Mai 2015

Aktuelle Kolumne vom 19.02.2018 - Nr.496


Ronen Bergman

daumen rauf

Der Schattenkrieg

Der Schattenkrieg

Mordanschläge, die dem israelischen Geheimdienst Mossad zugeschrieben werden, sorgen immer wieder für Aufsehen. Doch über die Hintergründe dieser Aktionen war bislang kaum etwas bekannt. In diesem Enthüllungsbuch deckt der israelische Geheimdienstexperte Ronen Bergman nun erstmals die ganze Dimension eines Schattenkriegs auf, der seit Jahrzehnten im Geheimen ausgetragen wird. Er beschreibt die Erfolge und Misserfolge der zum Teil unbekannten Attentate, benennt Opfer, Täter und Verantwortliche und fragt, welchen Preis Staat und Gesellschaft in Israel für ihre Sicherheit bezahlen.

Ein Buch, bei dem die Seiten so explosiv sind wie Dynamit und Nitroglyzerin! Denn es enthält Wahrheiten über den israelischen Geheimdienst Mossad, die schier unglaublich sind. Autor Ronen Bergman hat viel Mut bewiesen, dieses Buch zu schreiben. Denn so wie er den Mossad schildert, wäre fast zu vermuten, dass er nun selbst ein „Opfer“ werden könnte. Doch Israelis zu töten, das ist nicht die Doktrin des Mossad. „Der „Der Schattenkrieg“ erzählt von der Gründung des Staates Israel und den ersten Zügen eines entstehenden Geheimdienstes, der - in anderer Form - bereits vor der Gründung des Staates Liquidierung ausgeführt hat. Und dann wie er ab 1948 wuchs, wie er Ex-Nazis, feindliche Agenten, Politiker, Wissenschaftler, Militärs und andere ausschaltete, alles zum Schutz Israels. Als Leser ist man schockiert, über die mehr als zweitausend Toten, über die mehr als zweitausend Morde, die in diesem Buch geschildert werden. Fasziniert liest man aber auch diese historische Geschichte, vergisst manchmal gar, dass es sich um echte historische Ereignisse handelt. „Der Schattenkrieg“ ist ein realer Spionagethriller!

DVA, 864 Seiten; 36,00 Euro


Stephen Baxter

daumen runter

Das Ende der Menschheit

Das Ende der Menschheit

Vierzehn Jahre sind vergangen, seit die Invasion der Marsianer Englands Städte in Schutt und Asche legte. Vierzehn Jahre, seit die Angreifer vom roten Planeten an den Mikroben der Erde zugrunde gingen. Seitdem herrschen Frieden, Wohlstand und Fortschritt. Als man erneut den Start von Marsraketen beobachtet, macht sich daher keiner Sorgen – bis auf Walter Jenkins. Und er hat recht. Denn die Marsianer kommen zurück. Und sie wollen nur eins: Rache.

Ein Roman, auf den ich mich sehr gefreut hatte. Die Fortsetzung von H. G. Wells’ Klassiker „Krieg der Welten“. Ein großes Spektakel voller spannender Szenen und genialen Einfällen. Doch leider war die Vorfreude das Beste an dem Roman. Denn er beginnt sterbenslangweilig, setzt sich sterbenslangweilig fort, bis es dann tatsächlich mal ein paar spannende Szenen gibt, um sich dann wieder im belanglosen Erzählen und in belanglosen Dialogen zu verlieren. „Das Ende der Menschheit“, was für ein großer Titel, wirkt von Anfang an aufgebläht und ohne rechten roten Faden, und dabei hatte Bestsellerautor Stephen Baxter, der ein sehr guter Autor ist, doch so eine gute Ausgangslage.

Heyne, 588 Seiten; 16,99 Euro


Michael Robotham

daumen rauf

Die Rivalin

Die RivalinAgatha, Ende dreißig, Aushilfskraft in einem Supermarkt und aus ärmlichen Verhältnissen, weiß genau, wie ihr perfektes Leben aussieht. Es ist das einer anderen: das der attraktiven Meghan, deren Ehemann ein erfolgreicher Sportmoderator ist und die sich im Londoner Stadthaus um ihre zwei Kinder kümmert. Meghan, die jeden Tag grußlos an Agatha vorbeiläuft. Und die nichts spürt von ihren begehrlichen Blicken. Dabei verbindet die beiden Frauen mehr, als sie ahnen. Denn sie beide haben dunkle Geheimnisse, in Beider Leben lauern Neid und Gewalt. Und als Agatha nicht mehr nur zuschauen will, gerät alles völlig außer Kontrolle ...

Michael Robotham zeigt in „Die Rivalin“, wie die große Liebe immer mehr vom Beziehungs- und Ehealltag aufgefressen wird, einerseits, anderseits, wie die Suche nach der großen Liebe und dem Familienglück das ganze Leben einnehmen und einen schlimme Dinge tun lassen kann. Mit Agatha und Meghan hat Michael Robotham zwei exquisite Frauenfiguren entworfen, deren Denken man als Leser immer nachvollziehen kann, auch wenn man nicht einer Meinung mit ihnen ist. Beide haben Probleme mit der Liebe, den Männern und Kindern, auf ganz unterschiedliche Weise. Michael Robotham hat die Geschichte psychologisch geschickt aufgebaut. Er lässt den Figuren viel Luft zum atmen, dadurch lernt man sie und ihre jeweiligen Geheimnisse sehr gut kennen. Bis er dann die Spannungsschraube immer mehr anzieht – bis zum überraschenden Ende. Michael Robotham lesen heißt einen Thriller-Bestseller lesen!

Goldmann, 507 Seiten; 14,99 Euro


David Motadel

daumen rauf

Für Prophet und Führer

Für Prophet und FührerIn der entscheidenden Phase des Zweiten Weltkrieges – als Hitlers Truppen in viele muslimische Gebiete einmarschierten – umwarb Berlin Muslime, um sie als Verbündete zu gewinnen. Mit einem unglaublichen Pragmatismus wurden dabei rassistische Bedenken beiseitegeschoben. Eingehend wird im Buch die deutsche Propaganda in den muslimisch besiedelten Kriegsgebieten untersucht; detailliert wird die politische Indoktrinierung Zehntausender Muslime beschrieben.

Bücher über den 2. Weltkrieg gibt es viele, aber David Motadel fügt nun eines mit einem bisher kaum betrachteten Thema hinzu – Muslime die für die deutsche Wehrmacht und die Waffen-SS kämpften. Das Buch ist in drei Hauptkapitel unterteilt, „Muslime in der Kriegspolitik“, „Muslime in den Kriegsgebieten“ und „Muslime in der Armee“. „Für Prophet und Führer – Die Islamische Welt und das Dritte Reich“ ist ein sehr spannendes und aufschlussreiches Buch!

Klett-Cotta, 568 Seiten; 30,00 Euro


Lars Simon

daumen rauf

Lennart Malmkvist und der ganz und gar wunderliche Gast aus Trindemossen

Lennart Malmkvist und der ganz und gar wunderliche Gast aus Trindemossen

Der Trindemossen, ein Wald voller Magie am Rande Göteborgs. Gemeinsam mit Mops Bölthorn macht Lennart Malmkvist sich dahin auf, um Prof. Dr. Titus Hellström zu besuchen. Er soll Lennart dabei helfen, endlich die Dunklen Pergamente in seinen Besitz zu bringen. Aber Hellström wirkt seltsam entrückt, und die Polizei ist vor Ort: Offenbar wurde Hellströms Frau entführt. Lennart versucht erneut Ordnung in das magische Chaos um sich herum zu bringen. Und muss sich am Ende entscheiden: zwischen den Dunklen Pergamenten und Bölthorn, den er nun doch ins Herz geschlossen hat.

 

Lars Simon ist ein Name, den man sich merken muss! Denn er schreibt Romane, die fantastisch spannend sind, unterhalten und den nötigen Pfiff haben. Nach „Lennart Malmkvist und der ziemlich seltsame Mops des Burt Bolmen“ kommt die Hauptfigur in „Lennart Malmkvist und der ganz und gar wunderliche Gast aus Trindemossen“ nun ganz neuen verrückten Geheimnissen auf die Spur.

dtv, 317 Seiten; 9,95 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Jeffrey Archer

Winter eines Lebens

Winter eines Lebens hoerprobe

Für die Cliftons und Barringtons kommt die Zeit, in der sich die verschlungenen Wege der beiden Familien und vielen Generationen zum letzten Mal kreuzen. Während für Giles Barrington und seine Frau Karin das Glück auf Messers Schneide steht, scheinen Harry und Emma Clifton am Gipfel ihrer Karrieren zu stehen. Doch dann melden sich alte Feinde zurück und das Spiel des Schicksals kommt zum tragischen Finale ...

„Die Clifton-Saga“ ist Jeffrey Archers Opus Magnum! Eine monumentale Roman-Serie, die sonst so nur Ken Follett hätte schreiben können. Mit „Winter eines Lebens“ ist nun der 7 und letzte Band der Reihe erschienen. Die „Clifton-Saga“ vereint alles, für was Jeffrey Archer als Autor schon Jahrzehnte bekannt ist: Spionagethriller, Psychothriller, Wirtschaftskrimi, Politthriller. Jeffrey Archer spielt alle seine Trumpfkarten, die er in seiner Autorenkarriere schon gezeigt hat, aus. In „Winter eines Lebens“ wird in großen Teilen die britische Politik beleuchtet und hier vor allem der NHS, das kostenlose und marode Gesundheitssystem der Briten. Das war vor über 40 Jahren schon ein großes Streitthema, wie auch jetzt wieder, auch dank des Brexit. Und Jeffrey Archer zeigt in diesem Roman eine ganze besondere „Mordmethode“. Jemanden mit leckerem, aber ungesunden Essen zu töten, umso so schnell wie möglich an ein Erbe zu kommen. Ausdrucksstark und veredelt gelesen von Erich Räuker! Er liehe seine Stimme auch Robert Crawley in „Downton Abbey“. Ebenfalls als Hörbuch erhältlich: „Spiel der Zeit“ (Band 1), „Das Vermächtnis des Vaters“ (Band 2), „Erbe und Schicksal“ (Band 3), „Im Schatten unserer Wünsche“ (Band 4), „Die Wege der Macht“ (Band 5) und „Möge die Stunde kommen“ (Band 6).

Winter eines Lebens

 

Alle Titel als Taschenbuch erhältlich bei Heyne, je 9,99 Euro.

