Kolumne vom 04.02.2019 - Nr.546


Colin Harrison

daumen rauf

Die Zügellosen

Die Zügellosen

Durch Zufall erfährt Paul Reeves, New Yorker Anwalt für Einwanderungsrecht, dass seine schöne junge Nachbarin Jennifer ihren Ehemann betrügt. Als Jennifer ihn kurz darauf bittet, ihren Lover vorübergehend in Pauls leerstehendem Elternhaus in Brooklyn unterzubringen, tut er ihr den Gefallen. Doch dann kommt Jennifers Mann, der schwerreiche Exil-Iraner Ahmed, hinter die Affäre. Ein „klärendes Gespräch“ mit dem Nebenbuhler läuft etwas aus dem Ruder, und Paul findet sich unversehens inmitten einer verhängnisvollen Kette tödlicher Ereignisse wieder.

Ein Buch von Colin Harrison ist wie ein Fünfer mit Superzahl für alle Thrillerleser! Leider erscheint nicht jedes Jahr ein neues von ihm, seit 1997 sind nur acht Spannungsromane von ihm erschienen. Und alle haben mich komplett begeistert. Colin Harrison skizziert die Oberschicht New Yorks, deren Dekadenz, deren Drang nach Perfektion und Schönheit, den unbedingten Willen bessere zu sein als alle anderen. Ein tiefer Blick in das Horrorkabinett der Reichen, Schönen und Mächtigen einer Stadt, die Geld atmen zu scheint. Doch wenn man Colin Harrison kennt, ist das nur ein Teil der Geschichte. Auch die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen des Landes sind ein Thema. Dann wie sich die unterschiedlichen Einwanderer in den USA in der Gesellschaft verankern. Und noch einigen mehr Themen. Getragen wird die Geschichte aber von einer fast schon profanen Eifersuchtsdreiecksstory. Doch wenn sich Colin Harrison dem annimmt, dann ist daran eben gar nichts profan. „Die Zügellosen“ machen süchtig!

Droemer, 413 Seiten; 14,99 Euro


Annika Reich und Lina Muzur

daumen runter

Das Herz verlässt keinen Ort, an dem es hängt

Das Herz verlässt keinen Ort an dem es hängt

Alle hier genannten Autorinnen und Autoren haben eines gemein: Sie alle leben in Krisengebieten oder mussten ihre Heimat verlassen. Nun wollen sie vor allem eins: weiterschreiben. Es geht um Erinnerung und Vergegenwärtigung, Häuser und Wolfsherzen, Verlust und Identität, Liebe und Begehren, Kühlschränke und Küchentische, Hoffnungen und Enttäuschungen. Mit Beiträgen von Ali Al-Kurdi, Martin Kordić, Mariam Meetra , Antje Rávic Strubel, Widad Nabi, Annett Gröschner, Samuel Mágó, Rasha Habbal, Nora Bossong, Souad Alkatheeb, Fady Jomar, David Wagner, Yamen Hussein, Lena Gorelik, Noor Kanj, Svenja Leiber, Galal Alahmadi, Tanja Dückers, Ramy Al-Asheq, Monika Rinck, Omar Al Jaffal, Kristine Bilkau, Lina Atfah, Nino Haratischwili, Karoly Mágó, Rabab Haidar, Ulla Lenze, Salma Salem, Saša Stanišić, Ahmad Katlesh und Michael Krüger.

„Literarische Begegnungen mit Autorinnen und Autoren aus Kriegsgebieten“. Das steht auf dem Cover und versprach für mich spannende, dramatische und traurige Kurzgeschichten von den ebenfalls sehr zahlreich auf dem Cover aufgedruckten Autoren. Doch leider wurde ich fast durchweg enttäuscht. Das Buch besteht großteils aus für mich nur schwer zugänglichen Gedichten, einigen Fotos und nur sehr wenigen Texten, von Kurzgeschichten kann auch da keine Rede sein. Das Buch hätte so gut werden können, wenn sich Autoren und Verlag etwas mehr Mühe gegeben hätten. Authentische Geschichten aus den Krisengebieten würde man sicher mit großem Interesse lesen, doch dieses Buch verhallt so schnell, wie man es auf- und zugeschlagen hat.

Ullstein, 265 Seiten; 24,00 Euro


Anthony Powell

daumen rauf

Das Tal der Gebeine

Das Tal der GebeineDer Zweite Weltkrieg ist ausgebrochen. Anfang 1940 tritt Nick Jenkins als zweiter Leutnant einem Regiment in Wales bei, geführt von dem diensteifrigen Kommandanten Gwatkin und unterstützt von dem alkoholkranken Leutnant Blithel. Ein absurdes Reglement strukturiert das Soldatenleben auf heimatlichem Boden, und so verbringt Nick zusammen mit seinen Kameraden die meiste Zeit damit, sich im Warten zu üben.

 

Endlich hat ein Verlag den großartigen englischen Autor Anthony Powell (1905 – 2000) für den deutschen Literaturmarkt wiederentdeckt! Nach zuletzt „Bei Lady Molly“, „Casanovas chinesisches Restaurant“ und „Die Wohlwollenden“ setzt dtv die Reihe „Ein Tanz zur Musik und Zeit“ mit „Das Tal der Gebeine“ fort. Anthony Powell ist ein hervorragender Stilist. Seine Sätze sind wie eine Komposition eines klassischen Musikstücks. Er hat ein Auge für Szenen und Menschen. Kleinigkeiten beschreibt er kurz, aber mit Wucht. Das Leben von Hauptfigur Nick Jenkins geht ereignisreich weiter. Die Freude auf den nächsten Band ist groß!

dtv, 274 Seiten; 11,90 Euro


Jeff Kinney

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Gregs Tagebuch 13 – Eiskalt erwischt!

