Kolumne Nr. 210 vom 03.09.2012

Joy Fielding

Das Herz des Bösen

Valerie Rowe steht kurz davor, dass ihr Mann Evan sie wegen einer jüngeren Frau verlassen will. Auch ihre 16-jährige Tochter Brianne macht es ihr nicht einfach. Als ob Valerie damit nicht schon genug zu tun hätte, tritt auch noch Evans Verlobte Jennifer auf den Plan. Ihr Noch-Ehmann Evan hatte den Plan gefasst, mit Jennifer und Brianne ein Wochenende in der Wildnis zu verbringen. Dumm nur, dass plötzlich Valerie die beiden zur Hütte bringen muss, und sich somit mit ihrer Rivalin in einem entlegenen Hotel in den Bergen wiederfindet. Valerie ahnt indes nicht, dass es kurz vorher zu einer rätselhaften Mordserie in der Gegend gekommen war – und eine blutige Spur die Wälder durchzieht, die auch ihren Weg kreuzen wird.

Joy Fielding lesen heißt, den perfekten Thriller lesen! In „Das Herz des Bösen“ baut Fielding wieder einen beängstigenden Plot auf, der einem eine ständige Gänsehaut über den Rücken jagt. Man spürt das Böse näher kommen, unausweichlich. „Das Herz des Bösen“ ist ein aufregender Psychothriller, der einen keine Sekunde ruhen lässt. Diabolisch, blutig, psychologisch ausgefeilt – die Queen des Psychothrillers hat wieder die volle Punktzahl erreicht. Würde es eine Olympiade der Thriller-Autorinnen geben, Joy Fielding würde immer mit der Goldmedaille ausgezeichnet werden.

Auch als Hörbuch erhältlich bei Der Hörverlag. Schauspielerin Anneke Kim Sarnau liest Joy Fielding ruhig und flott, den Spannungsmomenten angepasst. 19,99 Euro.

Goldmann, 384 Seiten; 21,99 Euro


Haruki Murakami

Die Bäckerei-Überfälle

In „Die Bäckerei-Überfälle“ wollen zwei Jungen eine Bäckerei überfallen und bedrohen den Bäcker. Sie wollen Brot stehlen. Der Bäcker stellt eine Bedingung, sie sollen Wagners „Tristan und Isolde“ hören, dann bekommen sie das Brot und er wird nichts weiter unternehmen. Die beiden Männer erklären sich einverstanden. In „Der zweite Bäckerei-Überfall“ erzählt einer der beiden viele Jahre später seiner Frau von seiner Jungendsünde, dem Bäckerei-Überfall. Sie hatten es nur aus Hunger getan, erklärt er ihr. Sie nimmt es ihm nicht übel und setzt dann tatsächlich einen eigenen Überfall um.

Haruki Murakami gehört zu den literarischen Göttern der asiatischen Literatur-Szene! Zuletzt begeisterte er mit seinem Werk „1Q84“. Mit „Die Bäckerei-Überfälle“ enttäuscht er auf ganzer Linie. Das Buch setzt sich aus den zwei oben genannten Erzählungen zusammen, die in den Jahren 1981 und 1985 verfasst wurden und erstmals 1995 in Deutschland erschienen sind. Diese Ausgabe wurde erneuert. Zudem hat die Deutsche Kat Menschik die Geschichte mit durchaus attraktiven künstlerischen Zeichnungen versehen. Umso weniger attraktiv ist der Text, der nur gut die Hälfte des Buches ausmacht. Es sind belanglose Geschichtlein, die von keinem anderen Autor veröffentlicht worden wären. Aber mit einem Weltbestseller-Autor kann man auch mit einer verdorben Backmischung noch Geld machen. Wohl bekomm’s!

DuMont, 75 Seiten; 14,99 Euro


Jean-Christophe Grangé

Der Ursprung des Bösen

Sobald Mathias Freire in Stress gerät, verliert er das Gedächtnis. Und wenn er das Bewusstsein wiedererlangt, ist er ein anderer: Ein neues Ich hat sich formiert. Währenddessen sucht die Polizei nach dem Täter einer Serie von Ritualmorden, die allesamt in der Nähe Freires verübt wurden, ohne dass man diesem etwas nachweisen kann. Ist er der Mörder? Freire gerät zunehmend in Panik. Auf sein Gedächtnis ist kein Verlass. Also muss er einen anderen Weg finden, um seine Vergangenheit zu rekonstruieren. Doch die Suche nach seiner wahren Identität wird zu einem einzigen Albtraum. Ein Albtraum, der in einem dunklen Geheimnis um Freires Herkunft begründet liegt.

