Aktuelle Kolumne vom 27.11.2017 - Nr. 484


Sebastian Fitzek

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Flugangst 7A

Flugangst 7A

Ein Nachtflug Buenos Aires-Berlin. Ein labiler Passagier, der unter Gewaltphantasien leidet. Und ein Psychiater, der diesen Patienten so manipulieren soll, damit dieser das Flugzeug mit 600 Passagieren und ihm selbst zum Absturz bringt. Sonst verliert Psychiater Dr. Mats Krüger seine schwangere Tochter Nele, die gerade in den Wehen liegt. Sie wurde in Berlin entführt und wird unter großen Schmerzen gefangen gehalten. Was wird Mats Krüger tun? Sich und 600 Menschen töten um seine Tochter und ihr Baby zu retten? Oder gibt es noch eine andere Möglichkeit?

Sebastian Fitzek ist ein Serientäter! Er schreibt einen Psychothriller-Bestseller nach dem anderen. Dabei lässt er seinen Lesern niemals die geringste Chance das Buch nach dem Beginn wieder wegzulegen. Einfach gnadenlos, dieser Fitzek, gnadenlos gut! Ich war 2006 wohl einer der ersten Kritiker, die sich mit Sebastian Fitzek und seiner „Therapie“ befassten. Damals wusste ich schon, wenn dieser Autor dranbleibt, dann wird er mal ein ganz Großer. Und elf Jahre später ist meine Einschätzung von damals voll eingetroffen. Sebastian Fitzek ist DER deutsche Thrillerautor schlechthin! In seinem neuen Thriller „Flugangst 7A“ geht Fitzek auf aktuelle Themen ein, darunter Psychotests für Piloten, wie Falsch der Mensch Kühe behandelt und Mobbing an der Schule und seine Folgen. Wie das alles zusammenhängt? Lassen Sie sich überraschen. Sebastian Fitzek dreht an der Psychoschraube, lässt den Leser im Dunklen tappen, um ihn dann immer wieder ganz fies zu überraschen!

Droemer, 394 Seiten; 22,99 Euro


Simonetta Agnello Hornby

daumen runter

Der Jasmingarten

Der Jasmingarten

Sizilien Anfang des 20. Jahrhunderts: Die bildschöne Maria wächst als Tochter des Anwalts Ignazio Marra in wohlbehüteten Verhältnissen auf. Als der reiche, deutlich ältere Bergwerksbesitzer Pietro Sala um Marias Hand anhält, sagt das lebenslustige Mädchen ja – aus einer Mischung aus Neugier und Vernunft heraus. Ihr Herz gehört jedoch Giosué, der als Ziehsohn in ihrer Familie aufwuchs. Zunächst versucht Maria, Pietro eine gute Ehefrau zu sein. Als der Lebemann aber immer mehr seiner Spielsucht anheimfällt, sucht Maria die Nähe von Giosué. Der Beginn einer jahrelangen heimlichen Liebe, die auch vor dem Hintergrund der bewegten Zeit immer gefährlicher wird.

Das Cover, der Titel, die Beschreibung, man erwartet bei diesem Roman eine Mischung aus Geschichten einer Lucinda Riley und einer Katharina Webb. Aber leider kommt die Italienerin Simonetta Agnello Hornby nicht annähernd an die beiden Bestsellerautorinnen heran. Sie verliert, nach gutem Beginn, die eigentliche Geschichte aus den Augen. Sie schreibt viel über politische und geschichtliche Ereignisse, die, wenn es richtig gemacht worden wäre, gut in die Geschichte eingebettet hätten werden können, doch die Italienerin übertreibt hier. Es scheint so, als ob ihr diese Elemente im Roman wichtiger waren als ihre Figuren, an denen ich nach und nach die Lust verlor – wie an der ganzen Geschichte.

