Mai 2015

Aktuelle Kolumne vom 23.04.2018 - Nr.505 


Lydia Benecke

daumen rauf

Psychopathinnen

Psychopathinnen

Frauen sind wehrlos, sie leiden, sie dulden, sie verzeihen. Doch wenn die Psychopathie in ihrer Seele sich Bahn bricht, töten sie ebenso grausam und skrupellos wie Männer. Lydia Benecke analysiert neueste Forschungsergebnisse zum Thema weibliche Psychopathie und zeigt an aktuellen und historischen Fällen, wie sich Psychopathinnen die Rollenklischees von Frauen zunutze machen. Denn Frauen planen ihre Verbrechen nicht nur eiskalt, sie bleiben auch länger unentdeckt. Und häufig richten sich die Taten von Psychopathinnen gegen die eigene Familie.

Eine beeindruckende Betrachtung der Täterinnenpsyche! Spannend und aufschlussreich. Frauen die zu Täterinnen werden, Lydia Benecke stellt in ihrem Buch eindrucksvoll unter Beweis, wie manipulativ und emotionslos Frauen handeln können. Besonders beschäftigt sich Lydia Benecke mit dem aufsehenerregenden Fall der Amerikanerin Elizabeth Diane Downs, der fast die Hälfte des Buches ausmacht. EDD wird als Kind misshandelt und sie bekommt einen verquerten Blick auf das, was Liebe bedeutet. Und genau das setzt sie in ihrem Leben fort, sucht in ihren Kindern Liebe, findet sie nicht, misshandelt sie, hatte wahrlich massenhaft unterschiedliche Sexualpartner, obwohl sie währenddessen fast immer irgendwie in einer „festen“ Beziehung lebte. Der Fall der EDD läuft auf eine extrem schreckliche Tat hinaus. Aber auch die anderen im Buch geschilderten Fälle zeigen auf, dass Frauen, meist aus Vernachlässigung oder Misshandlung in ihrer Kindheit oder durch einen Partner, zu Killerinnen werden. So auch der Fall, der wohl bekanntesten Seriemörderin der Welt, Aileen Wuornos, auf den Lydia Benecke eingeht.

Lübbe, 430 Seiten; 18,00 Euro


Schlecky Silberstein

daumen runter

Das Internet muss weg

Das Internet muss weg

„Das Internet ist die größte Verarschungsmaschine aller Zeiten!“. Das sagt der Autor, der Blogger ist und wohl auch sehr bekannt. Ich kannte ihn bis zu diesem Buch nicht, obwohl ich auch schon seit 1999 im Netz aktiv bin. Das Internet: Mittlerweile ist das eingetreten, was in den 1970ern Science-Fiction-Dystopien phantasiert haben, zwei Handvoll Konzerne haben große Macht auf dieser Welt. Der Autor meint, dass unsere größten gesellschaftlichen Probleme auf das Internet zurückgehen. Eine absolut irrsinnige und einseitige Betrachtung, wie das ganze Buch. Das Internet hat so viel Gutes hervorgebracht (natürlich auch weniger Gutes), aber das interessiert den Autor nicht. Daher muss ich leider schon im Eingangstext Kritik anbringen, da der Autor und der Verlag schon hier „Fake-News“ verbreiten.

Ich habe in den letzen Jahren kein Buch gelesen, bei dem der Buchtitel so falsch und irreführend war wie bei diesem. „Das Internet muss weg“. Wenn jemand so etwas schreibt, dann gehe ich davon aus, dass er alle Bereiche des Netzes meint. Vom Online-Shopping, den Nachrichten-Seiten, Soziale Medien, Wetter-, Medizin- und andere Hilfsseiten, alle Streamingdienste (Musik, Film, eBooks) und noch so vieles mehr. Ich erwartete zu all diesen und noch mehr Themenbereichen in diesem Buch, warum man das, laut Autor, wieder alles weghaben will. Das stichhaltig und nachvollziehbar formuliert. Doch der Autor ist tatsächlich so dreist, das Internet praktisch nur auf soziale Medien, Facebook, Google & Co., zu reduzieren. Bereiche, die im Netz viele auch gar nicht interessieren. Daher ist dieses Buch so nur was fürs Altpapier. Wenn der Autor den Titel gewählt hätte „Facebook und Google, die müssen weg“, dann hätte das den wahren Inhalt des Buches wiedergegeben (das Buch enthält in diesem Kontext durchaus erschreckende Informationen). Doch verkaufsfördernder ist sicher der gewählte Titel des Buches, auch wenn er überhaupt nicht den Inhalt wiedergibt.

Knaus, 271 Seiten; 16,00 Euro


Wlada Kolosowa

daumen rauf

Fliegende Hunde

Fliegende HundeOksana und Lena wachsen in einem tristen Vorort von St. Petersburg auf. Sie teilen alles: Träume, Sorgen, erste Berührungen – Nächte, die es nicht geben darf. Um ihnen zu entkommen, zieht Lena zum Modeln nach China, wo ihr Körper Fotografen, Agenten und schmierigen Kunden gehört. Oksana taucht immer tiefer in eine Online-Community ab, in der Magersüchtige die Belagerung von Leningrad nachahmen und Rezepte für Ledergürtelsuppe und Erdkaffee austauschen. Als Lena in den Ferien nach Hause kommt, müssen beide Entscheidungen treffen.

Das aufwühlende und zugleich moderne Porträt zwei junger russischer Frauen in unserer heutigen Zeit! Obwohl Russland natürlich eine entscheidende Rolle spielt, so könnte die Geschichte der beiden Mädchen aber auch in einem anderen Land spielen, die Probleme würden nahezu die gleichen bleiben. Die Definition über den Körper, das ist die eigentliche Geschichte des Romans. Schlanksein über alles, denn nur so kann man wirklich ein besseres Leben haben, vor allem wenn man aus einer kleinen russischen Stadt kommt. Das suggeriert die Geschichte, und trifft damit ja tatsächlich den Nerv der Zeit. Zudem nimmt sich der Roman auch den anderen Problemen an, wenn man Erwachsen wird. „Fliegende Hunde“ wird Ihnen noch lange in Ihrem Kopf herumschwirren, auch wenn Sie das Buch schon zugeschlagen haben.

Ullstein, 224 Seiten; 20,00 Euro


Markus Heitz

daumen rauf

Die Klinge des Schicksals

Die Klinge des SchicksalsSeit vor 150 Jahren der Wald in Yarkin begonnen hat, sich unaufhaltsam auszubreiten, sind die Menschen immer weniger geworden. Die letzten Überlebenden wurden auf eine Halbinsel zurückgedrängt. Immer wieder hat man Expeditionen ausgesandt, um ein Mittel gegen das Vordringen der Bäume zu finden – keine kehrte zurück. Bis die legendäre Kriegerin Danèstra auf Kalenia trifft, die von einer Siedlung im Wald und einem grausamen Überfall erzählt, der das wahre Böse offenbart habe; und von einer Verschwörung unter den Menschen, die nur sie, Kalenia, aufdecken könne. Sie bittet die Kriegerin um Hilfe. Doch kann Danèstra ihr wirklich trauen?

Markus Heitz ist der deutsche George R. R. Martin! Oder doch der deutsche J. R. R. Tolkien? Markus Heitz vereint viele internationale Bestsellerautoren in einer Person, denn wenn man die Historie seiner Bücher betrachtet, kann man nur sagen: atemberaubend! Er schreibt einen fantastischen Bestseller nach dem anderen. Auch mit seinem neuesten Werk „Die Klinge des Schicksals“ beweist er wieder sein großes Können. Spektakulär, überraschend und extrem einfallsreich und spannend! War wirklich etwas anderes von Markus Heitz zu erwarten?

Knaur, 571 Seiten; 16,99 Euro


Björn Berge

Atlas der verschwundenen Länder

Atlas der verschwundenen Länder

Seit Erfindung der Briefmarke im Jahr 1840 haben mehr als 1.000 Länder ihre eigenen Postwertzeichen gedruckt. Die Motive und Symbole darauf demonstrieren ihr offizielles Selbstverständnis. Die meisten dieser Staaten sind längst von der Karte verschwunden, aber die Marken gibt es noch. Sie sind Zeugnis ihrer früheren Existenz und zugleich eine Spur in die Vergangenheit. 50 Länder erweckt der Autor anhand von Dokumenten und Augenzeugenberichten wieder zum Leben.

Der Norweger Björn Berge, ein leidenschaftlicher Sammler von Briefmarken, hat mit seiner Leidenschaft zu Briefmarken ein kleines Kunstwerk von einem Buch erschaffen! Anhand von Briefmarken Geschichten von Ländern zu erzählen, die es schon lange nicht mehr gibt, eine super Idee und eine wunderbar gestaltete Umsetzung aus Buch. Die Zeitspanne der verschwundenen Länder reicht von 1840 bis 1975. Darunter sind so Staaten wie Dänisch-Westindien, Ostrumelien, Oranje-Freistaat, Panamakanalzone, Allenstein, Südrussland, Fernöstliche Republik, Freistaat Fiume, Inini, Tuwinische Volksrepublik, Freies Territorium Triest, Ober-Yafi und noch viele mehr.

dtv, 240 Seiten; 26,00 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Kathy Reichs

Blutschatten

Blutschatten

Sunday Night ist eine Frau mit körperlichen Narben, seelischen Wunden – und Killerinstinkt. Jahrelang lief sie vor ihrer Vergangenheit davon und suchte sich ein Leben, in dem sie niemanden brauchte und nichts spürte. Als ein Mädchen im Chaos einer Bombenexplosion verschwindet, bittet dessen Familie Sunday um Hilfe. Und Sundays Gerechtigkeitssinn und Rachedurst werden geweckt. Ist das Mädchen tot? Hat sie jemand entführt? Falls sie noch lebt, warum kann die Polizei sie nicht aufspüren? Wenn Sunday zurück ins Leben und das verschwundene Mädchen finden will, muss sie sich jetzt endlich ihren eigenen Dämonen stellen.