Jean-Christophe Grangé packt den Leser und zerrt ihn in die dunkelsten Höhlen der menschlichen Psyche. „Der Ursprung des Bösen“ folgt diesen grangéschen Eigenschaften unwiderstehlich. Dieses Buch ist eines mit großer Sicherheit: kein Thriller von der Stange. Grangé entwirft eine Geschichte, die die Hirnzellen fordert und zeigt, wie gestört die Menschen sind. Seine Figuren sind wieder ein Füllhorn an Leben, Gefühlen, Eigenarten, sie sind komplex und ansprechend. Und „Der Ursprung des Bösen“ treibt einen durch zahlreiche französische Städte und Schauplätze. Jean-Christophe Grangé ist der Europameister des europäischen Thrillers!

Auch als Hörbuch erhältlich bei Lübbe Audio. Die Hörbuchsprecher- und Synchronstars Dietmar Wunder und Nicole Engeln machen mit ihrer Interpretation aus dieser Lesung ein Hörspiel. 16,99 Euro.

Lübbe, 860 Seiten; 19,99 Euro


Wilfried Huismann

Schwarzbuch WWF

Die Geheimnisse des WWF zu ergründen ist sehr schwer, aber Autor Huismann ließ sich davon nicht abbringen. Für unglaublich viel Geld macht der WWF aus Umweltverbrechen eine grüne Industrie. Die Spender und Verbraucher werden betrogen und belogen.

Ein Buch, das einen wütend macht! Es zeigt, wie der WWF seine weiße Weste schon lange dem globalen Kapitalismus geopfert hat. Für die mächtigen des WWF spielt das ökologische System nur noch eine untergeordnete Rolle. Für sie zählt nur, Geld einzusammeln. Wilfried Huismann deckt mit diesem Buch die enge Verzweigung des WWF mit den reichen Weltkonzernen auf, und wie die sich mit hohen Spenden, das wohlige Gefühl des Pandas erkaufen. Der WWF nimmt es nicht so genau mit der Rettung der Natur. Ein Buch, das hoffentlich die Menschen aufrüttelt und die Welt wirklich besser macht!

Gütersloher Verlagshaus, 256 Seiten; 19,99 Euro


Lauren Kate

Engelsflammen

Luce würde für Daniel sterben. Und sie hat es getan, wieder und wieder. Seit einer Ewigkeit finden die beiden einander, nur um sich stets aufs Neue zu verlieren. Luce will in der Vergangenheit suchen, um endlich dem Fluch zu entkommen, der auf ihr und Daniel lastet. Die Reise zurück in die Zeit ist voller Gefahren.
Der dritte Teil von Lauren Kates träumerisch-spannender Engel-Reihe. Die Geschichte bekommt hier einen Dreh und ist so ganz anders, als seine Vorgänger. Fans der Reihe dürfen sich dieses Buch nicht entgehen lassen. Ein Buch voller toller Momente!

cbt, 409 Seiten; 17,99 Euro


Hörbuch der Woche

Linda Castillo

Wenn die Nacht verstummt

In Painters Mill häufen sich die Verbrechen gegen die Amischen. Auf der Farm der Familie Slabaugh werden drei Leichen in der Güllegrube gefunden: Vater, Mutter und ein Onkel. Alle drei weisen schwere Kopfverletzungen auf. Ist auch dies ein Verbrechen aus Hass gegen die Glaubensgemeinschaft? Polizeichefin Kate Burkholder, die bis zu ihrem 18. Lebensjahr selbst eine Amische war, kennt die Menschen dort nur zu gut. Mit ihrem Freund John Tomasetti ermittelt sie in dem Fall, der sie bald auch mit den dunklen Kapiteln ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert.

Das ist der dritte Thriller von Linda Castillo mit ihrer Ermittlerin und Ex-Amischen Kate Burkholder. Auch in „Wenn die Nacht verstummt“ passiert der Mordfall wieder in der Amisch-Gemeinde und wieder ist das ein sehr interessanter Fall. Ein leiser Kriminalroman, der einfühlend auf seine Figuren eingeht und das Leben der Amisch wieder anschaulich darstellt. Die Spannung kommt nicht zu kurz. Die Überführung des Täters hält eine Überraschung parat. Tanja Geke liest kühl, gelassen, einfühlend, fesselnd – eine unwiderstehliche Mischung. Sie ist u. a. die deutsche Stimme von Hollywood-Star Eva Green.

Auch als Taschenbuch erhältlich bei Fischer, 8,99 Euro.

