Kolumne vom 01.10.2018 - Nr.528


John Connolly

daumen rauf

Stan

Stan

Ein Greis blickt zurück auf sein Leben. Es beginnt vor dem Ersten Weltkrieg, als ein junger britischer Komiker nach Amerika fährt. Auf der Bühne hat er wenig Glück. Aber dann dreht er in einem Dorf Namens Hollywood seinen ersten Film. Wenige Jahre später ist er ein Weltstar, zusammen mit seinem besten Freund. Die beiden werden bis zu Ollies Tod untrennbar sein, danach wird er nie mehr einen Film drehen, sondern bis zuletzt Dialoge für Ollie und sich schreiben. Dieses Leben erzählt Connolly vor der faszinierenden Kulisse der Traumfabrik, die so voller Glanz und Schatten war.

Eine Roman-Biographie voller Witz, Eleganz, Tempo und literarischer Klasse! Dass der irische Bestsellerautor John Connolly, bekannt durch seine Krimis und Thriller, auch eine literarische Roman-Biographie schreiben kann, daran denkt man nicht sofort. Aber er hat mit „Stan“ wahrlich ein tolles Buch über das Leben von Arthur Stanley Jefferson oder Stan Laurel geschrieben. Für Stan Laurel ist, als er um Aufmerksamkeit und Ruhm kämpft, Charlie Chaplin lange Zeit der Fixpunkt am Komikeruniversum. Da möchte er hin, aber nicht so sein wie der Mensch Chaplin, denn Chaplin ist menschlich ein „Monster“ und „versucht jede junge Frau zu ficken, die den Fehler begeht, zu lange an einem Ort stehen zu bleiben“. Für Stan ist es ein harter und steiniger Weg bis zum späteren Star, als den ihn die Welt nun kennt. Ihn zeichnet auch immer seine Bescheidenheit aus und das Denken daran, dass der Ruhm auch ganz schnell wieder vorbei sein kann. Zu viele Niederschläge hatte er erleben müssen. Auch sein Privatleben ist nicht auf Rosen gebettet. Er hat auch dort einige Klippen, vor allem mit den Frauen, zu umschiffen. Auch den Lebensweg des „Dicken“ Babe Hardy erlebt man in „Stan“ in Teilen mit. Für Cineasten und „Dick-und Doof“-Fans ist „Stan“ ein Fest von einem Buch! Ein kleines Manko hat das Buch dann doch: die vielen Namen der damaligen Filmindustrie, die John Connolly zwar niederschreibt, sie aber nicht mit Leben erfüllt. Sie bleiben daher nur Namen ohne Gesichter.

Rowohlt, 527 Seiten; 24,00 Euro


Dr. med. Heike Melzer

daumen runter

Scharfstellung – Die neue sexuelle Revolution

Scharfstellung Die neue sexuelle Revolution

Das Internet ist dabei unser aller Leben, die Liebe und unsere Sexualität nachhaltig zu verändern: Dank der ständigen digitalen Verfügbarkeit von Reizen löst sich Sexualität zunehmend aus ihrer Einbettung in der Partnerschaft. Neue sexuelle Funktionsstörungen breiten sich rasant aus. Die Grenzen von Beziehungen werden durchlässig. Kinder konsumieren Pornografie häufig Jahre vor dem ersten Kuss. In therapeutischen Praxen häufen sich die Klagen Betroffener, deren Phantasien und Verhaltensweisen sich dermaßen verselbstständigen, dass sie dabei sind, alles, was ihnen bisher lieb und teuer war, zu gefährden. Wie verändert sich unser Sexleben und damit auch die Gesellschaft durch Netzpornos, Dating-Apps, Sex-Toys und käuflichen Sex?

„Scharfstellung“ ist nicht so „scharf“, wie es der Titel verspricht! Wer nicht in einer 100-% -glücklichen Beziehung lebt oder komplett dem Sexualleben abgeschworen hat, für den wird dieses Buch nicht viel Neues oder Überraschendes bieten. Die Zusammenfassung der einzelnen Hauptthemen in einem Buch ist ganz nett, und bietet hier und da interessante Einblicke, aber ansonsten ist „Die neue sexuelle Revolution“ nicht mehr ganz so neu. Die Hauptthemen sind: „Masturbation & Sextroversion“, „Scharfmacher der Nation: Pornos“, „Es rappelt in der Kiste: Sex-Toys“, „Die Wahre Liebe: Prostitution“, „Lust ohne Alltagslast: Casual Dating“, „Beobachtungen aus der Praxis: Sexualität im Wandel“, „Verführt, verschärft, versext: Sex- und Pornosucht“ und „Kinder und Jugendliche: Aufklärung geht heute anders“.

Tropen, 234 Seiten; 16,95 Euro


Veikko Bartel

daumen rauf

Mörderrinnen

MörderrinnenWarum töten Menschen? Was lässt sie diese letzte Grenze überschreiten? In über 30 Tötungsdelikten hat Veikko Bartel schon vor Gericht verteidigt, in diesem Buch erzählt er die vier spektakulärsten, anrührendsten, grausamsten Fälle. Er schildert die Hintergründe, die hasserfüllten Reaktionen der Öffentlichkeit und die biographischen Tragödien, die sich hinter den Taten verbergen, den Zynismus und die Resignation der Justizbehörden. Sein Buch stellt die Frage nach Gerechtigkeit und zeigt mit jedem Fall: Die Realität ist spannender als jeder Krimi.

