Kolumne vom 28.01.2019 - Nr.545


Lucinda Riley

daumen rauf

Die Mondschwester

Mondschwester book

Tiggy d’Aplièse hat sich schon als Kind mit Hingabe um kranke Tiere gekümmert. Auch jetzt, als junge Zoologin, ist die Beschäftigung mit Tieren ihre Erfüllung. Als sie das Angebot erhält, auf einem weitläufigen Anwesen in den schottischen Highlands Wildkatzen zu betreuen, zögert sie nicht lange. Dort trifft sie auf Chilly, einen weisen, alten Zigeuner aus Andalusien. Es ist eine schicksalhafte Begegnung, denn er hilft Tiggy, die ein Adoptivkind ist, das Geheimnis ihrer Herkunft zu lüften. Sie reist nach Granada, wo sie dem Lebensweg ihrer Großmutter Lucia folgt, der berühmtesten Flamenco-Tänzerin ihrer Zeit. Und Tiggy versteht endlich, welch großes Geschenk ihr zur Stunde ihrer Geburt zuteil wurde ...

„Die Mondschwester“ ist der fünfte Band der außergewöhnlichen und überragend verfassten „Sieben-Schwestern“-Reihe, von Weltbestsellerautorin Lucinda Riley. Tiggys Part, der im Jahr 2008 spielt, ist wie ein Urlaub im winterlichen Schottland mit spannenden Erlebnissen zwischendurch. Lucias Part, der führt vom Jahr 1922 in Sacromonte, Spanien über 1933 in Barcelona nach Mendoza, Argentinien im Jahr 1944 und weiter nach New York, ist dagegen voller Dramatik, Liebe, Trauer und Abenteuer. Beide Geschichten ergeben einen ausgewogenen Roman, eine fesselnde Geschichte, ganz so, wie man es von Lucinda Riley und der „Sieben-Schwestern“-Reihe gewohnt ist. Wer zu einem Buch von Lucinda Riley greift, der bekommt das Versprechen mitgeliefert, einen Unterhaltungsroman allerhöchster Güte in Händen zu halten!

Mondschwester

Auch als Hörbuch erhältlich bei der Hörverlag. Katja Hirsch liest die Passagen des Romans, die aus der Ich-Perspektive von Tiggy erzählt sind. Oliver Siebeck übernimmt die Binnenerzählung der Mondschwester, die von der Vergangenheit von Tiggys Familie handelt. Britta Steffenhagen übernimmt den letzten Part. Durch die beiden Hauptsprecher ist eine sehr ausgewogene und fesselnde Lesung entstanden. 20,00 Euro.. Hörprobe 5 Min.

Goldmann, 670 Seiten; 19,99 Euro


Anastasia Zampounidis

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Für immer zuckerfrei – Meine Glücksrezepte

Für immer zuckerfrei Meine Glücksrezepte

Unsere Ernährung beeinflusst maßgeblich, wie wir uns fühlen. Dass Zucker extreme Stimmungsschwankungen auslösen, hat die Autorin am eigenen Leib erfahren – erst seit sie dem süßen Gift abgeschworen hat, ist sie ausgeglichen und frei von Heißhungerattacken. Doch Lebensmittel können noch viel mehr! Negative Emotionen beruhen oft auf der Unterversorgung einzelner Organe, und wenn wir unserem Körper geben, was er braucht, kehrt auch die gute Laune zurück. Inspiriert von Traditioneller Chinesischer Medizin, Ayurveda und der mediterranen Küche hat die Autorin Gerichte für jede Stimmungslage entwickelt. Vom entspannenden Hirse-Zimt-Porridge über tröstendes Quinoa-Sushi bis zu Mut machendem Mangoeis.

Die sympathische Anastasia Zampounidis, Ex-MTV-Moderatorin und Außenmoderatorin bei „Wetten, dass …?“, hat mit ihrem Buch „Für immer zuckerfrei“ einen Bestseller gelandet. Diesem Erfolg muss natürlich ein Buch nachgeschoben werden. „Für immer zuckerfrei – Meine Glücksrezepte“ heißt es, und konnte mich nicht überzeugen. Ein Kochbuch mit wenigen Rezeptfotos, dafür vielen Imagebildern der Autorin, und kaum alltagstauglichen Rezepten, deren Zutaten dazu auch noch nicht gerade günstig und auch nicht überall zu bekommen sind. Wenn nicht Anastasia Zampounidis und „Für immer zuckerfrei“ auf dem Cover stehen würde, würde dieses Buch nur wenige Käufer finden. Ein schlechtes Zeugnis.

