Kolumne vom 15.05.2017 - Nr. 456


Nicholas Sparks

daumen rauf

Seit du bei mir bist

Seit du bei mir bist

Mit 34 glaubt Russell auf der absoluten Glücksseite des Lebens zu stehen: Er hat eine umwerfende Frau und eine süße kleine Tochter, ein wunderschönes großes Haus und beruflichen Erfolg. Doch dann zerbricht sein Traum binnen kürzester Zeit: In der Ehe zeigen sich deutliche Risse, und eine berufliche Neuorientierung erweist sich als gefährliche Sackgasse. Vollkommen unvermittelt steht er mit einem Mal da, verlassen und arbeitslos, und soll sich allein um die fünfjährige Tochter London kümmern. Zunächst fühlt er sich komplett überfordert, nur langsam schafft er es, sich aus der Krise herauszukämpfen. Dabei hilft ihm auch eine Frau, die er für immer verloren glaubte. Doch dann schlägt das Schicksal erneut zu …

Nicholas Sparks beschreibt Kleinigkeiten des Alltags, die, so wie er sie beschreibt, total spannend sind. Bei einem anderen Autor würde man vor Langweile gähnen, nicht so bei Nicholas Sparks. Sein Können ist außergewöhnlich, weil es auch nach zwei Jahrzehnten nicht an Qualität verloren hat. So lange, so gut zu sein ist einfach nur großartig! „Seit du bei mir bist“ zeigt die Fallstricke einer Ehe und einer Familie. Und wenn der eine in der Ehe mehr liebt, als der andere, führt das immer zu Ungleichheiten. Der eine leidet dann immer viel mehr als der andere. Mit Nicholas Sparks taucht man vollkommen in die Gedanken- und Gefühlswelt von Russell ab. Man fühlt mit ihm, leidet mit ihm, freut sich und spürt die Wut aufkommen, wenn er schlecht behandelt wird. Wieder ein Roman, wie aus dem Leben gegriffen, der die Gefühle des Lesers Achterbahn fahren und einen zwischen Wut, Trauer, Hoffung und Glück alles durchleben lässt.

Seit du bei mir bist audio

Auch als Hörbuch erhältlich bei Random House Audio. Alexander Wussow liest wieder voller Gefühl und Hingabe. Seine Interpretation der Nicholas-Sparks-Romane sind ein Genuss! 19,99 Euro.

Heyne, 572 Seiten; 19,99 Euro


Alexis Ragougneau

daumen runter

Der Tote aus der Seine

Der Tote aus der SeineAls man eines Morgens die Leiche eines jungen Obdachlosen aus der Seine zieht, geht man zunächst von einem Selbstmord aus. Doch schon bald muss Kommissar Gombrowicz diese These wieder kassieren: Die Hände des Opfers sind durchbohrt, und eine Seite des Körpers ist aufgeschlitzt – alles deutet auf die bewusste Inszenierung eines religiösen Rituals hin. Da die Polizei keine schnellen Ergebnisse liefern kann, begeben sich Pater Kern und die junge Richterin Claire Kauffmann auf Spurensuche. Schon bald führen verschiedene Fährten die beiden in das unterirdische Labyrinth der französischen Hauptstadt, wo sie eine grausige Wahrheit entdecken müssen ...

Nach „Die Madonna von Notre-Dame“ ist „Der Tote aus der Seine“ der zweite Fall für Pater Kern und Richterin Claire Kaufmann. Claire Kaufmann, die im ersten Fall noch Staatsanwältin war, war für mich hier die überzeugendere Figur. Wenn sie die Hauptfigur gewesen wäre, hätte der Krimi besser werden können. Die Figur des Pater Kern hat ihren Reiz, ja, aber so ein gewisses und wünschenswertes Pater-Brown-Feeling will hier nicht aufkommen. Der erste Fall war eher langweilig, der zweite ist nun etwas besser, aber er bleibt Durchschnitt. Es gibt gute Szenen und spannende Momente, aber der ganze Fall weiß nicht durchgängig zu fesseln

List, 365 Seiten; 14,99 Euro


Pierre Lagrange

daumen rauf

Blutrote Provence

Blutrote Provence Drei Leichen liegen an einem Waldparkplatz bei Caromb. Die Feriengäste wurden mit einer seltenen Waffe hingerichtet. Die Polizei steht vor einem rätselhaften Fall, in den sich zu allem Übel Ex-Commissaire Albin Leclerc einmischt. War es das Werk eines Auftragsmörders? Geht ein Killer in der Provence um, der Touristen tötet? Leclerc erkennt Parallelen zu einem früheren Fall. Er beginnt mit Mops Tyson und der aus Marseille versetzten Polizistin Castel Ermittlungen, die sie eigentlich gar nicht führen dürften.

 

Der pensionierte Commissaire Albin Leclerc hat keine Hobbys oder andere große Interessen. Er mag nur zwei, drei Dinge: vor allem Verbrechen aufklären, seinen Mops Tyson notgedrungen und seine Freundin Veronique, die ihn zu nehmen weiß. Pierre Lagrange hat mit Albin Leclerc einen eigenwilligen Helden erschaffen, der schon im ersten Fall „Tod in der Provence“ sein Können präsentierte. „Blutrote Provence“ ist ein würdiger Nachfolger des sehr spannenden Debüts. Pierre Lagrange gibt seinen Figuren wieder viel Raum zur Entfaltung, auch die Provence zeigt ihre Schönheit. Und „Blutrote Provence“ zeigt, das Wein doch dicker als Blut sein kann.