Veikko Bartel lässt den Leser tief in die Seele von Frauen blicken, die zu Mörderinnen wurden! „Mörderinnen“ ist ein Buch, das mehr zeigt als die „bloße“ Tat, es zeigt das Innenleben der Frauen, was sie dazu getrieben hat zu töten oder es versucht haben, und wie ihr Fall vom Rechtsstaat abgeurteilt wurde. Spannend und rasant erzählt! Das Buch enthält vier Geschichten: „Elvira P: - Die Kindsmörderin“, „Hertha F. – Die Gattenmörderin“, „Gina S. – Die Sadistin“ und „Natascha G. – Die Giftmörderin“. Dabei sind „Die Sadistin“ und „Die Giftmörderin“ mit jeweils um die 60 Seiten die längsten Geschichten. Veikko Bartel arbeitet heute nicht mehr als Strafverteidiger, sondern als Dozent für Steuerrecht. Ich denke, das ist eher ungewöhnlich. Irgendwann schienen ihm die Mordfälle dann doch zu viel zu werden.

Mosaik, 231 Seiten; 18,00 Euro


Thomas Drexel

daumen rauf

Best of Low Budget Häuser

Best of Low Budget HäuserDie 50 schönsten Low-Budget-Häuser der letzten Jahre in diesem Buch zeigen unterschiedlichste Wege zum architektonisch hochwertigen und gleichzeitig kostengünstigen Bauen. Singlehaus oder Familiendomizil, Satteldach oder Flachdach, Holz oder Beton: hinsichtlich Größe, Bauformen und Materialien illustrieren die Projekte eine riesige Bandbreite. Jeder kostenbewusste Bauherr erhält eine Vielzahl an Vorbildern und Ideen, bis hin zu Hinweisen zur Wahl des richtigen Architekten. Jedes Projekt wird mit kompakten Texten, bautechnischen Informationen, Baudaten und Kostenangaben (Brutto-Gesamtkosten), Plänen und Fotos vorgestellt.

Für Architektur-Interessierte und anstehende Häuslebauer ist dieses Buch eine wahre Fundgrube von frischen und preiswerten Ideen! Welche neuen Möglichkeiten gibt es sein Wunschhaus, dass nicht von der Stange kommt, zu einem akzeptablen Preis in die Tat umzusetzen? Dieses Buch gibt Aufschluss. Sie erwarten Häuser von 80.000 € bis 300.000 €. Von ganz klein bis passabel luxuriös.

DVA, 288 Seiten; 30,00 Euro


Robert Kirkland / Jay Bonansinga

daumen rauf

The Walking Dead – Der Anfang

The Walking Dead Der Anfang

Die Apokalypse: Eine weltweite Plage lässt die Toten wiederauferstehen und Jagd auf Menschenfleisch machen. Die wenigen Überlebenden fliehen in Angst und Schrecken – bis auf einen. Der Mann, den sie später nur den „Governor“ nennen werden, beschließt, sich dem Grauen entgegenzustellen. Dies ist seine Geschichte …

 

„The Walking Dead“ ist DIE weltweite Serien-Sensation! Eine Serie, die weit mehr als Horror zu bieten hat. Sie zeigt tiefgründige Charaktere im Auge des Untergangs der uns bekannten Welt. Grandios! Kult-Autor Robert Kirkland hat mit Jay Bonansinga auch ganz starke Romane zur Serie verfasst. „Der Anfang“ ist der erste Doppelband der Reihe, der die Folgen „Der Aufstieg des Governor“ und „Der Weg nach Woodbury“ enthält. Auch ein zweiter Doppelband mit dem Titel „Der Governor“ ist bereits erscheinen. Er enthält die Folgen „Der Fall des Governor“, den ersten und zweiten Teil.

Heyne, 864 Seiten; 14,99 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Heather Morris

Der Tätowierer von Auschwitz

morris der taetowierer von auschwitz hoerbuch

1942 wurde Lale Sokolov nach Auschwitz deportiert. Seine Aufgabe war es, Häftlingsnummern auf die Unterarme seiner Mitgefangenen zu tätowieren, jene Nummern, die später zu den eindringlichsten Mahnungen gegen das Vergessen gehören würden. Er nutzte seine besondere Rolle und kämpfte gegen die Unmenschlichkeit des Lagers, vielen rettete er das Leben. Dann, eines Tages, tätowierte er den Arm eines jungen Mädchens - und verliebte sich auf den ersten Blick in Gita. Eine Liebesgeschichte begann, an deren Ende das Unglaubliche wahr werden sollte: Sie überlebten beide.

Die wahre Geschichte des slowakischen Juden Lale Sokolov hat mich zugleich sehr erschüttert und berührt! Über die Gräueltaten der Nazis in Auschwitz habe ich in den letzten 17 Jahren schon sehr viele Bücher gelesen. Die Wenigen, die es geschafft haben, dort zu überleben und es dann schafften, darüber zu berichten. So auch Lale Sokolov, der im Lager eigentlich schon zweimal praktisch tot war, aber es durch schicksalhafte Fügung schaffte, dem Tod zu entkommen. Der Lale, der der Tätowierer von Auschwitz war und sich unsterblich im täglichen Horror in seine Gita verliebte. Die Liebe zu ihr, die wenigen Treffen die im Lager möglich waren, ließen ihn weiter an seine Maxime glauben: überleben. „Der Tätowierer von Auschwitz“ ist ein Buch, das man gelesen haben muss! Und ein Hörbuch, das man gehört haben sollte. Sprecher Julian Mehne versucht mit seiner einnehmend, weich dahintragenden Stimme etwas vom Schrecken der Geschichte zu nehmen. Hörprobe

morris der taetowierer von auschwitz

 

Auch als Paperback erhältlich bei Piper, 16,00 Euro.

Osterwold Audio, 2 MP3 CDs, 439 Minuten; 18,00 Euro


Denglers-buchkritik.de