Kolumne Nr. 162 vom 03.10.2011

Deborah Crombie

Die stillen Wasser des Todes

Die Leiche der Polizistin und Ruderin Rebecca Meredith wird am Flussufer gefunden. Ein Ruderunfall? Dann geschieht ein Brandanschlag auf den Finder von Meredith’ Leiche. Hatte dieser Beweise, dass Meredith’ Tod kein Unfall war? Superintendent Duncan Kincaid und seine Frau Inspector Gemma James werden mit den Ermittlung beider Fälle betraut. Gemma ist noch in Elternzeit, aber sie verfolgt die Arbeit ihrer Untergebenen Constable Melody Talbot. Bald wird deutlich, dass es einen Zusammenhang zwischen Melodys Nachforschungen zu Vergewaltigungen und Duncans Fällen gibt. Gemeinsam kommen Gemma und Duncan einem Korruptionsfall auf die Spur, der immer größere Ausmaße annimmt und in die höchsten Ränge der Londoner Polizei führt.

Deborah Crombie gehört weltweit zu den Ausnahmeautorinnen des Kriminalromans! Dies ist der 14. Fall für das sehr beliebte Ermittlerduo Inspector Gemma Jones und Superintendent Duncan Kincaid. Mit diesem Ermittler-Duo hat Deborah Crombie kriminalistisch literarischen Weltruhm erlangt. Ihr neuer Fall „Die stillen Wasser des Todes“ ist kniffelig, elegant und fesselnd. Jede von Deborah Crombies Figuren hat eine eigene interessante Geschichte, so entstehen viele kleine Geschichten in einer großen. Auch gewährt das Buch interessante Einblicke in den Ruder-Sport, der in England Kultstatus hat. „Die stillen Wasser des Todes“ ist ein perfekter englischer Kriminalroman! Deborah Crombie erzählt nicht nur einen spannenden Fall, sondern sie führt einem auch England und vor allem London bildreich vor Augen.

 

Goldmann, 474 Seiten; 9,99 Euro

Alexander Osang und Anja Reich

Wo warst Du? Ein September in New York

Alexander Osang, Amerika-Liebhaber, bekommt einen Job als „Spiegel“-Korrespondent in New York und schreibt fortan Geschichten aus Amerika und er kehrt auch immer wieder für Reportage nach Deutschland zurück. Am 11.9. erfährt er dann von den Anschlägen und macht sich auf den Weg zu den Türmen. Derweil erlebt seine Frau Anja New York und das Leben ganz anders. Oft ist sie allein, weil ihr Mann immer am hin- und herreisen ist, sie muss die Kinder alleine großziehen, sie sucht sich Freundinnen in New York und erzählt davon, von Familie und Freundschaften.

Das Buch schürt mit dem Titel ganz falsche Erwartungen. Der Titel des Buches müsste lauten: Zwei Deutsche ziehen nach New York und kommen wieder zurück. Denn mehr ist es eigentlich nicht, um was es in dem Buch geht. Auf den ersten 62 Seiten geht es nur darum, wie sich zwei deutsche Journalisten abmühen, eine Wohnung in New York zu finden. Auf Seite 63 passiert dann das, was man eigentlich erwartet. Wer aber denkt, dann wird intensiv auf dieses traurige Ereignis eingegangen, der irrt. Weiter geht’s mit viel Blabla der beiden Journalisten Osang und Reich, die abwechselnd ihre Eindrücke von New York, gefallenen Türmen, Kindern, Freundschaften und Arbeit erzählen. Vor allem Alexander Osang kommt höchst unsympathisch rüber (sein Kredo: Ich waide die Leute aus und werfe sie dann weg), Anja Reich kann es mit den ruhigen Geschichten aus ihrem Leben als Mutter und Freundin auch nur bedingt wieder ausbügeln. Ein Buch, das von dem einen Tag im September handeln sollte, wird zum wenig spannenden Tagebuch eines Journalisten-Ehepaars. Von 272 Seiten handeln gerade mal knapp 100 Seiten von den schrecklichen Ereignissen. In der Schule würde man sagen: Thema verfehlt. Setzen. Sechs.


Piper, 272 Seiten; 19,99 Euro

Kathy Reichs

Fahr zur Hölle

Charlotte, North Carolina. Auf einer Müllhalde nahe der NASCAR-Rennstrecke werden in einem Teerfass menschliche Überreste gefunden. Das Mitglied eines Rennteams wendet sich an die Tempe Brennan und erzählt ihr, dass seine Schwester Cindi vor zwölf Jahren verschwunden ist – zusammen mit ihrem damaligen Highschoolfreund Cale Lovett. Lovett hatte Verbindungen zu einer rechtsextremen Gruppe. Könnte die Leiche Cindis sein? Oder Cales? Auch das FBI interessierte sich damals für den Fall. Doch die Suche wurde früh eingestellt. Sollte da etwas vertuscht werden? Wollte das Paar mit der paramilitärischen Gruppe in den Untergrund gehen? Oder hat Cale Cindi auf dem Gewissen? Tempe Brennan arbeitet zügig daran, den Fall schnell aufzuklären.

Kathy Reichs lässt unter Hochspannung wieder sämtliche Knochen klappern! Mit „Fahr zur Hölle“ kehrt sie zu ihrer Bestform zurück. Lange hat es gedauert, bis man über den Star der forensischen Anthropologie-Thriller wieder so etwas schreiben konnte. Die letzten Thriller ihrer weltbekannten Tempe-Brennan-Reihe waren nur noch Durchschnitt. Mit „Fahr zur Hölle“ präsentiert sie wieder ihr altes Können. Schnell, spannend und elektrisierend wegen der forensischen Einblicke, dazu noch Tempes knackige Sprüche, fertig ist der höllische Thriller-Ritt. Zudem erfährt man so einiges über die in Amerika sehr bekannte und beliebte NASCAR-Rennserie. Kathy Reichs – die Grand Dame des Forensik-Thriller!