Random House Audio, 2 MP3 CDs, 736 Minuten; 14,99 Euro


Denglers-buchkritik.de

Kolumne vom 12.02.2018 - Nr.495


Jon Hollins

daumen rauf

Das Gold der Narren – Dragon Lords 1

Das Gold der Narren Dragon Lords 1

Spätestens seit „Der Hobbit“ weiß jeder, dass Drachen schlechte Herrscher sind, die den ganzen Tag auf ihrem Goldschatz sitzen, die Steuern erhöhen und ihren Untertanen das Vieh von der Weide fressen. Das bekommt auch der arme, aber unbescholtene Bauer Will Fallow zu spüren, als eines Tages die Soldaten des Drachenkönigs Mattrax auf seiner Schwelle stehen, um ihn wegen Steuerhinterziehung in den Schuldturm zu werfen. In letzter Sekunde gelingt es Will, in die nahe gelegenen Wälder zu fliehen, wo er einer kleinen Gruppe besonderer Leute begegnet. Gemeinsam ziehen sie nun gegen die Drachen in den Kampf, um sich ihr Gold zurückzuholen ...

Ein Fantasy-Spektakel der Extraklasse! Der Roman beginnt absolut fesselnd und lässt einen dann keine Seite mehr los. Jon Hollins schreibt spannend und immer wieder mit einem Augenzwinkern versehen. So schmunzelt man fast durchgehend zwischen der ganzen Spannung und Dramatik, die der erste Teil der Dragon-Lords-Reihe zu bieten hat. Jon Hollins’ Charaktere kann man wahrlich als sehr speziell bezeichnen. Aber die verrückte Bande macht einen Großteil der Faszination dieses Werks aus. Fantasy in der das Blut spritzt und der Witz dabei immer mitschwingt. Wenn Quentin Tarantino einen Drachen-Fantasy-Roman verfilmen sollte, wäre die „Dragon-Lords“-Reihe von Jon Hollins eine gute Wahl! Am 12 März erscheint schon der zweite Teil der Reihe, „Gefallene Götter“.

Heyne, 668 Seiten; 15,99 Euro


Magda Albrecht

daumen runter

Fa(t)shionista

Fatshionista

Schon als Sechsjährige ärgert sich Magda Albrecht über die Kommentare ihrer Mitmenschen, die abfällig über ihren dicken Körper sprechen. Heute will sie das Schönheitsideal verändern, besser: ausdehnen, denn nicht die vielen Pfunde, sondern die Vorurteile sind hartnäckiger als gedacht: Wer dick ist, hat versagt, ist faul und ungebildet. Warum eigentlich?, fragt sich die Autorin nach vielen Jahren der Verunsicherung und verordnet sich seither keine Diätshakes mehr, sondern eine doppelte Portion Selbstbewusstsein.

Wenn ich Magda Albrechts Kind- und Jungenderlebnis lese, fühle ich mich in meine Jungendzeit zurückversetzt. Auch ich hatte in dieser sehr schweren Zeit massives Übergewicht. Daher kann ich alles Leid, dass sie da durchlebt hat 1 zu 1 bestätigen. Mit 16 Jahren wog ich 150 kg! Doch ich fand mich dann selbst nicht mehr damit ab dick zu sein. Egal was andere sagten, ich wollte schlank sein. Ich wollte modische Klamotten tragen und vor allem gesund älter werden. Ich habe mich nicht aufgegeben, so wie es Ausredenkönigin Magda Albrecht tut. Ich habe bis ich 19 war - ohne Hilfe - über 70 Kilo abgenommen. Magda Albrecht schafft es nicht gesund abzunehmen, was nichts mit einer Diät zu tun hat. Sie propagiert nun, wie toll es ist dick zu sein. Dem kann ich mich nicht anschließen. Jeder soll so sein, wie er es für richtig hält - keine Frage. Aber mit seinem Dicksein haussieren zu gehen,  ist schon fragwürdig. Magda Albrecht findet immer eine Ausrede und eine Studie, warum auch andere Menschen krank werden und sterben - nicht nur Dicke. Darum geht es nicht. Sie hat diese Ausrede auf gut 200 der 300 Seiten perfektioniert. Das muss man ihr lassen. So viel Text für etwas, was man auf 10 Seiten ausreichend und vor allem ohne eine Ausrede zu finden, beschreiben könnte. Magda Albrecht ist noch jung. Doch in den nächsten 10 bis 15 Jahren werden durch ihr extremes Übergewicht immer mehr Schäden für ihren Körper entstehen, wenn sie ihr jetziges Gewicht beibehält. Und die werden dann bleiben und noch schlimmer werden. Aber das ist ihr Ding.

Ullstein, 331 Seiten; 16,00 Euro


Hans Joachim Schädlich

daumen rauf

Felix und Felka

Felix und FelkaRom, an einem Nachmittag im Mai 1933. Ein tätlicher Angriff des Malers Hanns Hubertus Graf von Merveldt zwingt den deutsch-jüdischen Maler Felix Nussbaum, die Villa Massimo zu verlassen. Die Rückkehr nach Deutschland ist ihm und seiner Lebensgefährtin, der polnisch-jüdischen Malerin Felka Platek, angesichts der nazistischen Judenverfolgung unmöglich. Nach Aufenthalten an der italienischen Riviera, in Paris und Ostende finden sie schließlich eine Bleibe in Brüssel. Dem dringlichen Rat eines Freundes, sich nach Palästina zu retten, folgen sie nicht. Obwohl die Bedrohung durch die deutschen Besatzungsbehörden zunimmt, bleiben sie in Brüssel, verstecken sich in einer Mansarde.

Minimalistischer schreiben als Hans Joachim Schädlich kann man kaum. Aber er beherrscht diesen minimalistischen Stil. „Felix und Felka“ ist absolut herausragend! Eine jüdische Geschichte während der Nazidiktatur so erzählt zu bekommen, das hat es bisher noch nicht gegeben. Hans Joachim Schädlich beschreibt nicht die Personen oder die Umgebung, und wenn dann nur in einem Satz, sondern er erzählt die dramatische Geschichte des jüdischen Malerpaars Felix Nussbaum und Felka Platek fast wie ein Gedicht. Das Drama um „Felix und Felka“ rast so mit atemberaubender Geschwindigkeit voran. Ein kleiner großer Roman!

Rowohlt, 194 Seiten; 19,95 Euro


Claudia Gray

daumen rauf

Leia – Prinzessin von Alderaan

Leia Prinzessin von AlderaanDie sechzehn Jahre alte Leia Organa steht vor der bislang größten Herausforderung ihres noch jungen Lebens: Sie muss ihre Eignung als Thronerbin des Planeten Alderaan unter Beweis stellen. Dazu gehören Überlebenstraining, Schulungen in galaxisweiter Diplomatie und brandgefährliche Missionen auf Welten, die unter imperialer Kontrolle stehen. Als wäre das alles nicht schon schwer genug, muss sich Leia auch mit dem veränderten Verhalten ihrer Eltern auseinandersetzen, die nicht mehr sie selbst zu sein scheinen. Als die junge Prinzessin schließlich herausfindet, welche Geheimnisse vor ihr verborgen werden, steht Lea vor einer schweren Entscheidung …

„Star Wars“ ist Kult! Ob als Film oder Buch, man saugt die Geschichten nur so in sich auf und wird Teil dieser Welt. Nun hat eine der wenigen Frauen unter den Star-Wars-Roman-Autoren ihren neuen Roman veröffentlicht. „Lea – Prinzessin von Alderaan“. Darin erfährt man viel über das Leben der jungen Lea, dass man so bisher nicht kannte. Für jeden „Star-Wars“-Fan eine lohnende Lektüre!

Panini Books, 380 Seiten; 14,99 Euro


Denis Thériault

daumen rauf

Die Verlobte des Briefträgers

Die Verlobte des Briefträgers

Bilodo, ein junger Briefträger aus Montreal, hat nach einem Unfall sein Erinnerungsvermögen eingebüßt. Als er aus dem Koma erwacht, sitzt Tanja an seinem Bett, die schüchterne Kellnerin aus seinem Lieblingslokal. Sie behauptet, seine Verlobte zu sein, doch Bilodo zweifelt daran. Erst als Tanja beschließt, ihm Haikus zu schreiben, die er seit jeher liebt, scheint sie sein Herz zu erobern – bis eines Tages die Erinnerung schlagartig wiederkehrt.

 

Der Franzose Denis Thériault ist vielseitig begabt. Sein neuester Roman zeigt auch eine ganz besondere Begabung. Mit wenigen Zeilen fesselt er den Leser an seine Figuren und ihre Geschichte. Die Geschichte von einer Liebe, die auf ganz leisen Sohlen daherkommt und dann plötzlich in einem Feuerwerk übergeht. „Die Verlobte des Briefträgers“ ist ein zauberhafter Liebesroman, der einen auch viel über das Leben erzählt.

dtv, 208 Seiten; 14,90 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Jürgen von der Lippe

Live – Wie soll ich sagen …?

Live Wie soll ich sagen

Seit 2014 tourt der Altmeister der deutschen Comedy mit seinem Live-Programm und macht jedes Mal die Säle voll bis auf den letzten Platz. Jürgen von der Lippe durchleuchtet unseren Alltag, das komplizierte Verhältnis zwischen Mann und Frau, die oft verwirrende deutsche Sprache – und kitzelt unsere Lachmuskeln dort, wo sie es am allerliebsten haben. Wenn er zur Gitarre greift, zeigt sich: Er kann – auch nach 40 Jahren – immer noch Ohrwürmer.

2 Stunden Dauerlachen gefällig? Dann hören Sie sich das neue Bühnenprogramm „Wie soll ich sagen …?“ von Jürgen von der Lippe an. Medizin für die Lachmuskeln! Jürgen von der Lippe lässt einen Kracher nach dem anderen los. Er widmet sich der deutschen Sprache, dem Miteinander, dem Altwerden, seiner Kindheit und seinem Leben als Komiker in der Öffentlichkeit. Und er hat die Stimme von Peter Maffay, Udo Lindenberg und Herbert Grönemeyer perfekt drauf. Vor allem bei Herbert Grönemeyer werfen Sie sich weg vor lachen. Zum Abschluss des Programms verrät Jürgen von der Lippe noch, was er sagt, wenn er mal so richtig von jemandem genervt ist: „Wissen Sie, was der Unterschied zwischen einem Schneemann und mir ist? Den Schneemann können Sie nur im Winter am Arsch lecken.“ Hörprobe

Random House Audio, 2 CDs, 114 Minuten; 9,99 Euro


Denglers-buchkritik.de

Kolumne vom 05.02.2018 - Nr.494


Jon Skovron

daumen rauf

Schatten des Todes – Empire of Storms 2

Schatten des Todes Empire of Storms 2

Das Imperium der Stürme ist ein gewaltiges Reich, das von einem gottgleichen Kaiser regiert wird - und von den Biomanten, mächtigen Zauberern, die einen Menschen mit nur einem Wimpernschlag töten können. Der junge Straßendieb Red soll von ihnen zum Assassinen ausgebildet werden, im Gegenzug dafür schenkten die Magier seiner großen Liebe Hope die Freiheit. Noch während Red versucht, das Spiel der Intrigen und Ränke am Kaiserhof mitzuspielen, segelt Hope als Piratenkönigin Dire Bane die Küste entlang. Doch dann stößt sie auf eine gewaltige Verschwörung der Biomanten, die Red in tödliche Gefahr bringt. Eine Verschwörung, die sogar das Imperium der Stürme in den Untergang reißen könnte ...