Die Weltbestsellerautorin geht neue Wege. Sie lässt Tempe Brennan, die sagenhafte „Bones“-Anthropologin, ruhen. Kathy Reichs schickt mit Sunday Night eine neue taffe Ermittlerin in den literarischen Ring. Sunday Night ist, ganz klassisch, eine Privatermittlerin mit einem spannenden psychologischen Hintergrund. Und das hebt die Hauptfigur dann auch von ähnlichen Ermittlerinnen ab. Sunday Nights erster Fall ist spannend, wendungsreich und wartet mit guten Figurenzeichnungen auf. Den Showdown beschreibt Kathy Reichs genüsslich lange, zu Freuden des Lesers und Zuhörers. Die Sprecherin Britta Steffenhagen geht voll in der Figur der Sunday Night auf. Mit ihrer nicht linearen und herben Stimme gibt sie Sunday Night ein Gesicht. Hörprobe

Blutschatten cover



Auch als Hardcover erhältlich bei Blessing, 20,00 Euro

Random House Audio, 2 MP3 CDs, 530 Minuten; 20,00 Euro


Denglers-buchkritik.de

Aktuelle Kolumne vom 16.04.2018 - Nr.504 


Melodie Winawer

daumen rauf

Die Liebenden von Siena

Die Liebenden von Siena

Das Leben der Neurochirurgin Beatrice Trovato besteht fast nur aus ihrer Arbeit. Als ihr Bruder stirbt, fliegt sie nach Siena um seinen Nachlass zu ordnen. Auf einem Kirchenfresko des berühmten Malers Accorsi aus dem 14. Jahrhundert entdeckt sie sich selbst - wie ist das möglich? Tags darauf erwacht sie im mittelalterlichen Siena. Für die Ärztin ist es ein Schock: spielt ihr das Gedächtnis einen Streich? Erst langsam findet Beatrice sich in der neuen Zeit zurecht und öffnet ihr Herz für die ursprüngliche Schönheit des mittelalterlichen Lebens. Als sie Accorsi kennenlernt, verliebt sie sich unsterblich in ihn. Aber mit Ausbruch der Pest ist nicht nur ihr Leben, sondern auch die Existenz von Siena bedroht, und Beatrice muss sich entscheiden, in welches Jahrhundert sie gehört.

Ein Zeitreise-Roman der besonderen Art! Eine starke weibliche Hauptfigur trifft hier auf eine gute Geschichte in einer außergewöhnlichen Zeit und Epoche. Die Amerikanerin Melodie Winawer erfüllt sich mit ihrem ersten Roman wohl auch einen Traum. Sie ist Professorin für Neurologie an der Columbia-Universität in New York, sie spricht Italienisch und reist am liebsten nach Italien. Somit hat sie alles, was sie aus ihrem Leben kennt und was ihr wichtig ist, in diesen Roman gepackt. Und man merkt dem Buch die Kenntnisse seiner Autorin an. Es ist vollgepackt mit interessanten Aspekten und mit viel Liebe zum Detail geschrieben. Melodie Winawer lebt ihre Geschichte. Den Leser freut es, solch einen stilvollen Zeitreise-Roman in Händen zu halten. Sie werden sich in „Die Liebenden von Siena“ verlieben!

List, 527 Seiten; 16,00 Euro


Wimmer Wilkenloh

daumen runter

Teufelsintervall

Teufelsintervall

Der vermeintliche Unfalltod des Kommando-Soldaten Gerd Lutze wird von einem Erfolgsregisseur als Spielfilm umgesetzt. Merkwürdige Vorfälle während der Dreharbeiten sollen von Jan Swensen und seinen Kollegen von der Husumer Kriminalpolizei aufgeklärt werden. Im Filmteam wird von Verschwörung gesprochen, doch erst als ein Mord geschieht, wird auch wirklich ermittelt. Aber was hat das alles mit dem Deutschtürken Gülcan Bayar aus Husum zu tun, der von den USA als Terrorist nach Guantanamo verschleppt wurde? Und was macht der Autor Wimmer Wilkenloh in seinem eigenen Roman? Findet sich eine Antwort in dem Film, dessen brisante Story bis ins Kanzleramt zu Frank-Walter Steinmeier führt?

„Teufelsintervall“ ist der siebte und letzte Fall für Jan Swensen und seine Kollegen. Die Geschichte hört sich spannend an, aber auch etwas abstrus, wenn der Autor selbst ein Teil seines eigenen Kriminalromans wird. Ich ließ mich auf die Geschichte ein, und wurde sehr schnell enttäuscht. Die Story an sich ist ganz gut, aber die Umsetzung schlittert sehr oft an der Katastrophe entlang. Wimmer Wilkenloh verliert sich in so viel Unwichtigem und ebenso vielen Nebensächlichkeiten, dass einem schwindelig wird. Um einen spannenden und ausgewogenen Kriminalroman mit 600 Seiten schreiben zu können muss man ein sehr guter Autor sein. Das ist Wimmer Wilkenloh nicht. Denn von den 600 Seiten sind gut 250 Seiten absolut belanglos für den Kern der Geschichte.

Gmeiner, 600 Seiten; 15,00 Euro


Arthur Isarin

daumen rauf

Blasse Helden

Blasse HeldenDer romantische Deutsche Anton zieht zu Beginn der 1990er Jahre nach Moskau. Hier hofft er jene Leichtigkeit und Freiheit zu finden, die er im Westen vermisst. Engagiert wird der 32-Jährige Deutsche von einem Rohstoffhändler, der für seine riskanten Geschäfte in der rapide zerfallenden Sowjetunion einen zuverlässigen Mann sucht. Anton hat keine politische Haltung, stellt keine moralischen Fragen und beherrscht die Kunst lässig-dionysischen Gleitens. Es verlangt ihn nach schönen Frauen, der hohen Kultur und, natürlich, Geld. Schnell erhält Anton Zugang zu den neuen Eliten des Landes. Er lässt sich treiben und führt als „blasser Held“ ein bizarres Leben unter kultivierten Banditen, Künstlern, Geheimdienstleuten, Betrügern, korrupten Unternehmern, Kokotten und mittellosen Schönheiten.

Wollen Sie das Lebensgefühl des Russlands der wilden 1990er Jahre erleben? Dann lesen Sie „Blasse Helden“! Arthur Isarins Helden sind desillosiniert, kreativ, liebenswert, aber auch hart, cool und fragwürdig. Hier finden sich alle. Anton selbst ist, ja, ein Gleiter. Er kommt klar mit denen, die ihm begegnen. Arthur Isarins Dialoge sind pointioniert und stecken voller Klarheit und Leben. Alleine durch die Dialoge lernt man das Russland von damals kennen. Er kommt immer gleich zur Sache, schreibt nicht lange drumherum. So entwickelt die faszinierende und ereignisreiche Geschichte einen unglaublichen Sog. Man wird ein Teil vom 1990er-Russland.

Knaus, 318 Seiten; 22,00 Euro


Lisa Jackson

daumen rauf

You will pay – Tödliche Botschaft

You will pay Tödliche BotschaftCamp Horseshoe, Oregon: Vor zwanzig Jahren arbeitete eine Gruppe von Jugendlichen als Betreuer in einem Ferienlager. Nachts, wenn ihre Schützlinge im Bett lagen, schlichen sie sich aus ihren Hütten, hatten Sex, feierten wilde Partys mit Alkohol und Drogen, spannen Intrigen – bis etwas gründlich schief ging und zwei von ihnen spurlos verschwanden. Die polizeilichen Ermittlungen dazu liefen ins Leere, die Akte wurde geschlossen. Heute, zwei Jahrzehnte später, tauchen Knochen auf dem Grundstück des Feriencamps auf. Detective Lucas Dalton, einer der damaligen Betreuer, möchte den Fall erneut aufrollen.

Die amerikanische Thriller-Queen Lisa Jackson lässt das Herz ihrer Leser wieder rasen! „You will pay“ ist ein durchdachter Thriller mit einer fesselnden Story. Ich finde diese Art von Geschichten, Geheimnisse aus der Jungendzeit, die dann im Heute ihre düsteren Schatten aufziehen lassen, sehr prickelnd. Lisa Jackson beschert dem Leser spannende Lesestunden!

Knaur, 525 Seiten; 14,99 Euro


Walt Whitman

Der schöne Mann

Der schöne Mann

Männer denken einfach zu viel. Und sie lassen sich immer wieder einreden, Schönheit wäre eine Sache der Frauen, reine Haut, leichtfüßige Bewegungen, eine klangvolle Stimme. Walt Whitman, Begründer der modernen amerikanischen Dichtung, kannte die Wahrheit. Mit „Der schöne Mann“ schrieb er eine Hymne auf den männlichen Körper und einen Leitfaden, wie man seine Möglichkeiten voll ausschöpft. Das reicht von einer reinen Fleischdiät über das Rezitieren von Gedichten im Freien und sorgloses Tanzen bis zu Bare Knuckle Fights.

„Der schöne Mann“ erschien 1858 in dreizehn wöchentlichen Kolumnen im „New York Atlas“ und war 150 Jahre lang verschollen. Die Liebhaber von Walt Whiteman (1819 – 1892) werden jubeln, endlich dieses Buch in einer deutschen Ausgabe in Händen zu halten. Der Ratgeber für den Mann regt auf nicht wenigen Seiten zum schmunzeln an, in 150 Jahren hat sich doch so einiges verändert. Doch für jeden männlichen Leser ist dieses Buch ein echter „Hingucker“! Lesen und staunen, was Walt Whitemann vor eineinhalb Jahrhunderten aufschrieb, wie der normale Mann zu einem schönen Mann wird.

dtv, 279 Seiten; 18,00 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Cixin Liu

Der dunkle Wald

Der dunkle Wald

Der erste Kontakt mit einer außerirdischen Spezies hat die Menschheit in eine Krise gestürzt, denn die fremde Zivilisation hat sich Zugang zu jeglicher menschlichen Informationstechnologie verschafft. Der einzige Informationsspeicher, der noch vor den Aliens geschützt ist, ist das menschliche Gehirn, weshalb das „Wallfacer-Projekt“ ins Leben gerufen wird. Vier Wissenschaftler sollen die ultimative Verteidigungsstrategie gegen die Aliens ausarbeiten – doch können sie einander trauen?

Nach dem sensationellen Besteller „Die drei Sonnen“ ist „Der dunkle Wald“ der zweite Teil der „Trisolaris“-Trilogie. Spektakulär! Großartig! Die „Trisolaris“-Trilogie ist Science-Fiction für Fortgeschrittene! Wer hier gewohnte Muster des Genres erwartet, der wird sich wundern, denn er findet sie nicht. Der Chinese Cixin Liu hat hier etwas ganz Neues erschaffen, was man in dieser Qualität in diesem Genre nicht allzu oft zu lesen und zu hören bekommt. Gelesen wird dieses großartige Genre-Werk von Mark Bremer. Ein großartiger Geschichtenerzähler. Es passt also perfekt zusammen – Geschichte und Sprecher. Zudem liegt das Hörbuch in der ungekürzten Fassung vor. „Die drei Sonnen“ sind derweil als Hörspiel erschienen. Random House Audio hat den Fans und Zuhörern damit ein großes Geschenk bereitet. Als Sprecher mit dabei sind Falk Rockstroh, Boris Jacoby, Mareike Hein, Roman Knizka, Robert Gallinowski, Mark Oliver Bögel, Katharina Schmalenberg, u. v. a.. Hörprobe

Der dunkle Wald cover



Auch als Paperback erhältlich bei Heyne, 16,99 Euro.