Auch als Hörbuch erhältlich bei Random House Audio, gelesen von der deutschen "Bones"-Stimme Ranja Bonalana, 19,99 Euro

Blessing, 350 Seiten; 19,95 Euro


Dirk Müller

Cashkurs

Mr. Dax, Dirk Müller, ist weit über Deutschland hinaus bekannt und hat bereits mit seinem ersten Buch „Crashkurs“ den Nerv der Zeit getroffen. Nun schlüsselt er die Themen Aktien, Fonds, Bankgeschäfte, Versicherungen, Immobilienkauf, Baufinanzierung und noch so vieles andere schlüssig auf.
Endlich ein Buch, das den Otto-Normal-Verbraucher in alles einweit, was es wichtiges über Geld zu wissen gibt. Dirk Müller ist mit „Cashkurs“ ein Standardwerk gelungen. Es ersetzt locker sämtliche VHS-Kurse, die sie über Geld und dessen Anlagen besuchen könnten. Ein unverzichtbares Buch für jeden, der sein Geld anlegen und sparen will.

 

Droemer, 368 Seiten; 14,99 Euro

Hal Vaughan

Coco Chanel – Der schwarze Engel

Wie wurde aus dem Waisenkind Gabrielle Chasnel die mondäne Coco Chanel? Und was brachte sie dazu, sich als Agentin für die deutsche Abwehr anwerben zu lassen? Dieses Buch enthüllt erstmals umfassend das Doppelleben der Coco Chanel.
Coco Chanel, eine bemerkenswerte Frau, die eine Mode- und Parfummarke geschaffen hat, die ein Jahrhundert und mehr überdauern wird. Man kann sie als Heldin feiern oder auch verabscheuen, als einen Dämon, der mit den Nazis sehr gut konnte. Ein Buch, das durch eine gute Recherche neue Seiten der schillernden Persönlichkeit Coco Chanel zeigt, die, die ganz finstere Schatten auf ihre Biographie wirft. Hal Vaughan ist ein beachtliches Werk gelungen! Spannend wie ein Kriegs-Thriller, perfekt für eine Verfilmung.

 

Hoffmann & Campe, 415 Seiten; 22,99 Euro

Hörbuch der Woche

David Safier

Happy Family

Familie Wünschmann ist nicht glücklich. Mama Emmas Buchladen geht Pleite, Papa Frank ist völlig überarbeitet, die pubertierende Fee bleibt sitzen und Sohnemann Max wird von dem Mädchen, das er liebt, ins Schulklo getunkt. Doch dann werden die Wünschmanns nach einem Kostümfest von einer Hexe verzaubert: Plötzlich sind sie Vampir, Frankensteins Monster, Mumie und Werwolf. Mit zwei weiteren Begleiterinnen jagen sie nun der Hexe hinterher, damit diese den Fluch wieder rückgängig macht. Dabei treffen sie auf echte Ungeheuer. Sogar auf Dracula, dessen Charme Mama Emma widerstehen muss. Das ist alles gar nicht so einfach.

Witzig, verrückt, voller skurriler Ideen, einfach genial. David Safier entwirft Storys, da schüttelt es den Leser durch wie in einem Mixer, so abgedreht sind diese. David Safier zieht in „Happy Family“ den „Twilight“-Hype und alte Grusel-Klassiker kräftig durch den Kakao. In den Zwischentönen beweist er viel Wärme, aber er zeigt auch viele Wahrheiten auf, die aus einer anfänglichen „Happy Family“ eine Family ohne viel Happy machen. Die Figuren lernen aber dazu, jeder muss an sich arbeiten, damit eine Familie funktioniert und alle glücklich sind. Cathlen Gawlich geht als Emma in ihrer Sprecherrolle voll auf. Mit ihrer glockenhellen Stimme ist sie sehr präsent und der Hörer kann sich ihr nicht entziehen. Josefine Preuß spricht wie eine Fee! Daher ist die Besetzung als Tochter Lena (Fee) perfekt. Stefan Kaminski kommt als Stimmentausendsassa in diesem Hörbuch etwas zu kurz. Er hat als Papa und Sohn weniger Sprechzeit.

Auch als Hardcover erhältlich bei Kindler, 18,95 Euro.

Argon Hörbuch, 5 CDs, 369 Minuten; 19,95 Euro

 

Kolumne Nr. 163 vom 10.10.2011

Joy Fielding

Herzstoß

Marcy Taggart will abschalten und vergessen, daher tritt sie ihre zweite Hochzeitsreise an, alleine, da ihr Mann Peter sie verlassen hat. Doch zum Abschalten kommt Marcy in Irland nicht, denn sie ist sich sicher, ihre Tochter Devon gesehen zu haben. Aber ihre Tochter ist tot. Sie ist bei einem Ruderausflug verunglückt, ihre Leiche wurde aber nie gefunden. Marcy ist sich seitdem sicher, Devon lebt. Mit dieser Meinung steht sie aber ganz allein da. Sie folgt widersprüchlichen Hinweisen, derweil wird ihr Zimmer verwüstet. Hat sie einen unsichtbaren Feind? Jemand der verhindern will, dass sie dem rätselhaften Schicksal ihrer Tochter auf den Grund geht?

Mrs. Psychothriller legt dem Leser mit diesem Buch Fesseln an! Ganz langsam und leise entführt sie den Leser auf eine Reise voller Verwicklungen, Lügen, erstaunlichen Erkenntnissen und großen Gefahren. Sie werden überrascht sein, Sie werden schockiert sein, Sie werden das Buch nicht mehr weglegen können. Joy Fielding zieht die Spannungsschraube immer mehr an. Das Buch wird getragen durch seine Unaufgeregtheit und der Mischung aus dem, was Marcy jetzt erlebt und was vor Devons Verschwinden passiert ist. Hier mixt Fielding die Geschichte so geschickt zusammen, das man in hektisches Lesen verfällt. „Herzstoß“ bedeutet akute Herzinfarktgefahr, denn dass Plötzliche passiert hier oft und ohne Vorwarnung!

 

Goldmann, 379 Seiten; 19,99 Euro

Elisabeth von Thurn und Taxis

Tagebuch einer Prinzessin

Daheim warteten Dienstboten und 500 Zimmer, vollgestopft mit moderner Kunst. Doch die Prinzessin hat ihr Märchenschloss verlassen. Schon mit fünfzehn verließ Elisabeth von Thurn und Taxis Regensburg und zog in die große weite Welt, um das Schloss-Leben gegen das Jet-Set-Leben zu tauschen. In ihrem Tagebuch schreibt sie über die Jobsuche, über Hochzeiten, verrückte Promis, über die Jahreszeiten, über Ostern und Weihnachten, über Filmfeste und Preisverleihungen, über Kunst und Krempel und über noch so einiges, was das Jet-Set-Leben so hergibt.

