Kolumne vom 24.06.2019 - Nr.566


Marie Lacrosse

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Das Weingut – Aufbruch in ein neues Leben

Das Weingut Aufbruch in ein neues Leben

1871. Die Ehe zwischen dem Dienstmädchen Irene und dem reichen Erben Franz sollte eine Liebesheirat sein. Doch nach einer ungeheuerlichen Enthüllung von Franz' Vater verlässt die schwangere Irene ihren geliebten Bräutigam ohne ein Wort. Einsam bringt sie ihren kleinen Sohn zur Welt und tritt eine Stelle als Textilarbeiterin in einer Fabrik an. Die Bedingungen dort sind grausam, und Irene muss bis zur Erschöpfung arbeiten. Aber dann lernt sie den charismatischen Arbeiterführer Josef kennen, der ihr Kraft und Geborgenheit gibt. Obwohl sie Franz noch immer liebt, beginnt sie eine Beziehung mit ihm. Aber kann Irene den Verlust von Franz wirklich überwinden?

Die „Weingut“-Saga löst alle Versprechen ein, die man an sie hat: eine fantastische historische Atmosphäre, einnehmende Charaktere und ein durchweg spannender Verlauf der Geschichte. Marie Lacrosse zeigt in ihrer Romansaga ein fesselndes Gesellschaftsbild der damaligen Zeit. Man bekommt interessante Einblicke geboten. Die Autorin hat bei der Recherche große Sorgfalt walten lassen. „Aufbruch in ein neues Leben“ ist nach „In stürmischen Zeiten“ der zweite Band der Saga. Der dritte „Tage des Schicksals“ erscheint bereits im September 2019.

Goldmann, 703 Seiten; 13,00 Euro


Jonathan Franzen

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Das Ende vom Ende der Welt

Das Ende vom Ende der Welt

Jonathan Franzens große Liebe gilt der Literatur und den Vögeln, und das Buch soll ein Plädoyer für beides sein. Während in den neuen Medien eigene Vorurteile eher noch untermauert würden, so Franzen, lade die Literatur dazu ein, „sich zu fragen, ob man selbst vielleicht ein bisschen oder sogar vollkommen falschliegt, und sich vor Augen zu führen, warum jemand anders einen wohl hassen könnte“. Seine Essays sollen laut Verlag skeptisch gegenüber vorgefassten Meinungen, selbstkritisch und voller Ironie sein. Seine Reportagen und Reflexionen – über Meeresvögel in Neuseeland, Zweigsänger in Ostafrika, Pinguine in der Antarktis – sollen ein Aufruf zur Rettung all dessen, woran uns etwas liegt.

Was tut ein Weltbestsellerautor, der keine Idee für einen großen neuen Roman hat und trotzdem ordentlich Geld verdienen will? Er holt gewissen literarischen Unrat aus der Schublade und macht daraus ein Buch. Das Ergebnis ist Jonathan Franzens „Das Ende vom Ende der Welt“. Das Cover ist noch das Beste an Buch. Es geht vorwiegend um Vögel, und die sollten der Menschheit schon wichtig sein, aber muss ich das lesen, wenn ich kein Vogelnarr bin. Nein. Die eine oder andere Geschichte ist im bekannten Franzen-Stil hochwertig verfasst, aber ansonsten ist das Buch eine Anhäufung belangloser kleiner Geschichten. Hätte diese nicht ein Jonathan Franzen beim Verlag eingereicht, wären diese direkt in den Mülleimer gewandert. Mehr muss man zu diesem Buch nicht mehr sagen.

Rowohlt, 252 Seiten; 25,00 Euro


Phoebe Locke

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Rachemädchen

Rachemädchen1990 Vier Mädchen folgen einem Schatten in den Wald. 2000 Die junge Mutter Sadie Banner verschwindet kurz nach der Geburt ihrer Tochter Amber spurlos. 2018 Ein Filmteam will die Wahrheit über Amber Banner aufdecken. Die rätselhafte junge Frau wurde gerade des Mordes angeklagt und freigesprochen. Aber welcher düstere Schatten liegt über ihr? Und ist sie tatsächlich unschuldig?

 

Phoebe Locke liebt True-Crime-Geschichten. Für ihren ersten Thriller lies sie sich von einer inspirieren. Und das mit Nachdruck. Geheimnisvoll, mysteriös, dramatisch und unheimlich spannend! „Rachemädchen“ fesselt mit einer vielschichtigen und undurchsichtigen Geschichte. Phoebe Locke versorgt den Leser, durch den geschickten Aufbau der Geschichte und die verschiedenen Zeitsprünge, nur Stückchen für Stückchen mit neuen Wahrheiten und Lügen. So bleibt man immer an der Story dran und ist gespannt, welche Entwicklung diese und ihre Hauptdarsteller nehmen. Denn die Figuren in „Rachemädchen“ sind alle sehr prägend.

