Kolumne vom 22.05.2017 - Nr. 457


Mary E. Pearson

daumen rauf

Der Kuss der Lüge

Der Kuss der Luege

Lia ist mit 17 Jahren die älteste Tochter im Königshaus Morrighan und soll nun mit einem Prinzen verheiratet werden, den sie noch nie in ihrem Leben gesehen hat. Doch Lia flieht aus ihrem geplanten Leben und heuert weit entfernt von zu Hause in einer Taverne an. Dort lernt sie zwei Männer kennen, die sofort ihre Aufmerksamkeit erregen. Was sie nicht weiß: Die beiden sind auf der Suche nach ihr. Einer wurde ausgesandt, um die Königstochter zu töten. Und der andere ist ausgerechnet jener Prinz, den sie heiraten sollte. Schnell fühlt Lia sich zu beiden hingezogen ...

Ungemein fesselnd, ein Setting das zu überzeugen weiß, und Figuren, die zum greifen nahe sind. „Der Kuss der Lüge“ begeistert durch und durch! Mary E. Pearson hat den Roman klug aufgebaut in dem sie immer wieder die Personen wechselt. Die Hauptfigur bleibt Lia, aber die beiden anderen, Auftragsmörder und Prinz, bekommen auch genügend Raum. Durch diese Abwechslung bekommt man überraschende Einblicke in alle drei Figuren und wie sich im Laufe des Buches ihr Denken, ihre Gefühle und ihre Vorhaben verändern. Die Spannung lässt so bis zum Schluss nie nach. Auf Band 2 von den „Chroniken der Verbliebenen“ wartet man mit großer Vorfreude.

One, 559 Seiten; 18,00 Euro


Sabine Thiesler

daumen runter

Nachts in meinem Haus

Nachts in meinem HausTom ist ein anerkannter Kunstmaler, dazu reich und glücklich verheiratet. Alles läuft perfekt für ihn. Bis eines Nachts in seinem Haus etwas Schreckliches passiert. Unter Schock flieht er in ein toskanisches Bergdorf. Doch was ihm zunächst wie das Paradies erscheint, entpuppt sich schnell als Hölle. Tom hält das Alleinsein nicht aus, fühlt sich eingesperrt und verfolgt. Als er begreift, dass er niemandem mehr vertrauen kann, auch seinen Freunden nicht, ist es zu spät: Er trifft eine verhängnisvolle Entscheidung . . .

Sabine Thiesler gehört zu den besten Spannungsautorinnen Deutschlands! Ihre Thriller haben psychologische Tiefe und viel Raffinesse. Ihr neuer Thriller „Nachts in meinem Haus“ ist aber gar kein Thriller, sondern ein durchaus, in Teilen, spannender Roman. Die Geschichte beginnt gut, man malt sich aus, was da nun alles kommen kann, aber es kommt ganz anders, denn so gut geht es nicht weiter. Sabine Thielser kommt vom Weg ab und behandelt auch zahlreiche, für die Hauptgeschichte, unwichtige Nebenschauplätze. So geht die Spannung immer mehr verloren. „Nachts in meinem Haus“ ist so nur ein solider Sabine-Thielser-Roman geworden, nicht zu vergleichen mit ihren sehr guten vorherigen Büchern.

Heyne, 512 Seiten; 19,99 Euro


Maja Winter

daumen rauf

Träume aus Feuer

Traeume aus Feuer Das Großkönigreich Le-Wajun wird vom gottgleichen Sonnenpaar regiert. Großkönig Tizarun und Großkönigin Tenira sind allseits beliebt, doch heimlich ergeht ein perfider Auftrag an die Gilde der Wüstendämonen: Die gefürchteten Assassinen sollen für Großkönig Tizaruns Tod sorgen. Die Auftraggeber des Anschlags ahnen nicht, dass sich längst einer der Wüstendämonen am Hof von Le-Wajun eingeschlichen hat: Karim, getarnt als Knappe eines Fürsten. Für ihn ist der Auftrag sehr persönlich, denn er weiß von einem dunklen Geheimnis in der Vergangenheit des Großkönigs. Die Zeit der Rache ist gekommen!

Maja Winter lässt einen eintauchen in eine andere Welt voller Magie und dem Kampf Gut gegen Böse. Die Autorin hat schon mit ihrer „Drachenjägerin“-Trilogie begeistern können. Nun ist sie mit einer neuen Fantasy-Saga (Sternenbrunnen) am Start und weiß gleich mit dem ersten Band „Träume aus Feuer“ einen vollkommen in den Bann zu ziehen. Maja Winter zeigt vorwiegend das Leben der sich schnell entwickelnden 12-jährigen Prinzessin Anyana, auf die immer mehr Verantwortung zukommt und die von düsteren Träumen geplagt wird. Und natürlich auch das Leben im Königreich und das des geheimnisvollen Karim. Es ist der erste von vier Bänden. Die anderen drei werden in den nächsten Monaten folgen. Als nächstes erscheint „Träume aus Staub“. Man kann es gar nicht erwarten.