Lübbe, 206 Seiten; 18,00 Euro


Stefan Appelius

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Die Spionin

Die SpioninDen frühen Jahren des Kalten Krieges in Berlin: Olga Raue, ihr Mann und ihr Schwager spionieren für die CIA, zuerst in der DDR, später in Moskau. Als eine Freundin sie verrät, wird Olga inhaftiert. Sechs Jahre später kauft die Bundesrepublik Olga frei, 1977 darf sie die DDR verlassen. Olga schweigt über ihre Mission – mehr als 50 Jahre lang. Doch als der Autor auf den „Spionagering Raue“ stößt, beginnt sie zu erzählen. Der Autor hat die politischen Wellen, die die Spione auslösten, nachgezeichnet. Doch die menschlichen Hintergründe – die kann nur Olga Raue schildern.

Stefan Appelius erzählt welch Glücksfall es war, überhaupt von der unglaublichen Spionage-Geschichte zu erfahren, und dann, wie schwierig es war, gesicherte Informationen herauszufinden. Doch zum Glück lebte Olga Raue noch, und er machte sie ausfindig. „Die Spionin“ ist eine Geschichte, so spannend wie ein Spionage-Krimi! Ein echtes Fundstück, dieses Buch über Spionagetätigkeiten zu Zeiten des Kalten Krieges. Einige Kapitel sind hier zu nennen: „Von Akten und Menschen“, „Auf die Probe gestellt“, „Ein kleines Rädchen“, „Detektivarbeit“, „Die Wasserstoffbombenfabrik“, „Alles unter Kontrolle“, „Die Welt der Dienste“, „Gute Amerikaner und schlechte Amerikaner“, „Ein Denkmal auf der Clayallee“, „Das geheime Netzwerk“.

Rowohlt, 605 Seiten; 24,00 Euro


Bradley Beaulieu

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Der Zorn der Asirim

Der Zorn der Asirim

Seit Jahrhunderten sehnen sie sich nach Freiheit, größer als ihre Verzweiflung ist lediglich ihr Zorn: Einst wurden die mächtigen Asirim von den Göttern versklavt und den Zwölf Königen unterstellt, die seitdem mit eiserner Hand über die vielgestaltige Wüstenstadt Sharakhai gebieten. Die Waise Çeda ist als Kriegerin in Diensten der Herrscher mit den Asirim verbunden und kennt deren Geheimnis. Doch Çeda fühlt nun auch, was die Asirim fühlen. Wie soll sie jenen uralten Zorn kontrollieren?

 

Schon der erste Band „Die Zwölf Könige“ um Çeda und die Wüstenstadt Sharakhai haben mich begeistert! „Der Zorn der Asirim“ ist nun die Fortsetzung. Die Trilogie um „Die Legenden der Bernsteinstadt“ ist ganz großes Fantasy-Kino zum lesen! Der zweite Band fasziniert genauso wie der erste. Über die wenige Längen sieht man da gerne hinweg. Die Wüstenwelt, die Bradley Beaulieu entworfen hat, und auch die Hauptfigur Çeda sind Magneten, die einen magisch anziehen!

Knaur, 727 Seiten; 16,00 Euro


Iwan-Michelangelo D’Aprile

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Fontane: Ein Jahrhundert in Bewegung

Fontane

In diesem Buch begegnen wir Theodor Fontane, einer der modernsten Autoren seiner Zeit, bei der Eröffnung der ersten deutschen Eisenbahnlinien, begleiten ihn als frühen Pauschaltouristen auf hohe See, erleben ihn 1848 als Barrikadenkämpfer und als Wahlmann für das erste frei gewählte Parlament der deutschen Geschichte. Wir folgen ihm als Korrespondenten nach London, lernen ihn als Beobachter der neuen foto- und telegrafiegestützten Kriegsreportage sowie als Kolonialismuskritiker kennen und erleben, wie er im fortgeschrittenen Alter energisch im Kulturbetrieb der Hauptstadt des neuen Kaiserreichs Berlin mitmischt, den modernen Berliner Gesellschaftsroman begründet und zum Förderer und Idol einer neuen Generation junger Avantgardisten wird.