Random House Audio, 3 MP3 CDs, 1.315 Minuten; 16,99 Euro


Denglers-buchkritik.de

Kolumne vom 09.04.2018 - Nr.503 


Fernando Aramburu

daumen rauf

Patria

Patria

Bittori sitzt am Grab ihres Mannes Txato, der vor über zwanzig Jahren von Terroristen erschossen wurde. Sie erzählt ihm, dass sie beschlossen hat, in das Haus, in dem sie wohnten, zurückzukehren. Denn sie will herausfinden, was damals wirklich geschehen ist, und wieder unter denen leben, die einst schweigend zugesehen hatten, wie ihre Familie ausgegrenzt wurde. Das Auftauchen von Bittori beendet schlagartig die vermeintliche Ruhe im Dorf. Vor allem die Nachbarin Miren, damals ihre beste Freundin, heute Mutter eines Sohnes, der als Terrorist in Haft sitzt, zeigt sich alarmiert. Dass Mirens Sohn etwas mit dem Tod ihres Mannes zu tun hat, ist Bittoris schlimmste Befürchtung. Die beiden Frauen gehen sich aus dem Weg, doch irgendwann lässt sich die lange erwartete Begegnung nicht mehr vermeiden...

„Patria“ heißt Vaterland, Heimat. Etwas was in Spanien auch in der Gegenwart wieder sehr aktuell zum Tragen kommt. Damals waren es die Basken und ihre Terrorgruppe die ETA. Heute sind es die Katalanen, die sich von Spanien befreien wollen. „Patria“ war in Spanien ein sensationeller Nr.-1-Bestseller! Ein ungeheuer intensiver Roman über Hass, Fanatismus, Schuld, Verzweiflung, Freundschaft, Familie und die Liebe. Fernando Aramburus Sprache klingt wie ein herausragend komponiertes klassisches Musikstück. Literatur in seiner schönsten Form, aber mit einer Geschichte die schmerzt und erschüttert. Fernando Aramburus Erzählform ist spannend, da er die Geschehnisse nicht chronologisch erzählt, sondern Gegenwart und Vergangenheit immer wieder mischt. Für den Leser ist es ansprechend, die Geschichte und ihre Charaktere so kennenzulernen, sie zu erforschen, zu verstehen. „Patria“ ist ein literarisches Fest!

Patria mp3


Auch als Hörbuch erhältlich bei Argon Hörbuch. Ein großartiger Roman gelesen von einer der großartigsten deutschen Hörbuchsprecherinnen, Eva Mattes. 29,95 Euro. Hörprobe

Rowohlt, 765 Seiten; 25,00 Euro


C. Bernd Sucher

daumen runter

Suchers Welt - Film

Suchers Welt Film

Herausragende Filme, großes Kino – bei der Flut an bewegten Bildern, die über unsere Kinoleinwände und Fernsehbildschirme flimmern, braucht es manchmal den Blick des Kenners, um das Besondere zu finden oder in Erinnerung zu rufen. C. Bernd Sucher, Kritiker und Autor, stellt in diesem Band seine persönlichen Favoriten der Filmgeschichte vor. Und eins schon vorab: C. Bernd Sucher hat weder den Blick eines Kenners für herausragende Filme und das große Kino, noch schreibt er klug, sondern sehr selbstverliebt. In diesem Buch stellt der er 49 Filme vor.

Ich interessiere mich schon seit meinem sechsten Lebensjahr für das Thema Film, also fast vier Jahrzehnte. Ich kann behaupten, ich kenne mich nicht nur mit Büchern, sondern auch mit Filmen sehr gut aus. Daher war ich sehr erfreut, als mir dieses Buch in die Hände kam. Doch schnell musste ich feststellen, dass für einen wahren Filmfreund dieses Buch eine absolute Zumutung ist. Wenn man einen so eingeschränkten Blickwinkel auf die vielen tollen Filme aus fast einem Jahrhundert Filmkunst hat wie C. Bernd Sucher, dann sollte man definitiv kein Empfehlungsbuch über Filme schreiben. Seine Filmliste ist angestaubt und die Kommentare dazu belanglos. Dieses Buch schreit geradezu vor Ahnungslosigkeit!

Droemer, 206 Seiten; 15,00 Euro


Nick Littlehales

daumen rauf

Sleep – Schlafen wie die Profis

Sleep Schlafen wie die ProfisSchlaf-Coach Nick Littlehales berät internationale Spitzensportler (darunter Cristiano Ronaldo, Manchester United, die Radsportler von Team Sky), wie sie durch eine erprobte Schlafstrategie ihre Leistungsfähigkeit erhalten und steigern können. Jetzt teilt der Schlafguru seine Methoden mit uns allen. Auf Grundlage der Schlafforschung hat er ein Programm entwickelt, das jedem von uns in überschaubaren Schritten hilft, abzuschalten, besser zu schlafen und sich optimal zu erholen. Wir lernen, unseren Schlafzyklus zu erkennen und die besten Bedingungen für die Nachtruhe zu schaffen. Und er räumt mit so einigen Schlafmythen auf.

Ein erholsamer Schlaf ist wichtig! Wer kennt diese Aussage nicht. Aber es gibt viele Menschen, die sind davon weit entfernt. Die Gründe sind unterschiedlich. Dieses Buch will Abhilfe schaffen, damit auch diese Menschen einen besseren Schlaf finden. Der Schlafprofi Nick Littlehales geht dabei auf z. B. folgende Punkte ein: „Nicht Stunden, sondern Zyklen schlafen“, „Gewohnheiten für vor und nach dem Schlaf“, „Nützliche Nickerchen – Aktivität und Erholung harmonisieren“, „Das Bett neu erfinden“, „Die Schlafumgebung“ und „Schlafprobleme“. „Sleep – Schlafen wie die Profis“ ist ein Buch, das Ihren Schlaf verbessern und Ihre Gesundheit damit fördern wird, denn ein erholsamer und richtiger Schlaf, bringt mehr Energie für den Tag, für das ganze Leben!

Knaus, 236 Seiten; 16,00 Euro


James Baldwin

daumen rauf

Von dieser Welt

Von dieser WeltJohn Grimes ist ein schwarzer, empfindsamer Junge aus Harlem, sexuell unschlüssig, seine einzige Waffe zur Selbstverteidigung ist sein Verstand. Aber was nützt es, von den weißen Lehrern gefördert zu werden, wenn der eigene Vater einem tagtäglich predigt, man sei hässlich und wertlos, solange man sich nicht von der Kirche retten lässt. John sehnt sich danach, selbst über sein Schicksal zu entscheiden, nicht sein Vater, den er trotz allem liebt, nicht ein Gott, den er trotz allem sucht. Als am Tag von Johns vierzehntem Geburtstag sein Bruder Roy von Messerstichen schwer verletzt nach Hause kommt, wagt John einen mutigen Schritt, der nicht nur sein eigenes Leben verändern wird.

Einst ein Buch, das die Welt veränderte. Die Originalausgabe erschien 1953. Nun liegt eine Neuübersetzung vor. Die Wiederentdeckung von James Baldwin ist ein Segen für die Literatur. Sein Stil ist literarischer Gospel! „Von dieser Welt“ ist eine berührende und mitreißende Geschichte, die immerzu nachdenklich stimmt und an Aktualität nichts verloren hat. John Grimes ist ein ganz besonderer Alltagsheld. „Von dieser Welt“ ist ein meisterhafter Klassiker!

dtv, 320 Seiten; 22,00 Euro


Jan Guillou

Der Sohn

Der Sohn

Schweden in den 1950er-Jahren: Eric, der Enkel von Oscar Lauritzen, lebt mit seinen Eltern und seinem kleinen Bruder Axel im vornehmen Stockholmer Vorort Saltsjöbaden. Er führt das behütete Leben der Oberschicht, fernab von aller Armut und Not. Als Erics Vater sich als ungeeignet erweist, das riesige Familienimperium Lauritzen zu übernehmen, fällt die Wahl auf den jungen Eric. In den Augen seines Großvaters besitzt er den nötigen Ehrgeiz, den eine solche Position verlangt. Eric setzt fortan alles daran, den Ansprüchen zu genügen, doch ein tragisches Ereignis zerstört alle Pläne. Plötzlich mittellos geworden, muss Eric seinen Weg finden. Doch er wäre kein echter Lauritzen, wenn ihm das nicht bravourös gelänge.

Der Schwede Jan Guillou gehört zu den Besten seines Fachs! Kriminalroman, Historienroman, er kann beides, und dass ausgesprochen gut. Seit Jahrzehnte ist er eine sichere Bank für gute Bücher! „Der Sohn“ ist nun der sechste Band seiner „Brückenbauer“-Serie. Zuletzt erschienen „Schicksalsjahre“ und „Die Schwestern“. „Der Sohn“ knüpft an die große Klasse dieser Reihe an. Die „Brückenbauer“-Serie ist großartige Unterhaltungsliteratur!

Heyne, 429 Seiten; 20,00 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Minette Walters

Die letzte Stunde

Die letzte Stunde

Südengland, Juli 1348: An der Küste ist die Pest ins Land gekrochen. Binnen kürzester Zeit entvölkert sie ganze Landstriche, Angst und Panik regieren. Allein Lady Anne, die Herrin von Develish, nimmt das Heft in die Hand. Sie bringt all ihre Schutzbefohlenen auf ihrem Anwesen in Sicherheit und lässt die Zugangsbrücke verbrennen. In ihrem kleinen Reich zählen nicht mehr gesellschaftliche Konvention und Rang, sondern Einsatz für die anderen. Als neuen Verwalter setzt Anne Thaddeus ein, den niedrigsten, aber klügsten ihrer Diener. Doch kann sich die Schicksalsgemeinschaft gegen die schreckliche Krankheit behaupten, die vor ihren Toren tobt? Gegen die Verzweifelten und Raffgierigen, die Develish angreifen? Werden die kargen Vorräte reichen?

Die einst größte Krimi-Queen Europas, die Engländerin Minette Walters, kehrt nach einer langen Schreibpause dem Kriminalroman den Rücken und wendet sich dem historischen Roman zu. Und was soll man sagen, der Schritt in die Historie ist ihr durchaus gelungen. Von ihren Krimis war ich durchweg begeistert, ihr erster historischer Roman kann mit ihren herausragenden Kriminalromanen nicht mithalten, aber er ist weitaus besser, als ich es vermutet hatte. Minette Walters, von Europas Krimi-Queen zu Europas Historien-Lady? „Die letzte Stunde“ ist ein guter Anfang! Die Abwegigkeit, dass der Glaube an Gott die Pest verhindern würde, die kommt hier sehr gut zu Geltung. Die Kirche meint, das wird schon, einmal in die Kirche gehen und zahlen und alles wird gut, nein, das half nicht. Minette Walters schreibt hier äußerst spannend, wie die Pest klein beginnt und dann nach und nach das ganze Land überzieht, Millionen Mensche tötet. Welche Verbrecher die Kirchenleute waren und ebenso der Adel. Doch gegen die Pest sind sie alle machtlos. Minette Walters lässt die Geschichte auf eher kleinen Raum spielen und lässt auch hier ihren Charakteren viel Platz zur Entfaltung. Und hier tun sich viele Abgründe auf. Hervorragend gelesen von Gabriele Blum, Jahrgang 1954. Sie verleiht der Geschichte einen edlen Ton. Hörprobe

Die letzte Stunde Cover



Auch als Hardcover erhältlich bei Heyne, 22,00 Euro

Random House Audio, 2 MP3 CDs, 880 Minuten; 22,00 Euro


Denglers-buchkritik.de

Kolumne vom 02.04.2018 - Nr.502 


Nickolas Butler

daumen rauf

Die Herzen der Männer

Die Herzen der Männer

In den Augen seines Vaters ist Nelson eine Enttäuschung. Wer will schon ein Kind, das weder Freunde noch Selbstbewusstsein besitzt? Irgendwann lässt der Vater seinen Sohn und seine Frau zurück. Doch Nelson ist nicht ganz allein. Jonathan, sein bester Freund aus dem Pfadfinderlager, ist das genaue Gegenteil von Nelson: bei allen beliebt, pragmatisch und mit einer unverwüstlichen Leichtigkeit ausgestattet. Was aber treibt jemanden wie Jonathan dazu, sich mit einem Außenseiter anzufreunden? Und stand Jonathan wirklich immer so rückhaltlos zu ihm? Das Leben im rauen Wisconsin verlangt Nelson, Jonathan und dessen Familie Prüfungen ab, die Freundschaft und Loyalität auf eine harte Probe stellen.

