Kolumne vom 24.09.2018 - Nr.527


Dora Heldt

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Drei Frauen am See

Drei Frauen am See

Sie sind enge Freundinnen von Kindesbeinen an: Friederike, Jule, Alexandra und Marie. Egal, wohin ihre Lebenswege sie verschlagen hatten: Jeden Freitag vor Pfingsten trafen sie sich auf Einladung von Marie im wunderschönen Haus am See, in dem sie schon als Kinder herrliche Sommer verbracht hatten. Die Nachricht von Maries Tod mit Anfang fünfzig trifft sie alle wie ein Schock. Denn seit ihrem Streit zehn Jahre zuvor hatten sie kaum noch Kontakt miteinander. Aber selbst nach ihrem Tod hält Marie eine Überraschung für ihre Freundinnen bereit: eine Einladung zum Notar. Die Vorstellung, sich wiederzusehen, erfüllt jede von ihnen mit Unbehagen. Was ist es, wovor sie sich fürchten? Und was ist es, das sie dazu bringt, trotzdem anzureisen?

Dora Heldt schreibt so lebensnah, als ob die Charaktere aus dem Roman Freunde und Bekannte aus dem eigenen Umfeld wären. Man ist so mit ihnen verbunden. Grandios! Alexandra, Jule, Friederike, allen gibt Dora Heldt so viel Leben, so viel schönen und weniger schönen Alltag. Man erlebt die drei Mittfünfzigerinnen wie sie vor Umwälzungen in ihrer aller Leben stehen, wie alte Banden vielleicht wieder geknüpft werden, wie die Vergangenheit auch immer wieder ihre Zukunft bestimmt. Von Marie erfährt man hauptsächlich aus ihrem Tagebuch, dass sie geschrieben hat, als sie noch ein Teenager war. Die unterschiedlichen Erzählstränge der drei Hauptfiguren und die immer wiederkehrenden Blicke in die Vergangenheit erzeugen einen absoluten Lesesog. „Drei Frauen am See“ - spannend, ergreifend, wunderbar erzählt. Ein Traum von einem Buch! Es hat ja schon gute 600 Seiten, aber es hätten auch 1.000 Seiten sein dürfen. Dora Heldt beweist erneut, warum Sie Deutschlands Bestsellerqueen der Unterhaltungsliteratur ist!

dtv, 574 Seiten; 16,90 Euro


Laksmi Pamuntjak

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Herbstkind

Herbstkind

Alles, was in ihrem Leben gut ist, kam für Siri immer im Herbst – beruflicher Erfolg als Künstlerin, der Beginn einer neuen Liebe –, doch auf einmal hält der Herbst etwas anderes für sie bereit. Sie erfährt von ihrer Mutter Amba, dass der Mann, den sie für ihren Vater gehalten hat, nicht ihr leiblicher Vater ist. Diese Nachricht erreicht sie kurz vor ihrem fünfzigsten Geburtstag und gerade als es ihr schien, als sei sie angekommen in ihrem Leben als Wanderin zwischen den Welten mit Wurzeln in Indonesien. Um ihr Gleichgewicht wiederzufinden, zieht sie nach Berlin, eine Stadt so vernarbt und widersprüchlich wie sie selbst, und eine Stadt, mit der ihre beiden Väter viel verband.

Laksmi Pamuntjak ist eine indonesische Essayistin, Lyrikerin und Journalistin, und sie hat mich 2015 mit ihrem Werk „Alle Farben Rot“ durchaus begeistert. So war ich gespannt auf ihren neuen Roman „Herbstkind“. Was mich wieder gefesselt hat war, was Laksmi Pamuntjak über die Politik, die Kultur, das Leben und die Menschen von Indonesien zu erzählen hat. Da bekommt man als deutscher Leser ja nicht allzu viele Möglichkeiten, das in einem Roman dargeboten zu bekommen. Aber das reicht nicht, damit der Roman überzeugen kann. Zu verworren ist die Erzählweise, zu wenig ist in der Geschichte ein roter Faden zu finden. Auch konnten mich die Charaktere nicht richtig auf ihre Reise mitnehmen.

Ullstein, 488 Seiten; 24,00 Euro


Val McDermid

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Rachgier

RachgierEine verkohlte Leiche in einem ausgebrannten Auto – das ist alles, was von der unauffälligen Büroangestellten Kathryn McCormick übrig ist. Erst vor kurzem hatte sie auf einer Hochzeit einen attraktiven Mann kennengelernt und auf neues Glück nach einer herben Enttäuschung gehofft. DCI Carol Jordan und Profiler Tony Hill versuchen den Mann ausfindig zu machen, müssen aber feststellen, dass keiner der anderen Hochzeitsgäste ihn kannte. Eine weitere Frauenleiche bestätigt Carols furchtbaren Verdacht: Ein ebenso raffinierter wie perfider Serienkiller macht sich die Einsamkeit seiner Opfer zunutze.

Val McDermid ist mit ihren Thrillern eine Klasse für sich! Und das schon seit mehreren Jahrzehnten. Sie hat auch hin und wieder ein schwächeres Buch dabei, aber ihr neues „Rachgier“ gehört definitiv nicht in diese Kategorie. Der neue Fall für das Kultermittlerduo Carol Jordan und Tony Hill gehört zu den Highlights der großartigen Thriller-Reihe! In „Rachgier“ bekommt man alles geboten, was man von der außergewöhnlichen Serie, die mittlerweile zehn Bände umfasst, erwartet. Die lieb gewonnen Hauptfiguren entwickelt Val McDermid gekonnt weiter und der Fall, der zu lösen ist, ist spannend und mit einigen Wendungen versehen.