Der Germanist Iwan-Michelangelo D’Aprile löst Fontane in diesem Buch aus seinem Nahbereich Preußen und Brandenburg, und sucht ihn inmitten der beschleunigten, zunehmend elektrifizierten und globalisierten Welt auf, in der er lebte. Das schreibt der Verlag, und es stimmt. Man erlebt den so verehrten Theodor Fontane in spannenden und eher ungewohnten Lebenswelten. „Fontane – Ein Jahrhundert in Bewegung“ wird Kenner und Neueinsteiger in die Welt des Theodor Fontane gleichermaßen begeistern! Das Buch enthält folgende Schwerpunktthemen: „Glanz und Elend des Apothekers“, „Eisenbahn im Tunnel“, „Barrikade und Ballade“, „Nachrichtenwelten und Weltnachrichten“, „Korrespondenzen des Kriegsjahrzehnts“, „Kündigung im Kaiserreich“, „Romane in Serie“, „Alter und Avantgarde“ und „Erbe und Wahlverwandtschaften“.

Rowohlt, 544 Seiten; 28,00 Euro


Hörbuch der Woche

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Chris McGeorge

Escape Room – Nur drei Stunden

Escape Room Nur drei Stunden

Im Alter von 11 Jahren erlangte Morgan Sheppard als „Kinder-Detektiv“ Berühmtheit, weil er den mysteriösen Tod seines Mathelehrers aufklärte. Heute, 25 Jahre später, wacht er in einem Hotelzimmer in London auf, zusammen mit fünf Fremden. Keiner von ihnen weiß, wie er hierher geraten ist. Die Hotelzimmer-Tür ist verriegelt, und im Badezimmer liegt die Leiche von Simon Winter – Morgans langjährigem Psychiater. Es beginnt ein Spiel der besonderen Art. Die Mitspieler: eine Kellnerin, ein Putzmann, eine Schauspielerin, ein Anwalt und eine Schülerin. Sie alle sind Verdächtige. Morgan Sheppard hat drei Stunden Zeit, seine detektivischen Fähigkeiten erneut unter Beweis zu stellen. Denn eine der Personen im Hotelzimmer ist ein Mörder. Gelingt es Morgan nicht, den Mord aufzuklären, werden sie alle sterben. Kann Morgan das tödliche Spiel gewinnen?

Escape Rooms sind derzeit ja auch in der Realität eine ganz große Sache. Aller Ursprung liegt schon weit über ein Jahrzehnt zurück, als „Saw“ das Licht der Filmwelt erblickte. Löst man das Rätsel nicht, stirbt man. Bei „Saw“ war es meist sehr blutig, auch wenn dort auch schon einiges an Psychologie mit im Spiel war. Bei Chris McGeorges „Escape Room“ fließt nur wenig Blut, der psychologische Spannungsansatz steht hier im Mittelpunkt. Das große Geheimnis: Was hat Morgan Sheppard getan, um in solch einer Situation zu landen? Wenn er dieses Rätsel löst, dann wird er auch den Mord aufklären. „Escape Room“ ist geschickt aufgebaut, die Charaktere erscheinen einem beim Lesen und Hören alle vor dem geistigen Auge. „Escape Room“ ist ein Miträtsel-Thriller mit hoher Spannungsdichte! Man ist der Hauptfigur des Morgan Sheppard nie einen Schritt voraus, daher ist es interessant zu erfahren, ob man das Rätsel eher löst als er selbst. Bühnenschauspieler Torben Kessler trifft den Ton des Thrillers. Er kann Drama und Thriller mit seiner Stimme darstellen. Somit fängt er die Stimmungen der Geschichte gut ein. Hörprobe 3 Min.

Escape Room Nur drei Stunden book



Auch als Paperback erhältlich bei Knaur, 14,99 Euro.

Argon Hörbuch, 1 MP3 CD, 509 Minuten; 16,95 Euro


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