„Die Herzen der Männer“ ist von Anfang bis Ende mit einem Pfadfinderlager im ländlichen Wisconsin verknüpft. Von hier aus breitet Nickolas Butler seinen berührenden Roman über die Herzen der Männer, aber auch der Frauen aus. Die Geschichte nimmt ihren Anfang im Jahr 1962, setzt sich 1996 und dann 2019 fort. In jedem Jahr lernt man Anhand der Protagonisten auch die damalige und heutige Zeit kennen. Was sich im Abstand von jeweils gut 30 Jahren alles verändert hat, vor allem wie sich die Jungendlichen verändert haben. Die Männer, die Eltern haben irgendwie immer die gleichen Probleme mit ihren Kindern, mit der Liebe und auch mit dem Leben. Man sieht wie aus ungestümen Jungen kräftige Männer werden, die dann selbst Kinder bekommen, wie das Leben ihnen allen einen Strich durch die Rechnung macht, und auch wieder nicht, denn das Leben ist nun mal keine grade Linie. Die Liebe ist dabei immer ein wichtiger Teil. Sie kommt, sie geht, wie das Leben ist auch die Liebe keine gerade Linie. „Das Herzen der Männer“ ist eine Geschichte, die sich tief in mein Herz eingegraben hat. Eine wunderbarer, schlicht genialer Roman! Einer der besten Romane dieses Bücherfrühjahres.

Klett-Cotta, 477 Seiten; 22,00 Euro


Jürgen Seidel

daumen runter

Die Rettung einer ganzen Welt

Die Rettung einer ganzen Welt

New York City, Ende der 90er-Jahre: Bei einem Familientreffen erinnert sich die Jüdin Bella Servos an ihre Jugend in Berlin, findet aber kaum mehr interessierte Zuhörer. Zeit und Geschichte sind über ihr Leben hinweggerollt, die Töchter längst in einer anderen Welt angekommen. Dabei gäbe es die Familie gar nicht, hätte der arabische Arzt Dr. Fareed während des Zweiten Weltkriegs Bella nicht vor der Deportation durch die Nationalsozialisten gerettet. Vor Bellas geistigem Auge entsteht die Welt von damals: die Welt ihrer Eltern, ihrer Schulfreundinnen, ihres selbstlosen Retters und natürlich auch die von Joost, ihrer großen Liebe.

Die Idee des Romans ist nicht neu, aber seine Geschichte hört sich sehr vielversprechend an. Ist sie dann eigentlich auch. Eigentlich. Sie behandelt wichtige Themen, die damals wie auch heute wieder aktuell sind. Aber vor allem dreht es sich um die Nazizeit und das was den Juden dort Schreckliches angetan worden ist. Das dachte ich zumindest, und daher wurden meine Erwartungen leider nicht erfüllt. Die Gründe: es dreht sich in der Geschichte um noch so vieles andere, vor allem im Heute, und auf das ich gänzlich verzichten können. Auch begeht Jürgen Seidel gleich zu Anfang einen gravierenden Erzählfehler, den ihm das Lektorat tatsächlich hat durchgehen lassen. Er stellt auf drei, vier Seiten über zehn Personen vor. Da schwirrt einem der Kopf. Wer wer ist, das verfliegt schnell. Anstatt dass er die Geschichte und die Figuren sorgfältiger aufbaut, springt Jürgen Seidel stümperhaft hin und her. Der Roman enthält so viel Gutes, daher sind diese Erzählfehler und die verzichtbaren Ausschweifungen ins Heute, die mich den Roman negativ bewerten lassen, so einschneidend für mich. „Die Rettung der Welt“ wäre ansonsten ein kleines Juwel geworden.

dtv, 478 Seiten; 16,90 Euro


Ferdinand von Schirach

daumen rauf

Strafe

StrafeWas ist Wahrheit? Was ist Wirklichkeit? Wie wurden wir, wer wir sind? In diesem Buch werden zwölf Schicksale geschildert. Aber eigentlich sind es ja viel mehr, denn es gib immer mehrere Seiten, die es zu betrachten gilt. Es ist oft schwer, einem Menschen gerecht zu werden und wie voreilig unsere Begriffe von „gut“ und „böse“ sind. Die Geschichten erzählen in ruhiger und distanzierter Gelassenheit von Einsamkeit und Fremdheit, von dem Streben nach Glück und dem Scheitern.

Der große Bestsellerautor Ferdinand von Schirach, der Spaziergänge durch die Stadt liebt, aber durch den Wald grässlich findet, ist ein eloquenter, interessierter und aufgeweckter Gesprächspartner und Zuhörer. Das merkt man auch seinen Charakteren und Geschichten an, denn sie verraten unheimlich viel über die Menschen, ihre Gefühle und ihre Abgründe. Gleich in der ersten seiner zwölf Stories erfährt man, was der Vor- und Nachteil eines Schöffen ist, und wie das Schöffendasein auch eine Art Gefängnis darstellt; in einer weiteren Geschichte erleben wir eine a la John Grisham. Ein abgehalfterter Anwalt übernimmt einen aussichtslosen Mordfall und überrascht im Gericht mit einem Detail, das keinem zuvor aufgefallen war; eine andere Story handelt von einem kleinen Mann, der es hasst klein zu sein. Als das Leben ihm dann plötzlich eine illegale Chance bietet, über seine Körpergröße hinauszuwachsen, ergreift er sie. Mit Erfolg? Und auch alle andere Stories zeigen dem Leser überraschende Rechtsfälle auf. Ferdinand von Schirach schafft es erneut, mit stilistisch feiner Feder von der „Strafe“ die dem Menschen zu Teil wird, zu erzählen. Doch wer wird hier wirklich bestraft? Ist es immer der Täter? „Strafe“ bietet zwölf Stories, die unter die Haut gehen!

Luchterhand, 192 Seiten; 18,00 Euro


Domenico Starnone

daumen rauf

Auf immer verbunden

Auf immer verbundenVanda und Aldo können auf ein langes gemeinsames Leben zurückblicken, auch wenn sie nicht immer glücklich waren. Wie bei vielen Paaren erstickte auch ihre Beziehung irgendwann in Routinen. Als Aldo dann die jüngere Lidia kennenlernt, scheint die Ehe endgültig zerbrochen. Doch die neue Liebe kann die Bande, die die Kinder geknüpft haben, nicht lösen, und so kehrt Aldo nach Hause zurück. Inzwischen sind seit dem Bruch Jahrzehnte vergangen, und die Wunden der einstigen Verletzungen scheinen geheilt - bis zu jenem Tag, als die alte Narbe plötzlich schmerzhaft aufbricht ...

Die Liebe kann den Himmel auf Erden bedeuten, aber auch zu einem Minenfeld werden, das bei jedem Schritt einen Teil von einem abreißt. Liebe ist ein langer Weg, der nur allzu oft nicht das hält, was man sich davon versprochen hat. Zwei Menschen können sich, trotz der großen Liebe, so unterschiedlich weiterentwickeln, dass das Pflänzchen Liebe, das man jeden Tag aufs Neue pflegen muss, nach und nach verdörrt. Davon erzählt „Auf immer verbunden“. Ein absolut ehrlicher Roman über die Liebe!

DVA, 172 Seiten; 18,00 Euro


Ulrich Chaussy

Rudi Dutschke – Die Biographie

Rudi Dutschke Die Biographie

„Achtundsechzig“ ist in der Bundesrepublik mit dem Namen Rudi Dutschke verbunden. Er war Gesicht und Stimme der deutschen Studentenbewegung, repräsentierte Aufbruch und Generationenkonflikt wie kein zweiter. Die Biographie zeichnet das Bild eines mitreißenden Menschen, dem nur wenige Jahre öffentlichen Wirkens gegönnt waren, bis ein Rechtsradikaler ihn bei einem Attentat schwerst verletzte. Niemand anders hat der 68er-Bewegung so sehr seinen Stempel aufgedrückt wie Rudi Dutschke (1940-1979). Mit ihm ist die Revolte der Studenten mehr als nur verbunden – seine individuelle Biografie ist mit dem Verlauf einer kollektiven Bewegung eins geworden insbesondere durch das Attentat vom Gründonnerstag 1968, das er nur um Haaresbreite überlebte und an dessen Spätfolgen er schließlich starb.

Wer sich mit der 1968er-Bewegung in Deutschland beschäftigt, dem ist der Name Rudi Dutschke unweigerlich ins Gedächtnis gebrannt. Über diesen engagierten und klugen Mann hat Ulrich Chaussy nun eine zeitgeschichtlich interessante und spannende Biographie geschrieben. Ein Buch, das man nicht mehr aus der Hand legen kann, so sehr fesselt einen der Lebensweg des Rudi Dutschke. Ulrich Chaussy hat mit dieser Biographie ein eindrucksvolles Werk geschrieben.

