Mai 2015

Aktuelle Kolumne vom 16.09.2019 - Nr.578


Fredrik Backman

daumen rauf

Wir gegen euch

Wir gegen euch

Die Menschen von Björnstadt haben erlebt, was es heißt, wenn ein ganzer Ort auseinanderbricht. Weil der junge Kevin die junge Maya vergewaltigt hat. Und sie wollen nur eines: wieder zusammenfinden. Um eine Zukunft zu schaffen für alle. Dafür braucht es etwas, an das sie glauben können. Etwas, das sie zusammenbringt. Das ist der Sport, das ist Eishockey. Doch der Kampf darum wird einer auf Leben und Tod. „Dies ist die Geschichte unserer Stadt. Einige von uns werden sich verlieben, und andere werden verzweifeln. Wir werden unsere schönsten Tage erleben und zugleich unsere allerschlechtesten. Diese Stadt wird jubeln, aber sie wird auch brennen.“

Der Schwede Fredrik Backman schreibt einen Bestseller nach dem anderen! Mit Büchern wie „Ein Mann namens Ove“, „Oma lässt grüßen und sagt, es tut ihr leid“ und „Kleine Stadt der großen Träume“ hat er sehr viele Leser weitweit begeistert. Nun erscheint sein neues Buch „Wir gegen euch“, es ist die Fortsetzung von „Kleine Stadt der großen Träume“. Vordergründig geht es bei „Wir gegen euch“ um Eishockey, genauer um die Mannschaften von Björnstadt und Hed. Nach den dramatischen Ereignissen aus dem Vorgängerband hat sich einiges verschoben in der Stadt, auch in den Eishockeymannschaften. Doch vor allem in den Köpfen und den Leben der Menschen aus Björnstadt. Fredrik Backman hat ein einzigartiges Gespür für seine Figuren und deren Gefühle. Selbst wenn er darüber schreiben würde, wie fünf Frauen in einer Schneelandschaft einfach nur Spazierengehen, wäre das literarisch atemberaubend. Sein Stil macht süchtig! „Wir gegen euch“ zeigt das Bild einer seelisch verwundeten Kleinstadt und wie ein Ereignis nachhaltig alles verändern kann – in den Köpfen der Menschen, in ihren Herzen, in ihrem Verhalten. „Wir gegen euch“ ist aber auch ein Gesellschaftsroman, der auf kleinem Raum abbildet, wie die Menschen ticken. Zeitgleich zu diesem Roman erscheint von Fredrik Backman auch die Novelle „Und jeden Tag wird der Weg nach Hause länger und länger“.

Backman Wir gegen euch


Auch als Hörbuch erhältlich bei Argon Hörbuch. Der bekannte Schauspieler Heikko Deutschmann gibt der starken, menschlichen Geschichte eine starke, feinfühlige Stimme. 19,95 Euro. Hörprobe

Krüger, 539 Seiten; 19,99 Euro


Doris Dörrie

daumen runter

Leben, schreiben, atmen

Leben schreiben atmen

Schreiben heißt für Doris Dörrie, das eigene Leben bewusst wahrzunehmen. Wirklich zu sehen, was vor unseren Augen liegt. Oder wiederzufinden, was wir verloren oder vergessen haben. Es ist Trost, Selbstvergewisserung, Anklage, Feier des Lebens. Doris Dörrie denkt in diesem Buch über das autobiographische Schreiben nach, gibt Tipps und kreative Anleitungen. Und sie erzählt selbst von ihrem eigenen Leben.

Als jemand, der auch selbst erfolgreich Romane schreibt, und sie seit über 17 Jahren als Kritiker bewertet, war ich gespannt, wie die bekannte Bestsellerautorin und Regisseurin Doris Dörrie sich dem Thema Schreiben widmen würde. Wenn ich noch nichts geschrieben hätte, und dieses Buch mir als erste Anleitung dazu gekauft hätte, würde ich sehr wahrscheinlich nicht mit dem Schreiben beginnen. Die Einlassungen von Doris Dörrie sind wenig originell und hilfreich. Sie beruhen eher auf das, was sie selbst erlebt und gefühlt hat. Doch über so etwas könnte jeder schreiben, nur würde es sich dann nicht verkaufen, weil man nicht Doris Dörrie hieß. Ohne den großen Namen Doris Dörrie würden von diesem Hardcover keine 100 Stück verkauft werden. Mit zahlreichen Werken hat mich Doris Dörrie als Romanautorin überzeugt, mit diesem Buch nicht!

Diogenes, 277 Seiten; 18,00 Euro


Eva Garcia Saenz

daumen rauf

Die Stille des Todes

Die Stille des TodesEs sterben immer zwei. Sie sind immer gleich alt. Und sie kennen sich nicht. Eine Stadt ist in Angst. In der Kathedrale von Vitoria liegt ein totes Paar, völlig nackt, die Hände auf der Wange des anderen. Das alles gleicht exakt einer Serie von Verbrechen vor zwanzig Jahren, die die Stadt in Atem hielt. Doch der Fall gilt als gelöst, der Täter sitzt in strenger Einzelhaft. Hat man damals einen Unschuldigen verurteilt? Inspector Ayala, genannt Kraken, und seine Kollegin Inspectora Gauna läuft die Zeit davon, denn der Killer hat einen Plan, und der fordert weitere Opfer …

„Die Stille des Todes“ ist der Beginn einer Thrillerreihe um den charismatischen Inspector Ayala, die in Spanien für Furor gesorgt hat! Und auch bei uns schlägt diese Thrillerreihe ein. Mehrere Auflagen sind gedruckt, die Leser sind begeistert. Ich kann dieses positive Echo nur teilen. „Die Stille des Todes“ ist ein extrem spannender Thriller mit vielen Besonderheiten! Ein spektakulärer Fall, ein Inspector, der selbst eine große Schau ist, die Nebendarsteller, die alle durch Tiefe und Eigenarten überzeugen, dazu der Schauplatz Spanien, der über die Geschichte hinaus noch viel Interessantes zu vermitteln hat. Sie werden bei der „Stille des Todes“ auch ganz still werden, und sich nur noch diesem Buch widmen! Lange warten muss man auf den zweiten Fall für Inspector Ayla „Das Ritual des Wassers“ auch nicht, dieser erscheint bereits im Oktober 2019.

Die Stille des Todes Audio


Auch als Hörbuch erhältlich bei Argon Hörbuch. Uve Tescher verleiht den Figuren Kraft und lässt einen den Thrill durch seine Stimme spüren. 19,95 Euro. Hörprobe auf argon-verlag.de

Scherz, 566 Seiten; 15,00 Euro


Ildikó von Kürthy

daumen rauf

Es wird Zeit

Es wird Zeit

„Was soll jetzt noch kommen?“ Judith ist fast fünfzig, und auf diese Frage fällt ihr leider keine zufriedenstellende Antwort ein. Die Kinder sind groß, ihr Mann ist in die Jahre gekommen und das Leben auch. Dann stirbt ihre Mutter, und Judith kehrt nach zwanzig Jahren in die alte Heimat zurück, wo sie ein gut gehütetes Geheimnis, ein leeres Grab und einen Haufen Hoffnungen, Träume und Albträume zurückgelassen hat. Und plötzlich gerät alles aus den Fugen. Eine lebenslange Lüge stellt sich als Wahrheit heraus. Eine wiedergefundene Freundin hofft, den nächsten Sommer noch zu erleben, und will endlich wissen, was damals wirklich passiert ist.

Nach einigen schwächeren Büchern in letzter Zeit hat Bestsellerautorin Ildikó von Kürthy mit „Es wird Zeit“ wieder einen Volltreffer gelandet! Es ist eine Geschichte, die einen auf so vielen Ebenen des Lebens anspricht. Wie ist das mit dem Älterwerden, wenn man eigentlich doch noch jung ist im Kopf? Wie verhält es sich mit den Veränderungen der Liebe mit fortschreitender Zeit? Es geht um Freundschaft, um den Tod, einfach um das Leben. Und der Witz kommt dabei auch nie zu kurz. „Es wird Zeit“ ist wohl eines der besten, wenn nicht das beste Buch aus der Feder der Bestsellerautorin Ildikó von Kürthy!

Wunderlich, 382 Seiten; 20,00 Euro


Inge Löhnig

daumen rauf

Unbarmherzig

Unbarmherzig

Gina Angelucci, Spezialistin für Cold Cases bei der Münchner Kripo, ist aus der Elternzeit in den Dienst zurückgekehrt. Ihr Ehemann und Kollege Tino Dühnfort betreut die kleine Tochter. Als in dem idyllischen Dorf Altbruck zwei Leichen gefunden werden, die mehrere Jahrzehnte verscharrt gewesen waren, übernimmt Gina die Ermittlungen. Die Identität der Toten nach so langer Zeit zu klären, erscheint zunächst als unlösbare Aufgabe. Dann wird klar, dass das weibliche Opfer aus dem Baltikum stammt. War sie eine Zwangsarbeiterin? Während Gina einen Mörder sucht, der vielleicht selbst nicht mehr am Leben ist, bemerken sie und Tino nicht, dass ihnen jemand ihr privates Glück missgönnt und es zerstören will.

Inge Löhnig ist bekannt geworden durch ihre überragende Kommissar-Dühnfort-Reihe. Nun hat sie mit der Gina-Angelucci-Reihe eine neue an den Start gebracht. Schon Band 1 „Gedenke mein“ erfüllte voll und ganz die hohen Erwartungen an die Bestsellerautorin. Gina Angelucci ist die deutsche weibliche Ausgabe des dänischen Phänomens aus dem „Sonderdezernat Q“, „Cold-Case”-Ermittler Carl Mørck! Psychologische Spannung mit Kick.

Ullstein, 384 Seiten; 12,99 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Leo Born

Brennende Narben

Brennende Narben Audio

Die Vergangenheit lässt der eigenwilligen Frankfurter Kommissarin Mara Billinsky keine Ruhe. Der Mörder ihrer Mutter wurde nie gefunden. Zudem hält der Mord an einer Edel-Prostituierten und ein Bombenanschlag auf der Autobahn das gesamte Kripo-Team in Atem. Eines Tages erhält Mara eine anonyme Warnung: Der „Wolf“ sei in der Stadt und im Visier habe er: – sie! Als Mara endlich erkennt, dass sie und ihre Kollegen nur Spielfiguren in einem kaltblütigen Krieg sind, ist es fast zu spät.