Schon das wirre Vorwort von Schauspieler-Legende John Malkovich, weist den Weg dieses Buches. Völlig ohne Plan, belanglos und uninteressant. Auch wer hier große Enthüllungen aus dem Hause Thurn und Taxis erwartet, wird enttäuscht. Somit hat das Buch nicht mal Klatschtauglichkeit. Die nette Prinzessin Elisabeth erzählt dagegen, wie sie in London und sonst wo auf der Welt eine Wohnung sucht, über Schimmelflecken in diesen, über Weihnachtfeste in Regensburg und Kenia, über ihre über alle Maßen oberflächlichen Freundinnen, über ihre Artikel in einem In-Magazin in London, über Partys bei Millionären und auf Filmfesten, und noch so einige andere Ausflüge. Ihre Tagebuch-Storys sind alle kurz und ohne großen Spannungsbogen. Das Highlight des Buches ist, als Mutter Thurn und Taxis sich und ihre Tochter in  New York in bayrischem Englisch Leonardo DiCaprio vorstellt. Dass Elisabeth auch anders sein kann, beweisen ihre jährlichen Ausflüge nach Lourdes. Die wertvollste Zeit in ihrem Leben, schreibt sie. Bleibt die Frage: Wann findet Elisabeth das, was sie wirklich sucht?

 

Marion von Schröder, 253 Seiten; 14,99 Euro

Rebecca Gablé

Der dunkle Thron

London 1529: Unter fragwürdigen Umständen wird der Vater des vierzehnjährigen Nick of Waringham verhaftet. Im Gefängnis wird er gefoltert, bis er am Ende stirbt. Nun erbt der unerfahrene Nick eine heruntergewirtschaftete Baronie und er bekommt den Zorn seiner bösen Stiefmutter zu spüren. Doch Nick macht sich weitere Feinde, keinen Geringeren als König Henry VIII. Dieser will sich von der katholischen Kirche lossagen, um sich von der Königin scheiden zu lassen. Bald sind die Papisten, unter ihnen auch Henrys Tochter Mary, ihres Lebens nicht mehr sicher. Doch in den Wirren der Reformation setzen die Engländer ihre Hoffnungen auf Mary, und Nick schmiedet einen waghalsigen Plan, um die Prinzessin vor ihrem größten Feind zu beschützen: ihrem eigenen Vater.

Nach der Trilogie „Das Lächeln der Fortuna“, „Die Hüter der Rose“ und „Das Spiel der Könige“ setzt Deutschlands Star des historischen Romans seine erfolgreiche Waringham-Saga fort. Und mit „Der dunkle Thron“ verlässt Gablé die Epoche des Mittelalters und wendet sich der Renaissance zu. Die Geschichte erstreckt sich von 1529 bis 1553 und der Krönung von Königin Mary. Was Rebecca Gablé hier auf fast 1.000 Seiten entwirft, ist umwerfend! Die Figuren, die Geschichte, das Historische lebt. Und wie es bei Gablé immer ist, die Geschichte ist viel zu kurz. Man möchte noch Wochen und Monate in dieser Zeit miterleben. Die Autorin behandelt die großen und die kleinen Themen, vor allem die politischen, religiösen und auch die wirtschaftlichen Zusammenhänge haben viel Raum, große und kleine Siege im Leben der damaligen Zeit prägen dieses Werk. Was Rebecca Gablé schreibt, wird zu purem literarischem Gold. „Der dunkle Thron“ ist absolut überwältigend. Wenn Sie dieses Jahr nur einen historischen Roman lesen, dann lesen Sie diesen!

Auch als Hörbuch erhältlich bei Lübbe Audio, gelesen von Detlef „Georg Clooney“ Bierstedt, 29,99 Euro.

Lübbe, 956 Seiten; 24,99 Euro

Amelie Fried

Eine windige Affäre

Katja Moser, 15 Jahre verheiratet, zwei Kinder, bekommt unversehens die Möglichkeit, in ihrem alten Beruf als Bauingenieurin wieder voll einzusteigen. Sie soll ein Windkraftprojekt in Litauen leiten. Zuhause soll ein Au-pair-Mädchen auf die Kinder aufpassen. Doch erst das zweite passt, und die wird dann auch zur Bedrohung für Katjas Ehe. Es warten viele Baustellen auf die engagierte Katja. 
Amelie Fried ist mit diesem Roman ein kleiner Geniestreich gelungen! Sie webt die Themen Ehe, Familie, Versuchung, Streben nach Glück und Geborgenheit, sich selbst nicht verlieren, Beruf und Anerkennung unterhaltsam zusammen. Ein Roman zum schmunzeln und nachdenken, eine Geschichte, die das Leben täglich schreibt.

 

Heyne, 383 Seiten; 19,99 Euro

Helmut Klein

Hamburgs Brücken

Rund 2000 Brücken prägen das Bild der Elbmetropole. Dort befinden sich kühne Hängebrücken, elegante Steinbrücken oder auch ein stählernes Hochbahn-Viadukt. Fotograf Helmut Klein erzählt mit Bildern und kleinen Texten ihre Geschichte.
Eine Hommage an eine der schönsten Städte Europas! Fotograf Helmut Klein ist mit „Hamburgs Brücken“ ein wunderbarer Bildband gelungen, der einem den Flair der Stadt einatmen lässt. Zudem erfährt man viel Interessantes über die einzelnen Brücken.

 

Hoffmann & Campe, 158 Seiten; 78,00 Euro

Hörbuch der Woche

Nicola Förg

Hüttengaudi

Kommissarin Irmi Mangold hat sich von ihrer Nachbarin zu einer Schrothkur in Oberstaufen überreden lassen. Doch sie kann dem dort nicht viel abgewinnen. Und plötzlich wird der Urlaub zum Tatort. Es gibt einen Toten, der kein geringer ist als ihr Exmann Martin Maurer. Währenddessen hat es Kollegin Kathi Reindl in Garmisch mit dem toten Liftmann Xaver Fischer zu tun, der zu Lebzeiten im Skiclub mitmischte. Ein arger Dorn im Auge war ihm die moderne Skihütte, deren Wirte er so piesackte, dass sie schließlich verkaufen wollten. Zwei Mordfälle an zwei verschiedenen Orten, aber beide Male dieselbe Todesursache. Kann das alles Zufall sein?