Droemer, 448 Seiten; 19,99 Euro


Hörbuch der Woche

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Jörg Maurer

Am Abgrund lässt man gern den Vortritt

Am Abgrund lässt man gern den Vortritt mp3

Kommissar Hubertus Jennerwein gönnt sich eine Auszeit. Aber schon vor der geplanten Abreise trifft er auf dem Bahnhof einen Kommissar-Kollegen aus dem Allgäu und wird aufgehalten. Dann erreicht Jennerwein ein Hilferuf aus dem Kurort: Ursel Grasegger, Bestattungsunternehmerin a. D., hat eine blutige Morddrohung gegen Ignaz erhalten. Ihr Mann ist seit Tagen unauffindbar. Ist er in den Händen von Entführern? Oder hat er heimlich etwas Illegales geplant, was nun schiefgegangen ist? Jennerwein verspricht Ursel, Ignaz' Spur außerdienstlich zu verfolgen – und auf einmal steht Jennerwein vor dem Abgrund seiner Polizeikarriere …

„Am Abgrund lässt man gern den Vortritt“ ist der zehnte Fall für den Kult-Kommissar Hubertus Jennerwein. Ein spannender, sehr ereignisreicher und zum Schmunzeln animierender Krimi! Mafia, Clowns und ein ungeheuerliches Vorgehen bei der Krankenversicherung. Das sind die großen Schlaglichter von „Am Abgrund lässt man gern den Vortritt“. Aber es gibt natürlich noch so viel mehr, was im zehnten Fall vom Jennerwein so alles passiert. Ein besonderes Schmankerl ist der Auftritt des anderen bayerischen Kult-Kommissars, Kluftinger. Das liegt weniger an dem, was er in Verbindung mit Jennerwein macht, denn das ist nicht viel, als in der Interpretation von Jörg Maurer. Er liest die Stellen in einem herrlichen Allgäuer Dialekt. Schmunzeln XXL! Doch nicht nur diese Textstelle ist gut gelesen, sondern der ganze Roman. Eine Lesung wie eine bayerische Theateraufführung! Jörg Maurer kann’s. Zum Hörbuch gibt es noch eine Bonus-CD, mit Auszügen aus den ersten neun Alpenkrimis. Hörprobe

Am Abgrund lässt man gern den Vortritt



Auch als Paperback erhältlich bei Scherz, 14,99 Euro.

Argon Hörbuch, 7 CDs, 546 Minuten; 19,95 Euro


Denglers-buchkritik.de

Kolumne vom 26.03.2018 - Nr.501 


Sascha Berst-Frediani

daumen rauf

Reue

Reue

Ein Dorf in Deutschland. Sie – jung, hübsch und bei der Sparkasse arbeitend, ihr Ehemann – derb, eher schlicht und Hauptfeldwebel bei der Bundeswehr. Dass er nur am Wochenende zu Hause ist, stört sie nicht. Eigentlich wäre alles perfekt, wenn dieser Untermieter nicht wäre. Am Anfang spielt sie nur mit ihm. Aber die Versuchung ist zu groß. Und plötzlich ist es ernst. Doch als sie beschließt, die Karten auf den Tisch zu legen, ist einer tot und für die Wahrheit ist es zu spät.

Eine Sprache so scharf wie ein Skalpell! Dem deutschen Autor Sascha Berst-Frediani gelingt es, einen mit dieser Art des Erzählens sofort zu packen. Weniger ist mehr, und genau das ist packend und nicht ganz so einfach umzusetzen. Autoren verquasseln sich auch gerne. Doch „Reue“ überzeugt nicht nur durch seine Sprache, sondern auch durch seine dichte und spannende Story, die einem nur langsam das ganze Ausmaß erkennen lässt, was sich zwischen den einzelnen Akteuren im Dorf abgespielt hat. Sascha Berst-Frediani seziert die Befindlichkeiten seiner Charaktere bis sie seelisch nackt vor dem Leser erscheinen. Unzufriedenheit, Neid, Hass, Eifersucht, die Bandbreite ist lang, und alles zusammengemixt lässt es den Kessel explodieren. Sie werden es garantiert nicht bereuen, wenn Sie „Reue“ lesen!

Gmeiner, 244 Seiten; 18,00 Euro


John Darnielle

daumen runter

Rekorder

Rekorder

In einer Kleinstadtvideothek inmitten Iowas tauchen seltsame und unheimliche Filmschnipsel auf den Leihkassetten auf. Dunkle und grobkörnige Szenen, die eine Scheune zeigen, darin ein leerer Stuhl, Atemgeräusche sind zu hören. In späteren Clips taucht eine Frau auf, erst gefesselt und mit einer Kapuze über dem Kopf, dann durch ein Maisfeld laufend - auf der Flucht vor dem Kameramann. Der Videothekenmitarbeiter Jeremy will nichts mit der Sache zu tun haben, doch als seine Freundin Stephanie die Scheune in den Filmszenen wiedererkennt, muss er handeln. Die Suche nach der Wahrheit hinter den Videos führt Jeremy und Stephanie in die Vergangenheit.

Als ich las, um was es sich bei „Rekorder“ handelt, war ich sofort Feuer und Flamme. Es erinnerte mich an den Film „The Ring“ (nach einer Romanvorlage). Ich erwartete eine superspannende Story, da diese nur 286 Seiten lang ist, natürlich gleich von Anfang an. Doch leider wurde ich auch gleich von Anfang an enttäuscht. Die Story hält nur sehr wenig, entgegen dem was man sich bei der Beschreibung von der Story verspricht. Superspannend ist hier nichts, superlangweilig, das trifft es schon eher. Wie man so eine gute Idee zu einer Story so schlecht erzählen kann wie John Darnielle, dazu muss man auch erstmal das Talent haben. Der Verlag verspricht „einen atemberaubenden Roman für Fans von David Lynch. Also in „Twin Peaks“ wäre dieser Roman nur auf dem Klo ausgelegen, zu mehr hätte er nicht gereicht.

Eichborn, 286 Seiten; 20,00 Euro


Hannah O’Brien

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Irisches Erbe

Irisches ErbeDas gesamte County Galway steht unter Schock: In verschiedenen Kirchen der Umgebung werden kurz hintereinander Morde begangen. Und das ausgerechnet in der Vorweihnachtszeit! Der vierte Fall für Grace O’Malley von der Mordkommission im westirischen Galway und ihrem Kollegen Rory Coyne ist besonders knifflig. Will sich jemand an den Geistlichen rächen? Eine heiße Spur führt nach Nordirland ‒ und mitten hinein in einen nach wie vor schwelenden Glaubenskonflikt.

Die Krimis von Hannah O’Brien gehören zu den Highlights des Genres! Die Ermittlerin, das Umfeld, die Fälle, alles fügt sich zu erlesenen Kriminalromanen zusammen. Nach „Irisches Verhängnis“, „Irisches Roulette“ und „Irische Nacht“ ist „Irisches Erbe“ der vierte Fall für die sympathische und gewitzte Ermittlerin Superintendent Grace O’Malley. Auch die Charaktere rund um die Ermittlerin bleiben im Gedächtnis. In „Irisches Erbe“ spielt Hannah O’Brien wieder alle ihre Stärken aus. Der Fall lädt von Anfang an zum miträtseln ein. Die Autorin legt zahlreiche Spuren und präsentiert ebenso viele Verdächtige. Ein Krimi, bei dem jede der über 400 Seiten lesenswert ist. Wer bisher noch kein Fan von Hannah O’Briens Irland-Krimis war, der wird es nach „Irisches Erbe“ mit Sicherheit sein.

dtv, 420 Seiten; 9,95 Euro


Walter Moers / Florian Biege

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Die Stadt der Träumenden Bücher Band 2 – Die Katakomben

Die Stadt der Träumenden Bücher Band 2 Die KatakombenBuchhaim ist die „Stadt der Träumenden Bücher“, wo Bücher nicht nur spannend oder komisch sind, sondern auch in den Wahnsinn treiben oder sogar töten können. Walter Moers` fantastische Abenteuergeschichte um den jungen Dichter Hildegunst von Mythenmetz, der das Geheimnis eines makellosen Manuskriptes ergründet, hat weltweit die Leser begeistert. Nun gibt es diese Geschichte aus dem Abenteuerreich der Literatur als Graphic Novel. In jahrelanger Arbeit hat Walter Moers seinen Romantext auf die Bedürfnisse einer Graphic Novel umgearbeitet und in Form eines Szenarios Hunderte von Bildern skizziert, die Florian Biege in enger Zusammenarbeit mit dem Autor in einen Comic von plastischer Farbigkeit verwandelt hat.

Walter Moers und Florian Biege verschlägt es in ihrem Graphic Novel ein zweites Mal in „Die Stadt der Träumenden Bücher“. Nach dem sensationellen ersten Band „Buchhaim“ geht es nun in „Die Katakomben“. Sensationell was Walter Moers und Florian Biege hier geleistet haben. Die beiden Bände sind Hollywood-Animations-Kinohits in Comicform gebracht. Diese Bücher liest und erlebt man mehr als einmal. Zum staunen gib es hier immer wieder etwas, dafür haben Walters Moers und Florian Biege gesorgt.

Knaus, 122 Seiten; 25,00 Euro


Wolfram Fleischhauer

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Das Meer

Das Meer

Teresa, eine junge Fischerei-Beobachterin, verschwindet spurlos auf hoher See. Sie sollte auf einem modernen Fischfang- und Gefrierschiff die Einhaltung der EU-Vorschriften überwachen. Entsetzt ist nicht nur ihr Ausbilder und Geliebter John Render von der GD-Mare in Brüssel. Genauso am Boden zerstört und von Schuldgefühlen geplagt sind Ragna di Melo und ihre Truppe von radikalen Umweltaktivisten, die eine hochgefährliche Methode entwickelt haben, den skrupellosen Ausbeutern der Meere das Geschäft zu verderben. Als Ragnas Vater, ein schillernder Schweizer Lobbyist, Wind von den Aktivitäten seiner Tochter bekommt, die auch seine eigenen Geschäftsinteressen berühren, muss er handeln. Noch bevor das ganze Ausmaß der Bedrohung nach Brüssel durchgesickert ist, reist er nach Südostasien, wo Ragna sich versteckt halten soll.

Ein aktueller, spannender und aufwühlender Roman! Wolfram Fleischhauer beweist wieder einmal sein Gespür für ein aktuelles Thema, das er mit einer bis ins Detail ausgearbeiteten Geschichte und gut gezeichneten Figuren spannend in Szene setzt. Was Wolfram Fleischhauer in „Das Meer“ behandelt, habe ich in dieser Form noch in keinem Roman, oder auch Kriminalroman, gelesen. Die Überfischung der Meere, der Mensch, skrupellos, machtbesessen und absolut gedankenlos, und was für Lehren man ziehen sollte, wenn man dieses Buch gelesen hat.

Das Meer audio


Auch als Hörbuch erhältlich bei Argon Hörbuch. Eine vorzügliche Lesung vom großen Geschichtenvorleser Johannes Steck! 19,95 Euro. Hörprobe

Droemer, 448 Seiten; 19,99 Euro


Hörbuch der Woche

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Susanne Fröhlich

Verzogen

verzogen audio

Andrea erfüllt Paul einen Herzenswunsch und zieht mit ihm aufs Land. Und zwar wirklich aufs Land – dahin, wo Fuchs und Hase sich am Waldrand Gute Nacht sagen, der nächste Supermarkt eine halbe Autostunde entfernt ist und die Feldwege sich am Dorfausgang in der Unendlichkeit verlieren. Allerdings nur zur Probe für ein Jahr! Wie das wohl wird? Während Paul voller Elan die Praxisvertretung für den ansässigen Orthopäden übernimmt, muss Andrea feststellen, dass das Landleben gar nicht so ist, wie sie sich das vorgestellt hat: Als Frau Doktor ist sie gleich im ganzen Dorf bekannt, und spätestens als ihr Ex-Schwiegervater Rudi zu ihnen zieht, wird klar, dass von Privatleben hier keine Rede sein kann.