Argon Hörbuch, 6 CDs, 472 Minuten; 19,99 Euro

Kolumne Nr. 211 vom 10.09.2012

Peter Prange

Der Kinderpapst

Rom, 1032. Der 12-jährige Teofilo kommt als Benedikt IX. auf den Thron der katholischen Kirche. Er ist der jüngste Papst aller Zeiten. Das Drama nimmt seinen Lauf. Seine große Liebe zu Chiara bleibt ihm versagt. Unter der Bürde, Stellvertreter Christi zu sein, wird er zum Teufel in Menschengestalt. Dreimal wird er vom Papstthron verjagt, er geht über Leichen, um die Herrschaft wieder zu erlangen. Doch so entsetzlich seine Taten scheinen, ist sein Leben in Wahrheit ein einziger Schrei nach Gott, Ausdruck seiner verzweifelten Hoffnung, dass der Schöpfer aus dem Dunkel seines Schweigens trete. Dabei stand Gott dem Verzweifelten Zeit seines Lebens vor Augen, in Gestalt der Liebe – in Gestalt von Chiara, nach der sein Herz sich von allem Anfang an verzehrte …

Peter Prange gehört in Deutschland schon länger als ein Jahrzehnt zu den außergewöhnlichsten Autoren des historischen Genres. Nach mehreren anderen Büchern kehrt er nun wieder zur Historie zurück und das mit einem Paukenschlag. „Der Kinderpapst“ erzählt die wahre Geschichte von Papst Benedikt IX., die Geschichte reicht von 1021 bis 1049. Sie erzählt von Liebe und Leidenschaft, Religion und Politik, Kriegen und Herrschertum. Hier erfährt man vieles, was man über die Kirche eigentlich gar nicht wissen will, will man wirklich noch an die Institution Kirche glauben. Die Falschheit der Kirche war vor 1000 Jahren zwar schlimmer als heute, aber es fallen einem doch sehr viele Ähnlichkeiten auf, über Vergehen, die versucht werden unter den Teppich zu kehren. Peter Prange schildert das Leben von Benedikt IX. anschaulich und breit gefächert. Der innere Kampf von Teofilo, Macht richtig auszuüben, Macht zu missbrauchen, der ewige Kampf um seine große Liebe, aber auch, Papst zu bleiben. „Der Kinderpapst“ ist Historie vom Feinsten! Die zeigt, dass Liebe das größte Geschenk ist, was ein Mensch empfangen kann.

Pendo, 600 Seiten; 19,99 Euro


Leenders / Bay / Leenders

Grenzgänger

Die Krankenschwester José Bruikelaer wird erhängt aufgefunden. Vollkommen unerwartet, am Abend zuvor hatte die lebenslustige junge Frau noch gefeiert. Kurze Zeit später der nächste Todesfall: ein Musiker, gestorben an einer Überdosis. Laut Freundin nahm er aber keine Drogen. Kommissar Helmut Toppe und sein Team nehmen die Ermittlungen auf. Es kommt ein böser Verdacht auf: Was, wenn jemand eine Rechnung zu begleichen hat und sie es mit einer Serie perfekt getarnter Morde zu tun haben? Ein schwieriger Fall für Kommissar Toppe.

Das Autoren-Trio Hiltrud Leenders, Michael Bay und Artur Leenders ist bekannt für seine erfolgreichen Kriminalromane um das Klever Kommissariat KK11. Letztes Jahr haben sie dann eine neue Serie gestartet um den Kommissar Helmut Toppe und seine Kollegen. Nach „Lavendel gegen Ameisen“ ist „Grenzgänger“ nun Toppes zweiter Fall. Toppe kann dem KK11 nicht das Wasser reichen. Die langjährige Serie bietet bessere Fälle und Personal. Das Autoren-Trio kommt bei diesem eher dürftigen Plot oft von der roten Linie ab und verliert sich in belanglosen Nebensächlichkeiten. Auch will die Spannung nie so richtig durchbrechen. Toppe und Kollegen sind ganz nett, aber unbedingt mehr lesen will man von ihnen nicht.

Rowohlt, 271 Seiten; 8,99 Euro


Matthew Quirk

Die 500

Mike Ford hat es bis nach Harvard geschafft. Neben dem Jurastudium arbeitet er in einer Bar, um seinen Schuldenberg abzutragen. Bis ihn sein Dozent Henry Davies mit Aussicht auf ein hohes Gehalt in seine Beraterfirma lockt. Die Klienten von Mikes neuem Boss sind die 500 mächtigsten Männer des Landes, und Davies’ Geschäftsmodell besteht darin, jede Leiche im Keller dieser Männer zu kennen, um sie zu erpressen und ihren Einfluss zu nutzen. Jede Methode ist ihm recht, und Mike ist sein Mann fürs Grobe. Als der die Machenschaften durchschaut, steckt er schon bis zum Hals im tödlichen Spiel um Macht und Geld. Sein einziger Ausweg besteht darin, Davies’ dunkle Geheimnisse aufzudecken und ihn mit den eigenen Waffen zu schlagen.