Nach „Blinde Rache“ und „Lautlose Schreie“ ist „Brennende Narben“ nun der dritte Thriller aus der Mara-Billinsky-Reihe. Nachdem schon die beiden Vorgänger überzeugen konnten, überzeugt nun auch das neue Buch aus der Reihe. Eine spannende Großstadtstory, die einem den Atem von Frankfurt spüren lässt. Mara Billinsky ist unkonventionell, unangepasst und hart. Ein tougher Frankfurt-Thriller mit einer starken Kommissarin! Gelsen wird dieses starke Gemisch von Sabina Godec. Sabina Godecs Stimme passt zum Genre Thriller perfekt. Mit ihr geht man auf eine Reise durch das düstere Frankfurt mit noch düsteren Charakteren. Hörprobe 10:00 Min.

Brennende Narben

 

Auch als Taschenbuch erhältlich bei Bastei Lübbe, 11,00 Euro..

Lübbe Audio, 6 CDs, 478 Minuten; 16,00 Euro


Denglers-buchkritik.de

Kolumne vom 9.09.2019 - Nr.577


Rita Falk

daumen rauf

Gugelhupfgeschwader

Gugelhupfgeschwader

»Du, Franz, ich brauch dringend deine Hilfe«, flüstert der Lotto- Otto dem Eberhofer ins Ohr und versaut ihm den Samstagabend mit der Susi. Dabei könnte er sich so schön feiern lassen, hat man doch in Niederkaltenkirchen beschlossen, dem erfolgreichen Dorfgendarm zu Ehren den Kreisverkehr auf den Namen ›Franz-Eberhofer-Kreisel‹ zu taufen! Stattdessen muss er sich nun darum kümmern, dass den brutalen Verfolgern vom Lotto-Otto rasch das Handwerk gelegt wird. Bevor er die Ermittlungen aufnehmen kann, geht allerdings der gesamte Lotto-Laden in die Luft – und der Eberhofer hat es jetzt auch noch mit einem Mord zu tun.

Das Lesen eines Eberhofer-Krimis sollten Sie in der Öffentlichkeit unbedingt vermeiden! Ansonsten kann es sein, dass Sie wegen ständigen lauten Lachen von der Polizei abgeführt werden. „Gugelhupfgeschwader“ ist das neueste bayerische Krimiwitzgeschoss von der genialen Rita Falk! Die Bestsellerautorin zeigt sich wieder bestens aufgelegt und erzählt köstlich deftige, zum schießen komische und zum grübeln spannende Krimikost.

franz eberhofer guglhupfgeschwader


Auch als Hörbuch erhältlich bei DAV. Christian Tramitz liefert wie immer eine kinoreife Vorstellung für die Ohren! 19,99 Euro. Hörprobe

dtv, 318 Seiten; 15,90 Euro


Cixin Liu

daumen runter

Jenseits der Zeit

Jenseits der Zeit

Ein halbes Jahrhundert nach der Entscheidungsschlacht hält der Waffenstillstand mit den Trisolariern immer noch stand. Die Hochtechnologie der Außerirdischen hat der Erde zu neuem Wohlstand verholfen, auch die Trisolarier haben dazugelernt, und eine friedliche Koexistenz scheint möglich. Der Frieden hat die Menschheit allerdings unvorsichtig werden lassen. Als mit Cheng Xin eine Raumfahrtingenieurin des 21. Jahrhunderts aus dem Kälteschlaf erwacht, bringt sie das Wissen um ein längst vergangenes Geheimprogramm in die neue Zeit. Wird die junge Frau den Frieden mit Trisolaris ins Wanken bringen – oder wird die Menschheit die letzte Chance ergreifen, sich weiterzuentwickeln?

Der Chinese Cixin Liu ist durch seine „Trisolaris“-Trilogie zum Weltbestsellerautor geworden. Mit „Jenseits der Zeit“ schließt er diese Trilogie nun ab. Begeistert habe ich die beiden Vorgänger „Die drei Sonnen“ und „Der dunkle Wald“ gelesen und gehört. Außergewöhnliche Science-Fiction-Literatur! Somit war die Vorfreude auf den Abschlussband natürlich groß. Doch leider enttäuscht Cixin Liu mit „Jenseits der Zeit“ über weite Strecken. Zu Anfang ist man noch angetan, auch weil man ja darauf gewartet hat, dass es weitergeht, doch mit zunehmender Seitenzahl dreht sich die Geschichte immer mehr um ihren eigenen Kosmos. Es wiederholt sich, es geht nichts vorwärts, die literarische Ödnis breitet sich aus. Ich hätte mir für den Abschluss der Trilogie mehr erhofft, trotzdem bleiben die ersten beiden Bände unantastbar.

Heyne, 990 Seiten; 17,99 Euro


Sally Rooney

daumen rauf

Gespräche mit Freunden

Gespräche mit FreundenFrances und ihre Freundin Bobbi, Studentinnen in Dublin, lernen das gut zehn Jahre ältere Ehepaar Melissa und Nick kennen. Sie treffen sich bei Events, zum Essen, führen Gespräche. Persönlich und online diskutieren sie über Sex und Freundschaft, Kunst und Literatur, Politik und natürlich, über sich selbst. Während Bobbi von Melissa fasziniert ist, fühlt sich Frances immer stärker zu Nick hingezogen.

Die junge Irin Sally Rooney, Jahrgang 1991, ist für ihren Debütroman „Gespräche mit Freunden“ gefeiert worden. Zurecht? Ja! „Gespräche mit Freunden“ hat den gewissen Beat, die Ruhe, die Aufmüpfigkeit, das pralle Beziehungsleben und alles was es mit sich bringt. Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von Frances. Sally Rooneys Stil ist nüchtern und analysierend, aber nicht weniger intensiv. Es passt zu den Charakteren und dem Geschehen. Die Charaktere strahlen – zu Anfang – alle keine große Wärme aus, aber trotzdem ist man angetan von ihnen, will immer mehr von ihnen erfahren. Und auch was passiert hat wenig romantische Züge, sondern vielmehr zeigt Sally Rooney eine Realität weit weg von der Gänseblümchen-Romantik. Beziehungen „sterben“ und „leben“ woanders wieder neu auf. Die Liebe und die Abneigung der Figuren untereinander, das Näherkommen, das Entfernen, das Aufflammen von Gefühlen und das Abflauen. Das ist alles spannend zu lesen, auch die Konstellation: eine jüngere Frau liebt eine jüngere Frau, eine ältere Frau liebt einen jüngeren Mann, ein älterer Mann liebt eine jüngere Frau, eine jüngere Frau liebt einen älteren Mann, eine jüngere Frau liebt eine ältere Frau. Obwohl Liebe eigentlich unangebracht ist, es ist die sexuelle, die magische Anziehungskraft, die über die Geschichte bestimmend ist. Sally Rooney ist die weibliche moderne Ausführung eines Richard Yates, der mit seinen zeitlosen Eheromanen Weltliteratur erschaffen hat. Mit „Gesprächen mit Freunden“ hat Sally Rooney einen sehr guten Anfang gemacht. Vielleicht gelingt ihr es mit weiteren Werken diesen Ruf nachhaltig zu bestätigen.

Luchterhand, 384 Seiten; 20,00 Euro


Stuart Turton

daumen rauf

Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle

Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle

Familie Hardcastle lädt zu einem Ball auf ihr Anwesen Blackheath. Alle Gäste amüsieren sich, bis ein fataler Pistolenschuss die ausgelassene Feier beendet. Evelyn Hardcastle, die Tochter des Hauses, wird tot aufgefunden. Unter den Gästen befindet sich jemand, der mehr über diesen Tod weiß, denn am selben Tag hat Aiden Bishop eine seltsame Nachricht erreicht. Tatsächlich wird Evelyn nicht nur ein Mal sterben. Bis der Mörder entlarvt ist, wiederholt sich der dramatische Tag in Endlosschleife. Doch damit nicht genug: Immer, wenn ein neuer Tag anbricht, erwacht Aiden im Körper eines anderen Gastes und muss das Geflecht aus Feind und Freund neu entwirren.

„Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle“ ist definitiv kein Kriminalroman von der Stange! Ein ausgebuffter und unglaublich kluger Krimi, der die Gehirnzellen ins schwitzen bringt. Abschalten dürfen Sie bei dieser Geschichte nicht, sonst könnte es sein, dass sie in einer ganz anderen Geschichte wieder ankommen. Stuart Turton hat mit seinem Debüt mächtig Eindruck hinterlassen. Das Buch erscheint in 25 Ländern.

Klett-Cotta, 603 Seiten; 24,00 Euro


Andreas Föhr

daumen rauf

Tote Hand

Tote Hand föhr

Kommissar Clemens Wallner von der Kripo Miesbach und Polizeiobermeister Leonhardt Kreuthner bekommen alle Hände voll zu tun, als ausgerechnet der Schafkopf-Held Johann Lintinger durch eine Schrottschere seiner rechten Hand beraubt wird. Ein würdiges Begräbnis muss her für diese legendäre Rechte, beschließt Polizeiobermeister Leonhardt Kreuthner, und so wird gleich neben einer alten Kapelle ein Grab ausgehoben. Doch der Ruheplatz ist bereits belegt: von einer männlichen Leiche. DNA-Untersuchungen ergeben, dass es sich um den seit einem Jahr vermissten Vermögensberater Daniel Ulrich, ansässig in Frankfurt, handelt. Er soll in Miesbach einen Wagen gestohlen haben. Doch warum? Und wo sind seine Frau und sein Sohn?

Wenn Bestsellerautor Andreas Föhr sein Ermittlerduo Wallner & Kreuther zum Einsatz schickt ist großartige Krimiunterhaltung garantiert! Wie kaum ein anderer Krimiautor in Deutschland mischt Andreas Föhr eine ansprechende Krimihandlung mit bissigem Humor. „Tote Hand“ ist mittlerweile der achte Band des Ermittlerduos und reiht sich qualitativ nahtlos bei den bisherigen Bänden ein.