Susanne Fröhlich macht gute Laune! Nach dem Hören und der Lektüre mit den Alltagsgeschichten rund um Andrea Schnidt macht das eigene Leben gleich wieder doppelt so viel Spaß! „Verzogen“ ist ein herrlicher Spaß und zugleich aber auch ein Roman, der einen immer wieder über das Leben nachdenken lässt. Susanne Fröhlich gelingt diese Mischung gut. Es dreht sich u. a. um das Verlassen von alten Pfaden, dem sich Neuen öffnen, dem sich selbst finden, das Altern, den Körper, Familie und Freunde und noch so viel mehr. Die Geschichte ist mit vorzüglichen Charakteren gespickt, aber besonders hervorzuheben ist die weise Polin Malgorzata, Pflegerin von Andreas dementen Mutter, mit ihren pointionierten Aussagen, die Susanne Fröhlich perfekt spricht. So auch Schwiegervater Rudi, mit seinem Hessisch. Susanne Fröhlich interpretiert ihren eigenen Roman trocken und humorvoll. Hörprobe

Verzogen



Auch als Hardcover erhältlich bei Krüger, 17,99 Euro.

Argon Hörbuch, 4 CDs, 318 Minuten; 19,95 Euro


Denglers-buchkritik.de

Kolumne vom 19.03.2018 - Nr.500  Jubiläumsausgabe


Gunnar Kaiser

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Unter der Haut

Unter der Haut

New York während des Sommers von 1969: Der Literaturstudent Jonathan Rosen macht die Bekanntschaft des bibliophilen Dandys Josef Eisenstein. Durch den geheimnisvollen älteren Mann lernt der unerfahrene Junge nicht nur die Welt der Kunst und des Geistes, sondern auch die Macht der Verführung kennen und erlebt in diesen hellen Tagen sein Coming of Age. Zu einem ersten sexuellen Erlebnis kommt es in Eisensteins Atelier. In den folgenden Wochen machen sie sich die beiden in den Straßen New Yorks auf die Suche nach neuen „Opfern“. Ihr Muster: Eisenstein, der selber niemals eine Frau berührt, lehrt Jonathan die Kunst der Verführung; sie bringen die Frauen in sein Apartment, wo Jonathan mit ihnen schläft, während Eisenstein sie beobachtet. Mit der Zeit wächst in Jonathan ein Verdacht, dass über seinem Mentor ein dunkles Geheimnis liegt.

Ein Roman, der einen umgarnt, umschmeichelt, mit einem spielt, einen herausfordert und dann blitzartig zustößt – mit einem Dolch mitten ins Herz seines Lesers! Gunnar Kaiser ist mit seinem Debüt „Unter der Haut“ ein echtes literarisches Highlight gelungen. Es verknüpft mehrere Genres: Drama, Entwicklungsroman, Krimi, und hat dabei mit Jonathan Rosen und Josef Eisenstein zwei ausgezeichnete Charaktere zu bieten. Ein Roman, der einen auch durch seine vielen kleine Stillleben in der Geschichte begeistert. Gunnar Kaiser entwirft auch im Kleinen große Bilder. „Unter der Haut“ geht unter die Haut!

Unter der Haut audio


Auch als Hörbuch erhältlich bei Osterwold Audio. Ein Roman – zwei ausgezeichnete Charaktere. Ein Hörbuch – zwei umschmeichelnde Sprecher. Julian Mehne und Reinhard Kuhnert erfüllen diesen Part ausgezeichnet. 24,99 Euro. Hörprobe

Berlin Verlag, 517 Seiten; 22,00 Euro


Ruben Laurin

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Die Kathedrale des Lichts

Die Kathedrale des Lichts

Anno 1215. Dem Waisenjungen Moritz widerfährt großes Leid. Nur, wenn er Skulpturen aus dem Stein haut, vergisst er alle Schmerzen. Jahre später erkennt ein reisender Baumeister Moritz' Talent und nimmt ihn mit nach Magdeburg, wo eine Kathedrale gebaut wird. Rasch macht sich Moritz einen Namen unter den Steinmetzen. Doch nicht jeder auf der riesigen Baustelle bewundert den jungen Künstler. Vor allem Gotthart, ein bekannter Bildhauer, neidet Moritz den Erfolg. Als Moritz sich ausgerechnet in die Frau verliebt, um die auch Gotthart wirbt, verfolgt dieser nur noch ein Ziel: die Vernichtung seines Rivalen, um jeden Preis.

Ruben Laurin, ein Pseudonym, macht den deutschen Ken Follett und baut literarisch auch eine Kathedrale. Soweit so gut. Leider kommt der deutsche Autor nie an das englische Original heran. Vor allem die Dramaturgie lässt viel Luft nach oben. Magisch anziehend ist der Roman nur selten, was bei einem Ken Follett praktisch in der literarischen DNA liegt. Die geschichtlichen Aspekte sind interessant, aber mehr auch nicht, die Liebesgeschichte etwas zu aufgeblasen und die Spannung kommt zu kurz. „Die Kathedrale des Lichts“ bietet gute Ansätze und einiges Interessantes, aber er sticht unter den zahlreichen historischen Roman nicht heraus.

Bastei Lübbe, 591 Seiten; 11,00 Euro


Horst Eckert

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Der Preis des Todes

Der Preis des TodesAls Staatssekretär Christian Wagner erhängt in seiner Berliner Wohnung aufgefunden wird, glaubt Sarah Wolf nicht an Selbstmord. Die Moderatorin einer politischen TV-Talkshow hatte seit ein paar Wochen eine Beziehung mit dem Politiker, der gerade von einem Boulevardblatt als Lobbyist des Krankenhausbetreibers Samax AG hingestellt wurde - eine Katastrophe für Christians Karriere, aber ein Grund für einen Suizid? In seinen Unterlagen stößt sie auf einen Bericht über ein Flüchtlingslager in Kenia. Und muss sich fragen, wie gut sie den Mann kannte, den sie zu lieben glaubte. Unterdessen wird an einem See bei Düsseldorf eine Frauenleiche entdeckt. Kommissar Paul Sellin findet heraus, dass Johanna Kling kurz vor ihrem Tod mit Christian Wagner in Kontakt stand. Was hatte die 28-jährige Menschenrechtsaktivistin mit dem Politiker aus Berlin zu schaffen?

Horst Eckert ist einer der profiliertesten Krimiautoren Deutschlands! Obwohl auf dem Cover Thriller steht handelt es sich bei „Der Preis des Todes“ eindeutig um einen Kriminalroman. Aber einen richtig guten! Die Ermittlungen des Kommissars sind nicht der Hauptteil der Geschichte, der dreht sich um Sarah Wolf, die Politik, den Lobbyismus, die Wirtschaft, die Seilschaften zwischen allen, Journalismus und das Fernsehen. Ein sehr spannender Themenkomplex, den Horst Eckert zu einem ebenso spannenden Krimi zusammengefügt hat. „Der Preis des Todes“ ist jede Leseminute wert!

Wunderlich, 413 Seiten; 19,95 Euro


Ralf H. Dorweiler

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Das Geheimnis des Glasbläsers

Das Geheimnis des GlasbläsersAnno Domini 1452: Glas, so klar wie ein Gebirgsbach - so etwas hat im Heiligen Römischen Reich noch niemand gesehen, nicht einmal Kaiser Friedrich III. In seinem Auftrag wird der junge Glasbläser Simon ausgesandt, die geheime Rezeptur des Kristallglases zu stehlen. Nur ein Tumber und ein Esel begleiten ihn auf der gefahrvollen Reise über die Alpen in die prachtvolle Lagunenstadt Venedig. Mithilfe einer Kurtisane kommt Simon dem Geheimnis näher. Doch ein skrupelloser Serienmörder und eine betörend schöne Frau lassen die kaiserliche Mission zur Nebensache werden - und führen Simon mitten hinein in die Schlacht um Konstantinopel ...

Ralf H. Dorweiler konnte mich schon mit seinem historischen Debütroman „Der Pakt der Flößer“ überzeugen. Nun liegt sein zweiter historischer Roman vor, „Das Geheimnis des Glasbläsers“. Und wieder hat Ralf H Dorweiler einen fantastischen historischen Roman geschrieben, der einen von Anfang an mit seiner Geschichte und den darin wandelnden Figuren begeistert. Ralf H. Dorweiler ist ein Geheimtipp unter den deutschen Autoren historischer Romane!

Bastei Lübbe, 573 Seiten; 11,00 Euro


Sven Enger

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Alt, arm und abgezockt

Alt arm und abgezockt

Fast alle Menschen verlassen sich bei ihrer Altersvorsorge auf ihre Lebensversicherung. Lebensversicherer müssen ihre Kapitalanlagen in sichere festverzinsliche Bundesanleihen anlegen. Doch die niedrigen Zinsen verhindern die notwendige Rendite, sodass die Altzusagen an die Versicherten nicht bedient werden können. Schon jetzt wissen zahlreiche Versicherer nicht mehr, wie sie ihr Kapital investieren sollen. Vor unseren Augen werden die ersten Auffanggesellschaften gegründet. Das Geschäftsmodell Lebensversicherung kollabiert. Die meisten der 93 Millionen laufenden Lebensversicherungsverträge werden nicht wie versprochen ausgezahlt.

Mir war die Lebensversicherung mit ihren Versprechen schon langen ein Dorn im Auge. Mir taten alle Menschen leid, die eine abschlossen, weil klar war, dass nichts was der Versicherer versprach, eingehalten werden würde. Außer natürlich nach einem Todesfall, aber dann hat der Eigentümer ja nichts mehr davon. Da die Deutschen leider an einer Aktienangst leiden, konnten die Versicherer millionenfach Verträge abschließen, die für die Kunden eben nicht das bringen würden, was ihnen versprochen wurde. Autor Sven Enger, ein Kenner der Szene, klärt in seinem Buch nun sehr deutlich auf, in welche Falle die Versicherer sich und ihre Kunden getrieben haben. Der große Knall wird wohl kommen, und der wird Versicherer pleite gehen lassen und Milliarden Euro an Kundengeldern vernichten.

Econ, 288 Seiten; 18,00 Euro


Hörbuch der Woche

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Holly Black / Cassandra Clare

Magisterium 4 – Die silberne Maske

Magisterium 4 Audio

Callum und Tamara haben einen schrecklichen Verlust erlitten. Sie wissen zwar endlich, wer im Magisterium ihr Gegenspieler ist. Aber sie können sich nicht sicher sein, wer sich im Kampf auf ihre Seite schlagen wird. Während sich die Kräfte des Bösen weiter im Hintergrund sammeln, gerät Callum immer stärker in eine Zwickmühle. Da er das Erbe des Feindes des Todes in sich trägt, könnte er dessen dunkle Gabe nutzen und für sich und seine Freunde geliebte Menschen vom Tod zurück ins Leben holen. Doch welchen Preis muss er zahlen, wenn er sich wirklich mit dem Bösen einlässt?