Nicola Förg gehört schon seit Jahren zu den besten Krimischreiberinnen in Deutschland! Ihre Bücher landen immer wieder auf der Bestsellerliste. Für Kommissarin Irmi Mangold ist es der dritte Einsatz. Neben viel Heimatverbundenheit liefert die Geschichte auch noch einen sehr spannenden Fall über eine Schicksalstat, die viele Menschen betrifft, und deren Auswirkungen, die tödlich sind. Michaela May liest zünftig, urig und saugut. Die bayerische Volksschauspielerin (u. .a. Polizeiruf) ist wie gemacht für diese Art Krimis mit viel Lokalkolorit. Man würde sich wünschen, dass sie noch mehr solcher Stoffe einliest.

Auch als Hardcover erhältlich bei Piper, 12,95 Euro.

Osterwold Audio, 4 CDs, 309 Minuten; 15,99 Euro

Kolumne Nr. 164 vom 17.10.2011

Dora Heldt

Bei Hitze ist es wenigstens nicht kalt

Doris will nicht Geburtstag feiern, schon gar nicht ihren 50sten. Und dann noch in einem spießigen Lokal mit der ganzen Familie, Geschäftskollegen des Mannes und Nachbarn inklusive. Nein, sie will diesen verfluchten 50sten nicht feiern, der ihr  Stimmungsschwankungen und Schweißausbrüche am laufenden Band liefert. Doris nimmt das Datum als Chance zu flüchten. Sie lädt ihre ehemaligen Schulfreundinnen Katja und Anke zu einem Wellness-Wochenende an der Ostsee ein. Zu Schulzeiten waren die Erwartungen der drei ans Leben hoch. Aber wer gibt schon gerne zu, dass nicht alles wunschgemäß gelaufen ist? Zwischen den vielen Entspannungsstunden zündet die eine oder andere Bombe. Es kommen Wahrheiten ans Licht, mit denen keiner der drei gerechnet hätte.

Dora Heldt lesen, heißt Urlaub machen, vom Alltag abschalten und einfach nur genießen. „Bei Hitze ist es wenigstens nicht kalt“ ist humorvoll, charmant und immer nah am Leben. Ein unterhaltsamer literarischer Wellness-Trip für die Seele.  Es dreht sich alles um Freundschaften, Liebe, das Älterwerden und verschiedene Lebenswege, um die Höhen und Tiefen, die das Leben einem abverlangt, und um Geburtstage, vor denen keiner Angst haben muss. Doris, Katja und Anke sind große Sympathieträgerinnen und haben eine hohen Widererkennungswert. „Bei Hitze ist es wenigstens nicht kalt“ ist einer von Dora Heldts besten Romanen. Sie spricht mit diesem Buch den Frauen um die Fünfzig aus der Seele. Und sie zeigt, man soll das Leben nicht zu oft, zu ernst nehmen. Man soll es leben, denn man hat nur eins. Dora Heldt ist ein Garant für erstklassige Unterhaltungs-Literatur!

Auch als Hörbuch erhältlich bei Jumbo Neue Medien, gelesen von der Autorin selbst, 14,99 Euro.

dtv, 318 Seiten; 14,90 Euro

Theresa Bäuerlein

Roman ohne Eifersucht

Seit drei Jahren ist Karen mit Jonathan zusammen und sie ist glücklich. Doch es gibt ein Problem: Jonathan ist nicht eifersüchtig. Er versteht dieses Gefühl nicht und träumt davon, mit Karen beides zu haben: die Sicherheit einer festen Beziehung und den Reiz des Fremdgehens. Als er allein zu einer Reise aufbricht, schlägt Karen ihm ein Experiment vor: freie Liebe, auf Zeit. Während Jonathan im Kanu durch Polen rudert und den Schattenseiten seines Traums begegnet, flirtet Karen ausgerechnet mit ihrem Nachbarn Ben, einem Neurowissenschaftler, der eigentlich für seine Laborratten mehr empfindet als für Frauen, und der Sex fürchtet wie eine schwere Krankheit. Wie viel Freiheit verträgt die Liebe? Eine Frage, die sich alle stellen müssen.

Theresa Bäuerlein ist ein schöne Autorin mit Ausstrahlung. Leider hat ihr Roman diese Ausstrahlung nicht. „Roman ohne Eifersucht“ ist in einer ganz schrecklichen Sprache erzählt. Sätze, die sich lesen wie ein Irrgarten, wechseln sich mit denen ab, die sich lesen wie fünf Tage abgestandene Milch in der Sonne. Die Dialoge des Buches sind oft genauso sinnfrei, wie die Gedanken von Bäuerleins Figuren. Die Figuren agieren wie wild gewordene Liebesaliens, die keinen Plan vom Leben haben. Von Spannung will man bei dieser Geschichte schon gar nicht sprechen, denn sie ist so schwer zu finden, wie Zebras in der Antarktis. „Roman ohne Eifersucht“ ist ein Roman, auf den keiner eifersüchtig sein muss.

Krüger, 272 Seiten; 14,95 Euro

Julia Navarro

Alles, was die Zeit vergisst

Madrid. Wer war Amelia Garayoa? Ihr Urenkel Guillermo erhält den Auftrag, ihre Lebensgeschichte zu recherchieren. Ihr Schicksal ist nahezu unbekannt. Warum hat sie in den 1930er Jahren ihren Mann und ihre neugeborenen Sohn ohne ein Wort verlassen? War ihre arrangierte Ehe unglücklich? Bald offenbart Guillermo sich das geheimnisvolle und abenteuerliche Leben seiner Urgroßmutter. In den Zeiten vor dem Spanischen Bürgerkrieg lernt sie auf einer Versammlung Pierre kennen und lieben. Doch Pierre ist ein Spion, der für den sowjetischen Geheimdienst arbeitet. Amelia ist die ideale Deckung. Und aus Liebe folgt sie ihm erst nach Paris, dann nach Argentinien und schließlich nach Moskau. Doch dort herrscht Stalin mit eiserner Hand und bald muss Amelia nicht nur um Pierres Leben, sondern auch um ihr eigenes zittern.