Scherz, 347 Seiten; 14,99 Euro


John Ironmonger

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Der Wal und das Ende der Welt

Der Wal und das Ende der Welt

Erst wird ein junger Mann angespült, und dann strandet der Wal. Die dreihundertsieben Bewohner des Fischerdorfs St. Piran spüren sofort: Hier beginnt etwas Sonderbares. Doch keiner ahnt, wie existentiell ihre Gemeinschaft bedroht ist. So wie das ganze Land. Und vielleicht die ganze Welt. Weil alles mit allem zusammenhängt.

 

Sind Sie vor der Lektüre dieses Buches betrübt, dann wird Ihre Stimmung nach der Lektüre eine andere sein! Ein Buch, das einen glücklicher macht und zugleich zum nachdenken anregt, seine Mitmenschen und die Welt mit anderen Augen zu sehen. John Ironmonger fängt die Stimmung des Fischdorfs wunderbar ein, genauso wie er seinen Charakteren etwas Besonderes verleiht. „Der Wal und das Ende der Welt“ ist der Anfang von etwas Neuem!

S. Fischer, 477 Seiten; 22,00 Euro


Hans-Ulrich Grimm

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Echtes Essen – Der Anti-Aging-Kompass

Echtes Essen Der Anti Aging Kompass

Super-Fruits, zuckerfrei oder doch einfach das gute mediterrane Olivenöl? Was hilft uns, gesund und glücklich alt zu werden? Reicht es, ab und an Obst in den Entsafter zu werfen und Smoothies zu schlürfen, oder muss ich meine Ernährung komplett auf den Kopf stellen? Bisher war die Lebenserwartung stetig gestiegen, aber jetzt droht das zu kippen. Ein wichtiger Grund: Die moderne Ernährung. Aber was sorgt da vorzeitig für Falten und geistigen Verfall? Oder für beneidenswerte Fitness und glatten Teint?

Die Bücher von Hans-Ulrich Grimm sind immer eine Bereicherung, um ein gesünderes Leben zu führen! So auch sein neues Werk „Echtes Essen“. Die Kernaussage des Buches ist für mich nun nicht neu und überraschend. „Echte“ Lebensmittel sollen es sein, die man verspeist, und keine von den Food-Riesen hergestellte. Vor allem Zucker sollten Sie meiden, denn er lässt sie schneller altern, erzeugt körperliche Schmerzen, Krankheiten und lässt Sie ein kürzeres Leben führen. Ein Buch mit hohem Mehrwert! Es kann dafür sorgen, dass man ein länger gesundes Leben führt, wenn man sich an das hält, was Hans-Ulrich Grimm einem rät.

Droemer, 336 Seiten; 19,99 Euro


Hörbuch der Woche

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Leila Slimani

All das zu verlieren

All das zu verlieren mp3


Nach außen hin führt Adèle ein Leben, dem es an nichts fehlt. Sie arbeitet für eine Pariser Tageszeitung, ist unabhängig. Mit ihrem Ehemann, einem Chirurgen, und ihrem kleinen Sohn lebt sie in einem schicken Viertel, ganz in der Nähe von Montmartre. Sie reisen, sie fahren übers Wochenende ans Meer. Dennoch macht Adèle dieses Leben nicht glücklich. Gelangweilt eilt sie durch die grauen Straßen, trifft sich mit Männern, hat Sex mit Fremden. Sie weiß, dass ihr die Kontrolle entgleitet. Sie weiß, dass sie ihre Familie verlieren könnte. Trotzdem setzt sie alles aufs Spiel.

Die französisch-marokkanische Autorin Leila Slimani landete mit ihrem Roman „Dann schlaf auch du“ einen internationalen Bestseller. Nun erscheint auch ihr Debüt „All das zu verlieren“ auf Deutsch, der in 25 Ländern erschienen ist und derzeit verfilmt wird. Leila Slimani lässt einen schmerzhaft intensiv teilhaben an dem Leben von Adèle, einer Frau die nach und nach eine Langeweile und Leere in ihrer Ehe verspürt und diese nur mit Sex mit anderen Männern zu stillen und zu füllen weiß. Ein Ritt auf der psychologischen Rasierklinge! Ihr Mann wiederum denkt, es sei alles in Ordnung und plant ihre wunderbare Zukunft. Adèle versteht sich so auch in der Kunst des Schauspiels und der akribischen Planung. Die faszinierende Nora Waldstätten liest dieses melancholisch-erotische Werk in kühler Perfektion! Hörprobe 5:28 Min.

All das zu verlieren



Auch als Hardcover erhältlich bei Luchterhand, 22,00 Euro

 

Der Hörverlag, 1 MP3 CD, 303 Minuten; 22,00 Euro


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