Der in Washington, D. C. lebende Matthew Quirk hat in Harvard studiert. Er kennt sich also im Metier aus, das merkt man seinem Debüt auch an. Ein zündender Thriller über die Korrumpierbarkeit in Politik und Wirtschaft! Quirk erzählt, wie es durchaus hinter den Mauern der Macht zugehen könnte. Hier entfaltet sich ein dunkler Sumpf, der schockierend ist. Für den Leser ist das aber sehr gut. „Die 500“ liest sich, wie wenn John Grisham und James Patterson zusammen einen Roman geschrieben hätten. Rasend schnell erzählt, spannungsgeladen und man ist immer am Mitfiebern mit dem Helden Mike Ford. Den hat Matthew Quirk auch sehr vielfältig dargestellt, man bekommt einen guten Eindruck von seinem Leben und daher nimmt man noch mehr an seiner Reise durch den dunklen Sumpf der Macht teil.

Auch als Hörbuch erhältlich bei DAV. So rasend gut wie der Thriller ist auch die Lesung von Heikko Deutschmann. 19,99 Euro.

Blessing, 413 Seiten; 19,95 Euro


E. L. James

Shades of Grey 2 – Gefährliche Liebe

Ana Steele hat die leidenschaftliche Beziehung zu Christian Grey abgebrochen. Aber Anas Verlangen nach Christian ist stärker denn je. Er will sich noch einmal mit ihr treffen, Ana willigt ein und beginnt erneut eine Affäre mit ihm. Wieder wird sie Grenzen überschreiten und vor eine entscheidende Frage gestellt.
Die weltweite Erotik-Sensation geht in die 2. Runde! Die Seiten schwitzen wieder vor schweißtreibender Erotik. E. L. James bringt jeden Körper zum kochen! James entwickelt die beiden Hauptfiguren vorzüglich weiter. Als Leser lässt man sich wieder treiben.

Auch als Hörbuch erhältlich bei Der Hörverlag. Hier ist weghören verboten! Die bezaubernde Schauspielerin und Synchronsprecherin Merete Brettschneider liest erotischer, als die Geschichte Erotik hat. 14,99 Euro.

Goldmann, 604 Seiten; 12,99 Euro


Joseph O’Connor

Irrlicht

Dublin, Anfang der 1920er Jahre. Die Affäre zwischen der jungen Schauspielerin Molly und dem berühmten Autor John ist ein Skandal. Doch beide lassen sich nicht beirren, denn für sie steht fest: eine größere Liebe wird es für keinen von beiden jemals geben.
„Irrlicht“ ist eine elegante, eloquente und ansprechende Liebesgeschichte von einem der besten Autoren Irlands. Sie entführt den Leser in eine interessante Zeit und in die Theaterwelt von damals, die noch eine andere war als heute. O’Connor schafft es mit seiner Erzählkunst, dem Leser die Gefühle seiner Figuren spüren zu lassen.

S. Fischer, 319 Seiten; 19,99 Euro


Hörbuch der Woche

Max Landorff

Die Stunde des Reglers

Gabriel Tretjak hat sich in die Berge über dem Lago Maggiore zurückgezogen. Hier findet er Ruhe, nachdem sich sein altes Leben in Luft aufgelöst hat. Doch dann taucht die Quantenphysikerin Sophia Welterlin auf und bittet ihn, den Regler, um Hilfe: Sie wird bedroht. Jemandem missfällt ihre Forschungsarbeit am Europäischen Kernforschungszentrum CERN. Tretjak ist bereit, in ihre Wirklichkeit einzudringen, solange ihn das von seiner eigenen ablenkt. Als er aber von den Toten erfährt, die ebenfalls Gabriel Tretjak geheißen haben, wird er tiefer in seine eigene Vergangenheit gezerrt, als ihm lieb ist.

„Der Regler“ kehrt mit Macht zurück. Ein Thriller Made in Germany von hohem internatonalen Niveau! Mit Gabriel Tretjak hat Max Landorff eine Figur erschaffen, die in der deutschen Thriller-Landschaft einmalig ist. Wieder entwirft Max Landorff eine Geschichte voller Überraschungen und Wendungen. Die Story hat Niveau und man erfährt noch viel mehr von Gabriel Tretjak. Und „Die Stunde des Reglers“ endet in einem eisigen Showdown. Detlef Bierstedt liest, wie schon Teil 1, gestochen scharf. Hier ist jede CD Sprengstoff pur.

Auch als Hardcover erhältlich bei Scherz, 14,99 Euro.