„Alles, was die Zeit vergisst“ vereint das epische von „Doktor Schiwago“ und „Vom Winde verweht“. Mit seiner Bandbreite und der Wucht der Geschichte steht er in einer Reihe mit diesen Klassikern. Julia Navarro hat mit Amelia eine kämpferische, heroische und bewundernswerte Frauenfigur entworfen, deren Lebensweg man mit großen Augen verfolgt. Navarro führt den Leser in die damalige Zeit wunderbar ein. Man erfährt viel über Spanien und wie es dort damals zuging, über politische und wirtschaftliche Verflechtungen, und sie erzählt über den Krieg, und was dieser von jedem einzeln forderte. Julia Navarro ist mit „Alles, was die Zeit vergisst“ eine Mischung aus Ken Follett (Sturz der Titanen), Kate Morton (Der verborgene Garten) und Lucinda Riley (Das Orchideenhaus) gelungen.

Zeilenreich Exklusiv, 971 Seiten; 19,95 Euro

Lilly Lindner

Splitterfasernackt

Lilly Lindern ist sechs, als sie vergewaltig wird. Sie schweigt, doch sie leidet innerlich jede Sekunde über diese Tat. Sie richtet ihren Körper zu Grunde. Mit 17 versucht sie ihrem Leben einen Sinn zu geben, indem sie in einem Berliner Edelbordell arbeitet. Denn ihr Körper, so denkt sie, gehört schon lange nicht mehr ihr.
Lilly Lindner liegt unter den Seelen-Striptease-Büchern mit „Splitterfasernackt“ klar vor Charlotte Roches „Schoßgebete“. Der Unterschied zu Roche: Lindner weiß wie man schreibt. „Splitterfasernackt“ ist eine harte Lebensbeichte, in einem berauschend-literarischen Ton erzählt.

Droemer, 395 Seiten; 16,99 Euro

Jan Brandt

Gegen die Welt

Ein Dorf in Ostfriesland in den 70iger Jahren. Daniel Kuper, ein schmächtiger und verschlossener Junge, gerät in einen Strudel sonderbarer Geschehnisse. Schneefall im Sommer, Schüler auf Bahngleisen, Hakenkreuze an Hauswänden. Für vieles wird Daniel verantwortlich gemacht. Er beginnt einen Kampf gegen das Dorf und seine Bewohner. 
Ein Debütroman, der wie eine Achterbahnfahrt, ein Geisterbahnaufenthalt und ein Bungee-Sprung gleichzeitig ist. Ein Buch über Freundschaft, Loyalität, Lügen, über Heimat, Glück und große Gefühle. Der Roman strotzt vor Kraft und stilistisch waghalsigen Experimenten, die das Lesen zu einem exquisiten Menü machen. Die Geschichte dauert noch lange an, auch wenn Sie schon zu Ende ist. Von Jan Brandt wird man wohl noch viel hören –und vor allem lesen!

DuMont, 921 Seiten; 22,99 Euro

Hörbuch der Woche

David Nicholls

Zwei an einem Tag

15. Juli 1998, ein Tag, der sich als ein ganz besonderer herausstellen wird. An diesem Tag begegnen sich die 20jährigen Emma und Dexter. Sie haben sich bei der Abschlussfeier kennen gelernt, die Nacht zusammen durchgemacht, am nächsten Morgen gehen beide wieder getrennte Wege. Wo werden sie an genau diesem Tag ein Jahr später stehen? Und wo in all den darauffolgenden Jahren? Und werden sich die beiden, die einander niemals vergessen können und deren Wege sich immer wieder kreuzen, weiterhin immer gerade knapp verpassen - oder können sie sich selbst und dem anderen irgendwann eingestehen, dass sie trotz aller markanten Unterschiede füreinander bestimmt sind?

Ein Roman voller Liebe, Elan, Power und Lust auf das Leben. David Nicholls ist der englische Nicholas Sparks. Zumindest zeigt er es mit diesem sagenhaften Bestseller. „Zwei an einem Tag“ ist die mögliche unmögliche Liebesgeschichte von Emma und Dexter, die kein Hörer nach diesem Hörbuch mehr vergessen wird. Das liegt auch daran, das Dexter und Emma von zwei tollen Stimmen gesprochen werden, die den Charakter der Figuren sehr gut einfangen. Der „Drei-Fragezeichen“-Kultsprecher Andreas Fröhlich liefert als Dexter wie immer eine großartige Sprecherleistung ab. Und die erfolgreiche Schauspielerin und Hörbuchsprecherin Nina Petri spricht Emma gekonnt und mit den nötigen Nuancen. Ab dem 3.11.2011 läuft auch die Verfilmung mit Anne Hathaway und Jim Sturgess in den Kinos.

Hörbuch Hamburg, 6 CDs, 478 Minuten; 19,99 Euro

Kolumne Nr. 165 vom 24.10.2011

Sebastian Fitzek

Der Augenjäger

Dr. Suker ist einer der besten Augenchirurgen der Welt. Am Tage führt er die kompliziertesten Operationen am menschlichen Auge durch, in der Nacht geht sein geheimes Ich ans Werk. Er widmet sich Frauen, sehr intensiv. Bevor er sie vergewaltigt, entfernt er ihnen die Augenlider. Bisher haben alle Opfer kurz danach Selbstmord begangen. Aus Mangel an Zeugen und Beweisen bittet die Polizei Alina Gregoriev um Mithilfe. Widerstrebend nimmt sie an. Die blinde Physiotherapeutin, die seit dem Fall des Augensammlers als Medium gilt, soll Suker dessen Geheimnisse entlocken. Doch Suker ist ein Psychopath wie er im Buche steht. Für Alina geht es bald um alles …

Wer glaubt, Sebastian Fitzeks wahnsinnig machenden, wahnsinnig guten Psychothriller könnte nicht noch ein besserer folgen, der sollte „Der Augenjäger“ lesen. Fitzek versteht es so weit in die menschliche Psyche vorzudringen, dass das, was er heraufbeschwört, der Büchse der Pandora gleichkommt. Das Gespann Alina Gregoriev und Alexander Zorbach haben Serienqualität, die Sebastian Fitzek hoffentlich weiter ausbaut. „Der Augenjäger“ ist ein spektakulärer und außergewöhnlicher Psychothriller, der einem die nackte Angst in die Glieder jagt! Seien Sie auf alles gefasst. Aber Ihnen sei versichert, es kommt alles ganz anders. Sebastian Fitzeks Bestseller „Das Kind“ wird international verfilmt, auch „Der Augensammler“ und „Der Augenjäger“ würden sich dafür anbieten. Kristen Stewart sollte dann Alina Gregoriev spielen und Matt Damon Alexander Zorbach.