Jon Skovron ist ein neuer Star im Fantasy-Universum! Mit seiner „Empires-of-Storms“-Trilogie lässt er die Herzen der Fantasy-Fans schneller schlagen. Nach dem ersten Teil „Pakt der Diebe“ liegt nun der zweite Teil der Reihe, „Schatten des Todes“, vor. Die Helden Hope und Red sind etwas ganz Besonderes, genauso wie die Welt aus Piraten und Zaubern, Biomanten, Miezen und Katern. Hä, Miezen und Katern fragen Sie, was hat es denn damit auf sich? Lassen Sie sich überraschen. Wie vom ganzen Roman, der so ganz anders ist als was man im Fantasy-Genre sonst so kennt. „Empire of Storms“ ist „Fluch der Karibik“ auf Extasy! Hart, derb, schmutzig, und zugleich ist es elegante, eigenwillige und wuchtige Fantasy!

Heyne, 604 Seiten; 14,99 Euro


Irvin D. Yalom

daumen runter

Wie man wird, was man ist

Wie man wird was man ist

Irvin D. Yalom widmete sein Leben dem seelischen Leid anderer, in diesem Buch erzählt er von sich und den Umbrüchen, die ihn und seine Arbeit geprägt haben. Er berichtet von der Kindheit in prekären sozialen Verhältnissen, dem Minderwertigkeitsgefühl in jungen Jahren, der frühen Eigenwilligkeit, aber auch von den Kämpfen der verschiedenen psychotherapeutischen Schulen in den 1960er Jahren, den Anfängen der Studentenrevolte, der Menschenrechts- und Frauenbewegung, Drogen und Esoterik, und auch Berühmtheiten wie Viktor Frankl oder Rollo May kommen zu Wort.

Der amerikanische Psychoanalytiker Irvin D. Yalom ist ein inspirierender und weiser Autor. Seine Werke aus den vergangen Jahrzehnten habe mich oft begeistern können. Sein neuestes, sein Lebensabschlusswerk tut das nicht. Obwohl ich dachte, das wird sein Schaffenshöhepunkt. Doch Yalom greift allzu oft in die Mottenkiste zurück und präsentiert Altes in neuem Gewand. Auch dachte ich, er hätte ein so ereignisreiches Leben gelebt, dass er davon viele inspirierende und spannende Geschichten zu erzählen hat. Doch leider ist das Buch größtenteils sehr langweilig und selbstverliebt. Mit diesem Buch hat sich der Bestsellerautor keinen Gefallen getan.

btb, 448 Seiten; 25,00 Euro


Daniel Cole

daumen rauf

Hangman

HangmanIn New York wurde ein Toter an der Brooklyn Bridge aufgehängt, das Wort „Köder“ tief in seine Brust geritzt. Das lässt nur einen Schluss zu: Ein Killer kopiert den berühmten Londoner Ragdoll-Fall. Chief Inspector Emily Baxter wird sofort von den US-Ermittlern angefordert. In den USA ist der Druck der Medien enorm. Als ein zweiter Toter entdeckt wird, diesmal mit dem Wort "Puppe" auf der Brust, dreht die Presse völlig durch und mit ihr die Internet-Communities. Baxter und ihre Kollegen von FBI und CIA werden zum Spielball des grausamen Mörders – wer kann seinen Irrsinn stoppen? Und wer hält im Hintergrund die Fäden in der Hand?

Der Engländer Daniel Cole hat im letzten Jahr mit seinem Thrillerdebüt „Ragdoll“ gleich einen fulminanten Bestseller gelandet. Nun legt er mit „Hangman“ nach. Ein Thriller, der weit ab ist vom gewohnten Thrillerschema und der immer wieder zu überraschen weiß! Daniel Cole legt neben der sehr präsenten Ermittlungsarbeit sein Augenmerk auf Emily Baxter. Sie ist die absolut dominierende Figur des Romans. Baxter selbst ist eher desillusioniert, unterkühlt und unangepasst, Gefühle sind nicht so ihr Ding. Ihr Job und ihr Verhalt lässt auch ihre Liebesbeziehung mit ihrem Anwaltfreund Thomas mehr als schwierig werden. Und Wolf, der „Held“ aus „Ragdoll“, schwiert ihr immer noch im Kopf herum. Auch den Nebenfiguren hat Daniel Cole viel Leben eingehaucht. Sie haben alle ihre Ecken und Kanten.

Ullstein, 475 Seiten; 15,00 Euro


Annette Pehnt

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Lexikon der Liebe

Lexikon der LiebeEs wird die Rede sein von Hotels und Küchentischen, von Krankenhäusern und Schlachtfeldern. Die Liebe ist allgegenwärtig. Und doch erkennt sie nicht jeder, denn manchmal macht sie sich unsichtbar und wird ganz still, manchmal erlischt sie von heute auf morgen, oder sie nimmt von allen unbemerkt eine neue Gestalt an. Wie die Liebe zwischen Eltern und ihren Kindern. Oder die Zuneigung zu geliebten Gegenständen, die Liebe zu alten Freunden. Sie lässt sich nicht erklären.

 

Die deutsche Autorin, die bereits mit ihrem „Lexikon der Angst“ einen Erfolg verbuchen kann, setzt nun ihr Erzählprojekt mit dem „Lexikon der Liebe“ fort. Ein kleines Buch mit kleinen Geschichten über das Größte was es gibt – die Liebe. Die Liebe in ihren ganz unterschiedlichen Erscheinungsformen. Viele Buchstaben des Alphabets bekommen eine eigene kleine Geschichte. Ein ideales Buch zum immer wieder kurz hineinlesen und zum verschenken.

Piper, 189 Seiten; 20,00 Euro


Thomas Reverdy

daumen rauf

Es war einmal eine Stadt

Es war einmal eine Stadt

September 2008. Detroit - einst das Herz der aufstrebenden Industrienation USA - jetzt nur noch Rost und Ruinen. Hier trifft der gescheiterte Manager Eugène auf Charlie, einen Zwölfjährigen, der sich auf die falschen Freunde eingelassen hat. Er trifft Gloria, Charlies Großmutter, die Himmel und Hölle in Bewegung setzt, um den mittlerweile verschwundenen Jungen wiederzufinden. Außerdem Lieutenant Brown, dessen Job es ist, solche Kinder zu suchen. Und dann noch Candice, die Kellnerin mit dem „strahlenden, roten Lächeln“.

 

Der Franzose Thomas Reverdy beschreibt in „Es war einmal eine Stadt“ einen Ort, der einmal ganz groß und strahlend war, und spätestens seit der Finanzkrise 2008 immer kleinerer und düsterer wurde. Er erfasst das Detroit von damals literarisch sehr fein. Und seine so unterschiedlichen Figuren finden sich in dieser Stadt jede auf ihre ganz eigene Weise zurecht. Das alles ist spannend zu lesen.

Berlin Verlag, 279 Seiten; 22,00 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Charlotte Lucas

Wir sehen uns beim Happy End

Wir sehen uns beim Happy End

Stell dir vor, Romeo und Julia erleben wunderbare Flitterwochen, die kleine Meerjungfrau bekommt ihren Prinzen und Hannibal Lecter wird zum kinderfreundlichen Veganer - Wie könnte die Welt aussehen, wenn jede Geschichte das Recht auf ein glückliches Ende hätte? Und was würdest du tun, wenn dir das Leben die Verantwortung für einen anderen Menschen gibt? Schenkst du ihm ein Happy End? Selbst wenn du nicht weißt, ob er das will? Ella Faust ist süchtig nach Happy Ends, in ihrem eigenen Leben und von den Filmen die sie sieht. Doch Ellas Leben gerät vollkommen durcheinander, als sie erfährt, dass ihr Prinz sie betrogen hat uns sie vielleicht gar nicht mehr heiraten will. Und weil sie einen Fremden zweimal über den Haufen rennt. Der Fremde entpuppt sich dann als mehr. Als viel mehr …

Charlotte Lucas ist das Pseudonym der Bestsellerautorin Wiebke Lorenz, die auch ein Teil von Anne Hertz ist. Schon ihr erster Sololiebesroman „Dein perfektes Jahr“ war ein Bestseller. Ihr zweiter Roman ist wieder einer. „Wir sehen und beim Happy End“ ist eine zuckersüße und verzaubernde Lovestory! Charlotte Lucas versteht es, Geschichten mit großen Gefühlen und mit viel Elan und Witz zu erzählen. Hörbuchsprecherin Christiane Marx gibt Ella eine sehr deutliche und unverwechselbare Stimme. Mit all ihren Turbulenzen, die Ella in Sachen Liebe und Leben so durchmachen muss. Christiane Marx ist immer voll bei der Sache. Eine sehr lebhafte Lesung! Hörprobe

Wir sehen uns beim Happy End Hardcover

 

Auch als Hardcover erhältlich bei Lübbe, 18,00 Euro.

Lübbe Audio, 6 CDs, 456 Minuten; 20,00 Euro


Denglers-buchkritik.de

Kolumne vom 29.01.2018 - Nr.493


Stephen King / Owen King

daumen rauf

Sleeping Beauties

Sleeping Beauties

Geht die Welt ihrem Ende entgegen? Sobald Frauen einschlafen, umhüllt sie ein spinnwebartiger Kokon. Wenn man sie weckt oder das unheimliche Gewebe entfernen will, werden sie zu barbarischen Bestien. Die zurückgebliebenen Männer überlassen sich zunehmend ihren primitiven Instinkten. Eine Frau allerdings, die mysteriöse Evie, scheint gegenüber der Pandemie immun zu sein. Ist sie eine genetische Anomalie, die sich zu Versuchszwecken eignet? Oder ist sie ein Dämon, den man vernichten muss? Schauplatz und Brennpunkt ist ein kleines Städtchen in den Appalachen, wo ein Frauengefängnis den größten Arbeitgeber stellt.