Tote Hand Hörbuch


Auch als Hörbuch erhältlich bei Argon Hörbuch. Michael Schwarzmaier liest gewohnt pointiert und schwungvoll. Schwarzmaier & Föhr – eine gute Kombination! 19,95 Euro. Hörprobe

Knaur, 380 Seiten; 14,99 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Thomas Herrmanns

Netter is better

Netter ist better

„You better be nice, da hast du was davon“, sagt Thomas Hermanns, erfolgreicher Moderator, Regisseur, Entertainer und Gründer des Quatsch Comedy Clubs – und das berühmteste Lächeln im deutschen Fernsehen. In Deutschland gerät gute Laune schnell unter den Verdacht von Oberflächlichkeit oder sogar Dummheit. Wer Erfolg haben will, muss sich eher durchbeißen, als gut gelaunt seine Ziele zu erreichen „All das völlig zu Unrecht!“, sagt Thomas Hermanns. Der Mann, der das unbeschwerte Lachen nach Deutschland importierte, gilt als einer der nettesten Menschen der Unterhaltungsindustrie. Er war schon immer überzeugt davon, dass man freundlich viel besser durchs Leben kommt – und seine Geschichte ist der beste Beweis dafür.

Sei freundlich zu deinen Mitmenschen, dann wird es auch dir besser gehen. Würden alle nach Thomas Herrmanns Credo leben, oh was wäre unsere Welt für ein Paradies! In „Netter is better“ erzählt Thomas Herrmanns von einem Leben, das aus Nettigkeit besteht, aber ohne dabei seine Ziele aus den Augen zu verlieren. Denn man kann Erfolg haben und nett dabei sein. Vor gut dreißig Jahren brachte er uns Karaoke bei und einige Jahre später fing er ganz klein mit dem Quatsch Comedy Club an. Dort traten alle Größen der deutschen Comedian-Szene auf – als sie noch ganz unbekannt waren. Man kann Thomas Herrmanns wahrlich als Wegbegleiter der guten Laune in Deutschland ansehen. Ohne ihn würde man im ernsten Deutschland sicher weniger zu lachen haben. Thomas Herrmanns liest „Netter is better“ natürlich selbst. Und man merkt ihm die Freude an seinem Text, an seiner gelebten Geschichte an. Das ist ansteckend! Hörprobe 12:13 Min.

Lübbe Audio, 5 CDs, 332 Minuten; 18,00 Euro


Denglers-buchkritik.de

Kolumne vom 2.09.2019 - Nr.576


Daniel Mason

daumen rauf

Der Wintersoldat

Der Wintersoldat

Der hochbegabte Wiener Medizinstudent Lucius meldet sich beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges freiwillig und landet im eisigen Winter 1914 in einem abgelegenen Dorf in den Karpaten, in einer zum Behelfshospital umfunktionierten Kirche, wo ihm die junge Nonne Margarete erst alles beibringen muss. Und als sie sich verlieben, auch das. Eines Tages bringt man ihnen einen bewusstlosen Soldaten, der äußerlich keine Verletzungen aufweist, aber so traumatisiert ist, dass er zu sterben droht. Ein bislang unbekanntes Krankheitsbild, Folge des ununterbrochenen Granatenbeschusses. Lucius entdeckt eine Heilungsmethode, auf die der Soldat anspricht. Aber als ein Aushebungskommando kommt und den Mann wieder an die Front schicken will, trifft Lucius gegen den Rat von Margarete eine folgenschwere Entscheidung.

„Der Wintersoldat ist absolut mitreißend! Daniel Mason seziert die damalige Zeit und den Krieg, die Menschen und die Verwundungen, die Liebe und die Gefühle. Er hat einen Erzählstil, den man sich nicht entziehen kann! „Der Wintersoldat“ zeigt auf erschreckende Weise, was nach dem Schlachtfeld im Großen Krieg folgte. Die zerfetzten Körper in den Gräben und dem Schlachtfeld waren das eine, die andere Seite waren die, die Arme, Beine und Füße verloren, die mit fußballgroßen Wunden angekarrt wurden, Wunden, die mit Läusen übersät waren. Dazu die psychischen Schäden, die die Soldaten erlitten. Es läuft einen fortwährend ein Schauer des Schreckens über den Rücken. Man erfährt aber auch viel über das, was damals in der Medizin möglich war, vor allem mit den wenigen Mitteln während der Kriegszeit, und was nicht. Ein interessanter Einblick in die Medizinwelt von damals. „Der Wintersoldat“ erinnert an „Doktor Schiwago“. Und das ist das allergrößte Lob, das man einem Roman machen kann!

C. H. Beck, 430 Seiten; 24,00 Euro


Wolf Biermann

daumen runter

Barbara

Barbara

„Barbara« versammelt mehrere Erzählungen. Da ist Ruth Berlau, die tragische Geliebte Brechts, die sich ihre übermächtige Feindin Helene Weigel nicht kleinreden lassen will – und schon gar nicht kleinsingen! Der Autor erzählt die wahre Geschichte von der “beißwütigen Barbara“ und vom Mann, der sich für Rembrandt hält. Vom Ostberliner Stricher, dessen Frau Monika ihm das Brotmesser in den Rücken rammt, oder von seiner Liebesaffäre mit einer zerbrechlichen Geigen-Gitarre. Der nette alte SS-Mann in Ostberlin fragt: Bin ick’n Mensch? Erstmals erzählt der Autor von proletarischer Sexualaufklärung und warum seine Mutter ihn ohrfeigte, ein einziges Mal. In seinem Ostberliner Lotterbett liegt die traumhafte Geliebte Garance, die sich an der langen Leine der Stasi in Westberlin prostituieren muss.

Der 1936 geborene Dichter und Liedermacher Wolf Biermann war die Stimme des Widerstands in der DDR. Ich war gespannt auf seine „Liebesnovellen und andere Raubtiergeschichten“. Das Cover hatte auch ihren Reiz und versprach einiges. Doch leider hielten die 18 Kurzgeschichten nicht das, was man sich aus der Feder eines Wolf Biermann versprochen hatte, vor allem, wenn man noch seine klasse Autobiographie vor Augen hat. Manche Geschichten haben ihren Reiz, sie waren hintergründig und spannend verfasst, doch die meisten Geschichten sind literarisches Palaver. Und auch diesen Kurzgeschichten haftet an, dass teils spannende Stoffe kurz und lieblos abgehandelt wurden..

Ullstein, 287 Seiten; 20,00 Euro


Thomas Thiemeyer

daumen rauf

Wicca – Tödlicher Kult

Wicca Tödlicher KultArchäologin Hannah Peters wird von einer Freundin um Hilfe gebeten: Leslie Rickert ist einem uralten Hexen-Kult auf der Spur, der für das Verschwinden mehrerer Jugendlicher verantwortlich sein könnte. Ihre Recherchen führen die beiden Frauen über die berühmte Felsenstadt Petra in Jordanien und die dort wurzelnde Sage vom Baum des Lebens bis an die Küste Südenglands, wo vor Jahrhunderten ein Samen jenes mythischen Baumes gepflanzt worden sein soll. Hannah und Leslie können nicht ahnen, dass nicht nur die Anhänger des Wicca-Kultes über Leichen gehen würden, um ihr Geheimnis zu wahren - sondern auch ein Wesen, für das die Wissenschaft nicht einmal einen Namen hat.

Nach „Medusa“, „Nebra“, „Valhalla“ und „Babylon“ ist „Wicca“ der fünfte Band um die findige Archäologin Hannah Peters. Thomas Thiemeyer lesen heißt großes Hollywood-Kino lesen! Wie eh und je begeistert der deutsche Bestsellerautor mit einem unwiderstehlichen Mix aus Wissenschaft, Action, Mystik und reichlich Spannung. Die Figur der Hannah Peters gibt dem Ganzen dann noch eine besondere Note, denn Hannah Peters hat Mumm und man will ihr immer auf den Fersen bleiben. Ein Hollywood-Produzent sollte dringend die Rechte an den fünf Romanen erwerben und daraus großes Kino machen. Thomas Thiemeyer hat die bestmöglichen Vorlagen dazu geliefert.

Knaur, 485 Seiten; 19,99 Euro


The Washington Post

daumen rauf

Der Mueller Report

Der Mueller Report

Die eminent wichtigen Untersuchungen Robert Muellers fokussieren sich auf Donald Trump, seinen Wahlkampf und die Einmischungen der Russen in die Wahl von 2016. Sie greifen zurück auf zahlreiche Zeugenaussagen und auf die Arbeit der erfahrensten Ermittler der USA. Die Untersuchungen des Sonderermittlers könnten einen entscheidenden Wendepunkt in der Geschichte Amerikas bedeuten.

Die Ausgabe der „Washington Post“ beinhaltet den Bericht, eine Einführung über den seit 2017 geführten Kampf um die Bewahrung der amerikanischen Demokratie, eine Chronik mit den wichtigsten Ereignissen der Sonderermittlungen, ein Glossar der beteiligten Personen und Institutionen, darunter der Stab des Sonderermittlers, das Justizministerium, das FBI, das Wahlkampfteam von Donald Trump, das Weiße Haus, Trumps Anwaltsteam und die russischen Akteure. Muellers Schlüsseldokumente der Untersuchung, darunter Dokumente zu General Michael T. Flynn, Paul Manafort, Michael Cohen, Roger Stone und zur russischen Internet-Operation. Jedes Dokument wird von den Journalistinnen und Journalisten der „Washington Post“ eingeleitet und erläutert. Der Bericht ist sachorientiert verfasst, daher manchmal etwas zäh, das aber schmälert keinesfalls das Gesamturteil. Die zahlreiche Schwärzung muss man hinnehmen, lassen den Leser aber trotzdem nicht im Dunkeln stehen. Ein politisch höchst interessantes Buch! Es wird als ungeheuer wichtiges zeithistorisches Dokument in die amerikanische Geschichte eingehen.

Ullstein, 1.176 Seiten; 50,00 Euro


Reinhold Messner

daumen rauf

Der Eispapst

Der Eispapst

Wilhelm Welzenbach ist der beste Bergsteiger seiner Zeit. Er durchsteigt viele der großen Eiswände der Alpen, ein Dutzend davon als Erster. Seine farbigen Vorträge darüber fesseln Tausende von Menschen. 1929 fasst er den Entschluss, den 8125 Meter hohen Nanga Parbat im Himalaya zu ersteigen. Aber sein Plan wird von seinen Konkurrenten im Alpenverein, angeführt von Paul Bauer, hintertrieben. Dessen nationale Gesinnung zählt jetzt mehr als Welzenbachs Können und Charakter. Erst 1934 kann Welzenbach an einer deutschen Expedition zum Nanga Parbat teilnehmen. Sie steht allerdings nicht unter seiner Leitung, folgt nicht seinem Plan – und scheitert katastrophal.

