.

Diogenes Hörbuch, 4 CDs, 290 Minuten; 19,90 Euro


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