Auch als Hörbuch erhältlich bei Lübbe Audio, gelesen von Fitzek-Leser Simon Jäger, 19,95 Euro.

Droemer, 419 Seiten; 19,99 Euro

Wladimir Kaminer

Liebesgrüße aus Deutschland

Wladimir Kaminer, Deutschlands bekanntester Literaten-Russe, erzählt wieder aus seiner „neuen Heimat“ Deutschland. Er erzählt vom Wald, von Würzburg, von den Ausländern in Deutschland, von kletternden Kindern und Katzen die man nicht einschläfern darf, von Eimerchen am Strand, von den Kuscheltieren seines Sohnes, Sparkassenberatern und mit Schokolade gefüllte Schließfächern, von Klassenarbeiten seines Sohnes, von Schnee in Deutschland, vom deutschen Mann und Münster und noch von vielen anderen kleinen Begebenheiten.

Wie alle Jahre kann ich auch diesmal den neuen Kaminer nicht vollkommen empfehlen. Allerdings ist „Liebesgrüße aus Deutschland“ eins von Kaminers besten Büchern. Aber der Titel und die Ankündigung zum Buch suggerieren etwas, was im Buch nur weniger als die Hälfte vorkommt, nämlich dass es um Deutschland und seine Marotten geht. So erzählt Kaminer auch oft und ausführlich, was seine Kinder hier und da erleben, und Storys, die nicht viel mit Deutschlands Marotten zu tun haben. Gleich in der ersten von sechsundfünfzig Geschichten wird dann ein sehr einfältiges Bild der Deutschen gezeigt, das sich im Laufe des Buches aber wieder legt. Die beste Story ist „Das beste Lied über das Finanzamt“ – herrlich skurril, herrlich Deutschland. Aber zu oft haben die Geschichten leider nur die Qualität eines mittelmäßigen Zeitungsartikels. Das will man nicht in einem Buch lesen.

Manhattan, 288 Seiten; 16,95 Euro

Margaret Mazzantini

Das schönste Wort der Welt

Die in Rom lebende Mittfünfzigerin Gemma beschließt mit ihrem Sohn Pietro nach Sarajevo zu fliegen. Sie werden erwartet von Gojko, der Gemma während der Olympischen Winterspiele 1984 mit der Liebe ihres Lebens bekannt gemacht hat: mit Diego, dem wilden Fotografen aus Genua. Er lebt nicht mehr, doch ein paar seiner Arbeiten werden jetzt zur Erinnerung an den Bosnienkrieg ausgestellt.
Gemma wird von der Vergangenheit eingeholt. Sie erinnert sich an die unbeschwerte Zeit vor dem Krieg. Sie waren zwei junge Menschen die sich treiben ließen und ihre leidenschaftliche Liebe genossen. Auf immer ist diese Liebe untrennbar an Sarajevo gebunden. Dort kam 1992, während die ersten Bomben fielen, der von Gemma so heiß ersehnte und erkämpfte gemeinsame Sohn zur Welt. Und das, obwohl sie doch unfruchtbar war.

„Das schönste Wort der Welt“ ist eines der schönsten Bücher des Jahres! Es enthält Sätze, die so schön geschrieben sind, wie das Wort, das der Titel verspricht. Wie Margaret Mazzantini die einfachen Dinge und die Umgebung beschreibt, ist atemberaubend. Sie lässt Bilder entstehen, die so klar sind wie Fotografien. Eine Liebesgeschichte voll großer Gefühle, sie öffnet einem das Herz und bleibt für immer darin verborgen. Mazzantinis Figuren strahlen so viel Leben aus, dass man sie schon neben sich stehen sieht. „Das schönste Wort der Welt“ ist ein Roman, der funkelt wie ein Diamant.

DuMont, 701 Seiten; 22,99 Euro

Bernhard Hennen

Drachenelfen

Drachen herrschen über Elfen, Menschen werden von Dämonen gelenkt. Die Elfenjägerin Nandalee hat eine Gabe, die die Welt verändern kann. Derweil wird ein junger Bauer Herrscher über ein großes Volk und versucht die Macht der Dämonen zu erschüttern.
Vor Jahren schrieb ich, dass die Romane von Bernhard Hennen Fantasy-Großereignisse sind. Mit „Drachenelfen“ bestätigt Hennen das. Der Beginn einer neuen Saga, die einem das „Herr-der-Ringe“-Feeling zurückbringt. Die Elfen-Romane von Bernhard Hennen sind auch sehr guter Stoff für Hollywood. Liebe Produzenten, bitte melden Sie sich schnellstens bei Herrn Hennen!

Auch als Hörbuch erhältlich bei Random House Audio, gelesen von Fantasy-Hörbuchsprecher-As Hans Peter Hallwachs, 19,99 Euro.

Heyne, 1066 Seiten; 17,99 Euro

GJ Moffat

Verfehlung

Glasgow. Der erste Arbeitstag hält für Detective Constable Rebecca Irivine gleich das erste Opfer parat: Penny Grant. Die Exfreundin und große Liebe von dem erfolgreichen Anwalt Logan Finch. Und die 11jährige Tochter Ellie wird vermisst. Nun zählen Stunden, Tage. In dieser Zeit wird sich das Schicksal aller entscheiden …
Der schottische Anwalt GJ Moffat liefert mit „Verfehlung“ ein glänzendes Thriller-Debüt ab. Schnell, unerbittlich, tiefgründig. „Verfehlung“ ist für Sie garantiert keine Fehlinvestition. GJ Moffat – ein Name, den man sich merken muss!