Argon Hörbuch, 6 CDs, 445 Minuten; 19,95 Euro

Kolumne Nr. 212 vom 17.09.2012

Hans-Peter Schwarz

Helmut Kohl – Eine politische Biographie

Der Name Helmut Kohl beschäftigt die Deutschen noch immer. Für die einen bleibt er der Kanzler der Einheit, für die anderen ist er ein egozentrischer Machtmensch, dessen Name mit der größten deutschen Spendenaffäre verknüpft ist. Kohl, der Riese aus einer vergangenen Epoche, ist die größte lebende historische Figur der Bundesrepublik, Gemeinsam mit Staatsmännern wie Michail Gorbatschow, George Bush sen. oder Deng Xiaoping hat Kohl Weltgeschichte geschrieben, gleichzeitig ist sein Name mit zahlreichen Affären und innenpolitischen Fehlentscheidungen verbunden. Alles an ihm hat riesenhafte Dimensionen – seine Verdienste ebenso wie seine Irrtümer, die auch in unsere Zeit hineinragen.

Das Buch über den politischen Menschen Helmut Kohl ist ein halbes Jahrhundert deutsche Geschichte zum anfassen. Der erfahrene Politologe und Zeithistoriker Hans-Peter Schwarz erzählt mit diesem Buch vom Leben eines Politikers der Deutschland geprägt hat wie kaum ein anderer. Respektiert und verschmäht, er war immer streitbar, aber er ging auch immer seinen Weg. Und sein politischer Weg war lang. Auch ist dieses Buch eine Geschichte der Volkspartei CDU. Man erfährt von Kohls Heimatstadt, der Industriestadt Ludwigshafen; Kohls Zeit während des Krieges, der Aufbruchszeit danach und von seinen politischen Anfängen; wie er von Anfang an eine geborene Führungsnatur war; wie früh die Entwicklung zur Europäischen Gemeinschaft bereits angedacht war und konsequent weiterentwickelt wurde; seiner Liebe zu Hannelore Renner; seiner Modernisierung von Rheinland-Pfalz; sein langsames Heranpirschen an das Amt des Bundeskanzlers; das Hickhack mit Franz Josef Strauß; wie Kohl nach dem Misstrauensvotum gegen Schmidt 1982 an die Macht kam; seine ersten Jahre als Bundeskanzler; seine Zusammenkünfte mit Gorbatschow; seine großen politischen Auftritte als Kanzler der deutschen Einheit; und noch vieles mehr. Eine kritisch beleuchtete und fesselnde Biographie!

DVA, 1052 Seiten; 34,99 Euro


Gabriel Weston

Wir Halbgötter

Im OP geht es um Leben und Tod – und alles andere, was zum Menschsein gehört: Wie ist es, als Chirurgin für das Leben eines anderen Menschen verantwortlich zu sein? Wie fühlt es sich an, einen Körper aufzuschneiden? Wie sagt man einem gutaussehenden jungen Mann, dass er nur noch ein paar Tage zu leben hat? Wie ist es machtlos danebenzustehen, wenn jemand stirbt, weil die Vorgesetzten das Falsche getan haben? Wie geht man als Ärztin damit um, wenn während einer Nachtschicht ein Patient, in den man sich verliebt hat, darum bittet, dass man sich zu ihm legt? Diese und andere Fragen beantwortet diese Autorin.

Die Chirurgie bietet ja eine Unmenge an Stoff, den man in einem Buch erzählen kann. Leider hat die junge englische Chirurgin Gabriel Weston kaum etwas zu erzählen. Ein Thema, das locker 400 spannende Seiten bedeuten könnte, wird in 200 Seiten abgehakt. Ein noch größeres Problem ist die unsichere Faktenlage des Buches. Die Autorin schreibt zu Anfang, dass die Geschichten eine Mischung aus Wahrheit und Erfindung sind. Da fühlt man sich als Leser betrogen, wenn man ein Buch einer Ärztin liest, will man echte Geschichten lesen. Ansonsten hätte man ja auch einen Krankenhaus-Roman lesen können. Wenn man von dem absieht, zeigen die 14 Geschichten das Leben einer Chirurgin ganz anschaulich. Man erfährt wie es zugeht im hektischen Krankenhaus-Alltag, wie die Arzt-Patienten-Beziehungen sind, wie schwierig es mit den Arbeitskollegen ist und wie sehr das Privatleben unter der Arbeit leidet.

Rowohlt, 204 Seiten; 8,99 Euro


Sebastian Jutzi

Der Gorilla

Der Silberrücken Kabirizi ist einer der noch etwa 480 Berggorillas des Virunga-Nationalparks. Um sie vor dem Aussterben zu bewahren, kommt der junge Projektleiter Robert Muir 2004 in den Kongo. In diesem Nationalpark im Kongo lebt die Hälfte des weltweiten Bestands von Berggorillas. Ihre Heimat ist ein Pulverfass. Illegale Holzfällerbanden verwüsten für ein paar Säcke Holzkohle den Regenwald. Bei Vulkanausbrüchen verglüht die Vegetation zu Asche. Und immer wieder fallen Milizen in den Nationalpark ein – denn die Tiere stehen dem Raubbau im Weg, mit dem die Bürgerkriegsparteien ihren blutigen Krieg finanzieren. Was für Robert als Tierschutz-Mission beginnt, entwickelt sich zum mörderischen Kampf gegen alle Eindringlinge.