Mit „Der Eispapst“ hat Reinhold Messner ein ganz besonderes Buch geschrieben! Es hat etwas von einem Doku-Roman, einem Krimi, einem Drama, ist Bergsteigerroman und zeigt ein historisch interessantes Bild der damaligen Zeit. Gut, dass Reinhold Messner „Die Akte Welzenbach“ nochmals geöffnet hat. Er hat daraus ein spannendes Buch gemacht!

S. Fischer, 416 Seiten; 24,00 Euro


Hörbuch der Woche

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Marie Lamballe

Café Engel – Schicksalhafte Jahre

Café Engel Schicksalhafte Jahre Cover

Wiesbaden, 1951. Das Café Engel hat Konkurrenz bekommen. Neben dem Traditionscafé der Familie Koch hat sich das modernere Café König niedergelassen. Während Hilde Koch vergeblich versucht, ihre Eltern von einer Modernisierung des Cafés zu überzeugen, droht auch ihre hart erkämpfte große Liebe zu scheitern. Um das Glück ihres Bruders August steht es nicht besser. Nach seiner Rückkehr aus russischer Kriegsgefangenschaft fällt seine Wahl ausgerechnet auf eine junge Russin, deren Ankunft die Familie zu spalten droht.

„Café Engel“ ist eine Nachkriegssaga, die berührt, begeistert und einen in das langsam aufflammende Wirtschaftswunder-Deutschland entführt! Nach dem Krieg ging es wieder bergauf in Deutschland, Marie Lamballe macht sich das zum Thema und verlegt ihre Geschichte in ein Café in Wiesbaden, was ein guter Erzählkniff ist. Man erlebt dort mit, wie es den Menschen ergeht, ihre Wünsche, Träume und die Aussicht auf Veränderung. Nach dem ersten Teil „Eine neue Zeit“ setzt Marie Lamballe die Saga in „Schicksalhafte Jahre“ mitreißend fort. Gelesen wird dieser Roman von Irina Scholz, Sprecherin von Hörbüchern, Radio- und Fernsehbeiträgen. Irina Scholz findet den richtigen Ton für die Zeit und die Figuren! Hörprobe 17:06 Min.

Café Engel Schicksalhafte Jahre

 

Auch als Taschenbuch erhältlich bei Bastei Lübbe, 10,00 Euro.

Lübbe Audio, 6 CDs, 437 Minuten; 16,00 Euro


Denglers-buchkritik.de

Aktuelle Kolumne vom 26.08.2019 - Nr.575


Joy Fielding

daumen rauf

Blind Date

blinddate buch

Er nennt sich Mr. Right Now – und das Profil auf seiner Datingseite ist äußerst attraktiv. Nichts weist darauf hin, dass der sympathische Mann mit dem gewinnenden Lächeln eine ganz besondere Neigung hat. Und dass er eine tödliche Überraschung bereithält, wenn der romantische Abend beendet ist. Zur gleichen Zeit suchen vier Frauen auf unterschiedliche Weise ihr Glück im Internet: die junge Paige, ihre beste Freundin Chloe, ihre Mutter Joan und ihre Cousine Heather. Sie alle sehnen sich nach einem Neubeginn in ihrem Leben. Und dann hat eine von ihnen ein vielversprechendes Date. Sein Name ist Mr. Right Now …

„Blind Date“ ist ein spannender und moderner Thriller! Er verknüpft das allgegenwärtige Thema Online-Dating und wie eine Paarbeziehung in unserer schnelllebigen Gesellschaft aussehen kann. Wer einen reißerischen Thriller erwartet wird von „Blind Date“ eher enttäuscht sein. Joy Fielding nimmt sich dem Online-Dating auf andere Weise an. Ein Thema, das im Thrillergenre wahrlich nichts Neues ist. Doch man kann immer noch etwas Gutes daraus machen, und das tut die Weltbestsellerautorin. Der Beginn hat richtig viel Thrill, dann schaltet „Blind Date“ gleich um einige Gänge herunter und geht in den Rosamunde-Pilcher-Modus über, was aber keinesfalls negativ ist, nur eben anders, als man es vielleicht erwartet, bevor „Blind Date“ dann ganz langsam wieder Gas gibt. Zum Ende hin steigt der Spannungspegel schlagartig an und überrascht mit einem unerwarteten Schluss.

blinddate
Auch als Hörbuch erhältlich bei der Hörverlag. Die bekannte Schauspielerin Petra Schmidt-Schaller sorgt mir ihrer einnehmenden Stimme für einen spannenden Hörgenuss! 20,00 Euro. Hörprobe 4:52 Min.

Goldmann, 477 Seiten; 20,00 Euro


Max Annas

daumen runter

Morduntersuchungskommission

Morduntersuchungskommission

An einer Bahnstrecke nahe Jena wird 1983 eine entstellte Leiche gefunden. Wie ist der junge Mosambikaner zu Tode gekommen? Oberleutnant Otto Castorp von der Morduntersuchungskommission Gera sucht Zeugen und stößt auf Schweigen. Doch Indizien weisen auf ein rassistisches Verbrechen. Als sich dies nicht länger übersehen lässt, werden die Ermittlungen auf Weisung von oben eingestellt. Denn so ein Mord ist in der DDR nicht vorstellbar. Also ermittelt Otto Castorp auf eigene Faust weiter. Und wird dabei beobachtet.

Max Annas hat mit seinen Krimis „Die Farm“, „Die Mauer“, „Illegal“ und „Finsterwalde“ Krimipreise gewonnen, die Leser konnte er nicht durchweg überzeugen. Wie stark würde sein neuer Krimi „Morduntersuchungskommission“ werden? Eine Krimipreis-Jury wird ihn wohl feiern, die Leser eher weniger. Die Thematik ist sehr interessant und die Zeit, in der Annas die Geschichte angesiedelt hat, ebenfalls. Doch was mich störte, waren die weit ausholenden Beschreibungen, die alle nichts mit dem eigentlichen Kriminalfall zu tun hatten. Und da gab es reichlich viele. So ist die „Morduntersuchungskommission“ kein richtig spannender Krimi, sondern mehr ein kleiner Gesellschaftsroman der damaligen Zeit in der DDR. Aber auch hier ist es dann zu wenig, um in diesem Genre überzeugen zu können.

Rowohlt, 343 Seiten; 20,00 Euro


Dror Mishani

daumen rauf

Drei

Drei Dror MishaniEine Frau sucht ein wenig Trost, nachdem ihr Mann sie und ihren Sohn verlassen hat. Eine zweite Frau sucht nach einem Zuhause und nach einem Zeichen von Gott, dass sie auf dem richtigen Weg ist. Eine dritte Frau sucht etwas ganz anderes. Sie alle finden denselben Mann. Es gibt vieles, was sie nicht über ihn wissen, denn er sagt ihnen nicht die Wahrheit. Aber auch er weiß nicht alles über sie.

 

In dem Bestseller des israelischen Autors Dror Mishani wird u. a. das Thema Online-Dating anders behandelt wie in Joy Fieldings Thriller. Aber bei weitem nicht weniger spannend. Hier geht es um die tiefliegenden Gefühle und Emotionen der Figuren, die berühren und das Buch enorm spannend machen. „Drei“ war in Israel eine echte Buchsensation. Dror Mishani versteht es in wenigen Sätzen seine Figuren intensiv und gefühlsstark darzustellen. Zudem erzeugt er Spannung in dem, was er nicht erzählt. Was man nur langsam erfährt. „Drei“ ist ein intensiver Beziehungsroman, eine Art Beziehungskrimi, und er zeigt eine Seite des gesellschaftlichen Bildes Israels.

Diogenes, 335 Seiten; 24,00 Euro


Cassandra Clare

daumen rauf

Queen of Air and Darkness – Die Dunklen Mächte 3

Queen of Air and Darkness Die Dunklen Mächte 3

Die Gemeinschaft der Schattenjäger steht kurz vor einem Bürgerkrieg. Unversöhnlicher Hass erfüllt die einzelnen Gruppen, und auf den Stufen des Ratssaales ist unschuldiges Blut vergossen worden. Auch die Blackthorns haben einen schrecklichen Verlust erlitten, und in tiefer Trauer flieht die Familie nach Los Angeles. Nur Julian und Emma machen sich auf den Weg ins Feenreich. Trotz der Gefahren, die der Fluch ihrer verbotenen Liebe mit sich bringt, wollen sie dort das Schwarze Buch der Toten wiederbeschaffen. Stattdessen entdecken sie ein Geheimnis, so dunkel und gefährlich, dass es die gesamte Unterwelt zu vernichten droht.


Nach „Lady Midnight“ und „Lord of Shadows“ beendet die Bestsellerautorin Cassandra Clare die “Dunklen-Mächte”-Trilogie mit “Queen of Air und Darkness” spektakulär! Es gibt Autorinnen, die schaffe es, einen nicht mal auf 100 Seiten zu fesseln, Cassandra Clare schafft es mit „Queen of Air und Dakness“ einen auf über 1.000 Seiten zu fesseln. Ein Kunststück! Cassandra Clares Schattenjäger-Romane sind Kult!

Goldmann, 1.021 Seiten; 20,00 Euro


Karin Kalisa

daumen rauf

Radio Activity

Radio Activity

Überstürzt ist Nora in ihre Heimatstadt zurückgekehrt, um ihrer Mutter, die im Sterben liegt, nahe zu sein. Unter der Last des viel zu frühen Abschiednehmens bricht eine nur oberflächlich verheilte Wunde auf, und ein Verbrechen, dessen Opfer ihre Mutter als Kind geworden ist, wird offenbar. Nora erstattet Anzeige und erhält eine niederschmetternde Antwort: Verjährt. Am Mikrofon beginnt sie als Radiosprecherin ein gefährliches Spiel, um die Hörerschaft gegen den Täter zu mobilisieren. Als es schon fast zu spät ist, findet sie gemeinsam mit Simon, einem Rechtsreferendar, einen anderen Weg. Dass dabei die Grenzen der Legalität strapaziert werden, ist eine Sache. Eine andere die Frage, was Nora und Simon noch sein können …


In einem unverwechselbaren Ton erzählt Karin Kalisa in „Radio Activity“ eine Geschichte, die einen berührt, nahe geht, nachdenken lässt, einen mitnimmt auf eine ganz besondere Reise! Karin Kalisa hat zu ihrem unverwechselbaren Ton auch Figuren erschaffen, die einen ans Herz wachsen. „Radio Activity“ wird keinen Leser kalt lassen!