Blanvalet, 416 Seiten; 8,99 Euro

Hörbuch der Woche

Patrick O’Brian

Kurs auf Spaniens Küste

Kapitän Jack Aubrey, Seemann und Offizier, der das Befehlen gewohnt ist und Dr. Stephen Maturin, der Zweifler und Kritiker mit sozialem Gewissen, bestehen Abenteuer auf See und an Land in der Zeit Napoleons. Jack Aubrey erhält sein erstes Kommando, die recht kleine und alte Kanonen-Brigg Sophie mit zwei Masten und 14 Kanonen. Auf Menorca freundet er sich mit dem Arzt und Naturforscher Stephen Maturin an und gewinnt dadurch einen Schiffsarzt. Jack ist ein guter Seemann, taktisch sehr versiert und er möchte auch werthaltige Prisen erbeuten. An Land allerdings ist er ungeschickt und bereitet sich dadurch selbst viele Probleme. Oft, aber nicht immer, kann Maturin helfend eingreifen.

Patrick O’Brian ist ein Kult-Autor der maritimen Weltliteratur! Er hat das Genre geprägt wie kein anderer. Mit „Kurs auf Spaniens Küste“ startet nun eine viel versprechende Hörbuch-Edition mit seinen Werken. O’Brians Romane zeichnen sich durch eine Detailfülle der maritimen Begebenheiten von damals aus. Man erfährt viel über das Leben und die Vorschriften an Board. Man wird zum Besatzungsmitglied und sticht mit in See. Johannes Steck hat die Stimme für große Geschichten. Das bewies er schon beim Einlesen von Fantasy-Epen und nun auch bei dem ersten – von zwanzig – Roman dieser Reihe. Ohren auf, Segel gesetzt und mit Johannes Steck in See gestochen. Ein Lob an Kübler Hörbuch, die diesen Klassiker als Hörbuch präsentieren – und das nahezu ungekürzt.

Kübler Hörbuch, 13 CDs, 900 Minuten; 31,99 Euro

Kolumne Nr. 166 vom 31.10.2011

Walter Moers

Das Labyrinth der Träumenden Bücher

Buchhaim, die Stadt der Träumenden Bücher, wurde vor über 200 Jahren von einem Feuersturm zerstört. Augenzeuge damals, Hildegunst von Mythenmetz, mittlerweile der größte Schriftsteller Zamoniens. Verlockt durch einen rätselhaften Brief kehrt er nun nach Buchhaim zurück. Die wieder aufgebaute Stadt erblüht in neuem Glanz und ist pulsierende Metropole der Literatur. Mythenmetz ist dem Rätsel auf der Spur. Er begegnet alten Bekannten u. a. dem Schriftstellerkollegen Ovidios, der das Orm erlangt hat. Er trifft aber auch zahlreiche neue Bewohner, Phänomene und Wunder. Dazu zählt auch die gewaltigste Attraktion Buchhaims, den Puppaecircus Maximus mit dem Unsichtbaren Theater, dort wird Mythenmetz mit seiner eigenen Geschichte konfrontiert.

Walter Moers kehrt nach Zamonien, besser gesagt, nach Buchhaim zurück und lässt Hildegunst von Mythenmetz wieder ein fabulöses Abenteuer in der Welt der Bücher erleben. Moers hat zahlreiche fantastische Kreaturen und Figuren erschaffen, dass man über diesen Ideenreichtum nur noch voller Beachtung den Hut ziehen kann. Mal eines herausgegriffen: Das „Lebende Buch – halten Sie es sich als Schoßtier, es benötigt nur wenige Tropfen Öl im Monat“. Auch bemerkenswert: die „Lebenden Zeitungen“ – das Internet von Buchhaim. Der Witz fehlt auch nie, z. B. das Kochbuch eines Buchhaimer Autors „Schöner Kochen mit Labyrinth-Algen – Gerichte, die im Dunkeln leuchten“. „Das Labyrinth der Träumenden Bücher“ ist ein erlebnisreicher Spaziergang durch die Bücher-Hauptstadt Buchhaim. Die Bücher von Walter Moers sind schon jetzt Klassiker der fantastischen Literatur. Ob „Die 13 ½ Leben des Käpt’n Blaubär“, „Rumo“ oder „Die Stadt der Träumenden Bücher“. Walter Moers Bücher sind optisch und inhaltlich ein großes Erkundungs- und Leseerlebnis.
Knaus, 430 Seiten; 24,99 Euro

Dan Wells

Du stirbst zuerst

Michael erwacht in einem Krankenhaus. Was ist in den letzten zwei Wochen geschehen? Er erinnert sich nicht. Er weiß nur, dass mit ihm etwas ganz und gar nicht stimmt. Denn er sieht Monster. Er hört fremde Stimmen in seinem Kopf. Die Ärzte behaupten, er habe Wahnvorstellungen. Doch Michael weiß es besser. Die Monster sind real. Sie verfolgen einen dunklen Plan. Und wenn er den Kampf gegen sie aufnimmt – wer wird zuerst sterben? Für Michael beginnt ein dunkler Trip in die menschliche Psyche. Es werden Grenzen überschritten, von denen er nicht mal gewusst hat, dass es diese gibt.

Dan Wells hat im Thriller-Genre für Furore gesorgt. Mit seinem Debüt „Ich bin kein Serienkiller“ mixte er die Genres des Thrillers und der Fantasy. Es wurde ein Bestseller. Es folgte „Mr. Monster“ und „Ich will dich nicht töten“. Sein neuer grenzüberschreitender Thriller beginnt mit einem Knall, verflacht dann aber zusehends und man hofft, dass die Spannung nicht im Krankenbett liegen bleibt und nie mehr zurückkehrt. Leider tut sie das. Das Ende von „Du stirbst zuerst“ lässt dann ganz die Luft raus, aus dem Buch. Die Charaktere erwecken wenig Anteilnahme, so dass der Fortgang einem egal ist. Und man merkt, dass Dan Wells ein fleißiger Leser von Stephen King ist, denn in seinen Büchern ist einiges vom großen Meister des Horrors zu erkennen.
Piper, 447 Seiten; 12,99 Euro

Jo Nesbø

Die Larve

Ein junger Mann, tot, ein Verdächtiger schnell gefunden. Harry Hole steht dem skeptisch gegenüber. Der angebliche Täter ist Oleg, der Sohn von Rakel, der Liebe seines Lebens. Entgegen sämtlicher Indizien setzt Harry Hole alles daran, Olegs Unschuld zu beweisen. Aber wie kam es dazu, dass Oleg mit einem Drogendealer befreundet war? Holes Ermittlungen führen ihn tief in die Osloer Drogenszene und auch in die Machtzentren der Stadt. Bald haben es Polizei und Politik auf Hole abgesehen. Aber nicht nur diese. Während er um Oleg und die Wahrheit kämpft, macht aber auch Oslos Drogenkönig, der Dubai genannt wird, Jagd auf Harry Hole. Alle Hände voll zu tun für Hole, der mit dem allen eigentlich gar nichts mehr zu tun haben wollte.