Oliver „Justus Jonas“ Rohrbeck ist als Sprecher einer der Detektive der Drei ??? einer DER deutschen Kultsprecher überhaupt. Egal ob Hörspiel oder Hörbuch, wenn er spricht, dann muss man zuhören. Das kommt dem vierten Teil der „Magisterium“-Reihe zu gute, denn der Roman hat durchaus seine Schwächen. Es dreht sich etwas im Kreis und es passiert nicht so viel wie in den Vorgängerromanen. Aber einen Fan der Serie schmerzt das nur ein bisschen, denn man ist ja froh dass es weitergeht. Die Bestsellerreihe der beiden Autorinnengrößen Holly Black und Cassandra Clare hat es immer noch drauf. Auch wenn man diesmal eben ein paar Abstriche machen muss. Hörprobe

Magisterium 4 Cover



Auch als Hardcover erhältlich bei ONE, 17,00 Euro.

Lübbe Audio, 6 CDs, 361 Minuten; 20,00 Euro


Denglers-buchkritik.de

Kolumne vom 12.03.2018 - Nr.499


Bernhard Hennen

daumen rauf

Der Verfluchte – Die Chroniken von Azuhr 1

Der Verfluchte Die Chroniken von Azhur 1

Der junge Milan Tormeno ist dazu ausersehen, seinem Vater Nandus in das Amt des Erzpriesters zu folgen: Er soll einer jener mächtigen Auserwählten werden, die die Geschicke der Welt Azuhr lenken. Doch Milan kann nicht akzeptieren, dass sein Schicksal vorherbestimmt ist. Und er kann die Ungerechtigkeiten seines Vaters nicht länger hinnehmen. Er verstrickt sich mit der Meisterdiebin Felicia und der geheimnisvollen Konkubine Nok in ein gefährliches Netz von Intrigen. Gemeinsam geraten sie in den Bann einer alten Prophezeiung – einer Prophezeiung, nach der die Ankunft des „Schwarzen Mondes“ in Azuhr ein neues Zeitalter der Magie einläuten wird.

Der Deutsche Bernhard Hennen gehört weltweit zu den besten Fantasy-Autoren! Nach seiner sagenhaft guten Elfen-Reihe ist Bernhard Hennens neuestes Werk ganz weit weg von Elfen und anderen tolkinschen Geschöpfen, aber um keinen Deut weniger faszinierend, ereignisreich und spannend. „Die Chroniken von Azuhr“ vereinen Motive aus historischen Mittelalterromanen mit italienischem Flair, mit denen aus „Game of Thrones“ und dem, was man von traditionellen Fantasy-Romanen kennt und schätzt. Der gute Milan, der böse Nandus und die undurchsichtige Felicia sind Charaktere mit denen man auf jeder Seite mitfiebert. „Die Chroniken von Azuhr“ sind eine Fantasy-Saga der Extraklasse! Das kann man schon nach dem ersten Roman der Reihe sagen.

TOR, 572 Seiten; 16,99 Euro


Michéle Binswanger

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Fremdgehen

Fremdgehen

Frauen gehen anders fremd als Männer: manchmal, um aus der Beziehung auszubrechen. Manchmal, um drinzubleiben. Aus Lust und Leichtsinn. Und manchmal einfach nur, um zu sehen, ob sie überhaupt noch leben. Die Autorin hat mit zahlreichen Frauen übers Fremdgehen und ihre intimen Erfahrungen gesprochen — und über ihre Motive, Strategien und Gefühle. Paartherapeuten und Psychologen erklären aus wissenschaftlicher Sicht das Wesen der Liebe und Sexualität, woraus die Autorin ein wichtiges Fazit zieht: Nicht Untreue zerstört unser Beziehungsleben, sondern falsch verstandene Treue.

Fremdgehen ist ja ein Thema, das sehr unschön ist, daher, wenn man darüber ein Buch schreibt, dann muss man das Thema spannend, breitgefächert und feinfühlig erzählen. Nichts davon trifft auf das Buch der Schweizerin Michéle Binswanger zu. Spannend ist es schon gar nicht, auch wenn die Autorin durchaus eine angenehme Art des Erzählens hat. Breitgefächert, nein, auch das nicht, da sie zwar viele Themen des Fremdgehens anspricht, aber immer nur an der Oberfläche bleibt und auch zu wenig aktuell. Feinfühlig, na ja, sie lässt Frauen in Interviews zu Wort kommen, die dann erzählen. Die Autorin selbst spult das Thema einfach nur so runter. Das Buch wurde ein Bestseller. Das sehr ansprechende Cover und der allgemeine Titel haben da sicher ihren Anteil daran.

Ullstein, 284 Seiten; 14,99 Euro


Romy Fölck

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Totenweg

TotenwegEine junge Polizistin. Ein Kriminalhauptkommissar kurz vor der Pensionierung. Nichts verbindet sie - außer dem nie aufgeklärten Mord an einem jungen Mädchen. Für ihn ist es ein Cold Case, der ihn bis heute nicht loslässt. Für sie: ein Albtraum ihrer Kindheit. Denn sie fand damals die Leiche und verbirgt seither ein furchtbares Geheimnis. Achtzehn Jahre hat sie geschwiegen - bis ein weiteres Verbrechen geschieht und die Vergangenheit sie einholt.

Romy Fölck zeigt in ihren Krimis, dass sie die Qualitäten einer Elisabeth Herrmann und eines Andreas Gruber hat! Romy Fölck entwickelt von Anfang an eine Sogwirkung. Die beiden so unterschiedlichen Figuren der jungen Frida Paulsen und dem kurz vor der Pension stehenden Bjarne Haverkorn nehmen einen schnell mit. Jeder hat seine Geheimnisse, die in der Geschichte zum tragen kommen. Die Story kommt sehr schnell auf Touren. Romy Fölck bringt es auf den Punkt, sie bläst nichts auf. Sie wechselt von der Gegenwart in kurzen Schlaglichtern auch immer wieder in die Vergangenheit und bringt so langsam Licht ins Dunkel. Mit „Totenweg“ befindet sich jeder Krimileser auf dem richtigen Weg!

Lübbe, 410 Seiten; 20,00 Euro


Larry Niven

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Ringwelt Thron / Hüter der Ringwelt

Ringwelt Thron Hüter der RingweltVor vielen Jahren reiste eine Expedition zur Ringwelt ― ein riesiger, um eine Sonne kreisender Kunstplanet, erbaut von den sogenannten Protektoren. Nun ist die Ringwelt wieder in Gefahr: Eine unbekannte Macht zerstört Raumschiffe, und Kämpfe entbrennen unter den Erbauern des Planeten. Es ist klar: Die Ringwelt benötigt ihren eigenen Protektor. Doch wer soll den Thron der Ringwelt besteigen?

 

Larry Niven ist einer der Großmeister der Science-Fiction-Literatur! Sein „Ringwelt“-Zyklus ist von Anfang bis Ende sagenhaft. Für den Leser ist es ein großes Glück, dass sich dieser über zahlreiche Werke und viele Tausend Seiten überstreckt. Bastei Lübbe schenkt den Fans und den Neueinsteigern eine Neuauflage, in der jeweils zwei Bände in einem Buch erscheinen. Mit „Ringwelt Thron“ und „Hüter der Ringwelt“ ist nun der zweite Doppelband erschienen.

Bastei Lübbe, 814 Seiten; 12,00 Euro


Rachel Joyce

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Mister Franks fabelhaftes Talent für Harmonie

Mister Franks fabelhaftes Talent für Harmonie

Mister Frank hat eine besondere Gabe: Er spürt, welche Musik die Menschen brauchen, um glücklich zu werden. In Franks Plattenladen in einer vergessenen Ecke der Stadt treffen sich Nachbarn, Kunden und die anderen Ladenbesitzer der Straße und hören Klassik und Jazz, Pop und Punk. Keiner weiß, wie lange sie hier noch überleben können. Da taucht eines Tages die Frau in Grün vor Franks Schaufenster auf. Sosehr er sich auch bemüht, Frank kann einfach nicht hören, welche Musik in ihr klingt ...

 

Die Engländerin Rachel Joyce landete mit „Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry“ einen sensationellen Bestseller. Nun liegt nach weiteren Romanen ihr neuer vor, „Mister Franks fabelhaftes Talent für Harmonie“. Ein Roman, der wie ein schönes Musikstück klingt, das man immer wieder hören möchte. Auch wenn man das Buch zugeschlagen hat, hallt die Geschichte immer noch nach. Rachel Joyce ist wieder ein sehr bewegender Roman gelungen.

Krüger, 384 Seiten; 19,99 Euro


Hörbuch der Woche

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Luca D’Andrea

Das Böse, es bleibt

Das Böse es bleibt mp3

Südtirol, im Winter. Marlene ist auf der Flucht, panisch steuert sie ihr Auto durch den Schneesturm. Im Gepäck: ein Beutel mit Saphiren, den sie ihrem skrupellosen Ehemann aus dem Safe entwendet hat. Wegener ist der Kopf einer mafiösen Erpresserbande, und Marlene weiß, dass er seine Killer auf sie hetzen wird. Da stürzt ihr Wagen in eine Schlucht. Marlene erwacht in einer abgelegenen Berghütte, gerettet von einem wortkargen Alter. Bei ihm und seinen Schweinen glaubt sie sich in Sicherheit vor ihrem Mann. Bald jedoch stellt sie mit Entsetzen fest, dass von dem Einsiedler eine noch größere Gefahr ausgeht …

Der junge Italiener Luca D’Andrea hatte im letzten Jahr gleich mit seinem ersten Thriller „Der Tod so kalt“ einen großen Bestseller gelandet. Er erschien in über 40 Ländern. Sein Erstling war gut, hatte aber noch so seine Schwächen. Nun ist sein zweiter Thriller erschienen. „Das Böse, es bleibt“ ist ein erstklassiger Psychoschocker, der den Psychohorror auf ganz leisen und eiskalten Sohlen in die Köpfe seiner Leser schleichen lässt! So oft kommt das ja nicht vor, aber der zweite Thriller von des Autors Luca D’Andrea ist um Längen besser als sein erster. Und einen kleinen, so unscheinbar anmutenden Satz, werden Sie nie wieder vergessen. „Süße Lissy, kleine Lissy“. Lissy ist ein Schwein, ein riesengroßes Schwein, und dieses Schwein wird Sie nach der Lektüre, und vor allem nach dem Hören des Hörbuchs bis in Ihre Träume verfolgen. Versprochen! Matthias Koeberlin hat daran einen großen Anteil, denn so wie er diesen Satz, die ganze Geschichte liest, das ist Gänsehaut pur. Der Thrill ist jede Minute zu hören und zu spüren. Hörprobe

Das Böse es bleibt cover



Auch als Paperback erhältlich bei DVA, 15,00 Euro.