C. H. Beck, 351 Seiten; 22,00 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Herman Melville

Moby-Dick

Moby Dick X CD2

„Da bläst er! - Da bläst er! Ein Buckel wie ein Schneeberg! Es ist Moby Dick.“ Der weiße Wal und Kapitän Ahab, sein von unauslöschlichem Hass getriebener Jäger, sind mythische Figuren, die sich von Buch und Autor längst gelöst haben. Und doch ist Hermann Melvilles Bericht von einem ungeheuerlichen Abenteuer ein Werk, das es immer wieder zu entdecken gilt.

Aus Anlass des Erscheinens von Herman Melvilles „Mardi und eine Reise dorthin“, den ich letzte Woche besprochen habe, widme ich diese Woche Herman Melvilles großem Klassiker „Moby-Dick“ das Hörbuch der Woche. Dieses 10 CDs umfassendes, mehrfach ausgezeichnetes Hörspiel ist bereits 2009 erschienen. Hat aber natürlich bis heute nichts von seiner Strahlkraft verloren. Das ist großes Hörspiel-Kino für die Ohren! Eine Produktion, die sich wahrlich abhebt. Die fabelhaften Sprecher wie Rufus Beck, Felix von Manteuffel, Manfred Zapatka, Ulrich Matthes und viele andere machen aus diesem Hörspiel ein Erlebnis. Da kommt bei dem manchmal etwas zäheren Stoff niemals Langeweile auf. „Moby-Dick“ muss man gelesen und gehört haben! Hörprobe 3:00 Min.

Der Hörverlag, 10 CDs, 540 Minuten; 29,95 Euro


Denglers-buchkritik.de

Kolumne vom 19.08.2019 - Nr.574


C. J. Tudor

daumen rauf

Lieblingskind

Lieblingskind

Eines Nachts verschwand seine geliebte Annie. Aus ihrem eigenen Bett. Das ganze Dorf hat sie gesucht, überall. Alle haben das Schlimmste befürchtet. Und dann, wie durch ein Wunder, kehrte sie vierundzwanzig Stunden später zurück. Aber sie konnte – oder wollte – nicht sagen, was ihr zugestoßen war. Und auch er konnte es sich nicht erklären. Er wusste nur, dass sie nicht mehr dieselbe war. Nicht mehr seine Annie. Und er bekam Angst - mörderische Angst vor seiner eigenen kleinen Schwester ...

C. J. Tudor hat im letzten Jahr mit dem „Kreidemann“ einen der Thriller des Jahres geschrieben. Er war weltweit auf den Bestsellerlisten. Nun folgt ihr zweites Buch „Lieblingskind“. Stephen King hat sich in dieses Buch verliebt. Nach der Lektüre weiß man, warum das so ist. „Lieblingskind“ hat etwas von einem Stephen-King-Roman. Das Unheimliche, die Spannung, die lebendigen Figuren, einen starken Erzählton. „Lieblingskind“ wird Sie schnell in seinen Bann ziehen und nicht mehr loslassen. So werden Sie während der Lektüre auch zu einem Bewohner der Kleinstadt Arnhill. Mit dramatischen Folgen für Ihr Nervenkostüm!

Goldmann, 430 Seiten; 15,00 Euro


Neil Gaiman

daumen runter

Zerbrechliche Dinge

Zerbrechliche Dinge

Die Magie von Geschichten zieht sich wie ein roter Faden durch Neil Gaimans Werk. In diesen Erzählungen und Gedichten geht es u. a. um einen mysteriösen Zirkus, der sein Publikum in Angst und Schrecken versetzt, wie Sherlock Holmes in einem seltsam verzerrten viktorianischen England einen royalen Mord aufklären muss oder eine Gruppe von Feinschmeckern nach der letzten ungekosteten Gaumenfreude forscht.

Neil Gaiman, der mit „American Gods“ einen Klassiker der Moderne geschrieben hat, ist ein großartiger Autor! Aber auch dieser kann auf Abwege geraten, und das ist Neil Gaiman mit seinem neuen Buch „Zerbrechliche Dinge – Geschichten und Wunder“. Die 31 Geschichten auf 409 Seiten sind von sehr unterschiedlicher Qualität. Manche ließen die fantastischen Neil-Gaiman-Qualitäten aufblitzen, andere wiederum waren sterbenslangweilig. So ist man immer hin- und hergerissen. Überzeugen konnte mich diese Sammlung nicht, auch wenn das Buch einige Auszeichnungen bekommen hat. Manche Geschichten verdienen vielleicht diese Auszeichnungen, aber keinesfalls alle 31 Geschichten.

Eichborn, 409 Seiten; 16,00 Euro


Rachel Kushner

daumen rauf

Ich bin ein Schicksal

Ich bin ein SchicksalRomy Hall tritt eine zweimal lebenslängliche Haft in der Stanville Women’s Correctional Facility an, tief in Kaliforniens Central Valley. Draußen die Welt, von der sie nunmehr abgeschnitten ist: San Francisco, wo sie aufwuchs und wo ihr kleiner Sohn Jackson lebt. Drinnen eine ganz neue: Hunderte Frauen, die um das Nötigste zum Überleben kämpfen; ständiges Bluffen und Katzbuckeln und die beiläufige Gewalt durch Aufsichtspersonal wie Gefangene. Aber es gibt auch einen Hoffnungsschimmer am Horizont: einen noch an Ideale glaubenden Sozialarbeiter, der sich der jungen Frau annimmt.

Die junge Amerikanerin Rachel Kushner konnte mich schon mit „Flammenwerfer“ und „Telex aus Kuba“ begeistern. Nun erscheint ihr neuer Roman „Ich bin ein Schicksal“. Und auch diesen Roman lobt Stephen King in höchsten Tönen. Vollkommen zu Recht! Ein Roman, der einen gewaltig durchschüttelt! Durch Rachel Kushers Erzählung spürt man die Enge, die Ausweglosigkeit, das Verlorengehen des Menschseins bis ins Mark. Man wird Mitinsasse in dem Frauengefängnis und weiß schnell, dass man in diese Hölle niemals wollen würde. Doch sie verliert nie das kleine Stückchen Hoffnung aus den Augen, das man braucht, um dieses Leben meistern zu können. Kushner schafft es auch, mach humorvolle Passagen unterzubringen. Geschickt erzählt, abwechselnd in der Gegenwart und der Vergangenheit, als noch kein Gefängnisleben auf der Tagesordnung stand.

Rowohlt, 393 Seiten; 24,00 Euro


Andrei Kurkow

daumen rauf

Graue Bienen

Graue Bienen

Der Bienenzüchter Sergej lebt im Donbass, wo ukrainische Kämpfer und prorussische Separatisten Tag für Tag aufeinander schießen. Er überlebt nach dem Motto: Nichts hören, nichts sehen – sich raushalten. Ihn interessiert nur das Wohlergehen seiner Bienen. Denn während der Mensch für Zerstörung sorgt, herrscht bei ihnen eine weise Ordnung und wunderbare Produktivität. Eines Frühlings bricht er auf: Er will die Bienen in eine Gegend bringen, wo sie wieder in Ruhe Nektar sammeln können.

Krieg und Bienen, wie geht das zusammen? In „Graue Bienen“ von Andrei Kurkow erfährt man das auf sehr anschauliche Weise. Taktgeber des Romans ist natürlich der Krieg in der Ukraine. Ein Krieg, der so nah ist und für uns doch so weit entfernt. „Graue Bienen“ ist düster, weil es nicht anders funktioniert, will man das beschreiben, was sich im Grenzland zu Russland abspielt. Aber doch auch hell leuchtend, denn der Autor findet einen Ton, der einen auch immer wieder mal schmunzeln lässt.

Diogenes, 445 Seiten; 24,00 Euro


Herman Melville

daumen rauf

Mardi und eine Reise dorthin

Mardi und eine Reise dorthin

Südsee und Abenteuer, Liebe und Geheimnis, Zivilisations- und Gesellschaftskritik: All das findet sich in Herman Melvilles Roman „Mardi“. Alles beginnt mit einer Flucht: Der Erzähler desertiert von einem Walfänger, auf dem er erfolglos den Pazifik durchstreift hat. Die Begegnung mit einem unwiderstehlich schönen Mädchen führt ihn zunächst nach Mardi, dann zu weiteren Südsee-Idyllen und in den weiten Ozean enthemmten Fabulierens.

 


Herman Melville (1819 – 1891) hat mit „Moby Dick“ großartige Weltliteratur geschrieben! Nun bringt Manesse den fantastischen Roman „Mardi und eine Reise dorthin“ heraus. 1849 entstanden gilt er als Vorläufer von „Moby Dick“. Eine Geschichte voller Fantasie, toller Einfälle, starken Figuren und szenisch spannenden Beschreibungen.

Manesse, 824 Seiten; 45,00 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Jeanne Marie Laskas

Briefe an Obama

briefe an obama hörbuch

Was tut ein US-Präsident, wenn er wissen will, wie es um sein Land steht? Er liest. Während seiner Amtszeit gingen täglich Zehntausende Briefe im Oval Office ein. Jeden Abend las Barack Obama zehn ausgewählte Schreiben, einige beantwortete er persönlich. Zu Wort kommen Obama-Anhänger ebenso wie politische Gegner, vom Schulkind bis zum Kriegsveteranen. Was sie bewegt: die Folgen der Finanzkrise, die geplante Gesundheitsreform, soziale Gerechtigkeit, Bildungschancen und Start-up-Ideen, das Schicksal der Soldaten im Auslandseinsatz oder schlicht Schulaufgaben.

Sie wollen die Stimme Amerikas hören, dann lesen Sie dieses Buch! Oder hören das Hörbuch mit den ausgezeichneten Sprechern. Was fühlten und dachten die Menschen während der Präsidentschaft Barack Obamas? „Brief an Obama“ verrät es Ihnen. Was waren ihre wichtigsten Anliegen? Hier erfährt man es. Die Themen sind ausgewogen und vielfältig, so dass es auch für den Zuhörer immer spannend bleibt. Jeanne Marie Laskas hat das Buch gut aufgebaut und am Ende ist man traurig, weil man weiß, dass Barack Obama nun nicht mehr Präsident ist und keine Briefe mehr mit seinem Charme und Einfühlungsvermögen beantworten wird. Ein kleiner Makel hat das Buch und das Hörbuch dann doch: die Zeit, oder eher Donald Trump, hat Amerika eingeholt. Gelesen werden die Geschichte und die Briefe von Christian Baumann, Julia Cortis, Juliane Köhler und Franz Pätzold. Hörprobe 3:36 Min.

briefe an obama

 

Auch als Hardcover erhältlich bei Goldmann, 22,00 Euro..