Knaur, 474 Seiten; 9,99 Euro


Diana Gabaldon

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Outlander – Im Bann der Steine

Outlander Im Bann der SteineIn sieben Abenteuern – zwei davon bislang unveröffentlicht – stürzen Sie mit dem Weltkriegs-Flieger Jerry MacKenzie durch die Steine, erfahren, wie die Spionin Minnie Rennie im Herzog von Pardloe ihren Meister findet, begleiten den jungen Jamie Fraser nach Frankreich und reisen mit Lord John Grey von Kanada über Jamaica bis ins belagerte Havanna. Jeder der sieben Kurzromane spielt zu einer anderen Zeit und an einem anderen Ort, und doch sind sie alle mit jener epischen Saga verbunden, die 1946 in Schottland beginnt, als Claire Randall in den magischen Steinkreis tritt und im Jahre 1743 erwacht.

Diana Gabaldon hat mir ihrer „Outlander“-Saga noch zu ihren Lebezeiten Klassiker der modernen Literatur erschaffen! Knaur setzt die Neuveröffentlichungen in schöner Optik weiter fort. „Im Bann der Steine“ ist ein Fest für die Fans! Die Geschichten sind sehr unterschiedlich, aber alle haben den gewissen Gabaldon-Effekt! Enthalten sind: „Lord John und der Usus der Armee“, „Die Stille des Herzens“, „Lord John und der Herr der Zombies“, „Wie ein Blatt im Wind“, „Unschuldsengel“, „Minervas Geheimnis“ und „Die Kanonen von El Morro“.

Knaur, 698 Seiten; 19,99 Euro


David Graeber

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Bullshit-Jobs

Bullshit Jobs

Ein Bullshit-Job ist eine Beschäftigungsform, die so völlig sinnlos, unnötig oder schädlich ist, dass selbst der Arbeitnehmer ihre Existenz nicht rechtfertigen kann. Es geht also gerade nicht um Jobs, die niemand machen will, sondern um solche, die eigentlich niemand braucht. Im Zuge des technischen Fortschritts sind zahlreiche Arbeitsplätze durch Maschinen ersetzt worden. Trotzdem ist die durchschnittliche Arbeitszeit nicht etwa gesunken, sondern auf durchschnittlich 41,5 Wochenstunden gestiegen. Wie konnte es dazu kommen? Der Autor zeigt, warum immer mehr überflüssige Jobs entstehen und welche verheerenden Konsequenzen diese Entwicklung für unsere Gesellschaft hat.

Der Amerikaner David Graeber hat mit seinem Werk „Schulden. Die ersten 5.000 Jahre“ einen Weltbestseller gelandet. Sein neues Buch „Bullshit-Jobs“ ist nicht weniger gesellschaftskritisch und mitreißend wie der Vorgänger. Haben auch Sie einen Bullshit-Job? In diesem Buch erfahren Sie es. Die Hauptkapitel sind u. a.: „Was ist ein Bullshit-Job?“, „Was für Typen von Bullshit-Jobs gibt es?“, „Warum bezeichnen sich die Inhaber von Bullshit-Jobs regelmäßig selbst als unglücklich?“, „Wie fühlt es sich an, einen Bullshit-Job zu haben“, „Warum vermehren sich die Bullshit-Jobs?“.

Klett-Cotta, 464 Seiten; 25,00 Euro


Hörbuch der Woche

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Cecelia Ahern

Frauen, die ihre Stimme erheben – Roar!

Frauen die ihre Stimme erheben Roar

Da ist die Frau, die im Boden versinkt und dort auf jede Menge anderer Frauen trifft. Oder die Frau, die auf ihrem Grundstück Zweifel sät. Eine andere Frau, deren Uhr so laut tickt, dass sie nicht schlafen kann, und eine, die aus ihrer Schublade herausklettert. Lauter Frauen, denen gerade dann Flügel wachsen, wenn sie es gar nicht erwarten. So wie es für uns alle in jedem Moment möglich ist, wenn wir nur auf uns selbst hören.

Ein Buch, das vor gelungenen Metaphern auf unsere Frau-Mann-Lebenswelt nur so strotzt! Weltbestsellerautorin Cecelia Ahern erzählt in dreißig Geschichten vorrangig von Frauen, die einer männerdominierten Welt ein eigenes Selbstbildnis entwickeln. Das könnte man nun rückständig betrachten, denn Frauen haben ihren Platz in der westlichen Gesellschaft ja schon lange gefunden. Wir leben ja nicht mehr in den 1950ern. Aber trotzdem treffen auch viele der Geschichten auch heute noch genauso den Nagel auf den Kopf wie damals in unserer Beziehungs-, Arbeits- und Alltagswelt. Mir haben viele Geschichten gut gefallen, besonders aber „„Die Frau, die man ins Regal gestellt hat“. Ein Glanzstück von einer Kurzgeschichte! Gelesen wird das Buch von den sehr unterschiedlichen weiblichen Stimmen: Merete Brettschneider, Anne Moll und Theresa Underberg. Theresa Underberg, bekannt aus der Fernsehserie „Bettys Diagnose“ und aus den „Fünf-Freunde“-Hörspielen, liest auch „Die Frau, die man ins Regal gestellt hat.“ Hörprobe 1 * Hörprobe 2 * Hörprobe 3

Frauen die ihre Stimme erheben

 

Auch als Hardcover erhältlich bei Krüger, 18,00 Euro.

Argon Hörbuch, 4 CDs, 280 Minuten; 16,95 Euro


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