Stephen King ist der Chronist des amerikanischen Alltags! In „Sleeping Beauties“ zeigt er das erneut. Der Horror schleicht sich ganz langsam ein. Die Story ist sensationell, was anderes ist man von Stephen King auch nicht gewohnt. Schon nach wenigen Seiten weiß man, dass die 950 Seiten viel zu wenig sein werden. Am Ende angekommen, hat sich genau das bestätigt. In „Sleeping Beauties“ ist jede Seite ein echter Stephen-King-Genuss! Auch wenn sein Sohn Owen King Co-Autor ist. Die Story ist in kurzen Kapiteln gehalten, so dass die Geschichte eine ungeheure Schnelligkeit gewinnt. Trotz der vielen Charaktere, die die Geschichte bevölkern, verliert man als Leser nie den Überblick. Jeder Figur geht schnell ins Leserblut über. Alle Fans, die auch gerne King-Verfilmungen sehen, dürfen sich freuen. Nachdem der erste Teil von „Es“ 700 Millionen Dollar an den Kinokassen eingespielt hat stehen derzeit 25 King-Werke auf den Zetteln der Produzenten. Für einen einzigen Autor ist das Rekord!

Sleeping Beauties mp3

Auch als Hörbuch erhältlich bei Random House Audio. Wie immer eine Glanzleistung von David Nathan! Ungekürzte Lesung, fast 28 Stunden! 28,00 Euro. Hörprobe

Heyne, 959 Seiten; 28,00 Euro


Ildikó von Kürthy

daumen runter

Hilde

Hilde

Nun kann es auch Ildikó von Kürthy von sich sagen: „Ich bin ein Frauchen!“ In ihrem Leben spielen nun biologisch abbaubare Gassibeutel, schmutzabweisende Kleidung und hochwertige Leberwurstkekse tragende Rollen. Das sagt die Autorin: Hilde und ich, wir sind vom Hundefrisör beschimpft worden und waren die Stars in der Selbsthilfegruppe für schüchterne Welpen. Wir haben beim Hunderennen gegen einen Spaniel namens Joe Cocker verloren, sind von einem übergriffigen Mops belästigt worden und mussten uns gegen Rasse-Frauchen wehren, die immer alles besser wissen. „Hilde“ ist mein Tagebuch aus der seltsamen und wunderbaren Welt der Hundefreunde.

Was kommt heraus, wenn eine Bestsellerautorin sich einen Hund kauft und über ihr erstes Jahr mit ihm ein Buch schreibt? Nichts! Nach dem sehr emotionalen Anfang, der ein richtig gutes Mein-Hund-und-ich-Buch erwarten lässt, folgt dann nur noch das, was Frau von Kürthy selbst interessant findet (und denkt, dass das die Leser auch interessant finden müssen), das man durchaus in einem Hundetagebuch aufschreiben kann, aber es auf keinen Fall veröffentlichen sollte. Die sehr von sich überzeugte Frau von Kürthy hat wohl, laut eigenen Angaben, viele Hundebücher gelesen, geht aber dann extrem unwissend an die Hunde(nicht)erziehung heran. Wenn man selbst Hunde hat, schlägt man da die Hände über den Kopf zusammen. Nach und nach bekommt Frau von Kürthy zwar die Kurve, aber das Buch hält sich aber trotzdem weiter auf dem Niveau, He-ich-treff-dich-heute-mal-auf-einen-Kaffee-und-da-erzähle-ich-dir-von-meinem-Hund. Wenn dieses Buch nicht Frau von Kürthy geschrieben hätte, wäre es niemals veröffentlicht worden.

Wunderlich, 317 Seiten; 19,95 Euro


Sinclair Lewis

daumen rauf

Babbitt

BabbittIn seinem ereignislosen, durchschnittlichen Kleinstadtleben hat der Immobilienmakler George F. Babbitt sich recht bequem eingerichtet. Seine drei Kinder sind wohlgeraten, wenn sie auch meist nicht auf ihn hören; mit seiner Frau verbinden ihn liebgewonnene Gewohnheiten. Sein ganzes Streben ist auf gesellschaftliche Anerkennung und wirtschaftlichen Aufstieg gerichtet. Bis ihm eines Tages bewusst wird, dass er all dies so nie gewollt hat, und einen Ausbruchsversuch wagt.

Eine Geschichte, die zwar in den 1920ern spielt, aber an Aktualität nichts verloren hat. Manche „Verstaubtheit“ ist natürlich der Zeit geschuldet, aber ansonsten birgt dieser Gesellschaftsroman Themen, die auch im heutigen Amerika diskutiert werden. Mit „Babbitt“ versteht man Amerika. Es geht um die Mittelschicht der USA, die, wie auch in anderen Ländern, die Basis für ein Land ist. Ohne die Mittelschicht läuft gar nichts. Aber aus der Mittelschicht absteigen, das wäre eine Katastrophe. Genauso, wie wenn man plötzlich gegen diese Strömung schwimmt, denn dann wird man schnell zum Feindbild der „normalen“ Mittelschicht. George F. Babbitt will, dass alles bliebt wie es ist, um dann doch gegen den Strom zu schwimmen – und um damit zu scheitern. „Babbitt“ ist ein zeitloser Klassiker mit einem hervorragenden Antihelden.

Manesse, 784 Seiten; 28,00 Euro


Nicolas Vanier

daumen rauf

Abenteuer Yukon Quest

Abenteuer Yukon QuestEs ist bereits sein dritter Versuch, doch dieses Mal gibt Nicolas Vanier alles, um die Ziellinie des Yukon Quest zu erreichen: Bei Temperaturen von minus fünfzig Grad Celsius muss der Musher dabei seinen Schlitten auf schwierigstem Gelände durch die Schneelandschaft Kanadas und Alaskas lenken. Das gelingt nur, wenn er sich hundertprozentig auf seine Hunde verlassen kann. Hier beschreibt der Autor die zwölf anstrengendsten Tage seines Lebens; wie er auf den einzelnen Etappen gegen Schlafmangel und beißenden Wind ankämpfte; wie er gefrorene Flüsse und steile Bergkämme überwand, aber auch zauberhafte Landschaften durchquerte.

Nicolas Vanier ist nicht nur Autor, sondern auch ein großer Abenteurer! Was passiert, wenn man diese Eigenschaften kombiniert? Sagenhafte gute Abenteuerromane- und fesselnde Erlebnisberichte (u. a. Der weiße Sturm, Das Schneekind, Mit meinen Hunden). „Yukon Quest“ ist Nicolas Vaniers neuestes Abenteuer. Wie oben gelesen versucht er es nicht das erst Mal mit dem Rennen. Nicolas Vanier lässt einen die Kälte spüren, die Schnee- und Eislandschaft vor den Augen auferstehen und er zeigt, zu was man fähig ist, wenn man den unbedingten Willen und die Erfahrung hat. Und noch etwas zeigt der Autor mit diesem Buch, die enge Verbundenheit zwischen Mensch und Hund, denn ohne seine Hunde wäre Nicolas Vanier nur ein Lüftchen in dieser Schneewelt.

Malik, 285 Seiten; 22,00 Euro


Peggy Orenstein

daumen rauf

Girls & Sex

Girls Sex

Was bedeutet es, seine Sexualität in einer Gesellschaft zu entdecken, in der Mädchen möglichst sexy, aber bloß nicht zu freizügig sein sollen? Väter und Mütter wissen oft nicht, wie ihre Teenager-Töchter sich in diesem Spannungsfeld bewegen. Peggy Orenstein hat gefragt, was viele Eltern sich nicht trauen. In Interviews mit über 70 Mädchen sammelte sie bedeutsame Erkenntnisse und zeichnet ein erschreckend deutliches Bild dessen, was das Leben in einer sexualisierten Gesellschaft für junge Frauen bedeutet.

Peggy Orenstein lässt tief blicken in die Köpfe der Teenager unserer Zeit. Was fühlen und denken die Mädchen? Wie sehen sie sich in unserer sexualisierten Welt? Wie gehen sie mit dem „immer-schön-sein-Gedanken“ in Alltag, Schule und Freundeskreis um? Ein sehr spannender Einblick in die Köpf junger Mädchen. Es öffnet einem die Augen und kann auch Hilfe sein, um die Mädchen besser zu verstehen. Da das Buch eine Amerikanerin geschrieben hat, geht es hier um Mädchen aus Highschools und Colleges und deren Erfahrungen. Aber so viel wird sich das von den deutschen Mädchen und ihren Erfahrungen nicht unterscheiden.

Mosaik, 363 Seiten; 18,00 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Matthew Stover

Die Rache der Sith

Rache der Sith

Die Dunkle Seite wird stärker, überall in der Galaxis herrscht Krieg. Während der Jedi-Meister Obi-Wan Kenobi auf den Planeten Utapau reist, um den berüchtigten General Grievous zu töten, fürchtet Anakin um das Leben seiner geheimen Liebe Senatorin Padmé Amidala. Er wird von fürchterlichen Visionen gequält, in denen Padmé stirbt. Um sie zu retten, begibt er sich auf einen gefährlichen Pfad und bestimmt damit sein Schicksal und das des altehrwürdigen Ordens der Jedi. Darth Sidious erkennt Anakins Schwäche und schafft einen neuen Sith Lord, größer und mächtiger als alle vor ihm: Darth Vader.

6 Wochen läuft der aktuelle „Star Wars“ Film „Der letzte Jedi“ (der zweite Teil der dritten Trilogie) nun im Kino und hat schon über 1,3 Milliarden Dollar eingespielt. Wer noch einmal zur ersten Trilogie zurückkehren will, der kann das mit den Hörbüchern der Episoden 1 bis 3 tun. Alle drei Hörbücher sind hervorragend gelesen von Philipp Moog, der deutschen Stimme des Obi-Wan Kenobi (Ewan McGregor) aus den ersten drei Teilen. „Die dunkle Bedrohung“, „Angriff der Klonkrieger“ und „Die Rache der Sith“, der für mich spannendste und aufwühlendste Teil der ersten Trilogie. Hier wird aus dem eigentlich guten Jedi Anakin Skywalker der dunkle Lord Vader. Hörprobe

Random House Audio, 2 MP3 CDs, 839 Minuten; 14,99 Euro


Denglers-buchkritik.de

Kolumne vom 22.01.2018 - Nr.492


Ju Honisch

daumen rauf

Seelenspalter – Die Geheimnisse der Klingenwelt 1

Seelenspalter Die Geheimnisse der Klingenwelt 1

Nur die Starken überleben in den Acht Reichen, die miteinander in einem endlosen Krieg um die Vorherrschaft liegen. Das begreift Maleni sehr schnell, als sie nach einem Massaker, dem ihr ganzes Dorf zum Opfer fällt, Aufnahme beim Orden der Xyi findet. Unerbittlicher Drill und ein geheimnisvolles Ritual lassen einen Teil von Maleni zur Assassinin Taryah werden, die ohne Mitleid zu empfinden oder Fragen zu stellen ihrem blutigen Handwerk nachgeht. Doch weder in den Acht Reichen noch beim Orden der Xyi sind die Dinge so einfach, wie sie scheinen. Und eines Tages muss Maleni erkennen, dass Taryah nicht nur ein Teil von ihr ist – sondern ihr größter Feind.