 
Der Hörverlag, 8 CDs, 583 Minuten; 22,00 Euro


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Aktuelle Kolumne vom 12.08.2019 - Nr.573


Lucy Clarke

daumen rauf

Das Haus am Rand der Klippen

Das Haus am Rand der Klippen

Das Haus am Rand der Klippen war Elles größter Traum. Doch kaum eingezogen, liegt ihre Welt in Trümmern: Ihre Ehe zerbricht, sie ist bankrott, und ihr Verlag drängt auf ihr neues Buch, während sie mit Schreibblockaden und Schlaflosigkeit kämpft. Der Abgabetermin rückt näher, ihre Existenz hängt davon ab, und vielleicht liegt es an den angespannten Nerven, dass sie sich ständig beobachtet fühlt. Doch als Elle von einer Reise zurückkehrt, spürt sie schon beim Betreten ihres Hauses, dass etwas anders ist. Jemand war hier. Und hat ihr schlimmstes Geheimnis entdeckt.

Die Engländerin Lucy Clark schrieb die Bestseller „Der Sommer, in dem es zu schneien begann“, „Die Landkarte der Liebe“, „Das Haus, das in den Wellen verschwand“ und „Die Bucht, die im Mondlicht versank“. Nun liegt ihr neuer Roman vor. „Das Haus am Rand der Klippen“ hat eine geheimnisvolle Atmosphäre, ein Haus als ungewöhnlicher zweiter Hauptdarsteller und eine Heldin, mit der man mitleidet und mitfiebert und mitgerissen ist von dem was mit ihr und um sie herum alles passiert! Bestsellerautorin Lucy Clark lässt einen ganz schnell in die Haut von Bestsellerautorin Elle Fielding schlüpfen. Zugleich zeigt Clark intensive Einblicke in die Innenwelt einer Autorin. Viele träumen davon beruflich ein Autor zu sein, doch Clark zeigt, dass dieser Traum sich auch ins Gegenteil verkehren kann. Die Auflösung der Geschichte ist dann ein echter Knaller! Lucy Clark weiß, wie man einen spannenden Roman richtig erzählt.

Piper, 415 Seiten; 15,00 Euro


Judith Winter

daumen runter

Finsterwald

Finsterwald

Buchstabe für Buchstabe entziffert Kathrin Stiller die Botschaft, die sie auf einem Zettel in ihrem Verlies aus Angst und Einsamkeit gefunden hat. Es ist kalt und es ist immer Nacht. Ihre Lage scheint aussichtslos – aber nun schöpft sie Hoffnung: Also ist sie nicht die Erste, die hierher verschleppt wurde. Es muss schon jemand vor ihr da gewesen sein. Plötzlich ist sich Kathrin sicher, dass „die andere“ nicht mehr am Leben ist. Sie ist durch diese Tür gegangen und gestorben. Drinnen wartet ein langsamer Tod. Draußen wartet noch Schlimmeres. Ein Serienkiller verewigt sich auf den Körpern seiner Opfer. Können Em und Zhou ihn stoppen? Für die beiden Ermittlerinnen beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.

Judith Winter hat mit den Ermittlerinnen Emilia Capelli und Mai Zhou zwei ganz außergewöhnliche Charaktere in der deutschen Krimiliteratur erschaffen! „Finsterwald“ ist nach „Siebenschön“, „Lotusblut“ und „Sterbegeld“ nun der vierte Band der Reihe. Über „Siebenschön“ schrieb ich einst „Ein Thriller, der Sie um den Schlaf bringen wird!“. Der erste Band war wahrlich überragend. Auch der zweite ließ keine Thrillerwünsche offen. Mit diesen hohen Ansprüchen ging ich nun auch an „Finsterwald“ heran, und wurde leider etwas enttäuscht. Spannung und Thrill war durchaus vorhanden, der Kriminalfall hätte etwas besser ausgearbeitet sein können, und das Privatleben der Ermittlerinnen, das mich die ersten drei Bände begeistert hat, war hier nun weniger überzeugend. Vor allem Emilia fiel hier negativ auf. „Finsterwald“ liegt immer noch über dem Durchschnitt der Thrillerneuerscheinungen, aber ist in allem betrachtet der schwächste Band der Reihe.

dtv, 494 Seiten; 9,95 Euro


Udo Gansloßer / Kate Kitchenham

daumen rauf

Hunde-Forschung aktuell: Anatomie, Ökologie, Verhalten

Hunde Forschung aktuellDer Hund steht im Fokus der Wissenschaft. Weltweit wird über sein Wesen geforscht, denn Hundehalter möchten wissen, wie ihr vierbeiniger Freund denkt und fühlt. Dr. Udo Gansloßer und Kate Kitchenham stehen in Kontakt mit führenden Wissenschaftlern und haben die neuesten Forschungsergebnisse in diesem Buch zusammengefasst. Sie beschäftigen sich mit allem, was Hunde zu Helden machen.

Für jeden Hundehalter- und freund ist dieses Buch ein großartiges Geschenk! Man verliert sich in dem Buch und erfährt so viel Bekanntes und Neues über Hunde und deren Geschichte und ihr Verhalten, so dass man seinen besten Freund noch besser versteht und vielleicht auch gleich das eine oder andere in den täglichen Lern- und Aufmerksamkeitsprozess mit einbinden kann. Das Buch hat folgende Schwerpunktthemen: „Domestikation“, „Das soziale Leben der Hunde mit uns Menschen“, „Das soziale Leben der Hunde mit Artgenossen“, „Lernen und Intelligenz“, „Lebenslauf“, „Helden auf vier Pfoten“, „Genetik und Zucht“ und „Wildtierkunde“.

Kosmos, 432 Seiten; 45,00 Euro


René Nyberg

daumen rauf

Der letzte Zug nach Moskau

Der letzte Zug nach Moskau

Fanny war von ihrer jüdischen Familie verstoßen und sogar für tot erklärt worden, als sie 1937 den nichtjüdischen Finnen Bruno Nyberg heiratete. Von da an gab es über viele Jahre keinen Kontakt. Alle überlebten den Krieg, denn die Juden in Finnland blieben vor der Verfolgung verschont. Anders als in Lettland. Dort in Riga lebte Mascha mit ihrem Mann Josef und ihrer Familie. Fanny und Mascha hatten vor dem Krieg viel vergnügte Zeit miteinander verbracht. Mascha war Musikpädagogin, Josef Geiger. Die beiden bestiegen mit zwei Koffern den letzten Zug, der noch in Richtung Moskau fuhr, zwei Tage vor dem Einmarsch der Deutschen 1941. Eltern und Geschwister schlossen sich der Flucht nicht an. Sie wurden alle ermordet. Mascha und Josef jedoch überlebten den Holocaust in der Sowjetunion und kehrten gegen Kriegsende wieder nach Riga zurück.

Eine durch und durch bewegende Familiengeschichte! Der Finne Renè Nyberg, Politikwissenschaftler und Diplomat, erzählt das Leben seiner Mutter in einem spannenden Kontext zum Leben damals in Finnland und der Sowjetunion. „Der letzte Zug nach Moskau“ hat mich gefesselt!

dtv, 237 Seiten; 22,00 Euro


Christine Gitter

daumen rauf

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Apothekerin

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Apothekerin

Medikamente sind für uns Helfer in der Not, manchmal lebensnotwendig, sie bergen aber auch Risiken und Nebenwirkungen für unsere Gesundheit. Die Pharmazeutin Christine Gitter kennt sie ganz genau: die Fragen und Sorgen all jener, die eine Apotheke aufsuchen. Wie soll man es schaffen, eine riesige Kapsel zu schlucken? Woher weiß die Kopfschmerz-Tablette, dass sie in den Kopf soll und: Gibt es diese Pille auch vegan? Jetzt hat sie ihr gesammeltes Apotheken-Wissen aufgeschrieben.

Endlich mal wissen, was in der Hausapotheke so alles los ist! Dieses Buch hilft aufklärend und charmant dabei zu verstehen, wie Medikamente wirken, wo man aufpassen muss und vermittelt noch reichliches Zusatzwissen für den Laienapotheker in uns allen. Die Hauptthemen sind: „Eine Tablette geht auf Reisen“, „Wie wirken Arzneimittel, und wenn ja, warum“, „Forschung und Technologie“, „Glauben Sie nicht alles, was Sie schlucken!“, „Die ultimative Hausapotheke leicht gemacht“ und „Was in die Hausapotheke gehört“.

Droemer, 288 Seiten; 16,99 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Graham Moore

Der Mann, der Sherlock Holmes tötete

der mann der sherlock holmes tötete hörbuch

Arthur Conan Doyle tritt in die Fußstapfen seiner berühmtesten Figur Sherlock Holmes: Weil Scotland Yard keinen Anlass sieht, den Mord an einem augenscheinlich leichten Mädchen aufzuklären, macht er sich selbst auf die Suche nach dem Mörder. Er schleicht durch die dunklen Straßen des viktorianischen London und landet an Orten, die kein Gentleman betreten sollte. Etwa hundert Jahre später ist ein junger Sherlock-Fan in einen Mordfall verstrickt, bei dem Doyles verschwundenes Tagebuch und einige Fälle seines berühmten Detektivs eine wichtige Rolle spielen. Zwei Morde, zwei Amateurdetektive, zwei Welten.