Afrika intim, mit dem Berggorillas auf Du und Du, ein gefährliches Abenteuer erleben, die Welt mit anderen Augen sehen. Wollen Sie das alles erleben? Dann lesen Sie „Der Gorilla“ von Sebastian Jutzi. Der Autor spannt den Bogen von der weltbekannten Diane Fossey („Gorillas im Nebel“), bis hin zu dem so schönen und so gefährlichen Land Kongo bis zu den Hauptdarstellern, den Berggorillas. Hier erlebt man den Silberrücken von einer ganz heimlichen Seite. Leider verblasst das Idylle all zu schnell, denn Robert Muir erlebt im Kongo die Hölle. Dieses Buch gibt wunderbare Einblicke in eine der faszinierendsten Tierarten der Welt und ist zugleich ein traurig machender Drama-Thriller.

Ludwig, 352 Seiten; 19,99 Euro


Petros Markaris

Zahltag

Ein „nationaler Steuereintreiber“ macht Athen unsicher. In Drohbriefen fordert er Superreiche auf, endlich ihrer Pflicht nachzukommen und Steuern zu zahlen. Gehen die Angeschriebenen nicht darauf ein, schlägt er mit antiken Mordmethoden zu. Ein Fall für Kommissar Charitos.
Kein anderer Autor kann das Griechenland von heute in einen so fesselnden Kriminalroman packen. Petros Markaris Kriminalromane sind somit ein Spiegel der Zeit. Sein Kommissar Kostas Charitos ist ein zupackender Wühler. Eine Figur, die man einfach mögen muss.

Diogenes, 418 Seiten; 22,90 Euro


Myla Goldberg

Böse Freundin

Die 11-jährige Celia beobachtet, wie ihre beste Freundin Djuna in ein fremdes Auto steigt, um nie wieder gesehen zu werden. Das ist zumindest Celias Geschichte. Zwanzig Jahre später kehrt Celia an den Ort ihrer Kindheit zurück. Celia hat damals gelogen, denn die Wahrheit ist erschreckend.
Eine Geschichte, die einem zeigt, wie böse Kinder sein können, wie eine falsche Tat ein ganzes Leben belastet und eine Geschichte über vorgetäuschte Freundschaften. Die in Brooklyn lebende Myla Goldberg baut die Geschichte psychologisch gut auf. „Böse Freundin“ ist böse spannend!

Kindler, 284 Seiten; 16,95 Euro


Hörbuch der Woche

A. D. Miller

Die eiskalte Jahreszeit der Liebe

Moskau. Nick dachte, er kennt die Stadt. Seit vier Jahren arbeitet der junge, erfolgreiche Londoner Anwalt in Russlands Megametropole. Abends trinkt er mit reichen Geschäftspartnern Wodka und führt ein etwas zielloses Leben. Doch dann lernt er Mascha und Katja kennen. In Mascha verliebt er sich, auch wenn er weiß, dass das in Russland geringen Bestand hat. Sie zeigt ihm, wie dunkel und glitzernd, berauschend und zynisch die Welt sein kann. Schäbige Nachtclubs und verlassene Datschas im eisigen Winter, das Leben als Drahtseilakt. Nick bekommt viel aufgetischt, Armut und Dekadenz, Sex, Enttäuschung und Betrug. Er bemerkt nicht, wie er unaufhaltsam abgleitet in eine fatale Selbsttäuschung. Alles hat seinen Preis. Vor allem die Liebe.

Ein Roman, wie ein Winter in Russland – wunderbar klar, kühl, schön, hart und voller unvergesslicher Augenblicke. Wie A. D Miller die Geschichte erzählt, baut er damit eine unglaubliche Spannung auf. Die Auflösung ist überraschend und schockierend. A. D. Miller lässt in „Die eiskalte Jahreszeit der Liebe“ Moskau, Russland, die russische Seele atmen, hier spürt man, was Russland ausmacht. Man bekommt selbst Lust, dieses Land und diese Kultur zu erkunden. Aber auch das Land und ihre Menschen zu fürchten, denn sicher kann man sich dort nie sein. Eine atemberaubend schöne und filigran erzählte Liebesgeschichte, ein Kriminalroman, ein Gesellschaftsroman, eine Kombination wie man sie nur sehr selten liest. Philipp Moog, die deutsche Stimme von Schauspiel-Star Ewan McGregor, ist prädestiniert für diese Geschichte. Er gibt ihr einen leidenschaftlichen, weichen und einfühlenden Ton.

Auch als Hardcover erhältlich bei S. Fischer, 18,99 Euro.