Die gespaltene Persönlichkeit Taryah/Maleni ist eine Heldin, die im modernen Fantasy-Genre ihres Gleichen sucht! Eine weibliche Heldin die zugleich gut und böse ist, wow, da hat die deutsche Autorin Ju Honisch wirklich einen ganz besonderen Charakter ersonnen. Aber was nützt eine herausragende Hauptfigur in einer schlecht erzählten Geschichte? Doch keine Sorge, „Seelenspalter“, der erste Roman aus „Die Geheimnisse der Klingenwelt“, hält auch eine megaspannende Story für den Leser bereit. Ju Honisch hat den Roman gut und spannend aufgebaut. Sie erzählt abwechselnd aus der Gegenwart und aus der Vergangenheit, und dort, wie aus dem kleinen Bauernmädchen nach und nach eine Schemenjägerin der Xyi wurde. Wie sich von Maleni die schöne und todbringende Taryah abspaltete. Die Klingenwelt ist eine Welt voller Geheimnisse. Der Titel trifft es sehr gut. Ju Honisch deutet immer nur an, gibt dem Leser kleine Hinweise, so hält sie die Spannung hoch, 800 Seiten lang.

Knaur, 810 Seiten; 12,99 Euro


D. Nolan Clark

daumen runter

Der verratene Planet

Der verratene Planet

Die Menschheit hat das All besiedelt – nur um sich jahrhundertelang zu bekriegen. Jetzt, endlich, herrscht Frieden. Bis eines Tages plötzlich eine Armada fremder Schiffe in der Nähe eines kleinen, abgelegenen Planeten auftaucht und die Siedler dort begreifen müssen: sie sind nicht allein. Allein sieben ehemalige Kampfpiloten stehen nun zwischen den Aliens und dem Untergang der Menschheit …

„Die glorreichen Sieben“ im Weltraum! So wird „Der verratene Planet“ gerne gesehen. Das trifft es ganz gut, auch wenn D. Nolan Clark nicht so ganz an die Qualität des Western in Filmform herankommt. Es wäre aber möglich gewesen, da an dem Roman sehr viel stimmt. Was die Lesefreude aber etwas trübt ist die oft ausschweifende Erzählweise von einzelnen Szenen. Da wäre weniger oft mehr gewesen. Das bremst die Freude am Roman immer wieder aus. Die Figuren sind fast alle für sich sehr spannend ausgearbeitet, daher macht es auch Spaß sie in der spannenden Geschichte zu erleben. Man darf gespannt sein, ob der Autor die Fehler des ersten Romans in der Fortsetzung „Die vergessene Welten“ ausmerzt. Die Fortsetzung erscheint bereits im April.

Heyne, 735 Seiten; 12,99 Euro


Matilde Asensi

daumen rauf

Die Jesus-Verschwörung

Die Jesus VerschwörungNach Überzeugung des Vatikans kann und darf es sie nicht geben: die sterblichen Überreste Jesu Christi. Doch genau danach sucht die Paläographin Ottavia Salina gemeinsam mit ihrem Mann Farag Boswell und ihrem alten Freund Kaspar Glauser-Röist. Die Spur führt das Trio von der Mongolei über Istanbul bis nach Israel. In den Katakomben des Berges Meron erwarten sie neun mörderische Prüfungen, alle mit Bezug auf die Seligpreisungen der Bergpredigt. Wird es Ottavia und ihren Mitstreitern gelingen, bis ins Innerste des Berges vorzudringen? Und was werden sie dort finden?

„Die Jesus-Verschwörung“ war in Spanien ein Nr.-1-Bestseller. Nach „Wächter des Kreuzes“ ist es der zweite Einsatz für Paläographin Ottavia Salina und Archäologe Farag Boswell. Unterstützung bekommen die beiden von Freund Kaspar Glauser-Röist. Die drei habe alle ihren eigenen Kopf. Es ist spannend die Charaktere bei den anstehenden Prüfungen zu verfolgen. In „Die Jesus-Verschwörung“ erwarten den Leser eine rasante Jagd an interessante Orte und viele historische Details zu dem Thema. Manchmal übertreibt es die Spaniern Matilde Asensi zwar mit ihren Dialogen und Beschreibungen, aber sie hält den rasanten Kurs trotzdem bei.

Lübbe, 653 Seiten; 12,90 Euro


Karin Slaughter

daumen rauf

Die gute Tochter

Die gute TochterMit vorgehaltener Waffe treiben zwei maskierte Männer die Schwestern Charlotte und Samantha an den Waldrand. Charlie kann entkommen, doch sie ist getrieben von den Erinnerungen an jene grauenvolle Attacke in ihrer Kindheit. Die blutigen Knochen ihrer erschossenen Mutter. Die Todesangst ihrer Schwester. Das Keuchen ihres Verfolgers. Als Töchter eines berüchtigten Anwalts waren sie stets die Verstoßenen, die Gehetzten. 28 Jahre später ist Charlie selbst erfolgreiche Anwältin. Als sie Zeugin einer weiteren brutalen Bluttat wird, holt ihre Geschichte sie ganz ungeahnt ein.

Ein immer aktuelles Buch, da einem auf eine andere Art und Weise einen der größten Konfliktherde der Welt und deren Menschen näherbringt – Israel und Palästina. In 29 Episoden, mal sehr bewegend, mal zum schmunzeln, dann wieder zum nachdenken, erzählt Bestellerautor Nils Straatmann in „Auf Jesus Spuren“ von einer Wanderung die einem zum bereits erwähnten auch noch die Religionen leicht und verständlich vermittelt. Dieses Buch begleitet einen auch nach der Lektüre noch weiter.

HarperCollins, 608 Seiten; 19,99 Euro


Elia Barceló

daumen rauf

Das Licht von Marokko

Das Licht von Marokko

Marokko, 1969: Auf dem Anwesen La Mora wird anlässlich der Mondlandung ein rauschendes Fest gefeiert. Daher merkt keiner, dass Alicia spurlos verschwindet. Bis sie am Morgen brutal ermordet in der Nähe der Villa aufgefunden wird. Madrid, 2016: Als Alicias Schwester Helena nach vielen Jahren an ihren Heimatort zurückkehrt, warten dort zwei Kisten mit Briefen, Karten und Dokumenten ihrer verstorbenen Mutter auf sie. Und ihr im Sterben liegender Schwager, der ein düsteres Geheimnis hütet. Helena weiß, dass die Zeit gekommen ist, sich auf die Suche nach dem Schatten zu begeben, der ihre Gemälde berühmt gemacht hat und sie in ihren Albträumen verfolgt: der nie gefasste Mörder von Alicia.

Die Spanierin Elia Barcelò hat schon zahlreiche spannende Roman verfasst. Mit „Das Licht von Marokko“ fügt sie nun ein weiteres Highlight hinzu. Ein ungemein fesselnder Roman, der mit einer ausgereiften Geschichte, einer starken Hauptfigur und tollen Schauplätzen brilliert. „Das Licht von Marokko“ erinnert an die großen Bestseller von Lucinda Riley!

Pendo, 491 Seiten; 22,00 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Amor Towles

Ein Gentleman in Moskau

Ein Gentleman in Moskau audio

Moskau, 1922. Der genussfreudige Lebemann Graf Rostov wird verhaftet und zu lebenslangem Hausarrest verurteilt, ausgerechnet im Hotel Metropol, dem ersten Haus am Platz. Er muss alle bisher genossenen Privilegien aufgeben und eine Arbeit als Hilfskellner annehmen. Rostov mit seinen 30 Jahren ist ein äußerst liebenswürdiger, immer optimistischer Gentleman. Aber ihm bleibt nur der Blick aus dem Fenster, während draußen Russland stürmische Dekaden durchlebt. Seine Stunde kommt, als eine alte Freundin ihm ihre kleine Tochter anvertraut. Das Kind ändert Rostovs Leben von Grund auf. Für das Mädchen und sein Leben wächst der Graf über sich hinaus.

Besser Hotel als Gefängnis, denkt man sich als Hörer zu Anfang, aber als Jahr um Jahr Jahrzehnt um Jahrzehnt vergeht weiß man, das Hotel wird auch das Grab für Alexander Rostov sein, wenn sich nicht etwas dramatisch ändert. Spät tut es das dann auch. Dazwischen erlebt man viel Leben, viel russische Geschichte, einen Reigen an interessanten Figuren und eine stilvolle Geschichte. Vor allem zum Ende hin (CD 9) birst die Geschichte dann vor Spannung. Dann wird es ein richtiger Agententhriller. Amor Towles ist mit „Ein Gentleman in Moskau“ ein kleiner Geniestreich gelungen! Hans Jürgen Stockerl liest elegant und einnehmend, ganz so wie Graf Alexander Rostov von Charakter ist. Hörprobe

Ein Gentleman in Moskau

 
Auch als Hardcover erhältlich bei List, 22,00 Euro.

Hörbuch Hamburg, 9 CDs, 675 Minuten; 24,00 Euro


Denglers-buchkritik.de

Kolumne vom 15.01.2018 - Nr.491


Bradley Beaulieu

daumen rauf

Die Zwölf Könige – Die Legenden der Bernsteinstadt 1

Die zwölf Könige Die Legenden der Bernsteinstadt 1

Auf Kufen gleiten stolze Handelsschiffe über das Sandmeer nach Sharakhai, Wiege der Zivilisation und Heimat der Zwölf Könige. Vor Jahrhunderten haben die Götter selbst ihnen unvorstellbare Macht verliehen, seither beherrschen sie die wundersame Stadt mit eiserner Hand. Die Waise Çeda hat es mit ihren 19 Jahren zu einer gerissenen Diebin und gefeierten Arenakämpferin gebracht. Doch nie wird sie jene Nacht vergessen, als ihre Mutter im Namen der Zwölf Könige hingerichtet wurde. Auf der Suche nach Rache verbündet Çeda sich mit allerlei zwielichtigen Gestalten und gerät mitten hinein in eine Verschwörung, in der der Tod ihrer Mutter eine viel größere Rolle spielt, als sie je hätte ahnen können.