Für Sherlock-Holmes-Fans ist Graham Moores „Der Mann, der Sherlock Holmes tötete“ ein außerordentlicher Lesegenuss! Oder Hörgenuss. Ganz spannend zu erfahren ist, wie Moore Doyles inneren Kampf gegen seine Heldenfigur Sherlock Holmes ausficht. Er geht ja auch soweit, Holmes zu töten, was ganz London gegen den Autor Doyle aufbringt. Es zeigt auch, wie wenig man den Autor sieht, der hinter der Erschaffung der Figur steht, sondern nur die Romanfigur. Fluch und Segen zugleich. Nicht weniger spannend ist das Zusammenspiel von Sir Arthur Conan Doyle und Bram Stoker, der damals meinte, sein „Dracula“ würde in ein paar Jahren in Vergessenheit geraten sein. Wie er sich irrte. Bei den ganzen echten historischen Figuren und ihren Erlebnissen ist der Kriminalfall in der Vergangenheit, und die Jagd nach dem Tagebuch in der Gegenwart, fast schon Nebensache. Aber auch diesen Erzählsträngen hat Graham Moore genügend Spannung eingehaucht. Wer kann solch einem Stoff die richtige, tragende Stimme verleihen? Natürlich David Nathan, einem von Deutschlands Stimmkönigen! Hörprobe 11:16 Min.

Der Mann der Sherlock Holmes tötete

 

Auch als Hardcover erhältlich bei Eichborn, 22,00 Euro.

Lübbe Audio, 6 CDs, 433 Minuten; 22,00 Euro


Denglers-buchkritik.de

Kolumne vom 05.08.2019 - Nr.572


Martina Sahler

daumen rauf

Die Zarin und der Philosoph

Die Zarin und der Philosoph

Die junge Katharina krönt sich nach einem Putsch selbst zur Zarin. Sie sieht sich als Nachfolgerin von Peter dem Großen und will Russland nach Westen öffnen. Doch die Welt hält den Atem an, kann man der Deutschen auf dem Zarenthron trauen? Preußens König Friedrich II. schickt einen Philosophen nach Petersburg, um die Pläne der neuen Herrscherin auszuspähen. Stephan Mervier ist beeindruckt von Katharina, von ihrer Klugheit, ihrem Charisma, aber Russlands Rückständigkeit und das Elend der Leibeigenen machen ihn wütend. Dabei wächst der Widerstand im Winterpalast längst heran. Eine enge Vertraute Katharinas kämpft auf Seiten der Unterdrückten. Stephan verliebt sich in die mutige Rebellin, die in großer Gefahr schwebt. Denn die Zarin fördert zwar Fortschritt, Bildung und die Wissenschaften, aber ihre Herrschaft ist absolut, und sie setzt ihre Macht mit äußerster Härte durch.

Martina Sahler versteht es Historie lebendig werden zu lassen! Nach dem begeistert aufgenommenen „Die Stadt der Zaren“ entführt Martina Sahler den Leser mit „Die Zarin und der Philosoph“ wieder ins 18 Jahrhundert nach Russland, nach Sankt Petersburg. Das Leben zur damaligen Zeit fängt Martina Sahler sehr gut ein. Die Figuren und deren Handeln und die Geschichte rund um Katharina ist gut verfasst, allerdings lässt der Spannungsbogen etwas zu wünschen übrig. Da wäre mehr drin gewesen. Trotzdem hat mich die Geschichte gefangen genommen und mich bis zum Ende gehalten. „Die Zarin und der Philosoph“ ist Geschichte zum anfassen!

List, 492 Seiten; 20,00 Euro


Kjell Ola Dahl

daumen runter

Die Frau aus Oslo

Die Frau aus Oslo

Oslo, 1942. Die Stadt ist von den Nazis besetzt. Die Jüdin Esther kämpft im Widerstand - bis sie verraten wird. In letzter Sekunde gelingt ihr die Flucht nach Schweden. Ihre Familie jedoch wird deportiert. In Stockholm trifft Esther den Widerstandskämpfer Gerhard Falkum, der ebenfalls aus Oslo geflohen ist. Er steht unter Mordverdacht an seiner Frau. Ein Verdacht, der nie ausgeräumt werden kann und Esther Jahrzehnte später noch beschäftigt. Denn zurück in Oslo will sie herausfinden, wer ihre Familie damals in den sicheren Tod geschickt hat ...

Kjell Ola Dahl ist einer der großen Krimiautoren Norwegens! „Die Frau aus Oslo“ wurde 2015 als bester Krimi Norwegens ausgezeichnet, dazu hörte sich die Geschichte spannend an. Mit diesem Buch konnte man eigentlich nichts falsch machen. Doch. Die beiden Zeitebenen (es gibt auch noch eine kleinere dritte) wechseln meist regelmäßig ab. So erlebt man die Geschehnisse im Jahr 1942 und im Jahr 1967. Wobei ich eigentlich gedacht hatte, mindestens 70 % der Geschichte spielen im Jahr 1942. Darauf hatte ich mich gefreut. Doch enttäuscht musste ich feststellen, dass der überwiegende Roman im Jahr 1967 spielt und mir dieser Erzählstrang weit weniger gefällt wie der im Jahr 1942. Zudem weicht Kjell Ola Dahl oft vom Weg ab, er bläht Nebensächlichkeiten auf und verlässt den Spannungspfad viel zu oft. Das ganze Gemisch konnte mich nicht begeistern.

Lübbe, 428 Seiten; 15,00 Euro


Tim Blanning

daumen rauf

Friedrich der Große – König von Preußen

Friedrich der Große König von PreußenDas Buch fängt das Genie des berühmtesten preußischen Königs, seine Vitalität und komplexe Persönlichkeit ebenso ein wie das Ungeheuer Friedrich mit seinen fatalen Engstirnigkeiten und Borniertheiten. Die Homosexualität des Herrschers wird hier erstmals in einer großen Biographie ohne Verdruckstheiten angesprochen. Gleichermaßen vertraut mit Friedrichs Schlachten wie mit dem ästhetischen Programm von Schloss Sanssouci, schöpft das Buch aus einer lebenslangen Beschäftigung mit dem 18. Jahrhundert und dem Ancien Régime, das schon wenige Jahre nach Friedrichs Tod mit der Französischen Revolution an sein Ende kommen wird.

Wer sich bisher nur am Rande mit dem Leben von Friederich dem Großen beschäftigt hat, der wird mit diesem Buch viele Wissenslücken schließen. Der Brite Tim Blanning hat einen teils schweren Stoff in einen leicht zu lesenden und spannenden Text verwandelt! Das Buch besteht aus drei Hauptteilen: „Friedrichs Leiden und Größe“ (darunter Die Erbschaft, Wie Friedrich gebrochen wurde, Die Emanzipation Friedrichs), „Krieg und Frieden“ (darunter Frieden und Krieg 1745 – 1756, Der Siebenjährige Krieg) und „An der Heimatfront“ (darunter Öffentlichkeit und Nation, Land und Stadt, Bei Hofe und zu Hause).

C. H. Beck, 718 Seiten; 34,00 Euro


Céline Santini

daumen rauf

Kintsugi

Kintsugi

Kintsugi ist eine alte japanische Kunstform, um gesprungene Keramik zu reparieren. Dabei werden die Bruchstellen nicht vertuscht, sondern vergoldet und damit in ihrer ganzen Schönheit inszeniert. Wenn unsere Lebenspläne, unsere Gesundheit und Beziehungen buchstäblich in die Brüche gehen, unterstützt uns Kintsugi dabei, diese Scherben aufzusammeln und sie achtsam zu einer ganz neuen Form zusammenzusetzen. Auf diese Weise können wir an unseren Verletzungen und Niederschlägen wachsen, sie als bereichernd annehmen - als wertvolle Bruchstellen, die uns ganz machen und stärken.

 „Kintsugi“ ist bereichernd, befruchtend und erleuchtend! Das Leben hat zahlreiche Bruchstellen, dieses Buch ist eine Hilfestellung für alle, die gerade eine solche durchleben. Die Hauptthemen sind: „Entdecken“, „Zerbrechen“, „Zusammenfügen“, „Sich gedulden“, „Reparieren“, „Aufdecken“ und „Sublimieren“.

Kailash, 288 Seiten; 20,00 Euro


Beth Kempton

daumen rauf

Wabi-Sabi

Wabi Sabi Kemton

Einfach genau richtig sein, dieser Wunsch treibt viele um. Doch was, wenn wir das längst sind und es nur nicht wahrnehmen? Wabi-Sabi ist ein jahrhundertealtes japanisches Konzept, das Schönheit in der Unvollkommenheit erkennt - das ideale Gegengift zum allgegenwärtigen Perfektionismus. Die Japanologin Beth Kempton zeigt, wie wir mit Wabi-Sabi unser Zuhause, unser Arbeitsleben und unsere Haltung zu uns selbst gestalten. Wabi-Sabi lehrt die Wertschätzung von dem, was wir haben, die bewusste Wahrnehmung des Augenblicks und das Loslassen der Vergangenheit.

Ein Buch wie ein Balsam für die Seele! Das Leben wieder so genießen wie es ist, absolut unperfekt. Dieses Buch, Wabi-Sabi, hilft dabei. Die Hauptthemen sind: „Ursprünge, Merkmale und Bedeutsamkeit von Wabi Sabi“, „Vereinfachen und Verschönern“, „Leben im Einklang mit der Natur“, „Akzeptieren und Loslassen“, „Das Scheitern umdeuten“, „Beziehungen hegen und pflegen“, „Die berufliche Reise genießen“ und „Die Momente wertschätzen“.

Lübbe, 271 Seiten; 18,00 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Kathryn Taylor

Dunmor Castle – Das Licht im Dunkeln

Dunmor Castle Das Licht im Dunkeln hörbuch

Kennt sie diesen Ort? Im Auftrag ihres Chefs fährt die junge Designerin Lexie in Irlands sturmumtosten Norden: Sie soll Dunmor Castle zum Renovieren vorbereiten. Das einst hochherrschaftliche Anwesen und seine Umgebung kommen ihr seltsam vertraut vor. War sie als kleines Kind bereits hier? Schon lange sucht Vollwaise Lexie nach Hinweisen auf ihre Vergangenheit. Als die Erinnerungen Stück für Stück zurückkehren, muss sie bald gegen quälende Albträume kämpfen. Trost und Hilfe findet sie ausgerechnet bei Grayson, Sohn des Hauses und ihr beruflicher Gegenspieler. Kann sie ihm wirklich trauen?

Nach ihren erfolgreichen „Coulors-of-Love“ und „Daringham-Hall“-Reihen startet Kathryn Taylor mit „Dunmor Castle“ eine neue Reihe. Liebe, Leidenschaft, spannende Verwicklungen, passendes Personal – der Mix stimmt auch diesmal. Kathryn Taylor weiß, wie sie vor allem ihre weiblichen Leser begeistern kann. Nach „Das Licht im Dunkeln“ will man nach dem fiesen Cliffhanger schnell wissen, wie es weitergeht. Wer anders als Marie Bierstedt, mit ihrer dramatischen und feengleichen Stimme, soll solch eine Geschichte lesen können? Keine! Hörprobe 6:56 Min.