Der Hörverlag, 1 MP3 CD, 469 Minuten; 14,99 Euro


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Kolumne vom 04.03.2018 - Nr.498


Rita Falk

daumen rauf

Kaiserschmarrndrama

Kaiserschmarrndrama

Im Wald von Niederkaltenkirchen wird eine nackte Tote gefunden. Sie war erst kurz zuvor beim Simmerl in den ersten Stock gezogen und hat unter dem Namen „Mona“ Stripshows im Internet angeboten. Der Eberhofer steht vor pikanten Ermittlungen, denn zum Kreis der Verdächtigen zählen ein paar ihrer Kunden, darunter der Leopold, der Simmerl und der Flötzinger. Harte Zeiten für den Franz, auch privat: Das Doppelhaus vom Leopold und der Susi wächst in dem Maße wie Franz’ Unlust auf das traute Familienglück. Dann: die zweite Tote im Wald. Das gleiche Beuteschema. Ein Serienmörder in Niederkaltenkirchen?

Der Eberhofer Franz ist ein Garant für großartige Unterhaltungsliteratur! Bei den Dialogen und Eberhofers Gedankengängen lässt’s die Rita Falk wieder richtig krachen. Sie sprühen auch im neunten Eberhofer-Krimi nur so vor Einfallsreichtum und Witz. Und was wäre der Krimi ohne Eberhofers Privatleben. Da ist, wie es so ist in Eberhofers Leben, meist noch mehr geboten als auf der Arbeit. Doch Eberhofer managet die Mordfälle genauso wie das Tohuwabohu was zu Hause herrscht – irgendwie halt. In Niederkaltenkirchen ist wieder mal viel geboten. Den Leser freut’s, denn geselligen Lesestunden mit Eberhofer und Konsorten sind damit garantiert.

dtv, 301 Seiten; 15,90 Euro


Lionel Shriver

daumen runter

Eine amerikanische Familie

Shriver Eine amerikanische Familie

USA im Jahr 2029. Der Dollar ist kollabiert und durch eine Reservewährung ersetzt. Wasser ist kostbar geworden. Und Florence Mandible und ihr dreizehnjähriger Sohn Willing essen seit viel zu langer Zeit nur Kohl. Dass es Florence trotz guter Ausbildung so schwer haben würde, ihr Leben zu meistern, hätte niemand aus der Familie gedacht. Doch als die Mandibles alles verlieren und in einem Park Unterschlupf suchen müssen, sind es nicht die Erwachsenen, sondern Willing, der mit Pragmatismus, Weitsicht und notfalls auch krimineller Entschlossenheit dem Mandible-Clan wieder auf die Beine hilft.

Auf diesen Roman habe ich mich sehr gefreut, da er vom Verlag als Roman angekündigt wurde, der das trumpsche Amerika zeigen soll. Als einen Roman von einer amerikanischen Familie im heutigen Amerika und was die Politik Trump mit ihnen und dem Land macht. Doch daraus wurde nichts. Der Verlag warb sozusagen mit alternativen Fakten, denn der Roman spielt im Jahr 2029 und hat daher mit dem trumpschen Amerika von heute gar nichts zu tun. Wenn die Ankündigung des Verlages der Wahrheit entsprochen hätte, hätte man aus dem Roman viel machen können, aber so wirkt er befremdlich. Trotzdem hätte die Bestsellerautorin Lionel Shriver aber auch aus dieser Story ein dramatische und spannende machen können, doch der Roman zieht sich ohne großen Spannungsbogen. Und auch die Figuren konnten mich nicht berühren. Dieser Roman liest sich wie eine Rede von Donald Trump.

Piper, 487 Seiten; 19,99 Euro


Marc Raabe

daumen rauf

Schlüssel 17

Schlüssel 17In der Kuppel des Berliner Doms hängt eine grausam zugerichtete Tote mit schwarzen Flügeln: Es ist die prominente Dompfarrerin Dr. Brigitte Riss. Um den Hals trägt sie einen Schlüssel. In den Griff ist die Zahl 17 geritzt. Tom Babylon vom LKA will diesen Fall um jeden Preis. Denn mit diesem Schlüssel verschwand vor vielen Jahren seine kleine Schwester Viola. Doch Tom bekommt eine unliebsame Partnerin für die Ermittlungen. Die Psychologin Sita Johanns fragt sich schon bald, wer in diesem Fall mehr zu verbergen hat: Tom oder der Mörder, der sie beide erbarmungslos vor sich hertreibt.

Marc Raabe ist bekannt für seine intensiven und ausgetüftelten Thriller. „Schnitt“, „Der Schock“ und „Heimweh“, damit landete er einen Bestseller nach dem anderen. Sein neuer Thriller „Schlüssel 17“ ist der Beginn einer Serie um den vielschichtigen Charakter Tom Babylon, Kommissar beim LKA. Und der Charakter hat es in sich. Da hat Marc Raabe gute Arbeit geleistet. An Tom Babylon hängt man sich als Leser sofort an, will immer mehr von ihm und auch seiner Vergangenheit erfahren. Die Charaktere, die ihn umgeben, hinterlassen auch ihre Fußabdrücke. Der erste Fall des Tom Babylon bietet eine perfekt ausgearbeitete Geschichte mit zahlreichen Überraschungsmomenten und Spannung bis zum Schluss. Schon jetzt einer der besten deutschen Thriller des ersten Halbjahres!

Schlüssel 17 audio


Auch als Hörbuch erhältlich bei Hörbuch Hamburg. Die elegante Stimme des Sascha Rotermund lässt einen die Spannung in jeder Minute spüren. 14,99 Euro. Hörprobe

Ullstein, 510 Seiten; 15,00 Euro


Douglas Preston / Lincoln Child

daumen rauf

Obsidian – Kammer des Bösen

Obsidian Kammer des BösenSpecial Agent Pendergast ist vermisst, bei seinem letzten Abenteuer vermutlich ertrunken vor der Küste von Massachusetts. Von Trauer überwältigt, zieht sich Constance Greene, sein Schützling, in dessen New Yorker Anwesen zurück. Erfolglos versucht Pendergasts Bodyguard Proctor dort, sie über den Verlust hinwegzutrösten. Doch dann nehmen die Ereignisse eine unerwartete Wendung: Proctor wird von einem mysteriösen Eindringling überwältigt und betäubt. Als er wieder zu sich kommt, muss er hilflos mit ansehen, wie der Mann mit Constance in einem Auto davonrast. Aber er erkennt den Täter - und nimmt die Verfolgung auf. Rund um den Globus ...

Kaum zu glauben, aber „Obsidian“ ist schon der 16. Fall für Special Agent Aloysius Pendergast. Zwei Jahrzehnte lang begleitet diese literarische Kultfigur mich nun schon. Kein Buch hat mich bisher enttäuscht, so auch nicht das aktuelle. Auch wenn Pendergast nicht die Hauptrolle einnimmt, denn Constance Greene bekommt ebenso viel Raum. Doch man erfährt wieder viele Geheimnisse rund um die beiden Figuren. Die beiden sind so auch das Zentrum der Geschichte, weniger ein richtig neuer Fall. Auch andere bekannte Figuren aus den Vorgängerromanen haben wieder ihre Auftritte. Die „Kammer des Bösen“ ist ein gelungener und spannender Pendergast-Band des spitzen Autorenduos Preston & Child.

Knaur, 463 Seiten; 19,99 Euro


Akram El-Bahay

daumen rauf

Bücherstadt

Bücherstadt

Sam ist ein Dieb - aber mit einer List gelingt es ihm trotzdem, in die Palastwache von Mythia aufgenommen zu werden. Er träumt von einem neuen Leben, von großen Aufgaben. Vielleicht wird er gar als Wache des Weißen Königs eingesetzt? Doch statt des Königs soll er nur alte, staubige Bücher bewachen, in der riesigen Bibliothek unterhalb der Stadt. Wie langweilig! Sam kann nicht mal lesen. Bald jedoch erfährt er am eigenen Leib, dass die hallenden Bücherschluchten ebenso gefährliche wie fantastische Geheimnisse bergen.

Dem deutsch-ägyptischen Autor Akram El-Bahay ist nach der faszinierenden „Flammenwüste“-Trilogie mit „Die Bibliothek der flüsternden Schatten“ eine neue Fantasy-Trilogie der Extraklasse gelungen! Das lässt sich schon nach dem ersten Band „Bücherstadt“ (Bücherkönig und Bücherkrieg folgen dieses und nächstes Jahr) sagen. Akram El-Bahay lässt gute Charaktere in einer spannenden Welt agieren. Schade ist aber, dass der Roman nur 382 Seiten hat. Für einen Teil einer Fantasy-Trilogie eigentlich 150 Seiten zu kurz. Da wäre noch etwas mehr drin gewesen.

Bastei Lübbe, 382 Seiten; 14,00 Euro


Hörbuch der Woche

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Mario Giordano

Tante Poldi und der schöne Antonio

Tante Poldi und der schöne Antonio audio

Bei der Poldi bleibt's weiterhin turbulent. Es kreuzen wieder mal viel zu viele Männer ihren Weg, die ihr das Leben schwermachen. Und dann ist auch noch einer verschwunden: Thomas, der vor zwei Wochen mit einem Koffer äußerst wertvollen Inhalts von Tansania nach Europa aufgebrochen ist. Dass er diesen Koffer einem afrikanischen Boss gestohlen hat, macht die Sache nicht unbedingt besser. Als Poldi Thomas schließlich aufspürt, ist der Afrikaner leider bereits tot und auch nicht mehr ganz vollständig. Klar, dass die Poldi wieder mal für Gerechtigkeit sorgen muss!

Tante Poldi hat es mittlerweile zur Kultfigur geschafft! Drei Romane waren dafür nur nötig. Eine schwungvolle und ereignisreiche Reise für den Leser – und für Tante Poldi und ihre Begleiter. Das alles und noch mehr bietet der das neue Poldi-Abenteuer „Tante Poldi und der schöne Antonio“. Darin erfährt u. a., dass es in Sizilien vor „schönen Antonios“ nur so wimmelt. Das weitläufige Ende ist Mario Giordano allerdings misslungen. War er da auf Droge, diesen Roman so enden zu lassen? Zuerst überleben mehrer Personen einen unüberlebbaren Kugelhagel und dann taucht auch noch ein Toter auf. Warum hat das Lektorat seinem Autor das nur durchgehen lassen? Das stört den Gesamteindruck etwas. Als ich gelesen habe, dass nicht mehr Philipp Moog den dritten Tante-Poldi-Roman liest war ich sehr enttäuscht, denn er hatte die Frische zwischen italienischem Flair und bayerischer Lebensfreude perfekt in Szene gesetzt. Doch Christian Baumann schafft es relativ schnell, sich als guter, wenn auch keinesfalls als gleichwertiger Ersatz zu erweisen. Auch er beherrscht diese Mischung ganz ordentlich, doch sehne ich, sollte es ein viertes Hörbuch geben, wieder Philipp Moog herbei. Hörprobe

Tante Poldi und der schöne Antonio



Auch als Paperback erhältlich bei Lübbe, 15,00 Euro.

Lübbe Audio, 6 CDs, 444 Minuten; 16,00 Euro


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