Scherz, 407 Seiten; 14,99 Euro


Markus Heitz

daumen rauf

Des Teufels Gebetbuch

Des Teufels Gebetbuch

Der ehemalige Spieler Tadeus Boch gelangt in Baden-Baden in den Besitz einer mysteriösen Spielkarte aus einem vergangenen Jahrhundert. Alsbald gerät er in einen Strudel mysteriöser Ereignisse, in dessen Zentrum die uralte Karte zu stehen scheint. Die Rede ist von einem Fluch. Was hat es mit ihr auf sich? Wer erschuf sie? Gibt es noch weitere? Wo könnte man sie finden? Dafür interessieren sich viele, und bald wird Tadeus gejagt, während er versucht, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen.

 

 

Ein heitzsches Hollywood-Movie zum lesen und staunen! Ein Grusel-Thriller mit Wow-Effekt! Markus Heitz geizt nicht mit Schauwerten und lässt es an Action, Spannung und einer überraschenden Story nicht fehlen. „Des Teufels Gebetbuch“ – wahrlich ein teuflisches Buch, ein teuflisches gutes Buch!

Knaur, 671 Seiten; 16,99 Euro


Verschiedene Autorinnen

daumen rauf

Die Flügel meines schweren Herzens

Die Fluegel meines schweren Herzens

Vom überraschend freizügigen erotischen Vers aus dem 7. Jahrhundert bis zum zeitgenössischen Gedicht über Krieg, Flucht und Exil. Über fünfzig Autorinnen entwerfen eine weibliche Identität jenseits aller Tabus und Denkverbote und leisten einen poetischen Beitrag zur Debatte über den Islam. Der Blick auf die arabische Tradition ist bis heute von Stereotypen geprägt. Dieses Buch regt zu einer differenzierten Sichtweise an und präsentiert die arabische Literatur aus ungewohnter, nämlich spezifisch weiblicher Perspektive. Bereits in frühmuslimischer Zeit formulieren Frauen offen ihre Ansprüche an das Leben und scheuen dabei nicht die Provokation. Die Autorinnen – u.a. aus dem Irak, Syrien, dem Jemen, Marokko und Ägypten – lassen uns teilhaben an ihren Sehnsüchten und ihrer Trauer, malen die Härten des Beduinenlebens aus oder hinterfragen nachdrücklich ihre Rolle als Ehefrau, Geliebte und Mutter.

Lyrik arabischer Dichterinnen vom 5 Jahrhundert bis heute – wenn man das auf dem Einband liest, weiß man noch nicht, was einen erwartet. Viel mehr, als man denkt, viel abwechslungsreicher, als man vermutet, viel offener, als man sich das heute vorstellt. Ein Beispiel: „… Heilung von der Liebe heißt Küssen und Umarmen / und das ein Bauch sich an den andern reibe, heißt Stoßen, dass die Augen übergehen, und Zerren an Haut und Haaren.“ Alle Gedichte sind auf Deutsch und in arabischer Sprache im Buch enthalten. Ein Buch, in das man sich immer wieder vertiefen wird.

Manesse, 192 Seiten; 19,95 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Nicholas Searle

Das alte Böse

Das alte Boese AudioRoy und Betty haben sich über ein Datingportal im Internet kennengelernt – recht ungewöhnlich für zwei Menschen über 80. Die beiden verstehen sich, bald ist Roy in Bettys schönem Haus auf dem Lande eingezogen. Doch Roy ist ein Krimineller, ist es sein ganzes Leben lang gewesen. Er hat mit siebzig gutgläubige Anleger betrogen, mit fünfzig im Rotlichtbezirk von Soho schmutzige Geschäfte betrieben, als junger Mann noch Schlimmeres getan – und auch der Greis folgt noch dem Trieb, anderen Menschen Böses anzutun. Wer ist dieser Roy? Sicher nicht der, der zu sein er vorgibt. Die Spur seiner Taten führt bis in die Kriegszeit. Nach Deutschland. Und die liebenswerte Betty ahnt nicht, dass jemand sie um ihr Vermögen bringen will.

„Das alte Böse“ – der Titel trifft es Punktgenau! Ein Thriller, der wahrlich überrascht. Wendungsreich, spannend und mit für einen Thriller außergewöhnlichem Personal. Die Story bietet viel, viel mehr als man zuvor vermutet. Das Ende bietet dann die ganz große Überraschung! In England war „Das alte Böse“ ein Bestseller. Bei dieser Story nicht verwunderlich. Wer könnte den knorrigen Roy bisher herüberbringen als Schauspiel- und Hörbuch-As und „Tatort“-Kommissar Dietmar Bär. Keiner. Deswegen liest auch er diesen bösen, bösen Thriller.

Das alte Boese



Auch als Hardcover erhältlich bei Kindler, 19,95 Euro.

Random House Audio, 6 CDs, 471 Minuten; 19,99 Euro


Denglers-buchkritik.de