Goldmann, 415 Seiten; 19,99 Euro


Herfried Mükler

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Der Dreißigjährige Krieg

Der Dreißigjährige KriegNoch heute gilt „Dreißigjähriger Krieg“ als Metapher für die Schrecken des Krieges schlechthin, dauerte es doch Jahrzehnte, bis sich Deutschland von den Verwüstungen erholte, die der längste und blutigste Religionskrieg der Geschichte angerichtet hatte. Dabei war, als am 23. Mai 1618 protestantische Adelige die Statthalter des römisch-deutschen Kaisers Ferdinand II. aus den Fenstern der Prager Burg stürzten, kaum abzusehen, was folgen sollte: ein Flächenbrand, der erste im vollen Sinne „europäische Krieg“.

Das neue, uneingeschränkte Standardwerk zum „Dreißigjährigen Krieg“! Der Autor geht darauf auch ein, in dem er schreibt, dass die letzte große Darstellung aus dem Jahr 1938 stammt. Bei weitem aber nicht diesem Werk entsprach. Herfried Mükler ist Professor für Politwissenschaften und Bestsellerautor. Sein Werk „Der Große Krieg“ fand große Beachtung. Nun erzählt er hier eine lebendige und analytische Betrachtung dieses so lange dauernden Krieges und verweist darauf, dass dieser Krieg womöglich so etwas wie eine Blaupause für die Kriege des 21. Jahrhunderts ist. Daher ist dieser Krieg nicht von antiquarischem Interesse, wie er selbst schreibt, sondern – leider – in anderen Teilen der Welt aktuelle Realität. Das Buch ist in acht große Themenbereich unterteilt: „Anfänge und Vorgeschichten“, „Der Böhmisch-Pfälzische Krieg“, „Der Niedersächsisch-Dänische-Krieg“, „Italienisch-Polnisches-Zwischenspiel“, „Der schwedische Krieg“, „Vom Zerfall der Macht“, „Der lange Weg nach Münster und Osnabrück“ und „Der Dreißigjährige Krieg als Analysenfolie für gegenwärtige und zukünftige Kriege“.

Rowohlt, 974 Seiten; 39,95 Euro


Leigh Bardugo

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Das Lied der Krähen

Das Lied der Krähen Ketterdam – pulsierende Hafenstadt, Handelsmetropole, Tummelplatz zwielichtiger Gestalten: Hier hat sich Kaz Brekker zur gerissenen und skrupellosen rechten Hand eines Bandenchefs hochgearbeitet. Als er eines Tages ein Jobangebot erhält, das ihm unermesslichen Reichtum bescheren würde, weiß Kaz zwei Dinge: Erstens wird dieses Geld den Tod seines Bruders rächen. Zweitens kann er den Job unmöglich allein erledigen. Mit fünf Gefährten, die höchst unterschiedliche Motive antreiben, macht Kaz sich auf in den Norden, um einen gefährlichen Magier aus dem bestgesicherten Gefängnis der Welt zu befreien. Die sechs Krähen sind professionell, clever, und Kaz fühlt sich jeder Herausforderung gewachsen – außer in Gegenwart der schönen Inej …

Fulminante, fantastische und famose Fantasy! Mit sechs wunderbaren Charakteren, die so unterschiedlich sind, das es große Freude macht jeden einzelnen und sie dann auch als Gruppe zu erforschen. Die junge amerikanische Autorin Leigh Bardugo hat mit „Das Lied der Krähen“ einen Nr.-1-New-York-Times-Bestseller geschrieben. Man ist jetzt schon sehr gespannt, wie es mit den sechs weitergeht.

Knaur, 581 Seiten; 16,99 Euro


Vladimir Nabokov

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Briefe an Véra

Briefe an Véra

Vladimir Nabokovs Passion für seine Frau überdauerte vierundfünfzig Jahre, vom ersten Gedicht, das er 1923 für sie schrieb, als er sie kaum ein paar Stunden kannte, bis zu den späten Momenten ihrer Ehe, als er die letzten Bücher seines Lebens, wie die zwanzig zuvor, mit „Für Véra“ zeichnete. Und obwohl sie selten getrennt waren, schrieb Nabokov seiner Frau zahllose Briefe. Während wir Véra hier beim Lesen über die Schulter blicken, werden wir Zeugen der Verwandlung einer Leidenschaft, die alles aussprechen muss, in eine, die alles schon ungesagt einschließt. Diese Briefe lassen im Menschen Nabokov das erkennen, was er in der Kunst am meisten schätzte: Neugier, Zartheit, Freundlichkeit, Ekstase.