Dunmor Castle Das Licht im Dunkeln

 

Auch als Taschenbuch erhältlich bei Bastei Lübbe, 10,00 Euro.

Lübbe Audio, 5 CDs, 362 Minuten; 16,00 Euro


Denglers-buchkritik.de

Kolumne vom 29.07.2019 - Nr.571


Andreas Gößling

daumen rauf

Drosselbrut

Drosselbrut

Hochsommer in Berlin. Innerhalb kurzer Zeit verschwinden zwölf junge Frauen – verlockt von einer Social-Media-Kampagne namens „Befrei dich!“. Mit effektvollen Videos von kleinen Vögeln, die sich in Nestern aus Plastikmüll strangulieren, werden die Teenager motiviert, ihr soziales „Netz“ zu zerreißen und sich in einsamen Wäldern auf Selbsterfahrungstrip zu begeben – auf Nimmerwiedersehen. Was für die Beamten vom Vermisstendezernat zunächst wie reine Routine aussieht, lässt bei Kriminalhauptkommissarin Kira Hallstein sämtliche Alarmglocken schrillen. Und dann taucht die erste Leiche auf.

Ein True-Crime-Thriller, der einem den Atem raubt! Der Autor hat den „Jahrhundertfall“ Dutroux, in den tatsächlich auch Berliner Teenager verwickelt waren, zu einem True-Crime-Thriller adaptiert. Andreas Gößling setzt seine True-Crime-Thriller-Reihe spektakulär fort! Nach „Wolfswut“ lässt er nun „Drosselbrut“ folgen. Der steht seinem Vorgänger in nichts nach. Ein Thriller, in dem viel passiert. Andras Gößling versteht es die Spannung durch seine schnellen Szenenwechsel hoch zu halten. Mit Kriminalhauptkommissarin Kira Hallstein hat er eine moderne, zupackende und eigenwillige Frauenfigur erschaffen, der man als Leser garantiert immer auf den Fersen bleiben will.

Knaur, 525 Seiten; 14,99 Euro


Gard Sveen

daumen runter

Die stille Tochter

Die stille Tochter

Oslo, 1982: An einem eiskalten Dezembertag verschwindet die ehemalige DDR-Bürgerin und KGB-Agentin Christel Heinze. Hat ihre große Liebe Arvid Storholt, ein berühmt berüchtigter Doppelagent, damit zu tun? War es wirklich wahre Liebe oder nur eine Gelegenheit zum Verrat? Oslo, 2016: In einem See werden die Überreste einer Frauenleiche gefunden. Kurz darauf wird Arvid Storholt ermordet. Tommy Bergmann, selbstzerstörerischer Ex-Polizist, ermittelt für den norwegischen Geheimdienst. Gibt es eine Verbindung zwischen der toten Unbekannten und dem ermordeten Sowjetagenten? Tommy Bergmann stößt auf einen alten Skandal, der auch ihm selbst gefährlich werden kann.

Der Norweger Gard Sveen hat mit Tommy Bergmann eine Figur mit vielen Ecken und Kanten geschaffen! Augetreten ist er bisher in „Der letzte Pilger“, „Teufelskälte“ und „Der einsame Bote“. Nun ermittelt er in „Die stille Tochter“ zum vierten Mal. Gard Sveen schreibt keine Thriller vom Reißbrett, das kann gut sein, aber auch schlecht. Bei Gard Sveen schwanke ich da hin und her, denn der Story fehlt es an durchgängiger Spannung und einem erzählerischen Plan. Zu oft springt Gard Sveen von einer Zeitebene und wieder zurück. Praktisch von Kapitel zu Kapitel. Ein richtiger Lesefluss kann so kaum aufkommen. Dagegen hätte die Spionagestory Potenzial für mehr, und die Charaktere sind gut ausgearbeitet.

List, 367 Seiten; 14,99 Euro


Charlotte Lucas

daumen rauf

Fünf Sterne für dich

Fünf Sterne für dichFür ein gutes Leben gibt es ein simples Rezept: Man muss nur alles Schlechte vermeiden. Davon ist Konrad fest überzeugt, denn er hat schon genug Schlimmes erlebt. Seinen Lebensunterhalt verdient er, indem er bezahlte Rezensionen nach Kundenwunsch schreibt. Auch privat versieht er alles mit Sternen: die flinke Kassiererin, den lauwarmen Kaffee ... und Pia, die neue Klassenlehrerin seiner Tochter. Zu hübsch, zu unsicher, nicht geeignet für den Lehrberuf. Gerade mal zwei knappe Sterne von fünf. Als Pia davon Wind bekommt, will sie Konrad eine Lehre erteilen. Dass er zum neuen Elternvertreter gewählt wird, passt ihr da bestens ins Konzept. So kann sie ihn mit lästigen Aufgaben ordentlich ins Schwitzen bringen. Doch als einer ihrer Schüler gemobbt wird, erweist sich ausgerechnet Konrad als Hilfe ...

So charmant, so ehrlich und so mitreißend! „Fünf Sterne für dich“ hat sich seine fünf Sterne auf jeden Fall verdient. Wie ist es als Alleinerziehender, was passiert in der Schule, wie ist es für die Lehrer und wie im Leben der Teenager, was für Abenteuer birgt die Liebe im meist nicht einfach zu meisternden Alltagsleben? Diese und noch mehr Themen geht Charlotte Lucas in ihrem Roman „Fünf Sterne für dich“ nach. Sie versteht es etwas Drama, Komödie und Romantik mit viel Alltagsleben zu würzen. Die Charaktere sind gut getroffen, allen voran natürlich Pia, Konrad und Mathilda, auch wenn einige andere etwas überzeichnet sind.

Lübbe, 573 Seiten; 18,00 Euro


Ian McEwan

daumen rauf

Maschinen wie ich

Maschinen wie ich

Charlie ist ein sympathischer Lebenskünstler Anfang 30. Miranda eine clevere Studentin, die mit einem dunklen Geheimnis leben muss. Sie verlieben sich, gerade als Charlie seinen „Adam“ geliefert bekommt, einen der ersten lebensechten Androiden. In ihrer Liebesgeschichte gibt es also von Anfang an einen Dritten: Adam. Kann eine Maschine denken, leiden, lieben? Adams Gefühle und seine moralischen Prinzipien bringen Charlie und Miranda in ungeahnte – und verhängnisvolle – Situationen.

 


Weltbestsellerautor Ian McEwan zeigt mit „Maschinen wie ich“ wieder sein ganzes literarisches Können verknüpft mit großem Einfallsreichtum! Wie er dem Leser in seinem fiktiven Jahr 1982 nahe bringt, wie die Künstliche Intelligenz unser normales Alltagsleben in Zukunft durcheinanderbringen wird, ist erstaunlich leicht, anschaulich und spannend zugleich geschildert.

Diogenes, 405 Seiten; 25,00 Euro


Aimee Molloy

daumen rauf

Die Mütter

Die Mütter

Sie treffen sich jede Woche. Sie teilen Freuden, Sorgen und Nöte. Eine Gruppe Frauen, die nur eines verbindet: Sie sind alle frischgebackene Mütter, und das schweißt zusammen. Freundschaften entstehen. Und ein Plan - einmal eine winzige Auszeit vom Babyalltag zu nehmen, abends in einer Bar. Die alleinerziehende Winnie lässt ihren kleinen Sohn Midas für den Abend bei einer Babysitterin. Als Winnie nach Hause kommt, ist ihr Kind spurlos verschwunden, niemand hat etwas bemerkt. Es folgen Tage, in denen jede der Mütter durch die Hölle geht: Sarah will Antworten. Collette weiß zu viel. Nell hat etwas zu verbergen. Und eine Mutter hat etwas Unaussprechliches getan ...

Ein Drama-Thriller, der aufzeigt, wie Mütter denken, fühlen und handeln im Angesicht einer schicksalhaften Katastrophe! Aimee Molloy ist als Sachbuchautorin in den USA sehr erfolgreich, mit „Die Mütter“ hat sie nun ihr Romandebüt vorgelegt. Und was für eins. „Die Mütter“ fesselt auf vielen verschiedenen Ebenen, durch den geschickten Aufbau der Story, die Charaktere, die alle ein Geheimnis haben, und der nie nachlassenden, subtilen Spannung.

Rowohlt Polaris, 347 Seiten; 12,99 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Guillaume Musso

Die junge Frau und die Nacht

Die junge Frau und die Nacht

Nur auf Drängen seines besten Freundes Maxime kehrt der erfolgreiche Schriftsteller Thomas anlässlich einer Jubiläumsfeier ihrer alten Schule aus den USA in seine französische Heimatstadt Antibes zurück – an den Ort, an dem vor fünfundzwanzig Jahren Vinca, seine große Liebe, spurlos verschwand. Damals beging Thomas mit Maximes Hilfe aus Liebe und Verzweiflung ein grausames Verbrechen. Nun droht die Vergangenheit sie einzuholen, denn jemand ist hinter ihr Geheimnis gekommen und will nur eines: Rache. Um sich und ihre Familien zu schützen, müssen Thomas und Maxime herausfinden, warum Vinca damals das Internatsgelände verließ. Doch je näher sie der Wahrheit kommen, desto größer wird die Gefahr …

Der französische Bestsellerautor Guillaume Musso ist ein literarisches Phänomen! Jeder neue Roman überzeugt mit einer überraschenden Geschichte und faszinierenden Charakteren. Es gibt kaum eine Möglichkeit, Guillaume Musso zu entkommen! Das trifft auch auf sein neuestes Werk „Die junge Frau und die Nacht“ zu. Eine wahrlich überraschende Story, die mit den abwechselnden Erzählsträngen für zusätzliche Spannung sorgt. Und der große Knall, Guillaume Musso weiß wie man es macht, kommt ganz zum Schluss! Gelesen wird der neue Musso von Richard Barenberg. Mit Stil und stimmlicher Präsenz präsentiert Richard Barenberg den Roman von Guillaume Musso. Hörprobe 5:00 Min.

Die junge Frau und die Nacht cover

 


Auch als Paperback erhältlich bei Pendo, 16,99 Euro.

Osterwold Audio, 2 MP3 CDs, 526 Minuten; 19,99 Euro


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