Argon Hörbuch, 6 CDs, 380 Minuten; 24,95 Euro

Kolumne Nr. 213 vom 24.09.2012

Elizabeth George

Glaube der Lüge

Bernard Fairclough ist das Oberhaupt einer wohlhabenden und einflussreichen Familie, die ihren Sitz im Lake District hat. Nichts ist ihm wichtiger, als jeden Makel, der die schöne Fassade beschädigen könnte, zu vermeiden. Als sein Neffe eines Tages tot im See aufgefunden wird, erklärt die örtliche Polizei schnell, dass es sich um einen Unfall handelt. Fairclough, der dennoch jeden Verdacht ausräumen will, engagiert Inspector Thomas Lynley von New Scotland Yard. Lynleys Nachforschungen ergeben ein anderes Bild. Einige Familienmitglieder hätten Ian Cresswell durchaus wenig Gutes gewünscht. Zusammen mit seiner Kollegin Barbara Havers in London kommt er den Geheimnissen der Faircloughs auf die Spur. Es ergibt sich ein Bild, das so nicht zu erwarten war.

Einfach unwiderstehlich, hat man einmal ein Buch von Elizabeth George angefangen zu lesen, ist an ein aufhören nicht mehr zu denken. Wieder entwirft Elizabeth George ein Figurengeflecht, das den Leser tief in die Seelen blicken lässt. Sie baut die Spannung Seite für Seite auf. Inspector Lynley wird bravourös fortgeführt, seine private wie seine berufliche Seite. Auch Lynleys Freunde Simon und Deborah St. James haben eine große Rolle in dieser Geschichte. Sie sind am Fall beteiligt, müssen aber auch privat eine große Hürde überwinden. Elizabeth George ist die unumstrittene Königen des Serien-Kriminalromans! Inspektor Lynley ist eine Koryphäe des weltweiten Kriminalromans. Die Kriminalromane von Elizabeth George sind schon jetzt Klassiker, die man auch in 50 Jahren noch lesen wird! Ähnlich wie Agatha Christies Serienhelden Hercule Poirot und Miss Marple.

Auch als Hörbuch erhältlich bei Der Hörverlag. Der erfahrene Schauspieler und Hörbuchsprecher Stefan Wilkening liest Elizabeth George in beeindruckender Manier. Hier lebt der Kriminalroman. 24,99 Euro.

Goldmann, 699 Seiten; 24,99 Euro


Viola Di Grado

Siebzig Acryl, dreißig Wolle

Camelia ist 19 und lebt in einer heruntergekommenen Straße in Leeds. Kein Ort, um glücklich zu sein. Camelia passt nicht in diese Welt, denn sie kann wenig Schönes darin entdecken. Zuhause in der gemeinsamen Wohnung sitzt ihre Mutter, die einst so schöne Flötistin, die eigentlich vor der Tochter das Handtuch geworfen hat. Seit der Vater bei einem Unfall samt seiner Geliebten auf dem Beifahrersitz tödlich verunglückt ist, spricht sie nicht mehr. Camelia erwartet nicht mehr viel von dieser Welt, da lernt sie eines Tages Wen kennen. Einen jungen Chinesen, der behauptet, die verschnittenen Klamotten, die Camelia seit geraumer Zeit aus einem Container zieht, habe sein Bruder genäht. Wen bringt Camelia Chinesisch bei, sie verliebt sich in seinen Bruder Jimmy. Und plötzlich kommt der Tag, an dem sie beschließt, sich ihr verlorenes Leben zurückzuholen.

Camelia ist eine streitbare Figur, man kann sie lieben, aber auch hassen. Eigentlich gut, für einen Roman, der einen aufwühlt. „Siebzig Acryl, dreißig Wolle“ hat aber an vielen Stellen zu wenig impulsive Geschichte, um wirklich zu begeistern. Die gefeierte Viola Di Grado, die in Sizilien geboren ist, schreibt nicht wenig schöne Sätze, ihre Sprache begeistert einen hin und wieder doch außerordentlich, aber nur eine schöne Sprache täuscht nicht über eine eigentlich müde Story hinweg. Und so befindet man sich als Leser nicht im literarischen Schleuderwaschgang, sondern man bekommt eher verquere literarische Handwäsche geboten.

Luchterhand, 254 Seiten; 14,99 Euro


Barbara Wood

Die Schicksalsgabe

Rom, 54 n. Chr. Die junge Ulrika hat eine geheimnisvolle Gabe. Sie weiß, dass sie anders ist als ihre römischen Freundinnen: Ulrika hat Visionen, die sie vor allen verheimlicht, die sie aber nach Germanien rufen. Dort gerät sie in Gefahr und wird von Handelsherr Sebastianus gerettet. Gemeinsam brechen sie zu einer Reise auf. Sebastianus will eine Karawane bis nach China führen, Ulrika forscht nach dem Geheimnis ihrer Gabe. Ihre Suche führt beide bis an die Grenzen der Welt und tief ins Herz der Finsternis. Als Sebastianus bei Kaiser Nero in Ungnade fällt, eilt Ulrika zu ihm nach Rom. Darf sie ihre Schicksalsgabe einsetzen, um den Mann zu retten, den sie liebt?