 

Ein wunderbares Buch! Berührend, leidenschaftlich, weise – ein Genuss! „Briefe an Véra“ enthalten auf über 1.000 Seiten die Briefe des großen russisch-amerikanischen Schriftstellers Vladimir Nabokov an seine Frau. Das Buch erscheint das erste Mal auf Deutsch. Der Rowohlt Verlag macht mit seiner Vladimir-Nabokov-Reihe jedem Literatur-Fan große Freude! „Briefe an Véra“ ist zweifellos einer der Höhepunkte der nun abgeschlossenen 24 Bände umfassenden Edition.

Rowohlt, 1.147 Seiten; 40,00 Euro


Hörbuch der Woche

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G. F. Unger

Jamie und Clyde / Texas Marshal / Verlorene Stadt

G. F. Unger 3

 

In „Jamie und Clyde“ ist Clyde schnell von der schönen Jamie Boston fasziniert. Aber die Frau spielte die Unnahbare. Männer duldete sie nur am Kartentisch um sich. Beim Pokern konnte Clyde ihr nicht das Wasser reichen. Außerdem spielte die schöne Jamie falsch. Mit dem jungen Donovan würde sie Ärger kriegen. Er hatte den Erlös einer Treibherde an sie verloren. Jamie Boston saß in der Klemme. Sie brauchte Clydes Hilfe. Hörprobe

 

G. F. Unger 2

 

In „Texas Marshal“ schafft US Marshal Lin Adams gerade noch den Weg zur Ranch der schönen Fee Allison. Wieder hat er im Namen des Gesetzes getötet und blieb selbst nicht unverletzt. Es ist ein harter Job, den er macht, und oft verflucht er sich deswegen. Er weiß, Fee möchte ihn festhalten, und sie fragt sich, warum ihre Liebe nicht stärker ist als sein Hass auf die Bösen. Aber kann er ihr sagen, was die Triebfeder seines Handelns ist, welch düsteres Geheimnis sein Leben überschattet? Hörprobe

 

G. F. Unger 1

 

In „Verlorene Stadt“ macht der gnadenlose Reb Taggert und seine Bande die Einwohner von Rio Bend zu Untertanen. Dabei schrecken Sie vor keinem Mittel zurück und bringen Tod und Unglück über die Stadt. Nur Chet Channon, der Schmied der Siedlung, lässt sich nicht einschüchtern. Er ist furchtlos und weiß mit dem Colt umzugehen. Und er weiß, wofür er kämpft. Hörprobe

 

 

Der Westerautor G. F. Unger (eigentlich Gert Fritz Unger, 1921 - 2005) ist Kultautor und Kultmarke zugleich. Er hat das Westernhefte-Genre über Jahrzehnte geprägt. Nun hat sich Lübbe entschieden diesen Schatz aus ihrem Programm – endlich – auch als Hörbuch zu veröffentlichen. Sie haben dafür eine knorrige und bärbeißige Stimme gefunden, den großen deutschen Schauspiel-Star Armin Rohde. Grandios! G. F. Unger und Armin Rohde, das passt perfekt! Die Lesungen werden stimmungsvoll noch mit instrumentalen Westernklängen unterlegt. Eine große Show! Es bleibt zu hoffen, dass Lübbe Audio sich entschließt nach und nach alle G.-F.-Unger-Romane als Hörbuch zu veröffentlichen, so wie sie es auch bei den „John-Sinclair“-Romanen macht. Und Lübbe hat da ja noch einen weiteren Schatz, den man als Hörbuch veröffentlichen kann – die Westernromane der „Lassiter“-Reihe.

Lübbe Audio, je 2 CDs, 159/103/133 Minuten; je 7,90 Euro


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