Moderne, selbstbewusste Fantasy in einer Wüstenwelt, die dem Leser schnell gefällt. Die Wüstenwelt um Sharakhai mit ihren vielen Geheimnissen hat Bradley Beaulieu mit vielen Details großartig dargestellt. Çeda ist eine verletzliche und zugleich starke Heldin, die von einer dunklen Vergangenheit gequält wird. Sie muss sich in einer Welt zurechtfinden, in der auch Frauen große Kämpferinnen sein können und müssen, um zu überleben. Bradely Beaulieu führt den Leser langsam zu den großen Geheimnissen von Sharakhai und den Zwölf Königen hin, und was Çeda und ihr Vergangenheit alles damit zu tun hat. Er hat schon im ersten Band so viele aufgebaut, dass das alles für mehr als fünf Bände reichen könnte, wenn er es geschickt ausbauen würde, es soll aber wohl eine Trilogie werden. Die Wüstenwelt um Sharakhai und ihre Herrscher bietet einfach so viel Stoff, man darf gespannt sein, wie viele Jahre Bradley Beaulieu die Leser mit dieser Welt erfreuen wird.

Knaur, 681 Seiten; 16,00 Euro


Paul Erickson

daumen runter

War was? – Das geheime Krieg-der-Sterne-Tagebuch

War was? Das geheime Krieg der Sterne Tagebuch

Auf einer Convention in Chicago findet Paul Erickson im Mülleimer ein altes, aber gut erhaltenes Notizbuch. Als er hineinblättert, traut er seinen Augen nicht: Ein geheimnisvoller „G.L. erzählt dort von dem Top-Secret-Filmprojekt „Star Wars“, dass er im Jahr 1973 entwickeln will. Das Buch liest sich wie ein Krimi: Welchen Plot hätte „Star Wars“ um ein Haar gehabt? Woher stammte die Idee für Darth Vaders Helm? Warum tragen alle Sturmtruppen Weiß? Und weshalb gibt es sie doch, die Geräusche im Weltall? In diesem erstmals öffentlich gemachten Tagebuch erfährt man endlich alles über die wahre Entstehungsgeschichte von „Star Wars“. Und wir alle können froh sein, dass nur aufgrund winziger Zufälle nicht alles ganz anders gekommen ist.

Für Buchfans der Sternensaga hat sich der amerikanischen Autor Paul Erickson was ganz Besonderes ausgedacht: Er veralbert mal fast alles, was man vom Krieg der Sterne so kennt. Das hat er schon in „War was? – Die Krieg-der-Sterne-Parodie“ getan und tut es nun in „War was? – Das geheime Krieg-der-Sterne-Tagebuch“ wieder. Das erste Buch war schon ein kompletter Reinfall und eine Ohrfeige für jeden echten „Star-Wars“-Fan, und bei der zweiten Veralberung der Kultreihe wiederholt sich das erneut. Wenn man sich über „Star Wars“ lustig macht, dann sollte man das mit Stil tun, aber nicht auf so lächerlich billige Art, wie Paul Erickson das in seinen zwei Büchern bisher getan hat.

Piper, 287 Seiten; 14,00 Euro


Håkan Nesser

daumen rauf

Der Fall Kallmann

Der Fall KallmannWer war Eugen Kallmann? Warum musste der beliebte Gesamtschullehrer in der beschaulichen schwedischen Kleinstadt sterben? Wirklich nur ein Unglücksfall, wie die Polizei behauptet? Als sein Nachfolger im Schwedischunterricht, Leon Berger, nach der langen Sommerpause seinen Dienst antritt, findet er im Pult unter Kallmanns Sachen eine Reihe von Tagebüchern, die ihn schon bald daran zweifeln lassen, dass sein Vorgänger tatsächlich eines natürlichen Todes gestorben ist. Denn in seinen Einträgen behauptet Kallmann schier Unglaubliches. Und er scheint in den letzten Monaten seines Lebens einem nie entdeckten und nie gesühnten Verbrechen auf der Spur gewesen zu sein.

Håkan Nessers „Der Fall Kallmann“ bietet Krimikunst der ganz feinen Feder! Der schwedische Bestsellerautor beweist auch lange nach seinen Van-Veeteren-und-Barbarotti-Krimis, dass er es noch gewaltig draufhat. „Der Fall Kallmann“ bietet eine undurchsichtige Geschichte, starkes Personal, ein verwobenes Schul- und Kleinstadtleben und bringt den Leser so spannende Lesestunden. Was vor allem auch an Nessers Erzählweise liegt, er lässt sein Personal kapitelweise auftreten. Vorrangig Leon, Andrea, Igor und Ludmilla. Dadurch bekommt die Geschichte eine ungeahnte Geschwindigkeit und lässt ein tief in die Seelen der einzelnen Personen blicken. Auch die Spannung wird dadurch erhöht, auch wenn der Kriminalfall nicht vorrangig in der Geschichte ist. Håkan Nesser – setzen – Note eins!

btb, 572 Seiten; 20,00 Euro


Nils Straatmann

daumen rauf

Auf Jesu Spuren

Auf Jesu Spuren Wandern, wo Jesus von Nazareth wandelte: Der Autor reist mit einem alten Schulfreund den Lebensweg des historischen Jesus nach – vom vermeintlichen Geburtsort Bethlehem, den heute eine riesige Mauer dominiert, durch den Golan bis zum Hermon, auf dem im Winter der Skitourismus boomt. Mit Neugier erkundet der junge Theologe, was von den Ideen des einstigen Erlösers im Heiligen Land geblieben ist. Trifft in einem Beduinen-Camp auf Harry Potter, fährt mit einem der letzten Fischer auf den See Genezareth und wird bei einem palästinensischen Barbier als Spion verdächtigt. Dabei nähert er sich fundiert und ebenso skeptisch wie selbstironisch den drei Weltreligionen an.

Ein immer aktuelles Buch, da einem auf eine andere Art und Weise einen der größten Konfliktherde der Welt und deren Menschen näherbringt – Israel und Palästina. In 29 Episoden, mal sehr bewegend, mal zum schmunzeln, dann wieder zum nachdenken, erzählt Bestellerautor Nils Straatmann in „Auf Jesus Spuren“ von einer Wanderung die einem zum bereits erwähnten auch noch die Religionen leicht und verständlich vermittelt. Dieses Buch begleitet einen auch nach der Lektüre noch weiter.

Malik, 303 Seiten; 16,00 Euro


Deborah Crombie

daumen rauf

Beklage deine Sünden

Beklage deine Sünden

Notting Hill im Mai: In Cornwall Gardens, einem von exklusiven Stadthäusern gesäumten Park in bester Lage, wird die Leiche einer 24-jährigen Frau entdeckt. Wie sich herausstellt, hat Reagan Keating als Kindermädchen in einer der angrenzenden Villen gearbeitet. Und schon bald erfährt Inspector Gemma James von einem weiteren mysteriösen Todesfall in dem Park: Vor einigen Monaten starb der kleine Henry Su unter mysteriösen Umständen. Hinter den schönen Fassaden der noblen Wohnanlage scheint so manches abgründige Geheimnis zu lauern, und Gemma könnte bei den Ermittlungen die Hilfe ihres Mannes Superintendent Duncan Kincaid gebrauchen. Doch der muss sich derweil den Geistern seiner Vergangenheit stellen.

Deborah Crombie ist im Krimigenre seit Jahrzehnten eine Ausnahmeerscheinung! Ihre Reihe um Gemma James und Duncan Kincaid hat schon lange Kultcharakter. Nun liegt mit „Beklage deine Sünde“ der 17. Fall vor. Und man bekommt eigentlich gleich zwei Fälle geliefert. Gemma Jones ermittelt in einem Fall und Duncan Kincaid geht alten Fällen nach. Jeder Strang bietet ausreichend Spannung. Und wie man es von Deborah Crombie gewohnt ist, beschreibt sie ihre Charaktere wieder sehr lebensnah. Deborah Crombie enttäuscht auch mit ihrem 17. Fall nicht.

Goldmann, 512 Seiten; 9,99 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

G. F. Unger

Die Gun-Sisters / Flucht durch den Blizzard / Pferdejäger

Gun Sisters

Sally und Sue McNall sind fünfzehn, als sie bei einem Indianerüberfall die Eltern verlieren und selbst von zwei Revolvermännern in letzter Minute gerettet werden. Joe Scarlock und Ben Savage stehen nicht in dem Ruf, Ehrenmänner zu sein, doch die schönen Zwillinge sehen in ihnen ihre Retter und verlieben sich unsterblich in sie. Gemeinsam mit den beiden verlassen sie die verwüstete Farm in den Hügeln und reiten in die große Welt. Ein Leben, wie sie es nie zu erträumen wagten, beginnt für sie. Sally und Sue sind glücklich. Bis sie eines Tages erkennen müssen, welch niederträchtige und brutale Schufte ihre Retter sind, und ihre Liebe sich in tödlichen Hass verwandelt... Hörprobe

 

Blizzard

Ben Crown ist Hunderte von Meilen geritten, um die schöne Lucy Galloway zu ihrem Vater zurückzuholen, doch dann hat er sie dennoch weiterziehen lassen. Mit einem Spieler und Halunken. Gegen den ausdrücklichen Befehl seines Ranchers und obwohl er Lucy liebt. Aber Lucy erklärte ihm, dass sie mit Jim Cogburn freiwillig von zu Hause fortlief, dass sie dessen Frau wurde und ein Kind von ihm erwartet. Und Ben akzeptierte ihre Entscheidung, versprach Lucy sogar seine Hilfe. Ja, Ben wird die geliebte Frau niemals im Stich lassen. Ein Zeichen von ihr, und er wird zur Stelle sein. Selbst wenn er sie dem Schlund der Hölle entreißen müsste! Hörprobe

 

Pferdejaeger

Die Fährte der Banditenhorde, die unsere Ranch niedergebrannt und Rosalyn, meine Schwester, geraubt hatte, war leicht zu verfolgen. Sie führte in eine kleine Stadt am Rande des Mesalandes. Hier aber brach sie ab, und die Chance, die Mordbrenner und Frauenräuber jemals aufzuspüren, war gleich null. Im Mesaland hausten die Gesetzlosen. Ein Fremder, der sich hier Zutritt verschaffte, hatte sein Leben verwirkt. Was also sollte ich tun? Aufgeben? Rosalyn ihrem grausamen Schicksal überlassen? Fieberhaft suchte ich nach einer Möglichkeit. Ich glaubte sie gefunden zu haben, als mir die Idee kam, die Verfolgung der Bande als Pferdejäger getarnt fortzusetzen... Hörprobe

 

Lübbe Audio setzt die sehr gelungen ersten drei G.-F.-Unger-Hörbücher mit Armin Rhode als Sprecher mit drei weiteren Folgen fort. Und wieder drei Hörspiele die einen Höllenritt in den Wilden Westen versprechen! Armin Rhode ist auch hier eine Klasse für sich. Die knurrige Bärenstimme ist einfach perfekt für diese Romane. Und die drei Folgen versprechen wieder viel Spannung und Abwechslung. Von Rache getriebene Schwestern, bis über einen Wilden Westen in Eis und Schnee und einer Folge, in der Wildpferde, vor allem ein Hengst, die eigentliche Hauptrolle spielen. G. F. Unger zeigt alle wilden und urwüchsigen Aspekte des Wilden Westens.