Jo Nesbø, einer der besten Kriminalautoren Europas, hat wieder einen einschlagenden Bestseller geschrieben! Schon seine drei letzen überragenden Werke „Der Erlöser“, „Schneemann“ und „Leopard“ waren Dauerberenner auf der Bestsellerliste. „Die Larve“ ist nun der neunte Fall für Kult-Kommissar Harry Hole – auch dieser wird es sich auf der Bestsellerliste bequem machen. Es geht um das norwegische Drogenmilieu. Um den harten Kampf, seine Sucht zu stillen oder davon loszukommen. Und vor allem, um die Hintermänner, die den Markt beherrschen.  Der Krimi erinnert an die großen amerikanischen Drogen-Krimi-Dramen aus dem Kino. Das Buch ist geschickt aufgebaut. Nesbø wechselt immer wieder Szenen und Figuren und hält so den Spannungsbogen bis zum Anschlag gespannt. Harry Hole ermittelt taff, hinterfragt aber immer sein Gewissen, ob es richtig ist, was er tut. Eine traurige Liebesgeschichte begleitet seine Leben. „Die Larve“ ist ein Krimi, bei dem man sich nie in Sicherheit wiegen darf, denn er ist wendungsreich und höllisch spannend. Jo Nesbø ist wieder ein klasse Krimi gelungen, der auch nach der Lektüre noch lange im Kopf bleibt.

Auch als Hörbuch erhältlich bei Hörbuch Hamburg, gelesen vom Duo Achim Buch und Rafael Stachowiak, 24,99 Euro.

Ullstein, 548 Seiten; 21,99 Euro

Anne Hertz

Wunschkonzert

Das Leben von Musikerentdeckerin Stella Wundermann könnte nicht schöner sein. Bis das Label, bei dem sie arbeitet, verkauft wird. Von nun an gerät alles durcheinander. Auch in Stellas Männerwelt tut sich einiges. Der charmante Sänger Tim wäre eine gute Partie, aber will der nicht nur einen Vertrag von ihr? Und dann sind da noch der plötzlich nette Kollege Martin und ihr neuer Chef, der komische Sachen zur Teambildung vorschlägt.
Niemand schreibt in Deutschland so schöne, frische, moderne und beschwingte Komödien wie das Schwesternpaar Anne Hertz! „Wunschkonzert“ ist voller Situationskomik, heiteren Alltagserlebnissen, spritzigen und romantischen Momenten. Es grenzt schon an ein Wunder, dass die Romane von Anne Hertz nicht schon alle fürs Fernsehen verfilmt wurden.
Knaur, 375 Seiten; 14,99 Euro

Amanda Kyle Williams

Cut

Privatdetektivin Keye Street hat ein bewegtes Leben, trockene Alkoholkerin, Ex FBI-Agentin. Als in Atlanta ein Serientäter wahllos Menschen tötet, wird sie von ihrem alten Freund Lt. Rauser  in die Ermittlungen hineingezogen. Der Fall verlangt ihr viel ab, denn der Täter hat eine ganz besondere Vorgehensweise …
Amanda Kyle Williams ist die neue Sara Paretsky. Und sie hat ihr einiges voraus. Sie erzählt frischer, spannender und härter. Ein Thriller, der überrascht und gut erzählt ist. Keye Street macht Lust auf mehr! Amanda Kyle Williams, bitte schnell der nächste Fall.

Auch als Hörbuch erhältlich bei Argon Hörbuch, gelesen von Thriller-Stimme Franziska Pigulla, 19,95 Euro.

Wunderlich, 428 Seiten; 19,95 Euro

Hörbuch der Woche

John Niven

Gott bewahre

Gott hat ein Problem. Nach einem Urlaub muss er erkennen, dass die Erde in der Zwischenzeit Schiffbruch erlitten hat. Umweltsünden, Kriege, moralischer Verfall, kirchliche Hassprediger, skrupellose Kommerzialisierung – die Menschen sind auf dem besten Weg, sich selbst zu zerstören. Und so bleibt Gott nichts anderes übrig, als Sohn Jesus Christus, wieder auf die Erde zu schicken, um Gutes zu tun und das einzig wahre Gebot „seid lieb“ zu predigen. Jesus landet in New York und versucht zunächst erfolglos als Sänger und Gitarrist in einer Rockband Gehör zu finden. Seine ersten Jünger sind Drogenabhängige, Gescheiterte, Obdachlose, denen er zu helfen versucht. Als seine Mission, die Massen zu erreichen, zu scheitern droht, greift er zum letzten Mittel: Er nimmt an einer Castingshow teil. Damit beginnt eine geschichtsträchtige Odyssee quer durch Amerika.

Die Gott AG muss durch seinen Vorstandsvorsitzenden, Jesus, seine Firma, die Erde, und vor allem seine Mitarbeiter, die Menschen, wieder in die richtige Bahn bringen. Wie? Das hören bzw. lesen Sie in „Gott bewahre“. Ein Roman, in dem Gott kifft und Ausdrücke wie „Verf… Scheiße“ und „Leck mich am A…“ benützt, ist definitiv nichts für Erzkonservative. Ein Buch, dass der Katholischen Kirche die Schamesröte ins Gesicht jagen wird. In „Gott bewahre“ erkennt Jesus in den weltweiten Castingshows einen modernen Zirkus Maximus. Der Wahrheitsgehalt ist sehr hoch. Und er schreibt Pop- und Kriminalgeschichte, bevor er dann wieder die nächste Kiffer-Party im Himmel feiert. Selten werden Sie eine – kirchliche – Lesung so genossen habe. Gerd Köster bringt die coole Schreibe cool rüber. Er gibt Gott, Jesus & Co. den richtigen Drive in der Stimme.

Auch als Hardcover erhältlich bei Heyne, 19,99 Euro.

Random House Audio, 6 CDs, 459 Minuten; 19,99 Euro