„Die Schicksalsgabe“ ist ein historischer Roman voller Hingabe, Leidenschaft, Mystik und berauschenden Figuren. Die Altmeisterin des großen abenteuerlichen Unterhaltungsromans zeigt immer noch, dass sie das Genre perfekt beherrscht. Ulrika und Sebastianus bieten dem Leser viel, an dem er Anteil nimmt, und er geht gerne ihre Wege durch die damalige Zeit mit. Auch die römische Zeit schildert Wood sehr anschaulich. Man lernt einiges und hat Spaß an der spannenden Geschichte. „Die Schicksalsgabe“ ist ein neuer Bestseller von der Weltbestsellerautorin Barbara Wood!

Auch als Hörbuch erhältlich bei Argon Hörbuch. Tanja Gerke liest Barbara Wood eingängig und unterhaltsam. 24,95 Euro.

Krüger, 462 Seiten; 19,99 Euro


Kate Brady

Mädchen Nr. 6

Lancaster, Maryland. Ein Killer tötet Frauen mit einer Gartenschere. Seine Trophäe ist eine Haarsträhne. Sergeant Danielle Cole ermittelt. Die Spur führt in ihre Vergangenheit. Sie muss sich dem Mann stellen, der für sie Himmel und Hölle zugleich war. Und die Zeit läuft, noch zwei Namen stehen auf der Todesliste des Killers.
Ein flotter und elektrisierender Thriller, der einen nicht zur Ruhe kommen lässt. Kate Brady ist eine Mischung aus Sandra Brown und Karen Rose. „Mädchen Nr. 6“ ist ein harter Romance-Thriller! Nach dem ausgezeichneten „Puppengrab“ ist „Mädchen Nr. 6“ der zweite Thriller von Kate Brady, der in Deutschland erscheint.

Knaur, 456 Seiten; 14,99 Euro


Jennifer Estep

Frostfluch

Gwen Frost lebt. Noch. Denn die Schnitter des Chaos haben es auf sie abgesehen. Und deshalb muss Gwen an der Mythos Academy kämpfen lernen. Kein leichtes Unterfangen. Zudem ist Gwen heimlich in ihren Lehrer, den Spartaner Logan Quinn verliebt. Für Gwen steht alles auf dem Spiel, ihre Feinde sind ihr auf den Fersen.
Jennifer Estep bringt frischen Wind ins romantische Fantasy-Genre! Sie mixt noch einen Schuss Mythologie darunter und packt jede Menge Leidenschaft und Spannung in den zweiten Teil der „Mythos Academy“.

IVI, 391 Seiten; 14,99 Euro


Hörbuch der Woche

Andreas Winkelmann

Wassermanns Zorn

Eingekeilt zwischen Baumwurzeln und Treibgut liegt im seichten Teil des Sees eine Frauenleiche. Sie wurde ertränkt. Gleich an ihrem ersten Tag im Morddezernat muss sich Manuela Sperling mit dieser toten Prostituierten befassen. Wie kam die Tote in den See? Denn das Wasser in der Lunge des Mordopfers stammt nicht aus dem See, und auf dem Bauch der toten Frau prangt eine grausige Botschaft – ausgerechnet an Manuelas Chef, Kriminalhauptkommissar Eric Stiffler. Manuela macht sich mit ihrem Tatendrang keine Freunde, nur Kollege Peter Nielsen ist auf ihrer Seite. Da ertrinkt erneut eine junge Frau im See, direkt vor Manuelas Augen. Und Kommissar Stiffler hat starke Probleme mit der Situation.

Andreas Winkelmann und Sebastian Fitzek. Was haben diese beiden Ausnahmeautoren gemein? Sie sind Deutschlands Thriller-Kings. Andreas Winkelmann hat nach den Bestsellern „Blinder Instinkt“ und „Bleicher Tod“ seine Fangemeinde ernorm erweitert. Nun legt er ein neues Thriller-Highlight vor – „Wassermanns Zorn“. Geschickt spielt er mit den Erwartungen des Lesers und führt ihn ein ums andere mal hinters Licht bis zum fulminanten Showdown. Simon Jäger, der auch die Bücher von Sebastian Fitzek liest, adelt mit seiner eingängigen Stimme jeden Thriller. Mit ihm spürt man dem Geheimnis um den Wassermann auf jeder CD voller Erwartung nach.

Auch als Hardcover erhältlich bei Wunderlich, 14,95 Euro.

Argon Hörbuch, 6 CDs, 406 Minuten; 19,95 Euro