Lübbe Audio, je 2 CDs, 123/157/140 Minuten; je 7,90 Euro


Denglers-buchkritik.de

Kolumne vom 08.01.2018 - Nr.490


Sven Felix Kellerhoff

daumen rauf

Die NSDAP

Die NSDAP

Die NSDAP war mit bis zu 8,5 Millionen Mitgliedern die größte Partei, die es in der deutschen Geschichte gab. Warum traten so viele Menschen dieser deutschen Bewegung bei? Was machte sie attraktiv? Wer finanzierte die Partei? Welche Rolle spielte sie beim Aufstieg Hitlers zur Macht? All das sind Fragen, auf die es trotz zahlloser Hitler-Biographien und Darstellungen des Dritten Reiches bislang keine Antworten gab. Gestützt auf umfangreiches Archivmaterial, erläutert der Autor die Funktion der NSDAP auf dem Weg zur Macht und während des Dritten Reiches. Anhand von Zeugnissen ihrer Anhänger und Funktionäre zeichnet das Buch die Entwicklung der Hitlerbewegung nach.

Kaum zu glauben, dass es bisher noch keine ausführliche Beleuchtung der NSDAP gab, Sven Felix Kellerhoff holt das nun mit seinem beachtlichen Buch „Die NSDAP“ nach. Unterteilt ist das Buch in 16 Schwerpunkte, die da sind: „Vor Hitler“, „Hitler“, „Ausdehnung“, „Putsch“, „Comeback“, „Weltanschauung“, „Propaganda“, „Mitglieder“, „Geld“, „Erfolg“, „Vabanque“, „Märzgefallene“, „Korruption“, „Volksgemeinschaft“, „Krieg“ und „Nach Hitler“. Sven Felix Kellerhof präsentiert die Fakten in einem gut zu lesenden Ton. Langeweile kommt garantiert nicht auf, eher das Entsetzen, wie es soweit kommen konnte. Wie eine Partei das Volk langsam aber stetig eingefangen und dann immer mehr mit Terror in Schach gehalten hat. Die auch heute wieder sehr berühmten einfachen Antworten auf schwierige Fragen, damit hatte die NSDAP Erfolg. Doch die gab es damals wie heute nicht.

Klett Cotta, 441 Seiten; 25,00 Euro


Wolfgang Hohlbein

daumen runter

Armageddon

Armageddon

Auf dem Flug nach Tel Aviv begegnet Beka dem gleichermaßen faszinierenden wie undurchschaubaren Luke. Doch bevor sie sein Geheimnis ergründen kann, zerreißt eine gewaltige Druckwelle das Flugzeug. Das Undenkbare ist geschehen: Eine Atombombenexplosion vernichtet weite Teile Israels. Aber Beka und Luke überleben. Sie finden sich in einem unterirdischen, verlassenen Tempel wieder, der von geheimnisvollen Symbolen übersät ist. Und alles deutet darauf hin, dass Armageddon begonnen hat – die letzte Schlacht ...

Wolfgang Hohlbein, der Altmeister der deutschen Fantasy- und Horrorliteratur, legt mit dem Armageddon-Zyklus eine neue spektakuläre Reihe vor! Auch wenn er einen durchaus guten Grundstein legt, so wäre der erste Band allerdings noch ausbaufähig gewesen. Die Story wechselt zwischen sehr gut bis zu hanebüchen hin und her. Wer da dann plötzlich in der Story auftaucht und was da so manche Figuren treiben, da schlägt man schon mal die Hände über dem Kopf zusammen. Doch irgendwie bleibt man dran, auch wenn es nichts für Zartbesaitete ist. „The Walking Dead“ lässt grüßen, auch hier sollte man mit den Horrorelementen nicht auf Kriegsfuß stehen, denn sonst könnte einen die Serie wie auch „Armageddon“ schnell als zu heftig erscheinen. Man darf gespannt sein, wie Wolfgang Hohlbein den dann nur teils spektakulären Beginn des Zyklus fortsetzt.

Piper, 608 Seiten; 24,00 Euro


Colleen Oakley

daumen rauf

Die kuriosen Symptome der Liebe

Die kuriosen Symptome der LiebeJubilee Jenkins hat das Haus seit neun Jahren nicht mehr verlassen. Sie leidet an einer sehr seltenen Krankheit – einer Allergie gegen Menschen. Nach einem beinahe tödlichen Kuss hat sie sich mit ihren zahllosen Büchern zurückgezogen. Als ihre Mutter jedoch überraschend stirbt, muss Jubilee sich der Außenwelt stellen. Sie findet in der örtlichen Bibliothek nicht nur einen Job, sondern auch eine zweite Heimat und echte Freunde. Und als sie dem charmanten Eric und seinem eigensinnigen Adoptivsohn Aja begegnet, verspürt Jubilee zum ersten Mal wieder den Wunsch, jemandem wirklich nahezukommen. Doch die Berührung eines Menschen kann sie das Leben kosten ...

Bezaubernd, berührend, voller Begeisterung und mit viel Gefühl erzählt. In Colleen Oakleys Figuren muss man sich einfach verlieben. Vor allem natürlich in Jubilee, die einen innerlich zum leuchten bringt. Sie ist durch ihre sehr seltene Krankheit eine so besondere Person, die einem dadurch eigentlich so fern ist, und trotzdem ist sie einem ganz nah. Colleen Oakley, ein Familienmensch, hat mit ihrem Debüt „Die kuriosen Symptome der Liebe“ einen Liebesroman der ganz besonderen Art geschrieben. Jubilee und ihre Geschichte bleibt einem noch lange im Kopf. Ein Buch, das man umarmen möchte und das eine Wärmflasche für die Seele ist!

Wunderraum, 476 Seiten; 23,00 Euro


Ilona Jerger

daumen rauf

Und Marx stand still in Darwins Garten

Und Marx stand still in Darwins Garten England, 1881. Zwei bedeutende Männer leben nur wenige Meilen voneinander entfernt: Charles Darwin in einem Pfarrhaus in Kent und Karl Marx mitten in London. Beide haben mit ihren Werken, der eine zur Evolution, der andere zur Revolution, die Welt für immer verändert. Und doch sind sie schlaflos und melancholisch. Darwin hat den Schöpfer abgeschafft, fühlt sich missverstanden und forscht inzwischen still am Regenwurm. Marx grollt der Welt, wartet ungeduldig auf ein mutiges Proletariat, das den Kapitalismus hinwegfegt, verzettelt sich beim Schreiben und kommt über Band 1 des „Kapitals“ nicht hinaus. Eines Abends begegnen sich die beiden bei einem Dinner zum ersten Mal. Schnell kreist ihre Diskussion um Gott und Gerechtigkeit — doch unausweichlich kommt es zum Streit, und der Abend endet in einem Eklat.

Ein ungewöhnlicher, ja außergewöhnlicher Roman, der große Freude macht! Freude, die beiden großen Männer der Geschichte in einer ganz besonderen Konstellation zu erleben, wie sie sich verhalten, handeln, plaudern. Bei der ganzen Fabuliererei um die beiden Größen kommt aber auch die Spannung und das Drumherum nicht zu kurz. Ilona Jerger ist mit ihrem ersten Roman „Und Marx stand still in Darwins Garten“ gleich ein aufsehen erregendes Werk gelungen.

Ullstein, 288 Seiten; 20,00 Euro


Jean Francois Parot

daumen rauf

Commissaire Le Floche & das Geheimnis der Weißmäntel

Commissaire Le Floche und das Geheimnis der Weißmäntel

Paris, 1761: Als ein Polizeibeamter der Korruption verdächtig wird, betreut man den jungen Nicolas Le Floch mit dem Fall. Was als Bagatelle beginnt, wird schon bald zum Mordfall, da der verdächtigte Beamte verschwindet, und zu einem Skandal, der auch König Ludwig XV und seinen Hofstaat treffen könnte. Während die Pariser Gesellschaft sich dem wilden Treiben des Karnevals hingibt, führen Nachforschungen Nicolas Le Floch in Spielhöllen, Abdeckereien, Edelbordelle und die Verliese der Bastille. Wird er das Geheimnis lüften und den König retten?

Commissaire Nicolas Le Floch ist ein absoluter Kultkommissar! Wie kann ich das behaupten, schon nach nur einem Roman, werden Sie fragen. Das hat seine Gründe. Jean-Francois Parot (Jahrgang 1946) hat diesen Roman nicht vor ein, zwei Jahren geschrieben, sondern er wurde im Jahr 2000 in Frankreich das erste Mal veröffentlicht. Seitdem hat er insgesamt 13 Bände mit seinem Helden geschrieben. Die Krimis waren nicht nur in Frankreich sehr erfolgreich, sondern auch in vielen anderen Ländern. Nun gibt es den französischen Kultkommissar aus dem 18. Jahrhundert endlich auch auf Deutsch.

Blessing, 479 Seiten; 17,00 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Florian Hilleberg und Mark Benecke nach Jason Dark

Brandmal

Florian Hilleberg und Mark Benecke nach Jason Dark

Ein Fall von spontaner Selbstentzündung im Londoner Hyde Park bringt Geisterjäger John Sinclair auf den Plan. Für ihn liegt nahe, dass es sich bei dem Opfer um einen Vampir gehandelt hat. Doch warum sollte sich ein Vampir dem Sonnenlicht aussetzen? Weitere Vorfälle folgen, und auch in Deutschland kommt es an verschiedenen Orten zu spontaner Selbstentzündung. Dort wird der Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke zu einem solchen Fall hinzugezogen. Als John Sinclair davon erfährt, tut er sich mit dem bekannten Forensiker zusammen.