Bastei Lübbe, 558 Seiten; 15,00 Euro


Aram Mattioli

daumen rauf

Verlorene Welten

Verlorene Welten

Dieses Buch erzählt die Geschichte der Indianer und ihrer Vernichtung vom 18. Jahrhundert bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Es beschreibt den langen und gewaltsamen Prozess der Kolonisierung durch die weißen Siedler. Zugleich bezieht der Autor die Sicht der „Besiegten“ gleichberechtigt in die Betrachtung mit ein und zeigt, wie indianische Nationen ganz unterschiedlich auf die Landnahme reagierten. Daneben kommen die kulturellen Leistungen der Indianer ebenso zur Sprache wie die großen sozialen Umwälzungen und die vielfältigen Lebensformen.

Amerika, das Land der Siedler und der Erbauer. Alles rosarot. Doch die Wahrheit, die heute jeder kennt, wollte bis in die 1970er in Amerika keiner wissen. Amerika, das Land der Mörder – in Bezug auf die Ureinwohner. Dieses Buch beleuchtet in prägnanten Schlaglichtern wie es den Indianern erging, als der „weiße Mann“ kam. Ein Buch, das wütend und traurig macht. Man hätte alles auch anders lösen können, aber die Fastvernichtung eines ganzen Volkes war die einfachere Lösung.

Klett-Cotta, 464 Seiten; 26,00 Euro


Florian Huber

daumen rauf

Hinter den Türen warten die Gespenster

Hinter den Türen warten die Gespenster

Nach dem Zusammenbruch des „Dritten Reiches“ gab es einen unverrückbaren Ort, der Halt und Geborgenheit versprach: die Familie. Sie erwies sich als der einzige Wert, der den Nationalsozialismus weitgehend unversehrt überdauert hatte. Die Familie konnte aber nicht jene Widersprüche und Konflikte aussperren, die im ersten Nachkriegsjahrzehnt die Gesellschaft begleiteten. Dazu gehörte das Verdrängen und Verschweigen. Sie waren der Nährboden für die berüchtigten Familiengeheimnisse der deutschen Gesellschaft nach 1945, an deren Gift bisweilen noch die Enkelgeneration laborierte.

Eine dramatische, spannende und mitreißende Geschichte, die niemanden unberührt lässt! Der Krieg war vorbei, doch die Nachkriegszeit in Deutschland war keineswegs durchweg durchzogen von einem positiven Geist – Ärmel hochkrempeln, anpacken, nun schaffen wir alles. Nein, viele ungelöste Probleme belasteten alle, die Frauen und Mütter, die Männer und Väter und die machtlosen Kinder. Probleme, die auch später nie gelöst wurden. Der Titel „Hinter den Türen warten die Gespenster“ trifft den Geist des Buches sehr gut. Die Gespenster waren überall.

Berlin Verlag, 348 Seiten; 22,00 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Anna Basener

Als die Omma den Huren noch Taubensuppe kochte

Als die Omma den Huren noch Taubensuppe kochte AudioDie Omma ist eine Ruhrpottikone. Sie war mal Wirtschafterin im Puff, bis sie den brutalen Zuhälter nicht mehr ertragen und ihn kurzerhand mit einer Flasche Korn erschlagen hat. Als die Mitzi, ehemalige Prostituierte und enge Vertraute der Omma, plötzlich stirbt, bricht die Omma alle Zelte in Essen ab und zieht zu ihrer Enkelin Bianca. Nach Berlin-Kreuzberg. Bianca wundert sich sehr, dass die vitale Mitzi plötzlich tot sein soll und die Omma ihr geliebtes Essen verlässt. Bianca stellt immer mehr Fragen. Und dann geschieht etwas ganz Unerwartetes …

Der Titel und das Cover sind ein Hingucker. Und das schöne Äußere wird auch mit einem treffenden Inhalt gefüllt. Ein wundervoll derber Roman, mit leisen und lauten Tönen, der mit einer absolut unkonventionellen Geschichte immer wieder zu überraschen weiß. Und natürlich mit ganz viel Schlüppis. Gefühlt ist es das meist verwendete Wort im ganzen Roman. Das Hörbuch ist eine Wucht! Das liegt natürlich am Text, aber vor allem an Kabaretturgestein Gerburg Jahnke. Wie sie die Figuren interpretiert, das ist traumwandlerisch gut. Sie gibt jeder Figur ihre eigene Stimme. Und sie versteht es, dabei humorvoll zu sein, aber trotzdem ernst zu bleiben.

Als die Omma den Huren noch Taubensuppe kochte

 

Auch als Paperback erhältlich bei Eichborn, 16,99 Euro.

Lübbe Audio, 6 CDs, 408 Minuten; 19,99 Euro


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