Gregs Tagebuch 13 Eiskalt erwischt

Es ist Winter, und weil die ganze Stadt eingeschneit ist, hat Greg schulfrei. Eigentlich könnte er jetzt gemütlich im Warmen sitzen und Videospiele spielen. Doch seine Mom schickt ihn raus an die frische Luft und damit hinein ins Chaos. Die Nachbarschaft versinkt im Schnee und hat sich über Nacht in ein riesengroßes Schneeballschlachtfeld verwandelt. Iglus und Eisburgen werden gebaut, Banden gebildet, Vorräte angelegt. Schneebälle zischen nur so durch die Luft. Mittendrin im Getümmel versuchen Greg und sein bester Freund Rupert den Überblick zu behalten, damit es am Ende nicht heißt: Eiskalt erwischt!

„Gregs Tagebuch“, die Weltbestsellerreihe von Jeff Kinney, den das TIME-Magazin zu den hundert einflussreichsten Menschen der Welt zählt, ist absoluter Kult! Jeder neue Band der Reihe wirft eigentlich nur eine Frage auf: Kann Jeff Kinney die hohe Qualität der Reihe halten, oder gar noch besser werden? Er kann! Der 13. Band der Reihe „Eiskalt erwischt“ ist wieder ein komischer Hochgenuss für die kleinen und großen Leser!

Baumhaus, 217 Seiten; 14,99 Euro


Valentin Kirschgruber

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Die Magie des Waldes

Die Magie des Waldes

Kraftvoll, heilsam, mystisch - der Wald hat seit jeher eine magische Anziehungskraft. Der Autor teilt in diesem Buch sein umfassendes Waldwissen. Der Leser taucht ein in die Welt der mystischen Wesen, Naturgeister, Kraftorte, heiligen Bäume und Haine. Anhand von inspirierenden Geschichten, Meditationen und heilenden Ritualen können wir uns mit allen Sinnen darauf einlassen und den Zauber des Waldes neu erleben.


Bücher über die Kraft und die Schönheit des Waldes erscheinen in letzter Zeit vermehrt. Was ich sehr schön finde, da ich den Wald liebe. Daher ist „Die Magie des Waldes“ ein weiteres Buch, das man als Wald-Liebhaber unbedingt lesen sollte. Valentin Kirschgruber hat in diesem Buch eine etwas andere Herangehensweise, die manchmal überraschend und meist sehr inspirierend ist. Eine spannende und Glück schenkende Lektüre ist garantiert!

Kailash, 240 Seiten; 15,00 Euro


Hörbuch der Woche

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D. B. John

Stern des Nordens

Stern des Nordens

Washington DC, 2010: Zwölf Jahre ist es her, dass Jenna Williams' Zwillingsschwester an einem Strand in Südkorea spurlos verschwand. Als die CIA die frischgebackene Agentin auf eine geheime Mission nach Nordkorea schickt, ist sie fest entschlossen, die Wahrheit über ihre Schwester herauszufinden. - Ein Dorf in der nordkoreanischen Provinz: Bäuerin Moon kämpft ums Überleben. Als sie ein Hilfs-Paket mit Lebensmitteln aus dem Ausland findet, macht sie den Inhalt auf dem Markt zu Geld. Für ihre Furchtlosigkeit wird sie von den anderen Frauen bewundert, von der Polizei argwöhnisch beobachtet. Als eine der Marktfrauen verhaftet wird, entwickelt sich Moon zur Stimme des Widerstands. -Pjöngjang: Anlässlich einer Beförderung wird die Familiengeschichte des Parteifunktionärs Cho durchleuchtet. Denn Karriere machen darf nur, wer über drei Generationen einen tadellosen Hintergrund nachweisen kann. Was dabei ans Licht kommt, lässt den linientreuen Anhänger Kim Jong-Ils alles in Frage stellen, woran er jemals geglaubt hat. Als Cho die Amerikanerin Jenna Williams kennenlernt, ahnt er nicht, dass sie Undercover für die CIA in Einsatz ist. Und welche Ereignisse ihre Begegnung in Gang setzen wird ...

Ein aktueller, brisanter, erschütternder, dramatischer und hoch spannender Thriller, der einem lange im Gedächtnis bleiben wird! D. B. John mixt gekonnt Fakten und Fiction. Auch oft sehr real wirkende Charaktere treten auf, und runden so den Thriller, der fast schon ein Doku-Thriller ist, perfekt ab. Man erfährt viel, was im nicht mehr so geheimen und kommunistischen Nordkorea passiert und welche Grausamkeiten den dort Menschen angetan werden. D. B. John hält hier genau die Waage zwischen Fakten und Fiction. Und zum Ende hin entwickelt sich ein Showdown, der vor Spannung berstet. Gelesen wird dieser beeindruckende Thriller von einer der stärksten männlichen Stimmen, die das Hörbuch zu bieten hat: Dietmar Wunder! Er deutsche Stimme von Daniel Craig 007 liest wie immer grandios. Hörprobe

Stern des Nordens



Auch als Paperback erhältlich bei Wunderlich, 16,99 Euro.

 

Argon Hörbuch, 2 MP3 CD, 694 Minuten; 19,95 Euro


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