Lübbe Audio präsentiert außerhalb der normalen John-Sinclair-Reihe gleich drei neue große Hörspielsondereditionen. Darunter ist das von Bestseller-Mythos Wolfgang Hohlbein geschriebene „Oculus“ (4 CDs; auch als Taschenbuch erhältlich) und „Das andere Ufer der Nacht“ (2 CDs), so wie „Brandmal“ (auch als Taschenbuch erhältlich), geschrieben von Florian Hilleberg und dem bekannten Kriminalbiologen Mark Benecke. Der auch eine Rolle in dem Hörspiel übernommen hat – er spielt sich selbst. Das hätte er mal lieber bleiben lassen, so denkt man zu Anfang. Er wirkt wie ein Dilettant unter den viel guten Sprechern, aber nach und nach gewöhnt man sich an den unlustigen Mark Benecke. Zum Ende, als es dann Schlag auf Schlag geht, ist er dann richtig gut geworden. Dietmar Wunder, alias John Sinclair, liefert natürlich wieder eine Glanzleistung als Geisterjäger ab. Und die Geschichte um die Blutgräfin Elisabeth Báthory, mit der die Geschichte ihren Anfang nimmt, ist spannend und effektvoll gestaltet. Hörprobe

Lübbe Audio, 3 CDs, 159 Minuten; 14,90 Euro


Denglers-buchkritik.de

Kolumne vom 01.01.2018 - Nr.489


David Falk

daumen rauf

Blutsbande – Krieger des Nordens 1

Blutsbande Krieger des Nordens 1

Die Brüder Seran und Kayo entstammen einer Linie nordischer Krieger. Als Kinder wurden sie ihrer Familie entrissen, nachdem ihr Dorf vom Volk der Thebaner erobert wurde, aber daran erinnern sie sich kaum. Während Kayo als Sklave niederste Dienste verrichten muss, macht der junge Seran Karriere als Offizier im thebanischen Heer. Doch dann wird sein Bruder ermordet, und die Stämme des Nordens erheben sich zum Aufstand gegen das Kaiserreich. Seran muss sich entscheiden: Will er als Feldherr in die Fußstapfen seines thebanischen Ziehvaters treten oder sein Volk befreien?

David Falk gehört zu den größten Talenten unter den deutschen Fantasy-Autoren! Er hat mit seiner 4-bändigen Reihe um den „Letzten Krieger“ den Puls der Fantasy-Fans auf Touren gebracht. Nun startet er eine neue Reihe, „Die Krieger des Nordens“. Und schon der erste Band hat es wieder in sich. David Falk lässt keine Langeweile aufkommen! In „Blutsbande“ gibt es reichlich spannende Momente, Action, tollkühne Helden, eine dem Römischen Reich anmutende Welt, kaiserliche Garden, Gladiatoren, Piraten, Zwerge, Zauberer, Nordmänner, David Falk lässt nichts unversucht, um den Leser eine spannende und magische Welt zu bieten. Ich freue mich schon sehr auf den zweiten Band vom „Krieger des Nordens“!

Piper, 557 Seiten; 14,00 Euro


Meredith Wild

daumen runter

All for You - Sehnsucht

All for You Sehnsucht

Als Maya Jacobs und Cameron Bridge sich nach fünf Jahren zum ersten Mal wieder begegnen, ist es, als ob die Welt um sie herum zum Stillstand kommt. Damals waren sie ein Paar gewesen, verliebt und so glücklich. Aber als Cameron um Mayas Hand anhielt, musste sie die schwerste Entscheidung ihres Lebens treffen - und Nein sagen. Als sie sich jetzt erneut gegenüberstehen, sind die Gefühle von damals augenblicklich wieder da. Und auch die Leidenschaft. Doch kann es für ihre Liebe eine zweite Chance geben, wenn ihre gemeinsame Vergangenheit so voller Schmerz ist?

Bestsellerautorin hat mit ihrer „Hard“-Reihe die Herzen ihrer meist weiblichen Leser schneller schlagen lassen. Nun startet sie mit „All-for-You“ eine neue Reihe. „Sehnsucht“ ist der erste Roman der Trilogie, „Liebe“ und „Verlagen“ folgen schon bald. Große, spannende Momente oder das der Roman einen fesselt, nein, das darf man von „Sehnsucht“ nicht erwarten. Es gibt reichlich erotische Szenen und das ewige Hin und Her zwischen Maya und Cameron. Das alles nervt aber schnell. Auch eine große Entwicklung findet in der Geschichte nicht statt. Die harten Fans dieser Erotik-Reihen werden aber wahrscheinlich trotzdem ihre Freude daran haben. Ich fand das Ganze sehr eintönig!

Lyx, 384 Seiten; 12,90 Euro


Julie Buntin

daumen rauf

Marlena

MarlenaDie fünfzehnjährige Cat ist neu in der Stadt, einsam und unglücklich - bis sie ihre Nachbarin kennenlernt, die wunderschöne und unberechenbare Marlena. Eine Mädchenfreundschaft beginnt, voller Versprechungen, intensiv und gefährlich wie die Jugend selbst: erste Drinks, erste Zigaretten, erste Küsse. Marlena aber wird immer riskanter - und Cat wird ein Versprechen brechen, das sie jetzt, Jahrzehnte später, einholen wird.

Feinfühlig, fesselnd, intelligent, herzzerreisend. Das ist „Marlena“, und noch viel mehr. Das Bild, das die charmante Julie Buntin, die in Amerika für ihren Roman gefeiert wird, von den Mädchen Cat und Marlena entwirft ist so klar, das man jeden Satz mitfühlt, mitleidet, und denkt, nein, was kann man tun, das es nicht zu diesem tragischen Ende kommt. Julie Buntins Erzählweise ist zu Anfang etwas spannungsmindernd, da sie ja schon verrät, wer von den beiden Mädchen sterben wird. Aber man gewöhnt sich daran und ist dann umso gespannter, den dramatischen Weg bis zum entscheidenden Tag mitzuverfolgen. Auch wenn man am liebsten alles aufhalten würde! Julie Buntin hat das Auge für die kleine Details, die die Geschichte noch lebendiger machen.

Eichborn, 366 Seiten; 22,00 Euro


Ali Mahlodji

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Und was machst du so?

Und was machst du so Ali Mahlodji wurde im Iran geboren und wuchs in einem österreichischen Flüchtlingsheim auf. Er stotterte, schmiss das Abitur und probierte über vierzig verschiedene Jobs aus. Dabei lernte er auch, wie unglücklich der falsche Beruf machen kann. 2012 gründete er das StartUp whatchado, eine Internet-Videoplattform auf der Menschen von ihrem Leben, ihrer Karriere und ihren Träumen erzählen. Damit will er Mut machen und Perspektiven bieten. Tausende – vom Auszubildenden bis zum österreichischen Bundespräsidenten – geben dort mittlerweile Einblick in ihren Beruf und in ihr Leben.

Ein Buch, das zeigt was möglich ist, wenn man an sich arbeitet, alles gibt, und es zeigt uns, das jeder Bürger in jedem Land viel für dieses beitragen kann, egal woher er kommt und welcher Religion er angehört. Ganz davon weg hat Ali Mahlodji viel über sein Leben, seinen Werdgang und wirtschaftliche Aspekte zu erzählen. „Und was machst du so?“ bietet einen großen Mehrwert. Ein Buch, das man allen europäischen Populisten auf den Nachttisch legen sollte!

Econ, 313 Seiten; 18,00 Euro


Ali Can

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Hotline für besorgte Bürger

Hotline für besorgte Bürger

Kein Thema hat unsere Gesellschaft jüngst so polarisiert wie die Flüchtlingskrise. „Gutmenschen“ und „Rassisten“ stehen sich unversöhnlich gegenüber, ohne Polemik kommt kaum eine Äußerung aus, zum Dialog ist man nicht bereit. Das will der Autor ändern. Er geht aktiv auf die Menschen zu, reicht ihnen die Hand, interessiert sich für ihre Ansichten und hat dazu eine Telefon-Hotline für besorgte Bürger ins Leben gerufen, über die sie ihre Sorgen äußern können.

Ali Can war selbst Asylsuchender, als er im Jahr 1995 von Syrien nach Deutschland kam. Mittlerweile hat er studiert (Lehramt) und seine „Hotline für besorgte Bürger“ gegründet, die ihm europaweit große Aufmerksamkeit brachte. Ali Can zeigt, dass man miteinander reden muss, und nicht übereinander, so wie das die „Ausländerhasser“ tun, aber auch einige nicht integrationswillige Migranten. Die offenen und ehrlichen Gespräche die Ali Can mit den Menschen führt reflektieren das Thema sehr gut. Ehrlich, humorvoll, hinterfragend, voll aus dem Leben gegriffen. Und ein weiteres Buch, das man allen europäischen Populisten auf den Nachttisch legen sollte!

Lübbe, 270 Seiten; 16,00 Euro


Hörbuch der Woche

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Raphael Honigstein

Ich mag, wenn’s kracht

Ich mag wenns kracht-Hörbuch

Menschen motivieren, zu Höchstleistungen bringen, zu Siegern machen ― kaum jemand kann das besser als Jürgen Klopp. Was ihn antreibt, ist der maximale Erfolg. Er hat den BVB wieder groß gemacht und lässt den FC Liverpool in neuem Glanz erscheinen. Diese Lust auf den Erfolg, die Gier aufs Gewinnen steckt Klopp im Blut. Der Autor hat Jürgen Klopp auf all seinen Stationen in Mainz, Dortmund und Liverpool begleitet ― und hat einen exklusiven Zugang zum persönlichen Umfeld des Startrainers. Und er beschreibt die Erfolgsprinzipien und -regeln des sympathischen „Normal One“.

Wer Fußball liebt, muss auch Jürgen Klopp mögen! Denn keiner verbindet so viel Fachwissen mit Impulsivität und einer kessen Lippe. Jürgen Klopp, der Menschenfänger. Wenn man das Buch liest und das Hörbuch hört „verfällt“ man ihm auch, wenn es vorher doch noch nicht der Fall gewesen sein sollte. Buch und Hörbuch sind so „wild“ aufgebaut, wie Jürgen Klopps Werdegang – nicht geradlinig. Die Geschichte springt von den Anfängen als junger Kicker, bis zu seiner Zeit als Mainzer Spieler und Trainer, bis zur Hammerzeit bei Borussia Dortmund und seiner aktuellen Trainerstation beim FC Liverpool hin und her. Zu Anfang ist das etwas verwirrend, aber der Spannungsgrad wird damit erhöht. Forsch und impulsiv gelesen wird Jürgen Klopps bewegtes Fußballer- und Trainerleben von Achim Buch. Mit ihm ist man hautnah dabei. Hörprobe

Ich mag wenns kracht audio



Auch als Hardcover erhältlich bei Ullstein, 20,00 Euro.

Hörbuch Hamburg, 2 MP3 CDs, 570 Minuten; 19,99 Euro


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